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Dienstag, 9. Oktober 2018

Fünf Jahre ohne!

IMG_20180929_125635Es ist nur ein statistischer Wert … aber für Betroffene hat er doch eine große Bedeutung. Wenn nach einer Krebserkrankung und –behandlung fünf Jahre vergangen sind, ohne dass erneut ein Tumor gefunden wurde, gilt der Patient als Überlebender. Das Risiko, erneut an Krebs zu erkranken, bleibt bestehen, aber die Wahrscheinlichkeit ist wieder so hoch wie beim Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Die Zeitspanne von fünf Jahren bedeutet bei vielen Tumorarten eine gute Chance auf dauerhafte Heilung - danach sind Rückfälle nur noch wenig wahrscheinlich. Diese Aussage gibt allerdings nur einen Durchschnitt wieder und bezieht sich auf die Gesamtstatistik. Sie kann für Männer und Frauen und für einzelne Formen von Krebserkrankungen durchaus anders ausfallen. So haben Kinder mit Leukämien und junge Männer mit Hodenkrebs heute sehr gute Aussichten auf dauerhafte Heilung. Auch die Überlebensraten für Lippenkrebs, schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) und mittlerweile auch Prostatakrebs sind deutlich angestiegen. Vielen Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, Lungenkrebs oder Speiseröhrenkrebs dagegen können die Ärzte bis heute noch keine längere Überlebenszeit oder Heilung in Aussicht stellen.
(Quelle: www.krebsinformationsdienst.de/grundlagen/krebsstatistiken.php © 2018 Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Am 5. Oktober 2018, fast auf den Tag genau fünf Jahre nach der Leberkrebsoperation (und sechseinhalb Jahre nach der Darmkrebsoperation), bestätigte mein Arzt bei der regelmäßigen Krebsnachsorgeuntersuchung, dass es wiederum keine Anzeichen für Metastasen in meinem Körper gibt. Eine Darmspiegelung steht noch aus, aber die ist routinemäßig dran, weil seit der letzten Coloskopie drei Jahre vergangen sind. Beim Urologen hatte es anlässlich der jährlichen Krebsvorsorge bereits vor einigen Wochen nach gründlicher Untersuchung Entwarnung gegeben.

Wir sind dankbar und glücklich – wie man sich vorstellen kann. »Schwein gehabt« sagte mal jemand zu mir, als ich mit guten Nachrichten vom Arzt kam. Da kann ich aber nur widersprechen. Erstens haben wir einen Hund, kein Schwein. Zweitens hätte ein Schwein, wenn wir eines besäßen, absolut nichts mit dem Gesundheitszustand zu tun. Drittens bin ich aufgrund vieler Erfahrungen und Erlebnisse in meinem Leben davon überzeugt, dass Gottes heilende Schöpferkraft auch heute von ihrer Wirksamkeit nichts eingebüßt hat und dass er es ist, der mir nach meinem Aufenthalt an der Schwelle des Todes im März 2012 bis zu diesem Tag wieder Gesundheit verliehen hat. Ich kann durch meine Lebensweise durchaus mitwirken und Krebsrisikofaktoren meiden, aber erarbeiten oder verdienen kann ich mir die Heilung nicht.

Daher sage ich aus tiefstem Herzen: Gott sei Dank!

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Mittwoch, 20. Juni 2018

Machen Sie aus dem Problem eine Erfahrung!

Ganz lebendig, ganz menschlich und ganz wach zu sein, bedeutet, ständig aus dem Nest geworfen zu werden. -Pema Chodron

Zum Leben gehören (zumindest für die meisten Menschen) auch schlechte Zeiten: Der Chef ist unzufrieden, das Geschäft läuft miserabel, es kommt zum Streit mit der liebsten Person, die Finanzen sind knapp, man kann nicht gut schlafen, eine schwere Krankheit oder chronische Schmerzen treten auf …

Meistens reagieren wir auf solche Situationen und Ereignisse so ähnlich:

  • Dem Problem entfliehen: Job kündigen, Trennung vom Partner, Medikamente noch und noch. Was auch immer geeignet scheint, Abstand vom Problem zu gewinnen.
  • Das Problem ignorieren: einfach nicht daran denken (zumindest versucht man das), so tun, als wäre alles in Ordnung.
  • Flucht: Trinken, Rauchen, Essen, Fernsehen, Internet, Pornos, Soziale Medien, Spiele … alles ist willkommen, um von den Schwierigkeiten abzulenken.
  • Sich beschweren: auf jemanden losgehen, schimpfen, jemandem die Ohren volljammern, nachtragend sein, die Schuld an der Situation bei anderen (oder dem Schicksal/einer höheren Macht) suchen.

Das kann alles funktionieren und je nach Lage auch sinnvoll sein. Entwickeln Sie keine Schuldgefühle wegen solcher Reaktionen auf ein Problem. Manchmal kann das beruhigen oder sogar hilfreich sein. Mit jemandem über Probleme zu sprechen, ist zum Beispiel eine gute Idee. Sich ausruhen, damit man besser und konzentrierter an einer Lösung arbeiten kann … auch keine schlechte Idee.

lichtblickAber alle Versuche, dem Problem aus dem Weg zu gehen, es zu vergessen oder sich selbst zu trösten haben eine begrenzte Wirksamkeit. Langfristig geraten wir in eine Krise, werden unglücklich, fühlen uns niedergeschlagen und dadurch geraten wir immer tiefer in den Sumpf.

Wie wäre es, wenn Sie bei der nächsten (vielleicht auch aktuellen) misslichen Lage mal etwas anderes ausprobieren: Sie sind verletzt, traurig, wütend, überlastet … und betrachten das nicht als ein Problem, sondern als eine Erfahrung.

  • Fühlen Sie den Schmerz, die Traurigkeit oder die Wut, die Sie empfinden.
  • Anstatt das Empfinden zu meiden, vor dem Problem zu fliehen, erlauben Sie sich, das Gefühl bewusst wahrzunehmen.
  • Und während Sie es fühlen, betrachten Sie Ihre Empfindungen nicht als ein Problem, das Sie lösen müssen, einen Umstand, den Sie loswerden wollen. Sondern als Erfahrung. Sie müssen jetzt kein Problem bewältigen, Sie machen gerade eine Erfahrung. Das ist alles: ein Erlebnis, ein Gefühl, Empfindungen. Kein Grund zur Panik.
  • Es sei denn, Sie sind in Panik geraten - das ist auch kein Weltuntergang. Es ist ein Zustand, den Sie gerade erleben. Es ist, auch wenn Sie panisch reagieren, traurig sind, Schmerz empfinden, im Grunde nur eine Erfahrung. Das Erlebnis fühlt sich sicherlich nicht gut an. Nicht alle Erfahrungen, die wir im Leben machen, sind erfreulich? Manchmal müssen wir Kälte, Hitze, Stürme und Schmerzen erleben. Es ist Teil der Lebenserfahrung, und wir können nicht alles ausschließen, was uns missfällt.
  • Spüren Sie Ihre Schwierigkeit voll und ganz, mit so offenem Herzen wie möglich. Lassen Sie es zu. Fällen Sie keine Urteile, geraten Sie nicht in hektische Betriebsamkeit. Es ist erst einmal nur Ihre gegenwärtige Erfahrung.

Sie können Frieden finden, was auch immer diese Erfahrung sein mag. Und dann, erst dann, kommt die Zeit zum Handeln. Aus diesem inneren Frieden heraus darüber, wer Sie sind, was Sie erleben, können Sie den nächsten Schritt tun.

Machen Sie einen kleinen Schritt, um Ihre Situation zu verbessern. Suchen Sie Rat und Hilfe dort, wo sie wirklich zu finden sind (anstatt panisch irgend etwas zu tun). Seien Sie still, damit Sie zuhören können. Was zu tun ist, hängt von der Situation ab, aber jeder dauerhafte und wirkliche Weg aus der misslichen Lager heraus beginnt mit einem Gefühl des Friedens, mit dem Wahrnehmen und Anerkennen der eigenen Erfahrung. Und wenn es gar keinen Weg heraus geben sollte – so wie ich es mit den irreversiblen Folgen der Chemotherapie erlebt habe und erlebe – dann ist es erst recht wichtig und sinnvoll, den inneren Frieden (wieder) zu finden.

Ob das immer gelingt? Mir jedenfalls nicht. Aber je länger ich praktiziere, so vorzugehen, desto öfter, leichter und besser klappt es.

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Foto: Eigene Aufnahme.

Sonntag, 17. Dezember 2017

Advent … Festtagsschmaus, Weihnachtsmusik, Geschenkeberge–aber warum eigentlich?

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,

aber als Knecht Ruprecht schon

kommt der Winter hergeschritten,

und alsbald aus Schnees Mitten

klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch fern und nah,

bunt auf uns herniedersah,

weiß sind Türme, Dächer, Zweige,

und das Jahr geht auf die Neige,

und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,

heute bist du uns noch fern,

aber Tannen, Engel, Fahnen

lassen uns den Tag schon ahnen,

und wir sehen schon den Stern.

Auch wenn das mit den weiß bedeckten Türmen und Dächern und Zweigen noch nicht so ganz klappt, soll uns dieses Adventsgedicht von Theodor Fontane daran erinnern, dass ein gelungenes Weihnachtsfest nicht von der Menge oder dem Wert der Geschenke unter dem Baum oder der Beschaffenheit der Festtagsmahlzeit abhängt. Wir lesen zwar beispielsweise im Lukasevangelium, dass die Geburt Jesu von einer himmlischen Jubelfeier mit erstklassiger Musik begleitet wurde, die einige Hirten auf einem Feld in der Nähe miterlebten; und aus dem Matthäusevangelium erfahren wir, dass Magier oder Weise aus dem Orient die allerersten Weihnachtsgeschenke der Menschheitsgeschichte überbrachten, allerdings einige Tage verspätetet. Aber Geschenke und schöne Musik sind dennoch nicht das Zentrum der Weihnachtsgeschichte. Was Theodor Fontane in dem zitierten Gedicht als »das schönste Fest« bezeichnet, ist und bleibt, so wiederum Fontane, »der Tag der Geburt des Herrn«.

anglesÜber die Ankunft des Messias der Juden, der zur Überraschung vieler seiner Zeitgenossen auch unser Erretter war und ist, kann man sich auch ohne Festtagsschmaus und Geschenke freuen. Natürlich aber auch mit Geschenken, mit festlicher Musik, mit einem frohen Beisammensein mit Freunden oder der Familie. Das ganze Jahr über sogar, nicht nur zu unserer traditionellen Weihnachtszeit, die ohnehin um einige Monate vom wahrscheinlich tatsächlichen Geburtstermin Jesu abweicht.

Advent und Weihnachten erinnern uns Jahr für Jahr daran, dass Gott Mensch wurde, und zwar um unseretwillen. Das ist ein Geschenk, das niemand jemals wird übertreffen können.


Das Adventsgedicht hat Theodor Fontane, (1819-1898) gedichtet.

Das Foto habe ich selbst angefertigt.


