Samstag, 19. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 19

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

Das Taschenbuch: http://amzn.to/2van3Ar
Das Kindle-Buch: http://amzn.to/2uGrf7C

Loslassen._Eine_einz_Cover_for_KindleDa Leo Babauta sein Buch genau wie die Beiträge auf seinem Blog vom Copyright ausdrücklich ausgenommen hat und zur unentgeltlichen Weiterverbreitung auffordert, stelle ich die einzelnen Kapitel meiner deutschen Übersetzung hier auf dem Blog zur Verfügung.

Wer lieber ein »richtiges« Buch in der Hand hat beim Lesen oder gerne seinen Kindle benutzt, der kann die entsprechende Ausgabe bestellen. Wer kein Geld ausgeben kann oder will, der möge hier auf dem Blog lesen, was Leo Babauta zum Thema Loslassen eingefallen ist.

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Kapitel 19

Was Loslassen nicht bedeutet

Es gibt eine Menge Missverständnisse und Widerstand gegen die Idee des Loslassens. Vor allem, weil sie unserer normalen Art zu denken so deutlich widerspricht. Wir sind daran gewöhnt, zu versuchen, alles zu kontrollieren. Wir wollen etwas in Gang setzen, für Gerechtigkeit kämpfen, Werte und Moralvorstellungen durchsetzen. Wir versuchen, Menschen zu rücksichtsvollem Handeln und Fairness zu bewegen, wir streben danach, die Welt und uns immer besser zu machen. Das Annehmen des Gegebenen gehört nicht zu dieser Weltsicht. Loslassen ist nicht Teil dieser Weltanschauung.

Emotionen wie Mitgefühl, Liebe, Schmerz und Wut dagegen gehören zu jedem menschlichen Leben. Daher sollten wir das Loslassen und Akzeptieren der Wirklichkeit als Werkzeuge begreifen, um mit solchen Gefühlen umzugehen.

Es ist zum Verständnis der Kunst des Loslassens und ihrer segensreichen Auswirkungen hilfreich, sich klar zu machen, was damit nicht gemeint ist:

1. Loslassen heißt nicht aufgeben. Nehmen wir an, Sie streiten mit jemandem – das Loslassen Ihrer Idealvorstellung fühlt sich an, als würden Sie aufgeben, um den anderen gewinnen zu lassen. Aber eigentlich geht es nicht darum, einen Kampf zu gewinnen, sondern darum, ein Problem zu lösen und die Beziehung zu verbessern. Wenn Sie loslassen können, was Ihre Wut verursacht, können Sie gelassener und sogar einfühlsam reagieren. Sie können vernünftig reden und sagen, was nicht in Ordnung ist (nicht wer schuldig ist!) und wie das Problem behoben werden kann. Sie können auch sensibel über Gefühle sprechen, anstatt wütend auf die andere Person einzudreschen. Es geht nicht um Kapitulation, sondern um die angemessene Lösung eines Problems.

2. Loslassen macht niemanden zum Opfer. Wenn Ihnen jemand etwas Böses antut, ist das natürlich schrecklich. Und natürlich werden Sie verletzt und wütend sein. Daran ist gar nichts verkehrt. Wie bereits mehrfach gesagt, sollte man solche Gefühle zulassen. Aber oft entstehen Rachegelüste, und die sind schädlich für Sie und die andere Person. Denn obwohl es sich vielleicht gut anfühlt, zurückzuschlagen, wird das nichts an der Situation verbessern. Es macht wirklich keinen der Beteiligten glücklicher.
Und was passiert, wenn Sie die andere Person aus irgendeinem Grund gar nicht verletzen können? Ihre Rache läuft ins Leere. So oder so, Sie werden viel länger leiden. Wenn Sie aber (nachdem Sie den natürlichen Schmerz eine Weile zugelassen haben) die Situation loslassen, kann die Heilung beginnen. Ihre eigene Heilung. Das ist doch sicher wertvoller als Rache! Heilung kann Sie wieder glücklich machen, anstatt für den Rest Ihres Lebens an der Untat eines anderen Menschen zu leiden.

3. Loslassen heiß nicht, dass sich nichts verbessert. Viele Menschen glauben, dass sie Idealvorstellungen und Wunschbilder brauchen, um ihr Leben und sich selbst zu verbessern. Loslassen scheint zu bedeuten, dass sich nichts ändert. Zunächst: wenn ein Ideal Ihnen hilft, gibt es keine Notwendigkeit, sich davon zu trennen. Nur wenn es Ihnen schadet, sollten Sie versuchen, es loszulassen, auch wenn das schwierig ist. Außerdem brauchen Sie eigentlich nur »Verbesserung«, wenn Sie glauben, nicht gut genug zu sein.
In Wirklichkeit haben Sie aber bereits alles, was Sie brauchen, um jetzt und hier glücklich zu sein. Sie sind gut genug und Sie lernen gerade, unrealistische Wunschträume loszulassen. Sie haben sich selbst akzeptiert, wie Sie sind. Und jetzt, nachdem Sie sich selbst angenommen haben, schaffen Sie neue Gewohnheiten. Nicht in dem Versuch, sich einem Idealbild anzunähern, sondern Sie verbessern sich aus einer sensiblen Einstellung zu sich selbst und anderen heraus.

4. Loslassen heißt nicht, jemandem etwas durchgehen zu lassen. Jawohl, andere Menschen verhalten sich falsch. Und jawohl, Sie möchten das abstellen und korrigieren. Aber wenn Sie herumlaufen und versuchen, in dieser Welt der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen, werden Sie nur immer wütender, anstatt tatsächlich etwas zu ändern. Menschen ändern sich nicht, weil Sie sie anschreien. Sie können sich aber ändern, wenn Sie Ihre Wut loslassen und mitfühlend mit ihnen über ein Problem sprechen. Vielleicht ändert sich jemand trotzdem nicht, aber wie auch immer: Sie sind Ihren Zorn los und viel glücklicher.

5. Loslassen heißt nicht, dass Ihr Haushalt verkommt. Wenn Sie eine klare Vorstellung haben, wie Ihr Haushalt (oder sonst etwas) aussehen sollte, dann kann viel Frust und Verärgerung dadurch entstehen, dass andere Familienmitglieder nicht am gleichen Strang ziehen und helfen, das Haus sauber zu halten. Dann werden Sie den anderen Ihren Ärger deutlich machen. Dies macht weder Sie glücklich, noch ist es gut für Ihre familiären Beziehungen.
Bedeutet das nun etwa, dass Sie Aufräumen und Saubermachen alleine übernehmen müssen? Oder müssen Sie zulassen, dass das Haus in eine Müllhalde verwandelt wird?
Keineswegs. Wenn Sie das Wunschbild, dass alle gemeinsam das Haus sauber halten, loslassen, haben Sie sich schon Ihre Wut und Ihren Groll vom Hals geschafft. Dadurch handeln Sie besonnener. Sie akzeptieren die Mitglieder Ihrer Familie, wie sie sind. Sie besitzen leider die guten Gewohnheiten nicht, die Ihrem Wunsch entgegenkommen würden. Diese Erkenntnis hilft Ihnen, ruhig und sensibel mit der Familie darüber zu reden, wie das Problem gelöst werden kann.
Wenn die anderen das aber gar nicht wollen, was dann? In dem Fall können Sie akzeptieren, dass Sie andere Menschen nicht beherrschen, und sich stattdessen auf das konzentrieren, was Sie tatsächlich beeinflussen können. Sie könnten sich eine Vereinbarung für den Haushalt einfallen lassen, der alle zustimmen. Einen Kompromiss. Die wirksamste aller Methoden: Seien Sie ein Vorbild um zu sehen, ob das Einfluss auf die anderen hat. Sprechen Sie (ruhig) über Ihre Gefühle angesichts von Unordnung und Schmutz in der Hoffnung auf eine Lösung. Was immer Ihnen einfällt, tun Sie es ohne Groll und Wut.

6. Loslassen heiß nicht, auf eine bessere Welt verzichten. Die Welt zum Guten zu verändern ist ein großartiges Anliegen. Wenn aber Ihre Vorstellungen darüber, wie die Welt aussehen sollte und wie die Menschen sich verhalten sollten, damit das erreicht wird, dazu führen, dass Sie leiden, dann sollten Sie den Griff lockern. Akzeptieren Sie, dass die Welt nicht ideal ist, aber dennoch etwas Großartiges.
Sobald Sie sich beruhigt haben und die Wirklichkeit anerkennen, wie sie ist, können Sie das Leiden der Menschen immer noch oder sogar erst recht sehen und aus Mitleid aktiv werden, um ihr Leben besser zu machen. Und damit verändern Sie nachhaltig etwas zum Guten.

7. Loslassen heißt nicht, jemandem Recht geben, der im Unrecht ist. Eine der größten Quellen von Frust und Verbitterung liegt darin, dass wir anderen aufzeigen wollen, dass wir im Recht sind, während sie sich irren. Wir werden dann leicht wütend und verbohrt, worauf die anderen genauso verbohrt und wütend reagieren. Das macht uns alle unglücklich und schadet unseren Beziehungen. Stattdessen könnten wir den Wunsch, Recht zu haben, loslassen und einfach akzeptieren, dass eine Meinungsverschiedenheit vorliegt. Wie können wir dann gelassen und besonnen mit dieser Meinungsverschiedenheit umgehen? Ist es wichtig, Ihr Rechthaben der anderen Person an den Kopf zu werfen? Hilft nicht vielmehr eine gute Beziehung als Basis, auf der die beste Lösung erarbeitet werden kann?

8. Loslassen bedeutet nicht Verzicht auf Normen des Anstands in unserer Gesellschaft. Menschen sollten einander mit Anstand und Respekt begegnen. Menschen sollten fair sein und nicht rücksichtslos nur den eigenen Vorteil suchen. Es gibt einige Werte, die in der Gesellschaft gelten – ist das Loslassen solcher Werte ein Verzicht auf Normen das Anstandes und Regeln des Miteinanders? Nein ... es ist nur das Loslassen des Wunschtraums, dass alle diesen Werten jederzeit gerecht werden.
In der Realität verhalten sich viele Menschen verantwortlich und anständig, aber viele verletzen auch die Regeln. Wahrscheinlich leiden sie in irgendeiner Weise, was zwar ihr Fehlverhalten nicht entschuldigt, aber die Erkenntnis kann uns helfen, einfühlsam und wohlwollend mit ihnen umzugehen. Die Einsicht hilft uns, zu verzeihen. Wir können vielleicht manche Menschen über die gesellschaftlichen Werte aufklären, aber nicht immer. Doch wenn wir vergeben, werden wir unseren Frust los. Wir können Gruppendiskussionen über Werte veranstalten und ihnen zustimmen, aber wir wissen auch, dass die Standards nicht vollständig gelebt werden, weder früher, noch heute oder morgen. Und das ist eben die Wirklichkeit.

Es gibt noch viele andere Schlussfolgerungen, die mit Loslassen nichts zu tun haben. Sie können sicher den roten Faden erkennen: es beginnt mit Loslassen und Akzeptanz der Wirklichkeit, damit wir entsprechend reagieren und nicht länger leiden als unumgänglich.

Und das ist eine gewaltige Veränderung des Lebensstils, den die meisten Menschen Tag für Tag pflegen. Der Unterschied ist so bedeutend, dass sich ein wenig tägliche Übung lohnt.

