Montag, 30. Juli 2007

Pause

Gonna travel the world, that's what I'm gonna do
Then come back and see you

(Bob Dylan)
Die nächsten Tage bin ich zwar nicht auf der ganzen Welt unterwegs, aber zumindest in der Stadt von Thomas Mann, Willy Brandt und Günter Grass. Daher macht der Blog Pause.

Eine gute Gelegenheit für meine treuen Leser, die Zeit für das Bestellen von Eintrittskarten zu nutzen:


Und mit dem Terminator verspreche ich: I'll be back!

Sonntag, 29. Juli 2007

Samstag, 28. Juli 2007

Recht hat er:

Die meisten Schriftsteller verstehen von der Literatur nicht mehr als die Vögel von der Ornithologie.
Marcel Reich-Ranicki in Mein Leben, S. 343.

Da fühle ich mich als Vogel von eiem Ornithologen rundum und richtig verstanden.

Freitag, 27. Juli 2007

Ein moderner Hiob?


Offenbar hat diesem Mann niemand eine Bibel in die Hand gegeben oder, falls er nicht lesen kann, gesagt, was es mit dem Bund zwischen Gott und Mensch auf sich hat. Welt-online berichtete:

Ein Gericht in Rumänien hat die Klage eines Mannes gegen Gott wegen „Betrugs, Vertrauensbruchs und Korruption“ abgewiesen. Die Staatsanwaltschaft in der westrumänischen Stadt Timisoara begründete ihre Entscheidung damit, dass Gott „keine juristische Person“ sei und „keine Adresse“ habe, wie die Zeitung „Evenimentul Zilei“ am Mittwoch berichtete.

Der 40-jährige Mircea Pavel, der wegen Mordes eine 20-jährige Haftstrafe absitzt, hatte gegen „den Genannten Gott, wohnhaft im Himmel und in Rumänien vertreten durch die orthodoxe Kirche“ geklagt. „Während meiner Taufe bin ich einen Vertrag mit dem Beschuldigten eingegangen, der mich vor dem Bösen bewahren sollte“, erklärte Pavel in seiner Klageschrift. Doch bislang habe Gott den Vertrag nicht eingehalten, obwohl er im Gegenzug von ihm „verschiedene Güter und zahlreiche Gebete“ bekommen habe.

Nun mag es sich um einen Versuch handeln, Strafmilderung zu erreichen (weil unzurechnungsfähig) oder Geld von der orthodoxen Kirche (sie hat ja wohl die „verschiedenen Güter“ bekommen) zu heischen. Es mag auch sein, dass der Mann einfach ein bisschen Publicity wollte (was ihm gelungen ist, die meisten Zeitungen haben berichtet).

Mich erinnert das, obwohl Herr Mircea Pavel seinen Gefängnisaufenthalt durch eine Straftat selbst herbeigeführt hat, an das Buch Hiob in der Bibel. Letztendlich läuft es auf die Anklage gegen Gott hinaus: Warum lässt der Allmächtige Böses und Leid zu? Viele Argumente werden bei dieser „Gerichtsverhandlung“ untersucht und nach 39 Kapiteln der Geschichte kommt Hiob zu einer Einsicht, die dem Häftling in Rumänien offenbar verborgen blieb:
Gott: „Mit dem Allmächtigen will der Tadler rechten? Der da Gott zurechtweist, er antworte darauf!“
Hiob: „Siehe, zu gering bin ich! Was kann ich dir erwidern? Ich lege meine Hand auf meinen Mund. Einmal habe ich geredet, und ich will nicht mehr antworten; und zweimal, und ich will es nicht wieder tun.“ (Hiob 40, 1-5)
Ich halte es für legitim, Gott zu sagen, dass ich sein Handeln oder Nichthandeln nicht immer verstehe. Ich halte es auch für zulässig, zwar in allem aber nicht für alles Dank zu sagen. Aber ich weiß auch, dass meine Erkenntnis und Einsicht bei weitem nicht ausreicht, um wirklich hinter alle Kulissen zu schauen.
Hiob gibt ja nicht klein bei, sondern er begreift, dass seine Erkenntnis Stückwerk ist. Später scheint die Einsicht noch etwas weiter zu gehen, denn er sagt:
Hiob: „So habe ich denn meine Meinung mitgeteilt und verstand doch nichts, Dinge, die zu wunderbar für mich sind und die ich nicht kannte. ... Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.“ (Hiob 42, 3 und 5)
Ich wünsche dem 40-jährigen Mircea Pavel von Herzen, dass er eines Tages sagen kann: „Ich hatte eine verschwommene Vorstellung von Gott, aber nun bin ich ihm begegnet.“ Dann ist er frei, im Gefängnis oder außerhalb.

Donnerstag, 26. Juli 2007

In Memoriam Larry Underwood


Wer kennt noch Larry Underwood? Der eine und die andere, mich eingeschlossen, viele jedoch haben von diesem Mann, der mehr war als nur ein Musiker mit einem einzigen Hit, nie gehört oder gelesen. Ich denke oft an ihn, mit Dankbarkeit.

Es sah alles so aus, als könne er in die Fußstapfen von Jack Fate treten. Seine Single Baby Can You Dig Your Man stieg unaufhaltsam in den Hitparaden empor, im Radio hörte man sie täglich, egal welchen Sender man wählte. Und anders als bei vielen Sommerhits der Musikgeschichte konnte man sich irgendwie nicht satt hören. Der Song hatte etwas, was ihn aus der Masse heraushob. War es wirklich der Song? Ich glaube eher, der Sänger hatte das gewisse Etwas.

Larry Underwood besaß trockenen Humor, der mich immer wieder zum Lachen brachte:

Larry: "Any new men in your life?"
Alice: "Several. How bout you?"
Larry: "No, no new men. Some girls, but no new men."

Auch dies fand ich witzig, als ich mit Larry Underwood, der zu jener Zeit noch gerne den großen Star mit allen dazugehörigen Allüren spielte, durch New York spazierte:

Woman: "Well, I'm impawtant, too!"
Larry: "Your Bronx is showing, luv."

Das Lachen verging uns, als das Ende der Welt, wie wir sie kannten, hereinbrach. Die Gruppe DC Talk hatte vor einigen Jahren gesungen It’s the end of the world as we know it, and I feel fine... – aber keiner von uns fühlte sich gut, als es geschah.
Larry Underwood ließ in New York nicht nur die Heimat, sondern auch seine tote Mutter zurück, die er mehr liebte als er je zugegeben hätte. Er war allerdings Realist genug, um den Tatsachen ins Auge zu sehen. Mancher von uns zögerte, die Stadt zu verlassen, aber Larry Underwood meinte:

"We have to get out of the city. It's not just the odds of getting shot. Do you know what it's going to smell like in two weeks? 5 million dead people rotting in the July sun."

Wir machten uns auf den Weg. Es war klar, dass es keine Zivilisation mit Unterhaltungsmusik, MTV und Tourneen mehr gab, Baby can you dig your man war auf Platz 2 der Charts geklettert und dort war Endstation, es gab keine Charts mehr.
Larry Underwood blieb Musiker mit Leib und Seele. Auf dem Weg in eine damals noch ungewisse Zukunft, den wir zu Fuß zurücklegten, fand er eine Gitarre und stimmte auf der mit Leichen in ihren Fahrzeugen verstopften Straße Barry McGuires Eve of Destruction an. Es hätte kaum einen besseren Song für unsere Situation geben können.

Don’t you understand what I’m tryin’ to say
Can’t you feel the fears I’m feelin’ today?
If the button is pushed, there’s no runnin’ away
There’ll be no one to save, with the world in a grave
Take a look around ya boy, it's bound to scare ya boy

And you tell me
Over and over and over again, my friend
Ah, you don’t believe
We’re on the eve
of destruction.

Wer hatte Barry McGuire damals zugehört, als er vor so vielen Jahren dieses Lied sang? Wer hatte ihm wirklich zugehört, als er Christ wurde und seine gesungenen Mahnungen noch deutlicher wurden? Don’t blame God for the sins of America...
Oder Jack Fate, der unermüdlich von thunder on the mountain sang und feststellte: You better start swimming or you'll sink like a stone, for the times, they are a'changin.

Wir hatten alle nicht hingehört. Wir wurden wach, als es passiert war. Und waren nicht mehr die selben. Auch Larry Underwood veränderte sich auf dem Weg. Oder der Weg veränderte ihn. Wer vermag das heute noch zu sagen? Er grübelte einmal:

"The ways of God... I know. We see through a glass darkly. It's a pretty dark glass to me, all right. Why we're walking all this way when we could have driven it in a week is beyond me. But since we're doing a nutty thing, I guess it's okay to do it in a nutty way."

Ich meine, dass er die Wege Gottes immer besser verstand, je länger er auf ihnen ging. Er war in kurzer Zeit vom unsicheren, selbstverliebten und nur auf den eigenen Vorteil bedachten Star der Musikszene zu einem Mann herangereift, auf den man sich verlassen, auf den man sich stützen konnte. Er verstand nicht immer das, was von ihm verlangt wurde, auf jeden Fall begriff er aber das Wesen des Bösen schlechthin, je näher die Konfrontation rückte.
Kurz vor seinem Tod richtete er sich mit bemerkenswerten Worten an die Zuschauermenge:

"You people know this is wrong! I don't expect you to stop it, but I do expect you to remember it! We're being put to death because Randall Flagg is afraid of us! He's afraid of us and the people we came from! Remember the way we die! And remember that next time it may be your turn to die this way, with no dignity, just an animal in a cage!"

Er war bereit, sich zu opfern, und er hatte bereits vorher Opfer gebracht. Er hatte Lucy und Joe verlassen, um sich auf seinen letzten Weg zu begeben, und dann musste er sich von Stu trennen, der „auf dem Weg gefallen“ war, genau wie es die Prophetie angekündigt hatte. Wie tobte und wütete er, als Stu verunglückte. Er schrie seinen Zorn hinaus,
Ich meine noch heute, dass es besser ist, Gott zu sagen wie stinksauer man ist, als so zu tun, als wäre alles in Butter...
Larry Underwood ging seinen letzten Weg nicht leichtfüßig. Es fiel ihm schwer, er zögerte, er war wütend, auch auf Gott und seine Prophetin, aber trotz seiner Wut und Enttäuschung ging er schließlich weiter. Er blieb sich treu, ein Mann, der zu seinem Versprechen stand, wenn er es einmal gegeben hatte.

