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Freitag, 18. November 2011

Moderne Psalmen 9: Nick Cave & The Bad Seeds

Bereitet euch auf Liebe vor! Preist ihn!
Bereitet euch auf Liebe vor! Preist ihn!
Vor allen Dingen geschieht niemals besonders viel, Gott ist weit oben über dem normalen Himmel unterwegs,bis wir uns irgendwann so sehr abgelenkt haben, dass das versprochene Wunder leise an uns vorüber geht.
Jeder Junge, jedes Mädchen sei angesprochen,
rings um die Welt erschallt der Ruf:
Bereitet euch auf Liebe vor! Preist ihn!
Bereitet euch auf Liebe vor! Preist ihn!
Die Machthaber winken mit ihren Taschentüchern aus ihren hohen Palastfenstern, verteilen Betrübnis und Freude in haltbarer Dosierung.
Wir aber suchen oben und unten gnadenlos und ohne Tücke, während das Tor zum Königreich zuschwingt und sich schließt.
Jeder Junge, jedes Mädchen sei angesprochen,
rings um die Welt erschallt der Ruf:
Preist ihn, bis ihr vergessen habt, wofür ihr ihn preist!
Preist ihn, bis ihr vergessen habt, wofür ihr ihn preist!
Und dann preist ihn noch ein bisschen mehr.
Bereitet euch auf Liebe vor! Preist ihn!
Bereitet euch auf Liebe vor! Preist ihn!
Ich habe die Weltmeere abgesucht und unter den Teppich geschaut, sogar die Broschüren durchforstet, die mit dem Himmel zu tun haben.
Dann, als ich einfach gar nichts tat, mich nur entspannte und aufsah, brannte Sein Gesicht auf der Netzhaut deiner Augen.
Jeder Junge, jedes Mädchen sei angesprochen,
rings um die Welt erschallt der Ruf:
Bereitet euch auf Liebe vor! Preist ihn!
Bereitet euch auf Liebe vor! Preist ihn!

Hier geht es zum Musikvideo:


https://youtu.be/7V97ahVeoas

Montag, 6. April 2009

Moderne Psalmen 7: U2

Magnificent!

Auf dem aktuellen Album »No line on the horizon« findet man diesen Psalm von U2, der mir seit dem ersten Anhören der CD im Kopf und Herzen geblieben ist. Mit »Lobpreismusik« im gängigen Sinne kann ich meist eher wenig anfangen, aber mit diesem Lied gelingt es auch mir, den Herrlichen singend zu verherrlichen.

Hier meine Übertragung des Liedes »Magnificent« in unsere Sprache:
Wunderbar, o wunderbar!

Ich wurde nur geboren, um mit Dir zusammen zu sein, in diesem Leben, dem Hier und Jetzt und dann in alle Ewigkeit.
Ich war unerfahren, unterbrach aus Unwissenheit den Reim - solche Narrheiten können ein Herz verfinstern und Trauer anrichten.

Nur die Liebe, nur die Liebe kann solch einen Eindruck hinterlassen, aber nur die Liebe kann eine solche Narbe heilen.

Ich wurde nur geboren, um für Dich zu singen, mir blieb keine Wahl, als Dich zu erheben und jedes Lied zu singen, das Du von mir haben willst.
Ich übereigne Dir erneut meine von Dir geschenkte Stimme, vom ersten Schrei im Mutterleib an waren es frohe Klänge.

Nur die Liebe, nur die Liebe kann solch einen Eindruck hinterlassen, aber nur die Liebe kann eine solche Narbe heilen.

Gerechtfertigt bis zum Tag unseres Todes werden wir den Herrlichen verherrlichen.

Nur die Liebe, nur die Liebe kann solch einen Eindruck hinterlassen, aber nur die Liebe kann unsere Herzen befreien.

Gerechtfertigt bis zum Tag unseres Todes werden wir den Herrlichen verherrlichen.

Wunderbar, o wunderbar!
Das Album gibt es derzeit für 4,89 Euro als Download im neuen Musik-Download-Portal und natürlich als »richtige« CD bei Amazon.

Hier eine Version von »Magnificent« aus dem US-Fernsehen:

Montag, 9. Februar 2009

Moderne Psalmen 6: Söhne Mannheims

Am vergangenen Samstag unterbrach ich die Arbeit für ein Stündchen, um auszuruhen und aufzutanken. Das gelingt mir in der Regel hervorragend mit Musik per Kopfhörer, auf dem Sofa liegend, auch bei dieser Gelegenheit war es nicht anders.
Ich wählte aus der »Wettsingen in Schwetzingen«-DVD, die zum vergangenen Weihnachtsfest den Weg in meine Sammlung gefunden hat, den Abschnitt der Söhne Mannheims. Der letzte Titel des Konzertes lautet »Was wird mich erwarten«, und ich finde, er passt ganz hervorragend in die Sammlung moderner Psalmen auf diesem Blog. Bitteschön:
Der Mensch:
Ich hab mir vieles angesehen, ich konnte vor Schmerzen nicht mehr gehen.
Ich bin gefallen und ich durfte wieder aufstehen.
Mit Sicherheit kann ich sagen: Ich wurde getragen,
mit Sicherheit wären wir nicht hier, und ein Teil des Grundes liegt bei dir!
Ein Blick auf die Berge, ein Blick übers Meer,
ich muss es dir sagen: Ich liebe dich sehr!
Ein Schöpfer, eine Liebe, das ist alles was wir haben.
Also heilen wir unsere Wunden, heilen wir unsere Narben.

Der König:
Was wird mich erwarten wenn ich wiederkomm?
Wenn ich wiederkomm, bist du hier?
Was wird mich erwarten wenn ich wiederkomm?
Wenn ich wiederkomm, komm ich zu dir.

