Sonntag, 25. Juli 2010

Gedanken zum Sonntag: Die Anti-Christen sind da!

Der Antichrist, von dem hier nicht die Rede sein soll, wurde verschiedentlich - jedes mal fälschlich - gesichtet. Hitler, der (jeweilige) Papst, Gorbatschow, Obama... - na ja. Dem einen sin Uhl ist dem andern sin Nachtigall, auch was die Sympathie für Politiker betrifft. Da sind Christen nicht anders als Moslems, Hindus, Juden, Buddhisten und andere –isten.

Die Verwirrung über biblische Begriffe und Personen vor allem unter Christen ist jedoch fast schon wieder so an der Tagesordnung wie vor der Reformation, da die Bibel kaum noch gelesen wird. Die meisten Christen halten den Antichristen für eine bedrohliche Endzeitfigur, verwechseln ihn mit dem »Tier aus dem Abgrund«.

...so sind auch jetzt viele Antichristen aufgetreten; daher wissen wir, daß es die letzte Stunde ist. (1. Johannes 2, 18)
Der ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Der ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. (1, Johannes 2, 22)
Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht Jesus Christus, im Fleisch gekommen, bekennen; dies ist der Verführer und der Antichrist. (2. Johannes 7)

Doch halt! Von diesen Antichristen soll hier gar nicht die Rede sein. Es gibt jede Menge Anti-Christen einer anderen Sorte. Heute. Hier. Nämlich Christen, die anti XYZ sind.

Yes or No?Die sind anti Reinhard Bonnke, anti Papst, anti Ökumene, anti Geistesgaben, anti Jesus Freaks, anti Katholische Kirche, anti Volxbibel, anti Lutherbibel, anti Alkohol, anti dies und anti das. Sie posaunen ihre Meinungen hinaus und streiten verbissen, was das Zeug hält. So etwas ist nicht neu, schon Paulus kannte derartige Zeitgenossen. Den Korinthern schrieb er:

Ihr seid noch fleischlich. Denn wo Eifersucht und Streit unter euch ist, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise? (1. Korinther 3, 3)
Der Chaotenhaufen in Korinth, der sich Gemeinde nannte, hat den Hinweis wohl nicht ernst genug genommen, denn in einem späteren Brief an diese liebenswerten Gläubigen wurde Paulus deutlicher:
Ich fürchte, daß ich euch bei meinem Kommen vielleicht nicht als solche finde, wie ich will, und daß ich von euch als solcher befunden werde, wie ihr nicht wollt: daß vielleicht Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsüchteleien, Verleumdungen, Ohrenbläsereien, Aufgeblasenheit, Unordnungen da sind; daß, wenn ich wiederkomme, mein Gott mich vor euch demütigt und ich über viele trauern muß, die vorher gesündigt und nicht Buße getan haben über die Unreinheit und Unzucht und Ausschweifung, die sie getrieben haben. (2. Korinther 12, 20-21)

Yes or No?Es ist nicht jeder Gläubige zum Apostel berufen, obwohl sich viele so aufführen. Da wird das Urteil über andere gefällt und per Internet hinausposaunt, oft genug anonym, hinter irgend welchen Usernamen verborgen. Neulich habe ich mal wieder in das Forum bei Pray.de geschaut, und fand das, was dort geduldet und gepostet wird, genauso zum Kotzen wie vor etlichen Jahren, als ich eben deshalb meine Mitarbeit bei Pray.de einstellte.

Man muss ja dem Verurteilten nicht in die Augen sehen, wenn man die Jauchekübel über ihn ausleert - um so leichter fällt es, jemanden oder eine Bewegung niederzumachen. Man schreibt Hasstiraden in christlichen Foren, lästert auf Blogs, trötet seine Vorstellungen via Facebook in die Welt hinaus und sonnt sich in der eigenen uneingeschränkt richtigen Erkenntnis, die niemand hinterfragen kann.
Wer ist berufen, über »richtig« und »falsch« in der Gemeinde zu urteilen? So weit wir uns hier auf den Bereich der christlichen Gemeinde beziehen, der jeweilige Hirte oder ein Apostel. Aber sicher nicht Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher, die weit verbreiteten Anti-Christen unserer Zeit. Selbst Paulus war diesbezüglich zurückhaltend:

Einige zwar predigen Christus auch aus Neid und Streit, einige aber auch aus gutem Willen. Die einen aus Liebe, weil sie wissen, daß ich zur Verteidigung des Evangeliums eingesetzt bin; die anderen aus Eigennutz verkündigen Christus nicht lauter, weil sie mir in meinen Fesseln Bedrängnis zu erwecken gedenken. Was macht es denn? Wird doch auf jede Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich. (Philipper 1, 15-18)

Paulus betrachtete sich als zur Verteidigung des Evangeliums eingesetzt, er fand klare Worte, wenn in einer Gemeinde die Dinge aus dem Ruder liefen, jedoch auf eine ganz andere Weise als es vielerorts heute zu finden ist.
Er nannte Eifersucht und Neid in einem Atemzug mit Streit und Verleumdungen unter frommen Menschen (wir vergessen bei solchen Ermahnungen und Korrekturen gerne, dass seine Briefe ausnahmslos an Christen gerichtet sind).