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Fortsetzung folgt.

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Freitag, 18. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 18

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

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Kapitel 18

Loslassen … und dann?

Loslassen können und Dinge sehen, wie sie wirklich sind ... das ist noch nicht alles. Jetzt spätestens stellt sich die Frage, wie es dann weiter geht.

Es gibt einige gute Möglichkeiten:

• Nehmen Sie jeden Moment Ihres Lebens dankbar so an, wie er ist, und genießen Sie ihn.

• Nehmen Sie andere Personen so an, wie sie sind, und genießen Sie die Zeit zusammen. Seien und bleiben Sie ein annehmender Mitmensch.

• Akzeptieren Sie sich selbst, wie Sie sind, seien Sie mit sich selbst zufrieden.

• Erkennen Sie, dass eine andere Person (oder Sie selbst) auf eine bestimmte Weise handelt, weil sie leidet. Versuchen Sie, wohlwollend und mitfühlend zu sein.

• Wenn Sie in Streit geraten, überlegen Sie, ob ein Problem gelöst werden muss. Die Wut, die Sie beide empfinden, ist nur ein Symptom. Das Wunschbild und die Wut loszulassen hilft Ihnen und der anderen Person, das auslösende Problem aus der Welt zu schaffen. Und zwar gelassen und sensibel.

• Lassen Sie Ihre Idealvorstellungen über die Welt davonfliegen, betrachten Sie die Wirklichkeit wie sie ist, um dann entsprechend darauf zu reagieren. Ohne etwas persönlich zu nehmen. Einfach konstruktiv auf die Realität reagieren.

• Fällen Sie kein Urteil über die Wirklichkeit. Betrachten Sie sie einfach nur, ohne ein Problem lösen zu wollen oder etwas zu tun. Eine kleine Weile schauen Sie einfach nur hin.

• Versuchen Sie nicht, Ereignisse zu steuern, lassen Sie etwas einfach nur geschehen, wenn es passiert. Ohne zu versuchen, den Ablauf zu beherrschen oder etwas an der Realität zu ändern.

• Erkennen Sie die unbeständige Natur der Wirklichkeit ... in jedem Augenblick geschieht Veränderung, alles ist in Bewegung. Dies ist ein faszinierender und erleuchtender Lernprozess.

Es gibt andere Möglichkeiten, natürlich; das sind lediglich ein paar Gedankenanstöße, wie Sie weiter handeln können, nachdem Sie losgelassen haben.

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Fortsetzung folgt.

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Donnerstag, 17. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 17

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Kapitel 17

Einüben der Fähigkeiten

Wir kennen anhand der fünf Schritte nun fünf Mini-Fähigkeiten, die wir einzeln praktizieren und dann erst zusammenfügen zu einer großen Fertigkeit, zu einem Heilungsprozess.

Hier sind meine Empfehlungen für die Praxis:

1. Nehmen Sie sich vor, nur wenige Minuten täglich zu üben. Ohne einen außerordentlich starken Willen würden Sie es nicht schaffen, das rund um die Uhr durchzuhalten. Daher dieser einfache Vorsatz – es dauert nicht lange, und das Üben wird Ihnen leicht fallen, sobald Sie daran denken. Lassen Sie sich darauf ein, denn dies ist wichtig – es hilft Ihnen, glücklicher sein, leichter mit Veränderungen fertig zu werden, weniger vor sich her zu schieben, bessere Beziehungen zu erleben.
Falls es nicht klappt: Erzählen Sie jemandem – einem geliebten Menschen, einem Partner Ihres Vertrauens – von Ihrem Vorsatz. Wenn Sie jemandem von Ihrem Plan erzählt haben, kann es Ihnen leichter fallen, sich auch daran zu halten.

2. Legen Sie eine Zeit für das Üben fest. Ein paar Minuten am Morgen oder nach dem Mittagessen … wichtig ist nur, dass Sie einen Zeitpunkt festsetzen. Was wir nicht für eine bestimmte Uhrzeit geplant haben, lassen wir leicht ausfallen.

3. Manchmal helfen Notizen. Sie werden vergessen, zu üben. Daher schreiben Sie eine Haftnotiz und kleben sie an Ihren Bildschirm, lassen Sie sich von Ihrem Terminplaner im Smartphone oder PC erinnern, oder bitten Sie den Menschen Ihres Vertrauens, dem Sie von Ihrem Plan erzählt haben, dass er Sie erinnert. Hängen Sie einen Hinweiszettel irgendwo zu Hause auf, wo Sie ihn sehen. Dies ist von größter Bedeutung – die meisten Menschen, die diesen Schritt überspringen, üben ihre neue Gewohnheit nie wirklich ein.

4. Üben Sie täglich. Fangen Sie morgen an, nur zwei bis drei Minuten. Erzählen Sie Ihrem Partner hinterher, dass Sie geübt haben. Und so geht es ganz praktisch: Überlegen Sie, wo es vor kurzem in Ihrem Leben Signale gab, dass Sie etwas festhalten, was nicht gut für Sie ist. Ein paar Tage lang versuchen Sie lediglich, sich an so viele Anzeichen wie möglich aus den letzten paar Tagen zu erinnern.
Wenn Ihnen das dann leicht gelingt, versuchen Sie, die Wunschvorstellung, die das jeweilige Signal ausgelöst hat, zu erkennen. Dann nach ein paar Tagen, wenn auch das nicht mehr schwerfällt, üben Sie, den Schaden zu erkennen, den diese Wunschträume verursachen. Wiederum etwas später, wenn auch das ganz leicht gelingt, üben Sie, mit Liebe und Mitgefühl den Wunschtraum loszulassen. Schließlich, noch ein paar Tage später, üben Sie sich darin, Dinge oder Menschen so zu sehen, wie sie wirklich sind.

Wenn Ihnen eine der Fertigkeiten leicht fällt und ganz natürlich gelingt, brauchen Sie sich darin natürlich nicht lange zu üben. Wenn Sie beispielsweise die Signale und die Wunschträume samt dem Schaden leicht erkennen können, dann üben Sie gleich das Loslassen.

Für Fortgeschrittene: Sobald Sie die fünf Schritte richtig gut beherrschen und sie zur Gewohnheit geworden sind, versuchen Sie es in Ihrer täglichen Übungszeit einmal damit:

Bedenken Sie, dass Sie eines Tages sterben werden. Alle Menschen um Sie herum werden sterben. Genauso werden die Pflanzen und Tiere in Ihrem Umfeld sterben. Jedes Objekt in Ihrem Haushalt wird irgendwann defekt sein oder verrotten. Dies ist der natürliche Prozess des Lebens – es ist ständig in Bewegung und an die Stelle der alten treten neue Lebewesen und Gegenstände. Alles ist vergänglich. Machen Sie sich bewusst, dass sich alles verändert, stirbt, zerbricht, vergeht – und neu entsteht, neu erschaffen wird, eine andere Gestalt bekommt.

Und nun betrachten Sie die Sinnlosigkeit des Versuches, etwas als unveränderlich festhalten zu wollen. Sie sehen, wie alles zeitlich begrenzt ist, dass es nur zu Leid führen kann, wenn wir uns an etwas festklammern und keine Veränderung zulassen wollen. Nicht sterben zu wollen kann den Tod nicht verhindern – aber Angst erzeugen, weil sich unsere Wunschträume vom unveränderlichen ewig gleichen Zustand nicht erfüllen werden. Und dann betrachten Sie, wie das Loslassen eines solchen irrationalen Wunsches Sie glücklicher, entspannter und sogar gesünder macht. Sie akzeptieren die sich verändernde Natur der Dinge und Wesen, und wahrscheinlich werden Sie sogar die Schönheit darin erkennen können.

Und noch einen Schritt weiter: Diese tägliche Übung im Loslassen ist nur der Anfang. Sobald Sie bei jedem Schritt merken, dass er Ihnen leicht fällt, nehmen Sie sich vor, die Signale gleich zu bemerken, sobald sie auftreten. Den ganzen Tag über, nicht nur während der Übungsminuten. Zu dieser Praxis können Sie übergehen, wenn dies alles ganz einfach geworden ist.

Wenn Sie die Signale sehen, sobald sie auftreten, üben Sie die anderen Schritte. Nach einer Weile gelingt das ganz natürlich schon im Alltag, vor allem, wenn die Einsätze nicht zu hoch sind. Wenn Ihre Emotionen aufsprudeln, kann es sehr schwierig sein, das Loslassen zu praktizieren. Dann ist es am besten, einfach das Gefühl zuzulassen, aber nicht aus ihm heraus zu reagieren. Erst wenn Sie eine Chance hatten, sich zu beruhigen, üben Sie das Loslassen und handeln dann entsprechend.

Wenn Sie einfach nicht loslassen können: Das Loslassen nach der Erkenntnis der Wirklichkeit ist für viele Menschen der schwierigste Teil des Prozesses. Ich schlage dann folgendes vor:

• Üben Sie zuerst mit einfachen Dingen: Besitz loslassen, der Ihnen nicht sonderlich wertvoll ist.

• Tun Sie es in kleinen Dosen: Üben Sie das Loslassen eines Wunschtraumes (wie dem von einem makellos sauberen und aufgeräumten Haus) nur für einen Tag, nicht gleich für immer.

• Üben Sie das Loslassen zuerst an Menschen, mit denen Sie gut zurechtkommen. Wenn es um einen Kollegen oder Verwandten geht, zu dem Sie ein gestörtes Verhältnis haben, kann es schwierig werden. Mit Menschen, zu denen Sie eine bessere Beziehung haben, fällt das viel leichter.

• Üben Sie das Loslassen eines Wunsches (wie etwas zu kaufen oder ein Glas Wein zu trinken) nur fünf Minuten lang. Dann noch einmal fünf Minuten. Dann gönnen Sie sich das, was Sie sich wünschen.

• Üben Sie nur zehn Minuten das Loslassen von Ablenkung und Zerstreuung. Erledigen Sie eine wichtige Aufgabe und lassen Sie sich nicht zu Ablenkungen verführen. Lassen Sie die Zerstreuung für eine begrenzte Zeit nicht zu, erforschen Sie den Wunschtraum, der Sie dazu verführen will (vielleicht: alles muss leicht und komfortabel sein) und sehen Sie, wie das Ihnen schadet.

Leichter Üben: Wenn Sie es immer wieder vergessen, zu üben oder wenn sie dabei stagnieren, gibt es ein paar Hilfsmittel:

• Berichten Sie Ihrem Partner täglich. Mailen Sie sich gegenseitig Berichte aus Ihrer Praxis. Oder führen Sie ein Tagebuch und tauschen es zweimal wöchentlich aus.

Planen Sie Ihre Übungen für eine Woche. Am Ende der Woche überprüfen Sie, wie gut Sie Ihrem Plan folgen konnten und welche Umstände Sie gegebenenfalls am Üben gehindert haben. Was können Sie zukünftig ändern, um Hindernisse zu überwinden? Verbessern Sie Ihren Plan für die nächste Woche. Wenn Sie dran bleiben, gelingt Ihnen im Laufe der Zeit die Praxis besser und besser.

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Fortsetzung folgt.