Der Mensch:
Wir teilen uns ein- und dieselbe Liebe, wir nehmen, was wir kriegen können, wie Diebe.
Jeder Tag wird gefüllt davon, nimm was du brauchst, und dann geht das schon.
Vergiss es nicht, diese Liebe bleibt bestehen.
Wenn du wach bleibst wirst du -
wenn du wach bleibst wirst du -
wenn du wach bleibst wirst du Freudenboten sehen!

Der König:
Was wird mich erwarten wenn ich wiederkomm?
Wenn ich wiederkomm, bist du hier?
Was wird mich erwarten wenn ich wiederkomm?
Wenn ich wiederkomm, komm ich zu dir.

Der Mensch:
Ich pack mein Sachen, yes, ich hauen ab!
Ich hab keinen Bock, ich hab this satt!
Ich hab Kopfschmerzen, ich bin oberplatt.
Egal was passiert, ich hab dich geliebt,
Zu viel Stress, zuviel this greed.
das werden wir jetzt... ich glaub an Mama.
Nix geht klar, nix ist wunderbar.
Nehm ich an, es ist nur ein Test?
Ziemlich narrow road and it is under stress.
Sons of Mannheim, they're right in conquest.
Marlon B will be put up some rest
Anyway we saw it, we agree it's some test...

Der König:
Was wird mich erwarten,
was wird mich erwarten,
was wird mich erwarten wenn ich wiederkomm?
Was wird mich erwarten,
was wird mich erwarten,
was wird mich erwarten wenn ich wiederkomm?

Was wird mich erwarten, wenn ich wiederkomm, wenn ich wiederkomm?
Was wird mich erwarten wenn ich wiederkomm, komm ich zu dir!

Zu dir, zu dir, zu dir, zu dir, zu dir, zu dir, zu dir.
Hier das Video auf YouTube:



P.S.: Der Kollege Marlon B ist etwas schwierig zu verstehen... - bei seinem Teil bin ich mir nicht ganz so sicher mit dem Text.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Moderne Psalmen 5: Wyclef Jean

Man hat so seine Lieblings-CDs und Schallplatten. Mir jedenfalls geht es so. Das sind solche, die auch nach Jahren regelmäßig immer wieder in Ruhe genossen werden.
Zu meinen bevorzugten Schätzen der Musiksammlung gehört »The Preacher's Son« von Wyclef Jean, seit Herbst 2003 in meinem Regal. In dem Song »Grateful« macht sich Wyclef Jean Gedanken über das, wovor er bewahrt wurde und darüber, was hätte sein können, wenn die Bewahrung nicht stattgefunden hätte. Als Jugendlicher durchaus auf der schiefen Bahn, hat er dann - nicht zuletzt durch die Arbeit mit den Fugees - die Kurve gekriegt. Er sinniert darüber:
Vielleicht lag es an meiner Mutter, oder auch meinem Vater,
womöglich meiner Schwester, wahrscheinlich meinem Bruder.
Vielleicht war es die Kirche, es können auch die Straßen gewesen sein,
könnte sein, es war die Gitarre, oder die Jerry Wonder Beats.
Lag es am Geld, als ich keinen Pfennig hatte?
War es ein Ausweg, bevor ich kriminell wurde?
Es könnte Lauryn gewesen sein, vielleicht war es Pras -
wahrscheinlich der Blick in den Spiegel, aus dem mich tote Augen anschauten.
Womöglich war es Reggae, oder die Liebe zum Hip-Hop,
vielleicht meine Fans beim Konzert, die riefen »Hör nicht auf!«
Wahrscheinlich war es der Kampf, den alle Flüchtlinge erleben,
vielleicht auch die Werbung mit den Diamanten: bling bling ching ching, ring ring...
Meine Frau ruft an, vielleicht sollte ich nach Hause gehen,
aber die Musik lässt mich nicht los.
Vielleicht ist es alles, was ich weiß, zusammen. Was auch immer die Ursache war,
ich bin dankbar für das, was ich sein darf:
Ein Mann mit Gitarre, ein Typ von der Straße
ein Kerl mit einem Lied, ein Flüchtlings-MC
Wyclef Jean, ein lebenslanger Fugee,
Sohn eines Pastors, der erste, der sich aus dem Staub macht.
Ich bin dankbar, dass ich nicht erschossen wurde,
von der Polizei angehalten, aber sie fanden die Glock nicht,
W-Y-C-L-E-F, ich bin dankbar!

Ein Drogenteufel hätte mich gnadenlos töten können,
aber der Herr, der allmächtige Gott, hatte Erbarmen mit meiner Seele.
Es hätte wie bei Pablo sein können, dem König des Yayo,
oder ein hinkender Zuhälter, der schreit: »Ich mag keine solchen Typen!« und schießt. O nein!
Gott weiß warum, vielleicht wurde ich erwählt,
als Quelle der Inspiration für die nächste Generation?
Vielleicht ist es alles, was ich weiß, zusammen. Was auch immer die Ursache war,
ich bin dankbar für das, was ich sein darf:
Ein Mann mit Gitarre, ein Typ von der Straße
ein Kerl mit einem Lied, ein Flüchtlings-MC
Wyclef Jean, ein lebenslanger Fugee,
Sohn eines Pastors, der erste, der sich aus dem Staub macht.
Ich bin dankbar, dass ich nicht erschossen wurde,
von der Polizei angehalten, aber sie fanden die Glock nicht,
W-Y-C-L-E-F, ich bin dankbar!

