Montag, 31. März 2008

Abgetaucht

In dieser Woche bin ich, wie bereits angedeutet, überwiegend abgetaucht. Oder eingetaucht in ein literarisches Projekt. Also erwartet bitte keine oder kaum Blogeinträge.
Die Familie weilt in Spanien und ich habe Urlaub zu Hause - die besten Voraussetzungen für eine ausführliche Beschäftigung mit Sabrina und Esther. Aber mehr Sabrina als Esther. Obwohl Esther ja auch eine ganz und gar liebenswerte Person ist.

Ich schreibe Rätselhaftes in diesen Beitrag? Mag sein, das Rätsel könnte sich dann lösen, wenn ich a) fertig würde, b) einen Verleger fände und c) der geneigte Blogleser des dann erscheinenden Buches habhaft würde.
Um mit Herrn Beckenbauer zu sprechen: Schaun mer mal...

Sonntag, 30. März 2008

Barbaras Flucht - brutal aber wahr

Meine Geschichte ist nur eine von vielen, die sich zugetragen haben. Sie ist nicht wertvoller als andere Schicksale, doch will ich sie erzählen als ein Zeugnis dessen, was der Glaube an den Allmächtigen in einem Herzen zu bewirken vermag, dem jegliche menschliche Hoffnung geraubt wird.

Vor etwa 10 Jahren schrieb ich für eine Anthologie über den schwäbischen Liederdichter Philipp Friedrich Hiller (Gott ist mein Lobgesang) einen recht nüchternen Text über eine wahre Begebenheit im Jahr 1862, die mit seinen Liedern zu tun hat. Nüchtern und unblutig, weil der Verlag die fromme Leserschaft nicht mit den brutalen Tatsachen konfrontieren wollte. Der obige Einstieg ist aus diesem Text.

Gleichzeitig schrieb ich aber anhand der historischen Dokumente, die mir damals vorlagen, auch auf, was wirklich geschehen war. Diesen zweiten, ungeschminkten Text mit dem gleichen Einstieg habe ich heute beim Stöbern wieder gefunden. Er ist auf meinem anderen, dem textlastigen Blog zu finden. Darin finden sich dann auch solche Passagen:
Ich mußte mit ansehen, wie die Köpfe von Kleinkindern und Neugeborenen von den Kriegern an Hausmauern zerschmettert wurden. Manch ein Opfer lebte noch, wurde jedoch achtlos beiseite geworfen, um eines grausamen Todes zu sterben.
Nach dieser Warnung: Bitteschön, hier geht es lang: Mein geteiltes Buch - die Geschichte der Barbara Manz

P.S.: Logisch: Kommentare nur dort, nicht hier.

Samstag, 29. März 2008

Kein Klo weit und breit...

Nächste Woche werde ich abtauchen, um an einem älteren Manuskript zu arbeiten und es wenn irgend möglich fertig zu stellen.

Ich habe heute bereits ein bisschen meine Erinnerung an das eigene Werk aufgefrischt und dabei den Anhang angeschaut, den ich vor etwa acht Jahren zu dem Roman geschrieben habe. Das Nachwort, in dem ich erste Leseerlebnisse als Kind schildere, wird wohl die Bearbeitung nicht überleben. Diese Passage will ich jedoch nicht so sang- und klanglos ins Datennirvana schicken, sondern die Sache mit der Unmöglichkeit, eine Toilette zu besuchen, mir (und den Blogbesuchern, die trotz der Überschrift diesen Eintrag lesen) hiermit aufbewahren:

Manches in den Werken, die mir gut gefielen, störte mich dennoch. Bei der Lektüre der Abenteuerromane von Karl May hatte ich mich schon als Kind häufig gefragt, wie jemand tagelang gefesselt irgendwo verbringen konnte, ohne ein einziges Mal auf die Toilette zu müssen. Wenn er doch gemusst, aber laut der Erzählung nicht gedurft hatte - warum war dann nicht die Rede davon, dass er nach der Befreiung aus der Hand der Bösewichte die Kleidung wechselte? Stattdessen war der Held sofort bereit, sich feiern zu lassen oder neue Abenteuer zu bestehen. Ich hätte mich jedenfalls mit am Hintern festgetrocknetem Kot und dem beißenden Geruch von Urin im Schritt ungern von einem ganzen Indianerstamm hochleben lassen.
Man kommt, je nachdem wie aufmerksam und wie viel man liest, früher oder später dahinter, dass es in Büchern genau wie im Leben zugeht: Erstens wird nicht unbedingt die Wahrheit erzählt und zweitens wird manches weggelassen. Das Weglassen mag darin begründet sein, dass der Autor über den Sachverhalt nicht nachgedacht hat. Es mag auch daran liegen, dass er es dem Leser überlassen möchte, sich etwas auszumalen oder nicht.
Auch der Geschmack ändert sich, heute ist es nicht ungewöhnlich, in einem Buch, das man zweifellos zur gehobenen Literatur zählen kann, anschauliche Schilderungen der geschlechtlichen Vereinigung in zahlreichen Variationen zu finden. Noch vor sagen wir 30 Jahren war - in »anständigen Büchern« - höchstens die Rede davon, dass ein Paar sich in seine privaten Gemächer zurückzog...
Natürlich ist nicht jeder Besuch des Abortes erzählenswert – aber wenn der Held einer Erzählung mehrere Tage und Nächte an einen Marterpfahl gefesselt bleibt, dann interessierte es mich als Kind bereits durchaus, ob er eine Gelegenheit bekommt, sich zu säubern und die Kleidung zu wechseln, auch wenn der Vorgang nicht in Einzelheiten geschildert werden brauchte. Zumindest eine zeitliche Lücke in der Erzählung sollte vorhanden sein, damit ich mir sagen konnte: Ach ja, diese halbe Stunde hat Old Shatterhand (oder wer eben gerade der Held war) genutzt, um wieder präsentabel zu werden.

P.S.: Dieser kleine Text wird auch hier ganz ulkig kommentiert: Kurzgeschichten-Forum

Kunst aus Rauch

Der kann was, der Sam. Sam(uel) ist mein älterer Sohn, und wenngleich er nicht schreibt, muss er doch eine kreative Ader geerbt zu haben. Den Beruf (Multimedia-Producer) hat er passend gewählt und ist darin sehr erfolgreich, aber auch über seine privaten Produktionen staune ich immer wieder. Zum Beispiel hat er Rauch fotografiert und daraus entstanden diese beiden Bilder, Fliegender Schwan und Wartende Braut:


(Klick aufs Bild bringt Sams Kunstsammlung zutage. Sehenswert, finde ich, aber natürlich bin ich da voreingenommen...)

Übrigens: Sam hat auch unsere freiberufliche Internetseite neu gestaltet und programmiert. Ganz hervorragend sogar. Zu besichtigen unter MatMil.de

Freitag, 28. März 2008

Tödlicher Glaube...

Gottesdienst täglich? Versammlung wöchentlich? Heilungsgottesdienste unbiblisch? Don Ralfo macht sich so seine Gedanken:


Was mir beim Lesen einfiel: In der Memminger Kleinstadtgemeinde, in der ich meine ersten ernsthaften Glaubensschritte machte, hieß es (damals zumindest) wirklich Versammlung statt Gottesdienst, was so am Sonntag stattzufinden pflegte.

Vielleicht ließen sich manche Katastrophen vermeiden, wenn wir alle eher die Bibel lesen und der Bibel glauben würden, als irgend einem Prediger oder Pastor oder sonst einem Menschen ungeprüft abzunehmen, was sie uns verkünden? Ich meine solche Ereignisse:


Natürlich heilt Gott, natürlich ist Gebet wirksam. Aber ein 11jähriges Kind aus lauter (völlig missverstandener) Bibeltreue sterben lassen...

Manchmal meine ich, dass es so langsam Zeit wäre, dass Jesus kommt und das häufiger als nur gelegentlich unerträgliche Verhalten seiner Gemeinde beendet. Andererseits sind da so viele Menschen, die noch keine Chance hatten, ihn überhaupt kennen zu lernen. Und wir sind nun mal diejenigen, die ihn hier und jetzt vorstellen könnten und sollten.
Wir Christen haben allerdings häufig so viel Wichtigeres zu tun, als denen, die verloren gehen, die einzige Möglichkeit der Errettung bekannt zu machen...

Donnerstag, 27. März 2008

Siegfried Hitler

Vor etlichen Monaten unterhielt ich mich mit zwei Männern aus unserem Hausbibelkreis über Literatur. Dabei erzählte einer der beiden von einem Buch, das er für unbedingt lesenswert hielt. »Siegfried - eine schwarze Idylle« von Harry Mulisch. Ich bekundete Interesse – und vor zwei Wochen hat er es tatsächlich ausgebuddelt und mir geliehen. »Endlich!« muss ich sagen, nachdem ich es nun gelesen habe.

Zwei alte Menschen, vor langer Zeit Hausangestellte in der Bergfestung Hitlers auf dem Obersalzberg, jetzt Bewohner eines ärmlichen Altersheimes, erzählen dem holländischen Schriftsteller Rudolf Herter, der Wien zu einer Lesung besucht, eine unglaubliche Geschichte: Adolf Hitler und Eva Braun hatten einen Sohn.

Wenn dieses Buch ein Deutscher verfasst hätte, wäre die erzählerische Begegnung Auge in Auge mit den Kerngfiguren des Naziregimes kaum - oder nicht so direkt - zustande gekommen. Der Autor Harry Mulisch aber ist Holländer, Sohn eines ehemaligen österreichischen Offiziers und einer Frankfurter Jüdin - das heißt, er kann sich literarisch so ziemlich alles trauen, ohne in falschen Verdacht zu geraten. Und er ist ein ganz hervorragender Autor, der seine Ideen so lebensnah und nachvollziehbar zu erzählen vermag, dass man ihm einfach folgen will und muss. In seiner Figur des Rudolf Herter fand ich mich übrigens gelegentlich wieder, etwa an solchen Stellen:
Sein Gedächtnis für die Ereignisse in seinem Leben war eher schlecht, und des öfteren musste er Maria oder Olga fragen, wie sich irgendwelche Dinge genau zugetragen hatten...
Wie oft geht es mir doch genau so! Ich berichte ein Ereignis und die beste aller Ehefrauen, die auch dabei war, schüttelt den Kopf zu meinem Bericht...

Doch zurück zur Geschichte von Siegfried Hitler, dem verheimlichten Kind. Herter schwört dem alten Ehepaar Verschwiegenheit bis zu deren Tod, bevor er die Einzelheiten erfährt. Die Geschichte, die er dann hört, ist so unglaublich, dass er zu folgendem Schluss kommt:
...Und überhaupt. Wer würde ihm glauben? Und nach dem Tod der Falks, ohne Zeugen würde seine Geschichte noch unglaubwürdiger sein. Man würde ihn wegen seiner Phantasie loben, und vielleicht bekäme er wieder einen Literaturpreis, doch glauben würde ihm niemand.
Damit hat der Autor etwas geschafft, was wir alle, die wir Geschichten erzählen, gerne vollbringen möchten: Der Leser ist im Zweifel, ob er Fiktion oder Tatsachen liest, oder eine Mischung - aber in welchem Verhältnis? Genial eingefädelt von Mulisch. Der Mann hat Phantasie. Und daher schreibt er auch:
Die Phantasie kann es nicht mit der Wirklichkeit aufnehmen, die Wirklichkeit schlägt die Phantasie bewusstlos und krümmt sich vor Lachen.
Solchermaßen auf das Glatteis geführt erlebt der Leser mit, was dem Kind zustößt. Bis zum bitteren Ende und darüber hinaus, denn die letzten Seiten des Buches sind Tagebuchnotizen von Eva Braun, die nach der gespenstischen Hochzeit im Führerbunker in ihren letzten Lebensstunden Eva Hitler hieß. Da war Siegfried allerdings schon tot.

