Mittwoch, 31. Dezember 2008

Wenn...

...heute der 31. März 2009 wäre, könnte ich morgen ins Konzert gehen. Ist aber nicht. Also muss ich noch warten. Schade eigentlich.

Einstweilen bleibt die Vorfreude auf Thunder on the Mountain

Dienstag, 30. Dezember 2008

Eher für kleine Pferdekutschen

Unser Hotel liegt in einer Fußgängerzone, daher muss das Auto in den Hof. Nun ist unser Ford Windstar nicht unbedingt das kompakteste Gefährt der Welt, aber mit Geduld, eingeklappten Spiegeln und Augenmaß passt er denn doch durch die Einfahrt, die Ende des 16. Jahrhunderts für kleine Pferdekutschen konstruiert wurde.

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Gut, dass es nicht notwendig ist, das Gefährt durch die Altstadtgassen zu manövrieren, das wäre wohl denn doch etwas arg schwierig, man denke nur an möglichen Gegenverkehr...

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Ansonsten genießen wir nach wie vor die Ruhe, die nur durch zwei bis drei Stunden Arbeit täglich für die beste aller Ehefrauen unterbrochen wird (ein größeres Projekt muss natürlich trotz Urlaub fertig werden, der Kunde ist König).

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Meine Wenigkeit arbeitet derweil, da Notebook und Eee mitkommen durften, an den letzten Feinheiten eines Manuskriptes (die Buchversion der Serie über den 1. Korintherbrief), das womöglich und hoffentlich dann im Frühjahr in den Druck geht. Einen Verlag suche ich allerdings noch...

Aber überwiegend können wir entspannen, bummeln, genießen. Zwar ist der Schnee auch hier nicht anzutreffen, aber es ist winterlich kalt bei blauem Himmel und viel Sonne.

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Siegfried Lenz: Schweigeminute

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Wir haben Siegfried Lenz für ein poetisches Buch zu danken. Vielleicht ist es sein schönstes.
Dieser Satz von Marcel Reich-Ranicki im Feuilleton der F.A.Z. veranlasste mich, das Buch auf meine Wunschliste zu setzten. Der Weihnachtsmann hatte ein Einsehen und ich fand es am 24. Dezember fein verpackt neben dem Christbaum.
Die Schweigeminute zum Andenken der jüngst verstorbenen Stella Petersen füllt 128 Seiten. Keine davon ist zu viel. Fast hätte ich gesagt, das Buch dürfe ruhig länger sein, aber nein. Es ist richtig so, wie es ist. Ein Roman wäre zu viel gewesen, als Novelle passt der Stoff perfekt. Als ich mit der Lektüre fertig war, empfahl ich sie der besten aller Ehefrauen mit dem Hinweis: Schön traurig. Wunder- wunderschön traurig.
Tot ist eine Englischlehrerin, das weiß der Leser sofort, Stella war voller Lebensfreude, liebte ihren Beruf und - nun ja. Beschrieben wird die Schweigeminute von ihrem Schüler Christian, und der hat diese Lehrerin geliebt. Das geht natürlich nicht. Oder doch?
Siegfried Lenz gelingt es durch einen sprachlichen Trick ganz ausgezeichnet, die Zerrissenheit der Beziehung zu vermitteln. Er wechselt beim Erzählen zwischen der zweite und dritten Person Singular, mitten im Satz, zwischen zwei Sätzen... - ein Kunstgriff, um den man Lenz beneiden muss:
Wir lagen nebeneinander, nur mit Badeanzügen bekleidet, ich streichelte deinen Rücken. Ich wollte wissen, warum sie am Wettschwimmen nicht teilnehmen wollte...
Du und sie - es ist immer Stella. Überhaupt ist die Sprache in dieser Novelle sehr reichhaltig und von bester Qualität, ganz dem Thema gewidmet: Es ist ein Buch vom Erwachsenwerden, ein Buch über die Liebe, die nicht sein darf und doch ist. Eine großartige Novelle.
Mein Fazit: Wieder einmal hatte Marcel Reich-Ranicki recht. Wir haben für dieses Buch zu danken. Ob es das schönste Buch von Siegfried Lenz ist, vermag ich nicht zu sagen, da ich längst nicht alle gelesen habe. Aber es ist eine unbedingt lohnende Lektüre.


  • Siegfried Lenz: Schweigeminute


  • 15,95 Euro


  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten, Hoffmann und Campe


  • ISBN-13: 978-3455042849


  • zum Beispiel hier bei Amazon: Schweigeminute

  • Sonntag, 28. Dezember 2008

    Abendstimmung

    Nur rund fünf und eine halbe Stunden von Berlin entfernt genossen wir einen abendlichen Spaziergang durch eine schier mittelalterlich anmutende, noch weihnachtlich geschmückte Stadt. Budweis ist und bleibt ein Juwel, das ich erstmals im Winter besuche.

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    Beim Gang durch die kleinen Gassen der Altstadt meinten wir, dass uns eigentlich jeden Augenblick ein Nachtwächter mit Petroleumlampe entgegenkommen müsste. Kam aber nicht.

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    Nun sind wir wieder in unserem im späten 16. Jahrhundert gebauten (aber zwischenzeitlich modernisierten) Hotel. Ein Paar Stunden lang auf dem Bett ausgestreckt in Bücher (Paul Auster / Barack Obama / Sigfried Lenz) vertieft... ein Gläschen Wein zur Hand...

    Urlaub tut gut! Gute Nacht, liebe Welt!

    Ich bin dann mal dort...

    Da der Winter nicht nach Berlin kommt, fahren wir heute für eine Woche in den Winter:

    Womöglich erwartet uns auch dort kein Schnee, aber es gibt immer noch das beste Bier der Welt, zu jeder Jahreszeit und bei jeder Temperatur. Und sehr viele sehr freundliche Menschen. Und ein gemütliches Hotel. Und ringsum schier endlose Wälder. Und vor allem Abschalten vom Großstadtgetümmel. Und überhaupt...

    Samstag, 27. Dezember 2008

    Der Zwiespalt

    Es gilt, Tomaten mit Äpfeln zu vergleichen. Ein ganz und gar törichtes Unterfangen, ich weiß. Man findet sich unversehens in einem Zwiespalt wieder. Doch wenn der Apfel vorgibt, anhand einer Tomate geschaffen worden zu sein, ist der Vergleich fast unumgänglich.

    Wir waren gestern im Lichtspielhaus und haben uns die aktuelle Verfilmung des Romans Buddenbrooks angesehen. Wenn man das Buch von Thomas Mann wie ich mehrmals und mit Begeisterung gelesen hat, dann ist die Enttäuschung auch bei der bestmöglichen Verfilmung so gut wie unumgänglich, es sei denn, man ist sich vorher schon darüber im klaren, dass ein Apfel keine Tomate sein kann. Und umgekehrt.

    Ich war vorgewarnt, unter anderem durch das Feuilleton der F.A.Z., dass das Unumgängliche auch bei dieser Literaturverfilmung wirklich eintritt: Es fehlen Szenen, es fehlen Protagonisten, es wurde weggelassen und hinzuerfunden. Ein Film ist eben ein Film und ein Buch ist eben ein Buch. Das geht gar nicht anders. Es herrschen ganz unterschiedliche Gesetze in den beiden Medien, und davon einmal abgesehen - wer könnte jemals einen 650 Seiten starken Roman verlustfrei in drei Kinostunden quetschen? Niemand.

    Ich habe also keine tatsächliche Wiedergabe eines Romans erwartet beim Betreten des Filmtheaters - und wurde angenehm überrascht. Der Film vermag es durchaus, die Stimmung zu erzeugen, die Thomas Mann heraufbeschworen hat. Von den Kulissen bis zu den Darstellern fügt sich alles zu einem schlüssigen Portrait einer Epoche zusammen. Ohne Makel, ohne Abstriche. Eine Glanzleistung, ein heutzutage leider selten gewordenes Vergnügen.

    Aber.

    Leider leider gibt es ein Aber. Der Film wurde vor allem nach der Pause denn doch etwas eilig, um nicht zu sagen hektisch. Es gab noch einige Todesfälle darzustellen, und die Zeit schien dem Regisseur davonzulaufen. So wurde quasi Schlag auf Schlag gestorben, wobei die in der ersten Hälfte betörende Stimmung zumindest für mich ein wenig litt. Hannos Sterben nimmt im Roman immerhin ein ganzes Kapitel in Anspruch, in dem Thomas Mann sehr anschaulich darstellt, wie das Kind zu Tode kommt:

    Mit dem Typhus ist es folgendermaßen bestellt: Der Mensch fühlt eine seelische Mißstimmung, die sich rasch vertieft und zu einer hinfälligen Verzweiflung wird. Zu gleicher Zeit bemächtigt sich seiner eine physische Mattigkeit, die sich nicht allein auf Muskeln und Sehnen, sondern auch auf die Funktionen aller inneren Organe erstrecke, und nicht zuletzt auf die des Magens, der die Aufnahme von Speise mit Widerwillen verweigert...

    beginnt die Schilderung im Buch. Im Film stellt der Arzt am Sterbebett fest, dass gegen Typhus kein Kraut gewachsen sei.Es bleibt dem Film einfach keine Zeit, trotz der weggelassenen Personen und Begebenheiten, den Tod des letzten Buddenbrook in Ruhe zu betrachten.

    Und da sind wir wieder bei den Äpfeln und den Tomaten. Die Sprache, die den Roman Buddenbrooks so unvergleichlich und unerreicht macht, findet sich im Film Buddenbrooks so gut wie gar nicht wieder. Leider auch kaum je in den Dialogen, vielleicht hielt der Drehbuchautor die Zuschauer heutzutage für nicht mehr in der Lage, einem Satz mit mehr als zwei Satzteilen zu folgen?

    Dafür hat der Film eine Magie der Bilder und der Kameraführung, die auf ganz eigene Weise das Dargestellte lebendig werden lässt. Das eine ist so einzigartig und gut wie das andere, so wie Tomaten nie die Äpfel ersetzen können und umgekehrt. Es mag lediglich eine Frage der persönlichen Vorlieben sein, wo man die Präferenzen setzt.