Du kannst es schaffen, wie ich es geschafft habe!
Lass dir von niemandem etwas anderes einreden.
Wenn eine Tür sich schließt, ist eine andere offen,
viele wurden berufen, aber mein Volk ist auserwählt!
Vielleicht sollten wir alle immer wieder mal innehalten und uns Gedanken darüber machen, dass wir doch viel Grund zur Dankbarkeit haben...

Hier gibt es das Lied auf YouTube, von einer Malerin gestaltet:

Mittwoch, 14. Mai 2008

Moderne Psalmen 4: Van Morrison


Einer der bekanntesten Psalmen Davids versichert dem Zuhörer: »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.« Es ist die Rede vom »finsteren Tal« und vom Trost, der auch dort erreichbar sein wird.

Van Morrison greift diesen Gedanken auf und erweitert ihn in seinem Psalm um das Neue Testament, nämlich um die Vollmacht, die Jesus seinen Nachfolgern anvertraut hat:
Immer, wenn Gott sein Licht auf mich scheinen lässt, öffne ich die Augen, damit ich sehen kann.
Wenn ich in tiefster Nacht emporblicke, weiß ich, dass alles ein gutes Ende finden wird.

In tiefer Verwirrung, in großer Verzweiflung - wenn ich mich nach ihm ausstrecke, ist er da.
Wenn ich völlig einsam bin, weiß ich, dass Gott sein Licht auf mich scheinen lässt.

Streck dich nach ihm aus, er wird da sein. Ihm kannst du deine Sorgen mitteilen.
Wenn du so lebst, wie du es liebst, bekommst du den Segen von oben dazu.

Er heilt die Kranken, er heilt die Lahmen, er sagt: Das kannst du auch, im Namen Jesu.
Er wird dich emporheben, dich um 180 Grad wenden, deine Füße zurück auf den festen und höher gelegenen Boden stellen.

Sela

Streck dich nach ihm aus, er wird da sein. Ihm kannst du deine Sorgen mitteilen.
Wenn du so lebst, wie du es liebst, bekommst du den Segen von oben dazu.

Er heilt die Kranken, er heilt die Lahmen, er sagt: Das kannst du auch, im Namen Jesu.
Er wird dich emporheben, dich um 180 Grad wenden, deine Füße zurück auf den festen und höher gelegenen Boden stellen. Wenn er sein Licht auf dich scheinen läßt.

Er ist der Weg, er ist die Wahrheit, er ist das Licht.
Stellt deine Füße wieder auf höheren Grund.
Auch dieses Lied gehörte, als ich noch öffentlich musizierte, zum festen Repertoire meiner Band. Allerdings gibt es keine brauchbare Aufnahmen von uns mit diesem Lied, und Van the Man singt es (im Duett mit Sir Cliff Richard) sowieso viel schöner als ich.
Das Video auf Youtube (hat irgend ein User dort ganz stolz zusammengebastelt) ist zwar mit Filmbildern bestückt, die ich nun überhaupt nicht mit dem Inhalt des Liedes in Verbindung zu bringen in der Lage bin, aber man muss ja nicht hinschauen.

Also Augen zu, Ohren auf: Whenever God Shines His Light
Hier geht es zur Van Morrison Website

Nachtrag: Croz, der alte Music Lover, hat einen Download im Angebot, den ich noch nicht gehört habe (lädt noch), aber der vielversprechend ist: Van Morrison in der BBC, ein Mitschnitt vom Februar 2008. Kurze Interviews und viel Musik. Im großen und Ganzen entspricht das, was auf den 2 CDs ist, dem Berlin-Konzert. Und was Croz postet, ist normalerweise von exzellenter Klangqualität. Hier geht's lang: Keeping It Simple at the BBC

Der Originaltext:
Whenever God shines His light on me
Opens up my eyes so I can see
When I look up in the darkest night
I know everything's going to be alright

In deep confusion, in great despair
When I reach out for Him he is there
When I am lonely as I can be
I know that God shines His light on me

Reach out for Him, He'll be there
With him your troubles you can share
If you live the life you love
You get the blessing from above

He heals the sick and heals the lame
Says you can do it too in Jesus name
He'll lift you up and turn you around
And put your feet back on higher ground

Reach out for Him. He'll be there
With him your troubles you can share
You can use His higher power
In every day and any hour

He heals the sick and heals the lame
And He says you can heal it too in Jesus name
He lifts you up and turns you around
And put your feet back on higher ground

Where He shines His light, whenever God shines His light, on you, on you

He is the way, He is the truth, He is the light
Put your feet back, put your feet back on higher ground

Dienstag, 6. Mai 2008

Moderne Psalmen 3: Leonard Cohen

Der prominenteste biblische Psalmist hatte keine Probleme, in seinen Liedern auch mal Hügel, Flüsse und sonstige geographische Bestandteile des Landes zum Lobpreis aufzufordern: »Ihr Berge und alle Hügel, Fruchtbäume und alle Zedern!« (Psalm 148, 8) »Die Berge hüpften wie Widder, die Hügel wie Lämmer.« (Psalm 114, 4) Warum auch nicht.

Leonard Cohen hat, wie viele andere Juden unter den Musikern, in seinen Liedern häufig Zitate und Bezüge zu den lyrischen Texten des Alten Testamentes untergebracht. So auch in If It Be Your Will. Ein Lied, das zum festen Repertoire gehörte, als ich noch als Musiker aktiv war.
Wenn es dein Wille ist, dass ich nicht mehr spreche,
dass meine Stimme schweigt, so wie zuvor,
dann werde ich nicht mehr reden, sondern still verharren
bis mir Fürsprache geschieht, wenn es dein Wille ist.

Wenn es dein Wille ist, dass eine Stimme der Wahrheit
von diesem brüchigen Hügel erklingt, dann werde ich dir singen.
Von diesem brüchigen Hügel werden alle Lobgesänge auf dich erklingen,
wenn es dein Wille ist, mich singen zu lassen.