Sonntag, 10. Dezember 2017

Gastbeitrag Mandy: Nächstenliebe ganz praktisch - Wärme schenken!

Mandy, die ich seit einigen Jahren persönlich kenne, hat auch dieses Jahr wieder eine sehr gute Idee aufgegriffen. Sie schreibt (auszugsweise) auf ihrem Blog:

Ihr Lieben.
Für diesen Beitrag unterbreche ich meine Pause gerne. Denn der Startschuss sollte gegeben werden!
Ich finde es wird wieder Zeit Nächstenliebe ganz praktisch zu leben! Die Temperaturen sinken ….
Wir bereits in den letzten beiden Jahren, möchte ich mit Euch gemeinsam aktiv werden.
Ihr könnte mir wieder über einen Amazon Wunschzettel – HIER KLICKEN – Schlafsäcke, Mützen, Handschuhe, Socken, Isomatten und wärmende Rettungsdecken zukommen lassen. Ich werde sie selbst, mit Karsten und Freunden verteilen oder auch durch den Kältebus der Berliner Stadtmission.
Wer auch immer Nachts draußen lebt, soll warm beschenkt werden!

Ein Obdachloser war total überwältig was er bekommen hat (Schlafsack, Socken, Schokolade, Tee) und sagte: »Ich fühl mich total geliebt. Peng, peng, Peng – soviel Liebe! Ich kann damit gar nicht umgehen, bin nicht beziehungsfähig. Und ihr macht Peng Peng Peng mit eurer Liebe!«

Es ist so schön, das zu erleben!

...

Falls Du einem Menschen etwas schenken möchtest und es Deine Möglichkeiten zulassen, dann schenke ihm ein bisschen Wärme! Ich glaube wir wärmen damit nicht nur frierende Körper, sondern auch Herzen!

IMG_5301-1024x768-1024x768Gott segne Dich dafür und sowieso!
Deine Mandy

Mehr über die Aktion im kompletten Text auf [Mandys Blog].

Ich würde mich freuen, wenn meine Blogbesucher ein paar Schlafsäcke, Handschuhe oder sonstige benötigte Dinge beisteuern. Bitte nichts an mich schicken, das wäre zu umständlich, sondern direkt über Mandys Liste bestellen: [HIER KLICKEN]

Danke!
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Mittwoch, 8. November 2017

Vier Jahre ohne Krebs

Image may contain: 2 people, people smiling, close-upBereits am 20. Oktober 2017durften wir wieder einmal froh und glücklich aufatmen ... bei der Krebsnachsorgeuntersuchung gab es keinerlei Hinweise auf entstehende oder vorhandene Tumore. Via Facebook meldeten wir die gute Nachricht gleich an unsere Freunde: Gott sei Dank - für nun bereits vier krebsfreie Jahre.

Gestern habe ich eher zufällig gesehen, dass ich meinen geschätzten Blogbesuchern jedoch das erfreuliche Ergebnis vorenthalten hatte. Ich meinte zwar, auch auf dem Blog berichtet zu haben, aber das war offensichtlich nicht der Fall.

Nun denn, liebe Leserinnen und Leser: Vier Jahre ohne Krebs – ein Grund, sehr dankbar zu sein. Als ich nach der zweiten Krebsoperation im Oktober 2013 im Krankenhaus lag, gab es Momente, in denen ich daran zweifelte, das Weihnachtsfest erleben zu können … ich war zwar nicht hoffnungslos, aber doch seelisch recht angeschlagen. Als wir dann mit der Familie Weihnachten 2013 feierten, tauchten Gedanken auf: Vielleicht ist das ja das letzte Mal, dass du all deine Lieben um dich hast …

Meine regelmäßigen Leser wissen, dass ich nicht zum Aufgeben und negativen Denken neige, aber manchmal tauchen Gedanken ungefragt und ungebeten auf. Sie dann daran zu hindern, sich einzunisten, ist aus meiner Sicht der entscheidende Schritt.

Nun gehen wir auf das Weihnachtsfest 2017 zu und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht meinem Schöpfer dafür Danke sage, dass er mir Gesundheit verliehen hat und verleiht. Weil mir das ein inneres Bedürfnis ist. Nicht aus Pflichtgefühl. Nicht aus Gewohnheit. Sondern aus einem frohen und zutiefst dankbaren Herzen. Es gibt noch viele weitere Gründe für Dankbarkeit in meinem und unserem Leben, aber die vier Jahre ohne Krebs stehen über allen anderen.

So, meine lieben Blogbesucher, nun habe ich des Versäumte nachgeholt und auch Sie beziehungsweise Euch auf den aktuellen Stand gebracht. Vielleicht bin ich ja zukünftig weniger schusselig mit dem Weiterreichen guter Nachrichten …

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Donnerstag, 3. August 2017

Gastbeitrag Leo Babauta: Loslassen. Kapitel 3

Ich habe, regelmäßige Blogbesucher wissen das bereits, kürzlich ein weiteres Buch aus der Feder des Leo Babauta übersetzt. Das Buch kann man als Taschenbuch oder als E-Book für den Kindle erwerben. Um die Druck-, Vertriebs und Distributionskosten kommen wir nicht herum – daher kostet das Taschenbuch nun einmal fünf Euro und neun Cent und das E-Book zwei Euro und neunundneunzig Cent.
Das Taschenbuch: http://amzn.to/2van3Ar
Das Kindle-Buch: http://amzn.to/2uGrf7C
Loslassen._Eine_einz_Cover_for_KindleDa Leo Babauta sein Buch genau wie die Beiträge auf seinem Blog vom Copyright ausdrücklich ausgenommen hat und zur unentgeltlichen Weiterverbreitung auffordert, stelle ich die einzelnen Kapitel meiner deutschen Übersetzung hier auf dem Blog zur Verfügung.
Wer lieber ein »richtiges« Buch in der Hand hat beim Lesen oder gerne seinen Kindle benutzt, der kann die entsprechende Ausgabe bestellen. Wer kein Geld ausgeben kann oder will, der möge hier auf dem Blog lesen, was Leo Babauta zum Thema Loslassen eingefallen ist.
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Kapitel 3

Der Umgang mit der Angst



Nicht nur Zaudern wird durch Angst verursacht. So gut wie alle unsere Probleme sind verwurzelt in Ängsten. Sie schlagen tiefe Wurzeln in unseren Idealvorstellungen, Erwartungen und Phantasien, wie wir im vorigen Kapitel gesehen haben.
Werfen Sie nun mit mir einen Blick auf einige häufige Probleme, die durch Angst verursacht werden:
1. Verschuldung: Es gibt natürlich auch andere Ursachen, aber oft geben wir einfach gedankenlos mehr aus als wir haben, weil uns die Angst treibt, wir könnten unseren gewohnten Komfort einbüßen. Es entstehen und wachsen auch Schulden aufgrund der Angst, man könnte etwas verpassen, der Angst, dass man nicht gut genug ist oder der Angst, nicht vollwertig zu sein.
Das Loslassen von Komfort (der gewohnte regelmäßige Restaurantbesuch, die schöne Wohnung oder das große Auto …) kann schwierig sein, so etwas verursacht Unbehagen: Wenn mein Leben weniger komfortabel wäre … die anderen würden mich doch verachten! Wenn mein Haus oder mein Auto oder meine Kleidung nicht so schön wären … was würde man von mir denken?
All das sind Ängste.
2. Beziehungsprobleme: Auch dafür gibt es natürlich vielerlei Ursachen, einschließlich der, dass unser Gegenüber gewaltige Probleme hat (obwohl man auch immer das Augenmerk auf sich selbst richten sollte). Aber es gibt auch Ängste, die Beziehungsprobleme hervorrufen. Zum Beispiel die Angst vor Kontrollverlust (wir wollen gerne bestimmen, was eine andere Person tut oder lässt), die Angst, nicht gut genug zu sein, die Angst, verlassen zu werden, nicht angenommen zu sein, oder die Angst davor, eine andere Person so zu akzeptieren, wie sie ist.
3. Kein Sport: Wiederum mag es zahlreiche Ursachen geben, aber sicher sind auch diese nicht selten: Nicht genug Zeit (das ist die Angst davor, Prioritäten zu ändern, um Zeit für den Sport zu gewinnen); Sport ist zu anstrengend (das ist die Angst vor Unbequemlichkeiten), Fernsehen oder Internet sind wichtiger (das ist die Angst, etwas zu verpassen).
4. Ungesunde Ernährung: Im Grunde genommen gilt hier, was auch für den Sport zutrifft. Manchmal liegen emotionale Probleme vor, die dann letztendlich die gleichen Ängste begründen können wie beim Schuldenmachen.
5. Die Arbeit macht keine Freude: Vielleicht wissen Sie gar nicht, was Sie wirklich gerne tun würden. Das wäre ein Hinweis, dass Sie noch nicht ergründet haben, was Ihnen liegt. Aus Angst, zu versagen vielleicht. Oder Sie wissen es, aber Sie trauen sich nicht, den entscheidenden Schritt zu tun. Aus Angst, es dann nicht zu schaffen. Oder aus Angst, im Wunschberuf nicht erfolgreich genug zu sein.
6. Stress bei der Arbeit oder in der Schule: Sie haben unheimlich viel zu tun. Aber die Menge der Aufgaben ist in Wirklichkeit gar nicht das Problem. Die Anforderungen sind eine objektive Tatsache, und entweder Sie haben ausreichend Zeit zur Verfügung, um sie zu bewältigen (und vielleicht schaffen Sie es auch), oder eben nicht.
Das eigentliche Problem ist, dass Ihre Gedanken dauernd darum kreisen, was noch alles getan werden muss. Sie haben eine Idealvorstellung (ich werde alles rechtzeitig fertigstellen, und es wird perfekt gelingen) und Sie befürchten, dass Sie diese Vorgabe nicht erfüllen werden. Die Angst basiert also auf einer Idealvorstellung, die nicht realistisch ist.
Sie werden keinesfalls alles perfekt und pünktlich erledigen. Das schafft niemand. Akzeptieren Sie die Tatsache, dass Sie einiges schaffen werden, und zwar so gut, wie es Ihre Fähigkeiten erlauben. Wenn etwas nicht gelingt, dann werden Sie daraus lernen. So funktioniert die Welt nun einmal. Niemand ist perfekt. Der Idealfall ist in der Realität nicht vorhanden.
Und so weiter. So gut wie alle anderen Probleme, die wir hier anführen könnten, sind Manifestation dessen, was hoffentlich in den obigen Beispielen deutlich geworden ist.
Angst vor Versagen, Angst, nicht gut genug zu sein, Angst vor Kontrollverlust, Angst vor Einsamkeit, Angst vor Einbußen, Angst vor Unbehagen, Angst, etwas zu verpassen … immer wieder ist es letztendlich die Angst, einer Idealvorstellung nicht zu entsprechen. Dahinter stecken nicht zuletzt mangelndes Selbstvertrauen und fehlender Lebensmut.
Wenn wir das Loslassen solcher Wunschbilder einüben und damit anfangen, uns selbst anzunehmen, uns selbst etwas zuzutrauen, können wir viele Probleme überwinden.
Die Wurzel zahlreicher Schwierigkeiten ist nichts anderes als eine Angst, die aus unseren unrealistischen und überflüssigen Idealvorstellungen entsteht. Solche Wunschbilder dürfen wir getrost in die Wüste schicken.