Ich kann mir vorstellen, dass er damit den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Kritik und Verleumdung kommt, so weit das angesichts des Versteckspiels mit Usernamen und Pseudonymen in der Anonymität des Internet überhaupt erkennbar ist, vorwiegend von Menschen, in deren Leben geistliche Frucht nicht zu finden ist. Vielleicht sind sie neidisch, dass sie noch nie einen Menschen zu Christus geführt, noch nie eine Gebetserhörung erlebt, noch nie ein prophetisches Wort gesagt oder empfangen haben? Vielleicht haben sie noch nie einen Trauernden getröstet, einen Sterbenden mit Liebe begleitet? Vielleicht sind sie eifersüchtig, weil Gott andere gebraucht, während sie vor sich hin wursteln und zu keinem Ziel gelangen?
So wird die Wirkung zur Ursache und die Ursache wirkt sich aus. Gebete werden nicht erhört, weil jemand selbst im Wege steht:

Ich aber sage euch, daß jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Dummkopf! dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr! der Hölle des Feuers verfallen sein wird. Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring deine Gabe dar! (Matthäus 5, 22-24)
Noch viel deutlicher geht es ja wohl wirklich nicht. Wer seinem Bruder zürnt, ihn verlästert, selbst derjenige, der weiß, dass sein Bruder etwas gegen ihn hat, ist verpflichtet, die Sache aus der Welt zu schaffen, bevor er sich dem Altar Gottes nähert. Andernfalls sind Konsequenzen unvermeidbar. Muss sich also jemand wundern oder beschweren, wenn er vergeblich betet, dauerhaft in Nöten steckt, dass sein Gebet ohne Antwort bleibt, so lange er andere verurteilt, richtet und verleumdet?

P.S.: Ich meine übrigens nicht, dass wir nicht unterschiedliche Meinungen und Auffassungen haben können und dürfen. Ich meine die Art und Weise, wie wir damit umgehen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke für die schönen Gedaken.

Bento hat gesagt…

uups - ist das jetzt deine Antwort auf meinen Kommentar zum vorigen Artikel?? ;-)

Nunja Herr Jott, ich verstehe sehr wohl, wovon hier die Rede ist und finde christl. Heckenschützen auch äusserst übel!
Allerdings sollte man eine deutliche Linie zu berechtigter, offener Kritik, Ermahnung und Zurechtweisung ziehen, sonst holen wir sehr schnell die "keiner werfe den ersten Stein" und die "Balken und Splitter-Keule" aus dem Waffenschrank und hauen damit jedem auf die Rübe, der etwas an einer Glaubenspraxis oder Kirche zu bemängeln findet.

Mir ist es kürzlich widerfahren, dass sich ein Bruder von mir abgewendet hat, weil ich z.B. die neue Mode hinterfragt habe, Gegenstände wie Münzen, Gabeln oder Bügeleisen nur mittels "Heiligem Geist" im Namen Jesu an die Wand zu kleben und ich dies als nicht vom Hl.Geist gegeben enttarnt habe. Unser Ja sei ein Ja und unser Nein ein Nein. Ein Nein zur Lüge ist genauso lebensrettend wie ein Ja zur Wahrheit.

Sonst driften wir schnell in die Nebelbänke der humanistischen Toleranzforderungen ab, die allzuoft auch in christl. Geässern drohen, denn man bedenke, dass der selbige Paulus, der vor eigennützig motiviertem Streit und unnützem Geplapper warnt, sich sehr scharf von jeder Abweichung des Evangeliums zu distanzieren wusste und dass er z.B. vor falschen Brüdern warnen muss, die sich einschleichen um die Geschwister von der Wahrheit weg und hinter sich selber her zu ziehen! Und dergleichen Vieles...

Auch unser Herr selber hat es nicht versäumt uns darauf hinzuweisen, wie viele in Seinem Namen daherkomme werden, die Er in Wahrheit "nicht kennt" und die nicht Sein eigen nennt!

Wenn es uns also nicht gelingt, die Geister voneinander zu unterscheiden, dann haben wir den geistl. Kampf bereits verloren, denn der Widersacher kommt nicht in schwarzen Klamotten mit einer Sense in der Hand daher, sondern verstellt sich bekanntlich als Engel des Lichts.

Oder um es mal anders auszudrücken:
Wenn man Dinge wie Unzucht, Götzendienst oder ein anderes Evangelium nicht mehr klar als solche benennen darf, dann ist das kein Zeichen von Weisheit oder Liebe -
ohja, der Pfad ist schmal...

gesegneten Sonntag!

Günter J. Matthia hat gesagt…

Hallo Bento,

nein nein, das ist keine Retourkutsche für Deinen Kommentar. Der Text stammt aus dem Jahr 1007, ich habe ihn nur noch etwas überarbeitet.
Was ich meine (und auch im P.S. geschrieben habe), ist kein "alles geht", sondern ein "wie gehen wir miteinander um?" - trotz und angesichts unterschiedlicher Auffassungen.

Bento hat gesagt…

...aus dem Jahre 1007 - wooow!
vor oder nach Christus? ;-))

naja, über Meinungen sollen wir nicht streiten, sondern für Gottes Wort eintreten, auch wenn wir dann ständig zu hören bekommen - "sollte Gott gesagt haben"...

Der Artikel ist eigentlich Klasse, es fehlt ihm nur etwas die Tiefenschärfe an der Stelle, die ich im Kommentar ausgeführt habe - das wird durch einen ps-Satz nach dem Motto "seid nett zueinander" auch nicht sooo viel deutlicher...