Ein Buch, das ich verschlungen habe, wenn ich auch bei den gelegentlich etwas ausschweifenden Ausflügen in die Geschichte der Philosophie gedacht habe: Wann geht es endlich weiter? Doch andererseits ist der Hitler, den Harry Mulisch portraitiert, untrennbar mit Nietzsche, Heidegger, Wagner und anderen verbunden.

Sprachlich ist das Buch in der deutschen Fassung makellos, dem Übersetzer zolle ich Hochachtung vor seiner Leistung.

Mein Fazit: Tatsächlich unbedingt lesenswert!

Ein interessantes Gespräch mit dem Autor: Hitler war ein schwarzes Loch

Das Buch: Harry Mulisch: »Siegfried. Eine schwarze Idylle«
Taschenbuch: 190 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch (Oktober 2003)
Euro 7,95
ISBN-10: 3499232960
ISBN-13: 978-3499232961
Zum Beispiel erhältlich bei Amazon: Siegfried: Eine schwarze Idylle (rororo)

Mittwoch, 26. März 2008

Geschafft! Block C! Sitzplätze!

Nur so als Vorankündigung: Am 30. August 2008 bin ich abends nicht erreichbar. Da sind wir, die beste aller Ehefrauen und ich, in der Waldbühne im Block C und hören dem vermutlich letzten Konzert mit Leonard Cohen in Berlin zu.

Nach 15 Jahren in der Zurückgezogenheit hat sich der 73jährige, wohl nicht zuletzt wegen der begeisterten Reaktionen weltweit nach der Aufnahme in die Hall of Fame, zu einer Konzertreise entschlossen.

Die besten Plätze waren bereits wenige Minuten nach der Ankündigung des Konzertes ausverkauft, aber immerhin... Block C. Immerhin...

The Race - traut sich was!

Das Magazin »The Race« bringt in der aktuellen Ausgabe 03/2008 (noch nicht online zu finden, aber überall, wo es christliche Zeitschriften gibt, erhältlich) einen kontroversen Artikel aus meiner Feder. Die trauen sich was, die Herausgeber...

Geist statt Diskussionsforum

»Ich muss warnen vor dieser Irrlehre!« »Haltet euch fern von diesem Verführer!« »Diese Lehre ist nicht bibeltreu!«
Solche Sätze las ich häufig, als ich vor einigen Jahren noch die Diskussionen in einem »christlichen« Internetforum, das sogar das Gebet im fremdsprachigen Namen trägt, verfolgte und als Moderator versuchte, das schlimmste an Verleumdungen und Anklagen zu verhüten. Neulich habe ich aus Neugierde mal wieder reingeschaut - es geht immer noch so entsetzlich zu wie damals...
Hitzig wird dort nach wie vor von manchen Zeitgenossen dargelegt, warum Charismatiker keine richtigen Christen sein können oder warum nur Charismatiker richtige Christen sein können. Es hagelt Argumente, warum Gott heute nicht mehr heilt und warum er heute noch heilt. Wer sich nicht taufen lässt, ist nicht bibeltreu (weil nur das Untertauchen gilt), und wer sich taufen lässt, ist auch nicht bibeltreu (weil er ja schon als Baby besprenkelt wurde und sich nicht zwei mal taufen lassen darf). Wer Weihnachten / Ostern feiert ist Opfer einer Irrlehre (weil Weihnachten / Ostern heidnisch ist) und wer Weihnachten / Ostern nicht feiert, ist auch Opfer einer Irrlehre (weil er gesetzlich ist).

Der kurze Brief des Judas gibt uns einen Schlüssel zum Gebet in die Hand, der auch bei der Frage, was Irrlehre ist und was nicht, hilft. Judas beschreibt die Menschen, die sich aus falschen Motiven mit ihren Irrlehren in die Gemeinde eingeschlichen hatten. Er sagt zwei Mal »Ihr aber...«, um den Unterschied zwischen den Nachfolgern Christi und denen, die ihre eigenen Wege verfolgen, deutlich zu machen. Noch bevor er das Gebet erwähnt, schreibt er:
Ihr aber, Geliebte, gedenkt der von den Aposteln unseres Herrn Jesus Christus vorausgesagten Worte! (Judas 17)
Er erinnert damit an die Lehre derer, die tatsächlich von Gott beauftragt sind. Dann schreibt er:
Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf eurem heiligsten Glauben, betet im Heiligen Geist, erhaltet euch in der Liebe Gottes, indem ihr die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben. (Judas 20-21)
Betet im Heiligen Geist – unmissverständlich formuliert Judas diese Aufforderung. Es geht in seinem Brief, wie gesagt, um die Entlarvung von falschen Lehren und Lebensweisen – und dazu ist der Heilige Geist der richtige Helfer.
Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe (Johannes 14, 26),
hatte Jesus gesagt, und das gilt auch (oder gar vor allem?) im Gebet.

Auch hier im Judasbrief wird deutlich, dass der Heilige Geist beim Gebet Erkenntnis schenkt: Auch über Irrtümer und falsche Wege, die unser Verstand möglicherweise gar nicht sehen würde.

Ich bleibe dabei, dass ein Christ, der nicht im Heiligen Geist betet, kein schlechterer oder geringerer Gläubiger ist als andere. Meine ganz persönliche Erfahrung mit evangelikalen
Gläubigen, die Geistesgaben nicht praktizieren, ist in einem Satz zusammenzufassen: Ich wurde in einer solchen Gemeinde körperlich, seelisch und geistig wieder gesund.
Heute gehöre ich einer Gemeinde an, in der die Gaben praktiziert werden und fühle mich wohl und zu Hause.
Ich sehe in unserer Unterschiedlichkeit die gegenseitige Ergänzung im Leib Christi und das Potential, von einander zu lernen und mit einander zu beten. Und ich werde mich nicht mit anderen Christen in die Haare kriegen, welche Gemeinde, Kirche oder Gruppe denn nun im Besitz der endgültigen Weisheit und Wahrheit sein mag.

Dienstag, 25. März 2008

Bilder sind wie Erzählungen

Wenn ich male und selbst nicht begreife, was ich male, so bedeutet das noch lange nicht, daß diese Bilder keine Bedeutung haben.
Dieses Zitat stand als Motto über einer Ausstellung, die wir am letzten Samstag besucht haben: Dali. Mir geht es mit manchen Texten ähnlich. Wenn ich erzähle und selbst nicht begreife, was ich erzähle, so bedeutet das noch lange nicht, dass diese Texte keine Bedeutung haben.
Ich weiß nicht, ob es dem Dali wiederum ging wie mir: Wenn etwas fertig erzählt ist, erschließt sich mir manchmal die Bedeutung.

Samstag, 22. März 2008

Sophia, Angelina oder Sabrina?

Demnächst habe ich eine Woche ohne Büro vor mir, im Volksmund nennt man so was Urlaub. Da möchte ich zumindest anfangen, einen von drei Romanen so weit in Form zu bringen, dass ich einem Verlagslektor ohne schamroten Kopf den Text überlassen kann.
Ich weiß bloß nicht, welche Geschichte. Die von Sophia? Oder doch Angelina? Oder womöglich Sabrina?

Sophias Geschichte fängt so an:
Feuchtes Laub raschelte unter den Füßen der beiden Spaziergänger im Berliner Tiergarten. Beide waren 13 Jahre alt, das Mädchen wirkte jedoch älter. Ihr Gesicht ließ ahnen, daß sie ihre Kindheit nicht ohne Wunden und Schmerzen hinter sich gebracht hatte. Dunkle Locken fielen bis auf die Schultern, sie trug weiße Jeans und ein schwarzes T-Shirt mit dem Hard Rock Café Logo auf der Brust. Ihr Begleiter war hochgewachsen, schlank, dunkelblond, ein vergnügtes Lächeln spielte auf seinem Gesicht.
Sie schlenderten schweigend den Weg am Kanal entlang. In der Ferne hörte man, wenn man die Ohren spitze, Verkehrsgeräusche. Die beiden nahmen auf einer Bank Platz und sahen auf das träge dahinfließende Wasser des Landwehrkanals.

Der Junge brach nach etwa zehn Minuten das Schweigen. »Sophia, weißt du, was mir an dir besonders gefällt?«
»Nein. Aber du wirst es mir gleich sagen.« Sie lächelte erwartungsvoll.
»Daß man mit dir auch schweigen kann. Stundenlang, wenn es paßt. So was ist selten.«
»Danke, Manfred.«
Sie saßen auf der Bank, sahen den Enten zu, die ohne Eile über das Wasser glitten, beobachteten müßige Spaziergänger. Sophia genoss den Nachmittag. Sie hatten gemeinsam die Arbeiten für die Schule erledigt und waren anschließend mit der U-Bahn zum Bahnhof Zoo gefahren. Von dort aus durchwanderten sie den Tiergarten und sammelten Blätter für den Biologieunterricht. Der Park wirkte nach dem Gewitter, das am Mittag gewütet hatte, wie frisch gewaschen in der wärmenden Sonne.
Schließlich standen sie auf und schlenderten weiter. Der Junge sagte, als hätte es die lange Gesprächspause nicht gegeben: »Du kannst andererseits reden wie ein Wasserfall, wenn es paßt. Je nach Bedarf dummes Zeug oder kluge Einsichten.« Manfred blickte auf die herbstlich verfärbten Baumkronen. Dann fuhr er fort: »Du bist wie ein Baum, der einem geben kann, was man braucht. Schatten in der Hitze, Schutz beim Regen, Früchte gegen den Hunger.«
»Und wenn es dann paßt, holzt du mich ab und verheizt mich in deinem Kamin, ja?«, fragte sie grinsend.
Manfred lachte. »Okay, Ende der Philosophiestunde. Laß uns ein Eis essen gehen, am Ku'damm. Okay?«
»Okay. Eis kann aber auch philosophisch sein. Ich esse Eis, also bin ich.«
»Nee, ich bin, also esse ich Eis.«
Sophia schüttelte den Kopf. »Nein, Manfred. Ich weiß nicht, welches Eis ich essen werde, also weiß ich nicht, wer ich sein werde. Bin. War.«
Sie beschleunigten ihre Schritte und verließen den Tiergarten. Quer über den Hardenbergplatz strebten sie dem Europacenter zu.