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Fortsetzung folgt.
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Donnerstag, 20. April 2017

Von der Gewöhnung an das Zuviel

Ich bin kein Nostalgiker, für den früher alles besser war. Manches war besser, vieles war anders, aber die Glorifizierung des Vergangenen ist meine Sache nicht.

Heute bin ich bei der Vorbereitung meiner Frühstückspause jedoch auf etwas aufmerksam geworden, was einst leichter fiel: etwas Kostbares wertschätzen. Wieso? Das will ich gerne erläutern.

Ich trenne meine Pausenzeiten, in diesem Fall das Frühstück, bewusst von den Arbeitsstunden, indem ich den Schreibtisch verlasse, mir je nach Stimmung Musik aussuche und höre, ohne mich von der wartenden Arbeit ablenken zu lassen. Die wird auch nach meiner Pause noch da sein. Da bin ich mir sehr sicher.

Heute war mir nach Harfenmusik zumute. Und damit sind wir beim Früher/Heute. Früher wäre ich zum Schallplattenregal gegangen und hätte eine der drei oder vier LPs mit Harfenmusik herausgezogen. Oder, in späteren Jahren, aber immer noch früher, eine CD. Und heute habe ich am PC (der mit meiner HiFi-Anlage verkabelt ist) »Amazon Music« gestartet, den Suchbegriff »Harfenkonzert« eingegeben und hatte sofort eine reiche Auswahl an Alben auf dem Bildschirm. Ich habe dann »Boieldieu - Harfenkonzert in C Dur« gewählt und wie gewohnt gleichzeitig den PC das Musikstück in höchstmöglicher MP3-Qualität aufnehmen lassen. Nach der Frühstückspause wollte ich dann die Aufnahme im Ordner »Harfenmusik« auf unserer 10-Terabyte-Festplatte speichern … und stellte fest, dass dieses Konzert bereits dort vorhanden war.

[WP_20161026_09_34_59_Pro%255B3%255D.jpg]Früher wäre mir das nicht passiert. Da musste ich nämlich, wenn ich ein bestimmtes Konzert beziehungsweise Album haben wollte, die CD oder LP entweder erwerben oder von jemandem ausleihen, um sie auf Cassette zu überspielen. Meist kaufte ich, was in meine Sammlung sollte. Und das kostete Geld. Es war nicht umsonst zu haben – und das ist der springende Punkt.

Natürlich ist auch die Musik, die ich via »Amazon Music« höre, nicht umsonst zu haben. Ich bezahle die monatlichen Gebühren, die Amazon von Prime-Kunden verlangt. Aber das einzelne Musikstück, das einzelne Album, das ist dann einfach so unter einer unüberschaubaren Menge von Musikstücken zu haben. Dadurch verliert es nicht die Schönheit der Musik, die Virtuosität der Darbietung oder die technische Qualität der Aufnahme, aber wie ich am heutigen Harfenkonzert bemerkt habe, weiß ich den Besitz eines solchen Stückes offenbar weniger zu schätzen als wenn ich mir eine LP gekauft hätte. Obwohl ich hunderte LPs und CDs habe, weiß ich nämlich, ob ein gerade verspürter Hörwunsch in meiner Sammlung zu finden ist oder nicht. Bei den Dateien auf der Festplatte ist das ganz offensichtlich nicht mehr lückenlos der Fall.

Ist das schlimm? Nein. Aber für mich war es ein Indiz, wie leicht man sich an Überfluss gewöhnen und wie dabei die Wertschätzung einer an und für sich doch kostbaren Sache schwinden kann. Ich gedenke, dem mit erhöhter Aufmerksamkeit entgegenzuwirken. Musikhören war und ist für mich etwas Kostbares, das ich bewusst genieße (das vielerorts verbreitete Nebenbeigedudel zähle ich nicht zum Musikhören). Dass ich heute leichter in den Genuss einer Vielfalt von Musikstücken kommen kann als früher, sollte die Wertschätzung nicht mindern dürfen. Finde ich.

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Dienstag, 31. Januar 2017

Das wohl persönlichste Buch …

Ich habe, meine regelmäßigen Blogbesucher und Leser meiner Artikel und Bücher wissen das, schon allerlei unterschiedliche Texte verfasst. Darunter sind neben Sachtexten zu diversen Themen und Fiktionen auch zahlreiche persönliche Empfindungen und Erlebnisse zu finden. Einen womöglich repräsentativen Ausschnitt aus der Vielzahl meiner Texte bietet die [Übersicht auf meinem textlastigen Blog] nebenan bei Wordpress.

Am gegenwärtigen Projekt arbeiten nun die beste aller Ehefrauen und meine Wenigkeit gemeinsam. Einen Titel hat das Buch noch nicht und es ist auch bei weitem noch nicht fertig, nicht einmal die erste Rohfassung ist auch nur zur Hälfte komplett. Damit aber meine geschätzten Blogbesucher angesichts der Dürre hier auf dem Blog nicht glauben, ich wäre untätig, will ich heute den Entwurf der Einleitung zum geplanten Buch anbieten.

Bittesehr:

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Die Notoperation wird vorbereitet, aber ein Chirurg hat noch eine Idee, eine Hoffnung, wie mir vielleicht – es ist nicht wahrscheinlich aber immerhin auch nicht ausgeschlossen – ein künstlicher Darmausgang erspart werden kann …
- Blogeintrag aus dem März 2012

Mein Leben, das mir geschenkte Weiterleben, sieht anders aus als in der Zeit vor dem März 2012 – innerlich und äußerlich. Darum geht es in diesem Buch.

Ich fing noch im Krankenhaus an, zu notieren, was ich nicht vergessen wollte. Nur für mich selbst zunächst. Später schrieb ich auf meinem Blog darüber und bekam viele Zuschriften von Lesern, die selbst an Krebs erkrankt waren oder nahe Verwandte mit ähnlichem Schicksal hatten. Sie fühlten sich durch meine Berichte und Schilderungen ermutigt und manches war ihnen auch in ganz praktischer Hinsicht hilfreich. Mit einigen Lesern entwickelte sich eine Brieffreundschaft, aus der dann sogar persönliche Begegnungen zuIMG_0529_sepiastande kamen, die zu bis heute andauernder Freundschaft führten.

Der Anstoß, aus den Notizen und Berichten ein gemeinsam verfasstes Buch zu machen, kam dann von Eva, der besten aller Ehefrauen. Sie hatte via Facebook und in persönlichen Notizen notiert, was und wie sie empfand. Auch sie bekam Zuschriften von Freunden und Verwandten – sogar uns nicht persönlich bekannte Menschen drückten ihre Anteilnahme und Unterstützung aus. Wie viel das bedeutet, wie sehr so etwas zu stärken und Hoffnung zu geben vermag, muss vermutlich selbst erlebt werden, um es voll und ganz schätzen zu können.

In diesem Buch begegnen Sie also zwei Erzählern. Um dabei mögliche Irritationen beim Lesen zu vermeiden, erkennen Sie Günter J. Matthia an dieser Schrift, während die Textbeiträge von Eva Miller-Matthia in dieser Schriftfamilie gesetzt sind.

Eva: Die Idee, gemeinsam dieses Buch zu schreiben, ist mittlerweile über vier Jahre alt. Als sowohl Operation als auch Chemotherapie überstanden waren und wir nach vielen Monaten in unseren gewohnten und doch neuen, für uns einer Art Wiedergeburt gleichenden, Alltag zurückgefunden hatten, kam der Gedanke auf, das Erlebte aus unser beider Perspektiven aufzuschreiben.

Im März 2013, also genau ein Jahr nach der Diagnose Darmkrebs, wurde alles plötzlich wieder greifbar, jedes Gefühl und jeder Gedanke kam mit einer unerwarteten Intensität zurück. Tagelang hatte ich fertige Sätze im Kopf und formulierte meinen Teil des Erfahrungsberichts weiter, aus dem hoffentlich eines Tages ein Buch werden würde. Viele Freunde fanden die Idee ausgezeichnet und ermutigten uns, die Sache durchzuziehen. Nicht zuletzt ließen uns die vielen Mails, die Günter aufgrund seiner Berichte via Blog und Facebook, aber auch Zeitschriftenartikeln, von anderen Krebspatienten und deren Angehörigen erhalten hat, vermuten, dass ein solches Buch Menschen in ähnlichen Situationen Mut machen könnte.

Zugegeben, heute, Anfang 2017, fällt es mir deutlich schwerer, die Gefühle und Gedanken von damals in einer ähnlichen Intensität zu aktivieren, wie sie mich damals ungebeten überfielen. Aber sie sind nicht gänzlich verschüttet, sind noch abrufbar.

Wenn ich morgens mit unserem Hund durch die Dunkelheit stapfe, dem oftmals geradezu spektakulären Sonnenaufgang entgegen, ist die Dankbarkeit besonders greifbar. Aber auch bei der Verrichtung alltäglicher Dinge oder wenn die Arbeit gerade nicht besonders viel Freude macht, ist es nicht weit weg: das Wissen, dass das Hier und Jetzt nicht selbstverständlich ist, dass alles hätte anders ausgehen können, dass jeder Moment zählt und Wertschätzung verdient.

Bin ich etwa dankbar für den Krebs? Nein. Ich hasse ihn heute genauso wie vor zehn Jahren, als er mit dem Tod meines Vaters als Schreckensgestalt in unser Leben kam. Aber ich bin dankbar für die Veränderungen, die in unserem Leben Einzug gehalten haben. Wenn ich an etwas festhalten will, ist es die Dankbarkeit – für jeden gemeinsamen Tag seit dem März 2012 und für all das, was wir in unserem Leben ändern konnten.

Der vielfältige Beistand, den Eva und ich erleben durften und hoffentlich auch weiter erleben werden, durch so viele mitempfindende Menschen, die Gebete, ob nun »zum Universum« oder zu einem namentlich benannten Gott, von für mich angezündeten Kerzen in katholischen Kirchen bis zu ganz und gar weltlich-irdischen Genesungswünschen … für all das sagen wir auch mit diesem Buch ein herzliches und tief empfundenes Dankeschön!

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P.S.: Foto © November 2012 Photographer Mensch; Ralf Arndt, Berlin

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Donnerstag, 27. Oktober 2016

Leonard Cohen: You Want It Darker

Wenn vom Kunst die Rede ist, sei es nun Literatur, Musik oder eine der anderen Erscheinungsformen, dann ist jede Rezension naturgemäß subjektiv. Was mir Freude macht, mag einen anderen Menschen langweilen, was mir missfällt, ist für andere Menschen womöglich ein Hochgenuss. Und das ist auch gut so. Was ich also hier über Leonard Cohens »You Want It Darker« zu sgaen habe, ist eine sehr persönliche Sicht.