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Mittwoch, 16. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 16

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

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Kapitel 16

Der fünfte Schritt: Die Wirklichkeit erkennen

Nehmen wir an, dass Sie erfolgreich loslassen konnten. Das ist nicht immer einfach, und wir üben diese Fertigkeit im nächsten Kapitel … aber angenommen, das Loslassen ist geglückt.

Dann wäre der nächste (und letzte) Schritt im Gesamtprozess, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Realität richten. Diese Wirklichkeit, so wie sie ist, akzeptieren Sie, um dann entsprechend darauf zu reagieren.

Ein Beispiel. Sie sind enttäuscht, weil Ihr Sohn sich nicht so verhalten hat, wie Sie es sich gewünscht hätten. Er ist Ihren Erwartungen nicht gerecht geworden. Sie haben inzwischen erkannt, dass diese Enttäuschung, verursacht durch Ihre Idealvorstellung von seinem Verhalten, Schaden anrichtet. Nun versuchen Sie, loszulassen – und es gelingt. Und dann wenden sich Ihrem Sohn zu und bemühen sich darum, ihn so zu sehen, wie er ist: Er ist ein guter Mensch, mit vielen Hoffnungen und Wünschen. Er möchte glücklich sein und er leidet an seiner Unsicherheit, wie man sich in unserer chaotischen Welt verhalten soll, kann und muss. Das ist die Realität Ihres Sohnes.

Sie können entweder diese Wirklichkeit ablehnen (also sich wieder an Ihr Wunschbild klammern) oder Sie akzeptieren ihn, wie er ist. Versuchen Sie, mit seinen Schwierigkeiten und seinem Leiden beim Erwachsenwerden Mitgefühl zu entwickeln. Versuchen Sie, dankbar zu sein für ihn. So, wie er gerade ist. Einfach bei ihm sein und froh sein, dass Sie ihn bei sich haben. Es gibt einiges, was Sie für ihn tun können, sobald Sie ihn sehen, wie er ist. Aber zuerst müssen Sie die Wirklichkeit erkennen.

Dies gilt nicht nur für andere Menschen, sondern auch für Sie selbst. Anstatt sich an Ihren Wunschvorstellungen über sich selbst zu messen, erkennen Sie sich, wie Sie wirklich sind. Sie akzeptieren das und sind dann in der Lage, wirklich erfolgreiche Schritte zu unternehmen.

Und das gilt genauso für das Leben um Sie herum: Es ist nicht so, wie Ihre Idealvorstellungen es gerne hätten. Aber es ist ziemlich großartig, so wie es ist.

Konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Realität und versuchen Sie ernsthaft, sie zu sehen, so wie sie ist.

Es gibt noch mehr zu tun, aber zuerst üben wir diese fünf kleinen Schritte ein.

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Fortsetzung folgt.

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Dienstag, 15. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 15

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Kapitel 15

Der vierte Schritt: Die Liebe erkennen

Sie verstehen sicher inzwischen: Loslassen kann also eine barmherzige Handlung sein, wenn eine Wunschvorstellung Schäden anrichtet. Es kann aber manchmal trotzdem schwer fallen. Deutlich leichter gelingt es uns, wenn die Liebe ins Spiel kommt.

So können Sie wohlwollend und liebevoll loslassen:

1. Sie möchten, dass Sie selbst und die Menschen in Ihrem Umkreis glücklich sind.

2. Sie erkennen, dass ein Wunschtraum Leid verursacht.

3. Sie beenden das Leid, indem Sie sich von der trügerischen Idealvorstellung trennen.

Wenn es Ihnen schwer fällt, sich von einem Wunsch zu trennen, dann versuchen Sie, sich auszumalen, wie glücklich Sie und die Mitmenschen in Ihrem Umfeld sein könnten, wenn Sie loslassen würden.

Entspannen Sie Herz und Geist, damit das Wunschbild davonschweben kann. Die verkrampfte Brust löst sich, Sie atmen schon etwas tiefer, ein warmes Gefühl der Liebe wächst in Ihnen und Sie lassen los, was sowohl wirklichkeitsfremd als auch schmerzhaft war.

Sie sind jetzt ein neuer Mensch, mit einem Wunschtraum weniger (im Moment jedenfalls – Idealvorstellungen können und werden sich wieder entwickeln). Dieser neue Mensch ist anders als die niedergeschlagene Person, die Sie waren. Sie können sich jetzt neu erfinden, als liebevoller, mitfühlender, ausgeglichener und gelassener Mensch.

Verwandeln Sie sich bewusst in diese neue Person.

Sobald Sie ein Idealbild, das Schaden anrichtet, losgelassen haben (das braucht Übung – mehr dazu etwas später) stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Im nächsten Kapitel und noch einmal in Kapitel 18 beschäftigen wir uns genau damit.

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Fortsetzung folgt.

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Montag, 14. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 14

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Kapitel 14

Der dritte Schritt: Den Schaden erkennen

Sie können nun also die Signale bemerken und sind in der Lage, auslösende Vorstellungen zu identifizieren. Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Aber was ist eigentlich falsch an Wut oder Trauer oder Eifersucht oder verletzten Gefühlen? Ist das alles nicht Teil des Menschseins?

Ja, sie gehören absolut zur menschlichen Erfahrung und es gibt nichts Falsches an Gefühlen. Das hatte ich schon mehrfach angemerkt. Das Handeln aufgrund dieser Gefühle jedoch und das Festhalten an ihnen macht uns unglücklich, verlängert und verstärkt unseren Stress, bis sich die Emotionen auf ein ungesundes Niveau steigern und unsere Beziehungen darunter leiden und zerbrechen. Wir nehmen Schaden, weil wir auf uns selbst wütend werden, wenn wir es nicht schaffen, unsere Ideale zur Realität zu machen.

Gefühle sind also nicht schlecht. Auch Idealvorstellungen nicht – sie sind ein natürlicher Teil unserer menschlichen Erfahrung und Entwicklung. Aber sobald diese Vorstellungen uns und den Menschen um uns herum Schmerzen verursachen, sobald sie andere oder uns beeinträchtigen, sollten wir sie unbedingt loslassen.

Wenn unsere Wunschbilder uns veranlassen, Gutes in der Welt zu tun, dann brauchen wir nichts loslassen. Im Gegenteil. Ideale können dafür sorgen, dass wir mitfühlend und großherzig sind. Es gibt nichts an solchen Werten auszusetzen – ich glaube nicht, dass wir überhaupt ohne sie auskommen.

Aber es gibt eben nicht nur die fruchtbaren, wohltuenden Ideale und Werte, die uns voranbringen. So, wie Sie feststellen, dass ein Signal vorliegt und das Wunschbild identifizieren, das es verursacht, fragen Sie sich nun im dritten Schritt, ob es Ihnen oder anderen schadet. Bei Verbitterung oder Niedergeschlagenheit ist es so gut wie sicher, dass das der Fall ist.

Wenn Sie herausgefunden haben, was den Schaden verursacht, dann ist das Loslassen doch eine barmherzige Handlung. Es ist ein Akt, der Leiden beendet. Das Loslassen kann durchaus eine schmerzhafte Sache sein – schließlich sind diese Idealvorstellungen oft ein bedeutender Bestandteil unserer Persönlichkeit und unserer Weltsicht. Aber der Schmerz des Loslassens wiegt sehr gering im Vergleich zu den Vorteilen der Trennung von dem, was uns oder Menschen um uns herum Leid verursacht.

Üben Sie, den Schaden zu erkennen, wenn Sie Signale und Wunschträume feststellen. Es wird Ihnen in kürzester Zeit sehr gut gelingen.

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Fortsetzung folgt.

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Sonntag, 13. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 13

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Kapitel 13

Der zweite Schritt: Die Wunschträume erkennen

Wenn Sie sich darin geübt haben, solche Signale zu bemerken, folgt der nächste Teil des Prozesses: Innehalten und herausfinden, wodurch das Signal, das Symptom verursacht wurde.

Emotionen entstehen nicht zufällig – es gibt Auslöser. Wenn Sie wütend sind, liegt das nicht nur an fremdem Verschulden. Vermutlich hat Ihnen jemand etwas angetan, aber das ist nur ein Ereignis in der Außenwelt um Sie herum, so wie ein Blatt fällt oder der Wind weht oder ein Stein von einer Klippe losbricht. Es passiert einfach. Ihre Wut erwächst nicht aus dem Vorkommnis, sondern weil Sie nicht wollen, das so etwas geschieht.

Es ist also Ihre Abwehr der Geschehnisse, die den Ärger oder Frust verursacht. Weil Sie die Situation nicht so haben wollen, wie sie ist, werden Sie wütend.

Stellen Sie sich vor, Sie wären eine Kamera. Sie machen Aufnahmen von dem, was vor sich geht, neutral und ohne irgendwelche Wünsche, wie die Umstände sein oder die Menschen sich verhalten sollten. In diesem Fall wären Sie über das gleiche Ereignis nicht verärgert, weil Sie ja ein neutrales Werkzeug der Beobachtung wären, ohne irgendwelche Wünsche, was in der Welt passieren oder nicht passieren sollte.

In Wirklichkeit sind Sie natürlich keine Kamera. Sie haben Erwartungen an andere Menschen, Ideale für sich selbst, Wünsche bezüglich Ihrer Umgebung. Und genau diese Wunschvorstellungen sind es, die Wut und Enttäuschung verursachen.

Ihre Wünsche und Erwartungen entsprechen nicht der Realität – andernfalls wären Sie ja nicht wütend. Auslöser sind also Ihre Vorstellungen darüber, wie die Realität aussehen sollte. Wunschtraum und Wirklichkeit weichen voneinander ab. Das verursacht den Ärger.

Also gehen Sie kurz in sich: Welche Vorstellung, die der Wirklichkeit nicht entspricht, halte ich fest? Wodurch wurde das Signal ausgelöst?

Es kann manchmal schwer zu erkennen sein, an welchen Wunschträumen man sich festklammert, aber wenn Sie das eine Weile üben, gelingt es immer besser.

Vielleicht sind es solche Wunschbilder:

1. Menschen sollten rücksichtsvoll sein.

2. Menschen sollten fair handeln.

3. Menschen sollten mich respektieren und nicht beleidigen.

4. Menschen sollten positiv gestimmt sein und sich nicht beschweren oder launisch reagieren.

5. Ich werde erfolgreich sein, egal was ich tue.

6. Ich werde bequem und einfach meine Ziele erreichen.

7. Mein Leben wird voller Freude und Vergnügen und ohne Schmerzen verlaufen.

8. Ich werde ganz leicht gute Gewohnheiten entwickeln.

9. Menschen auf der Straße oder im Berufsalltag werden mir nicht in die Quere kommen.

10. Utensilien werden dort liegen, wo ich sie brauche.

11. Mein Haushalt wird aufgeräumt sein und Menschen, mit denen ich lebe und arbeite, sind immer ordentlich.

12. Meine Kinder tun genau, was ich sage.

13. Mein Ehepartner oder Freunde werden begeistert auf alle meine Ideen reagieren und mich unterstützten.

14. Potentielle Arbeitgeber werden sofort meine Brillanz erkennen und mir Jobs anbieten.

15. Angehörige werden nicht wegziehen oder sterben.

16. Menschen, die ich liebe, werden immer auch mich lieben.

17. …

Dies ist nur ein Anfang – gibt es Hunderte, vielleicht Tausende von Wunschträumen, die wir zu verschiedenen Zeiten haben. Wir können sie identifizieren, wenn jemand gegen sie verstößt oder das Leben sie nicht erfüllt. Dann sind wir nicht glücklich. Unsere Vorstellung sieht anders aus als das, was geschehen ist.