Ich werde Larry Underwood nie vergessen, in meinem Herzen hat er einen festen Platz. Wir alle würden heute unter der Herrschaft von Randall Flagg leben, der rechten Hand Satans, wenn Larry Underwood – neben all den anderen echten Helden natürlich – nicht bis zum Ende durchgehalten hätte. Die Hand Gottes selbst griff ein, so dass wenigstens sein Tod nicht qualvoll war. Vergebens war er sowieso nicht.

P.S.: Sie möchten mehr über Larry Underwood erfahren? Es gibt ein Buch und einen sechsstündigen Film, beide erzählen auch seine Geschichte: Das Buch auf Deutsch // Das Buch auf Englisch // Der Film

Mittwoch, 25. Juli 2007

Nach dem Abkoten

Mancher populistische Politiker ruft nach der Abschaffung des Beamtentums. Deutsche Behörden sind jedoch unbedingt samt Personal erhaltenswert. Andernfalls müssten wir ohne all diese Erkenntnisse durch das Leben stolpern:
Besteht ein Personalrat aus einer Person, erübrigt sich die Trennung nach Geschlechtern. (Info des Deutschen Lehrerverbandes Hessen)

Eine einmalige Zahlung wird für jeden Berechtigten nur einmal gewährt. (Gesetz über die Anpassung von Versorgungsbezügen)

Ausfuhrbestimmungen sind Erklärungen zu den Erklärungen, mit denen man eine Erklärung erklärt. (Protokoll im Wirtschaftsministerium)

Der Wertsack ist ein Beutel, der auf Grund seiner besonderen Verwendung nicht Wertbeutel, sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt, sondern versackt werden. (Merkblatt der Deutschen Bundespost)

Ehefrauen, die ihren Mann erschießen, haben nach einer Entscheidung des BSG keinen Anspruch auf Witwenrente. (Verbandsblatt des Bayrischen Einzelhandels)

Der Tod stellt aus versorgungsrechtlicher Sicht die stärkste Form der Dienstunfähigkeit dar. (Unterrichtsblätter für die Bundeswehrverwaltung)

Stirbt ein Bediensteter während einer Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet. (Kommentar zum Bundesreisekostengesetz)

Welches Kind erstes, zweites, drittes Kind usw. ist, richtet sich nach dem Alter des Kindes. (Bundesanstalt für Arbeit)

Margarine im Sinne dieser Leitsätze ist Margarine im Sinne des Margarinengesetzes. (Deutsches Lebensmittelbuch)

Es ist nicht möglich, den Tod eines Steuerpflichtigen als 'dauernde Berufsunfähigkeit' im Sinne von §16 Abs. 1 Satz 3 EStG zu werten und demgemäß den erhöhten Freibetrag abzuziehen. (Bundessteuerblatt)

An sich nicht erstattbare Kosten des arbeitsgerichtlichen Verfahrens erster Instanz sind insoweit erstattbar, als durch sie erstattbare Kosten erspart bleiben. (Beschluss des Landgerichts Rheinland-Pfalz)

Die Fürsorge umfasst den lebenden Menschen einschließlich der Abwicklung des gelebt habenden Menschen. (Vorschrift Kriegsgräberfürsorge)

Gewürzmischungen sind Mischungen von Gewürzen. (Deutsches Lebensmittelbuch)

Persönliche Angaben zum Antrag sind freiwillig. Allerdings kann der Antrag ohne die persönlichen Angaben nicht weiter bearbeitet werden. (Formular in Postgirodienst)

Nach dem Abkoten bleibt der Kothaufen grundsätzlich eine selbstständige bewegliche Sache, er wird nicht durch Verbinden oder Vermischen untrennbarer Bestandteil des Wiesengrundstücks, der Eigentümer des Wiesengrundstücks erwirbt also nicht automatisch Eigentum am Hundekot. (Fallbeispiel der Deutschen Verwaltungspraxis)
Was wäre das für ein Leben, hätten wir nicht unsere Beamten und ihre Amtsstuben. Also, liebe Politiker, pflegt sie schön weiter, wir brauchen solche Aufklärung auch in Zukunft.

Dienstag, 24. Juli 2007

Party geplant, keine Ideen für's Programm?

Falls jemand unter meinen Leserinnen und Lesern eine gemütliche Party plant, aber nicht so recht weiß, wie die Gäste angemessen unterhalten werden können: Es gibt eine Kombo, die auch bei privaten Feiern auftritt.

Allerdings sollte man sich wohl vorher den letzten Kontoauszug noch mal anschauen, denn die vier alten Herren möchten natürlich ein angemessenes Honorar dafür haben, dass sie ihre Instrumente in die Hand nehmen.

Rolling Stones Play Private Deutsche Bank Gig, Paid $67,500 A Minute

Na denn prost, Deutsche Bank!

Mörderische Pilze und schwäbische Tomaten

Im Auto bat ich neulich Teresa (14) auf dem 20minütigen Weg zur Oma, doch mal ihren MP3-Player an meinen FM-Transmitter zu klemmen und mich ein wenig an ihrer Musik teilhaben zu lassen. Ich habe mich prächtig amüsiert, denn ich bekam Killerpilze auf die Ohren. Bestimmt werde ich mir eine CD selbiger Band nicht zulegen, aber es war richtig witzig im Auto:

...Der letzte Sommer war komplett für’n Arsch und der davor genau so beschissen // Keiner hatte Bock mehr rauszugehen, denn die Sonne hat absolut gar nichts gerissen // Doch dieses Jahr wird alles besser, das haben die im Fernsehn gesagt // und die ham immer Recht...

Es nieselte kaltgrau gegen die Windschutzscheibe, während diese tiefschürfenden Erkenntnisse gesungen wurden.

...Jedes mal, wenn ich bei dir bin, schaltest du das Radio ein // Immer dann, wenn ich dich küssen will, lass ich es lieber sein // Sie spielen überall dasselbe: Pocher´s neues Lied // Ich hör’ US5 und Melanie C, nur die Ärzte hör' ich nie // Und darum tret’ ich dein Radio ein // Und darum hack ich dein Radio klein. // Und darum schmeiß ich dein Radio an die Wand. // Und darum zünd ich dein Radio an...

Die Ärzte höre ich auch nicht mehr, Melanie C und US5 sind nicht mein Geschmack – recht haben diese musizierenden tödlichen Gewächse! Wie gesagt, empfehlen mag ich die CD niemandem, jedoch: Richtig unterhaltsam war die Fahrt von Lichterfelde nach Lichtenrade, und ohne Teresas MP3-Player hätte ich (52) nie erfahren, dass es mörderische Pilze gibt, die man nicht essen, sondern hören kann.

Ich kannte auch toolsANDtomatoes nicht, als mir die aktuelle CD ready to leave zur Rezension auf Glaube.de zugeschickt wurde. Ich hörte die fünf Lieder, hörte sie noch mal, und fragte mich, wie ich denn wohl eine Verbindung zwischen solchen Texten und dem Glauben herstellen sollte. Denn toolsANDtomatoes nennt sich eine „christliche Band“, was die Killerpilze nicht von sich behaupten. Die werkzeugeUNDtomaten singen:

... i met him at the station, staring at the rain // he had worn-out shoes, a fucked up suit and was waiting for the train // his look was sad and blue, tell me was it pain? // the train arrived, he stepped inside - only thoughts remain // he seemed dissatisfied. something was not alright...


Man hört schwäbischen Tonfall, was ja ganz reizvoll sein kann. Die Band kommt aus Süddeutschland, singt Englisch und hält musikalisch wenig von Weichspülmitteln. Die Texte klingen meinen von Bob Dylan und anderen Meistern des gesungenen Wortes verwöhnten Ohren etwas hölzern, nach dem Motto „reim dich oder ich hau dich“ geschrieben. Zugegeben, als Teenager habe ich auch Texte verfasst, die mir heute peinlich wären. Und die toolsANDtomatoes sind noch jung, sehr jung. Vielleicht reichen die Sprachkenntnisse der Tomaten in ein paar Jahren ja zu lyrischeren Lyrics...

...baby i am not your darling // kiss my ass goodbye // better stop before we start it // it's not worth a try...


Kann man das in irgend einer Weise mit „christlich“ in Verbindung bringen? Die Antwort ist ganz simpel: Nein. toolsANDtomatoes macht, so die Selbstauskunft, „keine Jungschar-Jesus-ist-toll-Liedchen“, sondern zeitgemäße und laute Musik. Darüber mag ich mich nicht beklagen, denn ich schreibe selbst nicht nur Texte über die Bibel und „fromme“ Themen, sondern auch Unterhaltung, die nichts will, als zu unterhalten.

Ich habe, da ich als Redaktionsmitarbeiter bei Glaube.de gewissen Konventionen unterliege, dennoch bei der Plattenfirma nachgefragt und freundlicherweise Auskunft von den Tomatenjungs aus dem Schwabenland erhalten:

Warum singt ihr nicht von Jesus? Warum nutzt ihr nicht die Möglichkeit der Bühne?

Wir sind fünf Freunde, die zusammen Musik machen. Das ist unser Hobby, welches einen sehr großen Zeitraum in unserem Leben einnimmt.
Wir sind zum Teil Christen und engagieren uns in unseren Gemeinden. Doch sind wir keine Missionare, die ihre Musik dafür benutzen, Zuhörer mit der frommen Keule zu bearbeiten und haben auch keine Berufung als Band dazu.
Wir wollen durch unser Verhalten auf, vor und hinter der Bühne zu Gesprächen anregen. Transparenz und das direkte Gespräch mit Menschen scheint uns - im Vergleich zur „Pauschalmission“ - der bessere Weg zu sein.
Wir haben etwas gegen fromme Heuchlerei und aufgesetztes missionarisches Gehabe. Es ist leicht, auf einer Bühne mit lauter Anlage und Mikrofon von Gott zu erzählen aber diese Gesprächssituation ist leider sehr einseitig. Wir versuchen statt dessen ganz einfach, unsere Überzeugung auf und hinter der Bühne ohne ständige Betonung der christlichen Wurzeln zu leben und dadurch Anlässe für Dialoge, beispielsweise über unser Glaubensleben, zu bieten. Menschen sollen an unserem Verhalten in allen Bereichen und im „realen“ Leben merken, dass etwas „dahintersteckt“. Eine Abschottung unter der frommen Käseglocke lehnen wir ab.