Sophia wußte tatsächlich nicht, wer sie war. Es sollten noch zwei Jahre vergehen, bis die Erinnerung zurückkehrte.
Angelinas Geschichte beginnt wie folgt:
Diese Augen. Dieser Strudel des Lebens, der in ihnen wirbelte. Die unendliche Tiefe, in die ihr Blick mich hineinzog. »Fenster der Seele« hatte mal ein kluger Mensch die Augen des Menschen genannt, aber Angelinas Augen waren mehr. Ich konnte in ihnen versinken. Ich wollte in ihnen versinken. Und wenn ich dort ertrank... konnte es ein angenehmeres Ende des irdischen Daseins geben?
Ich war immer wagemutig gewesen, nahm Herausforderungen an, ging lieber ein paar Schritte zu weit, als vorsichtig zurückzuweichen, wenn ich unbekanntes Gelände betrat. Risiken nahm ich gerne in Kauf, schließlich ist das ganze Leben ein Risiko. Man muss eben das Bestmögliche herausholen. Ich überließ das große Kuchenstück nicht anderen, wenn ich es selbst bekommen konnte, schließlich schenkte mir auch niemand etwas. Ich war nicht rücksichtslos, handelte nie auf Kosten anderer Menschen, aber wenn ich eine Chance bekam, nutzte ich sie, während andere noch zögern mochten.
Als ich Angelina zum ersten Mal sah, dachte ich nicht an ein erotisches Abenteuer, wollte sie vielmehr mit meinen Farben auf der Leinwand verewigen und sie dabei kennen lernen. Portraits malte ich am liebsten, denn ich hatte dabei Gelegenheit, stundenlang mit dem Menschen, der vor mir saß, zu reden, meine Eindrücke von seinem Wesen in das Bild hineinfließen zu lassen. Malerei ist mehr als Fotografie, so stimmungsvoll die Produkte guter Lichtbildkünstler auch sind. Ein Foto kann aber nie mehr zeigen als das, was vor der Linse ist. Natürlich haben Fotografen im digitalen Zeitalter Möglichkeiten, von denen frühere Generationen nicht einmal geträumt haben. Ob digital bearbeitete Fotos noch ein ehrliches Werk sind, sei dahingestellt... Ich hielt meine Kunst für aufrichtig, denn ich gab von vorne herein durch meine Bilder mit Pinsel und Farbe nicht Spiegelbilder der Wirklichkeit wieder, sondern meine sehr persönliche Interpretationen des Gesehenen.
Sie mochte ungefähr fünfundzwanzig sein, ihre glatten Haare flossen in weichen schwarzen Wellen über die Schultern. Verspielt zauberte der schwache Wind mit den Spitzen der Fransen, die ihr über die harmonisch geschwungenen Augenbrauen fielen, immer neue Muster auf ihre Stirn. Ich sah sie, als ich einen Platz an den Tischen vor dem kleinen Eiscafé am Marktplatz suchte.
Fehmarn wurde von einem Bilderbuchsommer verwöhnt. Sonnenhungrige Touristen bevölkerten die glühend heißen Strände, in meiner Heimatstadt Burg auf Fehmarn wimmelten sie in den Geschäften und Restaurants. Ich saß gerne dicht am Gewühl und beobachtete die geschäftig hin und her strömenden Massen, fertigte gelegentlich Bleistiftskizzen und verstand nie all die Hektik. Obwohl sie doch Urlaub hatten, schienen sie die Betriebsamkeit des Alltags nicht hinter sich lassen zu können, sie drängelten vor den Geschäften, sie eilten durch die Straßen, sie zogen quengelnde Kinder hinter sich her und sie schleppten halbe Haushaltsausrüstungen zu den Stränden, wo sie sich dann ihre weißen Bäuche verbrennen ließen.
Angelina saß auf meinem Lieblingsplatz nahe am unermüdlichen Strom der Touristen. Es gab zwar einen zweiten Stuhl an dem kleinen runden Tisch, aber da noch andere Plätze frei waren, setzte ich mich nicht zu der Fremden. Aufdringlich wollte ich natürlich nicht wirken. Allerdings wählte ich meinen Sitzplatz so, dass ich sie beobachten konnte.
Und Sabrinas Geschichte wiederum hat diesen Anfang:
Der Volkswagen hatte mehr als zwanzig Jahre seinen Dienst getan. Er erfuhr ganz offensichtlich regelmäßige Pflege, sein Lack glänzte in der Nachmittagssonne, man hätte meinen können, das Fahrzeug sei gerade vor wenigen Tagen vom Band gerollt. Von weitem betrachtet war der Käfer, der die Fahrbahn zur Hälfte blockierte, ein Schmuckstück. Als ich am 17. Juli 1998 um 16:48 Uhr auf die Unfallstelle zufuhr, ging mir der Gedanke so schlimm kann es gar nicht sein durch den Kopf. In der Aufregung hatte ich das kurze Telefonat wohl missverstanden.
Ich war auf dem Heimweg vom Büro, als mir einfiel, dass wir vergessen hatten, ein paar Flaschen guten Wein für den Abend zu kaufen. Wir erwarteten Gäste und eigentlich war alles für einen gemütlichen Abend besorgt – bis auf das passende Getränk.
Der Verkehr war, etwas anderes konnte man um diese Zeit in Berlin auch nicht erwarten, mehr als zähflüssig, er stand beinahe still. Zwei Polizeifahrzeuge und ein Notarztwagen hatten sich vor einer viertel Stunde auf der engen Straße am Stau, in dem ich mich mit zahlreichen anderen Verkehrssteilnehmern befand, vorbei gequält. Es ging nur sehr mühsam voran und ich hoffte, dass die Behinderungen bald aus dem Weg geräumt sein würden, damit noch etwas Zeit blieb, Sabrina zu Hause den Tisch decken zu helfen und das Essen vorzubereiten, bevor unser Besuch kam.
Als mir der Gedanke an den vergessenen Wein kam, rief ich Sabrinas Mobiltelefon an, denn es mochte ja immerhin sein, dass sie das Versäumte bereits erledigt hatte. Sie hatte solche Angelegenheiten besser im Griff als ich. Anstelle meiner Frau antwortete eine unbekannte männliche Stimme mit einem »Ja bitte?« Verwählt haben konnte ich mich nicht, da ich die Speichertaste benutzt hatte.
»Wer ist da«, fragte ich, »und warum haben Sie das Telefon meiner Frau?«
Der Mann behauptete, Polizist zu sein und fragte, wo ich mich gerade befinden würde. Ich erklärte etwas verwundert, dass ich auf dem Weg nach Hause gerade die Osdorfer Straße passiert habe und bestand darauf, zu erfahren, was der Polizist, wenn er wirklich einer war, mit dem Telefon meiner Frau zu tun hatte.
Ich ahnte in jenem Moment, dass ich gleich eine schlechte Nachricht bekommen würde. Wenn die Polizei einen Anruf an einem privaten Mobiltelefon beantwortet, dann sicher nicht, um über das Wetter oder die Verkehrslage zu plaudern.
Kennen Sie das Gefühl, wenn einem an einem warmen Sommertag plötzlich eiskalt wird? Wenn man nicht weiß, wohin der schneller werdende Herzschlag und der Schweißfilm auf der Stirn den Körper führen werden? Ob man im nächsten Moment noch Herr seiner Sinne sein wird? So fühlte ich mich, während ich zuhörte.
Ein Verkehrsunfall sei geschehen, erklärte die Stimme, der Polizist habe das Telefon aus der Handtasche meiner Frau genommen als es läutete. Ich möge bitte zur Kreuzung Ostpreußendamm / Wismarer Straße kommen. Mehr könne er mir am Telefon nicht sagen. Ich war nur wenige Minuten von der Unfallstelle entfernt. Minuten, in denen Hoffnung und Angst um meine Gedanken stritten.
Eine Verwechslung. Warum hatte die Polizei dann das Telefon? Nur eine Schramme, meinetwegen ein gebrochenes Bein. Sie kann nicht schwer verletzt sein. Warum nimmt dann ein Fremder den Anruf entgegen? Weil sie stirbt oder tot ist. Unsinn, warum sollte sie tot sein. Außerdem kann das gleiche Unglück nicht zwei Mal den gleichen Menschen treffen. Ach nein? Wo steht das geschrieben? Der Blitz schlägt nicht zwei Mal in den gleichen Baum. So schlimm ist es nicht. Gleich wird sich alles aufklären.
Ich hielt hinter einem Polizeifahrzeug an. Die Mine des Polizisten, der auf mein Fahrzeug zukam, verhalf der Angst zum Sieg über die Hoffnung. Doch, es ist schlimm. Noch viel schlimmer.
Zögernd öffnete ich die Türe und stieg aus.
Frage an meine Blogbesucher: Von welcher der drei Personen würdet Ihr / würden Sie gerne mehr erfahren? Ich freue mich auf Kommentare...


P.S.: Frohe Ostertage allen Leserinnen und Lesern.

Das Ostergeschenk & Jesus als UFO

Ich weiß gar nicht mehr, vor wie vielen Jahren ich den Text verfasst habe, aber jetzt wurde er bei Glaube.de wieder ausgegraben - was ich eher zufällig gesehen habe, da ich ja dort seit einer Weile nicht mehr in der Redaktion mitarbeite.

Heute würde ich ein paar Formulierungen hier und dort anders wählen, aber an und für sich gefällt mir dieser alte Artikel doch noch - oder wieder. Und da ja nicht Weihnachten naht, sondern Ostern... Bitteschön, hier geht es lang: Das Ostergeschenk.

So, und wer nicht lesen mag, sondern eher gute Musik schätzt (oder zur Lektüre den musikalischen Genuss ergänzen möchte), darf sich an Cliff Richard und Larry Norman erfreuen, die musikalisch erklären, inwiefern Jesus nicht nur der Felsen ist, der nicht davonrollt, sondern auch den Felsen davonrollen kann, der uns einzusperren versucht, und noch dazu ein U.F.O., das wir demnächst möglicherweise beobachten werden: Cliff und Larry zusammen

Freitag, 21. März 2008

Karfreitag

Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedächtnis! Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. (Lukas 22, 19-20)
Jesus feierte mit seinen Jüngern. Das eigentliche Passah begann mit dem Abendgottesdienst in der Synagoge oder dem Tempel, dem das große Festmahl im Familienkreis folgt: der Seder. Bestimmte Speisen mit symbolischer Bedeutung wurden nach einem genau festgelegten Verlauf gemeinsam eingenommen. Nach dem Verzehr der symbolischen Speisen folgte das eigentliche Festmahl.
Mancher ist verwirrt, dass beispielsweise in Lukas 22 Jesus offenbar mehrmals den Kelch nahm - das gehörte aber zum Ritus. Es wurden in bestimmten Abständen insgesamt vier Becher Wein getrunken, die Gottes Verheißungen symbolisierten: Er wollte die Kinder Israels herausführen, erretten, erlösen und als eigenes Volk annehmen. Ein fünfter Becher stand für den Propheten Elija bereit, der erwartet wurde, um das Kommen des Messias anzukündigen.

Jesus war der Messias (und Johannes der Täufer hatte ihn angekündigt), deshalb gab er dem Brot und dem Wein an diesem, seinem letzten Passahfest, eine neue Bedeutung. Paulus schrieb an die Korinther, dass er vom Herrn selbst empfangen hatte, dass Brot und Wein als Erinnerung an dieses letzte Passahfest Jesu bis zu seiner Wiederkunft gefeiert werden soll:
Ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, in der er überliefert wurde, Brot nahm und, als er gedankt hatte, es brach und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem Gedächtnis. Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis.Denn sooft ihr dieses Brot eßt und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. (1. Korinther 11, 23-26)
Die Jünger wurden traurig, denn sie hatten nicht begriffen, was Jesus ihnen angekündigt hatte: Dass er auferstehen würde. Irgendwie war Karfreitag in der Kleinstadtgemneinde, in der ich seinerzeit die ersten Schritte im Glaubensleben tat, immer ein reichlich niedergedrückter und betrüblicher Tag. Man kleidete sich dunkel und aß kein Fleisch (obwohl man nicht katholisch war). Man scherzte nicht. Man war irgendwie depressiv angehaucht. Als sei Jesus im Grab geblieben.

