Donnerstag, 12. November 2009

Markus Zusak: The Book Thief

Let’s go, Saukerl! … What do you bet, you little Saumensch? … She schmunzelled. … They returned to Frau Diller’s, Heil Hitlered and waited. - Dieses Buch sollte man, wenn man es denn vermag, unbedingt auf Englisch lesen. Der Sprachwitz, der durch die bajuwarischen Brocken entsteht, geht unweigerlich verloren, wenn eine Übersetzung ins Deutsche vorliegt. Und die Sprache, die Markus Zusak entwickelt, ist ganz hervorragend geeignet, den Leser nicht mehr von der Angel zu lassen, hat er erst einmal angebissen.
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Wir begleiten in The Book Thief Liesel Meminger durch fünf Jahre ihres Lebens im Hitlerdeutschland. Sie ist neun Jahre alt, als sie einer Pflegefamilie übergeben wird, die in der Himmelstraße in Molching wohnt, einem Vorort von München.
Der Tod selbst erzählt uns ihre Geschichte, auf eine Art und Weise, die mir in der Literatur noch nicht begegnet ist. Er ist nicht der grausame Sensenmann, sondern er tut einfach nur seine Arbeit, und die fällt ihm oft genug nicht leicht. Er weiß jedoch, dass alles Meckern oder Aufbegehren vergeblich wäre, also verrichtet er seinen Dienst so human - ist das Wort angebracht? - wie möglich.
Die Zeit, in der die Markus Zusak die Erzählung angesiedelt, ist alles andere als human. Manchem ist der Tod ein willkommener Besucher, mancher sucht ihn gar bewusst, weil das Leben unerträglich geworden ist. Viele holt der Tod auch ungefragt, weil The Führer nun einmal seine Wege geht.
Liesels kindliche, aber keineswegs kindische Perspektive auf das Leben wirkt von der ersten bis zur letzten Seite des Romans glaubhaft, es gelingt dem Autor, sich und den Leser in dieses Mädchen hineinzuversetzen. Das Kleinstadtleben unter den Nazis verändert sich langsam, jedoch unaufhaltsam. Misstrauen unter Nachbarn wächst, die Juden verschwinden aus der Stadt, um später in Ketten durch Molchings Straßen nach Dachau geführt zu werden, Hunger und Mangel nehmen zu. Und dennoch bleiben Kindheitsrituale wie Fußballspiele auf der Straße unverändert, hat das Leben auch heitere Facetten.
Markus Zusak hat für dieses Buch zwar keine herausragend neue Handlung ersonnen, aber er erzählt die Geschichte auf fesselnde Weise. Sein handwerklich makelloser Umgang mit der Sprache (wobei mitunter für den deutschen Leser die bayerischen Schnipsel in den Sätzen ziemlich amüsant sein können) ist das eine, die liebevolle Gestaltung des Buches mit kleinen Skizzen und Bildern, optisch herausgehobenen Anmerkungen des Todes zum Geschehen und die gelegentlichen Zeitsprünge das andere, was dieses Werk so einzigartig macht. Ich neige nicht zu Superlativen, aber hier ist ein klares Wort am Platz: The Book Thief ist eines der besten Bücher, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe.

Mein Fazit: Wer sich auf die Lektüre mit ihren überraschenden Eigenarten einlässt, beschenkt sich mit einem Leseerlebnis der unvergesslichen Art. Das Buch ist manchmal dramatisch, es ist zeitweise komisch, es ist stellenweise tragisch. Das Buch ist eben wie das Leben selbst.

Den Roman gibt es für 5,95 Euro (Taschenbuchausgabe) beispielsweise bei Amazon: The Book Thief

Kommentare:

Second Attempt hat gesagt…

Interessante Leseempfehlung, die gleich auf meiner Wunschliste gelandet ist. Danke!

Grüßle, Sec

Günter J. Matthia hat gesagt…

Ich bin sicher, Du wirst die Lektüre nicht bereuen. Ein ganz außergewöhnlicher Autor, dieser Herr Zusak.

Stephan Hollandt hat gesagt…

Okay. Ich hab's jetzt auch bestellt. Und wehe, es taugt nüscht ... Geld-zurück-Garantie gab's wohl nicht?
Beste Grüße! Stephan

Günter J. Matthia hat gesagt…

Es taugt was. Garantiert. Ich wünsche angenehme Lesestunden!

Stephan Hollandt hat gesagt…

Wollte mitteilen, dass ich von der "Geld-zurück-Garantie" keinen Gebrauch mache - und zugleich das Buch allen geneigten Bloglesern weiterempfehlen. Danke für den Tipp zum Lesen eines zutiefst weisen, warmen und menschlichen Buches!

Günter J. Matthia hat gesagt…

Hallo Stephan,

na das freut mich, dass mein Tipp auch Deinen Geschmack getroffen hat.

Der Herr Zusak schreibt recht gut, I Am The Messenger fand ich auch hervorragend.

Grüße, Günter