Donnerstag, 20. November 2008

Häufig gestellte Fragen 4

Eine weitere Frage in dieser kleinen Reihe wurde mir schon häufiger vorgelegt als andere. Es geht im Grunde genommen darum, ob Gott »gerecht« mit denjenigen umgeht, die ihn beziehungsweise das Evangelium nie kennen gelernt haben. Ein Leser hat es so formuliert:
Was passiert in den Augen eines Christen mit jemanden, der niemals getauft wurde und noch nie zu Gott gebetet hat, aber dennoch ein »gutes Leben« im Sinne des Christentums gelebt hat? Damit meine ich, dass er niemals eines der 10 Gebote verletzt hat ect.
Wird diese Person ebenso wie alle anderen »Sünder« bzw. »Ungläubigen« behandelt? Wie verhält es sich mit den Anhängern anderer Weltreligionen?
Meine Antwort sieht ungefähr so aus:

Abgesehen davon, dass es kaum jemanden geben dürfte, der nie eines der Gebote verletzt hat, ist das Neue Testament da ganz eindeutig: Die »Zeit der Unwissenheit« - also das Leben eines Menschen, der von der Notwendigkeit und Möglichkeit der Erlösung keine Kenntnis erhalten hat - führt nicht zwangsläufig zur Verdammnis.
Bei solchen Menschen ist es so, wie der Apostel Paulus in Athen vor einer (heidnischen) Menschenmenge ausgeführt hat, »dass sie Gott suchen, ob sie ihn vielleicht tastend fühlen und finden möchten, obwohl er ja nicht fern ist von jedem von uns.« An anderer Stelle erklärt er: »Es ist kein Ansehen der Person bei Gott. Denn so viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und so viele unter Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden - es sind nämlich nicht die Hörer des Gesetzes gerecht vor Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden.« Gemeint ist hier das jüdische, also von Gott gegebene, Gesetz, nicht menschliche Gesetze wie unser Grundgesetz oder die Straßenverkehrsordnung. Im Klartext: Wer nie etwas von Jesus gehört hat, aber entsprechend seinem (von Gott geschaffenen) Gewissen »gerecht« gelebt hat, weil er Gott - womöglich ganz unbewusst - »tastend fühlen und finden« wollte, ist ein »Täter« des Gesetzes.
Jesus Christus bietet aber viel mehr an: Wer an ihn und seinen Tod und seine Auferstehung glaubt, gelangt in eine ganz andere Dimension des Lebens hinein, die vergleichbar ist mit dem ursprünglichen Dasein des Menschen nach der Schöpfung.

Mir kommt diese Antwort irgendwie »unvollendet« vor, kollidiert sie doch mit dem neutestamentlichen Anspruch, dass der Mensch seit Tod und Auferstehung Jesu Christi ausschließlich durch den Glauben an den Erlöser errettet werden kann.

Kommentare:

Robert hat gesagt…

Hallo allerseits. Verstehe das mit der Unwissenheit der Völker aber ich glaube das dies irgendwie zu Ende gegangen ist.

Hab da einen Link: http://jesus-liebt-dich-besonders.blogspot.com/2008/11/gute-menschen-kommen-in-den-himmel.html

Günter J. Matthia hat gesagt…

Hallo Robert,

warum, wann und wie das »irgendwie zu Ende gegangen ist« würde mich schon interessieren, zumal die Paulus-Zitate ja nachweislich aus dem Neuen Testament sind...

Robert hat gesagt…

Das ist jetzt meine Meinung: Heute gibt es Medien wo sich die Leute "informieren" könne, so auch über die Errettung. Ich könnte mir vorstellen das manche aus guten Gewissen gerettet werden weil sie es nicht besser wussten auch heute noch. Aber das die (wenigen) Leute denen irgendwie nicht "gelungen" ist von Jesus zu hören. Ich glaub schon das Gott gerecht ist mehr als wir ahnen! Aber ich persönlich möchte mich nicht auf diesem wagigen und sehr gefährlichen Weg befinden! Möchte mich gerettet wissen! Das ist immer noch besser! Das ist so als ob man mit dem Feuer spielt! Vor langer Zeit fragte mich jemand ob kleine Babies die gestorben sind in den Himmel kommen: JA! sogar sehr Sicher weil sie nicht die Entscheidungkraft haben sich zu entscheiden über gut oder böse. Ansonsten ist das, das Werk Gottes die Leute zu berühren mit Seiner Liebe! Und wir müssen beten!

frohebotschaft hat gesagt…

Wieso schreibst du, dass die Bibel hier eindeutig ist, wenn du dir nicht sicher bist, ob es eindeutig ist?

Der Frage liegt zunächst mal das Missverständnis zugrunde, dass sich ein Mensch aus seinen Werken heraus vor Gott rechtfertigen könne.

Es ist so, dass jeder Mensch die ewige Verdammnis verdient hätte. Davon befreit werden kann nur, wer für sich die Erlösungstat Jesu Christi in Anspruch nimmt. Das ist ein reiner Gnadenakt Gottes und kein menschlicher Verdienst.

Was passiert nun mit den Menschen, die nie etwas von Jesus gehört haben und damit seine Erlösungstat nicht in Anspruch nehmen können?
Wenn ich ehrlich bin: ich weiß es nicht. Ich glaube aber, dass Gott gerecht und barmherzig ist. Und ich denke, jeder Mensch wird eine faire Chance bekommen, Jesus kennen zu lernen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Gott da Möglichkeiten findet, wie sie auch immer aussehen mögen. Aber der Heilsweg ist immer der selbe: Jesus Christus.

Günter J. Matthia hat gesagt…

Hallo frohebotschaft,

ich finde das schon eindeutig, was Paulus schreibt / sagt.

Diese Frage, um die es hier geht, ist oft genug natürlich nur ein Ausweichen des Fragenden vor der Entscheidung, nun Jesus zu folgen oder nicht. Da kann es im Gespräch ganz gut sein, wieder zur Hauptsache zurück zu kommen.

Manchmal stellt diese Frage aber auch jemand, der es wirklich und ernsthaft wissen will. Auch Christen denken darüber nach, und die haben Jesus ja bereits kennen gelernt. Mein Versuch einer Antwort entspringt natürlich meinem derzeitigen Wissens- und Erkenntnisstand. Und da bleibt noch vieles offen...

frohebotschaft hat gesagt…

Na gut, Gott hat die "Zeit der Unwissenheit" nicht zugerechnet. Paulus schreibt doch aber auch (Römer 1), dass man keine Entschuldigung hat, wenn man Gott nicht erkennen kann und ihm dienen möchte.
Klar ist für mich damit jedenfalls, dass man verdammt werden kann, ohne je von Jesus gehört zu haben. Auf den umgekehrten Fall, ob man gerettet werden kann, ohne je von Jesus gehört zu haben, gibt die Bibel m.E. keine klare Antwort. Römer 2,13-16 deuten aber vielleicht darauf hin, dass diese Leute dann nach ihrem Gewissen gerichtet werden.

Die Frage interessiert mich auch, aber ich denke, ihre praktische Bedeutung geht gegen 0, von daher sollte man sich nicht zu lange daran aufhalten. Und man sollte sich vielleicht selbst mal die Frage stellen, ob einen die Frage beschäftigt, weil man an der Gerechtigkeit Gottes zweifelt. Wäre ja auch möglich.

Gruß, Philip