Karfreitag ist für mich heute kein Trauertag mehr. Es ist ein Tag der Erinnerung, der Dankbarkeit, der Vorfreude auf den Tag, an dem Jesus Christus wiederkommt.

Donnerstag, 20. März 2008

Horns and a pitchfork

Ich mag manche Songs der Rolling Stones. Andere mag ich nicht. His Bobness geht es wohl ebenso, wie er kürzlich in einem Nebensatz andeutete:
You know we’ve gotten a bunch of emails, people saying they don’t like gospel music. Mostly they say they don’t like it cause of the subject matter; they don’t want to hear religious music. Let me just point out, you can just listen to it as music. The beautiful part of it is that the people singing believe it so much. Any time people sing about what they believe, it elevates it. You don’t have to be a junkie to enjoy the Velvet Underground song, ‘Heroin.’ You don’t have to have horns and a pitchfork to enjoy ‘Sympathy for the Devil,’ but it does help. The thing is it’s all music, and when the people believe what they’re singing, it’s just better.
Da ich weder horns noch pitchfork mein eigen nenne, enjoye ich Sympathy fo the Devil nicht. (Perfektes Deutsch, nicht wahr?)

Ansonsten warte ich auf Theme Time Radio Hour Nr. 2.23 über Joe:

  • Intro
  • Foy Willing & The Riders Of The Purple Sage - Ragtime Cowboy Joe
  • André Toussaint - Hold 'Em Joe
  • Bob Wills & His Texas Playboys - Cotton Eyed Joe
  • Hank Williams - No, No, Joe
  • The Dixieaires - Joe Louis Is A Fighting Man
  • Joan Baez - Joe Hill
  • Georgia Crackers - Diamond Joe
  • Bo Diddley - Ride On Josephine
  • Joe Bataan - Subway Joe
  • Jerry Lee Lewis - Old Black Joe
  • Blue Lou Barker - Where's Joe?
  • Cisco Houston - Diamond Joe
  • Van Morrison - I'm Tired Joey Boy
  • Outro
Hoffentlich ist unser Freund Patrick so weit, bevor ich den Heimweg antrete. Ein paar Stunden hat er noch...

Ninni Holmqvist: Die Entbehrlichen

»Ja, es gibt ziemlich viele Intellektuelle hier. Leute, die Bücher lesen.« »Aha«, sagte ich. »Leute, die Bücher lesen«, fuhr er fort, »tendieren dazu, entbehrlich zu werden. In hohem Maße.« »Ach so«, sagte ich. »Ja«, sagte er.
Die schwedische Autorin Ninni Holmqvist war mir bis vor kurzem unbekannt. Durch einen Artikel in der »Welt am Sonntag« wurde die beste aller Ehefrauen aufmerksam und neugierig – so fand das Buch »Die Entbehrlichen« schnell den Weg zu uns. Da die beste aller Ehefrauen noch auf der Insel Duma Key beschäftigt ist, konnte ich den Roman als erster gelesen.

Dorrit Wegner, die Ich-Erzählerin, lebt in nicht allzu ferner Zukunft. Sie gehört zu den »Entbehrlichen«, denjenigen, die weder ein Kind zur Welt gebracht haben noch den Behörden auch nur einen einzigen Menschen vorweisen können, der bezeugen würde, dass er sie wirklich liebt. Und so wird sie an ihrem 50. Geburtstag in die »Einheit« eingewiesen, eine Luxusanlage, die nur einem Zweck dient: Die Bewohner stehen für psychologische Tests, Medizinversuche und Organentnahmen zur Verfügung. Am Ende steht für alle nach ein paar Jahren die »Endspende«, bei der dann lebenswichtige Organe entnommen werden.
Dorrit schließt Freundschaften und findet bald in dem Mitbewohner Johannes die große Liebe ihres Lebens - und wird schwanger. Man stellt sie vor die Alternative, das Kind sofort nach der Geburt zur Adoption freizugeben oder bereits den Fötus per Transplantation einer Frau zu spenden, die jünger und vor allem nicht entbehrlich ist. Jemand vom Personal öffnet ihr eine dritte Möglichkeit: Flucht aus der Anlage…

Die Autorin schreibt so packend und überzeugend, dass es schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen. Es gelingt ihr, den Wahnsinn der (schwedischen) Gesellschaft, in der das Wegsperren und Ausschlachten der »Entbehrlichen« durch Volksabstimmung – selbstverständlich unter Berücksichtigung aller erdenklichen humanistischen Gesichtspunkte - legalisiert wurde, so »normal« erscheinen zu lassen, dass man sich als Leser mehr und mehr vorstellen kann, wie eine solche Entwicklung in einem demokratischen Staat, wenn die Rahmenbedingungen passen, möglich wäre.
Ich selbst interessierte mich nicht besonders für Politik und war viel zu jung, um mich mit Begriffen wie »mittleres Alter« identifizieren zu können. Jedes Mal, wenn die Sache zur Sprache kam, in den Massenmedien wie in der Wirklichkeit, seufzte ich gelangweilt und blätterte weiter oder wechselte den Kanal oder das Gesprächsthema. Diese Art von gesellschaftlichen Fragen hatte mit mir einfach nichts zu tun, fand ich...
Bei welchen Themen schalten wir den Fernsehkanal um, weil sie »einfach nichts mit uns zu tun« haben?
Genau betrachtet vermittelt dieser Roman eine ähnliche Botschaft wie der Film »Die Welle«, über den ich kürzlich geschrieben habe: Wir sollten nicht davon ausgehen, dass unsere moderne und aufgeklärte Zivilisation vor Machtmissbrauch und faschistischer Autokratie sicher geschützt wäre.

Mein Fazit: Ein ganz hervorragender Roman einer Autorin, die mit diesem Werk auf ihre anderen Bücher neugierig macht. Spannende Lektüre, die keinen Moment langweilt. Ein brisantes Thema, das aber ohne Pathos oder den belehrend erhobenen Zeigefinger präsentiert wird - und gerade deshalb so tief ins Herz trifft. Stilistisch und sprachlich (ein großes Lob gebührt sicher der Übersetzerin Angelika Grundlach!) ragt der Roman aus der Masse heraus. Ich kann »Die Entbehrlichen« uneingeschränkt zur Lektüre empfehlen.

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Euro 19,90
Verlag: Pendo Verlag;
Auflage: 1 (6. Februar 2008)
ISBN-10: 3940813001
ISBN-13: 978-3940813008
Zum Beispiel zu finden bei Amazon: Die Entbehrlichen: Roman

Mittwoch, 19. März 2008

Wie man Deutschland segnet

Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet. Diese historische Verantwortung ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar.
So Angela Merkel gestern vor der Knesset, dem Parlament in Israel. Mehr zur Rede: Die Welt
Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.
So Gott zu Abraham, als er ihm versprach, ihn zum Vater einer Nation zu machen. Mehr zur Verheißung: Die Bibel

Nachtrag aus dem Land der Pinguine

Bevor es hier wieder um andere Dinge geht, noch ein Nachtrag zum Eee PC, auch »der Kleine« genannt. Über diese Seite habe ich die Java-Webstart-Version geladen und - das wurde natürlich sofort ausprobiert - auch offline ist alles da. Die einzige Nuss, die ich knacken musste: Mit welchem Befehl startet man den Bible-Desktop? Nach ein paar vergeblichen Versuchen fand ich dann via Google schließlich das gesuchte »javaws« und nun habe ich fünf Bibelübersetzungen mit allem Drum (Suchen) und Dran (Querverweise) auf dem Rechner.


Übrigens: Auch für die Pausen und zur Entspannung ist natürlich vorgesorgt, ob nun ein Pinguin eine Eisrinne heruntersausen und dabei Fische fangen muss, oder das von Windows gemopste Minesweeper zum Einsatz kommt. Oder, was ich gerne habe, hin und wieder ein paar Zahlen in solche Kästchen eintragen:


Schließlich: Witzig finde ich, dass der Kleine zu Hause auf alle Rechner und Dateien der großen PCs zugreifen kann, aber umgekehrt geht nix. Wenn ich vom erwachsenen Windows-Rechner aus ins Netzwerk schaue, dann sehe ich zwar den Eee, aber keine Verzeichnisse oder gar Daten. Macht ja nix, der Kleine holt und liefert frech den beiden Großen, was er braucht und soll.


So, nun reicht es eine Weile mit der Computerei. Und ich muss sowieso losfahren. Die Arbeit ruft und ich bin ja nicht taub.

Dienstag, 18. März 2008

Die Eigenarten von Pinguinen...

...muss ich als Neuling im Linux-Land so nach und nach erkunden. Immerhin hat der Kleine inzwischen so einiges gelernt, was ich von ihm erwarte. Er kann jetzt auf meine Unterwegs-Mails zugreifen und ich kann auch offline nicht nur an Hinz, sondern auch an Kunz schreiben.

Er kann unterhaltsame Videos zu Gehör und Gesicht bringen, sowohl online als auch - was aber für mich uninteressant ist - im Gerät gespeicherte.


Eine vernünftige Linux-Bibel-Software, die ich auch zu installieren im Stande wäre, habe ich bisher nicht gefunden. Statt dessen habe ich mir einstweilen alle biblischen Bücher im HTML-Format auf den Kleinen gepackt. So vermisse ich zwar die gewohnte Suchfunktion und die Querverweise, aber ich kann auch offline auf die Elberfelder zugreifen. (Wenn der Kleine online ist, bevorzuge ich die Online-Bibel.)
P.S. um 19:06 Uhr: Eine Java-Bibelsoftware läuft seit eben (Schlachter Übersetzung)! Siehe Kommentar...)


Natürlich kann er inzwischen meine abonnierten Feeds lesen und mich dann bei Bedarf direkt zu den interessanten Artikeln und Beiträgen bringen.


Für mich mit am wichtigsten war natürlich die Frage: Kann ich den Kleinen als Schreibwerkzeug benutzen, ohne Augen- oder Fingerkrämpfe zu bekommen? Ich kann. Mit Lesebrille zwar, aber die habe ich ja sowieso. Die Tastatur ist für meine Finger gerade noch okay, kleiner dürfte sie allerdings nicht sein.


Ansonsten weiß ich inzwischen, dass »sudo bash« kein japanisches Menü ist und dass »apt-get« sich gerne von weiteren Kürzeln begleiten lässt. Und dass es ganz famose Foren gibt, die Neulingen wie mir weiterhelfen, mit Pinguinen etwas vertrauter zu werden.

Montag, 17. März 2008

Die Welle - sehenswert.

Am Wochenende waren wir, was selten genug geschieht, im Kino. Man sagt ja, dass ein gebranntes Kind das Feuer scheut, aber wir haben trotz des Keinohrhasen-Erlebnisses wieder einen deutschen Film gesehen. Einen Film, der eine wahre Begenebheit nacherzählt und der rundum sehenswert ist.