Mit Superlativen bin ich zurückhaltend, ich könnte auch nicht sagen, welches Album von Leonard Cohen sein bestes wäre - aber »You Want It Darker« ist auf jeden Fall ein Meisterwerk. Dem 82jährigen ist so etwas wie ein krönender Abschluss seines künstlerischen Schaffens als Musiker gelungen. Es wird zwar aller Voraussicht nach laut Adam Cohen ein weiteres Album, ein orchestrales Werk, geben, aber das bleibt abzuwarten.

14724593_10207683434792001_5442476281373428787_nAuf »You Want It Darker« schließen sich für mich viele Kreise. Zum Beispiel hieß es einst (1969) bezüglich der Geschichte von Abraham und Isaak: »You who build these altars now to sacrifice these children, you must not do it anymore. A scheme is not a vision and you never have been tempted by a demon or a god.« Das war der zornige, gegen Gott und die Welt aufbegehrende Cohen. Auf dem neuen Album kommt er im Titelsong auf diese biblische Geschichte zurück und singt: »Hineni Hineni - I’m ready, my Lord.« Hineni ist das hebräische »Hier bin ich«, mit dem Abraham seinen unbedingten Gehorsam ausgedrückt hat. »Magnified and sanctified be Thy Holy Name« - da schließt sich auch der Kreis zum »broken, very lonesome Hallelujah«. Ohne, dass die Augen vor der Tatsache verschlossen würden, dass Gebete oft genug ohne Antwort bleiben: »A million candles burning for the help that never came.«

Im nächsten Lied, »Treaty«, zeigt sich (für mich, wie gesagt ist das alles sehr subjektiv) die Kluft zwischen Christentum und Judentum und der Wunsch nach einer Brücke, einem Vertrag zwischen den beiden Religionen. »I seen you change the water into wine, I seen you change it back to water too. ... I do not care who takes this bloody hill, I’m angry and I’m tired all the time. I wish there was a treaty between your love and mine.«

Ist es Altersweisheit, die sich in »On The Level« äußert? »Now I’m living in this temple where they tell you what to do. I’m old and I’ve had to settle on a different point of view.« Wir kommen in unseren reiferen Jahren zu anderen Schlüssen als in der Jugend. Und lassen dabei so manche Sichtweise als untauglich hinter uns. »When I turned my back on the devil, turned my back on the angel too.«

Jedes der Lieder ist in gewisser Weise ein Abschied - aber kein weinerlicher, auch kein zorniger oder enttäuschter, sondern das Album atmet Gelassenheit, Ruhe und sehr viel Frieden. Es ist für mich Leonard Cohens religiösestes Werk, abgesehen von seinem literarischen Book of Psalms natürlich. Der Kreis der Auseinandersetzung mit Gott, seinen Wegen und seinem Willen, schließt sich nicht in Resignation, sondern ungefähr so, wie es Johnny Cash ausgedrückt hat, als er sich dem Ende seines langen Lebens näherte: My arms are too short to wrestle with God.«

»You Want It Darker« wird auf jeden Fall eines meiner bevorzugten Leonard Cohen Alben bleiben. Die sparsame Instrumentierung passt so gut zu den Liedern, dass tatsächlich ein Gesamtkunstwerk entsteht, in dem Texte, Musik und Arrangements perfekt zusammenpassen. Ein Abschiedsalbum ohne Sentimentalitäten - traurug durchaus, aber nicht trost- oder hoffnungslos. Beim Anhören von Nick Caves »Skeleton Tree« färbt die Trauer auf mein Befinden ab - bei »You Want It Darker« empfinde ich trotz der innerlichen Auseinandersetzungen mit Gott und der Welt (und dem, was uns in der Welt so alles begegnet) Frieden, wenn die letzten Töne verklingen.

Hier kann man das Album bei Interesse kaufen:

Mittwoch, 17. August 2016

Prokrastination … da kann man (bei Bedarf) abhelfen

Ich sprach vor kurzem im Rahmen meiner Berufstätigkeit mit einem jungen Menschen, der mit seiner Motivation zu kämpfen hatte. Er begeistert sich für ein Projekt oder einen Plan und ist anfangs sehr motiviert. Aber nach ein paar Tagen oder spätestens Wochen vertrocknet die Euphorie. Verschlepperei und Aufschieberitis (von manchen Zeitgenossen gerne als Prokrastination bezeichnet) beginnen, bis dann das Projekt irgendwann ganz abgeschrieben wird, der Plan gescheitert ist. Im Grunde will er ernsthaft das Projekt fertigstellen, den Plan ausführen, doch die Motivation schwindet zusehends. Immer wieder.

Ich erklärte dem jungen Mann, dass es sich lohnt, in die Abhilfe Zeit zu investieren, denn nur wenige Probleme können so negative Auswirkungen haben wie dieses, sowohl im beruflichen als auch im privaten Lebensbereich. Ich schlug ihm ein mehrwöchiges Experiment zur Motivation vor. Jeder Mensch wird anders motiviert (und im Lauf des Lebens kann sich das auch ändern), so dass man bei solchen Schwierigkeiten erst einmal herausfinden sollte, was persönlich wirklich motivierend wirkt. Übrigens ist das auch für mich selbst ab und zu ratsam – und vielleicht für den einen oder anderen Blogbesucher?

cleanDamit wir uns nicht falsch verstehen: Gegen Müßiggang habe ich gar nichts einzuwenden. Ausspannen, Faulenzen … wichtig und richtig. Nur wenn wir im Leben und Alltag gar nichts mehr »gebacken kriegen«, dann sollten wir über Abhilfe nachdenken. Denn der Fliesenboden muss nun mal gereinigt werden, sonst sieht er bald aus wie bei Hempels unter dem Sofa. Garantiert. Einverstanden?

Und wie funktioniert das Experiment? Sie probieren jede Methode eine Woche lang aus und notieren die Ergebnisse. Nach ein paar Wochen wissen Sie mehr über Ihren persönlichen Motivationsstil als je zuvor. Hier sind acht Vorschläge zum Ausprobieren:

1. Unvermeidliche Folgen

Setzen Sie einen Termin fest, an dem die Aufgabe abgeschlossen werden soll und legen Sie eine unvermeidliche Folge fest, falls Sie den Termin nicht einhalten. Am besten ist es, diese Frist und die Folge einem zuverlässigen Partner mitzuteilen oder öffentlich zu machen. Und natürlich müssen Sie dann auch ehrlich sein.

Ein Beispiel: Ich könnte auf Facebook erklären, dass ich in der kommenden Woche 1000 Worte pro Tag an meinem Buch schreiben werde. Falls ich es nicht tue, kann am Sonntag nicht den Tatort sehen. Das Modell funktioniert natürlich nur, wenn die Konsequenzen wirklich wehtun. Wenn ich als unvermeidliche Folge festlege, dass ich nicht in die Diskothek darf, dann werde ich frohen Gemüts keine 1000 Worte pro Tag schreiben.

2. Abschlusszwang bei Listen

Viele Menschen, mich eingeschlossen, empfingen den starken Drang, eine angefangene Liste auch zu vervollständigen. Wenn Sie beispielsweise 15 von 20 Episoden einer Serie gesehen haben, möchten Sie wahrscheinlich auch den Rest nicht verpassen. Das ist der »Abschlusszwang«. Ich denke, jeder erlebt ihn irgendwann – vor allem, wenn es realistisch ist, die Liste zu vervollständigen. In unserem Sportstudio bei der Einführung gab mir der Trainer damals Listen: Drei mal zehn Übungen an Gerät Nummer 22. Und natürlich zählte ich dann mit und absolvierte die Liste. Zehnerliste für Zehnerliste. Hätte er gesagt, ich solle ungefähr dreißig Übungen machen … wer weiß.

Die Methode: Unterteilen Sie ein großes Projekt oder eine langwierige Aufgabe in zehn kleine Aktionen, die Sie in dieser Woche schaffen möchten, oder fünf kleine Aktionen, die Sie pro Tag beenden wollen. Ihr tägliches beziehungsweise wöchentliches Ziel ist es, die überschaubare Liste komplett abzuhaken. Man kann dies mit der ersten Methode kombinieren: wenn ich meine tägliche Liste nicht beende, darf ich nachher den Roman nicht weiter lesen.

3. Eine starkes Warum

Machen Sie sich die tieferen Gründe bewusst, weshalb Sie ein Ziel erreichen oder eine Aufgabe erfüllen wollen. Es sollte ein Grund sein, der Ihnen wirklich etwas bedeutet, von dem Sie zutiefst überzeugt sind.

In meinem Fall ist da zum Beispiel die sportliche Betätigung: Ich weiß, dass ich meine Überlebenschance um bis zu 67 Prozent verbessern kann, wenn ich mindestens drei Mal pro Woche mindestens 45 Minuten Ausdauersport treibe. Das haben langjährige Studien mit tausenden Krebspatienten belegt. Glauben Sie mir, liebe Blogbesucher, das ist ein sehr motivierender Grund. Sie können sich aber auch einfach beispielsweise im Berufsleben ins Gedächtnis rufen, dass Sie diese oder jene Arbeit erledigen, weil Sie nicht zu den Pfandflaschensammlern gehören möchten.

4. Aufgaben spannender und erfreulicher machen

Es ist einfach, sich am Anfang für ein Projekt oder Ziel zu begeistern, aber das lässt nach, wenn etwas alltäglich und normal wird. Also erneuern Sie die Begeisterung!

Jeder Tag beginnt mit einem Ziel, das Sie erreichen können und das Ihnen wichtig ist. Machen Sie die Erreichung des Ziels (oder auch den Weg dahin) interessant: Lassen Sie sich inspirieren, visualisieren Sie Ihre Leistung, finden Sie Musik, die Sie motiviert, suchen Sie ein inspirierendes Zitat ... irgend etwas, was Sie begeistert, damit Sie Ihr Ziel für den Tag erreichen!

Bei mir funktioniert Musik in vielen Bereichen. Ich kann zum Beispiel zu klassischer Musik mit wesentlich besserer Motivation an Übersetzungen arbeiten. Wenn es um das Aufraffen zu einer mühsamen oder inhaltlich langweiligen Übersetzung geht, kann mir die Vorfreude auf den Kunstgenuss das Loslegen deutlich erleichtern, denn ich darf ja dabei Mozarts Harfenkonzert hören. Oder Cellokonzerte von Haydn. Beim Training auf dem Laufband dagegen wähle ich Rock, Blues, Country … von Nirvana bis Kris Kristofferson ist alles dabei. Und beim Saubermachen, da singe ich gerne.

5. Zuverlässigkeit einüben

Einer der wichtigsten Pluspunkte im Leben liegt darin, Vertrauen zu genießen. Wenn es Menschen gibt, die glauben, dass Sie auch tun werden, was Sie versprechen, dann führen Sie ein ganz anderes Leben als im gegenteiligen Fall. Wenn die Menschen Ihnen nicht vertrauen, werden Sie keine guten Beziehungen haben, weder im Liebesleben, noch mit Freunden, noch bei der Arbeit. Oder würden Sie jemanden einstellen, von dem Sie nicht wissen, ob er morgen zur Arbeit erscheint und seine Aufgabe erledigt? Vielleicht ja, aber nach einer Woche würden Sie ihn kündigen.

