Sonntag, 20. Januar 2008

80 Seiten lohnende Lektüre

Wann hast du das letzte mal in einer Predigt diese Bortschaft gehört, dass Jesus der Richter der Lebenden und der Toten ist? ... Wenn ich mir den ganzen Berg von stinkender Sünde und Lauheit gerade auch in unseren sogenannten charismatischen Gemeinden betrachte, (und ich habe festgestellt, dass charismatisches Fleisch genauso eklig und dreckig ist wieevangelikales Fleisch) dann habe ich den Eindruck, dass wir Jesus als Richter wieder ganz neu erkennen müssen.

Das schreibt einer, der eine charismatische Freikirche in Hannover gegründet hat und viele Jahre als Prediger, Ältester und Bibellehrer an einer Bibelschule tätig war. Einer, dessen Biographie der meinen häufig ähnelt, wie ich beim Lesen dieses Buches festgestellt habe. Einer, dessen Blog zu den von mir abonnierten RSS Feeds gehört.

Ralf Förthmann alias Don Ralfo plaudert in diesem Buch auf angenehm entspannte Art über allerlei Facetten des Lebens, bei denen die Gabe der Geisterunterscheidung eine Rolle spielen kann. Seine persönlichen Erlebnisse machen die Lektüre interessanter als ein sachlich-theologisches Manuskript sein könnte. Der Leser »begegnet« dem Alltag des Autors und findet sich, so ging es mir zumnindest, häufig darin wieder.

Meine eigene Biographie spiegelte sich zum Beispiel in solchen Zeilen:

Horst, Harald und ich saßen gemütlich beisammen. Wir hatten Gebetsgemeinschaft. In der letzten Zeit passierte das häufiger. Nachdem meine christlichen Freunde alles versucht hatten, mich zum Glauben zu bekehren, und alle ihre Argumente aufgebraucht waren, und ich auf alle ihre Beweise und Erfahrungen mit Gegenbeweisen und Gegenargumenten geantwortet hatte, blieb das immer als ihr letzter Ausweg: Wollen wir nicht zusammen beten? Ich hatte nichts dagegen. Schließlich wollte ich Gott auch immer besser kennen lernen und stärker erfahren. Zwar hatte ich ein völlig anderes Verständnis und Bild von Gott als sie (mein Gottesbild war von Esoterik, indischer Meditation und Okkultismus geprägt), aber das war für mich kein Problem. Wenn sie mit Jesus sprachen, schloß ich einfach meine Augen und meditierte. Ich dachte an das Mantra, das ich von meinem Guru bekommen hatte, und öffnete mein Herz für Gott.

Das habe ich ähnlich auch erlebt, und so waren die 80 Seiten dieses Buches schnell gelesen und die Lektüre hat mir unter anderem deshalb gefallen, weil Ralf Förthmann nichts schildert, was mir gänzlich fremd wäre. Manches Mal schreibt er eine Sicht der Dinge nieder, die ich nicht unbedingt zu meiner mache, aber nie bin ich über etwas gestolpert, was mich »gestört« hätte. Abgesehen von - nun ja, mir ist so etwas eben nicht völlig unwichtig - der »handwerklichen« Qualität des Buches. Aber darüber will ich gerne (angesichts der Tatsache, dass das Buch im Selbstverlag des Autors und zu einem Preis von nur 7,95 Euro erschienen ist) den Mantel der Liebe ausbreiten.

Fazit: Ein lesenswertes kleines Buch, das »geistliche« Fragen mit dem Alltag so anschaulich verknüpft, dass der Leser zahleiche Aha-Erlebnisse haben wird und manches, was die Bibel zum Thema Geister und Geist sagt, womöglich zum ersten Mal versteht.

3 Kommentare:

Don Ralfo hat gesagt…

Schluck. die Gemeinde ist zwar in meinem Wohnzimmer entstanden, und ich war der Gründer, aber ich war nie der alleinige Leiter, sondern "nur" Ältester. Das Pastorenamt haben wir schnell dem Bernd Draffehn überlassen, weil der besser geignet schien. Ansonsten vielen Dank für die freundlichen Worte. Gruß Ralf

Günter J. Matthia hat gesagt…

Stimmt, ich habe noch mal nachgelesen:
»...ist Gründer einer charismatischen Freikirche in Hannover ... war dort viele Jahre als Ältester, Prediger und Lobpreisleiter tätig.«
Da steht nix von Leitung, das hatte ich wohl hineininterpretiert.

Günter J. Matthia hat gesagt…

...daher habe ich den Satz im Text oben natürlich nunmehr geändert.