    Mein Fazit nach dem Besuch im Kino: Unbedingt sehenswert, ein ganz und gar überzeugender Film, dem man höchstens gegen Ende etwas mehr Ruhe gönnen würde. Ein wunderbares Stimmungsbild mit tragischen, komischen und allen anderen Elementen, die einen Film sehenswert machen. Stimmige Charaktere, eine interessanter Geschichte, wunderbare Darsteller. Man spürt an jedem Detail, dass die Beteiligten ihre Aufgabe ernst genommen und alle Sorgfalt darauf verwendet haben, einen herausragdenden Film zu schaffen. Das ist gelungen. Dieser Film wird einer von den wenigen sein, die auch in 10 oder 20 Jahren noch sehenswert sind.

    Aber natürlich ist dieser Film nicht der Roman von Thomas Mann. Das kann er nicht sein und das wird auch nie irgend eine Verfilmung erreichen. Eine Tomate ist eben kein Apfel. Und es wäre doch ausgesprochen töricht, die beiden miteinander zu vergleichen. Aus dem Zwiespalt wäre ein Entrinnen undenkbar...

    Donnerstag, 25. Dezember 2008

    Nicht nur zur Weihnachtszeit

    Wir haben dieses Jahr Karten- und Geschenkgrüße zu Weihnachten erheblich eingeschränkt, um etwas mehr Geld Menschen widmen zu können, die nicht nur zur Weihnachtszeit auf finanzielle Hilfe angewiesen sind.

    Es gibt zahlreiche Organisationen und Projekte, die Not lindern. Eine davon ist »JAM - Joint Aid Management«, und deren Ansatz der Leistung ist, meine ich, richtig: Nahrung und Bildung.
    Dass in unserer Zeit überhaupt noch Menschen verhungern, ist eine Schande für die Menschheit, und dieses Projekt gibt Kindern zunächst einmal etwas zu essen. Aber Bildung ist genauso wichtig, denn nur wer etwas lernt, kann später dazu beitragen, dass sich die Situation seiner Gesellschaft, seines Landes grundlegend ändert.

    Hier gibt es weitere Informationen über die Arbeit von »JAM«: Kurzfilm zur Weihnachtsaktion

    Mittwoch, 24. Dezember 2008

    Weihnachtsgruß

    Ich wünsche meinen Lesern, je nach Herkunft und Überzeugung, von Herzen
    Obwohl es keinen biblischen Befund in Sachen Weihnachtsfeier gibt und die Geburt Jesu eher im Juni als im Dezember stattgefunden haben dürfte, ist das Christfest mir doch jedes Jahr ein guter Anlass, mich an das schönste und wichtigste Geschenk der Menschheitsgeschichte zu erinnern:
    Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
    Einen herzlichen Gruß an alle Leser, verbunden mit Dank für das Interesse an den Beiträgen hier und meinen besten Wünschen!

    Günter J. Matthia

    Dienstag, 23. Dezember 2008

    hic et nunc

    Beim Editieren eines Büchleins für einen Kunden fiel mir im Vorwort ein Absatz ins Auge, der wunderbar exemplarisch zeigt, wie ein Jurist die Zusammenhänge sieht und beschreibt, denen wir die Weihnachtsbotschaft verdanken:
    Nachdem Adam und Eva den Willen Gottes missachtet hatten, erstarb ihr inneres wahres geistliches Wesen. Der beschriebene Tod war also nicht körperlich und auch nicht seelisch ersichtlich, sondern »nur« in ihrer Beziehung zu Gott wurden sie eingeschränkt und von Gottes Leben abgeschnitten. Daher konnten sie selbst nur noch Kinder zeugen, die ihrerseits lediglich einen »toten Geist« in sich trugen. Dieser Geist war aufzuerwecken.
    Die Auferweckung geschieht durch den Glauben an Jesus Christus, eine individuelle, bewusste Entscheidung jedes einzelnen Menschen und das Bekenntnis dieser Entscheidung. Daraus erschließt sich auch die Unerheblichkeit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten christlichen Religionsgemeinschaft. Es muss danach gleichgültig erscheinen, ob jemand als Katholik, Protestant, evangelischer Freikirchler oder gar ohne spezifische Gemeindezuge­hörigkeit an die rettenden Taten Jesu Christi glaubt.
    Es kommt nur darauf an, sich in einer vorsätzlichen Entscheidung dieser Wiedergeburt zu unterziehen, die sich hic et nunc – hier und jetzt – innerlich und geistlich vollzieht.
    Hat mir gut gefallen, diese juristische Version des Evangeliums. Mehr über das besagte Büchlein gibt es hier zu lesen: Norbert Kirsch - Deklarationen der Bibel zu wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen


    Montag, 22. Dezember 2008

    Aber aber, Herr Goethe...

    ...was sollen wir denn davon halten? Sind Sie wirklich in solch missliche Lage geraten? Oder reden Sie nicht von sich selbst? Autoren neigen ja bekanntlich zum Flunkern...

    Sonntag, 21. Dezember 2008

    Pseudoenglisches Gefasel

    Regelmäßig rieselt mir bei den Ansagen in unserer Gemeinde ein Entsetzensschauer über den Rücken. Da gibt es »Flyer« für diese und jene Veranstaltung, man bekommt Informationen am »Info-Counter« und es findet demnächst ein »Meeting« zu diesem oder jenem Thema statt. Und dann darf die »Worship-Gruppe« auf die Bühne kommen.
    Noch schlimmer wird es, wenn die Tchibo-Werbung ins Haus flattert. Da tummelt sich die »Longbluse« mit dem »Outdoor-Mantel« neben »Soft-BHs« und diversen »Shirtys«.
    Auch auf den Straßen und in den Restaurants ist der Sprachmüll nicht mehr wegzudenken. Der Schriftsteller Ze Do Rock: »Da gibt es eine Münchener Kneipe, die einen 'sandwich mit cheese und bacon' anbietet. Der Wahnsinn, oder?«

    Jede Menge pseudoenglisches Gefasel.

    Es gibt ja durchaus englische Begriffe, die ihren berechtigten Platz in unserer Sprache einnehmen. Zum Beispiel fällt mir für »Sandwich« kein griffiger deutscher Begriff ein. Peter Hahne, Fernseh- und Buchautor sowie Nachrichtensprecher, formuliert das so: »Man soll die eigene Sprache nicht krampfhaft gegen Einflüsse von außen abschotten, aber auch nicht alles kritiklos übernehmen.«
    Bastian Sick bringt es auf den Punkt: »Wer seine Sprache mit Englisch garniert, gibt sich weltgewandt und modern. Und kann sich abgrenzen gegen all jene, die ihn nicht verstehen sollen, weil er in Wahrheit gar nichts mitzuteilen hat.« Matthias Brodowy, Kabarettist: »Hinter einem denglisch-babylonischen Sprachgewirr kann man sich wunderbar verstecken, Wissenslücken vertuschen und Kompetenz vorgaukeln.«
    Richtig. Die Vermutung liegt nahe, dass man irgendwie moderner und womöglich gar gebildet wirken will, wenn man für die Veranstaltung mit einem »Flyer« wirbt statt mit einer »Einladung«. Die »Longbluse« verkauft sich bestimmt besser als eine »lange Bluse«, und wer würde schon ein »Sandwich mit Käse und Schinken« bestellen...
    Und nun steht uns Weihnachten X-Mas bevor.
    Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS), die mit über 30.000 Mitgliedern größte internationale Sprach-Bürgerbewegung, hat den Begriff »X-mas« als das überflüssigste und nervigste Wort des Jahres 2008 in Deutschland ausgewählt. Dazu Prof. Dr. Roland Duhamel, VDS-Vorstandsmitglied und Germanist der Universität Antwerpen: »Der Begriff soll ein Kürzel für Weihnachten bzw. 'Christmas' sein, steht aber im krassen Gegensatz zu allem, was man in Deutschland mit Weihnachten verbindet. ... Bei diesem Anglizismus wird sogar das Wort »Christ« durch das schnöde Kürzel X ersetzt.«
    Die Auswahl traf der VDS-Vorstand aus Begriffen, die von Mitgliedern und anderen Bürgern immer wieder als besonders störend genannt wurden und für die es bessere und verständlichere deutsche Wörter gibt. Auf Platz 2 und 3 in der Liste der überflüssigsten und nervigsten Wörter kamen die Anglizismen »Flyer« (deutsch: Flugblatt) bzw. »Human Resources« (wörtlich: »menschliche Rohstoffe«; soll für Angestellte oder Personal stehen).
    Ich habe in der Vergangenheit diese und andere Unworte nicht benutzt und werde sie auch im kommenden Jahr nicht in den Mund nehmen. Sie werden sich auch nicht in meinen Schriften finden. Und selbst wenn das mancher pingelig oder kleinkariert findet, werde ich mich auch zukünftig zum Sprachmüll zu Wort melden. Da denke ich wie Dieter Hallervorden:
    »Die deutsche Sprache ist nicht nur mein Arbeitsmedium, sondern auch öffentliches Gut und wichtigster Ausdruck unserer Kultur. Sie bedarf deshalb ebenso der Pflege und des Schutzes, wie Wasser, Boden und Luft.«
    Quelle der Zitate: VDS

    Samstag, 20. Dezember 2008

    Mitten im Fettnäpfchen

    Es wird ihn nicht stören, den Marcel Reich-Ranicki, wenn er sich in einem Fettnäpchen wiederfindet. Hat er sich doch selbst hineinbegeben. Da fragte ein Leser:
    Beim Blick auf Ihren Kanon und auch auf meinen Bücherschrank fällt auf, dass die von Frauen produzierte Literatur unterrepräsentiert ist. Woran liegt das?
    Reich-Ranicki war um eine Antwort nicht verlegen:
    Das hat einen einfachen Grund: Hochbedeutende Romane, Dramen, Opern oder Symphonien von Frauen gibt es überhaupt nicht oder ganz selten (eventuell Romane, zumal englische). Man überlege sich, ob es einen Bach, Mozart oder Beethoven weiblichen Geschlechts gibt, einen Dante, Shakespeare, Goethe oder Tolstoi, einen Michelangelo, Leonardo oder Dürer. Und man sei nicht gleich beleidigt, wenn man eine derartige Frage stellt. (Quelle: Fragen Sie Reich-Ranicki)
    Ei ei ei! Wenn das mal nicht Schimpfe gibt, von weiblicher Seite. Ich will mit meiner Deutung des Phänomens versuchen, die Wogen zu glätten:

    Wir Männer sind weder so attraktiv, dass man uns dauernd malen müsste, noch lohnt es sich sonderlich, über uns irgendwelche Oden zu verfassen. Ganz anders ist es mit den Frauen: Sie sind so wunderbare Geschöpfe, dass wir Männer nicht umhin können, ihnen auf alle erdenkliche Weise zu huldigen - ob nun im Lied, im Gemälde oder in der Literatur.