Nachdem wir zuerst eine Weile geübt haben, Signale zu bemerken, beginnen wir also nun festzustellen, welche Wunschvorstellung das Signal ausgelöst hat. Üben Sie, bis es Ihnen leicht fällt, die Ursache Ihrer Enttäuschung oder Wut oder Trauer oder Antriebslosigkeit und so weiter auszumachen und zu benennen.

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Fortsetzung folgt.

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Samstag, 12. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 12

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

Das Taschenbuch: http://amzn.to/2van3Ar
Das Kindle-Buch: http://amzn.to/2uGrf7C

Loslassen._Eine_einz_Cover_for_KindleDa Leo Babauta sein Buch genau wie die Beiträge auf seinem Blog vom Copyright ausdrücklich ausgenommen hat und zur unentgeltlichen Weiterverbreitung auffordert, stelle ich die einzelnen Kapitel meiner deutschen Übersetzung hier auf dem Blog zur Verfügung.

Wer lieber ein »richtiges« Buch in der Hand hat beim Lesen oder gerne seinen Kindle benutzt, der kann die entsprechende Ausgabe bestellen. Wer kein Geld ausgeben kann oder will, der möge hier auf dem Blog lesen, was Leo Babauta zum Thema Loslassen eingefallen ist.

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Kapitel 12

Der erste Schritt: Die Signale erkennen

Die erste Fähigkeit besteht darin, überhaupt zu bemerken, dass Sie etwas Schädliches festhalten. Wenn das der Fall ist, erscheint eine Art Signal, ein Zeichen, dass Sie leiden und sich Schaden zufügen.

Hier sind einige Signale dafür, dass Loslassen dran wäre:

• Verdruss

• Verärgerung

• Frust

• Sorge und Angst

• Depression

• Eifersucht

• Das Gefühl, verletzt zu sein

• Recht haben wollen

• Handgreiflich werden

• Aufschieben von Aufgaben

• Ach wäre doch … Ach hätte doch nicht …

• Beleidigt sein

• Vergeltungswunsch

• Aggressives Verhalten

• …

Es ist absolut nicht falsch, derartige Gefühle auf ein bestimmtes Ereignis hin zu erleben. Das hatten wir bereits festgestellt, aber es ist so wichtig, dass ich es wiederhole. Wenn wir derartige Emotionen unterdrücken, verlängern und verschlimmern wir womöglich noch das Leiden. Zuerst gilt es also festzuhalten, dass es in Ordnung ist, Zorn, Enttäuschung, Trauer, Ärger und so weiter zu fühlen. Wir erleben es und lassen es zu.

Allerdings sind dies auch Signale, dass etwas Signifikantes vor sich geht. Nach der ersten, gesunden emotionalen Reaktion können wir uns bewusst eine Pause verordnen und den Prozess des Loslassens beginnen, damit wir unser Leiden nicht in die Länge ziehen.

Wie üben wir diese erste Fähigkeit, Signale festzustellen? Es ist ein Lernprozess, der damit beginnt, dass wir uns vornehmen, solche Signale überhaupt zu bemerken. Es könnte dann eine Überraschung für Sie werden, wie oft Sie Ärger oder Verbitterung oder Frust empfinden, besonders wenn es um den Umgang mit anderen Menschen geht.

Fangen Sie einfach damit an, aufmerksam zu sein. Die weiteren Schritte lassen Sie erst einmal beiseite. Üben Sie ein paar Tage lediglich, auf Ihre Empfindungen zu achten und sich bewusst zu machen: Ich war ziemlich wütend … das hat mich traurig gemacht … na warte, Rache ist süß! … das hat ja alles doch keinen Sinn … und so weiter.

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Fortsetzung folgt.

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Freitag, 11. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 11

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

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Kapitel 11

Die Kunst des Loslassens einüben

Nun können wir bereits einige der Vorteile des Loslassens erkennen und ahnen schon, wie es funktionieren könnte. Das mag alles toll klingen, denken Sie vielleicht, aber wie entwickeln wir diese einzigartige Fähigkeit eigentlich, wenn sie uns fehlt?

Das geht nicht von heute auf morgen. Wir müssen die Kunst des Loslassens einüben, sie fliegt uns nicht zu.

Um eine Fertigkeit zu trainieren hilft es oft, sie in kleine Bestandteile aufzubrechen und diese jeweils einzeln zu untersuchen und einzuüben. Später fügen wir die Teile dann zu einer großen Kunst zusammen.

Ein Tänzer würde beispielsweise ein komplexes Ballett in einzelne Schrittfolgen zerlegen, diese einüben und dann zum Tanz zusammenfügen. Ein Orchester übt die einzelnen Sätze, um dann später die Symphonie aufzuführen. Es geht auch mit dem Loslassen so am besten: in Stücke teilen und jedes Stück, jede Mini-Fertigkeit üben. Erst dann setzen wir alles zusammen zu einem Ganzen.

Hier sind die Stücke:

1. Die Signale erkennen: Wenn Sie an etwas festhalten, was ihnen Schaden zufügt, dann macht sich das in Form von Signalen bemerkbar. Solche Symptome können Zorn, Wut oder auch Antriebslosigkeit sein. Solche Signale zu erkennen, wenn sie auftauchen, ist die erste Mini-Fähigkeit.

2. Die Wunschträume erkennen: Welches Wunschbild halten Sie fest und lösen damit die Signale aus?

3. Den Schaden erkennen: Sorgt das Festklammern am Wunschbild für Seelenschmerz, schädigt es Ihre Beziehungen, hindert es Sie, glücklich zu sein oder im Leben voran zu kommen?

4. Die Liebe erkennen: Wenn die Wunschvorstellung Ihnen Schaden zufügt, dann ist es ein Akt der Liebe und des Wohlwollens gegenüber der eigenen Person, dass Sie sie loslassen.

5. Die Wirklichkeit erkennen: Nachdem Sie nun Ihren Wunschtraum losgelassen haben, können Sie die Realität so erkennen, wie sie ist. Die gilt es zu akzeptieren und entsprechend darauf zu reagieren.

Diese fünf Schritte zusammen bilden die Fähigkeit des Loslassens. Das ist allerdings noch nicht alles ... wir müssen auch noch verstehen, wie es dann nach dem Loslassen weitergeht. Das besprechen wir etwas später.

Aber zunächst betrachten wir die fünf kleineren Fähigkeiten genauer und dann reden wir darüber, wie man sie einüben und die heilsame Kunst des Loslassens entwickeln und anwenden kann.

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Fortsetzung folgt.

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Donnerstag, 10. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 10

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

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Kapitel 10

Schicksalsschläge und Verlust

Mit einem Schicksalsschlag umzugehen, ist keine leichte Sache. Den Arbeitsplatz oder die Wohnung zu verlieren, ist ein herber Schlag. Der Verlust eines lieben Menschen, der gestorben ist oder im Sterben liegt, kann uns aus der Bahn werfen. Es gibt auch »geringe« Verluste, die wir erleiden, zum Beispiel der Verlust unserer Gesundheit, wenn wir eine Erkältung bekommen oder der Verlust unseres Selbstwertgefühls, wenn wir uns fürchterlich blamieren und mit einem Vorhaben scheitern.

Diese Verluste, große und kleine, führen zu Leid. Das Leiden an Verlusten ist Teil unseres Lebens – es muss jedoch nicht unbedingt so schmerzhaft sein, wie wir es oft erleben. Wir verlängern häufig das Leiden aus Gewohnheit (ohne das natürlich zu beabsichtigen).

Lassen Sie uns ein paar Beispiele betrachten:

Meine liebste Kaffeetasse zerbricht. Ich bin natürlich traurig oder verärgert, wenn es klirrt und die Scherben am Boden liegen. Aber dann könnte ich loslassen und weiterziehen, mein Leid wäre nicht so schlimm.
Oder ich könnte wütend und nachtragend sein und mit demjenigen, der die Tasse zerbrochen hat, eine Weile nicht mehr reden. Wenn sie mir selbst heruntergefallen ist, könnte ich jammern: »Warum ist ausgerechnet mir das passiert? Ausgerechnet meine Lieblingstasse!« Ich würde unter dem Verlust leiden und wünschen, die Tasse wäre wieder ganz und das Universum nicht so ungerecht zu mir. So verlängert sich das Leiden – verursacht durch mich selbst, nicht durch das Zerbrechen der Tasse. Ich halte krampfhaft fest, wie das Leben aussehen sollte (mit meiner intakten Tasse), anstatt zu akzeptieren, wie die Wirklichkeit nun eben aussieht.

Amir verliert seinen Job. Das ist natürlich ein großer Rückschlag, und sein Leben ist jetzt objektiv schwieriger als zuvor. Der Verlust des Arbeitsplatzes ist ein gewaltiger Schlag gegen das Ego, darunter leidet Amir verständlicherweise.
Wiederum könnte er an dieser Stelle entweder den Verlust loslassen, seine neue Realität (er ist arbeitslos) akzeptieren und nun herausfinden, was zu tun ist. Auf Jobs bewerben, eine preiswertere Unterkunft suchen, zur Not sein Auto verkaufen und ein Fahrrad benutzen und so weiter.
Oder aber er reagiert ratlos, wütend, verärgert und verletzt und hält daran fest. So wird sein Leid verlängert, das wirkt sich wiederum auf Bewerbungsgespräche aus … es kann ihn unter Umständen sogar daran hindern, überhaupt geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um einen neuen Job zu finden. Er könnte darüber mit seiner Freundin in Streit geraten, weil er so nachtragend ist. Dieses verlängerte und verschlimmerte Leiden wird durch Amir, nicht durch den Verlust des Arbeitsplatzes, verursacht.

Petras Mann verlässt sie und reicht die Scheidung ein. Petra ist natürlich verletzt und wütend über diesen Vertrauensbruch. Das Scheitern ihrer Ehe, der Verlust des einst besten Freundes und Gefährten schmerzt selbstverständlich. Das ist völlig normal und es ist nichts falsch daran, verletzt oder wütend zu sein. Viele Menschen versuchen, ihre Gefühle zu unterdrücken, anstatt sie zu akzeptieren, und das macht fast immer alles noch schlimmer.
Aber nach der ersten Reaktion könnte Petra loslassen, was sie war (eine verheiratete Frau mit einem Partner in ihrem Leben) und ihre neue Wirklichkeit (eine alleinstehende Frau geht durch eine Scheidung) akzeptieren, um dann entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, ihr Leben und sich selbst neu zu erfinden. Diese Gelegenheit zur Neuerfindung kann befreiend sein.
Alternativ könnte sie den Verlust, den Verrat und die Schmerzen festhalten. Sich monatelang und jahrelang wünschen, es wäre anders. Sich fragen, warum er sie nicht mehr liebt. Ihm hinterherspionieren und seine neue Freundin hassen. Monatelang in Selbstmitleid versinken, übermäßig essen, um sich zu trösten, Übergewicht bekommen und krank werden. Nie wieder ausgehen, weil sie immer noch auf ihren ehemaligen Mann fixiert ist und sich selbst nicht leiden kann, weil sie inzwischen ihren Körper hässlich findet. Dieses negative Szenario kommt leider in unserer Welt häufig in verschiedenen Ausprägungen vor. Petra verletzt sich selbst, indem sie nicht loslassen will oder kann.