Im April 1967 führte der Geschichtslehrer Ron Jones zusammen mit Schülern und Lehrern an der Cubberley High School in Palo Alto ein Experiment durch. Auslöser waren Aussagen in der Klasse, dass Verhaltensformen des Nationalsozialismus »bei uns (in Amerika) nicht vorkommen könnten«. Die Schüler wurden in dem Experiment als »The Third Wave« (Die Dritte Welle) organisiert, bekamen Rollen zugeteilt und wurden Einschränkungen unterworfen; Verhaltensnormen wurden aufgestellt und streng durchgesetzt. Ursprünglich für einen Tag vorgesehen, lief das Experiment über fünf Tage. Aufgeschreckt durch die Leichtigkeit, mit der die Schüler sich vereinnahmen und manipulieren ließen, brach Ron Jones das Experiment abrupt ab, indem er in einer Schulversammlung den begeisterten Anhängern der »Dritten Welle« einen direkten Vergleich mit Jugendorganisationen im »Dritten Reich« vorführte.

1981 entstand für das US-Fernsehen der Film »Die Welle«. Im gleichen Jahr verarbeitete Morton Rhue das Drehbuch des Films zum gleichnamigen Roman.

Nun ist eine Neuverfilmung in den Kinos, die auf der Kurzgeschichte von Ron Jones basiert, die Handlung aber in das moderne Deutschland verlegt.

Rainer Wenger (Jürgen Vogel) lebt mit seiner Frau Anke (Christiane Paul) alternativ-rustikal auf einem Hausboot. Er ist Gymnasiallehrer und muss statt des von ihm gewünschten Kurses »Anarchie« das Thema »Autokratie« in einer Projektwoche behandeln. Als ehemaliger Hausbesetzer und Maidemonstrant wäre ihm das andere Projekt lieber gewesen, aber Wenger lässt sich etwas einfallen.
Er wird zum Führer einer Bewegung, die sich am dritten Tag den Namen »Die Welle« gibt. Befehlsverweigerer werden vor die Tür gesetzt, jeder Kurstag bekommt eine eigene Losung: »Macht durch Disziplin«, »Macht durch Gemeinschaft«, »Macht durch Handeln«... Schnell hat die Bewegung auch eine Uniform, weißes Hemd zu blauen Jeans.

Der Film hat mich beeindruckt, denn es gelingt, die Geschichte glaubhaft zu machen. heute und hier, in Deutschland. Am ersten Projekttag behaupten die Schüler noch, dass eine Diktatur hierzulande nicht mehr möglich wäre, und binnen einer Woche beweisen sie selbst, wie falsch diese Annahme ist.

Das Ende des Films ist keine Überraschung, eine tragische Entwicklung voraussehbar, und natürlich gibt es einige plakative Figuren, deren Verhalten ein wenig zu einschichtig ist. Aber an keiner Stelle wirkte der Film auf mich unglaubwürdig und die Spannung reißt nicht ab.

Mein Fazit: Anschauen. Auch und vor allem mit Kindern und Jugendlichen.

Foto © Constantin/Cinetext
Mehr zum tatsächlichen Experiment in Amerika: The Third Wave

Sonntag, 16. März 2008

Amerikanischer Humor

Manches, was die Amis lustig finden, kann mich kaum erheitern. Aber dieses Video über Achmed, den toten Terroristen, fand ich soooo lustig, dass ich es den Blogbesuchern, die des Englischen mächtig sind, unbedingt empfehlen möchte:


Viel Spaß!

Samstag, 15. März 2008

Liebe ändert Menschen

In Matthäus 5 fordert Jesus seine Zuhörer auf:
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! (Matthäus 5, 43-44)
Beten für Menschen, die uns verfolgen.... Den Feind nicht hassen... Eine ganz schöne Zumutung.

Das „Hassen der Feinde“, von dem Jesus hier redet, finden wir zum Beispiel in 5. Mose 23, 7:
Du sollst ihren Frieden und ihr Wohl nicht suchen alle deine Tage, für ewig.
Es ging an dieser Stelle des Alten Testamentes um die Nachkommen von Menschen, die Israel beim Auszug aus Ägypten behindert und verfolgt hatten. Diese sollten ausdrücklich aus der Fürbitte ausgeschlossen werden. Jesus macht hier deutlich, dass diese Regel des Alten Bundes mit seinem Kommen (wie so viele andere Vorschriften und Regeln) außer Kraft gesetzt wurde.

Aber er geht noch weiter: Fürbitte für die Feinde bezeichnet er in diesen Sätzen sogar als Ursache oder Bedingung für die Gotteskindschaft: Wir sollen unsere Feinde lieben und für sie beten, damit wir Kinder unseres himmlischen Vaters sind. Im Umkehrschluss heißt das, dass wir keine Kinder Gottes sein können, wenn wir – dem Alten Testament oder einfach den Gefühlen Folge leistend - unsere Feinde hassen.
Wenn wir einen Feind nicht hassen, dann schließt das ein, dass wir ihm seine Feindlichkeit nicht nachtragen. Das Thema Vergebung zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel, vor allem bei Stellen, die mit dem Gebet zu tun haben.

Ich musste Fürbitte für „Feinde“ mühsam lernen. Es gelang mir nicht auf Anhieb, als ich Christ wurde. Es gab Menschen, die mir absichtlich und bewusst wehtaten, mit Spott und kleinen Gemeinheiten. Meine natürliche Reaktion war: „Denen zahle ich das heim. Ich kann ebenfalls gemein sein, wartet nur ab!“ Das tat ich dann anfangs noch oft und wurde dabei nicht selten bösartiger als mein Widersacher es gewesen war.
Immer wieder erinnerte mich Gott daran, dass sein Wort eine andere Richtlinie enthält, immer wieder bat ich um Vergebung für meine menschliche Reaktion und entschloss mich bewusst, gegen meinen Rachedurst zu handeln. Ich wollte das tun, was Gott gefällt: Solchen Menschen vergeben, ihnen Gutes tun, für sie beten, sie womöglich sogar mit kleinen Geschenken der Liebe versorgen. Je länger ich das praktizierte, desto erstaunter war ich: Je mehr ich für Menschen betete, die mir übel gesonnen waren, desto schwerer wurde es mir, zu hassen oder zu vergelten, was mir jemand antat.
Es ging nicht von heute auf morgen, aber mein Charakter änderte sich. Die Umstände änderten sich übrigens ebenfalls – manch einer von meinen Quälgeistern wurde Christ. Fast immer erlebte ich aber, dass solche Menschen ihr Verhalten änderten, selbst wenn sie nicht gläubig wurden. Wenn ich nicht zurückgiftete, zurückschlug, Böses mit Bösem vergalt, wirkte sich das ganz offensichtlich auf das Verhalten der „Feinde“ aus.

Ich empfehle dies unbedingt zur Nachahmung, denn es macht auch das eigene Dasein um vieles angenehmer. Kaum jemand von uns hat Feinde, die ihm nach dem Leben trachten würden. Daher habe ich das Wort oben auch in Anführungszeichen gesetzt. Um so leichter wird es uns fallen, uns das Verhalten anzueignen, das Jesus hier lehrt. Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen.


P.S.: Dies ist ein Ausschnitt aus dem Buch »Ich aber habe für dich gebetet«

Freitag, 14. März 2008

Ich bin klein...

Ich bin klein,
mein Speicher ist rein,
soll niemand drin wohnen
als Linux allein.


Na ja, also das mit dem Linux bleibt abzuwarten. Vielleicht bekehrt er sich irgendwann zu Windows, aber andererseits habe ich schon Lust, mal den Pinguin kennen zu lernen.

Donnerstag, 13. März 2008

Gestern im Hausbibelkreis

Gestern im Hausbibelkreis fragte die Leiterin: »Welche Bibelstelle hat euch begleitet, so lange ihr Christen seid? Gibt es einen Vers oder Verse, die euch über die Jahre hinweg immer wieder wichtig und lebendig sind?«

Mir fiel die Antwort leicht, denn Epheser 2, 8-9 hat mich am Beginn meines Glaubenslebens tief angesprochen und berührt und ist noch heute, 35 Jahre später, eine der Schlüsselstellen in der Bibel für mich. Wie das damals geschah, habe ich in einem Buch geschildert. Hier die entsprechenden Absätze:
Mit dem 1. Januar 1973 begann ein langer harter Weg für Johnny. Diesmal sagte er niemandem, dass er sich für den Weg mit Jesus entschieden hatte. Er begann noch in der Nacht in seinem Bett, in der Bibel zu lesen, kam mit zum Neujahrsgottesdienst, saß in der letzten Reihe und verschwand gleich nach dem Ende, bevor ihn jemand ansprechen konnte. Er war nicht sicher, ob Gott ihn gehört und angenommen hatte. Er war nicht sicher, ob er es schaffen würde, diesen Weg zu gehen. Nichts war sicher, außer, dass er schon mehr als einmal versagt und alles hingeworfen hatte.
Das Drogenproblem war gar keines. Er hatte keinerlei Verlangen, weder nach Trips noch nach den sogenannten weichen Drogen. Am 3. Januar spülte er vier Trips, die er noch im Schubfach hatte, im Klo hinunter. Kein Entzug, keine Probleme. Von heute auf morgen.
Sein zynischer Charakter, der bis zur Brutalität boshaft sein konnte, seine Ausbrüche von Jähzorn, seine Verschlossenheit veränderten sich dagegen sehr langsam.
Sein Schweigen über das, was tief in ihm vorging, blieb. Er wehrte sich noch lange gegen jegliche Gefühle. Das Eis in seinem Herzen war so hart geworden, dass es Monate und Jahre dauerte, bis es zu schmelzen begann.

Er besuchte die Jugendmeetings und die Gottesdienste, vermied aber einsilbig jeden näheren Kontakt. Er sträubte sich hartnäckig dagegen, Zuneigung und Liebe zu empfangen.
Bis Anfang Februar zweifelte er daran, dass Gott ihn so ohne weiteres akzeptiert hatte, er ging davon aus, dass er sich erst einmal gehörig ändern und bewähren müsste. Wenn er irgendwann ein einigermaßen normaler, netter Junge geworden war, konnte er damit rechnen, dass Gott sich näher mit ihm beschäftigen würde.

Im Jugendmeeting stand eine Bibelarbeit über den Epheserbrief auf dem Programm. Robin hatte sich vorbereitet und leitete das Gespräch. Reihum las man jeweils ein paar Verse und sprach über den Inhalt. Den achten und neunten Vers aus dem zweiten Kapitel sollte Johnny vorlesen.
Sie trafen ihn wie eine direkte Ansprache von ganz oben, als Antwort auf seine nie ausgesprochene, aber in ihm bohrende Frage, was er tun müsse, um Gott zu gefallen.
Laut und deutlich las er vor: „Denn aus Gnade seid ihr gerettet worden, durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme.”
Johnny überlegte gar nicht, was er tat. Er las die beiden Verse drei Mal hintereinander laut vor. Die anderen warteten geduldig, ob eine vierte Lesung folgen würde.
Johnny blickte auf, sah Robin an und fragte: „Stimmt das? Stimmt das wirklich?”
Robin erklärte es. Johnny begriff: er brauchte nichts tun, war bereits Gottes Kind, aus Gnade, ohne eigenes Zutun. Mehr behielt er nicht von diesem Abend im Kopf, aber an das Geschehnis erinnerte er sich sein ganzes Leben, weil es alle Zweifel, ob Gott ihn wirklich lieben konnte, beseitigen half. Gott konnte, stand hier in seiner Bibel.