Eure neue CD hat keinen offensichtlich christlichen Bezug

„ready to leave“ ist Ausdruck unserer Erlebniswelt als Musiker, die sich auf den Weg gemacht haben, etwas zu erreichen. Die Texte beschreiben nicht die „heile Welt“ und wir spielen keine „Jungschar-Jesus-ist-toll-Liedchen“. Sie spiegeln das wieder, was wir erleben. Sie sind ehrlich und ganz nah an unserem Leben.
In „I don't want to wait“ geht es darum, dass man seine Zeit, die man als Mensch gratis zur Verfügung gestellt bekommt, optimal nutzen soll. Sie ist begrenzt und deshalb wertvoll. Viele Christen warten auf das ewige Leben und sehen das Diesseits nur als Durchgangsstation. Dem entgegen steht Lukas 19,11ff. Mit dem uns Anvertrauten sollen wir verantwortungsbewusst umgehen und etwas daraus machen.
„Not alone“ ist eine moderne Version des „Verlorenen Sohns“. Auch von der Gesellschaft verachtete Menschen werden von Gott geliebt und sie sind deshalb nicht allein. Die Frage ist, was gerade Christen konkret für solche Menschen tun.
„Paper and ink“ beschäftigt sich mit der Problematik Geiz und Reichtum. Auch diesem Song liegt die christliche Ethik zugrunde (vgl. Markus 10,17-27). Geld ist nicht das, was einen Menschen glücklich macht. Im Gegenteil: es trennt, macht einsam, schafft Neid.
„Friday“ ist ein exemplarischer Song über Sehnsucht nach Nähe und die alltäglichen Beziehungsschwierigkeiten, die jeder Mensch hin und wieder durchmacht.
Wir nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen, was wir denken. So ist „Goodbye“ entstanden - ein Song, der die Möglichkeit bietet, angestauten Beziehungsfrust mit der nötigen Portion Humor abzulassen.


So weit die Auskünfte der toolsANDtomatoes, und dem will ich gar nichts hinzufügen. Wer Musik mit frommen Texten hören will, wird mit dieser kurzen CD nichts anzufangen wissen. Wer Musik der härteren Gangart zu schätzen weiß und den Lyrics kein sonderliches Gewicht beimessen möchte, sollte ready to leave in Betracht ziehen, zumal die Scheibe nur 5 Euro kostet. Man kann in die Songs hineinhören, muss also keine Katze im Sack kaufen.

Hier geht es zur Webseite mit allerlei Schnickschnack und Infos: toolsANDtomatoes
Hier kann man toolsANDtomatoes probehören und gegebenenfalls bestellen: Tomatöser Webshop

Montag, 23. Juli 2007

Baby You're a Rich Man


Ich setzte heute die Betrachtung des Epheserbriefes fort. (Der Anfang ist immer noch und weiterhin hier zu finden: Geistlicher Kampf oder Krampf - Teil 1.)

Im zweiten Teil geht es unter anderem darum, woran Paulus die Gemeinde erinnern muss: Baby you're a rich man, but you need to grow up in order to receive and use what is already yours.

Würden wir ein Schwert in Kinderhände legen? Hoffentlich nicht. Würde Gott seine Waffenrüstung einem geistlichen Baby aushändigen? Kann ich mir kaum vorstellen. Geistliche Babys schreiben solche Sätze unter den Bekehrungsbericht einer jungen Frau: „Was mir augefallen ist , in meiner bibel steht nichts von wilder ehe ........“ (Wörtliches Zitat)
Wenn solche Kommentatoren eine scharfe geistliche Waffe statt mangelhafter Deutschkenntnis hätten... ich mag gar nicht an das Blutbad denken, das sie anrichten würden.

Neugierig geworden? Fein. Dann bitte hier entlang: Geistlicher Kampf oder Krampf - Teil 2

Nicht neugierig geworden? Schade. Morgen gibt's mörderische Pilze mit schwäbischen Tomaten, vielleicht ist das ja dann interessanter.


P.S.: Das Foto ist gegoogelt und siehe, es ward gefunden bei toyanet.pl, keine Ahnung was da so alles steht, ist nämlich Polnisch.

Sonntag, 22. Juli 2007

Das Wort zum Sonntag


Gehe ich richtig in der Annahme, dass bei den beiden bloggenden Pastoren, deren Posts ich regelmäßig lese, so gut wie jede Predigt mit diesen oder ähnlichen Worten beginnt? Die Herren Haso & Storch können eigentlich nach menschlichem Ermessen gar nicht anders in die Predigt einsteigen...

Samstag, 21. Juli 2007

Unser Spiegelbild

Negative Kritik hat ihr Gutes, wenn man sie ernst nimmt. Nicht immer ist es angebracht, sich der Meinung des Kritikers anzuschließen, aber die Beschäftigung mit einem Widerspruch bietet die Chance, in einen Spiegel zu blicken. Denn das, was man dort sieht ist das, was der Kritiker empfindet.

Christopher Hitchens, Kritiker der Religion, erklärt gerne und unermüdlich, warum zivilisierte Zeitgenossen Atheisten sein müssen. Ich fühle mich als gläubiger Mensch betroffen, denn was Hitchens empfindet, hat ursächlich etwas damit zu tun, wie Religion auf Aussenstehende wirkt. Er wirft alles in einen Topf, Islam, Buddhismus, Christentum... - da er Engländer ist, muss eigentlich vornehmlich das Christentum Ursache seiner Einstellung sein. Denn hätte er Christus kennen gelernt statt einer Religion, würde er so nicht denken. Ich zitiere hier Auszüge aus seiner Kolumne mit dem Titel Religion vergiftet die ganze Welt:

"Wir (Atheisten) haben es nicht nötig, uns jeden Tag, oder alle acht Tage oder an hohen Feier- und Festtagen zu versammeln, um unsere Gerechtigkeit zu proklamieren oder im Staub zu liegen wegen unserer Ungerechtigkeit. Wir Atheisten brauchen weder Priester noch irgendeine Hierarchie als Polizisten unserer Lehre."

Hitchens weiß nicht, dass ein Christ nicht wegen Ungerechtigkeit im Staub liegt, weil er durch das Opfer am Kreuz von aller Ungerechtigkeit befreit wurde. Er weiß auch nicht, dass Christen ihre Gerechtigkeit nicht proklamieren, sondern als Geschenk dankbar annehmen, statt damit zu prahlen. Es ist ihm auch unbekannt, dass Jesus Polizisten zwar liebt, aber in seiner Gemeinde keine vergleichbare Funktion für wünschenswert hält.

"Die Religion hat vor langer Zeit zum letzten Mal verständliche, edle oder gar inspirierende Worte gesprochen - es sei denn, sie hätte sich verwandelt in einen bewundernswerten, aber nebulösen Humanismus, wie es etwa bei Dietrich Bonhoeffer der Fall war, einem tapferen lutherischen Theologen, den die Nazis aufhängten, weil er sich weigerte, mit ihnen zusammenzuarbeiten."

Was Hitchens als nebulösen Humanismus wahrnimmt würde ich als Nächstenliebe bezeichnen. Woran mag es liegen, dass der Unterschied zwischen Humanismus und Nächstenliebe nicht erkennbar ist? Christus jedenfalls will, dass wir Nächstenliebe nicht predigen oder analysieren, sondern leben. Hitchens scheint solcher gelebten Liebe nicht begegnet zu sein.

"Zwar sind mache religiösen Apologien – man könnte Pascal nennen - auf eine beschränkte Art großartig, während andere – hier kommt man nicht umhin, den britischen Schriftsteller und Theologen C. S. Lewis zu nennen – eher dröge und absurd sind; doch haben alle etwas gemeinsam, nämlich die schreckliche Last, die sie tragen müssen. Wie anstrengend ist es doch, das Unglaubliche zu bekennen!"

Abgesehen davon, dass ich C. S. Lewis nicht als dröge empfinde, hat Hitchens natürlich recht, dass es anstrengend ist, Unglaubliches zu bekennen. Es sei denn, das Unglaubliche geschieht. Die Predigt des Evangeliums sollte eigentlich durch übernatürliche Bestätigung begleitet sein, so das Modell, das Christus seinen Nachfolgern als Auftrag nannte. Wenn das eine fehlt, ist das andere mühsam und unglaubwürdig. Hitchens hat leider das Unglaubliche nicht geschehen sehen.

"Wieviel Selbstliebe muss notdürftig kaschiert werden, um sich selbst als persönliches Objekt eines göttlichen Plans auszugeben! Wieviel Selbstachtung muss geopfert werden, damit man sich ständig im Bewusstsein der eigenen Sündhaftigkeit windet!"

Hitchens ist keinem Christen begegnet, der wie Paulus einem göttlichen Plan ohne jegliche Selbstliebe folgte. Er hat statt dessen zerknirschte, sich windende Menschen beobachtet, die ihre Sündhaftigkeit nie wirklich gegen die Gerechtigkeit in Christus eingetauscht haben.

"Und doch behaupten die Gläubigen, Wissende zu sein! Nicht nur Wissende, sondern Allwissende. Sie wissen nicht nur, dass Gott existiert und dass er die ganze Geschichte schuf und beaufsichtigt, sondern sie wissen auch, was „er“ von uns verlangt, von Diätvorschriften über Rituale bis hin zur Sexualmoral."

Wenn Religion als Katalog von Ge- und Verboten erscheint, ist die Freiheit in Christus verloren gegangen. Es ist etwas völlig anderes, ohne sexuelle Ausschweifungen zu leben, weil man ein erneuerter Mensch ist, als sich Zwängen gegen die nach wie vor vorhandene Lust unterzuordnen. Da ist die Reihenfolge vertauscht und heraus kommen diese sich windenden Gestalten. Hitchens hat wohl befreite Christen nicht getroffen. Die sehen das nämlich so wie beispielsweise Xavier Naidoo oder ich:
"Ich glaube an Jesus, aber nicht an die Kirche", sagte Xavier Naidoo in einem Interview mit der Bravo. "Religion ist das, was im Vatikan stattfindet - verbohrte Dogmen, Regeln, Heiligenverehrung und Marienbilder. Und ein Papst, der Kondome verbietet. Ich finde das schlimm, es sollte gar keinen Papst geben!" Naidoo lebt ohne Religion, aber mit der Bibel: "Ich habe einen Bibelkreis in Mannheim. Da treffe ich mich jeden Dienstag mit anderen Christen, und wir lesen gemeinsam in der Heiligen Schrift und diskutieren."

"Während ich diese Zeilen schreibe, und während Sie sie lesen, sind gläubige Menschen dabei, Ihre und meine Vernichtung zu planen und die Vernichtung all der schwer erkämpften menschlichen Errungenschaften, von denen ich gesprochen habe. Die Religion vergiftet alles."