Das Motto »Halte dein Wort« sollte eine Ihrer Prioritäten im Leben sein oder werden. Das beginnt mit kleinen Dingen und es hilft auch bei dem Thema, um das es hier geht. Versprechen Sie jemandem, dass Sie eine kleine Aufgabe erledigen, die 10 bis 30 Minuten in Anspruch nimmt. Dann tun Sie es. Wiederholen Sie diesen Vorgang mehrmals am Tag. So werden andere Ihnen zunehmend vertrauen und gleichzeitig wächst Ihr Selbstvertrauen. Schreiben Sie das Motto irgendwo auf, wo Sie es häufig sehen, damit Sie es nicht vergessen.

6. Finden Sie eine Gruppe

Menschen sind soziale Lebewesen, und Sie können das zu Ihrem Vorteil nutzen. Gründen oder finden Sie eine Gruppe von Freunden oder Kollegen, die Ziele erreichen oder Projekte beenden wollen. Setzen Sie sich gemeinsam tägliche oder wöchentliche Ziele und besprechen Sie miteinander regelmäßig die Ergebnisse. (Das kann eine Facebook-Gruppe oder eine Gruppe sein, die sich in Ihrer Nachbarschaft trifft).

Setzen Sie in der Gruppe Belohnungen und/oder peinliche Konsequenzen (siehe oben) fest. Man kann wöchentliche Belohnungen für diejenigen einführen, die am besten ihre Ziele erreicht haben. Ermutigen und helfen Sie einander, wenn jemand ins Stocken geraten sollte. Es geht aber auch ohne solche Anreize - oft reicht es, dass man einander Rechenschaft ablegt.

7. Genießen Sie Erfolge

Nach jeder Aufgabe, die Sie abgeschlossen haben, machen Sie eine Pause, in der Sie ganz bewusst und völlig eigennützig Ihr Gefühl genießen, etwas geschafft zu haben. Das ist ein tolles Gefühl! Teilen Sie Ihren Sieg mit anderen. Genießen Sie es, das Vertrauen in sich selbst zu stärken. Stürzen Sie sich nicht sofort in die nächste Aktivität – feiern Sie Ihren Erfolg.

Wenn Sie dann eine neue Aufgabe beginnen, wissen Sie schon vorher, wie gut Sie sich fühlen werden, wenn Sie auch das nächste Ziel erreichen.

8. Schnelle Belohnungen

Im Grunde ist das die Umkehrung der ersten Methode. Erstellen Sie ein System, in dem Sie kurze Aufgaben (nur zehn bis zwanzig Minuten) erledigen und gleich anschließend eine kleine Belohnung erhalten, weil Sie es geschafft haben. Zum Beispiel: ich brauche nur zehn Minuten zu schreiben, dann bekomme ich einen Latte macchiato. Oder ich arbeite meinen Email-Posteingang ab, dann kann ich mir eine Schallplatte aussuchen und auflegen. Oder ich belohne mich nach drei absolvierten Ausdauertrainings in der Woche mit einer Tüte Lakritze.

Wenn Sie die Aufgabe nicht erledigen, gibt es auch die Belohnung nicht! Je kleiner die Aufgabe, desto besser, denn dann legen Sie viel eher los.

Das sind acht Vorschläge, Sie können sich natürlich andere ausdenken oder finden, wie die Seinfeld-Methode oder die Pomodoro-Technik. Alles, was zählt, ist, dass Sie das Experiment durchführen und die Ergebnisse notieren. Am Ende eines jeden Wochenexperimentes schreiben Sie einen kurzen Überblick darüber, wie es gelaufen ist. Bewerten Sie Ihre Produktivität auf einer Skala von 10 Punkten. Dann versuchen Sie das nächste Modell.

Am Ende werden Sie ein paar tolle und ein paar für Sie unpassende Methoden ausprobiert haben und wissen, was Ihnen am meisten hilft. Sie könnten Methoden kombinieren oder verschiedene zu unterschiedlichen Zeiten nutzen. Und vielleicht werden Sie, nach all diesen Experimenten, so viel Selbstvertrauen in Ihr Durchhaltevermögen und damit so viel Motivation entwickelt haben, dass Sie gar keine Methoden mehr brauchen!

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Ehre, wem Ehre gebührt: Die Idee für die acht Ideen stammt von Leo Babauta. Das Bild ist mein eigenes Kunstwerk.

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P.S.: Hilfreiches für einen gelingenden Alltag steht auch in diesen beiden Büchern:


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Freitag, 5. August 2016

Ein Blick voraus - mit Zuversicht

Das Interview ...Regelmäßig lesende Blogbesucher wissen, dass ich mit dem Ende des kommenden Septembers meine berufliche Laufbahn und Tätigkeit vorzeitig beenden werde. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber beim Abwägen zwischen den erheblichen finanziellen Einbußen und der Befreiung von einer aufgrund der Folgen von Krebserkrankung und Chemotherapie sehr belastenden Arbeitsumgebung entschied ich mich dann, mir mein Leben nicht länger des Geldes wegen so gesundheitsschädigend zu gestalten. Schon eine oder zwei Wochen Urlaub führen dazu, dass es mir gesundheitlich deutlich besser geht, beispielsweise ist das Tinnitusgeräusch heute (nach knapp drei Wochen Urlaub) so weit in den Hintergrund gerückt, dass ich es überhaupt nicht bemerke, solange ich dies und das zu tun habe.

In einem Interview wurde ich kürzlich unter anderem nach meinen Zukunftsplänen gefragt. Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch, damit auch meine geschätzten Blogbesucher Bescheid wissen.

FRAGE: Herr Matthia, neben Ihrem Vollzeitjob haben Sie ja noch einige „Berufe“, denen Sie in Ihrer Freizeit nachgehen. Da fällt mir gleich einmal Autor und Übersetzer ein.

G.J.Matthia: Ja, das liegt daran, dass ich schon immer eine große Affinität zum Schreiben hatte. Schon in der Schule war Deutsch mein Lieblingsfach, ich habe sehr früh angefangen, Texte für alle möglichen Anlässe zu verfassen und auch, um meine Familie zu unterhalten. Mein öffentliches Debüt habe im Alter von 12 Jahren mit meiner ersten kleinen Veröffentlichung gehabt.

FRAGE: Worum ging es in dem Text und wer hat Ihnen denn da zum ersten Erfolg verholfen?

G.J.Matthia: Ich hatte einen Artikel über ein Sportfest aus Sicht eines Nichtsportlers verfasst, der einen humoristisch-satirischen Unterton hatte. Mein älterer Bruder riet mir, diesen doch an die Lokalzeitung zu schicken. Und daraufhin wurde der Artikel publiziert.

FRAGE: Aber das war ja nicht das letzte Werk von Ihnen …

G.J.Matthia: Nein, ich habe eine Vielzahl von Beiträgen für diverse Medien geschrieben und 1998 erschien mein erstes Buch in einem süddeutschen Verlag, ein autobiografisches Buch über meine Kindheit und Jugend. Das Manuskript hatte ich überwiegend während schlafloser Nächte in einem Schwedenurlaub verfasst. Es ist keine wirkliche Autobiographie sondern ein autobiografischer Roman, jetzt in der 4. Auflage erhältlich. Es folgten weitere Bücher und weiterhin Artikel für Zeitschriften und elektronische Medien.

FRAGE: Sie haben aber auch ein Faible für Musik, wie man Ihrem Blog entnehmen kann.

G.J.Matthia: Ja, sehr sogar. Als ich nach dem Schulabbruch als Hippie durch Europa zog, bin ich auch als Musiker aufgetreten. Und ich hatte jahrelang eine Band, die ich vor ein paar Jahren aber zu Gunsten meiner Schreibleidenschaft aufgegeben habe.

FRAGE: Welche Musik haben Sie denn gespielt? Und wer hat Sie geprägt?

G.J.Matthia: Wir haben vorrangig in Richtung Gospel, Rock und Blues gespielt. Geprägt wurde ich in erster Linie durch die Beatles. Später kamen dann Paul Simon, Bob Dylan und Leonard Cohen dazu, die ich auch bis heute sehr gern höre.

FRAGE: Herr Matthia, welche Pläne haben Sie ab Oktober, wenn Sie dann Ihre Zeit anders einteilen können? Kehren Sie zur Musik zurück?

G.J.Matthia: Pläne habe ich viele, die Musik steht aber ziemlich weit hinten. Sicher werde ich weiterhin Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche anfertigen. Diesem bisher nur als Nebenjob möglichen Broterwerb kann ich dann mehr Zeit widmen. Und ein weiteres eigenes Buch, das zehnte, ist geplant. Ich möchte darin gern meine Erlebnisse seit der Krebserkrankung 2012 erzählen – was ich ja via Blog schon getan habe und tue. Für die Buchform brauche ich Zeit und Ruhe. Gerne werde ich auch weiter als Ghostwriter tätig sein. Und der Rest wird sich schon ergeben, langweilig wird mir sicher nicht.

FRAGE: Herr Matthia, vielen Dank für das Interview und wir wünschen Ihnen einen langen und erfüllenden Ruhestand.

G.J.Matthia: Gern geschehen.

Übrigens wird es – bevor das im Interview angesprochene Buch über die Krebserkrankung entsteht, noch eine andere Neuerscheinung aus meiner Feder geben. Voraussichtlicher Titel der Erzählung: Angelina.  Und das alles ist natürlich ein Blick voraus mit Zuversicht in dem Wissen, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Meine Überlebenschance für die nächsten zwei Jahre aus medizinischer Sicht liegt nach wie vor bei 50 Prozent.

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Donnerstag, 14. Juli 2016

Frust macht krank – was tun?

Gibt es zufällig jemanden unter meinen geschätzten Blogbesuchern, der im Laufe eines Tages (oder einer Woche) nie frustriert, gereizt, verärgert reagiert? Dann möge er oder sie mir doch mal das Rezept zukommen lassen, ich wäre sehr neugierig.

Für alle anderen, mich eingeschlossen, gilt: Der Straßenverkehr zerrt an den Nerven, ein Mensch reagiert nicht wie erwartet, jemand sagt uns, wir wären im Irrtum, die Technik funktioniert nicht wie gewünscht, das Abendessen misslingt ... und so weiter und so fort.

Solche Frustrationen können uns unglücklich machen, zu Beziehungsproblemen führen, den Arbeitsplatz vermiesen, Stress erzeugen ... und schließlich explodiert man, anstatt einen kühlen Kopf zu bewahren. Das ist alles andere als hilfreich. Noch schlimmer: Inzwischen zweifelt die Medizin nicht mehr daran, dass Frust ernsthafte und sogar tödliche Erkrankungen begünstigen, womöglich auch herbeiführen kann.

Aber können wir uns denn überhaupt wehren? Müssten wir dazu nicht auf eine einsame Insel ziehen oder uns in einem Kloster verkriechen? Und wer weiß, ob nicht auch dort Verdruss und Enttäuschungen auf uns lauern würden.

