Mittwoch, 23. Dezember 2009

Metall auf Metall

Aus gegebenem Anlass sind wir gestern trotz Wind und Wetter quer durch mehrere Bundesländer gefahren und sogar, abgesehen von Brandenburg und Sachsen-Anhalt, auf gut befahrbaren, weil von Schnee und Eis gereinigten Autobahnen. Niedersachsen hat übrigens fast durchgehend irgend einen magischen Fußbodenbelag auf der Autobahn, der trotz Regen und Schnee so gut wie trocken ist. Somit wirbeln die Reifen kein Wasser in die Luft und das Fahren wird zur reinen Freude für klein und groß Danke, Niedersachsen!

Allerdings trübte die Freude auch vor und nach Niedersachsen ein unangenehmes, grummelndes, irgendwie Unheil verheißendes Geräusch beim Bremsen. Das war in den letzten Wochen gelegentlich zu hören, aber es verschwand wieder. Nun jedoch war es so laut und so penetrant, dass ich den Verdacht hatte, links vorne sei kein Bremsbelag vorhanden, sondern Metall schleife beim Bremsen auf Metall.

Das Hotel, das wir gebucht hatten, hatte eine Überbuchung erfahren. Man hatte uns per E-Mail darüber informiert, dass wir in einem anderen Hotel untergebracht würden, aber wer liest schon E-Mails gründlich? Wir landeten aösp zunächst an der falschen Rezeption, von dort wurden wir zum Ausweichhotel geschickt. Auf dem Weg kamen wir an einer Tankstelle mit kleiner Werkstatt und dem Schild KFZ-Service vorbei. Der Gedanke, zumindest zu fragen, ob jemand mal nach der Bremse vorne links schauen könne, war sofort da, und nachdem wir das Gepäck abgeladen hatten spazierten wir zur Tankstelle und fragten das Nämliche.

Die Freundlichkeit der Menschen in einer Kleinstadt bewies sich sogleich. Der Mechaniker oder Meister oder was er auch sein mag schickte mich das Auto holen, obwohl er nicht sicher war, dass seine Hebebühne es mit einem Ford Windstar würde aufnehmen können. Man sei eher auf Klein- und Mittelklassewagen eingestellt, vielleicht auch mal einen Mercedes, aber er wolle es zumindest versuchen. Und siehe da - die Hebebühne ächzte zwar und die Schwenkarme waren an irgend einem Maximum angelangt, aber das Auto passte irgendwie dann doch und wurde emporgehoben.

Um es kurz zu machen: Ich bremste mit Metall auf Metall, die Bremsscheibe hatte ein hübsches Rillenmuster. Und heute, am 23. Dezember, wollen wir zurück nach Berlin, wegen Weihnachten und so. Es war mittlerweile fast 17 Uhr, eine Zeit, bei der so manche Menschen an den Feierabend anstatt an Kundendienst denken. Und in der nordrhein-westfälischen Provinz Bremsscheibe und Bremsbeläge für ein grundsätzlich hierzulande recht seltenes Auto zu finden, auf die Schnelle und sofort, das schien sehr unwahrscheinlich. Die Freundlichkeit der Menschen in einer Kleinstadt bewies sich erneut. Der Meister oder Mechaniker telefonierte mit Hinz und auch mit Kunz und versicherte uns dann fröhlich, dass die Ersatzteile am 23. um 10:30 Uhr bei ihm eintreffen würden, dass er dann noch eine gute Stunde brauchen würde und wir gegen Mittag zurück in die Hauptstadt fahren könnten.

Nun bin ich gespannt, ob alles klappt, wie vorgesehen. In Berlin, da bin ich sicher, hätte sich keine Werkstatt finden lassen, die so schnell Abhilfe schafft. Man hätte vermutlich einen Termin im Januar angeboten...

Ich werde meine Blogleser wissen lassen, ob und wann wir wieder zu Hause sind...

Kommentare:

Bento hat gesagt…

na das ist doch mal ne richtig spannende Geschichte!
Gute Heimreise wünsche ich euch...

Optimizer hat gesagt…

dito...

SecondAttempt hat gesagt…

Wäre es nicht an der Zeit, mal über ein richtiges Auto nachzudenken? ;-)
Ihr seid hoffentlich gut zuhause angekommen und freut euch auf die heutige Geburtstagsfeier!

Liebe Grüße, Sec

Günter J. Matthia hat gesagt…

@alle: Heute habe ich vom Happy End der Episode berichtet. Die Hauptstadt hat uns wieder.

:-)