Wenn es dein Wille ist, falls es eine Möglichkeit gibt,
dann lass die Flüsse sich füllen, lass die Hügel jauchzen.
Gieß deine Gnade aus über all diese in höllischem Feuer brennenden Herzen.
Wenn es dein Wille ist, uns gesund zu machen.

Und zieh uns zu dir, und halt uns ganz fest.
All deine Kinder hier, angetan mit Lumpen des Lichtes.
In unseren Lumpen aus Licht, todschick angezogen.
Und mach dieser Nacht ein Ende, wenn es dein Wille ist.

Wenn es dein Wille ist.
Schöner Psalm, finde ich. Hier der Mitschnitt eines Konzertes meiner Band Rock of Life vor etwa 10 Jahren, bei dem ich das Lied mit einer »ausgeliehenen« Sängerin (Tanja von der Band DeLight) im Duett zu Gehör gebracht habe. Es sind einige harmonische Unsicherheiten ein paar deutlich falsche Töne enthalten. Kommt davon, wenn man Musikerinnen ausleiht und nicht vorher zusammen probt. Dem Publikum damals hat es (dem Applaus zufolge) nichts ausgemacht, und irgendwie hat die Aufnahme was Natürliches: If It Be Your Will

Der englische Text steht hier: If It Be Your Will

Dienstag, 22. April 2008

Moderne Psalmen 7: Neil Diamond

Kein junger Mann mehr, der Neil Diamond, aber die Stimme ist noch so kräftig wie damals, als meine (und seine) Haare noch lang waren. Anfang Mai erscheint sein neues Album Home Before Dark - und ab heute für sechs Tage kann man ein extra für Amazon.com gefilmtes Video ansehen und anhören: Pretty Amazing Grace.
(Vermutlich wird das Video aber in absehbarer Zeit auch bei Youtube landen, die Leute klauen ja heutzutage alles...)

Der Text dazu:
Pretty amazing grace is what you showed me
Pretty amazing grace is who you are
I was an empty vessel
You filled me up inside
And with amazing grace
Restored my pride.

Pretty amazing grace is how you saved me
And with amazing grace, reclaimed my heart
Love in the midst of chaos
Calm in the heat of war
Showed with amazing grace
What love is for.

You forgave my insensitivity
And my attempt to let it mislead you
You stood beside a wretch like me
And pretty amazing grace was all I needed.

Stumbled inside the doorway of your chapel
Humbled and awed by everything I found
Duty and love surround me
Freed me from what I fear
Ask for amazing grace
And you a appear.

You overcame my loss of hope and faith
Gave me a truth I could believe in
You led me to a higher place
Showed me amazing grace
When grace was what I needed.

Look in a mirror I see your reflection
Open a book you live on every page
I fall and you're there to lift me
You share every road I climb
And with amazing grace
You ease my mind.

I came to you with empty pockets first
When I returned I was a rich man
Didn't believe love could quench my thirst
But with amazing grace, you showed me it can.

In your amazing grace I had a vision
From that amazing place, I came to be
Into the night I wandered, wandering aimlessly
Found your amazing grace to comfort me.

Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing

You overcame my loss of hope and faith
Gave me a truth I could believe in
You led me to that higher place
Showed me that love, truth, hope, grace
Were all I needed.
Mir gefällt es. Sehr gut sogar. Weiter so, Neil!

P.S.: Der Tipp mit Link zum Video kam von Barbara. Danke!

Freitag, 18. April 2008

Moderne Psalmen 2: Tom Waits

Einer der Psalmen Davids, in denen er sich durchaus über seine Lage beklagt, aber dennoch nicht von Gott ablassen will, ist Psalm 6. Er fragt: »Meine Seele ist tief bestürzt. Aber du, HERR, bis wann?« Die Lage hat sich für den Psalmdichter noch nicht geändert, aber er weiß dennoch, dass er die Hand dessen, der ihn aus seiner Misere retten kann, bis zum Ende nicht loslassen will.

Tom Waits hat eine ganze Menge über die Beziehung zwischen Gott und Mensch gesungen, vom simplen Gospelsong (Jesus' Blood Never Failed Me Yet, Gospel Train...) bis zu solch bestürtzten modernen Psalmen wie diesem:

Niemals loslassen

Ein Psalm Toms, zu singen mit unvergleichlich brodelnder Stimme zu Orchester- und Bandbegleitung.

Läute die Glocke rückwärts und beende den Streit
Falle im Schmutz auf die Knie.
Ich bin zwischen Wasser und Wind an den Mast gebunden
Glaube mir, da passiert einem nie etwas Schlimmes.
Unser Ring ist jetzt im Pfandhaus, der Regen im Loch
Ich stehe unten an der dreifachen Straßengabelung.
Ich werde alles verlieren,
aber niemals deine Hand loslassen.

Also Petrus hat geleugnet, Judas hat betrogen,
ich bezahle nichts und mache mich davon.
Und der Wind wird erzählen, dass das Ruder gewendet wurde,
und der Wächter dreht seine Runden.
An der Haut meiner Zähne bin ich kahl geworden,
ich kann nur noch auf einem Bein stehen.
Du kannst mich in die Hölle schicken,
aber niemals werde ich deine Hand loslassen.

Ich hänge an einem Seil von einem verkrüppelten Baum,
gezeichnet mit dem Blut des Herz-Buben.
Von Tempel und Gewerkschaft zur Bannmühle bei Weyley auf dem Weg zur Erhabenheit
gehe ich durch den Schlamm nach Hause.