Johnny wollte hundertprozentige Gewissheit, zu Hause betete er um ein Zeichen, wollte sich etwas Schwieriges wünschen, damit er sicher sein konnte, dass es wirklich Gottes Antwort war. Dass er, Johnny, gemeint war, und nicht nur irgendwelche Gläubigen vor 2000 Jahren in Ephesus.
Eins war ihm aufgefallen, seit Monaten: Kinder, kleine Kinder vor allem, hatten Angst vor ihm, ob sie ihn kannten oder nicht. Es war mehr als die natürliche Scheu vor Fremden. Sie verbargen sich hinter ihren Eltern, flohen vor ihm, wenn er zufällig in ihre Nähe kam. Es mochte sein, dass er eine so finstere Ausstrahlung bekommen hatte, dass die Kinder es spürten.
Nun bat er Gott: „Wenn es nicht zu unverschämt ist, würde ich sehr gerne eine Bestätigung haben. Lass mich Sonntag früh bitte irgendwie bemerken, dass ein Kind keine Angst vor mir hat. Ein fremdes, möglichst. Ja? Tust du das bitte für mich, Herr?“
Vermutlich lächelte Gott und beschloss, es so klar wie möglich zu machen.

Im Sonntagsgottesdienst saß Johnny auf seinem gewohnten Platz in der hintersten Reihe. Ein Krabbelkind rutschte während der Predigt drei Reihen weiter vorne vom Schoß seiner Mutter, kroch unter den Stühlen durch und kletterte auf Johnnys Schoß. Dort kuschelte es sich zufrieden in seinen Arm und döste ein.
Die Mutter sah sich ein paar Mal nach ihrem Kind um, aber Johnny bedeutete ihr mit einem glücklichen Lächeln, dass er ganz zufrieden damit war, das inzwischen tief und friedlich schlafende Kind zu halten.
Die Predigt war wieder sehr lang, es schloss sich noch eine Gebetszeit an. Die Kinderstunde war bereits zu Ende, während die Erwachsenen und Jugendlichen noch im Saal saßen.
Vier Kinder, zwischen 4 und 7 Jahren, dachten gar nicht daran, nach ihren Eltern zu suchen, sie machten es sich bei Johnny bequem. Ein Mädchen lehnte sich an seinen rechten Arm, ein Junge ließ sich zu seinen Füßen nieder, ein Zwillingspärchen rangelte darum, sich an Johnnys linke Seite zu lehnen. Alle wollten so nah wie möglich bei ihm sein.
Dass ihm die Tränen über die Wangen liefen, bemerkte er kaum.
Die Kleine an seiner rechten Seite holte ein ziemlich verdrecktes Taschentuch aus ihrer Hosentasche und wischte ihm sorgfältig die Wangen ab.
„Willst du einen Bonbon?” flüsterte sie in sein Ohr, weil die Erwachsenen ja noch beteten.
„Nein, danke”, flüsterte er zurück.
„Dann brauchst du auch nicht mehr zu weinen”, stellte sie mit ihrer unschlagbaren Logik fest. „Wenn ich wirklich traurig bin, gibt mir Mama einen Bonbon, und dann freue ich mich wieder. Wenn Du keinen Bonbon willst, bist du also nicht traurig.”
„Ich bin nicht traurig. Ich weine, weil ich mich freue.”
Damit war die Kleine ganz und gar zufrieden. Umringt von Kindern, ein friedlich schlummerndes Exemplar auf dem Schoß, verfolgte Johnny den Rest des Gottesdienstes.
Gott ist gut. Punkt.

Der Kleine...


...ist auf der Reise. Hat eine Nachtfahrt hinter sich. Ist seit 6:12 Uhr in Berlin. Dürfte heute sein Ziel in Berlin Lichterfelde erreichen.

Warum bin ich im Büro und nicht zu Hause? Warum ist noch nicht Feierabend? Haso hat seinen schon längst. Ooooooh, wann kommst Du?

Mittwoch, 12. März 2008

Auferstanden von den Toten

In »Rote Beeren« habe ich eine Begebenheit geschildert, wie sie sich auch heute ereignen kann. Ich war erst skeptisch, als ich darüber (bei Joel-News) las, aber es gibt so viele Zeugen des Ereignisses, darunter jede Menge Moslems, dass von einer Fälschung nicht auszugehen ist.

Fatuma Shubisa arbeitet hart um für ihre 10köpfige Familie zu sorgen. Sie lebt in der kleinen Stadt Alelu in Äthiopien. ...
Fatuma wurde eines Tages sehr krank. 2 Monate quälte sie sich, bis ihre Mutter sie an einem Morgen tot auffand. »Sie berührte mein Gesicht. Es war kalt. Sie schloss meine offenen Augen. Dann benachrichtigte sie den Rest meiner Familie.«
Fatuma war als Moslem groß geworden, hatte dann aber das Evangelium kennen gelernt. Sie hatte Jesus ihr Leben anvertraut.
Als sie starb fühlte sie sich zum Himmel gezogen. »Ich ging mit einem sehr glücklichen Herzen«, erzählt sie. ...
In ihrem irdischen Zuhause kamen mehr und mehr Menschen zusammen, um Fatuma das letzte Geleit zu geben. »Meine Verwandten, durchweg Moslems, waren gekommen und sie weinten sehr, aber ein paar wenige Christen beteten.«
Anwesend war auch ein Missionar namens Warsa Buta. Er berichtet: »Nach meiner Errettung sagte Gott mir: Ich werde die Toten durch dich auferwecken. Dieses prophetische Wort hat mich seitdem nicht mehr losgelassen.« Als Warsa von dem Tod der Frau hörte, kam er zu Fatumas Trauerfeier. Die Trauergäste fragten: Warum betet dieser Mann für einen toten Körper?
Fatuma war inzwischen bereits 12 Stunden tot. »Ich glaubte dass der Herr ein Wunder durch mich tun wollte«, erzählt Warsa, »ich betete wie Petrus: Fatuma, steh auf, ich fordere Dich im Namen Jesu auf, komm zurück ins Leben! In diesem Augenblick setzte Fatuma sich in ihrem Bett auf.
»Meine Verwandten waren entsetzt. Sie konnten nicht glauben dass ein Missionar einen Verstorbenen zurück ins Leben holen kann. Sie baten darum, dass er ihnen erzählt wer dieser mächtige Gott ist, dem er dient«, erinnert sich Fatuma.
»Ich kam zurück, weil es der Wille Gottes war, dass ich weiter mit meinen Kindern lebe. Aber ich würde auch sehr gerne zurück gehen. Jetzt weiß ich, dass ich an einen unglaublich schönen Ort komme wenn ich sterbe.«

Unter anderem zu finden bei »Evangelium.de« und als Video-Reportage »12 Hours in Heaven«

Salz in Gefahr

Laufen wir nicht Gefahr unsere Identität als Christen zu verlieren, wenn wir uns als »Salz« total in der Suppe der Gesellschaft auflösen? Und braucht es nicht schon eine Subkultur, um überhaupt eine eigene Identität als Christ zu entwickeln?
So lautete ein Kommentar von Don Ralfo zu meinem kürzlich erschienenen Beitrag »Der Traum von Salz und Licht«. Eine ähnliche Frage habe ich bei einem Seminar während des TransForum 2008 gestellt: »Was ist mit den unbestreitbaren biblischen Prinzipien der Lebensführung, wenn wir als Gemeinde die Welt nicht mehr aussperren, sondern uns ihr verschenken – mit allem was wir sind und haben?«

Die Antwort fällt leichter, wenn man einen Blick auf einige Eigenschaften des Salzes wirft.

Zur Zeit Jesu war Salz noch ein kostbares Gut, das nicht bei Aldi für ein paar Cent zu haben war. Ohne Salz verdarben Lebensmittel schnell, denn der Kühlschrank war noch nicht erfunden. Gemäß Altem Testament gehört Salz zu jeder Opfergabe (3. Mose 2, 13). Geopfert wurde grundsätzlich nichts Minderwertiges, nichts, was man so übrig hatte, sondern stets Kostbares – Salz gehörte dazu.

Symbolisch stand schon im Alten Testament Salz auch für die Befreiung von Tod und Krankheit.
Und die Männer der Stadt sagten zu Elisa: Sieh doch, die Lage der Stadt ist gut, wie mein Herr sieht. Aber das Wasser ist schlecht, darum kommt es im Land zu Fehlgeburten. Da sagte er: Bringt mir eine neue Schale und tut Salz hinein! Und sie brachten sie ihm. Und er ging hinaus zu der Quelle des Wassers, warf das Salz hinein und sagte: So spricht der HERR: Ich habe dieses Wasser gesund gemacht. Nicht mehr soll Tod und Fehlgeburt daraus entstehen. Und das Wasser wurde gesund bis auf diesen Tag nach dem Wort, das Elisa geredet hatte. (2. Könige 2, 19-22)
Das Salz ist hier ein Symbol, denn das Wort, das Elisa geredet hatte bewirkte die Reinigung, nicht das hineingeschüttete Schälchen Salz. Das war nach ein paar Minuten fortgespült.
Wenn Jesus uns also den Auftrag gibt, Salz zu sein, dann heißt das zunächst, dass wir etwas Wertvolles sind, dass sich – deutlich erkennbar, für jeden nachprüfbar - etwas in der Welt ändern soll durch unsere Anwesenheit. Es ist Gott, der »Tod und Fehlgeburt« nicht will, aber wir sind diejenigen, die dafür sorgen, dass sein Wille geschieht.

Doch Salz ist mehr als ein Symbol oder eine Kostbarkeit des Altertums. Es spielt auch heute in der Ernährung eine bedeutende Rolle. Kochsalz wird zum Würzen in fast allen Speisen und Lebensmitteln mit unterschiedlichen Dosierungen verwendet. Brot kann man ohne Salz kaum backen, denn überall dort, wo Mehl verarbeitet wird, gehört eine Prise Salz hinein, um die Stärke zu stabilisieren. Gemüse wird gewöhnlich in Salzwasser gekocht. Salz schließt die Zellwände auf, durch die somit kürzere Kochzeit bleiben wichtige Inhaltsstoffe erhalten. In der Küche wird auch gerne ein Braten mit einer Salzkruste gebacken: Das Salz isoliert den Braten, wodurch er im eigenen Saft gart.
Speisesalz ist mengenmäßig der am meisten konsumierte Mineralstoff in der menschlichen Ernährung der meisten modernen Kulturen. In gelöster Form liegt Kochsalz in Form von positiv geladenen Natrium- und negativ geladenen Chloridionen vor, die eine lebenswichtige Rolle für den Wasserhaushalt, das Nervensystem, die Verdauung und den Knochenaufbau spielen.