Justins Vater ist unheilbar an Krebs erkrankt. Dies ist schon deshalb extrem schmerzhaft für Justin, weil er den Verlust seines Vaters in weniger als einem Jahr bereits jetzt vorausempfindet. Seine Qualen erschweren es ihm, dem Vater durch diese schwere Zeit zu helfen, weil er statt der Suche nach Möglichkeiten, seinem Vater die Lage zu erleichtern, auf sein eigenes Leiden fixiert ist. Anstatt die Zeit zu genießen, die er mit seinem Vater noch hat und seinen Vater gerade jetzt zu ehren und zu achten, ist Justin damit beschäftigt, was geschehen wird. Er kann diese Angst vor der Zukunft nicht überwinden.
Stattdessen könnte er die drohende Zukunft und das, was er wollte, dass es stattdessen wahr wäre, loslassen. Natürlich wünscht er sich, sein Vater wäre nicht unheilbar krank. Alles andere wäre unmenschlich. Aber er könnte die Situation und sein eigenes Leiden darunter annehmen. Er könnte seinen sterbenden Vater als den einzigen Vater akzeptieren, den er hat (er hat keinen gesunden Vater mehr), und nun diesen neuen Vater lieben. Er könnte das Leid sehen, das sein Vater ertragen muss, dieses Leid akzeptieren und Mitgefühl für seinen Vater beweisen, so gut er kann. Er könnte dankbar für jeden Moment mit seinem Vater sein, dankbar für seine eigene Gesundheit, dankbar für all das was sein Vater ihm im Laufe der Jahre gegeben hat.

Obwohl Schicksalsschläge extrem schwierig und schmerzhaft sein können, große wie kleine, liegt es in unserer Hand, das aus ihnen resultierende Leiden zu verlängern oder zu verkürzen. Je nachdem, ob wir die Kunst des Loslassens verstanden haben und beherrschen oder nicht.

Wie können wir nach einem Verlust loslassen? Zunächst geht es darum, unsere Gefühle bezüglich des Verlustes zu akzeptieren. Nichts an Wut und Trauer ist falsch.

Nach der Trauer jedoch kommt die Zeit, in der wir erkennen können, dass wir krampfhaft an etwas festhalten, was bereits in der Vergangenheit liegt. Wir klammern uns an eine Vorstellung darüber, wie unser Leben unserer Meinung nach immer noch aussehen sollte, anstatt zu akzeptieren, dass das Leben jetzt anders ist. Und dieses Festhalten an unserer Vorstellung vom wünschenswerten Leben verletzt uns.

Sobald wir erkennen, dass wir uns damit nur selbst schaden, wird das Loslassen möglich. Weil wir dann nämlich die Wahl haben: an der vergangenen Wirklichkeit festhalten und uns selbst weiter verletzen oder das Gewesene loslassen und die Realität akzeptieren, wie sie ist, um weniger zu leiden. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf die Wirklichkeit und beginnen, das Gute in ihr zu erkennen.

Schätzen Sie, was vor Ihnen liegt. Erkennen Sie die Möglichkeit zur Neuerfindung. Entwickeln Sie Mitgefühl für sich selbst und Mitmenschen, die auch an diesem oder sonstigen Verlusten leiden. Nehmen Sie das neue Leben an, das Sie nun haben, denn es ist alles, was Ihnen jetzt zur Verfügung steht.

Dieses Annehmen ist die Kunst des Loslassens. Sie hilft enorm beim Umgang mit jeder Art von Verlust.

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Fortsetzung folgt.

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Mittwoch, 9. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 9

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

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Kapitel 9

Ungeliebte Veränderungen

Alles – jede Person, jede Situation, jedes Objekt, jedes Wesen – ist unbeständig. Diese Wahrheit musste ich erst lernen.

Wir sind keine unveränderlichen Wesen. Selbst unsere Persönlichkeit, die wir als Erwachsene für gefestigt und ausgereift halten, verändert sich. Es gibt zweifellos eine gewisse Kontinuität in den meisten Lebensläufen, aber kein Mensch bleibt stets derselbe. Das geht jedem so. Auch Dinge, die gleich zu bleiben scheinen, sind nicht ewig. Sie verfallen, altern, werden zu Fossilien, verwittern, vermodern. Diese Unbeständigkeit ist auf den ersten Blick beängstigend, aber sie kann auch befreien.

Wenn wir den ständigen Wandel um uns herum, in uns selbst und in unserem Leben erkennen, dann sehen wir, dass wir nach einem Nichts greifen. Als wollten wir mit unseren Händen den Wind festhalten. Und dieses Greifen, unser Versuch, etwas festzuhalten, das nie das gleiche bleibt, nie stillsteht, ist der Grund, warum wir leiden. Darum fürchten wir uns, zögern etwas hinaus, suchen Ablenkung und Zerstreuung. Darum sind wir gestresst und verärgert und frustriert.

Die unablässige Veränderung, diese Unbeständigkeit und der Verlust, der dazugehört (ständig verlieren wir das Leben, das wir kennen) ... das wirkt beängstigend. Wir wollen, dass alles gleich bleibt, doch das ist nicht der Fall. Daran leiden wir. Wie können wir mit unserer Angst vor der ständigen Veränderung und Vergänglichkeit, dem andauernden Verlust umgehen?

Zunächst bleibt uns nur als erster Schritt, die Tatsache zu akzeptieren. So sieht die Realität des Lebens nun einmal aus. Die Vergänglichkeit des Lebens oder unserer Persönlichkeit können wir nicht ändern. Wir können vergeblich dagegen kämpfen und darunter leiden, oder wir können die Wirklichkeit akzeptieren.

Dann erkennen wir im zweiten Schritt die Freiheit: Wenn wir nie Stillstand erleben, dann verlieren wir zwar die gefestigte Vorstellung von uns selbst, wir haben damit aber auch die Möglichkeit, uns immer wieder neu zu erfinden. Jederzeit! Dieses neue Ich ist nicht an die Vergangenheit gefesselt.

Ein Beispiel. Vor ein paar Minuten war ich noch jemand, der die Arbeit an diesem Buch vor sich her schob. Ich könnte nun daraus schließen: Oh, was für ein schrecklicher Autor ich doch bin, welch ein Zauderer! Und ich würde mich schrecklich fühlen. Ich kann aber auch dieses Bild von mir loslassen und mich stattdessen neu als jemand erfinden, der weiterschreibt. Und zwar, indem ich mit dem Schreiben anfange und den Zauderer von eben loslasse.

Wenn Sie also feststellen, dass Sie einen guten Vorsatz nicht umsetzen, lassen Sie die Vergangenheit los, weil sie vorbei ist. Starten Sie mit neuem Selbstbewusstsein. Und dann immer wieder.

Wenn Ihre Liebsten wütend auf Sie sind, fühlt sich das schlecht an. Aber deren Wut entsteht durch Leiden, und Leiden kann abgeholfen, Schmerzen können gelindert werden. Auch Ihr Leiden als derjenige, der womöglich Unrecht getan hat. Sie werden stattdessen zu einer mitfühlenden, einfühlsamen Person. Sie können die Version von sich, die Unrecht tut, loslassen und die ruhige, mitfühlende Version von sich werden. Ihre Beziehung wird geheilt, weil sie ständig neu erfunden werden kann.

Das soll nicht heißen, dass die Vergangenheit keine Rolle spielt. Sie beeinflusst natürlich unsere Gegenwart und Zukunft. Aber wir sind nicht ohnmächtig an die Vergangenheit gefesselt – wenn sich alles ändert, dann schließt das Verletzungen und Leid der Vergangenheit ein.

Das mag wie starker Tobak klingen, und es ist auch keine Kleinigkeit. Wir werden uns gleich konkrete Beispiele ansehen, aber es ist zunächst wichtig zu begreifen, womit wir es zu tun haben: Die Kunst des Loslassens hilft uns, mit der Realität umzugehen, anstatt mit dem, was wir gerne hätten. Dann können wir mit der sich ständig verändernden Wirklichkeit viel geschickter umgehen.

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Fortsetzung folgt.

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Dienstag, 8. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 8

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Kapitel 8

Widerstand von anderen

Oft wollen wir andere Menschen ändern, oder wir wollen selbst anders sein und leben, aber unsere Mitmenschen oder unser Ego widerstehen diesem Wandel. Warum können andere sich nicht einfach fügen und Veränderungen zulassen?

Weil wir keinem Menschen etwas aufzwingen können – wir herrschen nicht über andere. Die Annahme, wir könnten jemandem unsere Vorstellung aufzwingen, müssen wir loslassen. Dieses Loslassen ist ein Prozess des Begreifens, dass wir andere Menschen nicht lenken, dass wir überhaupt wenig Einfluss auf die Welt um uns herum haben. Das Leben lässt sich nicht kontrollieren und beherrschen, egal wie sehr wir es versuchen. Unsere Illusion, herrschen zu können, müssen wir vor allem loslassen.

Ein gutes Beispiel dafür ist Elternschaft. Zuerst scheinen Sie das Leben Ihres Kindes zu beherrschen, weil Sie über Wohnung und Kleidung und Nahrung und Spielzeug bestimmen. Sie sind überzeugt, dass Sie dieses Kind so prägen können, wie Sie es sich vorstellen.

Wenn Kinder älter werden, wirkt sich diese Einstellung sehr frustrierend auf die Eltern aus. Kinder verhalten sich häufig nicht so, wie sie sich unserer Überzeugung nach verhalten sollen. Sie haben kein Interesse an den Hobbys, die wir aussuchen. Sie teilen nicht immer die Werte, die wir ihnen vermitteln wollen. Sie haben in vielen Punkten eine andere Meinung.

Wir wollen unsere Kinder prägen, aber sie widerstehen. Es stellt sich heraus, dass sie ganz eigenständige Menschen sind. Sie sind unabhängig und einzigartig, und sie werden sich so entwickeln, wie sie selbst es bestimmen. Wir haben Einfluss darauf, natürlich, aber wir herrschen nicht über den Prozess.

Letztendlich hatten wir unsere Kinder nie wirklich völlig unter Kontrolle. Als sie Babys und Kleinkinder waren, haben wir zwar über ihre Umgebung bestimmt, aber sie konnten selbst entscheiden, wie sie das verinnerlichen. Verschiedene Babys reagieren sehr unterschiedlich auf identische Umstände. Und wir reagieren wiederum auf die Reaktionen unserer Kinder. Sie prägen uns, während wir sie prägen.

Dies gilt genauso für alle Menschen in unserem Leben. Wir beherrschen sie nicht, das können wir gar nicht. Wir werden sie jedoch (so oder so) beeinflussen. Und sie beeinflussen uns.

Die Vorstellung loszulassen, dass wir jemanden ändern oder über sein Verhalten bestimmen könnten, befreit uns selbst. Wir konzentrieren uns dann auf unser eigenes Verhalten und können so zum leuchtenden Beispiel für andere werden, zu einem sensiblen und geachteten Bezugspunkt im Leben der Mitmenschen.