Meine Erfahrung: Unsere Blickrichtung können wir selbst bestimmen – und das ist eine Möglichkeit, 
die Folgen solcher Frustrationen zu mildern oder ganz zu vermeiden. Praktizierte Achtsamkeit ist der Schlüssel, den ich aus Erfahrung nur empfehlen kann.

Dabei ist die erste Frage, woher Frustrationen stammen, und wenn wir die beantwortet haben, geht es darum, den Blickwinkel zu ändern.

Frustration bemerken

Wenn sich wieder einmal Frust aufbaut, beobachten Sie sich ganz bewusst. Achten Sie darauf, wenn Sie über etwas oder mit jemandem unzufrieden sind, dass und wie in Ihrem Körper diese Enttäuschung spürbar wird.

Beobachten Sie Ihre Atmung. Entsteht ein Gefühl der Enge in der Brust? Bemerken Sie verspannte Schultern oder eine angespannte Bauchmuskulatur? (Letzteres ist bei mir persönlich das untrügliche Signal.) Was passiert mit Ihren Gesichtszügen? Ballen sich Ihre Hände zu Fäusten?

Finden Sie heraus, wie sich Frustration in ihrem Körper bemerkbar macht. Und dann bleiben Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit bei dem Gefühl, nur für ein paar Momente, wenn Sie den Mut dazu aufbringen. Normalerweise tun wir alles andere lieber, als diesen Empfindungen Beachtung zu schenken. Wir versuchen vielmehr, sie schnellstens loszuwerden, indem wir die Situation ändern, Menschen dazu bringen, sich anders zu verhalten, oder indem wir uns ablenken. Aber bleiben Sie einmal ein paar Momente mit Ihrer Aufmerksamkeit bewusst bei ihrer körperlichen Reaktion, wenn Sie es schaffen. Dann fällt es Ihnen nämlich beim nächsten Mal leichter, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, dass das Fass überläuft.

Sie wissen also jetzt, dass Sie gerade Frustration erleben und was dieser Zustand mit ihrem Körper anstellt. Nun achten Sie darauf, was Sie in diesem Augenblick gerne anders hätten als es ist. Was fehlt Ihnen in diesem frustrierenden Moment? Frust ergibt sich so gut wie immer aus dem, was wir nicht haben.

Haben Sie das schon einmal bemerkt? Es fehlt in solchen Augenblicken etwas. Man wünscht, es wäre vorhanden. Der Mangel frustriert. Ein paar Beispiele:
  • Ihr Kind verhält sich nicht so, wie Sie es erwartet hätten ... was Sie also nicht haben, ist »ideales« Verhalten des Kindes. (Eigentlich ist es Ihr Ideal, nicht das des Kindes.)
  • Ihr Computer stürzt immer wieder ab, und Sie können nicht flüssig arbeiten ... was Sie nicht haben, ist ein Computer, der reibungslos funktioniert.
  • Die Leute reden in einer Weise über Sie, die Sie ärgert ... was Sie nicht habe, sind Menschen, die mit Ihnen einverstanden sind oder die sich so verhalten, wie Sie es wollen.
  • Der Feierabendverkehr wird zum Chaos, Sie kommen nicht voran ... was Sie nicht haben, ist eine stressfreie, ruhige Fahrt nach Hause.

Das sind nur Beispiele, aber in allen Fällen wird deutlich, dass etwas fehlt, dass Sie etwas (anderes) haben wollen. Normalerweise haben Sie eine Idealvorstellung, von der die Wirklichkeit abweicht. Also versuchen Sie beim nächsten Frust einmal, das Gefühl in Ihrem Körper bewusst wahrzunehmen und dann festzustellen, was Ihnen fehlt, warum Sie jetzt enttäuscht, verärgert, wütend oder traurig sind. Was passiert da im Kopf?

Wenn wir einen Mangel empfinden, frustriert, gereizt und verärgert sind, dann drehen wir uns oft gedanklich ziemlich im Kreis. »Es ist so ärgerlich, dass er so etwas immer wieder tut« oder »warum kann sie nicht einfach mal so und so sein.«

Wir verhaspeln uns in diesen (völlig nutzlosen!) Überlegungen, bleiben daran kleben, werden schließlich zum Gefangenen der Gedankengänge. Wir wünschen, die Umstände wären anders, die Menschen würden sich nicht so und so verhalten, die Leute würden einsehen, dass wir Recht haben. Es ist leicht, sich darin zu verfangen.

Es ist dagegen nicht so leicht, überhaupt zu bemerken, dass wir in Gefangenschaft geraten, während es passiert. Wenn es Ihnen aber gelingt, diese Verstrickung zu bemerken, dann können Sie sich leichter darüber klar werden, dass Sie gerade eine Phantasiegeschichte bezüglich der Situation entwerfen. Eine Geschichte darüber, wie Sie sich die Umstände anders wünschen, wie andere Menschen nach Ihrer Vorstellung sein und handeln sollten.

Beobachten Sie ruhig einmal, wie Sie sich in dieser Geschichte verfangen. Beobachten Sie, welche Gefühle das in Ihnen auslöst. Wie Ihr Körper reagiert. Sind Ihre Gesichtszüge noch entspannt? Können Sie ruhig und gleichmäßig atmen? Wie fühlen sich Ihre Schultern, Ihr Bauch an? Und dann versuchen Sie sich darüber klar zu werden, dass Ihre Geschichte alles andere als die felsenfeste Wahrheit ist. Sie entspricht nicht der Realität. Sie ist ein Traum, den Sie herbeiwünschen. Kann es die Situation ein wenig aufhellen, wenn Sie die traumhafte Natur Ihrer Geschichte bemerken?

Was ist denn eigentlich vorhanden?

Wenn unsere Konzentration auf das, was wir nicht haben, uns frustriert und letztendlich krank macht  ... dann könnte das Gegenteil uns doch womöglich helfen? Das Gegenmittel zum Frust könnte doch lauten: Zu schätzen wissen, was schon hier, in ausgerechnet diesem Moment vorhanden ist.

In den Augenblicken, in denen die Frustration aufsteigt, dürfte das kaum gelingen, denn wir wollen einfach nur, dass alles so ist, wie wir es uns vorstellen oder wünschen. Die anderen Menschen sollen sich gefälligst so verhalten, wie wir es wollen. Das Leben soll auf den Bahnen verlaufen, die wir uns ausgemalt haben. Leider ist das in der Regel nicht immer der Fall. Manchmal können wir Menschen zwingen, so zu handeln, wie wir wollen, weil wir Macht über sie haben, aber daraus kann keine gute Beziehung zu anderen entstehen, und am Ende werden weder der andere noch man selbst glücklich sein.

Aber ich habe festgestellt, dass es mit etwas Übung möglich ist (und immer leichter wird), mich darauf zu konzentrieren, was ich immer noch und trotz der Umstände zu schätzen weiß, wenn Frust entstanden ist und wenn ich meine Gefangennahme anhand der Symptome bemerke. Lassen Sie uns die Beispiele von oben nehmen:
  • Ihr Kind verhält sich nicht so, wie Sie es erwartet hätten ... aber Sie können tief durchatmen und in diesem Moment so einiges zu schätzen wissen: Ihr Kind ist ein wunderbarer Mensch, der sich zwar nicht ständig perfekt benimmt (wer tut das?), aber Sie haben ein Kind und Ihr Kind ist lebendig, entdeckt die Welt und lernt, sich in ihr zurechtzufinden! Es ist bei Ihnen! Und Sie lieben Ihr Kind.
  • Ihr Computer stürzt immer wieder ab, und Sie können nicht flüssig arbeiten... aber Sie können tief durchatmen und dankbar sein, dass Sie einen Computer haben, dass Sie nicht im Elend leben, dass es Menschen in Ihrem Leben gibt, die Sie lieben. Sie können die Pause, in der das Gerät neu startet oder ein Reparaturprogramm läuft, dazu nutzen, sich zu strecken, in die Natur zu gehen; Sie können fantastische Dinge um sich herum bemerken oder auch einfach nur fünfzehn Minuten auf dem Sofa liegend die Augen schließen und nichts tun müssen.
  • Die Leute reden in einer Weise über Sie, die Sie ärgert ... aber Sie können tief durchatmen und feststellen, dass diese Leute eine abzählbare Schar sind und nicht die ganze Welt! Und Sie sind am Leben und im Leben! Die Menschen sind unterschiedlich, interessant und chaotisch, aber gerade das sorgt für Vielfalt im Leben. Und Sie müssen ja nicht unbedingt mit jedermann bestens zurechtkommen. Schon der Apostel Paulus riet seinen Lesern in Rom: »Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.« Sie werden manche Leute und deren Gerede nicht ändern können. Also wenden Sie sich denen zu, mit denen Sie Frieden haben können.
  • Der Feierabendverkehr wird zum Chaos, Sie kommen nicht voran ...  aber Sie können tief durchatmen und die Tatsache genießen, dass Sie schöne Musik im Auto hören können, dass Sie eine ruhige Übergangszeit zwischen Arbeit und zu Hause haben, in der Sie über das Leben nachdenken können, dass Sie überhaupt ein Zuhause habe, das jetzt vor Ihnen liegt, oder dass Sie Zeit haben, die Architektur oder Landschaft am Rand der Straße in Ruhe zu betrachten.

Das soll nun nicht heißen, dass wir nur positive Gedanken denken sollen ... ganz im Gegenteil. Unsere negativen Gedanken zu bemerken und bei ihnen zu bleiben, ist wichtig. Wir können die frustrierenden Begegnungen und Geschehnisse nicht vermeiden, aber wir können uns bewusst machen, dass das nicht alles ist – und diese bewusste Achtsamkeit auf das, was gerade geschieht und was es darüber hinaus noch gibt, kann sehr hilfreich sein.

Wenn wir nämlich nicht mit unseren Frustrationen umgehen können, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, aus der Wut heraus und mit Gewalt zu reagieren, und das ist nicht sinnvoll. Weder für uns selbst, noch für die Situation, in der wir stecken.

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P.S.: Hilfreiches zum Thema steht auch in diesen beiden Büchern:


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Dienstag, 5. Juli 2016

Wer ist eigentlich arm dran?


»Geld«, sagte mir kürzlich jemand, als wir über den vorgezogenen Ruhestand sprachen, »Geld ist ja nicht das Problem. Aber ich wüsste nicht, was ich dann den ganzen Tag mit mir anfangen sollte.«

Irgendwie tut er mir leid. Ich habe mich nach langem Abwägen und hin und her Rechnen dafür entschieden, mit dem 30. September 2016 vorzeitig aus dem Berufsleben auszusteigen, obwohl das eine deutlich spürbare finanzielle Einbuße bedeuten wird. Meinen Beruf habe ich gerne ausgeübt, lediglich das Arbeitsumfeld wurde mir in den letzten Jahren mehr und mehr zur gesundheitlichen Belastung. Da eine Änderung der Umstände nicht absehbar war und ein solcher Verlust an Lebensqualität und Gesundheit mit Geld nicht aufzuwiegen ist, war dann der Ausstieg die vernünftigste Variante. Wenn ich wie mein oben erwähnter Gesprächspartner über Geld wie Heu verfügen würde, wäre mir der Schritt noch leichter gefallen.