Er hat völlig recht, der Christopher Hitchens. Die von ihm wahrgenommene und beschriebene Religion vergiftet alles. Es tut mir leid, dass wir als Christen offensichtlich ein solch jämmerliches Bild abgeben.

Man könnte als Christ darüber lamentieren, dass die "böse Welt" uns so sieht. Ich blicke lieber mit offenen Augen in ein solches Spiegelbild und versuche im Alltag, bei der Begegnung mit Atheisten, Moslems, wem auch immer, Christus sichtbar werden zu lassen. Ich glaube nicht an eine Religion, sondern ich kenne den, der unter anderem aus der Religiösität zu retten vermag.

Freitag, 20. Juli 2007

Hic Rhodus, hic saltus

Üblicherweise werden diese Worte von Aesop mit zweifelndem Unterton jemandem zitiert, der in der Regel dann mehr oder weniger beschämt von dannen zieht. Im Hinblick auf die Fabel, der sie entstammen, ist das ganz richtig so. Das ist Aesop Variante 1.

Gelegentlich sage ich mir selbst diese Worte, allerdings aus dem Grund, dass ich mich vermehrt oder neu anstacheln will: Was auf Rhodos funktioniert hat, geht auch hier. Aesop Variante 2.

Es begeistert mich, Gottes Wirken heute zu sehen, denn es zeigt, dass der gleiche Gott der Apostelgeschichte im Jahr 2007 tätig ist. Was mich wenig begeistert ist die Tatsache, dass wir hierzulande kaum etwas davon sehen.

In Barsilien tobt die Erweckung. Zehntausende strömen zu Gottesdiensten zusammen, Millionen feiern Anbetungsveranstaltungen. In Brasilien ist der Glaube an Heilungen und Wunder groß - genau deshalb geschehen so viele, meinen manche Beobachter. Inzwischen ist ein Erweckungs-Tourismus ausgebrochen:

This is the cutting edge of Christianity -- dozens of Christians paying thousands of dollars to come thousands of miles just to pray for healing for people in a foreign land." berichtet Paul Strand für CBNNews.
(Dutzende Christen zahlen tausende Dollars um tausende Meilen zu fliegen, damit sie in einem fernen Land um die Heilung von Menschen beten können.)

Nun gut, wenn man etwas von den Gläubigen in Brasilien lernen kann, warum sollte man, Zeit und Geld vorausgesetzt, nicht hinfliegen. Oder nach Afrika und Indien, auch dort kann man Gottes übernatürliches Wirken hautnah miterleben. Zweifellos tut uns das gut.

Es gibt auch die andere Variante: Gastredner werden nach Deutschland eingeladen, weil sie andernorts auf der Welt mit erwecklichen Vorgängen verbunden sind. Auch das ist nicht grundsätzlich verkehrt, sondern man kann von solchen Dienern Christi sicher einiges lernen. Nur stellt sich dann oft heraus, dass der erhoffte Durchbruch wieder mal ausbleibt. "Hic Rhodus, hic saltus", heißt es dann von den Kommentatoren in der vorwurfsvoll ungläubigen Aesop Variante 1. Das ändert nichts am vorhandenen Ergebnis: Der andernorts erfolgreiche Evangelist bringt hierzulande nur eine Handvoll Menschen ins Reich Gottes, begleitende Zeichen und Wunder sind eher von der unscheinbaren Art.

Woran mag das liegen? Ist unser Land Gott weniger Segen wert als andere Nationen oder Erdteile? Oder liegt es an uns? Sind wir zu aufgeklärt, zu gebildet?

Afrikaner, Brasilianer und Inder aus dem "gemeinen Volk" haben uns eins voraus: Sie können weniger Dinge wissenschaftlich erklären als wir und trauen einem Gott, von dem es heißt, er sei allmächtig, alles zu. Sie beobachten, wie jemand seine Krücken wegwirft und bezweifeln nicht, dass er vorher gelähmt war. Statt dessen glauben sie, dass Gott das gleiche auch für sie tun kann und will.
Das ist mein persönliches, das anstachelnde "Hic Rhodus, hic saltus!" Ich will lieber afrikanisch / indisch / brasilianisch glauben als deutsch. Oder wie die Leute in Redding. Aesop Variante 2.

Ein Leser hat mich letztes Jahr ersucht, meine Heilung vom Krebs mit ärztlichen Gutachten zu beweisen, bevor er dem Bericht glaubt. Er leidet heute noch.
Ein anderer Leser hat meinen Bericht gelesen und sich gesagt: Was Gott für Günter J. Matthia getan hat, wird er auch für mich tun. Er wurde und ist bis heute gesund.

Beider Männer habe ich nie kennen gelernt, ich weiß nur auf elektronischem Wege von ihrem Ergehen. Der gleiche Bericht, aber unterschiedliche Aesop-Varianten mit unterschiedlichem Ergebnis.

Die Aesop Variante 1 verbaut den Weg in die Zukunft. Die Bibel nennt das "Zweifel" oder "Unglauben".

Die Aesop Variante 2 öffnet die Tür für Gott. Die Bibel nennt das "Vertrauen" und "Glauben". Finde ich irgendwie besser.

Donnerstag, 19. Juli 2007

Ich erteile zwei Verweise

In der Schule war ein Verweis nichts Gutes. Den bekam ich und musste dann die Unterschrift meiner Mutter einholen, damit die Lehrer auch sicher sein konnten, dass mein Fehlverhalten zur Kenntnis genommen worden war.

Auch nichts Gutes: Der Herr oben rechts im Bild ist der Rage Boy, er verweist den Westen, weil ein Koran ins Klo gefallen sein soll oder in Kopenhagen jemand lustige Bilder gezeichnet hat oder die Queen von England einen Schriftsteller adelt. Oder je nach Bedarf wegen vieler anderer Dinge.

Es gibt jedoch auch den anderen Verweis, den auf eine Quelle oder eine Stelle. Statt selbst etwas zu schreiben verweise ich heute meine Leser in diesem Sinne und halte es mit den beiden unten abgebildeten Herren in Prag. Sie schweigen und sind dabei rundum zufrieden, alle beide.


  • Verweis 2, für Leser, die immer noch den Medien ihre Bilder glauben: Der Rage Boy.

Und nun setze ich mich virtuell wieder auf die Bank in Prag zu dem freundlichen Herrn.


P.S.: Noch mehr Rage Boy Fotos und die Begleitumstände seines Demo-Tourismus auf Englisch gibt es hier: Snapped Shot
P.P.S.: Noch mehr Fotos der friedlichen Art gibt es durch Klick auf das Abbild der Herren, die auf der blauen Bank sitzen.

Mittwoch, 18. Juli 2007

Zusammenhänge

Die Google-Suche ist intelligenter, als ich angenommen hatte. Sie kann Zusammenhänge herstellen, die selbst dem Autor nicht eingefallen und aufgefallen sind. Eigentlich wollte ich nur wissen, wo der gestrige Beitrag binnen 12 Stunden schon überall gelandet ist, und fand dann unter anderem dieses Ergebnis:


Stimmt. Für Wunder ausserhalb der Kirchenmauern braucht man nichts als Liebe. Und dass Computer doof sind, kann (ver)stören, also liest man lieber nichts darüber.

Damit wiederum ist dem Eingangssatz dieses tiefsinnigen Beitrages widersprochen, denn die Google-Suche ohne Computer geht nicht, und wenn letztere doof sind, kann erstere nicht intelligent sein. Oder so ähnlich...

Dienstag, 17. Juli 2007

Wunder ausserhalb der Kirchenmauern

Storch hat heute - vielen Dank! - einen englischsprachigen Beitrag gebracht, den ich unbedingt sofort übersetzen musste, damit er auch von denen verstanden wird, die des Englischen nicht mächtig sind. Sprachlich könnte ich noch feilen, aber Rohkost ist ja auch ganz gut.
Bitteschön:


Stellen Sie sich eine Kirche vor, in der sich so viele Gläubige für Wunder begeistern, dass mehr Heilungen außerhalb der Kirche geschehen als in ihren Wänden.

CBNNews besuchte vor kurzem eine solche Gemeinde in Kalifornien. Das Faszinierende an der Bethel-Kirche in Redding: Viele Mitglieder erklären, sie seien zu dem Schluss gekommen, dass Gott mächtig durch sie wirken möchte - nicht nur durch den Klerus. Er möchte außerhalb der Kirchemauern und nicht nur in der Gemeinde etwas tun. Dies führt zu wunderbaren Momenten, in denen die Gemeindemitglieder erleben, wie Gott sie in Redding einsetzt.

Gemeindemitglied Bob Perry erzählt: "Was weit weg von der Kirche oder außerhalb ihrer Wände geschieht, das zeigt, wer wir sind." Perry war bei seiner Tochter Amy im Krankenhaus, nachdem sie sechs Wochen zu früh ihre Tochter Talyah zur Welt gebracht hatte. Man musste mit dem Schlimmsten rechnen, da das Baby mit einem Loch im Herzen geboren war und der Blutkreislauf nicht richtig in Gang kam. Eine Gebetkette der Gemeinde wurde eingerichtet, über die Stadt verteilt beteten die Gläubigen, während Bob und seine Tochter bei dem Neugeborenen standen und verzweifelt zu Gott flehten.
Dann rief der Doktor - ein Ungläubiger - plötzlich, während er ein Echokardiogramm vom Herzen des Babys durchführte: "Schauen Sie sich das mal an!"
Amy, ihr Vater und der Arzt beobachteten zusammen, wie das Loch im Herzen des Babys auf dem Bildschirm verschwand.
Der Mediziner war völlig hingerissen. "Schauen Sie sich das an, das Herz heilt hier vor meinen eigenen Augen!"
Einer der ärztlichen Berichte, bevor dies geschah, dokumentiert das Loch im Herzen Talyahs; ein späterer Report, nach der Heilung gefertigt, erwähnt diese Fehlbildung nicht, weil das Loch in der Tat völlig verschwunden ist.
Amy Goodall erzählt: "Der Doktor und wir alle konnten es auf dem Bildschirm beobachten, während es geschah."

Die Bethel-Gemeinde lehrt ihre Mitglieder, dass Gott so wirken möchte - mit großer Macht - um das Zeugnis seiner Leute zu bestätigen. Die Absicht Gottes war und ist, dass der Missionsbefehl nicht durch Worte alleine durchgeführt werden soll, sondern dass Kraft aus der Höhe das Zeugnis der Heiligen begleitet.
Die Gläubigen, erklärt Johnson, Senior-Pastor der Kirche, brauchen nur auf Jesus schauen. "Er wurde gesandt, um die Werke des Teufels zu zerstören, und dann wendete er sich an uns und sagte: "Wie der Vater mich sendete, sende ich euch." Es ist also überhaupt nicht kompliziert."