Ich muss jetzt das Beste aus meinem Heimweg machen,
und Marley handelt nur mit Steinen.
Auf halbem Wege habe ich mich verlaufen,
in deinen Augen bin ich unbesonnen.
Gib mir einfach ein paar weitere Chancen.
Ich fordere dich heraus, mit den Märtyrern unter den Rittern zu speisen.
Wenn du es mir zumutest, dann werde ich springen.
Ich werde bei dir in Ungnade fallen,
aber niemals werde ich deine Hand loslassen.
Niemals werde ich deine Hand loslassen.
Niemals werde ich deine Hand loslassen.
Tom Waits ist ähnlich schwer ins Deutsche zu übertragen wie Nick Cave. Man muss schon ein wenig recherchieren, wenn man dahinter kommen will, was dieser oder jener Ausdruck bedeutet. In diesem Lied beispielsweise heißt es: »I'll pay with the roll of the drum.« In meiner Übertragung steht, dass er nicht bezahlt und sich davon macht. Warum? Darum:
Pay with the Roll of the Drum: Not to pay at all. No soldier can be arrested for debt when on the march. "How happy the soldier who lives on his pay, And spends half-a-crown out of sixpence a day; He cares not for justices, beadles, or bum, But pays all his debts with the roll of the drum.- O'Keefe." (Source: Dictionary of Phrase and Fable, E. Cobham Brewer, 1894)
Tom Waits singt auch »dine with cross legged knights«. Das sind aber nicht einfach Ritter mit gekreuzten Beinen. Sondern:
Cross-legged knights: Cross-legged Knights indicate that the person so represented died in the Christian faith. As crusaders were supposed so to do, they were generally represented on their tombs with crossed legs. "Sometimes the figure on the tomb of a knight has his legs crossed at the ankles, this meant that the knight went one crusade. If the legs are crossed at the knees, he went twice; if at the thighs he went three times." - Ditchfield: Our Villages, 1889. (Source: E. Cobham Brewer 1810-1897. Dictionary of Phrase and Fable. 1898)
»An der Haut meiner Zähne bin ich kahl geworden« ist, manch fleißiger Bibelleser unter den Blogbesuchern hat es gleich erkannt, ein Zitat aus Hiob 19, 20.
Ob Tom Waits mit »Marley« nun den Mergel gemeint hat, oder sich auf Jacob Marley aus »A Chritsmas Carol« von Charles Dickens bezieht, oder ob ein ganz anderer Marley (Bob?) gemeint ist, habe ich nicht herausgefunden.
Mir macht es Spaß, hinter solche verschlüsselten Begriffe zu kommen, nicht nur bei Tom Waits. Man kann aber auch einfach nur die Musik genießen, allemal.

Der englische Text: Tom Waits- Never let go
Zum Anhören klickt man hier: Tom Waits - Never let go

Dienstag, 15. April 2008

Moderne Psalmen 1 - Nick Cave

Der prominenteste Psalmdichter, König David, fragte in seinen Dichtungen sehr häufig nach dem »warum« und ließ seinen Frust über schlimme Umstände und ausbleibende Antworten vom Himmel auf vielfältige Weise in die Zeilen fließen. Sehr häufig forderte er Erklärungen beim Schöpfer ein (mit mehr oder weniger uns überliefertem Erfolg).

Das geht auch heutzutage noch. Da ich mich manchmal (gestern zum Beispiel) ganz genau so fühle, wie in dem folgenden modernen Psalm besungen, habe ich ihn kürzlich ins Deutsche übertragen. Gar nicht so einfach, denn Nick Cave verlangt schon in einigen Liedern eine ganze Menge Bildung oder Recherche bei Wikipedia von seinen Zuhörern - falls sie ihm durch den Text zu folgen wünschen: »Our myxomatoid kids spraddle the streets ... And a cabal of angels with finger cymbals chanted his name in code ... everything is banal and jejune ... in this idiot constituency of the moon« - nicht unbedingt umgangssprachliches Alltagsenglisch. Daher hier die Übersetzung, bei der man natürlich auch noch - Interesse und Internet oder Enzyklopädie vorausgesetzt - recherchieren kann, was denn eine »Kabale« eigentlich ist, wieso die Engel den Namen des uns unbekannten Menschen im zweiten Abschnitt »codiert« singen und wieso die »Myxomatose« so gefährlich ist.

Ein Psalm Nicks, zu singen bei unaufhaltsam treibendem Schlagzeug, brodelndem Bass, schneidendem Orgelklang und eisenharten Gitarrenakkorden.

Was wir zu besitzen glaubten, hatten wir nicht; und was uns jetzt noch gehört, wird nie wieder so sein, wie es einmal war. Also fordern wir den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Unsere von Myxomatose infizierten Kinder staksen auf den Straßen herum, wir haben ihnen in ihrem Leben jegliche schweißtreibende Anstrengung erspart. Die armen kleinen Dinger, sie sehen so traurig und alt aus, wenn sie uns von hinten auf den Rücken klettern. Ich bitte sie, das nicht zu tun, ordne an, es zu unterlassen; und dann fordern wir den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Sela.

Er starb mit einem Rosenkranz in der verkrampften Hand, Schläuchen in der Nase, eine Kabale von Engeln mit Fingerzimbeln sang seinen in Zahlencodes verschlüsselten Namen. Und wir bedrohten den strafenden Regen mit unseren Fäusten. Und wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Er sagte, alles hier sei total verhunzt, alles banal und strohig, es gebe eine weltweite Konspiration gegen Menschen wie du und ich in diesem idiotischen Wahlkreis des Mondes. Er wusste also ganz genau, wer Schuld hatte. Und wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Weitschweifigkeit! Ausuferung! Nichts, was man mit einer Schere nicht in Ordnung bringen könnte.
Weitschweifigkeit! Ausuferung! Nichts, was man mit einer Schere nicht in Ordnung bringen könnte.