Aber eigentlich ist ja er arm dran, nicht ich. Es gibt doch so vieles zu entdecken, auszuprobieren, zu erleben und zu genießen! Bücher lesen, Musik hören, Texte schreiben, selbst musizieren, mit der Kamera hinaus ins Grüne oder ins urbane Leben, Konzerte und Ausstellungen besuchen, in der Wohnung dies und das renovieren und reparieren, neue Hobbies ausprobieren, fantasievolle Mahlzeiten zubereiten, Fahrradtouren und Wanderungen unternehmen … mir fallen schier unerschöpflich viele Aktivitäten und Unternehmungen ein, die kein oder nicht viel Geld kosten. Außerdem gibt es zahllose Möglichkeiten, sich ehrenamtlich, politisch oder gesellschaftlich zu engagieren, falls das alles nicht reichen sollte. Ganz abgesehen davon, dass auch das gelegentliche Nichtstun eine Wohltat für Körper, Seele und Geist ist.

Liebe geschätzte Blogbesucher, ich hoffe, dass unter Ihnen nicht allzu viele sind, deren beinahe einziger Lebensinhalt die Arbeit ist. Falls das aber zutreffen sollte, rate ich Ihnen dringend, dass Sie beizeiten ausprobieren, was Ihnen Spaß machen würde und wofür Sie sich begeistern könnten, wenn Sie plötzlich viel Zeit (und womöglich deutlich weniger Geld) zur Verfügung hätten.

Keiner von uns weiß, wie lange das Leben währt. Bitter wäre es, am Ende festzustellen, dass das, was man für das Stimmen der Instrumente gehalten hat, schon das Konzert war.
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P.S.: Bild von [Free Stock Fotos]
P.P.S..: Hilfreiches zum Thema steht auch in diesen beiden Büchern:
Entschleunigung und Achtsamkeit (Günter J. Matthia)

Das kleine Buch über die Zufriedenheit (Leo Babauta)

Mittwoch, 23. März 2016

Zweieinhalb krebsfreie Jahre

2013 im Herbst und 2016 im MärzNach der heutigen Krebsnachsorgeuntersuchung können wir beide wieder aufatmen und das bevorstehende Osterfest unbeschwerter genießen und feiern: Wiederum wurden keine Metastasen oder sonstigen Auffälligkeiten festgestellt. Die Ergebnisse aus dem Labor bekomme ich zwar erst am 6. April, aber diesbezüglich bin ich recht gelassen.

Zweieinhalb Jahre – das bedeutet Halbzeit. Nach fünf Jahren gilt man medizinisch als geheilt. Das heißt natürlich nicht, dass man nie wieder Krebs bekommen kann, aber die Wahrscheinlichkeit liegt dann wieder auf dem gleichen Niveau wie vor der Diagnose.

Bis dahin, bis zum Herbst 2018, habe ich nach wie vor eine Überlebenschance von 50 Prozent. Das zu wissen steigert die Dankbarkeit für die bis hierher verliehene Gesundheit und die Entschlossenheit, auch künftig alles in meiner Macht stehende zu tun, einer erneuten Tumorbildung entgegenzuwirken. Bekanntlich gibt es da zwei Gebiete: Ausdauersport mindestens dreimal wöchentlich für mindestens 45 Minuten und eine Ernährung, die soweit wie möglich frei von chemischen Zusatzstoffen ist und industriell beziehungsweise maschinell verarbeitete Lebensmittel ausschließt, wo immer das geht.

Meinen Blogbesuchern, die mich immer wieder ermutigen und Anteil nehmen, will ich an dieser Stelle wieder einmal ausdrücklich danke sagen! Und allen, die ebenfalls gegen den Krebs kämpfen (oder in deren Familie das der Fall ist) kann diese Halbzeitnachricht hoffentlich Mut machen.

Foto: Oktober 2013 auf der Intensivstation und heute nach der Untersuchung

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Mittwoch, 9. März 2016

Lassen Sie mal alles einfach nur atmen

Es ist ein Graus, welche Verbiesterung ich bei manchen Menschen in letzter Zeit vermehrt bemerke. Als die AfD bei den Kommunalwahlen in Hessen wie erwartet erfolgreich war, gab es auf Facebook eine Schwemme von keulenschwingenden Verlautbarungen, die darauf abzielten, die »Feinde«, also entweder die AfD-Wähler oder deren Gegner, in Grund und Boden zu verdammen.
Die AfD wird auch bei den kommenden Landtagswahlen der große Gewinner unter den Parteien sein. Vielleicht tut es dem einen oder anderen da ganz gut, sich nach den Landtagswahlen (oder anlässlich sonstiger Ereignisse, bei denen man in ungesunde Wallungen zu geraten droht) an die folgenden Zeilen zu halten, um einem Herzkasper oder einem Amoklauf vorzubeugen.

breatWährend Sie auf den Bildschirm schauen, um diese Worte zu lesen, atmen Sie ... halten Sie einen Moment inne und spüren Sie den Atem.
Sie könnten den Atem kontrollieren, er muss sich verhalten, wie Sie es wollen ... Sie können sich aber auch einfach atmen lassen.
Frieden wird spürbar, wenn Sie Ihren Körper atmen lassen, ohne etwas dagegen oder dafür zu tun.
Nun stellen Sie sich vor, Sie würden Ihre Hände atmen lassen. Lassen Sie sie einfach ruhig liegen, ohne sie zu kontrollieren. Lassen Sie sie atmen.
Jetzt schauen Sie sich um, und betrachten Sie, was sonst noch im Raum bei Ihnen ist. Schauen Sie jedes Objekt an, und lassen Sie es atmen.
Wenn irgendwelche Menschen in Ihrer Nähe sind, in Ihrem Gebäude oder in der Nähe in anderen Gebäuden oder Häusern ... stellen Sie sich diese Menschen vor und lassen Sie sie atmen.
Wenn Sie sie atmen lassen, dürfen sie einfach genau so sein, wie sie sind. Sie brauchen sie nicht zu ändern, müssen sie nicht kontrollieren, es ist nicht notwendig, sie zu verbessern. Sie lassen sie nur atmen, in Frieden, und das akzeptieren Sie. Sie könnten sogar über dieses Atmen lächeln.
Während Sie durch den Tag gehen, lassen Sie alles atmen. Lassen Sie sich selbst atmen.
Es besteht keine Notwendigkeit, etwas zu tun. Sie erwarten nichts von irgend etwas oder irgend jemandem. Lassen Sie sie kommen, wie sie kommen, lassen Sie sie gehen, wie sie gehen.
Schätzen Sie einfach alles und jeden, wie und was sie sind: Wunder der Existenz, die die sanfte Luft der Welt atmen, und lächeln Sie über diese frohe Manifestation der Liebe.

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Ehre, wem Ehre gebührt:  Der Text in kursiver Schrift stammt von Leo Babauta, die Übersetzung von mir. Das Original steht hier: [Let Everything Breathe] /// Das Bild ist mein eigenes Kunstwerk
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Freitag, 20. November 2015

Ist Religion die Wurzel allen Übels?

Unbestritten sind nicht alle Mohammedaner Terroristen. Aber genauso unstrittig ist es, dass Terrorakte in unserer Zeit so gut wie ausschließlich von Menschen verübt werden, die den Islam als Religion haben. Das war einmal anders, da waren es diejenigen, die sich als Christen bezeichneten, die mit Mord und Raub und Zerstörung fremde Länder heimsuchten, während sie in ihrer eigenen Heimat sogenannte Hexen verbrannte, sogenannte Teufel austrieben und das Volk im Namen Gottes knechteten und ausquetschten bis zum letzten Blutstropfen. Genau so, wie der Islam sich heute präsentiert, als Eroberungsreligion die über Leichen geht, hat sich über Jahrhunderte das Christentum aufgeführt.

Aufklärung und Reformation haben nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass sich diese Zustände geändert haben. Es gibt auch unter Mohammedanern aufgeklärte Köpfe und Reformer, das ist unstrittig, aber bisher hat eine Reformation nicht stattgefunden. Der Koran, ich habe ihn auszugsweise gelesen, ist eine recht sperrige Lektüre. Also wird er überwiegend von »Schriftgelehrten« ausgelegt und gepredigt. Das normale Volk liest sein heiliges Buch nicht, schon gar nicht mit kritischem und aufgeklärtem Blick. Es gibt immer noch viel zu viele, die den Koran wörtlich nehmen, wobei sie sich natürlich nur die jeweils passenden Verse - Pardon, Suren - herauspicken. Genauso, wie es unter Christen noch immer hier und da solche gibt, die jede auch noch so abstruse Idee und Lehre mit ein paar Sätzen aus der Bibel untermauern können: Das steht so geschrieben, also ist es das, was Gott/Allah will und befiehlt.

COEXIST-FinalIch verstehe alle, die angesichts des Zustandes unserer Welt Religionen für die Wurzel allen Übels halten, sehr gut. Vielleicht ist Religion nicht die Wurzel allen Übels, da gibt es schließlich auch noch Habsucht, Machtstreben, Neid, Missgunst und allerlei andere Wurzeln, aber das Leid und Unrecht, das im Namen dieses oder jenes Gottes angerichtet wird, schreit wahrlich zum Himmel. Aus dem ist allerdings in der Regel keine Antwort zu erwarten. Die Antworten müssen schon wir selbst finden und geben. Ich habe keineswegs alle Antworten parat, aber ich bin sicher, dass sie nicht im Hass liegen, nicht in politischen Extremen und wüsten Beschimpfungen von Menschen, die anders denken und empfinden als man selbst. Man sollte als zivilisierter Mensch schon in der Lage sein, eine andere Meinung stehen zu lassen, und die Person, die sie hat, dennoch zu akzeptieren und zu achten.

Im Gegensatz zu manchen meiner (auch sehr guten!) Freunde bin ich Christ aus Überzeugung. Ich habe Menschen kennen gelernt und schätze sie, die Nachfolger Allahs sind oder an einen Gott, wie man ihn auch nennt, überhaupt nicht glauben können. Wäre ich nun einer von jenen, die ihre Bibel (beziehungsweise die jeweils zum Anlass passend herausgepickten Passagen) wörtlich nehmen, dann dürfte ich mit solchen Menschen gar keine freundschaftliche Gemeinschaft genießen. Ich müsste sie missionieren, bis sie endlich ihre Meinung ändern beziehungsweise meinen Glauben annehmen, weil ich sonst Schuld daran trüge, dass sie auf ewig in einem feurigen Pfuhl gequält werden. Diese Schuld würde selbstverständlich ausreichen, um auch mich in den feurigen Pfuhl zu bringen.

Daher, aus der Angst vor göttlicher Strafe, wenn man nicht die eigene Religion – koste es was es wolle – verbreitet, rührt die verbiesterte Penetranz mancher Zeitgenossen, die ihre Mitmenschen unbedingt bekehren wollen – zum Christentum, zum Islam, zum Hinduismus … der Buddhismus scheint mir noch die friedlichste Religion zu sein, vielleicht aus dem Grund, dass man als Buddhist an jeden oder auch gar keinen Gott glauben darf.