    Freitag, 19. Dezember 2008

    Obabmas Gebetsgruppe

    Zu den geistlichen Beratern des zukünftigen Präsidenten der USA gehören Bishop T.D. Jakes von der Mega-church »The Potter's House«, der Rev. Joseph Lowery der »Southern Christian Leadership Conference«, und Rick Warren, Pastor der »Saddleback Church in Lake Forest«. Diese drei treffen sich regelmäßig zu einem Gebetskreis mit Barak Obama.
    Rick Warren, in dessen Kirche während des Wahlkampfes Obama und McCain sich der öffentlichen Befragung gestellt hatten, hat nun zugesagt, bei der Amtseinführung das Gebet zu sprechen, berichtet die Los Angeles Times.

    Schön, dass sich Obama nicht von Kritikern beirren lässt, denen solche Leute zu konservativ sind, sondern dass er seinen Weg der Aussöhnung und Überwindung von gesellschaftlichen Barrieren auch mit solchen Gesten deutlich macht. Die notwendigen Veränderungen in Amerika, meine ich die Situation von außen betrachtend, können nur gelingen, wenn möglichst viele am gleichen Strang ziehen. Alle werden es wohl nie sein, aber je mehr, desto besser.

    Donnerstag, 18. Dezember 2008

    Pfannkuchenmenschen

    Auf dem pro-Blog gibt es einige interessante Gedanken zum Micro-Blogging und zur zunehmenden Unfähigkeit der Menschen, sich mit längeren Texten zu beschäftigen.

    Aber sind die Pfannkuchenmenschen schuld, dass immer kürzer geschrieben wird oder ist das immer kürzere Schreiben Schuld an der Verbreitung der Pfannkuchenmenschen? Das ist irgendwie so eine Sache, mit dem Huhn und mit der der Henne.

    Ich hoffe, der Text ist kurz genug auch für die Micro-Blog-Leser...

    Mittwoch, 17. Dezember 2008

    Linda

    »Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelte einer in unser Gruppe am Tresen. »Sie hat eine Pistole in der Handtasche und ist auf dem Weg zu ihrem Verlobten.«
    Linda war schon durch den Ausgang der Bar verschwunden. Keiner von uns bewegte sich, obwohl wir wussten, dass wir etwas hätten unternehmen sollen. Oder rechtzeitig den Schnabel halten, aber niemand hatte bemerkt, dass Linda in die Bar gekommen war, und wir plauderten unbekümmert miteinander.
    Eigentlich war das Gespräch nur zufällig darauf gekommen, dass Lindas Verlobter mit Jenny geschlafen hatte. Haben sollte. Eventuell. Keiner wußte etwas, alle mutmaßten und ein Wort gab das andere, wie es eben so ist, wenn man an der Bar sitzt und schon ein paar Bierchen intus hat.
    Jetzt war Linda wieder weg.
    »Er weiß ja noch nicht einmal, dass sie auf dem Weg zu ihm ist«, meinte ich, »sie klopft an die Tür und peng!«
    »Was ist nur aus dieser Welt geworden...«, sagte der ältere Herr mit der braunen Mütze, von dem keiner so recht wusste, wer er war. Er saß so gut wie jeden Abend in der Bar, wie wir alle.
    Mein Vater hatte mir immer gesagt, dass zwischen Liebe und Hass nur eine hauchdünne Grenze existieren würde. Ist die erst einmal überschritten, gibt es kein zurück mehr. Vielleicht stand ich deshalb nicht auf, um Linda zu folgen, nahm ich deshalb nicht das Telefon in die Hand, um ihren Verlobten zu warnen.
    »Früher«, sagte Jack, »gab es noch Treue. Heute gilt das alles nichts mehr. Man kann gar nichts machen.«
    »Das geht nicht gut aus«, mutmaßte Paul. Paul meinte immer, er sei eben Realist, wir hielten ihn für einen unverbesserlichen Pessimisten. »Ich habe da ein ganz böses Gefühl, der Typ sollte auf der Hut sein, Linda hat eine Knarre und Linda ist stinksauer.«
    Ich entgegnete: »Warum muss er auch mit Jenny rummachen, er hat ja die Kiste der Pandorra selbst geöffnet!«
    »Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelte wieder einer, ich glaube, es war Jack. Seine Stimme klang aber nicht so wie sonst. So, als kämpfte er mit den Tränen. Ausgerechnet unser harter Jack!
    Paul meldete sich wieder zu Wort, nachdem er sein Glas in einem Zug geleert hatte: »Es sind immer die Frauen, die den Männern zum Verhängnis werden.«
    »Simson wegen Delilah, Ahab wegen Jezebel, König David wegen Bathseba«, stimte ich zu. Ich gab gerne mit meiner Bildung ein bisschen an. Die anderen kannten das nicht anders.
    Paul nickte: »Und steckte nicht auch eine Frau dahinter, als Johannes der Täufer geköpft wurde?«
    »Linda hat geweint«, sagte die tränenschwangere Stimme. Es war tatsächlich Jack. »Die ganze Schminke verschmiert, und sie hat sich noch nicht einmal das Gesicht gewaschen, ist einfach losgestürmt. Hat in ihre Handtasche geschaut, die Pistole halb rausgezogen, wieder reingesteckt und weg war sie. Jemand sollte Linda aufhalten!«
    Ich ergänzte: »Eine Beretta, sie hat eine Beretta.«
    Wir nickten, alle, glaube ich. Der Wirt stellte volle Gläser auf den Tresen.
    Ich trank einen großen Schluck.
    Sandra quetschte sich zwischen mich und Paul. »Hast du schon was vor?«, fragte sie mich.
    »Wie, vorhaben?«
    »Na ja, ich würde jetzt nach Hause gehen und bin so alleine.«
    »Lass mich noch austrinken, dann gehen wir«, meinte ich und legte ihr den Arm um die Schultern.

    P.S.: Das floss mir neulich aus den Fingern, nachdem ich wieder einmal Wyclef Jean mit »Linda« von dem wunderbaren Album »Preacher's Son« gehört habe. Plagiat? Nee. Interpretation! Und tiefe Verbeugung vor Wyclef Jean.
    P.P.S.: Falls der Text zu lang erscheint: Morgen gibt es hier einen Beitrag zum Micro-Blogging. Mehr oder weniger.

    Dienstag, 16. Dezember 2008

    Heute...

    gibt es hier nichts Neues.

    Montag, 15. Dezember 2008

    I did, I do, I will

    Beim Aufräumen fand ich ein etwa 12 Jahre altes Gedicht in englischer Sprache aus meiner Feder, das ich, der Notiz zufolge, »for my one and only true love« geschrieben habe. Es nahm an einem »poetry contest« teil - erfolglos. Ob es gut oder mies oder durchschnittlich ist? Keine Ahnung. Bittesehr:

    I did believe
    in dark desperation
    in inescapable isolation
    in hideous hopelessness
    in flawless frustration
    until I met you

    I do believe
    in carrying care
    in healing happiness
    in justificable joy
    in large-hearted love
    because I met you

    I will believe
    in eternal emanation
    in delving desire
    in sensitive satisfaction
    in endless ease
    since i met you

    Was auch immer das Gedicht taugen mag - meine Gefühle sind die gleichen wie damals. Das ist mehr wert, als ein gewonnener Wettbewerb, finde ich.

    Sonntag, 14. Dezember 2008

    Go, Remscheid, go!

    Also das finde ich nun wirklich gut, obwohl ich noch nie dort war: Die Jesus-Freaks in Remscheid, bei denen ich schon viele gute Predigten heruntergeladen habe, können sich auf 780 Quadratmeter vergrößern. Ein Projekt, das unbedingt Unterstützung verdient. Storch, der Remscheider Ober-Jesus-Freak, dem ich viele geistliche Impulse von seinem Blog verdanke, meint:
    Die nächsten Monate werden für uns als Gemeinde sehr herausfordernd werden: wir brauchen Material, Geld, Hilfe und Gebet, um das Projekt realisieren zu können. Deswegen haben wir einen offenen Newsletter geschrieben. Ich bitte Euch, den NL zu lesen und weiter zu leiten, ihn auf Eurem Blog zu veröffentlichen usw. Er soll schön bekannt werden.
    Meine Sympathie und Unterstützung ist den Remscheidern sicher. Vielleicht sind ja auch unter meinen Blogbesuchern ein paar Symathisanten?

    Download des Newsletters (PDF) zum Weitergeben: Newsletter Werk 2

    Samstag, 13. Dezember 2008

    Ausgerechnet RTL

    Am Donnerstag Abend hat vier Stunden lang ein durchaus freundlicher und gebildeter Medienmensch uns und unsere Wohnung heimgesucht, im Auftrag des Fernsehsenders RTL. Eingebrockt hat uns das unser Teenager.

    Interviews vor der Kamera (das wird so nicht gesendet, ist nur für das Redaktionsteam), ein paar gestellte Szenen (bitte ganz natürlich, nicht in die Kamera schauen, die ist gar nicht vorhanden) und recht konservative Regieanweisungen (die beste aller Ehefrauen im Wohnzimmer auf dem Sofa, meine Wenigkeit am Schreibtisch im Arbeitszimmer, Teresa mit bester Freundin in ihrem Zimmer beim »Chillen«), Aufnahmen aller Räume (einschließlich Klo) aus wechselnden Perspektiven (nein, wir brauchen keine Scheinwerfer, das wirkt unnatürlich, und die Kamera hat ein sehr lichtstarkes Objektiv).