Versuchen Sie einfach, anderen Menschen eine spürbare Hilfe zu sein.

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Fortsetzung folgt.

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Montag, 7. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 7

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Kapitel 7

Das Leben entrümpeln

Eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe, war und ist die Entrümpelung meines Lebens. Eine Menge Müll und unnötigen Besitz loszuwerden – von Möbeln über Kleidung, Geräte, Werkzeuge, Bücher, Geschirr bis zu Erinnerungsstücken – war ein gewaltiger Gewinn.

Das aufgeräumte Zuhause ist mir eine reine Schönheit und Freude. Aber noch wichtiger war, was ich über mich selbst durch den Prozess des Loslassens all der Gegenständen gelernt habe.

Warum hatte ich überhaupt so viele Besitztümer angesammelt?

Ich erkannte beim näheren Hinsehen, dass meine Familie (mich eingeschlossen) einen Hang sowohl zu Impulskäufen als auch zum Einkauf aus Gewohnheit hatte. Wir erwarben häufig neue Alltagsutensilien, ohne vorhandene loszuwerden. Wir stopfen Speicher und Keller voll, um Platz für neue Einkäufe zu machen, und dann gerieten die angesammelten Besitztümer in Vergessenheit.

Aber warum hielt ich an ihnen fest? Viele der Gegenstände waren überraschend einfach loswerden. Von manchen konnte ich mich aber nur sehr schwer trennen. Ich bemerkte psychische Bindungen an diese Dinge. Sie erfüllten emotionale Bedürfnisse: sie gaben mir ein Gefühl der Sicherheit, Trost, Erinnerungen (und Liebe). Sie waren auch Ausdruck von Hoffnungen, die ich auf die Zukunft hegte (ungelesene Bücher, Ausrüstung für Sport und Training). Tatsächlich brauchte ich aber diese vielen Artikel gar nicht für mein emotionales Wohlbefinden – ich konnte ebenso auf andere Weise, ohne angehäufte Besitztümer, ein gesundes und positives Gefühlsleben genießen.

Das Loslassen von Besitz bedeutete für mich eine Abkehr von der Bedeutung, die ich in die Gegenstände hineininterpretiert hatte. Es bedeutete, die Persönlichkeit loszulassen, die ich war, als ich an diesem Besitz festklebte. Es bedeutete, das Leben loszulassen, das ich gewohnt war, als diese Besitztümer zu meinem Leben gehörten.

Es war nicht immer leicht, aber ein wundervoller Prozess, loszulassen. Ich habe gelernt, dass ich in der Lage bin, sehr glücklich ohne Dinge zu leben, von denen ich einst angenommen hatte, sie seien unverzichtbar.

Ich entdeckte, dass Loslassen gleichzeitig schmerzhaft und wohltuend sein kann. Einerseits Verlust, andererseits Befreiung.

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Fortsetzung folgt.

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Sonntag, 6. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 6

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Kapitel 6

Alte Gewohnheiten ablegen

Das Einüben einer neuen Gewohnheit ist ziemlich einfach: Sie tun das Gewünschte (zum Beispiel Sport treiben) direkt nach einem Auslöseimpuls (der Kaffee am Morgen) und wiederholen das oft genug, bis es automatisch läuft. Nach einer Weile entsteht der Drang zur neuen Gewohnheit auf den auslösenden Impuls hin ohne Ihr Zutun.

Warum haben wir trotzdem solche Schwierigkeiten, gute Gewohnheiten aufzubauen? Weil einiges diesem recht simplen Verfahren in die Quere kommt:

Angst vor der neuen Gepflogenheit. Sport und Meditation sind zwei typische Beispiele – viele Menschen haben diesbezüglich allerlei Befürchtungen: Das ist anstrengend, unbequem, verwirrend … also fängt man gar nicht erst damit an. Man lässt sich bereitwillig ablenken (siehe voriges Kapitel).

Müdigkeit und Dinge, die dazwischen kommen. Es gibt zweifellos manchmal zutreffende Gründe, von einem Vorsatz abzuweichen. Aber wenn wir uns etwas Gutes antrainieren wollen, sollten wir Lösungen für solche Hindernisse finden. Früheres Schlafengehen oder bessere Planung von anderen Aktivitäten, eine andere Tageszeit für die neue Gewohnheit, wenn ihr zur vorgesehenen Zeit dauernd etwas in die Quere kommt. Es ist ein Lernprozess. Was aber wirklich alles zunichtemachen kann, ist unser Aufgeben, sobald wir scheitern. Wir haben eine tückische Idealvorstellung: dass wir sofort Erfolg haben werden.

Alte Gewohnheiten sind nun einmal schwer abzulegen. Wenn wir etwas Neues beginnen, ersetzen wir oft eine alte Gewohnheit. Sport am Morgen statt Facebook und Blogs beispielsweise. Das Einüben der neuen Gewohnheit erfordert jedes Mal bewusstes Loslassen der alten Gewohnheit. Wir müssen die neue Gepflogenheit achtsam trainieren, bis sie zur ganz natürlichen und leichten Routine geworden ist.

Das sind keine unüberwindbaren Hindernisse, aber wir müssen jeweils etwas loslassen:

1. Eine Idealvorstellung, die Angst auslöst. Sicher ist Sport anstrengend – genau das ist ja der Sinn der Sache und führt zum gewünschten Erfolg.

2. Die Illusion, dass wir sofort Erfolg haben. Stattdessen akzeptieren Sie Scheitern als Teil des Lernprozesses und finden bewusst und beständig Wege, um sich zu verbessern.

3. Die alte Gewohnheit, die abgelöst wird. Lassen Sie Ihr altes Tun los und praktizieren Sie stattdessen achtsam, was Sie sich angewöhnen wollen.

So kann die Fähigkeit des Loslassens uns helfen, neue und gute Gewohnheiten in unser Leben zu bringen.

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Fortsetzung folgt.

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Samstag, 5. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 5

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Kapitel 5

Jede Menge Ablenkungen

Unser Hang zu Ablenkungen (heutzutage überwiegend elektronischer Art) ist eine Begleiterscheinung des Zögerns und Zauderns. Wir wollen uns (unbewusst) nicht auf eine Aufgabe konzentrieren, weil sie unbequem oder schwer ist, also lassen wir uns ablenken.

Solch ein Zeitvertreib ist komfortabel und einfach. Das Spiel auf dem PC oder dem Smartphone gelingt uns tadellos. Zerstreuung müssen wir nicht fürchten, da gibt es keine Angst vor Versagen oder Unsicherheit bezüglich der Vorgehensweise. Von Videospielen über soziale Medien bis zum Fernsehen stehen Ablenkungen bereit. Das Fatale ist, dass daraus schnell eine Sucht werden kann.

Wie gehen wir mit dem Hang zur elektronischen Unterhaltung (oder anderen Fluchten vor dem eigentlich Bevorstehenden) um? Es ist keine Überraschung: Wir können uns darin üben, solche Zerstreuungen loszulassen. Versuchen Sie diese kleine Loslassen-Praxis:

1. Machen Sie sich klar, welche Ablenkung Sie ansteuern und was eigentlich so verlockend daran ist. Vielleicht finden Sie darin Selbstbestätigung oder es handelt sich um etwas Interessantes, Unterhaltsames und Spannendes. Die Aussicht ist natürlich verführerisch. Genau danach ist Ihnen zumute.

2. Dann betrachten Sie die Nachteile des Zeitvertreibes. Inwiefern schadet er Ihnen? Werden Sie beispielsweise hinterher in Zeitnot sein? Oder tut die Ablenkung Ihrer Psyche nicht gut?

3. Erkennen Sie die Unbeständigkeit der Ablenkung – zwar wird sie Ihnen vorübergehend Spaß machen, aber kein dauerhaftes Glück schenken. Sie erhalten eine kleine Dosis Vergnügen, danach brauchen Sie jedoch bald eine weitere Dosis … und so weiter, ohne Ende.

4. Versuchen Sie, diese Zerstreuung nur für eine kleine Weile loszulassen. Stattdessen üben Sie sich darin, mit Ihrem Leben ohne die Ablenkung zufrieden zu sein, indem Sie sich fragen: Wofür in meinem Leben kann ich (ohne diesen Zeitvertreib) dankbar sein?

5. Falls Sie Anzeichen der Spiel- oder Fernsehsucht bemerken, überlegen Sie: Welche anderen Quellen des Glücks können Sie finden, die in Ihnen selbst und nicht außerhalb (wie die Unterhaltung durch elektronische Medien) liegen? Können Sie mit sich selbst zufrieden sein? Können Sie Aktivitäten ohne Mobiltelefon oder Fernsehgerät planen und genießen, beispielsweise einen Roman lesen oder Texte verfassen oder ein paar Stunden in der Natur verbringen?

6. Erkennen Sie die Freiheit, die das Loslassen der Ablenkung durch elektronische Medien Ihnen ermöglicht. Gönnen Sie sich Zeiten ohne die Geräte. Das ist etwas Wertvolles.

Diese Übung, in kleinen Häppchen, ist nicht schwierig. Probieren Sie es jetzt, für ein paar Minuten. Dann noch einmal, eine Weile später. Es gelingt Ihnen immer besser, je häufiger Sie sich darin üben.

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Fortsetzung folgt.

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Freitag, 4. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 4

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

Das Taschenbuch: http://amzn.to/2van3Ar
Das Kindle-Buch: http://amzn.to/2uGrf7C

Loslassen._Eine_einz_Cover_for_KindleDa Leo Babauta sein Buch genau wie die Beiträge auf seinem Blog vom Copyright ausdrücklich ausgenommen hat und zur unentgeltlichen Weiterverbreitung auffordert, stelle ich die einzelnen Kapitel meiner deutschen Übersetzung hier auf dem Blog zur Verfügung.

Wer lieber ein »richtiges« Buch in der Hand hat beim Lesen oder gerne seinen Kindle benutzt, der kann die entsprechende Ausgabe bestellen. Wer kein Geld ausgeben kann oder will, der möge hier auf dem Blog lesen, was Leo Babauta zum Thema Loslassen eingefallen ist.

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Kapitel 4

Schwierige Menschen

Unsere Mitmenschen können uns ziemlich ärgern. Von rücksichtslosen Verkehrsteilnehmern auf dem Weg zur Arbeit über Kollegen, deren Eigenarten uns nerven bis zu Kindern, die nicht das tun, worum man sie bittet.

Ich sage nun nicht, dass wir mit dem schrecklichen Verhalten anderer Menschen zufrieden sein sollen. Aber wir könnten viel glücklicher leben, wenn wir eines loslassen würden: unsere Vorstellung davon, wie diese Menschen sein und sich verhalten sollten.

Nehmen wir als Beispiel Marie. Sie ist wütend, weil ihr Kollege Thomas sie sehr unfreundlich und beleidigend behandelt hat. Es gibt keine Entschuldigung für sein schlechtes Benehmen ... aber wenn Marie impulsiv im Zorn reagiert, wird das wahrscheinlich nicht helfen, die Situation zu verbessern. Und der innerliche Groll wird Marie darüber hinaus ziemlich unglücklich machen.