Vor zwei Jahren ging Chad Dedmon in ein Lebensmittelgeschäft in Redding, um Donuts zu kaufen. Er entschied sich, an der Kasse für eine Dame mit Hörgeräten zu beten. Sie wurde sofort geheilt. "Sie war auf einem Ohr 90 Prozent taub und ungefähr 85 Prozent auf dem anderen", berichtet Dedmon. "Ihre Hörfähigkeit wurde total wiederhergestellt. Sie fing an, zu weinen… die Kassiererin fing an zu weinen..."
Dann gab Dedmon auf Anregung der Kassiererin über die Lautsprecheranlage des Supermarktes bekannt: "Achtung, an alle Kunden! Gott ist hier und er möchte seine Gegenwart und seine Heilung manifestieren." Eine verkrüppelte Dame fuhr mit ihrem Rollstuhl zu Chad, damit er für sie betete. Sie wurde sofort geheilt.
"Sie steht auf", erinnert sich Dedmon. "und fängt an, durch die Gänge zu laufen und zu schreien: Jesus, hat mich gerade geheilt, Jesus hat mich gerade geheilt!"
Immer noch dort im Laden, betete Dedmon anschließend für einen Mann mit schrecklichen Schmerzen in seinen Handgelenken. Dedmon erzählt: "Auch er fängt an zu schreien, dass sie brennen wie Feuer. Ich sage, dass dies eine gute Hitze ist, …es ist gut. Und er ist völlig entgeistert und fängt plötzlich an zu rufen, dass die Schmerzen total verschwunden sind."
Dedmon fährt fort: "Er gab dem Herrn sein Herz, und da verstand ich, dass einfach das Königreich sichtbar geworden war und dachte, dass es vermutlich eine gute Idee wäre, nun den König vorzustellen."
Chad führte im Lebensmittelgeschäft sieben Leute zum Herrn. Er sagt: "Ich war tatsächlich so aufgeregt, dass ich erst zu Hause bemerkte, dass ich die Donuts im Laden vergessen hatte."

Chris Overstreet arbeitet häufig mit anderen Kirchemitgliedern unter Reddings Armen und Obdachlosen, den Aussenseitern der Stadt. Er gibt ihnen Essen, Freundschaft und betet für sie. Eines Tages im letzten Oktober ging er unter Pamela Mullikins Motelzimmer im zweiten Stock vorbei. Sie war sechsmal wegen schrecklicher Blutungen im Hospital gewesen, die Ärzte befürchteten, dass Krebs die Ursache sei. Pamela Mullikin erinnert sich: "Es war inzwischen einfach nur noch beängstigend."
Krebs ist ein besonderes Ziel von Pastors Johnson und der Kirche, weil er so weitverbreitet und tödlich ist.
"Es ist ein Goliath, der die Armeen des lebendigen Gottes verhöhnt. Und wir brauchen Davids, die Steine aufheben, das Ding verfolgen und aufhören, respektvoll von Krebs zu reden, wie er so mächtig sei. Krebs ist ein minderwertiger Name im Vergleich zum Namen Jesus", sagt Johnson.
Chris streckte einfach eine Hand empor, um zu beten, als er unter Pamelas Zimmer vorbei ging - und die Blutungen verschwanden. Sie berichtet: "Es hörte auf - kein Krebs mehr."

Bob Perry meint dazu: "Wir sehen täglich solche Dinge geschehen, dies ist wirklich das, was Gott tun möchte. Und es steht allen Christen zur Verfügung."
Pastor Johnson fügt an: "Das Königreich Gottes ist in dir, der Geist Gottes ist in dir, und er möchte sich zeigen."
Die Gemeindemitglieder schauen im Alltag nach Krücken, Rollstühlen, Hörgeräten aus - nach jedem möglichen Zeichen, dass Gott sie zu einer Person geführt hat, für die sie beten können.

Im Januar benutzte Gott diesen Instinkt in Heidi Propst, Mitarbeiterin der School of Ministry der Bethel-Gemeinde, um den einen Jogging-Pfad entlang humpelnden Jerry Thomas zu retten, statt ihn zu heilen.
Thomas berichtet: "Sie schaute rüber und schenkte mir ein wundervolles Lächeln. Ich vergesse nie das Lächeln, das ich bekam."
Heidi war anfänglich zu schüchtern um zu fragen, ob sie für Jerrys Bein beten könnte. "Ich war ziemlich ängstlich, aber ich entschied mich dann doch, dass ich es versuchen wollte", sagt sie. Thomas erinnerte sich: "Sie fragte: Kann ich für Sie beten?"
Gott heilte Thomas an dem Tag nicht, aber er fing an, in seinem Herzen zu wirken. Der 71jährige landete anschließend in Café der Kirche, wo Heidi ihn zur Errettung führte. Jetzt ist Jerry getauft und besucht die School of Ministry.

Eine der wirksamsten Lektionen von Kirchen wie Bethel ist, dass der professionelle Klerus in seiner Wirksamkeit begrenzt ist. Wenn das Königreich Gottes die Straßen erobert, die Geschäfte, die Häuser der Welt, wird der gesamte Leib Christi für die Tatsache erweckt, dass Gott jeden einzelnen als Diener haben möchte, jeder ist sein Zeuge, seine verlängerte Hand.


P.S.: Nicht nur in Amerika, auch hierzulande heilt Gott. Ein aktueller Bericht von Familie Koch als PDF.

Love is all you need

Also was soll ich dann mit einer Waffenrüstung?

Waffen sind für manchen Zeitgenossen anrüchig. Es gibt sie, aber selbst möchte man keine haben und fände es besser, wenn auch andere nichts besäßen, womit sie Menschen töten können. Ich gehöre zu denen, die keinen Revolver in der Schublade und kein Messer am Gürtel bereithalten. Anstatt zur Bundeswehr bin ich zum Zivildienst gegangen.

Und doch bin ich mit Kriegsgerät ausgerüstet: Ein Schwert, ein Schild, geeignetes Schuhwerk, Gürtel und Schutzkleidung für den Oberkörper. Sogar ein Helm ist dabei, trotz Vermummungsverbot.

Bevor nun jemand das BKA auf mich aufmerksam macht, sei angemerkt, dass es sich um eine Ausrüstung handelt, mit der ich gegen Menschen nicht vorzugehen beabsichtige.

Ich habe kürzlich einen kleinen Impuls geschrieben, der den Titel „Der Scheinlöwe“ trägt. Er war als Ermutigung für Menschen gedacht, und wurde auch, wie mir Zuschriften zeigten, so verstanden. Ich wurde aber gleichzeitig von Lesern missverstanden, die meinten, ich schriebe über dämonische Belastung, Befreiungsdienste und geistlichen Kampf. Nein, das war nicht der Inhalt beim „Scheinlöwen“. Vermutlich habe ich nicht deutlich genug eine Abgrenzung der Themen vorgenommen.

Hier geht es nun um die viel zitierte Waffenrüstung, die Paulus den Ephesern beschreibt. Es geht wiederum nicht um Befreiungsdienste und die damit zusammenhängenden Fragen.

Ich möchte gerne die Leserinnen und Leser, die es wünschen, an die Hand nehmen und anhand des Epheserbriefes erforschen, was es mit der Waffenrüstung eigentlich auf sich hat. Geistlicher Kampf - wann, gegen wen, mit welchen Zielen? Dabei beantworten sich dann einige Fragen von selbst. Zum Beispiel: „Warum erlebe ich keinen Sieg?“

Der Beitrag ist für den Blog viel zu lang, daher mögen sich interessierte Leser bitte auf diese Webseite begeben: [Geistlicher Kampf oder geistlicher Krampf?]

Montag, 16. Juli 2007

Computer sind doof!

Das behauptete in einem genialen Lied vor vielen Jahren die Band Spliff. Der Pro-Blog bringt heute zwei Nachrichten, die das bestätigen:

1. Mann wirft Computer aus dem Fenster
2. Ehepaar ist computersüchtig - Kinder vernachlässigt

Stimmt wohl irgendwie, was Spliff gesungen hat.

Feuertaufe / Peter Hoover: (Ver)störend - lieber nicht lesen!

Nach 43 Wochen Haft im Rathaus von Oetenbach gelang ihm die Flucht. Die reformierte Obrigkeit schäumte vor Wut. Speziell eingesetzte Täuferjäger führten Razzien in verdächtigen Häusern durch und machten den Gläubigen das Leben schwer. Schließlich fanden die Täuferjäger heraus, wo die Meylis lebten und stürmten mit dreißig Mann das Haus. Schwer bewaffnet brachen sie durch die Türen. Als sie feststellten, dass Meyli ihnen wieder entkommen war, verwüsteten sie die Räume. Dann nahmen sie seine beiden Söhne, Hans und Martin, gefangen. Martin war schon verheiratet und so ergriffen die Täuferjäger auch seine Frau Anna und legten sie in Fesseln. Ihr vierzehn Wochen altes Kind nahmen sie ihr weg und gaben es an »rechtgläubige« reformierte Christen.
Die Gefangenen wurden nach Zürich gebracht, dort verurteilt und inhaftiert. Den Männern nahm man die Kleider weg und kettete sie zwanzig Wochen am Steinboden fest. Man folterte sie mit Raupen und Spinnen. Sie bekamen gerade so viel zu essen und zu trinken, dass sie am Leben blieben. Doch die Gefangenen widerriefen ihren Glauben nicht.
Ich habe dieses Buch aus dem Englischen übersetzt und dabei manches Mal Tränen in den Augen gehabt. Ich musste mehrfach den Schreibtisch verlassen, zu erschüttert, um weiter zu arbeiten. Aus der Schulzeit wusste ich noch ganz vage etwas von der Geschichte von 1500 bis 1600, aber dass in unserem Land Menschen gefoltert und getötet wurden, aus solchen Gründen, von rechtgläubigen Protestanten und Katholiken, die plötzlich einen gemeinsamen Feind hatten, war mir unbekannt gewesen. Und was die Täufer wirklich wollten, wer sie wirklich waren, das hatte mir sowieso niemand beigebracht.
Das Buch hat ein katholisches und ein evangelisches Vorwort. Der katholische Theologe schreibt unter anderem:
Die katholische Kirche des 16. Jahrhunderts hat diese Täuferbewegung blutig verfolgt, im Zusammenspiel mit den Obrigkeiten fast vernichtet und schwere Blutschuld auf sich geladen. Die katholische Kirche des beginnenden 21. Jahrhunderts hat endlich die Begegnung gesucht, mit den Nachfahren dieser Täuferbewegung. Sie beginnt langsam zu entdecken, welche Erinnerungen noch zu heilen sind, welche Schuld abzutragen und welcher ökumenische Schatz noch zu heben ist.
Der evangelische Theologe erklärt in seinem Beitrag:
Als Christ in landeskirchlicher Tradition kann man diese Geschichte nur mit Entsetzen und voller Scham lesen. Besonders fassungslos hat mich gemacht, in diesem Erzählen zugleich die Stimme derer, die damals so grausam mundtot gemacht wurden, vielfältig und leicht verständlich vernehmen zu können: Warum hat man sie damals nicht gehört? Gewiss, ihre Stimme stiftet auch Unruhe, aber es ist eine heilsame Unruhe (Psalm 139, 21f).
Dies ist kein Buch für Menschen, die seichte Lektüre lieben. Es ist kein Buch für jemanden, der angenehm unterhalten werden will. Es ist auch kein Buch für Christen, die nicht bereit sind, ihrem eigenen Leben einen Spiegel vorzuhalten.