Sela.

Ich gehe wie ein Guru die Straße entlang, junge Menschen versammeln sich zu meinen Füßen, stellen mir Fragen, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Sie entfachen den Kraftstrom, der direkt in das Herz meines Vaters reicht. Und wieder fordere ich den Schöpfer auf, mir eine Erklärung zu geben.

Wir fordern den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Sela.

Wer ist dieser niederdrückende, sabbernde Schweinehund in mir, der jedem meiner Gedanken jegliches Niveau raubt? Ich komme mir vor wie ein Müllschlucker, ein totaler Trottel, alles ist Scheiße und er ist ein Arschloch - doch welch ein enormes und enzyklopädisches Gehirn dieses Monstrum doch besitzt! Ich fordere den Schöpfer auf, mir eine Erklärung zu geben.

Ungezügelte Diskriminierung, Massenarmut, Schulden der dritten Welt, ansteckende Seuchen, weltweite Ungerechtigkeit, wachsende sozioökonomische Kluft. Das wirkt in deinem Gehirn. Und wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Sela.

Einen Augenblick bitte. Mein Freund Doug klopft ans Fenster... (Hallo Doug, wie geht's dir?)
Er hat mir ein Buch zurückgebracht, über Holocaust-Dichtung, durch Bilder ergänzt. Dann sagt er, ich sollte mich auf den Regen vorbereiten. Und wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Ich nenne das Weitschweifigkeit! Ausuferung! Nichts, was man mit einer Schere nicht in Ordnung bringen könnte.

Sela.

Bukowski war ein Narr! Berryman war spitze! Er schrieb wie feuchtes Pappmaché, folgte dem Heming-Way, auf übernatürlichen Schwingen, mit einem Höchstmaß des Schmerzes. Wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Unten in meiner Zuflucht erkenne ich, dass ich erneut eine Portion von erzkonservativem Bockmist veröffentlicht habe. »Die Wellen, die Wellen, wo sich Soldaten bewegen.« Na Dankeschön. Dankeschön. Dankeschön. Und erneut fordere ich den Schöpfer auf, mir eine Erklärung zu geben.

Genau, wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Weitschweifigkeit! Ausuferung! Nichts, was man mit einer Schere nicht in Ordnung bringen könnte.


P.S.: Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich habe Referenzen zu Bob Dylan und Leonard Cohen in diesem Text gefunden. Eindeutige. Das macht es mir um so interessanter...

Der Originaltext: We Call Upon The Author To Explain
Eine live Version bei YouTube: We Call Upon The Author To Explain

Dienstag, 29. Januar 2008

Leuchtturm 1

Ein Psalm kann ein Leuchtturm sein. Es gibt Zeiten, in denen nichts ist, wie es sein sollte. Im Gegenteil. Die Probleme türmen sich auf, von Tag zu Tag mehr. Enttäuschungen kommen dazu, selbst liebe Menschen tragen zum Schwinden jeglicher Hoffnung bei. Die Orientierung geht verloren, das Leben verliert an Sinn... - da kann ein Leuchtturm helfen, Standort und Kurs wieder zu finden.
Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!
Glück gehabt - das klingt sehr nach Zufall, nach Lotterie. Glücklich sein, kann man das irgendwie hinbekommen? Oder hängt das zu sehr von Unwägbarkeiten ab, anderen Menschen womöglich, der wirtschaftlichen Lage, dem Umfeld, in das man geboren wurde?
Vor ein paar Wochen unterhielten wir uns im Hauskreis über das Thema Glück. Einer aus unserer Runde hat längere Zeit in Spanien gearbeitet, dort bot er einem verdienten und fleißigen Angestellten eine Ausweitung der Arbeitszeit an, die auch eine entsprechend höhere Entlohnung mit sich gebracht hätte. Der Spanier lehnte ab: »Dann hätte ich ja keine Zeit mehr, an den Strand zu gehen und mit meiner Familie die Freizeit zu genießen.« Mehr Geld hätte ihn eher unglücklich gemacht. Er arbeitet, um zu leben und lebt nicht, um zu arbeiten.