Ein Körper ohne ausreichendes Salz wird krank. Einer Gesellschaft ohne ausreichende Präsenz von Christen wird es nicht anders ergehen. So wie Menschen ohne Salz nicht leben können, spielen die Jünger und Nachfolger Jesu eine essentielle Rolle nicht nur bei der Vermittlung des Glaubens, sondern dadurch gleichzeitig für den Zustand der Welt, in der sie leben. Diese bildliche Übertragung auf die Jünger finden wir auch in der Bergpredigt:
„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.“ (Matthäus 5,13).
Wenn das Salz im Salzfass bleibt, passiert ihm nichts. Es kann Jahrzehnte im Behälter verharren, auch mal feucht und wieder trocken werden, aber es bleibt unbehelligt und fühlt sich pudelwohl. Was tut das Salz im Behälter? Das, was Jesus in der Bergpredigt sagt: Es ist zwar das Salz der Erde, aber es salzt nicht. Also, schlussfolgert Jesus, tut man folgendes damit: Wegwerfen, lasst ruhig die Leute darauf herumtrampeln. Es taugt ja sowieso nichts.

Wenn das Salz sich jedoch aus dem Fass heraus begibt, ist es in höchster Gefahr. Es wird verspeist, es wird von Flüssigkeiten aufgelöst, es wird absorbiert und entfaltet seine heilsame und lebenswichtige Wirkung, indem es sich opfert. Wenn wir als Christen nicht weggeschüttet und von den Leuten zertreten werden wollen, heißt das, dass wir uns verschenken, aufgesogen werden, nicht darüber nachdenken, wie wir wohl unsere Gestalt eines wunderschönen weißen Kristalls beibehalten und uns mit anderen Salzkristallen zusammenfinden können, sondern dort unsere Wirkung entfalten, wo sie benötigt wird: Dort, wo zu wenig oder kein Salz ist.

Das gleiche Prinzip greift Jesus auf, als er vom Samenkorn spricht, das entweder nutzlos im Sack verharren oder im Ackerboden sterben kann. In letzterem Fall wird Frucht entstehen. Andernfalls setzt das Korn Staub an und vertrocknet nach und nach. Paulus verdeutlicht mit dem gleichen Bild den Korinthern:
Was du säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn. Und was du säst, du säst nicht den Leib, der werden soll, sondern ein nacktes Korn, es sei von Weizen oder von einem der anderen Samenkörner. (1. Korinther 15, 36-37)
Das Samenkorn wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Das Salz kann nichts ausrichten, wenn es sich nicht auflöst.
Laufen wir nicht Gefahr unsere Identität als Christen zu verlieren, wenn wir uns als »Salz« total in der Suppe der Gesellschaft auflösen?
Das war die Ausgangsfrage zu dieser Betrachtung. Ich meine: Nein, diese Gefahr besteht nicht. Unsere Identität verlieren wir, wenn wir kein Salz für die Erde sind, sondern das, was Jesus bildlich hinauswerfen und zertreten lassen möchte.

Anstatt die Welt in unser Salzfass einzuladen, bleibt uns eigentlich nach den Worten Jesu nichts übrig, als uns an die Welt zu verschenken. Beziehungsweise als Samenkorn zu sterben, anstatt die Welt in den Kornspeicher einzuladen.

Und wie ist das nun mit unserer christlichen Identität, was passiert mit unseren christlichen Werten und biblischen Prinzipien der Lebensführung?

Wir behalten sie. Mitten in der »bösen« Welt. Ohne sie sind wir überhaupt kein Salz, sondern genauso geschmack- und inhaltslos wie die Suppe, die wir salzen sollen. Ohne sie sind wir überhaupt kein Samenkorn, sondern ein Sandkorn, aus dem nie und nimmer etwas wachsen wird.

Es geht keineswegs darum, dass wir so wie die Welt werden (oder bleiben) sollen. Wir sind, vorausgesetzt wir nehmen unsere von Jesus genannte Funktion an, in der Welt, aber nicht von der Welt.

Darüber demnächst mehr.

P.S.: Die Salz-Ernährungs-Infos stammen von Wikipedia

Dienstag, 11. März 2008

...when the Spirit has left the building

Aller guten Dinge sind 3. Also noch was musikalisch Eingefärbtes:
I often wonder if religion is the enemy of God. It’s almost like religion is what happens, when the Spirit has left the building.
Sagt Bono, Chef von U2. recht hat er, der Bono. Via: Pro Blog


P.S.: Schluss für heute. Morgen gibt es hier was Salziges.

...then we take Berlin!

Da mir heute sowieso schon so musikalisch zumute ist (bin ja hinter Dylans Hut her...) und weil das Video von der hutklauenwollenden Dame so miserable Qualität hat und weil Leonard Cohen nun endlich in die Hall of Fame aufgenommen wurde und weil es in dem Video so ganz bezaubernde und romantische und gemütsbewegende Bilder gibt und weil ich Leonard Cohen so viele Inspirationen verdanke und weil ich tief drinnen eben doch ein Romantiker bin und weil Berlin sowieso die Stadt an und für sich ist (Manhattan kann einpacken!) und überhaupt...



P.S.: Die Laudation hielt Lou Reed:

Lou Reed took the podium to offer generous commentary on his old pal. "I first met Leonard Cohen at the Chelsea Hotel," Reed said. "We were talking and - I thought it was sweet of him - he said 'You wrote a song called I'll Be Your Mirror and it made me want to keep writing songs'."
Reed when on to mention Naked Lunch by William S. Burroughs and Cohen's novel Beautiful Losers, saying "one of them got more attention. I was always surprised by that."
Reed quoted lavishly from the Cohen oeuvre, citing First We Take Manhattan, Hey That's No Way to Say Goodbye, Anthem and Cohen's latest work, Book of Longing. It was, appropriately, a most writerly induction one of Canada's most celebrated poets.
Cohen thanked Reed for reminding him that he'd written "a couple of good lines. I inducted you into my own ghostly hall of fame years ago."
Quelle: Ottawa Citizen

Die Jagd nach dem Hut

Bob Dylan hat einen Hut zu verschenken:
Bob Dylan was taken aback during a concert in Brazil on Thursday night - when a young woman invaded the stage and embraced the veteran star. The singer was performing the encore of his second gig in Sao Paolo when a long-haired female fan dodged security, and ran over to kiss and hug a shocked Dylan.
When the song finished, the amused 66-year-old told the audience, "Thank you, friends. And I'd like to thank that young lady for coming up and joining us on stage. Where did she go? I want to give her my hat. Don't let her get away."
Falls die Dame (hier das qualitativ hundsmiserable Video, der Vorfall beginnt bei 1:24) nicht aufgefunden werden konnte: Ich hätte auch Interesse an dem Hut. Wo kann ich mich melden?

Montag, 10. März 2008

Rote Beeren 2.1

Irgendwie sind meine Texte nie fertig. Auch die längst gedruckten nicht, wenn ich sie mir wieder vornehme. Für die Lesung in Zwickau hatte ich als ersten Beitrag eine Erzählung mit dem Titel »Rote Beeren« gewählt. Da ich mich zur Zeit gedanklich viel mit dem Thema Heilung beschäftige, war es naheliegend, den Text auszugraben. Die Geschichte war vor weißnichtwieviel Jahren in der Zeitschrift »Aufatmen« erschienen.

Als ich sie jetzt nach weißnichtwieviel Jahren las, fielen mir so viele ungeschickte Formulierungen und Wortwiederholungen auf, dass es mir fast peinlich war, vor weißnichtwieviel Jahren so einen mangelhaften Text freigegeben zu haben.

Ich habe also Ende letzter Woche die Geschichte für die Lesung überarbeitet, und dann Minuten vorher noch ein paar Worte ausgetauscht. Die zur Zeit gültige Version kann der interessierte Leser hier begutachten: Rote Beeren

Wenn ich den Text in weißnichtwieviel Jahren mal wieder in Augenschein nehme, wird er sicher weitere Änderungen erfahren. So richtig fertig sind meine Texte offensichtlich nie.

P.S.: Einen Mitschnitt der Lesung gibt es nicht, daher kann niemand hören statt lesen. Ätsch!

Verbotene Gebete

Es gibt einen Bereich, der vom gesellschaftlichen Trend der »political correctness« noch nicht oder nur wenig erreicht wurde. Die Christen dürfen immer noch beten, was ihnen auf dem Herzen liegt. Sie dürfen sich beispielsweise in ihren Gebeten dem Wunsch Gottes anschließen, dass alle Menschen errettet werden. Einschließlich der Juden.

Das kann, meint mancher, so nicht bleiben.
Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, hat eine Überarbeitung der katholischen Karfreitagsfürbitte «Für die Juden» gefordert.
Papst Benedikt XVI. hatte im vergangenen Jahr die umstrittene lateinische «Tridentinische Messe» durch eine weitgehende Freigabe aufgewertet. Die darin enthaltene Karfreitagsfürbitte «Für die Juden», die unter anderem von einer «Verblendung» der Juden sprach, wurde Anfang Februar in einer Neufassung veröffentlicht. Der Text wurde entschärft, ruft jedoch weiterhin zu einer «Erleuchtung» und «Rettung» der Juden durch den Gott der Christen auf. Das umstrittene Karfreitagsgebet soll in einigen katholischen Gottesdiensten in diesem Jahr erstmals in der neuen Form auf Lateinisch gesprochen werden. (Quelle: Jesus.de)

Jesus hat über Jerusalem geweint, weil die Menschen verblendet waren. Jesus ist nicht nur für die Erleuchtung und Rettung der Deutschen gestorben und auferstanden, sondern er schließt sein Volk ein. Das darf man aber, geht es nach Salomon Korn, so nicht stehen lassen. Jesus muss sich wohl geirrt haben, als er über Jerusalem weinte:
Und als er sich näherte und die Stadt (Jerusalem) sah, weinte er über sie und sprach: Wenn auch du an diesem Tag erkannt hättest, was zum Frieden dient! Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen. (Lukas 19, 41-42)
Auch seine Worte an die Jünger nach der Auferstehung hat er falsch gewählt:
So steht geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen aus den Toten und in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, anfangend von Jerusalem. Ihr seid Zeugen hiervon. (Lukas 24, 46-48)
Oder sollte sich Salomon Korn irren?

Sonntag, 9. März 2008

Im Sachsenland...

...fanden wir eine malerische Altstadt in Zwickau.

...ist auch das Englisch, wenn man es vorfindet, anders als sonstwo. Wir würden sagen: »Free as a bird.« Die Sachsen formulieren abweichend:

...hat man auch ganz bezaubernden Fassadenschmuck zu bieten. Zum Beispiel diese drei amerikanischen Gesellen:

...fand ich aufmerksame Zuhörer bei meiner Lesung. Sie waren eher spärlich erschienen, was die Anzahl betrifft, aber die Gespräche im Anschluss zeigten mir, dass zugehört und mitempfunden wurde.


Ich komme gerne einmal wieder nach Sachsen, denn die Menschen, die ich kennen gelernt habe, waren ausnahmslos sehr liebenswürdige, freundliche und wunderbare Zeitgenossen. Vom Personal in der Pension über die Kellnerin im Restaurant und die Veranstalter meiner Lesung bis zu den Zuhörern ein herzliches Dankeschön von mir. Ich habe mich wohl gefühlt.

Freitag, 7. März 2008

Türme, Schwäne und ein Mohr

Am Wochenende bin ich in der Stadt, deren Wappen um 1500 drei Schwäne, drei Türme und einen Mohren zeigte, um vorzulesen. Daher bleibt der Blog sich selbst überlassen. Ich wünsche allerseits ein schönes Wochenende und bin gespannt, ob bei der Lesung vielleicht sogar Blogbesucher auftauchen. Wenn ja: Gebt Euch ruhig zu erkennen, ich würde mich freuen.