Wer aber bereit ist, sich verstören und in der Gemütlichkeit der frommen Nischen stören zu lassen, dem sei das Buch nachdrücklich empfohlen. Es hat das Potential, die Gemeinde Jesu Christi, evangelisch, katholisch, freikirchlich und freischwebend, zu entzünden. Der dabei entstehende Brand wäre ausserordentlich gefährlich für den Stauts Quo der Christenheit.

Mehr zum Buch, Leseproben sowie Bestellmöglichkeiten: Feuertaufe: Das radikale Leben der Täufer - eine Provokation

Samstag, 14. Juli 2007

5 Things I dig About Jesus


Ein Meme wird in der deutschen Bloggerwelt häufig als Stöckchen bezeichnet. Nun hat es auch mich erwischt: Ich bekam zuammen mit Don Ralfo dieses Thema zugeworfen, und zwar von Haso. Ich soll aufzählen: 5 Things I dig About Jesus.
Da das Original bei SmuloSpace in Englisch entstanden ist und der Urheber einen Link in seinen Kommentaren wünscht, antworte ich in selbiger Sprache mit deutscher Übersetzung.

1. Jesus did not come to call the righteous, but sinners to repentance - that's why I can be included in salvation / Jesus ist nicht gekommen, Gerechte zu rufen, dann hätte ich keine Chance gehabt, sondern Sünder, was mich einschließt.
2. Jesus is meek and lowly in heart: and I find rest unto my soul - I need that a lot / Jesus ist sanftmütig und von Herzen demütig, und ich werde Ruhe finden für meine Seele, die oft genug betrübt ist.
3. Jesus is with me alway, even unto the end of the world or my last day, whatever comes first / Jesus ist bei mir alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters oder meines Lebens, je nachdem,. was zuerst kommt.
4. Jesus is the bread of life: because I come to him daily, I never hunger; and because I believe in him, I never thirst / Jesus ist das Brot des Lebens. Da ich regelmäßig zu ihm komme, brauche ich nicht hungern, und da ich an ihn glaube, brauche ich nie Durst leiden.
5. Jesus is the light of the world: I follow him, therefore I shall not walk in darkness, but I shall have the light of life any given time / Jesus ist das Licht der Welt; da ich ihm nachfolge, brauche ich nicht in der Finsternis herumirren, sondern habe das Licht des Lebens jederzeit bei mir.

1: Mt 9,13 // 2: Mt 11, 29 // Mt 28, 20 // 4: Joh. 6, 35 // 5: Joh 8, 12

Anschließend soll der Blogger, das ist so Usus, Meme oder Stöckchen weiterreichen oder weiterwerfen. SmuloSpace ordnete an, dass man fünf andere Blogger bewirft oder beschenkt. Da ich als Neuling in der Bloggerparallelwelt allerdings noch wenig Kontakte habe, schließe ich mich gerne Hasos Ungehorsam an und beglücke nur zwei Menschen: Den Storch und Kerstin.

Freitag, 13. Juli 2007

Outing: Ich bin ein Fundamentalist

Ich habe nämlich ein Fundament.

Mancher Begriff verkommt im Laufe der Zeit und dank der Medien zum Schimpfwort. In seiner ursprünglichen Bedeutung geht der Begriff Fundamentalismus auf eine konservative
Reformbewegung gegen modernistische Tendenzen innerhalb des US-amerikanischen Protestantismus zurück.
Zwischen 1910 und 1915 verfasste eine Gruppe Geistlicher am Princeton Theological Seminary und dem Westminster Theological Seminary eine weit verbreitete Reihe von Traktaten (Auflage drei Millionen) unter dem Titel The Fundamentals: A Testimony to the Truth.
Als 1920 ein
sympathisierender Journalist, Curtis Lee Laws, die Verfechter der Reformbewegung fundamentalists nannte, bekam die Bewegung damit einen bleibenden Namen.

Die vier Fundamente der Bewegung waren:

1) Die buchstäbliche Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift und die Gewissheit, dass diese keinen Irrtum enthalten könne

2) die Nichtigkeit moderner Theologie und Wissenschaft, soweit sie dem Bibelglauben widersprechen

3) die Überzeugung, dass niemand, der vom fundamentalistischen Standpunkt abweicht, ein wahrer Christ sein könne

4) die Überzeugung, dass die moderne Trennung von Kirche und Staat immer dann zugunsten einer religiösen Bestimmung des Politischen aufgehoben werden muss, wenn politische Regelungen mit fundamentalen religiösen Überzeugungen kollidieren.

Meine vier Fundamente sehen so aus:

1) Die Heilige Schrift enthält keinen Irrtum.

2) Moderner Theologie und Wissenschaft widersprechen zum Teil der Bibel. Das dürfen sie, und müssen sie, soweit sie den Glauben ausklammern, aber ich schließe mich ihren Schlussfolgerungen nicht an.

3) Ich bin überzeugt, dass auch jemand, der vom fundamentalistischen Standpunkt abweicht, Christ sein kann, denn niemand, mich eingeschlossen, ist unfehlbar, unsere Erkenntnis ist Stückwerk. Errettet ist, wer das Evangelium - nämlich dass Gott in Menschwerdung, Tod und Auferstehung von Jesus Christus zum Heil der Welt gehandelt hat - hört und glaubt.

4) Ich bin überzeugt, dass die moderne Trennung von Kirche und Staat nicht aufgehoben werden muss, denn das Reich Gottes ist kein politisches Reich. Wenn das Reich Gottes sich ausbreitet, ändern sich „automatisch“ auch politische Dinge.

Ich stelle mich auf ein Fundament, das Bestand hat: Ich bin versöhnt, heilig und tadellos und unsträflich vor Gott, weil ich im Glauben gegründet und fest bleibe und mich nicht abbringen lasse von der Hoffnung des Evangeliums (siehe Kolosser 1, 22-23).

Wer kein Fundament hat, muss zusehen, dass er nicht jenem gleicht, der die Worte Jesu hört und sie nicht tut. Der wird mit einem törichten Mann zu vergleichen sein, der sein Haus auf den Sand baute; und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war groß (siehe Matthäus 7, 26).

Fazit: Ich bin lieber ein Mann mit Fundament als ein törichter Mann.

(Fundamentalismus Ursprünge und vier Fundamente von Wikipedia)

Donnerstag, 12. Juli 2007

Nobody told me...

Im Jahr 1984 beschwerte sich John Lennon posthum mittels einer Single, die ich für eine seiner besten halte:

Everybody's talking and no one says a word
Everybody's making love and no one really cares
There's nazis in the bathroom just below the stairs.

So weit, so schlecht. Wer mag schon Nazis im Klo gleich ein Stockwerk tiefer ertragen. Der Frust ging aber noch weiter.

Always something happening and nothing going on
There's always something cooking and nothing in the pot
They're starving back in China so finish what you got.

Das hatte mir meine Oma sinngemäß auch oft erzählt, nämlich dass in Afrika Kinder hungern würden und ich deshalb gefälligst meinen Spinat essen solle. Meine Bitte, doch den Spinat nach Afrika zu schicken, verhallte ungehört.

Nobody told me there'd be days like these
Strange days indeed!

Es gibt Tage, die mag ich nicht. Ich fühle mich nicht etwa krank, sondern einfach erschöpft, lebensunlustig, traurig, ohne dass es einen erkennbaren Grund gibt. Selbst wenn ich den Auslöser der trüben Stimmung kenne, hilft das in der konkreten Situation nicht weiter.

Was weiter hilft, kommt nicht aus mir heraus, sondern in mich hinein. Die Psalmen in der Bibel beispielsweise haben mich schon häufig aus days like these hinausbegleitet. Auch der König David hatte seine depressiven Phasen:

Meine Worte nimm zu Ohren, HERR, merke auf mein Seufzen! Sei mir gnädig, HERR, denn ich bin welk; heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind bestürzt. Meine Seele ist tief bestürzt. Aber du, HERR, bis wann -? Müde bin ich durch mein Seufzen; die ganze Nacht schwemme ich mein Bett, mache mit meinen Tränen mein Lager zerfließen. Warum, HERR, stehst du fern, verbirgst dich in Zeiten der Drangsal? Bis wann soll ich Sorgen hegen in meiner Seele, Kummer in meinem Herzen bei Tage?


Vielleicht sind kreative Menschen besonders anfällig, auch David war ja kein staubbehafteter Beamter sondern Dichter und Komponist, Baumeister und ausgelassener Tänzer. Viele großartige Kunstwerke sind von traurigen Menschen erschaffen worden, sei es in der Malerei, Literatur oder Musik. Man kann den Traurigkeiten, die ich hier meine, nicht den Weg verstellen. Aber wenn sie da sind, hat man die Wahl:

Will ich sie bewusst pflegen und nähren, bis aus grauen Schatten tiefes Schwarz wird? Sie kultivieren, bis sie mir über den Kopf gewachsen sind?

Oder will ich mich darum bemühen, dass aus dem dämmerigen Zwielicht ein Morgen wird statt einer Nacht. An den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen funktioniert nicht, aber die Hand ausstrecken wie David und sich hochheben lassen, das geht:

Woher wird meine Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird nicht zulassen, dass dein Fuß wanke. Dein Hüter schlummert nicht. Der HERR ist dein Hüter, der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand. Am Tag wird die Sonne dich nicht stechen, der Mond nicht bei Nacht. Der HERR wird dich behüten vor allem Unheil, er wird dein Leben behüten. Der HERR wird deinen Ausgang und deinen Eingang behüten von nun an bis in Ewigkeit.