Der erste Psalm lädt uns ein, glücklich zu sein, indem wir gewisse Entscheidungen treffen. Das heißt nicht, dass uns Reichtum erwarten muss, dass wir keine Probleme mehr haben werden, dass unsere Ehe ohne jeglichen Zwist verlaufen wird...
Hier ist von jenem anderen Glück die Rede. Glücklich sind der Mann und die Frau, die nicht jedem Ratgeber ihr Gehör schenken, nicht jeden Weg ausprobieren und sich Gedanken darüber machen, mit wem sie im Café sitzen möchten. Sie sind glücklich, weil sie etwas besitzen, dem mancher Mensch sein Leben lang vergeblich nachjagt.
Es geht hier gar nicht um Verbote: »Wehe, du setzt dich mit irgendwelchen Zeitgenossen, die ständig was zu maulen oder zu lästern haben, in die Kneipe!« Es geht auch nicht um Vorschriften: »Du musst täglich mindestens eine Stunde das Gesetz Gottes studieren, sonst geht es dir ganz schlecht.«
Psalm 1 ist vielmehr eine Einladung, etwas auszuprobieren: Versuche einmal, darauf zu achten, von wem du dich beeinflussen lässt und wo du dich nach gutem Rat umsiehst. Das Ergebnis wird sein, dass du glücklich bist.
Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm.
Beim Jogging auf unserer Lieblingsstrecke, dem ehemaligen Todesstreifen um Berlin, kann ich beide Varianten betrachten: Die Bäume, die an einem Wasserlauf stehen und die Bäume, die davon abhängig sind, dass und ob es regnet. Im Sommer, nach einer längeren Hitzewelle, ist der Unterschied sehr deutlich, aber auch zu anderen Jahreszeiten sind die einen deutlich kräftiger und gesünder als die anderen. Es macht sich bezahlt, die Wurzeln dort in die Erde zu senken, wo Wasser zu finden ist.
Nicht so die Gottlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
Wenn in der Bibel »darum« steht, ist es nie verkehrt, sich die Sätze und Worte davor anzuschauen. Auch hier lohnt sich der Blick: Es hat einen Grund, dass der eine im Gericht - in schwierigen Zeiten, bei außerordentlichen Herausforderungen - aufrecht bleibt und der andere stürzt. Wenn die Wurzeln einen Baum mit Nahrung versorgen können weil genügend Wasser zur Verfügung steht, wird das Gewächs widerstandsfähig. Es mag ein Ast abbrechen, womöglich werden auch gesunde Blätter vom Sturm abgerissen, aber der Baum steht und erholt sich nach dem Unwetter zügig. Eine ausgetrocknete Pflanze dagegen geht schon ohne Wind an Entkräftung zugrunde, wieviel mehr wird sie einem Sturm zum Opfer fallen.
Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergeht.
Auch bei einem »denn« in der Bibel ist Aufmerksamkeit nicht schädlich. Es weist immer auf einen Zusammenhang hin.
Den »Weg der Gerechten« kennt der Herr deshalb, weil er ihn selbst empfohlen hat. Da hat jemand eben nicht dem »Rat der Gottlosen« vertraut und sich vom »Weg der Sünder« ferngehalten, sich durch das Gelächter aus dem »Kreis der Spötter« nicht beirren lassen. Statt dessen hat er sich angeschaut, was Gott für gut und richtig hält und danach seine Schritte ausgerichtet.
Das Resultat: Er ist da, wo sein Herr ist. Er befindet sich auf einem Weg, der zum Ziel führt. Durch Stürme zwar, über Höhen und durch Tiefen, mitunter in der Dunkelheit und gelegentlich in der Sonnenglut, aber nie von Gott verlassen.
Jener andere Pfad, der auf der Wegweisung derer beruht, die selbst keine Wurzeln am Wasser haben, vergeht. Er endet einfach irgendwo im Nichts. Er mag leichter ausgesehen haben, womöglich auch leichter beschritten worden sein, aber wenn es darauf ankommt, an ein Ziel zu gelangen, dann taugt er nichts.

Das allerdings stellt man erst fest, wenn man ihn beschritten hat. Wie gut, wenn man das dann als Chance begreift, durch Buße und Umkehr den Reset-Knopf zu drücken. Gottes Gnade macht das möglich, solange wir leben.

Donnerstag, 17. Januar 2008

Leuchtturm 118

Ein Psalm kann ein Leuchtturm sein. Es gibt Zeiten, in denen nichts ist, wie es sein sollte. Im Gegenteil. Die Probleme türmen sich auf, von Tag zu Tag mehr. Enttäuschungen kommen dazu, selbst liebe Menschen tragen zum Schwinden jeglicher Hoffnung bei. Die Orientierung geht verloren, das Leben verliert an Sinn... - da kann ein Leuchtturm helfen, Standort und Kurs wieder zu finden.

König David ist jemand, der in seinem Leben schlimme Umstände erleben musste, depressiv war, lebensmüde wurde, und der dennoch - oder gerade aus dieser Erfahrung heraus - an seinem Gott festhielt. Er hat Leuchttürme hinterlassen, eine ganze Menge Psalmen. Die helfen mir, wenn wieder mal kein Land in Sicht ist. Beispielsweise Psalm 118:
Preist den HERRN, denn er ist gut, denn seine Gnade/Güte währt ewig! Es sage Israel: Ja, seine Gnade/Güte währt ewig! Es sage das Haus Aaron: Ja, seine Gnade/Güte währt ewig! Es sagen, die den HERRN fürchten: Ja, seine Gnade/Güte währt ewig! (Das hebräische Wort bedeutet gleichermaßen Gnade und Güte)
Man könnte annehmen, dass der Autor solcher Zeilen ein behütetes Leben in den besten Umständen verbracht haben muss. Aber:

Aus der Bedrängnis rief ich zu Jah. Jah antwortete mir in der Weite (schuf mir Raum).
David hatte Todfeinde. Er musste sich verstecken, mittellos als Flüchtling in fremden Ländern leben, kannte Hunger, Durst, Schmerzen, Trauer, Verrat und Verleumdung. Aber er schrieb weiter:

Der HERR ist für mich, ich werde mich nicht fürchten. Was könnte ein Mensch mir tun? Der HERR ist für mich unter denen, die mir helfen. Ich werde herabsehen auf meine Hasser.
Solche Zuversicht kann nur jemand haben, der unerschütterlich um die Gnade und Güte Gottes weiß, egal, wie die Umstände aussehen. Menschen, denen im Leben nichts Schlechtes widerfahren ist, können sich kaum in solche Situationen hineinversetzen.

Wir neigen wohl alle dazu, uns erst einmal an den Haaren aus dem Sumpf ziehen zu wollen. Ich jedenfalls weiß um meinen Hang zur Selbsthilfe - und ich kenne viele, die ähnlich auf Not reagieren. Wenn beispielsweise die Schulden wachsen, dann leisten wir noch mehr Überstunden, rackern uns mit noch mehr Nebenjobs ab, suchen Hilfe bei Kreditinstituten, bei Freunden...