Hier nochmal Zeit und Ort: Veranstalter ist Lightbound in Zwickau, Beginn 19 Uhr in der Rudolph-Breitscheidt-Str. 11, 08112 Wilkau-Hasslau. Dort findet man sicher leicht das Diakonat der Michaeliskirche. Der Ort Wilkau-Haslach liegt südlich von Zwickau, über die E441 gut zu erreichen. Ich bin gespannt und freue mich auf die Lesung.

Die eingeschränkte Allmacht

Gott ist allmächtig, aber er kann nicht tun, was er will. Eine gewagte These? Nein, eine biblische Tatsache. Mit dem scheinbaren Widerspruch zwischen dem souveränen Gott und der Tatsache, dass sein Wille nicht geschieht, beschäftigt sich Storch am Beispiel von Heilung (=Gottes Wille) und Krankheit (=tatsächlicher Zustand).

Der Zustand der Welt ist keine Offenbarungsquelle für uns, sondern ein Auftrag. Wir sind nicht hier, weil Gottes Wille geschieht, sondern damit er geschieht. Gottes Absichten sind klar, im Himmel wird es wieder mindestens so gut sein wie im Paradies. Da wird sein Wille völlig geschehen, hier aber nicht. Würde Gottes Wille hier immer geschehen, müssten wir im Vaterunser nicht beten, dass er geschehen soll! Was hätte es für einen Sinn, für etwas zu beten, was sowieso immer passiert?
Tatsächlich entspricht sehr wenig von dem, was in dieser Welt geschieht, Gottes Willen. Das meiste entsteht aus der Entscheidung der Menschen und nicht, weil Gott es so will. Es wäre absurd, hinter allem, was geschieht oder nicht, immer Gottes Willen zu vermuten. Psalm 115,16 sagt:

Der Himmel ist der Himmel des HERRN, die Erde aber hat er den Menschenkindern gegeben.

Aus dem Zustand dieser Welt kann man recht gut auf den Charakter ihrer Besitzer, der Menschen, Rückschlüsse ziehen, denn ihr Wille geschieht hier. Zusätzlich ist auch noch der Teufel der „Gott dieser Welt“ (2.Korinther 4,4). Nicht Gott lässt den Hunger in der Welt zu, sondern die Menschen. Nicht Gott trägt die Verantwortung für Krankheit, sondern eine Kirche, die den Heilungsdienst seit Jahrhunderten sträflich vernachlässigt, obwohl Gott ihr den Auftrag dazu gab. Es ist unser Auftrag, dafür zu beten und zu arbeiten, dass Gottes Wille hier immer mehr umgesetzt wird, bis Jesus wiederkommt.

Ich möchte noch eine Bibelstelle nennen, die völlig klar macht, dass Gottes Wille nicht ausschlaggebend dafür ist, was hier passiert:

(Gott) will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. (1.Timotheus 2,4)

Offensichtlich passiert das nicht. Obwohl Gott will, dass jeder gerettet wird, wird nicht jeder gerettet, denn es gibt einen Teil, den der Mensch dazu beitragen muss. Er muss die ausgestreckte Hand annehmen, die Gott ihm entgegenhält. Heißt das, dass Gott nicht allmächtig ist? Nein, er könnte alles anders machen und jeden Menschen zwingen, seinen Willen zu tun, aber er tut es nicht. Der freie Wille begrenzt Gottes praktische Allmacht. Das ist eine der Grundtatsachen des christlichen Glaubens. Alles andere wäre islamische Schicksalsgläubigkeit.

Hier geht's zum kompletten Text mit dem etwas sperrigen Titel: Zwei Bereiche, die dem Heilungsdienst im Wege stehen I - Gottes Souveränität

Der Traum von Salz und Licht

Noel Richards wurde von der Redaktion der Zeitschrift »Come« vor der Veranstaltung »Calling all Nations« im Berliner Olympiastadion gefragt, welche Impulse er sich für die deutsche christliche Musikszene erhoffe. Seine Antwort überraschte manchen Leser, denn eigentlich war sie ein Widerspruch zum Gedanken, der christlichen Musikszene Impulse geben zu wollen.
Manchmal setzen wir das Wort »christlich« vor bestimmte Wörter und schaffen so eine Art Subkultur. Viel lieber wäre es mir, wenn Christen zum Mainstream in der Kunst- und Musikkultur durchbrechen würden. Es gibt in Deutschland viele christliche Verlage und Produzenten … die machen ihre Sache wirklich gut. … Sie werden gebraucht, um die Bedürfnisse der Menschen innerhalb der Kirchen wahrzunehmen. Aber wir sollten darüber nicht vergessen, den Blick nach draußen zu richten … Christen ermutigen, das fromme Ghetto zu verlassen.

Noel Richards sprach von »Subkultur«. Ich meine, dass in vielen Kirchen und Gemeinden sogar eine christliche Parallelgesellschaft existiert, die wenig oder keine Berührungspunkte mit unserer Umgebung kennt. Wir haben christliche Romane, christliche Musik aller Geschmacksrichtungen und christliches Spielzeug, sogar christliche Kleidung und vieles mehr. Es gibt biblische Kochbücher genauso wie Kerzen mit Bibelsprüchen und christliche Kugelschreiber oder Notizbücher. Christliche Internetseiten, Foren und Chaträume sind Legion, auch christliche Frauen- und Männerzeitschriften oder Nachrichtenmagazine muss man nicht lange suchen. Manches ist missionarisch gemeint. Aber wer nimmt außerhalb unserer Parallelgesellschaft Notiz davon?

Anders gefragt: Würde den Menschen in unserer Nachbarschaft irgend etwas fehlen, würden sie es überhaupt bemerken, wenn unsere Gemeinde / Kirche plötzlich nicht mehr da wäre? Wäre da eine Lücke im gesellschaftlichen, kulturellen, politischen Leben? Oder würde alles ohne uns Christen genau so weiterlaufen wie bisher?

Die Parallelgesellschaft hat sich etabliert, um die Gläubigen vor der bösen Welt zu schützen, um ihnen saubere und sündlose Alternativen zu bieten. Die Gemeinschaft der Gläubigen wurde zu einer Burgfeste, die es zu verteidigen gilt. Und je länger der Kriegszustand gegen die Welt dauert, desto mehr entfernt sich das Salz aus der Welt. Um so mehr ist das Licht ausschließlich in der Burg sichtbar.

Die Kleinstadtgemeinde, in der ich als junger Christ zu Hause war, veranstaltete einmal im Jahr eine Evangelisationswoche. Ein Prediger wurde eingeladen, Handzettel gedruckt und verteilt, ein Rahmenprogramm gestaltet und dann sollten die Menschen in Scharen in den Gemeindesaal strömen und sich bekehren. Sie strömten nicht, sie tröpfelten höchstens. Die meisten Besucher bekehrten sich nicht, sondern wunderten sich und gingen wieder. Von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen.

Viele Christen verstehen heute noch immer ihren Auftrag genau so und nicht anders. Die Gemeinde ist für sie eine Burg, in die man einlädt, weil da das Licht und das Salz zu finden sind. Samt christlicher Musik, christlichen Finanzkursen, christlichen Fahrradausflügen, christlichen Büchern und christlichen Jugendgruppen. Evangelistische Abende oder Wochen werden durchgeführt, die Gemeindeglieder gedrängt, doch Nachbarn und Kollegen einzuladen, mitzubringen in die sichere Burg. Das Problem wird heute immer deutlicher: Die Nachbarn und Kollegen kommen nicht. Oder sie kommen nicht wieder, weil sie nur Befremdliches erlebt haben.

Jesus hatte keinen Gemeindesaal. Die Jünger bauten keine Kirche. Paulus druckte keine Handzettel. Petrus predigte nicht im Rahmen einer Evangelisationswoche.

Natürlich stimmt es: Jesus lehrte am Sabbat in der Synagoge, die erste Generation der Gemeinde war im Tempel anzutreffen. Natürlich stimmt es, dass die Gläubigen auch heute noch einen Ort, einen Rahmen brauchen, wo sie zusammen Gott loben, aus der Bibel lernen, ihre Fragen stellen und gemeinsame Lasten tragen sowie sich miteinander freuen können. Jesus nahm sich immer wieder Zeit, um mit seinen Jüngern auszutauschen, sie zu lehren, ohne dass diejenigen dabei waren, die noch nicht zum Kreis der Gläubigen zählten. Die Gemeinde der Apostelgeschichte versammelte sich zum gemeinsamen Gebet, Austausch, Lob Gottes und zur Lehre.

Selbstverständlich ist der Gottesdienst, ob nun im Gemeindesaal, der Kirche oder sonst irgendwo, zu hundert Prozent notwendig und richtig. Aber wenn sich das Gemeindeleben darin erschöpft, sich in der sicheren Burg zu versammeln, höchstens noch zu bestimmten evangelistischen Gelegenheiten dazu einzuladen, in die heiligen Hallen zu kommen und sich zu bekehren, dann kann von Salz und Licht nicht die Rede sein. Dann spielt es für die Nachbarschaft, ob nun Dorf oder Stadtviertel, keine Rolle, ob es die Gemeinde vor Ort gibt oder nicht. Dann ist der lokale Kegelverein wichtiger für die Nachbarn als die lokale Kirche.

Wo sind die Kirchen- und Gemeindevorstände, die es wagen, ihre Burgfeste einzureißen? Die nicht einen größeren sakralen Versammlungssaal planen, sondern einen Ort, an dem die Nachbarn sich zur Freizeitgestaltung treffen, die Kinder nach der Schule Hilfe bei den Hausaufgaben finden, die Armen Speise oder Kleidung bekommen, die kulturell interessierten Mitbürger Kammermusik, Blues- oder Jazz-Sessions oder literarische Lesungen veranstalten, und das alles ohne frommen Unterbau und christliche Stempel?

Ich träume von einer Gemeinde Jesu Christi, die keine Fußangeln auslegt, in denen sich Ungläubige verfangen sollen, damit man sie in die Burgfeste ziehen kann. Ich träume von einer Gemeinde Jesu Christi, die sich mit Menschen und Ressourcen verschenkt. Es ist nichts Frommes an einem Skatverein oder einer Hausaufgabenhilfe für moslemische Kinder zu finden. Beim Seniorensport wird sich kein Teilnehmer bekehren. Die Organisation eines Stadtteilfestes zusammen mit anderen Bürgern ist keine missionarische Aktion.

Meine Vision ist keine versteckte Evangelisation durch die Hintertüre, sondern eine Gemeinde, die fragt: »Was können wir für die Menschen tun? Wo können wir helfen? Wie können wir dienen? Wem können wir uns und unsere Möglichkeiten, Begabungen, Fähigkeiten verschenken?« Ohne Angelhaken und Gegenleistung. Einfach nur, weil wir die Welt so lieben, wie Gott sie geliebt hat. Er hat seinen Sohn gegeben. Für alle Menschen, für die Frommen wie die Ungläubigen.

Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe. (Johannes 15, 16)

Hingehen. Frucht bringen. Und daraus folgt: Der Vater gibt, was wir im Auftrag Jesu bitten. Nicht umgekehrt.

P.S.: Foto vom Myfest 2007 in Berlin. Christen, Moslems, Atheisten, Politiker, Kulturschaffende... - alle arbeiten zusammen für einen friedlichen Tag.