Wenn ich mir solche Worte vorlese – also etwas ausspreche, was meinen Gefühlen im jeweiligen Augenblick überhaupt nicht entsprechen mag – dann erlebe ich, wie sich die Schleier wieder heben. Nicht sofort, aber in absehbarer Zeit. Mit Sicherheit.

Zur Nachahmung bei Bedarf empfohlen.

Foto: www.johnlennon.com

Mittwoch, 11. Juli 2007

Made, Menschensohn, Wurm

Der Vatikan hat ein Dokument publiziert. Nun bin ich schlauer: Meiner Ortsgemeinde, in der ich sonntäglich den Gottesdienst besuche, fehlt die „apostolische Sukzession im Weihesakrament“. Ohne sakramentales Priestertum gibt es jedoch keine „vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums“. Ergo gehöre ich keiner "Kirche im eigentlichen Sinne" an. Aha.

Der EKD-Ratsvorsitzende Huber kritisierte vor allem, dass das neue Dokument insbesondere den Kirchen der Reformation die Anerkennung als „Kirchen im eigentlichen Sinn“ erneut verweigere. Kardinal Karl Lehmann versuchte dagegen, die Wogen etwas zu glätten: Die Verlautbarung lasse grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern auch theologisch als Kirchen zu achten.

Ich frage mich, ob wir als Christen nichts Besseres zu tun haben, als die „apostolische Sukzession im Weihesakrament“ zu untersuchen. Diese Diskussion ist vollkommen unwichtig. So egal wie die "vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums". Im Berliner Jargon "schnurzpiepegal" - um nicht ein noch unfeineres Wort zu gebrauchen.

Man könnte sich zum Beispiel statt dessen fragen:

Wie wäre ein Mensch gerecht vor Gott, wie wäre rein der vom Weib Geborene? Siehe, selbst der Mond glänzt nicht hell, die Sterne sind nicht rein in seinen Augen, geschweige denn der Mensch, die Made, der Menschensohn, der Wurm.
(Hiob 25,4-6)


So wird ein Mensch gerecht vor Gott:

Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
(Johannes 1,12-13)


Das haben selbst viele Christen nicht begriffen, wie eine Studie der Barna Research Group zeigt, die über 6000 amerikanischen Christen im letzten Jahr folgende Frage gestellt haben: „Kann sich ein Mensch durch gute Taten den Himmel verdienen?“

"Ja“ antworteten, nach Denominationen geordnet:

Assembly of God 22%
Baptist 38%
Presbyterian 52%
Lutheran 54%
Episcopalian 58%
Methodist 59%
Roman Catholic 82%

Eine amerikanische Statistik, wohlgemerkt. Amerika gilt immer noch als fromm, die Menschen besuchen noch regelmäßiger Gottesdienste als die Deutschen. Wie würden die Antworten wohl hier ausfallen?

Hatte die Kirche nicht einmal einen Auftrag bekommen? Irgendwas mit "wie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch" oder "in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden" oder so ähnlich. Aber dazu sind wir viel zu beschäftigt. Wir müssen uns ja Gedanken machen, ob "die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern auch theologisch als Kirchen zu achten" sind.

Ich gehöre lieber zu keiner "richtigen" Kirche. Und wenn ich einer angehören würde, käme mir angesichts von Menschen, die das Evangelium noch nicht gehört haben und Gläubigen, die sich mit guten Taten Kredit bei Gott verdienen wollen eine solche Diskussion vermutlich ebenso [unfeineres Wort] vor.


(Anmerkung: Die Statistik und die beiden Bibelzitate habe ich beim Storch entdeckt, dem ich hiermit für den Impuls herzlich danke.)

Dienstag, 10. Juli 2007

Beängstigend gut

Angesichts der Testsucht bei einigen Bloggern - Beweis 1 / Beweis 2 / Beweis 3 - habe ich mich freiwillig als Versuchskaninchen einer weiteren Untersuchung unterzogen. Das Ergebnis war für den Urheber beinahe beängstigend:







Ich kann den Zwiebelfisch beruhigen, ich bin kein "Lehrer oder so was."
Die beiden fehlenden Punkte - nun ja, nobody is perfect. Die Einwohner von Ghana muss ich ja auch nicht unbedingt ordnungsgemäß benennen können, es reicht, wenn ich sie mag (wir haben welche in der Gemeinde). Und der andere Fehler? Da schweigt des Dichters Höflichkeit. Viel zu peinlich...

Wer traut sich an den Test? Hier ist er: Deutschtest Nummer 2

Damenunterwäsche


Eine Fundgrube für Menschen, die Bob Dylan mögen, war schon immer Expecting Rain. Gestern fand ich eine deutschsprachige weitere Fundgrube: Don't follow leaders - watch the parking meters. Da entdecke ich noch allerlei, was ich nicht wusste. Zum Beispiel:
Pressekonferenz 1965. Frage: »Mr. Dylan, würden Sie sich jemals für die Werbung verkaufen?«
Dylan (überlegt kurz):»Damenunterwäsche.« (Lachen)

Und jetzt haben wir den Salat: »one of the strangest marriages of art and commerce imaginable«, »The sellout sell-out of the week« - Bob Dylan tritt zum ersten Mal in seiner über 40jährigen Karriere in einem Fernsehspot auf, wo er, flankiert von Supermodel Adriana Lima, die neueste Unterbuxen-Kollektion aus dem Hause Victoria's Secrets anpreist. Von Bobby selbst gibt es wie üblich no comment.
Bestimmt nicht weltbewegend, aber liebevoll gestaltet, diese Fanpage, und wer His Bobness mag, wird sich dort kaum langweilen können. Hier geht's lang: Don't follow leaders - watch the parking meters

Getarnter Angriff auf Familien


Gender Mainstreaming

Der Begriff Gender Mainstreaming bezeichnet den Versuch, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen. Bekannt wurde Gender Mainstreaming insbesondere dadurch, dass der Amsterdamer Vertrag 1997 das Konzept zum offiziellen Ziel der EU-Politik machte. Das Ziel des Gender Mainstreaming wird von weiten Teilen des politischen Spektrums anerkannt und von der Bundesregierung unterstützt. Was aber ist das überhaupt?

Gender (engl. „soziales Geschlecht“): Der englische Begriff besitzt im Deutschen kein direktes Äquivalent und bezeichnet nach einer Definition des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechterrollen von Frauen und Männern: „Diese sind - anders als das biologische Geschlecht - erlernt und damit auch veränderbar.“ Das Wort ist für das grammatische Geschlecht im Englischen seit langem gebräuchlich.

Mainstreaming (engl. mainstream „Hauptströmung“; „zum Hauptstrom machen“, „in den Hauptstrom bringen“) bedeutet, dass eine bestimmte inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird.

So lässt sich aus Gender Mainstreaming die deutsche Übersetzung „Integration der Gleichstellungs-Perspektive“ oder „durchgängige Gleichstellungsorientierung“ herleiten.

Gegen Gleichstellung wäre ja an und für sich nichts einzuwenden. Jedoch verbirgt sich hinter diesem eher harmlosen Begriff „eine Art totalitärer Kommunismus in Sachen Sex und Geschlechterbeziehung“ (Zitat der Journalistin Bettina Röhl), von Frauenbevorzugung und Männerbenachteiligung. Ein tragischer Fall zeigt symptomatisch, was Gender Mainstreaming eigentlich will:

Bruce / Brenda / David

Bruce Reimer wurde als gesunder Junge zusammen mit seinem Zwillingsbruder Brian geboren. Im Alter von sechs Monaten stellte man eine Vorhautverengung fest und operierte sie knapp zwei Monate später. Die Beschneidung missglückte jedoch und sein Penis wurde irreparabel beschädigt. Seine Eltern entschieden sich daher auf Rat des Sexualwissenschaftlers John Money (ein vehementer Förderer des Gender Mainstreaming), das Kind als Mädchen aufzuziehen. Die noch vorhandenen Hoden wurden entfernt, und das Kind mit weiblichen Hormonen behandelt. Bruce wurde ab diesem Zeitpunkt Brenda genannt.

Money war von diesem Fall besonders begeistert, da der eineiige Zwillingsbruder Brian als Vergleich für die These dienen konnte, nach welcher ausschließlich die Erziehung in den frühen Lebensjahren für die Ausprägung einer sexuellen und geschlechtsspezifischen Identität eine Rolle spielt. Brenda wurde von Money als „normales, glückliches Mädchen“ beschrieben. Seine Familie und Freunde jedoch beschrieben ihn als ein zutiefst unglückliches Kind mit großen sozialen Problemen. „Schon als Kind riss er sich die Mädchenkleider vom Körper, Mädchenspielzeug interessierte ihn nicht“, berichtete die Mutter später.

Erst als es in der Pubertät, die durch künstliche Hormone ausgelöst werden sollte, zu einer Krise kam, erfuhr das Kind, dass es als Junge geboren worden war. Er ließ die Geschlechtsumwandlung rückgängig machen (so weit medizinisch überhaupt noch möglich), lebte ab sofort wieder als Junge und nannte sich David. Später heiratete er eine Frau und adoptierte deren Kinder.

David Reimer beging am 4. Mai 2004, im Alter von 38 Jahren, Suizid. Seine Mutter gab gegenüber der New York Times an, David habe wohl keinen Sinn mehr in seinem Leben gesehen, nachdem die Ehe gescheitert war und er seine Arbeitsstelle verlor. Außerdem war er über den Tod seines Zwillingsbruders Brian zwei Jahre zuvor nicht hinweggekommen, der am 1. Juli 2002 aufgrund einer Medikamentenvergiftung verstarb. Ob die Überdosis versehentlich oder in suizidaler Absicht genommen wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Davids Mutter sagte aber auch, dass sie glaube, dass ihr Sohn noch am Leben wäre, wenn er nicht das Opfer jenes unglücklichen Experiments geworden wäre, das bei ihm so viel Leid verursachte.

Aus Schaden klug?