Es lohnt sich, ein paar Mutmaßungen anzustellen:

1. Thomas wird wohl einen schlechten Tag haben. Oder er kommt einfach nicht mit Stress zurecht. Oder er kann sich nicht anständig ausdrücken. Wo auch immer das Problem liegt, das ist eine Angelegenheit des Kollegen, Marie ist nicht die Ursache. Also sollte sie sein Verhalten nicht persönlich nehmen – seine Grobheit und seine schlechten Manieren sind nicht ihre Schuld.

2. Selbst wenn Thomas einen sachlichen Grund hatte, Marie zu kritisieren (vielleicht hat sie etwas falsch gemacht), hätte er das ruhig und konstruktiv ansprechen müssen. Das war aber nicht der Fall. Obwohl also Marie aus einer sachlichen Kritik etwas für die zukünftige Arbeit mitnehmen könnte (zum Beispiel »Verwenden Sie niemals Comic Sans für Geschäftsberichte!«), sollte sie nicht zu viel in seinen Zorn hineinlesen. Er verhält sich ungehörig. Das ist seine Angelegenheit, nicht ihre.

3. Marie kann und sollte auf Thomas reagieren. Wenn sie impulsiv ihrerseits dem Ärger Raum gibt, wird das nicht helfen. Wenn sie aber die erste, fast zwangsläufig wütende Reaktion erkennen und loslassen kann, wird sie ruhig und konstruktiv antworten.

4. Es obliegt nicht Marie, Thomas zu ändern. Sie kann ihn nicht zwingen, eine nettere Person zu werden, selbst wenn sie es versucht. Stattdessen kann sie aber ihre eigene Antwort vernünftig und höflich formulieren. Das liegt in ihrer Verantwortung.

5. Marie kann hier sogar wohlwollend handeln, selbst wenn sie nicht das Gefühl hat, Thomas hätte das verdient. Was er verdient hätte, ist nicht die Frage. Wenn er unter irgendetwas leidet, kann sie menschliche Größe beweisen und versuchen, mitfühlend zu reagieren. Damit entschärft sie womöglich die Situation und vielleicht sind am Ende beide glücklicher.

Mir ist bewusst, dass viele Leserinnen und Leser sich darauf versteifen werden, was in dieser Situation »richtig« wäre. Thomas ist im Unrecht und verdient es, bestraft zu werden. Auf keinen Fall darf er ungeschoren damit durchkommen oder gar noch mitfühlend behandelt werden!

Das ist genau das Problem: unsere Idealvorstellung darüber, was »richtig« ist. Es gibt kein absolutes »Recht« – es gibt nur ein Idealbild, das wir haben. Wir erwarten, dass sich alle »richtig« verhalten, aber das wird wohl nie passieren.

Das Festhalten an unseren unrealistischen Idealvorstellungen darüber, wie jeder handeln sollte, ist die Ursache unserer Wut und Frustration, von Stress und Enttäuschung. Stattdessen können wir diese Wunschbilder davonfliegen lassen und die Wirklichkeit akzeptieren.

Wie sieht die Realität aus?

Thomas leidet, er hat Probleme mit seinem Jähzorn, ist gestresst und daher hat er sich schlecht benommen. Marie kann dies als Tatsache akzeptieren, ihre Idealvorstellung über sein Verhalten und die daraus resultierende Wut loslassen und stattdessen sensibel und gelassen reagieren. Sie kann Thomas in geeigneter Weise antworten, anstatt aus ihrer Wut heraus (und somit ihrerseits unangemessen) zu reagieren. Das ist nicht einfach, aber das Loslassen von Idealvorstellungen, das Akzeptieren der Realität und entsprechend vernünftiges Handeln kann man einüben.

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Fortsetzung folgt.

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Donnerstag, 3. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 3

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.
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Loslassen._Eine_einz_Cover_for_KindleDa Leo Babauta sein Buch genau wie die Beiträge auf seinem Blog vom Copyright ausdrücklich ausgenommen hat und zur unentgeltlichen Weiterverbreitung auffordert, stelle ich die einzelnen Kapitel meiner deutschen Übersetzung hier auf dem Blog zur Verfügung.
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Kapitel 3

Der Umgang mit der Angst



Nicht nur Zaudern wird durch Angst verursacht. So gut wie alle unsere Probleme sind verwurzelt in Ängsten. Sie schlagen tiefe Wurzeln in unseren Idealvorstellungen, Erwartungen und Phantasien, wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben.
Werfen Sie nun mit mir einen Blick auf einige häufige Probleme, die durch Angst verursacht werden:
1. Verschuldung: Es gibt natürlich auch andere Ursachen, aber oft geben wir einfach gedankenlos mehr aus als wir haben, weil uns die Angst treibt, wir könnten unseren gewohnten Komfort einbüßen. Es entstehen und wachsen auch Schulden aufgrund der Angst, man könnte etwas verpassen, der Angst, dass man nicht gut genug ist oder der Angst, nicht vollwertig zu sein.
Das Loslassen von Komfort (der gewohnte regelmäßige Restaurantbesuch, die schöne Wohnung oder das große Auto …) kann schwierig sein, so etwas verursacht Unbehagen: Wenn mein Leben weniger komfortabel wäre … die anderen würden mich doch verachten! Wenn mein Haus oder mein Auto oder meine Kleidung nicht so schön wären … was würde man von mir denken?
All das sind Ängste.
2. Beziehungsprobleme: Auch dafür gibt es natürlich vielerlei Ursachen, einschließlich der, dass unser Gegenüber gewaltige Probleme hat (obwohl man auch immer das Augenmerk auf sich selbst richten sollte). Aber es gibt auch Ängste, die Beziehungsprobleme hervorrufen. Zum Beispiel die Angst vor Kontrollverlust (wir wollen gerne bestimmen, was eine andere Person tut oder lässt), die Angst, nicht gut genug zu sein, die Angst, verlassen zu werden, nicht angenommen zu sein, oder die Angst davor, eine andere Person so zu akzeptieren, wie sie ist.
3. Kein Sport: Wiederum mag es zahlreiche Ursachen geben, aber sicher sind auch diese nicht selten: Nicht genug Zeit (das ist die Angst davor, Prioritäten zu ändern, um Zeit für den Sport zu gewinnen); Sport ist zu anstrengend (das ist die Angst vor Unbequemlichkeiten), Fernsehen oder Internet sind wichtiger (das ist die Angst, etwas zu verpassen).
4. Ungesunde Ernährung: Im Grunde genommen gilt hier, was auch für den Sport zutrifft. Manchmal liegen emotionale Probleme vor, die dann letztendlich die gleichen Ängste begründen können wie beim Schuldenmachen.
5. Die Arbeit macht keine Freude: Vielleicht wissen Sie gar nicht, was Sie wirklich gerne tun würden. Das wäre ein Hinweis, dass Sie noch nicht ergründet haben, was Ihnen liegt. Aus Angst, zu versagen vielleicht. Oder Sie wissen es, aber Sie trauen sich nicht, den entscheidenden Schritt zu tun. Aus Angst, es dann nicht zu schaffen. Oder aus Angst, im Wunschberuf nicht erfolgreich genug zu sein.
6. Stress bei der Arbeit oder in der Schule: Sie haben unheimlich viel zu tun. Aber die Menge der Aufgaben ist in Wirklichkeit gar nicht das Problem. Die Anforderungen sind eine objektive Tatsache, und entweder Sie haben ausreichend Zeit zur Verfügung, um sie zu bewältigen (und vielleicht schaffen Sie es auch), oder eben nicht.
Das eigentliche Problem ist, dass Ihre Gedanken dauernd darum kreisen, was noch alles getan werden muss. Sie haben eine Idealvorstellung (ich werde alles rechtzeitig fertigstellen, und es wird perfekt gelingen) und Sie befürchten, dass Sie diese Vorgabe nicht erfüllen werden. Die Angst basiert also auf einer Idealvorstellung, die nicht realistisch ist.
Sie werden keinesfalls alles perfekt und pünktlich erledigen. Das schafft niemand. Akzeptieren Sie die Tatsache, dass Sie einiges schaffen werden, und zwar so gut, wie es Ihre Fähigkeiten erlauben. Wenn etwas nicht gelingt, dann werden Sie daraus lernen. So funktioniert die Welt nun einmal. Niemand ist perfekt. Der Idealfall ist in der Realität nicht vorhanden.
Und so weiter. So gut wie alle anderen Probleme, die wir hier anführen könnten, sind Manifestation dessen, was hoffentlich in den obigen Beispielen deutlich geworden ist.
Angst vor Versagen, Angst, nicht gut genug zu sein, Angst vor Kontrollverlust, Angst vor Einsamkeit, Angst vor Einbußen, Angst vor Unbehagen, Angst, etwas zu verpassen … immer wieder ist es letztendlich die Angst, einer Idealvorstellung nicht zu entsprechen. Dahinter stecken nicht zuletzt mangelndes Selbstvertrauen und fehlender Lebensmut.
Wenn wir das Loslassen solcher Wunschbilder einüben und damit anfangen, uns selbst anzunehmen, uns selbst etwas zuzutrauen, können wir viele Probleme überwinden.
Die Wurzel zahlreicher Schwierigkeiten ist nichts anderes als eine Angst, die aus unseren unrealistischen und überflüssigen Idealvorstellungen entsteht. Solche Wunschbilder dürfen wir getrost in die Wüste schicken.

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Fortsetzung folgt.
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Mittwoch, 2. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 2

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

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Kapitel 2

Was tun gegen das ständige Aufschieben?

Jeder schiebt dies und das vor sich her. Aber warum?

Aus Angst: Angst vor Misserfolg, Angst vor Schwierigkeiten, Unbequemlichkeiten oder Unsicherheit.

Doch woher kommt diese Angst? Wir haben unsere Idealvorstellungen: dass alles wunschgemäß gelingen muss, dass Arbeitsgänge bequem und ziemlich einfach sind, dass wir stets in allen Einzelheiten wissen, was wir tun und wie wir es tun.

Schauen wir uns Nathan an, der eine Diplomarbeit zu schreiben hat. Er hat diese Abschlussarbeit schon seit Monaten auf- und vor sich her geschoben. (Ich weiß, wahrscheinlich ist er der erste Mensch überhaupt, der eine Diplomarbeit vor sich her schiebt. Aber bleiben wir trotzdem bei diesem Beispiel.)

Was hindert ihn?

Vor ihm liegt zweifellos eine große, anspruchsvolle Aufgabe, kompliziert und ein wenig verwirrend. Nathan weiß, die Arbeit wird Tage oder sogar Wochen dauern, und so ist die Diplomarbeit zu einem riesigen Berg in seinem Kopf angewachsen. Ihm fällt noch nicht einmal ein Anfang ein, und der Gedanke an all das, was noch mühsam zu recherchieren und zu schreiben ist, macht ihm Angst. Die ganze Aufgabe ist furchteinflößend.

Genau diese Angst vor all dem, was da vor ihm liegt, sorgt in seinem Unterbewusstsein dafür, dass er sich lieber mit leichten Dingen beschäftigt, von Nachrichten online über soziale Medien und Fernsehen bis zur Flucht in den Schlaf (oder gar Betäubungsmittel).

Nathans Angst wird von einer Idealvorstellung genährt, die ihm nicht einmal bewusst ist. Aber sie ist trotzdem real. Dieses Wunschbild schreibt vor, dass das Leben bequem und einfach sein muss. Dass er immer weiß, was er wie anpacken kann und sich dabei kompetent und erfolgreich fühlt. Sobald eine Aufgabe mit dieser Vorstellung nicht übereinstimmt, geht er ihr aus dem Weg.