    Nun ja. War mal eine interessante Abwechslung. Ob aus dem geplanten RTL-Projekt etwas wird, erfahren wir irgendwann im Januar. Dann würde die Heimsuchung mit Ü-Wagen und gefühlten 100 Technikern, Assistenten, Redakteuren, Cateringlieferungen und werweißwasnochalles vier Tage über uns hereinbrechen. Will sich das ein halbwegs vernünftiger Mensch wirklich antun? RTL ist einer der Sender, die ich nie einschalte. Ausgerechnet RTL... Da würde ich lieber die Leiche in einem Tatort spielen, ein eher ruhiger Job.

    Aber man will ja auch kein Spielverderber sein, Teresa hätte sicher eine Menge Spaß, die Hauptrolle in der fraglichen Folge der fraglichen Produktion zu spielen. Wir werden sehen. Vielleicht geht ja der Kelch an uns vorüber.

    Freitag, 12. Dezember 2008

    Häufig gestellte Fragen 7

    Eine weitere Frage, die mir immer wieder begegnet, ist die nach der »richtigen« Gemeinde oder Kirche. Zum Beispiel fragte jemand:
    ...Ich fühle mich in meiner Gemeinde überhaupt nicht wohl. Es ist mir alles zu steif und zu unpersönlich, die Leute wirken fast schon unnatürlich auf mich. Darf man denn im Gottesdienst nicht lachen?
    Es gibt hier am Ort auch andere Gemeinden, zum Beispiel die XXXXX*, da war ich mal zu Besuch und fand das eigentlich ganz toll. Na ja, nach einem Besuch kann man nicht viel sagen, aber die Leute schienen mir natürlicher, nicht so komisch steif und ernst. Aber jetzt hat mir jemand aus meiner Gemeinde abgeraten, weil in der XXXXX* ein Schwarmgeist verbreitet sei...
    (* hier stand der Name der Gemeinde)
    In einer anderen Zuschrift war es so formuliert:
    ...Ich fühle mich als mündiger Christ und brauche keine Vermittler oder Bischöfe, denn ich habe eine persönliche Beziehung zu Gott und kann mit IHM direkt reden!
    Andererseits gefällt mir das emotionale Element in der Katholischen Kirche, zum Beispiel dass Weihrauch auch die Sinne anspricht...
    Man kann die Kernfrage natürlich auf vielfältige Weise formulieren, diese zwei Ausschnitte aus Zuschriften sind nur exemplarisch. Welche Kirche oder Gemeinde ist die richtige?

    Meine Antwort lautet in etwa so:
    Ich bin überzeugt, dass es die perfekte Konfession beziehungsweise Gemeinde nicht gibt. Und wenn es sie gäbe, dann wäre sie in dem Moment, wo ich mich ihr anschließe, nicht mehr perfekt.
    Wir haben es immer mit Menschen zu tun, und Menschen sind nun einmal nicht frei von Fehlern. Auch »geistliche Leiter« nicht. Dazu kommt, dass über 2000 Jahre alles mögliche und unmögliche an Traditionen, Auslegungen, Erfahrungen und - leider - Machtstrukturen entstanden ist.
    Ich kann einen katholischen Gottesdienst mit genausoviel Gewinn besuchen wie eine freikirchliche Versammlung, kann andererseits aus einer charismatischen Gemeinde genauso unberührt und unverändert nach Hause gehen wie aus einer evangelischen Kirche. Wenn ich Gott suche, mich nach seiner Nähe sehne, dann kann er mir (und wird er mir) begegnen. Dazu braucht er kein bestimmtes frommes Umfeld.
    Das heißt nun nicht im Umkehrschluss, dass das fromme Umfeld eine Begegnung mit Gott ausschließen würde. Beides ist möglich: Jesus hat sowohl in den Synagogen den Menschen gedient, als auch in der Wildnis. Paulus hat auf Marktplätzen gepredigt und in den Häusern der Gläubigen. Schon im Alten Testament konnten Menschen Gott im Tempel genauso begegnen wie in einem brennenden Busch.
    Bei der Gemeindewahl spielt eine Menge persönlicher Geschmack eine Rolle. Mancher mag den Weihrauch und andere Bestandteile der katholischen Messe, andere Menschen bevorzugen alles, was schmucklos und schlicht ist. Evangelische Christen betonen gerne das Wort, charismatische sind hinter Gefühlen her. Ich finde es wichtig, dass man sich in der jeweiligen Form der Gemeinschaft mit anderen Christen wohl fühlt. Man wird vermutlich immer etwas finden, was nicht deckungsgleich mit den eigenen Vorstellungen ist, in welcher Kirche oder Gemeinde man auch sein mag. Ich muss manchmal den Kopf schütteln, wenn ich in »meiner« Gemeinde bin, einiges geht mir geradezu gegen den Strich, aber im großen und ganzen fühle ich mich am richtigen Platz.
    In Großstädten gibt es meist für jeden Frömmigkeitsstiel eine passende Gemeinde oder Kirche, von der feierlichen Messe bis zur Hausgemeinde, vom Gottesdienst in der Kneipe bis zum Dom. Man kann Kirche ausgelassen afrikanisch erleben, oder feierlich russisch-orthodox. Die einen verharren in stiller Kontemplation, die anderen hüpfen wild zu lauter Rockmusik herum, wenn sie Jesus anbeten.
    In ländlichen Gegenden, in denen ich ja auch schon gelebt habe, ist das Angebot wesentlich beschränkter, aber Gott lässt sich überall finden. Und er fragt nicht danach, an welche Organisation wir Kirchensteuern oder Spenden entrichten, welche Konfession auf unserer Taufkarte steht...
    Es schadet nichts, sich in verschiedenen Kirchen und Gemeinden umzuschauen. Wichtig finde ich, dass man überhaupt irgendwo Gemeinschaft und Austausch mit anderen Christen pflegt. Welches Etikett da jeweils draufklebt, ist eher zweitrangig und vor allem eine Geschmacksfrage. Aber wir brauchen alle Korrektur durch andere, sollten die Bibel kennen lernen, indem wir uns darüber austauschen und nicht ohne Grund heißt es: »Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.« Gemeinschaft ist wichtig.
    Falls jemand meiner Leser die perfekte Kirche kennt, bitte ich um einen Tipp. Die muss ich mir unbedingt anschauen!

    Mittwoch, 10. Dezember 2008

    Dem Löwen in die Pranken geraten

    Karl May, heute weitgehend in Vergessenheit geraten, hat in seinem kleinen Aufsatz »Freuden und Leiden eines Vielgelesenen« recht eigentümliche Gedanken geäußert:
    Glücklich, dreifach glücklich ist der Autor zu preisen, dessen Werke nie zum Drucke angenommen werden! Sie bleiben sein unbestrittenes geistiges Eigentum, und er kann, ohne jemals widerrechtlich nachgedruckt zu werden, zwischen seinen vier Wänden und im Kreise seiner heimlichen Bewunderer so oft, als es ihm beliebt, in ihren Schönheiten schwelgen; sie dürfen ihm so lieb und so kostbar sein und bleiben wie eine Sammlung von Diamanten, die man nie verkauft.
    Schon weniger glücklich ist der Autor, welchem die Fatalität begegnet, ein oder einige Male gedruckt zu werden. Er ist dem Löwen der Öffentlichkeit in die unerbittlichen Pranken geraten, wird von ihm hin- und hergeworfen und hat von Augenblick zu Augenblick den entsetzlichen Biß zu erwarten, der ihm den Garaus macht. Das Honorar ist nur die Lockspeise gewesen, welche ihn in eine Lage brachte, der er nur durch die nunmehrige größte schriftstellerische Enthaltsamkeit entrinnen kann. Von einem vertraulichen, behaglichen, häuslich verborgenen Genusse seiner Geistesfrüchte kann keine Rede sein!
    Und nun erst derjenige unglückliche Litterat, den der obenerwähnte, p.t. Löwe so fest hält, daß er nicht wieder loskommen kann! Er ist einem so beklagenswerten Geschick verfallen, daß jedes nur einigermaßen mitleidige Menschenkind ihm – – doch, wozu die Einleitung so lang machen! Ich gehöre ja leider selbst zu dieser Klasse von Duldern, und wenn ich von meinen Leiden erzähle, die von einigen seltenen Lichtblitzen nur um so stärker hervorgehoben werden, so werden damit die Qualen meiner Berufsgenossen auch beschrieben und ich brauche sie also gar nicht eingangsweise aufzuzählen.
    Quelle: Freuden und Leiden eines Vielgelesenen
    Nun ja. Herr May badet im Selbstmitleid und freut sich an seiner schönen Villa mit ausgestopften Löwen, Bären und anderen gekauften Trophäen. So unterhaltsam seine Geschichten als »Old Shatterhand« oder »Kara Ben Nemsi« auch waren, er hat all die wunderbaren Abendteuer ja nie erlebt.

    Mir jedenfalls macht es Freude, wenn meine Geschichten und thematischen Texte Leser finden, von Qualen weiß ich nichts zu berichten. Daher wird es voraussichtlich 2009 neuen gedruckten Lesestoff geben.
    Wer noch auf der Suche nach Geschenken für sich selbst oder andere ist, kann ja mal hier nachschauen: »Gänsehaut und Übelkeit« / »Ich aber habe für dich gebetet« / »Es gibt kein Unmöglich!«

    Erweckung - und dann?

