Sonntag, 13. Juni 2010

Heilung ohne Glauben…

In gewissen christlichen Kreisen ist das Thema Glaubensheilung außerordentlich populär, mitunter auch mit vorzeigbaren Ergebnissen.
Glaskunst in der Kirche SüddorfGesund werden ohne Glauben, ohne Hoffnung, das Thema habe ich auf diesem Blog schon einmal, an einem anderen Beispiel, angesprochen. Es gibt aber nicht nur den Gelähmten von Bethesda, sondern beispielsweise auch diesen Fall von Heilung ohne Glauben:
Und es begab sich danach, dass er [Jesus] in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. (aus Lukas 7)
Hier glaubt niemand, von Jesus einmal abgesehen, dass mit Heilung, geschweige denn mit der Auferweckung eines Toten, zu rechnen wäre.  Die Lage der Witwe ist ziemlich aussichtslos, denn in der Gesellschaft ihrer Zeit und ihres Landes ist sie nach dem Tod ihres Sohnes so gut wie chancenlos. Ob sie nun weiß, wer ihr da begegnet oder nicht, jedenfalls tut sie nichts, absolut nichts für das Wunder. Auch die Dorfbewohner sprechen Jesus nicht an, um ihn zu einem Wunder zu bewegen. Glaube bei dieser Szene? Ungefähr so viel wie Äpfel an einem Birnbaum. Hoffnung, dass irgend etwas an der Lage sich ändert? Ungefähr so viel wie Schweinenackensteaks auf einem moslemischen Grillfest.
Der einzige Grund, warum Jesus aktiv wird: »Es jammerte ihn« – heute  würde man sagen: Er hatte Mitleid. Mitleid haben ist das eine, etwas tun, das andere. Sicher haben auch die Nachbarn Mitleid mit der vom Schicksal geschlagenen Frau. Aber sie können nichts tun, außer ihr die Anteilnahme zeigen, indem sie mit zum Grab für den toten Sohn gehen.
Meinem Freund Roland Walter wurde einmal auf einer christlichen Veranstaltung vorgehalten, er wolle ja gar nicht gesund, von seiner Behinderung geheilt werden. Ein ziemlich starkes Stück, so eine Aussage. Seine Antwort: »In mir ist schon die Sehnsucht, gesund zu werden. Aber aus der Freude darüber, dass Jesus für meine Schuld gestorben ist und dass ER mich trotz meiner starken Behinderung zum Mitarbeiter berufen hat, kann ich mich so annehmen wie ich bin.«
Ich bin jemand, der beides erlebt hat: Erhörtes Gebet um Heilung und vergebliches Gebet um Heilung. Und ich bin jemand, der erlebt hat, dass es besser ist, einem leidenden Menschen beizustehen, so gut es geht, anstatt ihm vorzuwerfen, es mangle ihm an Glauben. Da ist es allemal noch wertvoller, mit der Witwe zusammen den Jüngling zum Friedhof zu tragen. Auch wenn einem Jesus nicht auf dem Weg entgegen kommt. Das weiß man beim Losgehen sowieso noch nicht.
Glaube und Heilung - von Heilung ohne jeglichen Glauben und mit jeder Menge Glauben (Senfkorngröße genügt dem Vernehmen nach) berichtet die Bibel an vielen Stellen. Und von denen, die nicht geheilt wurden. Auch wenn das mancher gerne aus der Bibel streichen würde…

Kommentare:

juppi hat gesagt…

Du hast mal wieder sehr schöne Vergleiche,
"Ungefähr so viel wie Schweinenackensteaks auf einem moslemischen Grillfest."
udn daneben auch einen sehr schönen Text geschrieben.

Oder wars ein Gastbeitrag bzw. woanders geraubte Formulierungen?
In diesem Fall leite das Lob bitte weiter.

Günter J. Matthia hat gesagt…

Danke für die Blumen - das war ich selbst, kein Gast. :-)