Man sollte meinen, dass Gender Mainstreaming ein Hobby von wenigen extremen Wissenschaftlern und Demagogen wäre. Doch weit gefehlt. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, geführt von Gisela von der Leyen, hat Gender Mainstreaming zum vorrangigen politischen Ziel erklärt. Auf der offiziellen Homepage des Ministerium heißt es dazu: „Ohne eine Aufhebung der geschlechtsspezifischen Verantwortlichkeiten in Familie und Beruf und ohne das Bereitstellen der hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen ist Gleichstellung nicht durchsetzbar. Frauen wie auch Männer müssen in die Lage versetzt werden, einseitige Rollenbindungen aufzugeben und ihren eigenen Lebensentwurf zu verwirklichen.“

Die „hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen“ werden gelegt, ohne dass den Eltern dies in der Regel bewusst ist. Immer früher versucht der Staat, durch entsprechend ausgebildete Erzieher und Lehrer Einfluss auf die Kinder zu gewinnen während gleichzeitig das traditionelle Modell der Familie, in der eine Mutter ihr Kind während der ersten Jahre zu Hause betreut und erzieht, in Misskredit gebracht wird.

Es scheint, als haben die Politiker weder aus den Erziehungsexperimenten von 1933 bis 1945 noch aus dem Versuch, in einem Teil Deutschlands den „sozialistischen Menschen“ heranzuziehen, gelernt; von dem tragischen Schicksal David / Brenda / Bruce Reimer ganz zu schweigen.

Der Spiegel berichtete (1/2007) über ein Experiment in Berlin Marzahn. Dort wurde eine Projektwoche für Jungen durchgeführt, in deren Verlauf „Vorurteile abgebaut“ werden sollte. Am Ende, so die Veranstalter, sollte „die Erkenntnis stehen, dass sich Männer und Frauen viel weniger unterscheiden als gedacht.“ Einem Jungen, so steht es im Protokoll, warfen die Betreuer vor, nur so zu tun, als sei er ein Junge. „Einem Teenager die Existenz seines Geschlechtsteils abzusprechen“, so der Spiegel, „ist ein ziemlich verwirrender Anwurf, aber das nahmen die Leute in Kauf, ihnen ging es ja ausdrücklich um die Zerstörung von Identitäten, wie sie selbst schreiben.“

Das Projekt und der Verein „Dissens“, der es durchführte, wurden mit staatlichen Geldern großzügig gefördert, denn er setzte praktisch um, was die Politiker sich wünschen: Jungs früh zu Kritikern des eigenen Geschlechts zu erziehen.

Was ist das nüchtern betrachtet anderes als die aktive und bewusste Förderung von Homosexualität zu Lasten des biblischen Menschenbildes, in dem es Mann und Frau gibt, die für verschiedene, einander ergänzende Aufgaben geschaffen sind und sexuelle Erfüllung in der Ehe finden?

Wo bleiben wir Christen?

Die Debatte über Gender Mainstreaming verläuft häufig ohne Beteiligung von Kirchen und Gemeinden. Leserbriefe an die Presse, Beteiligung an öffentlichen Diskussionsveranstaltungen und Stellungnahmen sind von Christen selten zu finden – oder als solche nicht erkennbar. Liegt es daran, dass kaum Informationen über das Thema in christlichen Kreisen bekannt sind, oder daran, dass man nicht mit den Sprechern des Islam in Verbindung gebracht werden möchte, die öffentlich gegen Gender Mainstreaming zu Felde ziehen, oder einfach daran, dass man meint, politische Themen seien nichts für Gläubige?

Sollten wir uns nicht vermehrt einmischen? Es sind unsere Kinder, Mädchen und Jungen, die bereits in den Kindertagesstätten und erst recht in den Schulen zu Menschen erzogen werden sollen, die „das eigene Geschlecht in Frage“ stellen. In einer Studie am Andreas-Gymnasium in Berlin Friedrichshain gaben im Schuljahr 2002/2003 nach einem Projekttag 440 Mädchen und 410 Jungen ausgefüllte Fragebögen zum Thema Homosexualität ab. Die Auswertung der Studie (gefördert von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin) stellt fest: „Auch ein Blick auf die Schülerantworten zu dieser Frage macht deutlich, dass bei einem großen Teil unserer Schülerschaft nach wie vor ein Bedarf an Bildung besteht.“ Diese Schlussfolgerung zogen die Betreiber aus den Antworten der Schülerinnen und Schüler, die Homosexualität zu 23,5% als „abartig“ empfanden. Vermutlich besteht erst dann kein „Bedarf an Bildung“ mehr, wenn 100% der Schülerinnen und Schüler von der Richtigkeit der gleichgeschlechtlichen Sexualität überzeugt sind.

Die Studie kommt schließlich zu einem Fazit: „Jungen und junge Männer stehen der Thematik weniger tolerant und durchweg ablehnender gegenüber als ihre gleichaltrigen Mitschülerinnen. Hier werden u. E. auch bei unseren männlichen Schülern Ängste deutlich, die sich u.a. auf mangelnde Kenntnisse und einem nach wie vor falschem Rollenverständnis gründen. ... Obwohl seit einigen Jahren entsprechende Bildungsinhalte in den Lehrplänen der Berliner Schule zu finden sind, mangelt es nach Ansicht der Teilnehmer immer noch an der Umsetzung im konkreten Unterricht.“

Frau von der Leyen hat ein erklärtes Ziel: „Die Aufhebung der geschlechtsspezifischen Verantwortlichkeiten in Familie und Beruf.“

Wer formuliert öffentlich biblische Werte und Ziele?

Materialquellen: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend / Wikipedia / Christliches Medienmagazin Pro / Der Spiegel 1/07 / Studie am Andreas-Gymnasium Berlin „Homosexualität und Schule

Sonntag, 8. Juli 2007

Äußerlichkeiten

Seht doch auf das, was vor Augen ist! (2. Kor. 10, 7)




Die Webseite hat ein neues Design bekommen. Besser? Schlechter? Egaler?

Kommentare sind willkommen.

Freitag, 6. Juli 2007

Secrets lead to sin

Ich lese gerade ein altes Buch, kürzlich auf einem Bücherbazar für einen Euro erstanden, das die Kurzgeschichten von Graham Greene enthält. Die Lektüre macht Spaß. Manchmal entschlüpfte dem Autor eine Weisheit wie diese aus The Root of All Evil:

'Original sin gave man a tilt towards secrecy,' he would say. 'An open sin is only half a sin, and a secret innocence is only half innocent. When you have secrets, there, sooner or later, you'll have sin.

Erinnert mich an die Sprüche Salomos: Besser offene Rüge als verborgen gehaltene Liebe. (27, 5)

Donnerstag, 5. Juli 2007

Musikalische Theologie

Es gibt Stimmen, die polarisieren. Der eine liebt sie, der andere hasst sie. Der von mir sehr gern gehörte Nick Cave wäre so ein Beispiel, und auch Sinéad O'Connor gehört dazu.
Meine Frau kommentierte mal im Auto, als wir auf einer Landstraße in Kansas unterwegs waren:
"I just can't stand her voice, no matter what words she sings."
Wir hörten gerade I believe In You, einen Song von Bob Dylan in der Version von Sinéad O'Connor. Der Friede im Auto wurde durch Wechseln des Tonträgers wiederhergestellt, denn es gibt reichlich Musik, die wir beide mögen, von Eric Clapton über Dr. Hook bis Ringo Starr.

Doch zurück zur musikalischen Theologie. Der Titel der CD ist irreführend, denn die Sängerin versucht sich nicht als Theologin, sondern singt (überwiegend) Texte aus der Bibel. Psalmen und anderes aus dem Alten Testament.
Sinéad O'Connor will auf diesem Album keine Theologie betreiben, den Zuhörer nicht anpredigen oder belehren, sondern:
'Theology' is an attempt to create a place of peace in a time of war. It is my own personal response to what has taken place and is affecting everyone around the world since and including September 11, 2001. I simply wanted to make a beautiful thing which inspires me.
Ich meine, dass ihr genau das gelungen ist. A beautiul thing. Man kann, wenn man bezüglich der Stimme unsicher ist (siehe der Kommentar meiner Frau), bei Amazon in die Songs hineinhören: Theologie bei Amazon.

Mittwoch, 4. Juli 2007

Nicht ohne Bedenken...

...nehme ich irgendwas zurück, ließ Loriot den SPD-Mann in der Bundestagsrunde sagen, weil sonst der Herr von der CDU - oder war es die CSU? - das Studio verlassen hätte. Nein, es war der CDU-Vertreter. Sein Kollege von der CSU sagte ja fast nur: "Wos bün i? Göll!" Doch ich schweife ab...

Nicht ohne Bedenken gebe ich meinen Leserinnen und Leser die Einladung zum Sommerfest unserer Gemeinde am nächsten Sonntag bekannt.

Die Bedenken rühren aus der Kindheit und frühen Jugend her. Es war in unserer Familie grundsätzlich alles verpönt, was mit Magie oder Zauberei zu tun hatte, und sei es auch nur dem Namen nach, nicht inhaltlicher Natur. Beispielsweise der Song Magic Carpet Ride, den durfte ich nur auflegen, wenn meine Mutter ausser Hörweite war. Oder Magical Spiel von Barry Ryan. Oder die Magical Mystery Tour...

Und nun lese ich auf der Programmankündigung zum Sommerfest meiner evangelisch freikirchlichen Gemeinde "Gospelmagic mit El Benjamino". Selbiger, so entzaubert die Internetrecherche, heißt eigentlich Benjamin Stoll. Er ist ein "christlicher Zauberkünstler", was immer das auch sein mag. Für meine Mutter wäre schon das ein Widerspruch in sich gewesen. Und - mit Verlaub - Gospel und Magic zusammenzufügen erscheint mir bedenklich, selbst wenn es stimmt: Name ist Schall und Rauch

Ich freue mich, wenn das Sommerfest viele Besucher hat, aber ich will es aufgrund meiner Prägung in Kindheit und Jugend nicht versäumt haben, die geschilderten Bedenken anzumelden. Don't say I didn't warn you!

Foto: Von der Webseite besagten Zauberers

So lange der Vorrat reicht

Die erste Auflage meines Buches "Es gibt kein Unmöglich!" ist seit mehreren Jahren vergriffen. Jedoch: Kürzlich ist ein Restposten aufgetaucht, der gut abgelagert aber ungelsen darauf wartet, Leserinnen und Leser zu finden.

Für nur fünf Euro kann jedermann und jedefrau das Buch bei mir bekommen, Porto inbegriffen. Einfach eine Mail mit Namen und Versandadresse abschicken, dann geht die Post ab. Noch bevor die fünf Euro bei mir gelandet sind, denn Kerstin sagt: Wer fromme Bücher klaut, ist selber schuld.

Ein frommes Buch? Ja. Und nein. Oder vielleicht. Möglicherweise zum Teil. Hier gibt es Informationen und Leseproben, denn wer kauft schon gerne die Katze im Sack?