    Ich hörte kürzlich von einem Gastsprecher, der in Berlin predigte, ein paar bemerkenswerte Gedanken. Der Pastor lebt und arbeitet in Argentinien, also in einem Land, das vor einigen Jahren einen geistlichen Aufbruch erlebt hat, der von vielen als »Erweckung« bezeichnet wurde.
    Das war so etwa von 1985 bis 1995, ein paar Jahre hin oder her sind hier nicht entscheidend. Denn es ging Raúl Reyes, so heißt der Gast aus Argentinien, nicht um vergangene glorreiche Epochen, sondern um etwas ganz anderes:
    Was ist eigentlich geblieben? Wenn es wirklich Erweckung gab, dann müsste doch etwas davon heute in unserem Land sichtbar sein. Aber: Wir haben eine Kriminalitätsrate, die höher ist als damals. Wir haben Abtreibungen, Kinderprostitution, Armut, Not und Elend in Hülle und Fülle.
    Erweckung muss zur Transformation der Gesellschaft führen. Unser Fehler war dieser: Wir haben die jungen Leute in die Bibelschulen geholt, anstatt sie in die Gesellschaft zu schicken.
    Gott ist es leid, dass wir dauernd neue Aktivitäten für uns selbst erfinden.
    Ein kluger Mann, dieser Raúl Reyes. Eine späte Einsicht ist besser als gar keine, und andere Menschen, wir zum Beispiel, können aus solchen Erfahrungen lernen. Wenn wir die richtigen Schlüsse ziehen.

    Dienstag, 9. Dezember 2008

    April's Fool?

    Hoffentlich kein Aprilscherz: His Bobness kommt, nachdem er uns dieses Jahr schnöde hat links liegen lassen, am 1. April 2009 nach Berlin. Tickets gibt es noch nicht - aber jede Menge Vorfreude. Bei mir zumindest.

    Hier die Vorankündigung: European Tour Dates Spring 2009

    Je nach Wetter bin ich dann mit hellem (wie der freundliche Herr rechts im Bild) oder dunklem Hut anzutreffen, wenn das Licht ausgeht und es heißt: »...please welcome Columbia recording artist: Bob Dylan!«

    P.S.: Foto von BobDylan.com

    Montag, 8. Dezember 2008

    Von wegen Faulheit...

    Neulich - genau genommen vorgestern - war ja hier zitierenderweise ein gewisses Loblied auf die Faulheit kaum zu übersehen. Ich dagegen sitze, es ist Sonntag morgen, seit 06:30 Uhr am Schreibtisch und sehe dieses vor mir:
    Lauter niedliche »a hrefs« und widerborstige »pad10top pad14lefts« und all ihre Gesellen, beispielsweise das quietschvergnügte »colspan="4" align="left" valign="top" class="line"« tummeln sich vor meinen Augen. Links der Kleine mit Linux im Bauch und augenschonendem externen Bildschirm (und pikanterweise Microsoft-Maus), rechts der Monitor des Großen mit Software aus dem Hause des freundlichen Herrn Gates...
    Mich deucht, niemand kann behaupten, dass ich der Faulheit anheimgefallen wäre. Gestern habe ich beim Umzug geholfen, Möbel auseinanderschrauben, Kisten schleppen, das Übliche eben und deshalb ist nun diese Arbeit heute zu früher Morgenstunde und später am Tag zu verrichten. Deadline ist eben Deadline, würde Tina sagen, aber über Tina zu erzählen, fehlt mir jetzt die Zeit...
    So, genug gebloggt für morgen (Montag), zurück zu »class="navinode1"« und Co.

    Sonntag, 7. Dezember 2008

    Stephen King: Just After Sunset

    Es geschieht eher selten, dass ich beim Lesen eines Buches den Autor bedrohend vor mich hinmurmeln muss: »Wehe, du bringst sie jetzt um! Dann kannst du mich kennen lernen!«
    Bei diesem Buch allerdings ist mir das rausgerutscht. Ein paar Seiten später konnte ich aufatmen und Stephen King wird vorerst nicht in den Genuss meines rächenden Besuches kommen.

    Die Rede ist von »Just After Sunset«, dem bisher letzten Buch aus seiner Feder. Eine Sammlung von zwölf Kurzgeschichten, bei denen jede ihre eigene Faszination hat. Ob uns der Autor nun zur Pinkelpause auf eine nächtliche Raststätte mitnimmt oder ob wir Zeugen eines einseitigen Gespräches zwischen einem Handelsvertreter und einem taubstummen Mitfahrer werden - immer sind wir mitten im Geschehen, werden zu Betroffenen und Miterlebenden. Kaum jemand vermag so hautnah zu erzählen wie Stephen King.
    In front of him tacked to the wall with a blue pushpin, was a filecard. Typed on it was FOR WE ALL HAVE SINNED AND FALLEN SHORT OF GOD'S GLORY. It had been a long time, but Monette didn't think that was standard equipment. He didn't even think it was Baltimore Catechism.
    From the other side of the mesh screen the priest spoke. 'How you doing, my son?'
    Monette didn't think that was standard, either. But it was alright. Just the same, he couldn't reply at first. Not a word. And that was kind of funny, considering what he had to say.
    'Son? Cat got your tounge?'
    Still nothing. The words were there, but they were all blocked up.
    Die Geschichten in diesem Buch sind nicht neu, sondern wurden in verschiedenen (hierzulande kaum verbreiteten) Magazinen und als Download bereits veröffentlicht. Mir waren bis auf zwei Erzählungen allerdings alle unbekannt. Und die beiden, die ich schon gelesen hatte, las ich gerne noch einmal.
    Die einzige Erzählung, die stark an den »alten« Stephen King, der im Horror-Genre zu Hause war, erinnert, ist »N.«. Und selbst diese Geschichte wird dadurch glaubwürdig, dass wir es mit den Auszeichnungen eines Psychologen zu tun haben, der Chronik einer fortschreitenden Paranoia. Zwar taucht auch »das Böse« auf, das die Welt zu vernichten droht, aber mit durchaus diesseitigen Bestandteilen...
    Ansonsten geschieht das meiste im hier und jetzt, mal erschütternd, mal erheiternd, mal appetitverderbend, mal sehnsuchtweckend. Natürlich wäre es undenkbar, dass die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits bei Stephen King fest gemauert und unverrückbar steht. Wir treffen beispielsweise auf »Ayana«, ein blindes Mädchen, das die Gabe der Heilung hat, oder auf einen Mann, der beim Fitness-Training im Keller mit seinem »Stationary Bike« in gefährliche Gegenden gerät. Und wie es nach dem Tod womöglich weitergeht, auch darüber fabuliert der Autor ganz vortrefflich, indem er ein paar Hinweise gibt, wie das menschliche Zeitempfinden sich in der Ewigkeit womöglich verändert.
    Doch auch ganz und gar Irdisches wartet auf die Leser: Wer schon immer ein gewisses Misstrauen gegen die (hierzulande so genannten) Dixi-Klos hatte, wird am Ende des Buches wissen, dass diese Gefühle berechtigt sind - und vermutlich zukünftig mit noch größerem Widerwillen ein »Port-O-San« aufsuchen. Und alle Leserinnen, die dem Jogging verfallen sind, erfahren, wozu das eines Tages gut sein kann.
    She tried as hard as she could, ran as hard as she could, and the sand - cold and wet where she was running - soothed her firy heel a little, but she could still get into nothing resembling her old gait. She looked back and saw him gaining, putting everything he had into a final sprint. Ahead of her the rainbows were faiding as the day grew relentlessly brighter and hotter.
    She tried as hard as she could and knew it wasn't going to be enough. She could outrun an old lady, she could outrun an old man, she could outrun her poor sad husband, but she couldn't outrun the mad bastard behind her.
    Als ich mich den letzten der 368 Seiten näherte, maulte ich: »This book should not end so soon! Why can't it be longer?« Die beste aller Ehefrauen schmunzelte und überließ mich meiner Verzweiflung, dass ich nun voraussichtlich viele Monate auf Nachschub von Stephen King warten muss. Er hat zwar einen neuen Roman verfasst, aber bis der auf den Markt kommt, kann es dauern...

    Mein Fazit: Eine kurzweilige, abwechslungsreiche und auf jeder Seite fesselnde Lektüre. Gerade auch für interessierte Leser geeignet, die immer noch dem Trugschluss verfallen sind, Stephen King sei ein Horror-Autor. Ist er nicht. Er ist ein ganz hervorragender Erzähler, was er auch mit diesem Buch eindrucksvoll beweist.

    Ach ja. Meine übliche Anmerkung bei englischsprachigen Autoren: Inwieweit die deutsche Übersetzung gelungen ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich das Original gelesen habe.

    Das Buch gibt es zum Beispiel hier bei Amazon: Just After Sunset


    Samstag, 6. Dezember 2008

    Zitate noch und noch...

    Neulich fragte mich jemand, wo ich immer wieder passende Zitate finde. Da gibt es viele Quellen. Eine ist das obige, von zitate.net gespeiste Google-Gadget, das einen zentralen Platz auf meiner iGoogle-Startseite hat. Bei jedem Aufruf wird ein neues Zitat eingeblendet.
    Dann gibt es natürlich Wikiquote, eine schier unerschöpfliche Quelle, und meine Freundin Kerstin Hack bietet in ihrem Shop eine CD-ROM mit dem Namen »Gut gesagt« an, bei der sich die Suche nach dem passenden Zitat recht komfortabel gestaltet.
    Viele Sätze oder geistreiche oder geistlose Bemerkungen, ob nun von Politikern, Künstlern, Nachbarn, Predigern, Freunden oder Feinden, notiere ich mir auch dann, wenn sie mir begegnen, zur späteren Verwendung. Mal auf Zettelchen, mal am Rand einer Zeitung... - und wenn die Faulheit nicht obsiegt, dann übertrage ich sie auch irgendwann in meine eigene Datensammlung auf dem PC.

    Wenn, wie gesagt. Wenn nicht, dann gilt:
    • Faulheit ist die Triebfeder des Fortschritts. - Aus Deutschland
    oder auch
    • Faulheit ist der Humus des Geistes. - Graffiti

    Donnerstag, 4. Dezember 2008

    Männer unter sich...

    ...neulich nach dem Verspeisen des Thanksgiving-Turkey und all der andereren Leckereien (Mashed Potatoes, Cranberry Sauce, Stuffing, Corn, Rolls, Pie...)

