Sonntag, 3. April 2011

Ich bin eine Maske

Bild von Peter Rollins BlogMan erzählt sich eine (wahrscheinlich apokryphe) Geschichte: Zur Zeit seines höchsten Ruhmes wurde einer der größten Theologen des 20sten Jahrhunderts zu einer Maskenorgie der obersten Gesellschaftsschicht eingeladen. Diese Veranstaltungen wurden von vielen Berühmtheiten besucht und alle Teilnehmer waren sehr darum bemüht, ihre Identität geheim zu halten. Deshalb trugen die Geladenen nichts außer einer Maske, hinter der ihr Gesicht verborgen blieb. Der Theologe nahm die Einladung an und fuhr in der betreffenden Nacht zur genannten Adresse. Als er den großen Saal betrat, in dem die Orgie stattfinden sollte, bot sich ihm der Anblick von Dutzenden Gästen, die abgesehen von der Gesichtsmaske, vollkommen nackt waren.
Als der Gastgeber den Theologen hereinkommen sah, erschrak er zutiefst, denn dieser trug nichts am Leib, nicht einmal sein Gesicht war verborgen. Der Hausherr eilte zu ihm und zog ihn beiseite. »Dies ist ein Maskenball«, erklärte er, »damit die Menschen ihre Identität verbergen können. Was tun Sie hier ohne Maske?«
Darauf erwiderte der Theologe gelassen: »Warum die Aufregung, mein lieber Freund? Was Sie sehen, ist meine Maske.«

(Übersetzt aus diesem Beitrag von Peter Rollins: [I am a mask]

Kommentare:

juppi hat gesagt…

was ist denn apokryph?

Günter J. Matthia hat gesagt…

In diesem Zusammenhang würde ich den Begriff als „nützliche“, aber nicht „heilige“ Schriften verstehen. Böse Zungen könnten auf „herätisch" verfallen.