Wenn auch Sie solche Idealbilder haben, fürchten Sie sich bewusst oder unbewusst davor, Ihre Messlatte nicht erreichen zu können. Sie halten am Traumbild fest, und in Ihrem Geist wird es zur Realität, an der kein Weg vorbei führt. Daher schieben Sie die Aufgabe vor sich her.

Wie kann nun Nathan mit dieser Vorstellung, aus der die Angst entsteht, umgehen? Seine Idealvorstellung verursacht das Aufschieben. Kann er das Hindernis überwinden und endlich seine Dissertation schreiben?

Er kann. Indem er eine solche Idealvorstellung bewusst erkennt und dann genauso bewusst loslässt.

Das Leben muss nicht leicht sein – in der Tat sind es gerade die Schwierigkeiten, durch die hindurch wir dann oft etwas Bedeutsames erreichen. Das Leben muss nicht bequem sein – nur wenn wir aus unserer Komfortzone ausbrechen, können wir wachsen und reifen. Nathan muss nicht unbedingt in allen Einzelheiten wissen, was er wann und wie tun wird. Wenn wir etwas beginnen, ohne vorher genau zu wissen, wie es geht, lernen wir neue Tatsachen kennen, entwickeln neue Fähigkeiten und werden immer besser in dem, was wir jeweils tun.

Nathan kann für die Schwierigkeiten also dankbar sein, denn sie sorgen dafür, dass er etwas Wertvolles erreichen wird. Dankbar auch für Mühe und Anstrengung, die zu Wachstum führen werden und für die Unsicherheit, aus der schließlich Lernerfolge entstehen.

Er kann seine Idealvorstellung loslassen, und schon wird die Aufgabe nicht mehr so beängstigend aussehen. Er kann akzeptieren, dass manche Dinge schwierig und unbequem sind, die Umstände annehmen wie sie nun einmal sind und mit der Arbeit loslegen. Er kann seine Aufgabe achtsam und bewusst bewältigen.

Loslassen, akzeptieren, annehmen, loslegen, achtsam sein. Ein Heilmittel gegen das Zaudern und Zögern.

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Fortsetzung folgt.

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Dienstag, 1. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Vorspann und Kapitel 1

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.

Das Taschenbuch: http://amzn.to/2van3Ar
Das Kindle-Buch: http://amzn.to/2uGrf7C

Da Leo Babauta sein Buch genau wie die Beiträge auf seinem Blog vom Copyright ausdrücklich ausgenommen hat und zur unentgeltlichen Weiterverbreitung auffordert, werde ich die einzelnen Kapitel meiner deutschen Übersetzung hier auf dem Blog zur Verfügung stellen.

Wer lieber ein »richtiges« Buch in der Hand hat beim Lesen oder gerne seinen Kindle benutzt, der kann die entsprechende Ausgabe bestellen. Wer kein Geld ausgeben kann oder will, der möge ab heute hier auf dem Blog lesen, was Leo Babauta zum Thema Loslassen eingefallen ist.

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Loslassen.

Die einzigartige Fähigkeit.

Eine Kunst, die Ihr Leben verändern kann.

Autor: Leo Babauta; Deutsch von Günter J. Matthia

Widmung

Dieses Buch habe ich aus Dankbarkeit für meine wunderbaren Leser geschrieben, die mir im Lauf der Jahre eine beständige Quelle der Ermutigung und Unterstützung gewesen sind.

Das ist mir wertvoller, als ich es in Worte fassen könnte.

Danke.

Uncopyright

Dieses Werk ist nicht urheberrechtlich geschützt und allgemein zugänglich. Der Autor hat alle Urheberrechte vollständig und ausdrücklich freigegeben.

Es ist keine Erlaubnis erforderlich, das Buch »The One Skill« ganz oder teilweise nachzudrucken; ein Hinweis auf die Quelle gehört sich allerdings und wird erwartet.

Leo Babauta

Dies gilt auch für die deutsche Übersetzung.

Günter J. Matthia

Loslassen._Eine_einz_Cover_for_KindleKapitel 1

Warum loslassen?

Die Wurzel all unserer Probleme ist unsere Unfähigkeit, loszulassen.

So simpel soll das sein? Die Idee stammt aus einem Buch über den Zen-Buddhismus. Als ich den Satz vor ein paar Jahren las, hat mich die Einfachheit angesprochen. Könnte etwas Wahres daran sein?

Stellen Sie sich einen Vogel im Flug vor. Der Vogel lebt im Moment, ist nur mit dem Fliegen in diesem Augenblick beschäftigt. Vielleicht sucht er mit seinen scharfen Augen nach Nahrung.

Er überlegt nicht: »Warum muss es hier so kalt sein? Was halten die anderen Vögel von mir? Was soll ich tun, wenn ich mich später mit dem Schwarm treffe? Werde ich in ein paar Wochen beim Nestbau erfolgreich sein? Warum kann ich morgens nicht so früh wach werden wie die anderen und auch einmal den großen Wurm erwischen?« Und so weiter.

Natürlich stimmt es: wir Menschen haben größere Gehirne, wir können Probleme lösen, Poesie dichten und Wolkenkratzer bauen. Also haben wir viel mehr Fähigkeiten und viel mehr zu tun als der einfache Vogel, der da auf dem Wind durch den Himmel gleitet.

Diese zweifellos größeren Gehirne verursachen uns aber auch allerlei Probleme, mit denen wir uns herumschlagen. Ich meine nicht Armut und Krankheit, sondern unsere Eigenart, Dinge zu übertreiben, Angst und Frust und Trauer und Wut darüber zu empfinden, was auf uns zukommen könnte, uns passieren wird oder uns bereits zugestoßen ist. Wir können nicht aufhören, darüber nachzudenken.

In den letzten Jahren habe ich die oben zitierte Zen-Idee ausprobiert und die Ergebnisse waren erstaunlich: Ich konnte meinen Stress reduzieren, habe gelernt, weniger aufzuschieben. Meine Beziehungen zu anderen Menschen wurden besser und ich konnte Veränderungen wesentlich reibungsloser bewältigen. Ich habe gelernt, schlechte Gewohnheiten abzulegen und lebe viel achtsamer.

Meinen Sie, dass ich übertreibe? Nein. Es ist kaum möglich, beim Plädoyer für die Fähigkeit des Loslassens zu übertreiben.

Der Widerstand, den viele Menschen verspüren, wenn es um das Loslassen geht, ist allerdings durchaus auch erheblich. Warum das so ist, schauen wir uns später an.

Betrachten wir zunächst ein paar Beispiele:

Stress: Unser Stress stammt daher, dass wir uns die Umstände auf eine bestimmte Art und Weise vorstellen. Wir sind gestresst, wenn die Dinge dann unweigerlich nicht so laufen, wie von uns erträumt. Aber wenn wir unsere Vorstellung loslassen und die Realität so, wie sie ist, akzeptieren könnten, würden wir dem Stress entkommen.

Aufschieben: Wir schieben auf, weil wir Angst vor dem Versagen haben, weil schwierige Aufgaben anstehen, weil sich Unsicherheit und Unbehagen in uns regen, wenn wir an das denken, was zu tun wäre. Aber wenn wir die Vorstellung loslassen könnten, dass alles immer einfach sein muss, dass wir stets erfolgreich sind, dass alles ausnahmslos bequem abläuft ... und einfach akzeptieren, dass es eine breite Palette von Erfahrungen gibt, würden wir die Aufgaben eine nach der anderen anpacken und bewältigen.

Gewohnheiten und Ablenkungen: Den meisten Menschen fällt es deshalb schwer, Gewohnheiten zu ändern, weil sie genau wie bei Arbeitsaufgaben zögern und aufschieben. Sich ein neues Verhalten anzutrainieren wirkt erst einmal schwierig. Und es ist ja wirklich nicht alles immer ganz einfach. Deshalb fallen wir so gerne auf Ablenkungen herein.

Irritation und Ärger über Menschen: Wir werden ärgerlich auf andere, weil sie sich nicht so benehmen, wie wir es wollen. Es schädigt zwangsläufig unsere Beziehung, wenn wir wütend auf jemanden sind. Das wiederum macht uns selbst unglücklich. Stattdessen könnten wir die Vorstellung loslassen, dass jemand so und so handeln soll und muss, den Menschen akzeptieren wie er ist und einfach vorbehaltlos mit ihm zusammen sein. Dadurch wird eine Beziehung viel besser – ich habe das bei meinem Vater erlebt, bei meiner Frau, bei meinen Kindern.

Verlust und Tod: Wenn ein geliebter Mensch stirbt, wir einen Job verlieren oder schwer erkranken, dann ist das ein Schlag, der Trauer und Leid verursacht. Und obwohl das unvermeidlich ist (wir sollten unsere Trauer zulassen!) ... wenn wir schließlich dennoch in der Lage sind, loszulassen, hilft uns das, diesen Verlust zu verarbeiten.

Defizite bei der Achtsamkeit: Viele von uns möchten gerne achtsamer sein, damit wir das Leben nicht verpassen, damit wir es in seiner ganzen Fülle genießen können. Stellen Sie sich vor, ein köstliches Gericht vor sich zu haben. Sie essen, aber mit den Gedanken sind Sie bei der Arbeit ... Sie werden Geschmack und Aroma der Mahlzeit nicht genießen können. Wenn Sie aber die volle Aufmerksamkeit auf das Essen richten, können Sie es voll und ganz auskosten und tatsächlich genießen. Das Leben ist genauso. Wir sind so besessen davon, über alle möglichen Dinge nachzudenken, dass wir nie richtig im gegenwärtigen Moment anwesend sein können. Wir können aber lernen, solch ein zukunfts- oder vergangenheitsorientiertes andauerndes Grübeln loszulassen und achtsamer zu sein.

Angst: Die Wurzel vieler unserer Probleme – vom Aufschieben, um eine Aufgabe nicht anpacken zu müssen, bis zum Übergewicht, das wir einfach nicht loswerden – ist Angst. Ihre Ursache ist wiederum das Festhalten daran, wie unser Leben und dessen Umstände unserer Vorstellung nach aussehen müssten. Mehr dazu später. An dieser Stelle will ich nur schon einmal darauf hinweisen, dass wir, wenn wir loslassen und die Verkrampfung durch unsere Vorstellung über die idealen Umstände lösen, auch dem festen Griff der Angst entkommen.

Das ist nur ein Vorgeschmack. Sie erkennen vielleicht schon, wie das Loslassen zu einer einzigartigen Fähigkeit werden kann, die Ihnen vieles leichter machen wird, wenn es um die Hürden und Hindernisse im Leben geht. Loslassen ist eine Kunst, die wir einüben können. Sie fliegt uns nicht zu, aber sie kann durch regelmäßiges Üben (nur fünf Minuten am Tag) gelernt werden. Erstaunlicherweise führt solch eine kurze fünfminütige tägliche Praxis, die so simpel erscheint, zu großen Veränderungen im Leben.

In diesem kleinen Buch werden Sie erfahren, wie das Loslassen beim Überwinden von vielerlei Problemen funktioniert und wie Sie die Fähigkeit des Loslassens entwickeln und einüben können.

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Fortsetzung folgt.

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