    In unserer Familie gehört das Fest als Auftakt der Vorweihnachtszeit seit vielen Jahren zur Tradition. Manche Amerikaner stellen an diesem Tag (stets der letzte Donnerstag im November) den Christbaum auf, unter dem sich dann nach und nach immer mehr Päckchen ansammeln, die aber erst am 25. Dezember ausgepackt werden dürfen. So amerikanisch sind wir allerdings nicht, bezüglich Weihnachten folgen wir eher der europäischen Variante.

    Thanksgiving sollte man nach Deutschland importieren, finde ich, und Halloween statt dessen in den Orkus der Geschichte verbannen.

    Mittwoch, 3. Dezember 2008

    Häufig gestellte Fragen 6

    Manchmal sind Fragen, die mir Leser stellen, eher Vorwürfe. Sogar berechtigte Vorwürfe, wie dieses Beispiel zeigt:
    Ich bin bei meiner Suche nach Informationen über das Christentum auf eine Seite im Internet gestoßen.* Und ich muss wirklich sagen, dass ich entsetzt davon war, wie einseitig und fast hetzerisch die Artikel verfasst sind. Beispielsweise werden Homosexuelle (deren Lebensstil ich ebenfalls toleriere, zumal es ja keine »Entscheidung« an sich ist, ob man hetero- oder homosexuell ist) als »Homo-Perverse« bezeichnet. Ferner werden Ehen zwischen Mann und Frau nicht als »wirkliche Ehen« anerkannt, weil sie nur im Standesamt und nicht in der Kirche geschlossen wurden. So etwas kann ich bei bestem Gewissen nicht gutheißen.
    Selbstverständlich mache ich Dich nicht persönlich für die Aufmachung dieser Seite verantwortlich.
    *(An dieser Stelle stand der Link, den ich hier nicht angebe, damit die Seite nicht aus Neugier noch mehr Zugriffe bekommt.)
    Nach dem Besuch der genannte Internetadresse habe ich diese Antwort geschrieben:
    Ich habe mir die von Dir angeführte Seite im Internet angesehen und bin mindestens so entsetzt wie Du. Vermutlich noch entsetzter, weil dieser Schund unter dem Begriff »christlich« daherkommt und ich mich zu den Christen zähle.
    Es widerspricht dem Evangelium in ganz eklatanter Weise, zum Beispiel Herrn Klaus Wowereit als »Blut- und Homo-Bürgermeister« zu bezeichnen, so abweichend man auch politisch oder ethisch denken mag. Pauschal von »Homo-Perversion« oder »skrupelloses Pack von Schurken« zu schreiben ist ganz und gar unakzeptabel. Ich war bei der Lektüre fast versucht, anzunehmen, dass es sich um (schlecht gemachte) Satire handelt, aber leider ist das alles wohl ernst gemeint. Pfui Teufel, mehr kann ich dazu nicht sagen.
    Ich hoffe jedenfalls, dass Du nicht von solchen stil- und anstandslosen Extremisten Rückschlüsse auf das Christentum ziehst, so wie man nicht den moslemischen Nachbarn anhand dessen verurteilen sollte, was ein Bin Laden von sich gibt oder tut.
    Das Internet ist auch ein Tummelplatz für ganz und gar üble Gesellen. Dagegen scheint kein Kraut gewachsen…

    Dienstag, 2. Dezember 2008

    Leidige Aufgabe

    Der Theologe kann der angenehmen Aufgabe frönen, die Religion zu beschreiben, wie sie in ihre ursprüngliche Reinheit bekleidet, vom Himmel herunterkam.
    Dem Historiker wird aber eine leidigere Aufgabe aufgezwungen. Er muss die unvermeidliche Mischung von Mängeln und Korruption entdecken, die sie sich während eines langen Aufenthalts auf der Erde, bei einer schwachen und entarteten Rasse von Wesen, eingesammelt hat.
    - Edward Gibbon, Geschichte des Verfalls und Untergangs des Römischen Reiches
    Wie gut, dass ich weder Historiker noch Theologe bin. Ich darf einfach zu dieser schwachen und entarteten Rasse von Wesen gehören und mich daran freuen, dass ich ein von Gott geliebtes Wesen bin.

    Sonntag, 30. November 2008

    Martin Pepper und Nicole Bernard: ¡Fiesta!

    Mit Martin Pepper habe ich einige Jahre musiziert, als er Pastor der Gospel-Gemeinde in Berlin und ich Mitglied der Gemeinde sowie Mitwirkender im musikalischen Team war. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit.
    Nicole Bernard hat mich vor einer Weile für ihre Rundfunksendung interviewt und wir plaudern schon seit Jahren gelegentlich nach dem Gottesdienst über Gott und die Welt, da wir die gleiche Gemeinde besuchen.

    Diese sympathischen Menschen haben nun ein Hörbuch produziert, das ich mir aus dem Grund, dass ich beide kenne und schätze, auch angehört habe. An und für sich bin ich kein Freund von Hörbüchern, sondern (altmodisch?) meine, dass ein Buch etwas zum Lesen ist, natürlich auch zum Vorlesen. Also habe ich das Wort »Hörbuch« gedanklich ausgeblendet und mir einfach von Nicole Bernard und Martin Pepper vorlesen lassen, was es mit dem Leben als Fest - ¡Fiesta! - auf sich hat.

    Liedtexte nicht gesungen, sondern gesprochen - verbindende und erläuternde Gedanken dazu - unterlegt mit Instumentalmusik - ein zumindest für mich ungewohnter Ansatz. Doch die Umsetzung auf dieser CD hat mich überzeugt. Biblische Texte und Impulse gewinnen Bedeutung für heute und hier, zeigen, warum und wie das Leben durch den Glauben verändert werden kann, Qualität gewinnt und trotz aller Umstände, mit denen wir es zu tun haben, als Fest erlebbar wird. Nicht blauäugig, sondern mit Blick auf die Realität, nicht als Flucht vor der Wirklichkeit, sondern mit neuem Blick auf oft vergessene Realitäten.
    Ich habe mich befreit
    von einer falschen Hörigkeit.
    Tochter und Sohn, nicht mehr nur Kind,
    noch immer verwandt,
    doch nicht mehr fremdbestimmt.
    Mündiges Wesen mit eigenem Verstand,
    ausgerüstet mit Herz und Hand!
    Ich werde nicht gelebt, ich will deinen Rat;
    und doch ist mein Tun ganz meine Tat!
    Eine Musik-CD kann man so nebenbei laufen lassen, und häufig bekommt man dabei kaum mit, worum es eigentlich in den Liedern geht. Ein Buch kann man nicht so nebenbei lesen, beim Abwaschen oder Aufräumen. Ein Hörbuch wiederum bietet diese technische Möglichkeit. Ich hoffe, dass dieses unbedingt aufmerksame Zuhörer findet.

    ¡Fiesta! live
    gibt es am 13.12.2008 als »Lesung unterm Sternenhimmel« mit Martin Pepper und Nicole Bernard. Um 20.00 Uhr im Planetarium am Insulaner, Munsterdamm 90, 12169 Berlin. Infos: 030 7900930 / Karten 10.00 € und ermäßigt 6.00 €.

    Die CD bekommt man zum Beispiel hier: ¡Fiesta! bei Peppersongs
    Als legaler Download: ¡Fiesta! bei musicload

    Links: Nicole Bernard /// Martin Pepper

    Samstag, 29. November 2008

    3-Tage-Bart

    Letzte Woche haben wir uns fein gemacht, weil wir zum Empfang im Roten Rathaus (das ist der Sitz der Berliner Regierung) geladen waren. Ein Medienmensch hat uns abgelichtet, allerdings mit irgendwelchen Verunreinigungen auf der Linse, die zu ulkigen Kreisen im Bild führten.
    Daher landete das Bild nicht in der Presse, sondern in meiner Sammlung.



    Den geneigten Blogbesuchern ist allerdings nunmehr offenbart, dass ich seit ein oder zwei Wochen ausprobiere, ob ich mich mit der 3-Millimeter-Version der Gesichtsbehaarung anfreunden kann. Schaun mer mol...
    Ach ja: Der sauber rasierte Herr im Bild links ist ein guter Freund von uns, Pastor von Beruf und Berufung.

    Shcool - Scholo - Shocol


    Vielleicht wäre ein PISA-Test in Amerika angebracht?

    Freitag, 28. November 2008

    Frauen

    Frauen... wie könnte ein Mann Frauen nicht lieben! Frauen sind großartig, wunderbar, ein Trost in einer Welt, die in einen grauenhaften Zustand geraten ist. Sie sind eine Wohltat für die Augen, Balsam für die Seele. Ein Leben ohne Frauen wäre ein Alptraum, des Weiterlebens nicht wert.

    »Muss das sein?«, fragte Frank halblaut niemanden im Besonderen, wohl eher sich selbst. Der Pirelli-Kalender 2008 war mit pompösem Gehabe in Berlin vorgestellt worden, und die Bilder hatten promt ihren Weg in die Nachrichtensendung gefunden. Die Bilder der blitzlichtumflammten Ehrengäste, aber auch die Bilder des Kalenders. Vor dem Fernseher saß nicht nur Frank und seine Frau, sondern auch die Kinder sahen zu. Timmy, neun Jahre alt, guckte aufmerksam, mit leicht gerunzelter Stirn, Judith, zwei Jahre älter als ihr Bruder, rümpfte die Nase. "Iiiiih, ein Riesenkäfer«, quietschte sie, »den würde ich mir nicht auf die Backe setzen lassen.«
    Timmy meinte: »Angsthase! Ist doch nichts dabei.«
    Judith gab zurück: »Du isst ja auch Regenwürmer. Du bist sowieso ein Barbar.«
    Timmy wusste nicht, ob dies ein Lob oder eine Beleidigung war. »Papa, was ist ein Barbar?«
    Frank war froh, dass die Bilder auf dem Fernsehschirm nun wieder familientauglich waren und gab die Frage weiter: »Das kann Judith sicher erklären, sie hat dich ja so genannt.«
    »Ein Barbar rennt nackig durch den Urwald und frisst Käfer, Würmer und Schlangen.«
    »Ich renne überhaupt nicht nackig durch den Urwald! Und der Regenwurm war eine Mutprobe. Die hast du nicht bestanden, aber ich!«
    »Mädchen müssen nicht mutig sein.«
    Michelle war, wie so oft, um Ausgleich bemüht: »Niemand muss etwas, was ihm zuwider ist. Ob Mädchen oder Junge.«
    »Dann muss ich ja«, schloss Timmy sofort messerscharf, »die doofen Tomaten nicht essen.« Er wies auf seinen ansonsten geleerten Teller, auf dem noch vier rote Scheiben darauf warteten, verspeist zu werden.