David gibt eine andere Empfehlung:

Es ist besser, sich bei dem HERRN zu bergen, als sich auf Menschen zu verlassen. Es ist besser, sich bei dem HERRN zu bergen, als sich auf Edle zu verlassen.
Es fällt schwer, das normale Muster zu durchbrechen. Meistens reagieren wir doch so: Es existiert eine Not. Wir nehmen sie zur Kenntnis. Wir bitten Gott um sein Eingreifen. Dann werden wir selbst tätig. Dazu stacheln uns liebe, wohlmeinende Mitmenschen oft noch an: »Tu doch endlich was...«

Aber ist das ein »sich beim Herrn bergen«, wie David es ausdrückt? Der König machte folgende Erfahrung:

Alle Nationen hatten mich umringt. Im Namen des HERRN - ja, ich wehrte sie ab. Sie hatten mich umringt, ja, mich eingeschlossen. Im Namen des HERRN - ja, ich wehrte sie ab. Sie hatten mich umringt wie Bienen. Sie sind erloschen wie Dornenfeuer. Im Namen des HERRN - ja, ich wehrte sie ab. Hart hat man mich gestoßen, um mich zu Fall zu bringen. Aber der HERR hat mir geholfen.
Wie sah die Stärke Davids aus? Waren es Soldaten, Verbündete, Waffen? Keineswegs. Auf solche Hilfe und Stärke vertraute er nicht, denn er war überzeugt von der Gnade und Güte Gottes:

Meine Stärke und mein Gesang ist Jah. Er ist mir zur Rettung geworden.
Die Weigerung, sich selbst zu helfen, führt dazu, dass wir uns auch nicht selbst rühmen können, wenn eine Not gewendet ist. Statt dessen bekommt Gott die Ehre:

Klang von Jubel und Heil ist in den Zelten der Gerechten. Die Rechte des HERRN tut Gewaltiges. Die Rechte des HERRN ist erhoben, die Rechte des HERRN tut Gewaltiges. Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Taten Jahs erzählen.
Im nächsten Vers kommt David darauf zurück, dass ihm Schwierigkeiten und Not nicht von vorne herein erspart geblieben sind. Er sagt:

Hart hat mich Jah gezüchtigt, aber dem Tod hat er mich nicht übergeben.
Hier stutzen viele Christen. Straft Gott also doch? Züchtigt er mit Unglück und Not seine Kinder? Ist es doch Gott, der Krankheit, Leid und Not verursacht?
Nein, denn dann würde er sich selbst widersprechen. Allein die Aufforderung Jesu an uns als seine Nachfolger, die Kranken zu heilen, wäre unsinnig, wenn Gott Krankheiten als Erziehungsmaßnahmen anwenden würde.

Gott kann und wird allerdings Sünde nicht gutheißen, schönreden oder tolerieren. Das geht einfach nicht. Der Mensch verlor das Paradies, als die Sünde auftrat. Dass wir sterben müssen ist eine Konsequenz daraus. Das ewige Leben ist wiederum eine Konsequenz des Glaubens.

Gott ist unveränderlich gnädig und gütig. Er ist die Liebe selbst. Er ist daran interessiert, dass seine Kinder durch die Not hindurchkommen und triumphieren. Und hier sind wir gefragt: Ohne unsere Mitwirkung wird sich nichts ändern. Allerdings ist nicht die Selbsthilfe gefragt, sondern die Besinnung auf den, der helfen will und kann. Die Band U2 bringt es in dem Song Vertigo auf den Punkt:

I’m at a place called vertigo. It’s everything I wish I didn’t know ... but your love is teaching me how to kneel.
Wer nicht Gott um Hilfe bittet, sondern menschlichen Hilfsmitteln vertraut, kann und wird den Sieg nicht erleben, den David beschreibt. Wenn David hier also sagt, dass der Herr ihn »hart gezüchtigt« hat, dann kann uns das nicht als Argument gegen die Güte und Gnade Gottes dienen. David hatte gesündigt - einen Mord begangen um einen Ehebruch zu vertuschen - und er erntete die Frucht dieser Saat. Aber er erlebte, dass Gottes Gnade selbst in dieser Situation triumphierte, als er die Sünde bereute und bekannte.

Aus notvollen Situationen dürfen wir nicht schließen, dass Gottes Güte und Gnade Pause machen würden. (Und in den seltensten Fällen hat unsere persönliche Not irgend etwas mit Züchtigung - Folge von Sünde - zu tun.)

David hat klar erkannt, was aus den Schwierigkeiten erwachsen wird, nämlich Lobpreis und Anbetung:

Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit! Ich will durch sie eingehen, Jah will ich preisen. Dies ist das Tor des HERRN. Gerechte ziehen hier ein. Ich will dich preisen, denn du hast mich erhört und bist mir zur Rettung geworden.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Vom HERRN ist dies geschehen, es ist ein Wunder vor unseren Augen. Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat! Seien wir fröhlich und freuen wir uns in ihm!
Dies ist der Blick in die Zukunft. Denn noch steht David den Problemen gegenüber, und er nimmt sie im nächsten Vers noch einmal zur Kenntnis:

Ach, HERR, hilf doch! Ach, HERR, gib doch Gelingen!
David sieht die Not, in der er im Augenblick noch steckt, aber er bekennt mit seinem Mund bereits den Sieg:

Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN. Vom Haus des HERRN aus haben wir euch gesegnet. Der HERR ist Gott. Er hat uns Licht gegeben. Bindet das Festopfer mit Stricken bis an die Hörner des Altars! Du bist mein Gott, ich will dich preisen! Mein Gott, ich will dich erheben.
Am Schluss kommt er noch einmal auf die bereits in den ersten Versen mehrfach festgestellte Güte Gottes zurück, an der es trotz der Schwierigkeiten keinen Zweifel geben kann:

Preist den HERRN, denn er ist gut! Ja, seine Gnade währt ewig!