    Später, die Kinder waren in ihren Betten, fragte Frank seine Frau: »Meinst du, dass sie zu jung sind, um die erotische Komponente dieses Kalenders zu bemerken?«
    »Hast du denn mit neun Jahren schon ein Auge dafür gehabt?«
    Frank überlegte. Wann hatte er eigentlich entdeckt, welchen Reichtum Frauen in die Welt bringen? Dass sie nicht nur Mütter oder doofe Mädchen sind, sondern dass Frauen Regungen hervorrufen, die zu erstaunlichen Ergebnissen am eigenen Leib führen konnten?
    Mit neun Jahren bestimmt noch nicht. War es damals, mit 13 Jahren, als er die Magazine seines älteren Bruders durchblätterte, mit großen Augen, mit Staunen, mit beginnender Erkenntnis? Die Zimmertüre verriegelt, und doch ständig mit der Furcht, erwischt zu werden, die Zeitschrift offen auf dem Bett, die linke Hand im Schoß, ein feuchtes Handtuch bereitgelegt, um Spuren zu tilgen, wenn der Rausch verflogen war.
    Was solche Fotos zeigten, war natürlich unerreichbar, kein Mädchen nahm Notiz von einem pickeligen Buben in kurzen Hosen, dem der Radiergummi in der Schule zu Boden fiel, damit er beim Aufheben womöglich einen Blick aus geeigneter Perspektive auf kurzberockte Mädchen werfen konnte.
    Die Bilder waren auch - verglichen mit dem, was heute in den Medien gezeigt wurde - harmlos, fast verschämt. Es gab kein Internet mit Seiten ab 18, die ohne jegliche Kontrolle auch von Kindern geöffnet werden konnten. Ein Klick auf »Enter« nach dem Warnhinweis genügte, um jegliches anatomische Detail und alle Spielarten der geschlechtlichen Betätigung in allen Einzelheiten zu betrachten.
    Michelle schmiegte sich an ihn. »Als ich in Judiths Alter war, habe ich jedes Mal gekichert, wenn wir an dem Lilienthal-Denkmal im Park vorbeikamen. Von hinten betrachtet ging es ja noch, aber von vorne, auf dem Weg von der Schule nach Hause immer im Blick, habe ich mich regelmäßig amüsiert. Dieses komische Anhängsel da unten am Bauch...«
    »Immerhin hängt es brav nach unten.«
    Michelles Hand überprüfte den Zustand von Franks Anhängsel. Sie gluckste vergnügt, fuhr aber fort: »Aber dass das etwas mit der Frage zu tun hatte, woher eigentlich die Kinder kommen, so weit habe ich damals nicht gedacht.«
    »Das wissen wir ja nun. Der dopelte Beweis schläft nebenan und träumt womöglich von ekligen Käfern.«
    »Ich bin ja auch nicht mehr elf.«
    »Aber du bleibst meine Elfe.«
    Sie rückte noch näher. »Als mir meine Cousine, ich war wohl 14 oder so, erzählte, wie das wirklich vor sich geht mit dem Kindermachen, wollte ich ihr das nicht glauben. Nie und nimmer konnte ich mir vorstellen, dass ich mit einem Jungen beziehungsweise meinem Mann nackt in einem Bett liegen würde. Ich war sehr darauf bedacht, dass mich niemand beim Umziehen im Schwimmbad sehen konnte, noch nicht einmal meine Freundinnen.«
    »Ich hatte auch keine Vorstellung, wie das eigentlich technisch gesehen funktionieren soll. Im Biologiebuch waren schematische Zeichnungen zu finden, und wie mein kleiner Freund seine Gestalt verändern konnte, war mir ja nicht unbekannt. Aber für den Rest fehlte mir die Phantasie.«
    »Wie wäre es mit ein wenig Praxis?«, fragte Michelle.

    Beim Einschlafen dachte Frank darüber nach, wie gut sie es doch hatten. Sie kamen ohne Pirelli-Kalender aus, ohne schmuddelige Hefte oder Internetseiten. Ihre Liebe war nicht reduziert auf körperliche Höchstleistung nach zweifelhaften Vorlagen, durfte fließen wie und wohin sie wollte, das ganze Leben durchdringen. Es gab jede Menge Phantasie, und immer wieder neue Entdeckungen. In guten, wie in schlechten Tagen - wie es der uralte Spruch beschrieb. Die Liebe seiner Michelle hob ihn empor, wenn er am Boden war, inspirierte ihn, war viele Jahre alt und doch noch immer jung.

    Frauen... wie könnte ein Mann Frauen nicht lieben! Frauen sind großartig, wunderbar, ein Trost in einer Welt, die in einen grauenhaften Zustand geraten ist. Sie sind eine Wohltat für die Augen, Balsam für die Seele. Ein Leben ohne Frauen wäre ein Alptraum, des Weiterlebens nicht wert.

    Donnerstag, 27. November 2008

    Der die das X des Jahres

    Neulich stieß ich auf die Cercopis Vulnerata, die gelegentlich auch als Gemeine Blutzikade daher kommt. Nicht beim Spaziergang, sondern beim Nachrichtenüberblick. Das possierliche Tier wurde zum Insekt des Jahres gekürt. Von vermutlich ernsthaften Wissenschaftlern. Zumindest nehmen sie sich wohl ernst, sonst würden uns solche weltbewegenden Nachrichten nicht erreichen.
    Die Gemeine Blutzikade ist ihrer Zeit sogar voraus, denn sie ist bereits jetzt zum »Insekt des Jahres 2009« erhoben worden.

    Wenn ein Jahr zur Neige geht, häufen sich ungeheuer wichtigen Mitteilungen von verschiedenen Kuratorien, Abstimmungen, Juryentscheidungen oder Expertenkommissionen, die zum Schluss gelangt sind, wer oder was die Auszeichnung »Der die das X des Jahres« verdient hat.

    Vom »Unwort des Jahres« über den »Po des Jahres« bis zum »Spiel des Jahres« reicht die Bandbreite, natürlich gibt es das »Auto des Jahres« genauso wie das »Fahrrad des Jahres«, für Musikfreunde die »Band des Jahres« und für Menschen wie mich das »Buch des Jahres«.

    Ehre, wem Ehre gebührt, sei es nun das »Baby des Jahres«, die »Frau des Jahres« oder der »Mann des Jahres«. Uneinigkeit herrscht, wem die Auszeichnung zum »Skandal des Jahres« gebührt, aber es liegen ja auch noch ein paar Wochen vor uns. Auch bei der »Überraschung des Jahres« ist das Rennen noch offen.

    Einstweilen begnüge ich mich damit, dass ich wohl keine Chancen habe, mein elektronisches Tagebuch als »Blog des Jahres« geadelt zu sehen. Macht ja nichts. Wenigstens bin ich nicht der »Verlierer des Jahres«.

    Mittwoch, 26. November 2008

    Dienstag, 25. November 2008

    Guter Rat?

    Dem Weihnachtsstress entfliehe ich ohne besondere Schwierigkeiten, da ich mir keinen mache und auch keinen einreden lasse. Aber wie entfliehe ich dem Gewinnspiel, das an allen Ecken und Enden lauert? 
    Was Hoffnung auf eine Lösung machte, erwies sich als Produkt eines Werbetexters, der töricht mit der Sprache umging. Es ging in der Mail keineswegs darum, einem Gewinnspiel zu entrinnen, diese unerwünschte Zusendung brachte lediglich eine weitere Version des verbreiteten Gib-mir-gefälligst-Namen-und-Adresse-Dilettantismus.

    Also bleibe ich beim bisherigen Rezept:

    Montag, 24. November 2008

    Häufig gestellte Fragen 5

    Ethische Fragen bewegen vor allem Menschen, die weiter denken als bis zur nächsten Mahlzeit. Wir Christen fallen oft dadurch auf, dass wir gegen etwas sind. Gegen Abtreibung, gegen Moslems, gegen Genforschung, gegen Schwule, gegen... - und mancher von uns weiß das dann gar nicht zu begründen, hat es nur von irgendwoher irgendwann irgendwie übernommen.

    Bei vielen Menschen hat sich der Eindruck festgesetzt, dass die Christen auch durch die Bank weg gegen Stammzellenforschung sind. Exemplarisch ist diese Frage, die mir ein Leser geschickt hat:
    Woher weiß der Mensch bei neuen Erfindungen und Entdeckungen, beispielweise Stammzellenforschung, dass Gott dazu »nein« sagt? Und warum exitstiert diese Möglichkeit überhaupt in unserer Welt, wenn es von vornherein von Gott abgelehnt wird?
    Ich habe so geantwortet:
    Neue Erfindungen sind nicht wirklich das Problem, sondern die Frage ist, was man damit anstellt. Das angesprochene Beispiel der Stammzellenforschung ist ein sehr komplexes Gebiet, ich bin kein Wissenschaftler und verstehe sicher nicht alle Aspekte. Die Stammzellenforschung soll, soweit ich sie begreife, Krankheiten lindern und beseitigen helfen. Das ist ein ganz und gar positives Ziel, es entspricht vollständig dem Willen Gottes. Wenn Gott für Krankheit wäre, hätte Jesus nicht all die Kranken geheilt und seinen Nachfolgern aufgetragen, das gleiche zu tun.
    Andererseits sind bei der Stammzellenforschung meines Wissens Embryonen als »Material« notwendig. Da menschliches Leben für mich nicht erst mit der Geburt beginnt, verbietet sich die Verwendung von Embryonen, die durch Abtreibung »gewonnen« werden - und somit kann ich dieser Version der Stammzellenforschung das Wort nicht reden.
    Etwas anderes ist die Forschung mit Zellen, die unter der Haut eines (lebendigen) Menschen entnommen werden und dann durch einen Prozess, den ich nicht ganz begreife, dazu gebracht werden, sich wie Stammzellen zu verhalten. Bei diesem Verfahren sind weder Embryonen notwendig, noch wird beim Spender der Zellen irgend ein Schaden entstehen. Und somit wüsste ich nicht, was es gegen solche Forschung einzuwenden gäbe.
    Grundsätzlich: Warum existieren Möglichkeiten und Zustände in der Welt, obwohl sie von Gott »abgelehnt« werden? Die Antwort ist im Charakter Gottes zu suchen, der keine Marionetten wollte und will. Die Verwaltung der Welt wurde dem Menschen anvertraut, und diese Entscheidung hat Gott nicht zurückgenommen. Der Mensch - Du und ich und all die anderen - hat in seinem Einflussbereich zu entscheiden, was geschieht und was nicht.
    Leider neigt die Menschheit dazu, Erfindungen und technische Entwicklungen nicht nur zum Guten zu verwenden. Die Biologie, Physik und Chemie haben uns beispielsweise ganz erhebliche Fortschritte gebracht, aber auch Massenvernichtungswaffen, tödliche Drogen und den Treibhauseffekt.
    Gott ist sicher nicht gegen die Biologie, aber nicht alles, was mit ihr möglich wurde, kann auch der Mensch, der kein Christ ist, guten Gewissens für richtig halten.
    Es geht, und das ist mir abschließend wichtig zu sagen, beim Christsein nicht um Verbote und Gebote, sondern viel mehr um Freiheit und Mündigkeit. Dazu zählt auch die Freiheit, auf manches, was möglich ist, zu verzichten.
    Das ist wahrlich ein weites Feld...

    Sonntag, 23. November 2008

    Gastbeitrag von Bettina von Arnim - Der Hans

    Es war eine arme Frau, die hatt' einen Sohn, den konnte sie wegen ihrer Armut nicht mit Speis ernähren, mußt ihm also die Brust reichen, bis er sieben Jahr alt war. Da sagt sie ihm: »Geh hinaus in den Wald und rüttel einen Baum; wenn du ihn kannst ausreißen, so mußt du fort in die Welt, denn ich bin arm und kann dir nichts zu essen geben.« Der Sohn ging in Wald und wollt einen Baum rütteln, konnt aber nicht, ging daher wieder heim und sagt seiner Mutter: »Ich kann den Baum nicht rütteln.«

    Da reicht ihm die Mutter wieder ihre Brust, bis sieben Jahr um waren, und schickt ihn wieder in Wald und sagt: »Nehm den Baum bei seinen Ästen und schüttel recht mit Gewalt; wenn du den Baum kannst ausreißen, so mach dich fort und bring dein Leben durch, denn ich bin arm und kann dich nicht ernähren.« Da geht der Sohn in Wald, wie ihm die Mutter gesagt hat, kommt auch wieder heim und schleppt einen großen Ast mit sich und sagt: »Mutter, ich kann den Baum nicht umreißen, aber wohl einen Ast, den hab ich abgerissen.«

    Da gibt ihm die Frau wieder zu trinken, bis sieben Jahr um waren, und schickt ihn in Wald, er soll sehen, ob er einen Baum kann ausreißen, und soll weitergehen in die Welt, sein Brot verdienen. »Pack ihn bei der Wurzel und zieh recht kräftig«, sagt sie ihm. Der Sohn tut, wie ihm die Mutter gesagt hat, und reißt einen starken Baum mit seiner Wurzel aus der Erde; da geht er nun weiter und kommt nimmer heim.

    In demselben Wald war eine Mühl, da war's nicht sicher, also daß kein Mühlknecht da bleiben wollt, und die blieben, die sind umkommen. Der Hans find't dieselbe Mühl, darin war eine Wittfrau, denn ihr Mann war auch umkommen; zu dieser Frau spricht er, daß er will Mühlknecht bei ihr werden, ohne Lohn, nur für das Essen. Darüber war die Frau recht froh und sagt Ja, aber der Hans will nicht anders, als daß ihm die Frau verspricht, daß keiner von beiden darf dem andern den Dienst aufsagen, und welcher ihn zuerst aufsagt, den darf der andre schlagen, so viel er Lust hat. Das war die Frau zufrieden, denn sie meint, er würd leichtlich fort wollen, wenn er die Gespenster merkt. Sie kocht ihm auch gleich eine Suppe zu essen, der Hans schütt' aber die Suppe ins Feuer und sagt, er wollt sich selber eine kochen, stellt sich ein groß Butt mit Wasser auf den Herd, holte sich alles Brot, was da ist, und brockt's hinein, und da es gar war, holt er sich den Fleischharken statt einem Löffel und frißt's all hinein. Der Frau stehn die Haar zu Berg, wie sie das sieht, und hat gar Angst, er würd sie arm fressen, wenn er beim Leben blieb. Sie schickt ihn daher abends in die Mühl, er sollte mahlen, und hoffte, die Gespenster würden ihn umbringen.

    Als es gegen Mitternacht war, so kommen drei Irrwisch in die Mühl und wollen ihn erwürgen. Da erwischt er eins und wirft es unter den Mühlstein und mahlt ihm die Nas ab und ein Stück vom Bauch und schickt es wieder heim. Als es nun Morgen war, da verwundert sich die Müllerin, daß er noch lebt, sie schickt in am Abend wieder in die Mühl und meint, er soll umkommen. Da es aber Mitternacht war und die Irrwisch kamen, da erwischt er zwei und wirft sie unter den Mühlstein, mahlt dem einen den Schenkel ab und dem andern den Backen. Am Morgen sagt er zur Müllerin: »Habt Ihr nichts mehr zu tun? Ich hab das Korn all gemahlen.«

    Die Frau schickt ihn in den Wald, weil es Holztag ist, er solle Holz holen. Da spannt er die vier schöne Hengst von der Frau an den Wagen und fährt in Wald. Er war aber der erste im Weg, so daß die andern Bauern mußten warten. Er gab sich auch kein Müh, die Bäume abzuhauen, sondern reißt sie mitsamt der Wurzel aus. Der Wagen war aber zu schwer, die Pferd konnten ihn nicht ziehen, er schlug eins nach dem andern tot und warf es auf den Wagen zum Holz. Wie er sie all totgeschlagen hatte, ging er hinter den Wagen und macht einen großen Berg, da konnten die Bauern nicht durch und konnten kein Holz holen, er zog aber seinen Wagen allein nach Haus. Da ihn die Frau kommen sah mit den vier toten Hengsten, fürcht sie sich und machte ihr Tor zu, er warf aber den Wagen über die Mauer mit den Bäumen und den Pferden und schmiß ihr das Haus ein. Da hat die Müllerin Angst und schickt ihn in eine Höhle, wo sie wußte, daß der Teufel war, er soll ihr da ein Kraut holen; – nun weiß es die Frau Lehnhart nicht weiter, sie meint, es endigt sich mit einer Schatzgräbergeschichte, daß der Teufel ihm viel Geld gibt, und er geht damit zur Frau Müllerin und entschädigt sie für seine Unarten. Mir gefällt am besten, daß er die Irrwische immer erwischt.

    Quelle: Zeno Volltextbibliothek

    Samstag, 22. November 2008

    Es gibt nichts neues unter der Sonne...

    ...sagte schon der womöglich weise König Salomo.


    Als ich jung war, galt ein Vogel (oben) als Symbol für Zeitgemäßes. Heute sind andere jung, und wieder signalisiert ein Vogel (unten), dass jemand auf der Höhe der Zeit ist.


    Allerdings ist die Gitarre zum Ast geworden und der Vogel hat die Farbe gewechselt. Es scheint sich auch eher um einen Sperling als um eine Taube zu handeln.

    Egal, Woodstock hin, Twitter her, heute hat ein zeitloses Album Geburtstag. Ein Album, das Geschichte gemacht hat. Es ist in schlichtes Weiß gewandet, ganz ohne Vogel: They say its your birthday...

    Freitag, 21. November 2008

    Endzeit - alle nackig!

    Mein Freund Haso hat mittlerweile 13 mal auf die Endzeit hingewiesen. Endzeit 1 // Endzeit 2 // Endzeit 3 // Endzeit 4 // Endzeit 5 // Endzeit 6 // Endzeit 7 // Endzeit 8 // Endzeit 9 // Endzeit 10 // Endzeit 11 // Endzeit 12 // Endzeit 13. Er benutzt sogar, eigenem Bekenntnis zufolge, elektronische Hilfsmittel bei der Berechnung von Tag und Stunde.
    Andererseits hat er aber auch das Ende der Endzeit verkündet und entlarvt falsche (Endzeit-)Propheten.

    Das verwirrt natürlich ein wenig. Deshalb fühle ich mich im Interesse meiner Leser bemüßigt, kulturhistorisch-wissenschaftlich zur Aufklärung in dieser Sache beizutragen.

    Wie die Künstler seit Jahrhunderten wissen, sind wir am Ende der Endzeit alle ziemlich völlig unbekleidet unterwegs:








    Demnach könnte man, wenn Hasos Warnungen und elektronische Berechnungen zutreffend sind, so langsam anfangen, die Ausgaben für Kleidung zu reduzieren oder ganz zu eliminierern. Einen Roman über eine textilfreie Wallfahrt gibt es ja schon. Vielleicht ist es an der Zeit, dies nun in die Tat umzusetzen?

    Andererseits wird es hierzulande merklich kühler. Draußen jedenfalls sollte man sich nunmehr unbedingt mit geeigneten Textilien vor der Kälte schützen, folglich habe ich kürzlich eine neue Winterjacke erstanden. Und die Endzeit findet - siehe die Bilder - vorwiegend draußen statt.

    Man kann daraus schließen, dass der Weltuntergang noch auf sich warten lässt. Es sei denn, es wird in den nächsten Tagen und Wochen merklich wärmer...

    P.S.: Bilder von Wikimedia Commons, das vorletzte von der Galerie Chrystalballs und das letzte irgendwo von der Allgäuer Zeitung (ich habe vergessen, mir den Link zur Fundstelle zu notieren).