Ich bin Christ. Wenn es den gnädigen und guten Schöpfer gibt, an den ich glaube, dann ist es für mich undenkbar, dass er Milliarden seiner Geschöpfe, nur weil sie in nicht christianisierten Gegenden (oder bereits vor Christus) gelebt haben, einer ewigen Qual ausliefert. Da halte ich mich lieber, um hier ausnahmsweise einmal die Bibel zu zitieren, an das, was der Überlieferung zufolge Jesus von Nazareth auf die Frage eines Theologen geantwortet hat.

Eines Tages kam ein Schriftgelehrter auf Jesus zu und fragte: »Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?«
Jesus antwortete mit einer Gegenfrage: »Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du da?«
»Du sollst Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.«
Jesus bestätigte den Mann: »Du hast richtig geantwortet; tu das, so wirst du ewig leben.«

Anschließend wird im Lukasevangelium noch eine illustrierende Geschichte eingeflochten, die weithin bekannt ist. Ich habe sie einmal unter dem Titel [Herr K. reist nach Greifswald] in die heutige Zeit transportiert. Darin geht es darum, dass einer von mehreren Passanten über alle religiösen und gesellschaftlichen Barrieren hinwegsieht und einem in Not geratenen Menschen ganz praktisch hilft.

Zum Schluss der Erzählung fragt dann Jesus den Theologen:

»Was meinst du, welcher von diesen drei Passanten dem Opfer des Überfalls der Nächste war?«
Der Mann antwortete: »Der ihm geholfen hat.«
Da sagte Jesus zu ihm: »Dann geh hin und handle genau so.«

Ich glaube, wenn wir uns als Atheisten, Christen, Buddhisten, Mohammedaner oder was auch immer dazu durchringen könnten, religiöse und gesellschaftliche Barrieren aus dem Weg zu räumen, dann wäre die Menschheit einem friedlichen Miteinander deutlich näher. Es blieben immer noch Habsucht, Machtstreben, Neid, Missgunst als Wurzeln des Übels übrig, aber ein riesiges Problem wäre beseitigt.

You may say I’m a dreamer
but I’m not the only one.
-John Lennon

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P.S.: Das Bild stammt von [Openclipart] /// Die Textpassagen aus dem Lukasevangelium stammen aus einer bisher unveröffentlichten Fassung aus meiner eigenen Feder /// Der aus der Mode gekommene Begriff Mohammedaner wird hier erklärt: [Wikipedia – Mohammedaner]

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Montag, 9. November 2015

Es gibt wichtigeres im Leben als Politik

wwEin sichtlich vom Kampf gegen den Krebs gezeichneter Guido Westerwelle war gestern in der Gesprächsrunde bei Günther Jauch zu Gast, zusammen mit der jungen Leukämiepatientin Eva Fidler, die wie Westerwelle zuerst einmal aufatmen kann. Geheilt sind sie noch lange nicht, aber immerhin haben sie Stammzellentransplantation und Chemotherapie überstanden. Der »alte« Westerwelle, der auf mich oft etwas überheblich gewirkt hatte, war so gut wie gar nicht mehr erkenntlich.

Er hat, genau wie ich, Tagebuch geführt, um mit der Diagnose Krebs innerlich irgendwie zurecht zu kommen. Bei einem prominenten Menschen wie ihm war natürlich der Journalist nicht weit, der daraus ein Buch gemacht hat und es wird auch kein Problem gewesen sein, einen Verleger zu finden. Ich möchte, soweit mir weiterhin Gesundheit verliehen wird, zusammen mit der besten aller Ehefrauen ebenfalls meine und ihre Erinnerungen und Aufzeichnungen in ein Manuskript umarbeiten - allerdings wird das noch eine ganze Weile dauern, da ich weder prominent noch vermögend bin. Der Broterwerb macht es einstweilen unumgänglich, meiner Arbeit in einem Industriebetrieb nachzugehen.

Aber anderes haben Herr Westerwelle, Frau Fidler und ich doch gemeinsam: Einen anderen, dankbareren und viel aufmerksameren Blick auf das Leben, auf jeden neuen Tag. Die Gewichtungen haben sich durch die Diagnose Krebs deutlich verschoben. Was mich einst aufregen konnte, was mir ungeheuer wichtig erschien, ist erheblich geschrumpft. Wo ich früher geradezu verbiestert gestritten hätte, mische ich mich überhaupt nicht ein, zum Beispiel bei den manchmal erschreckend aggressiven Diskussionen in sozialen Netzwerken über die sogenannte Flüchtlingskrise, wo es nur noch zwei Extreme, Gutmenschen oder Nazis, zu geben scheint und jegliches vernunftbasiertes Austauschen von Argumenten fehlt.

Der Focus schreibt zum gestrigen Auftritt von Guido Westerwelle:

Kein Wort zur Politik? Zum großen Flüchtlingswillkommenheißen der Kanzlerin, zu kleinen und großen Regierungsverwerfungen. Günther Jauch, der auf den letzten Metern noch so etwas wie eine politische Sendung machen will, geht in Vorleistung: „Wir gehen davon aus, dass wir kein Wort dazu hören.“ Sagt Westerwelle nur „genau“. Und dann ist es aus. Es gibt Wichtigeres im Leben als die Politik. Spätestens dann, wenn es ums Überleben geht.
Quelle: [Focus Online]

So ist es bei Herrn Westerwelle und so ist es bei mir. Und das ist auch gut so.

Ich wünsche ihm, der Frau Fidler und allen Prominenten und Unbekannten, die gegen den Krebs ankämpfen, aus tiefstem Herzen viel Kraft, Mut und Gottes Segen dazu.

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P.S.: Die Bücher, die ich schon geschrieben habe, und über deren Verkauf an interessierte Leser ich mich sehr freue, findet man hier: [Günter J. Matthia bei Amazon]

P.P.S: Mein »Tagebuch«, so wie es entstanden ist und entsteht, findet man, bis irgendwann ein Buch daraus wird, auf meinem anderen Blog: [Aufzeichnungen seit der Krebsdiagnose]

P.P.P.S.: Foto: REUTERS via Süddeutsche Zeitung

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Montag, 24. August 2015

Vom Rumflattern und vom Nestbau

Es ist, dachte ich mir, mal wieder an der Zeit, meine treuen Leser an meiner gesundheitlichen Entwicklung teilhaben zu lassen. Dass davon länger nicht die Rede war, abgesehen von einer kurzen Notiz bezüglich der letzten Krebsnachsorgeuntersuchung, ist durchaus als gutes Zeichen zu verstehen: Es gab und gibt keine besorgniserregenden Symptome oder Ergebnisse. Das heißt, dass es mir gut geht, und es gibt Grund genug zur Freude und Dankbarkeit.

Nun ist das mit dem »gut gehen« wie so vieles im Leben relativ. Gerade die Leser, die selbst vom Krebs betroffen sind oder Krebspatienten unter den Verwandten und Freunden haben, wissen um diese Relativität. Dass es mir gut geht, heißt nicht, dass die Schäden und deren Folgen durch den Krebs, die beiden Operationen und die Chemotherapie verschwunden wären. Das ist nicht der Fall und auch nicht zu erwarten. Ein um die Hälfte verkürzter Dickdarm wächst nicht nach. Durch Chemotherapie zerstörte Nervenzellen werden nicht - oder nur sehr langsam - ersetzt, diesbezüglich forscht die Wissenschaft noch fleißig. Das durch die Krebserkrankung ausgelöste Fatigue Syndrom ist hartnäckig, die meisten Mediziner gehen davon aus, dass eine Heilung auch bei langjähriger Krebsfreiheit nicht möglich oder sehr unwahrscheinlich  ist.

Würde ich also fortwährend betrachten, was nicht in Ordnung ist, hätte ich schnell einiges zusammengestellt, worüber ich klagen könnte. Statt dessen richte ich aber meine Achtsamkeit viel lieber auf all das, woran ich mich erfreuen kann. Und das ist immer noch, trotz der unleugbaren Schäden, jeden Tag eine ganze Menge.

Clipboard01Es lässt sich nicht verhindern, soll Martin Luther sinngemäß gesagt haben, dass die Vögel (womit er dunkle Sorgen und Ängste gemeint haben soll) den Kopf umkreisen. Das heißt aber nicht, dass sie auch ein Nest bauen dürfen.

Ich kann es nicht verhindern, dass oft unvermittelt und ohne erkennbaren Anlass Ängste auftauchen:

  • Demnächst habe ich Geburtstag. Von den geladenen Gästen habe ich mir gewünscht, dass sie, soweit sie mich beschenken möchten, Amazon-Gutscheine oder Bargeld wählen, damit ich mir einen langjährigen größeren Wunsch erfüllen kann: Ein spezielles Objektiv für meine Kamera. Als ich beim Schreiben der Einladungen war, kam prompt der Gedanke angeflogen: Lohnt sich das denn überhaupt noch? Vielleicht bist du ja bald tot und hast dann gar nichts mehr davon.
  • In den nächsten Monaten möchte ich mich, da der Roman »Jessika« jetzt endlich fertig ist (und Anfang September erhältlich sein wird), einem weiteren Buchprojekt widmen. Und prompt flatterte, als ich darüber nachdachte und die ersten Vorbereitungen erledigte, der Gedanke herbei: Das wird ja sowieso nicht zu deinen Lebzeiten fertig. Warum willst du dir die Mühe machen?
  • Beim Aufwachen vor ein paar Tagen meinte ich (wohl ein Restüberhang aus einem Traum), im Krankenhaus zu liegen und auf eine Lungenoperation zu warten, weil bei einer Röntgenkontrolle Metastasen entdeckt wurden.

Ja, so sind sie, die Vögel der dunklen Sorgen und Ängste. Sie kommen angeflogen, ohne dass man sie eingeladen hätte. Es hat keinen Sinn, ihr Flattern und Kreisen zu leugnen. Wer einmal an Krebs erkrankt war, wird solche Gedanken vermutlich nicht mehr oder nur sehr langsam los. Aber ich kann wirklich verhindern, dass derartiges Federvieh sich häuslich einrichtet und bequeme Nester baut, indem ich mich in solchen Momenten immer wieder bewusst entscheide, mich positiven Gedanken zuzuwenden. Denn es gibt Grund genug, Grund in Hülle und Fülle, dankbar und froh zu sein.

Und dann fliegen sie in der Regel auch zügig wieder davon, die Sorgenvögel.

Foto von rgbstock

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Dienstag, 7. Juli 2015

Freiwillige Grenzen? Freiwillige Grenzen!

Wir leben hier in einer Welt der Fülle, oft genug im Übermaß. Wir können alles jederzeit kaufen, so viel Internet konsumieren wie wir wollen, jederzeit eine riesige Auswahl von Speisen essen und arbeiten, arbeiten, arbeiten, bis unser Körper das nicht mehr mitmacht. Das riesige Angebotes kann uns überwältigen, die unendliche Freiheit ganz schnell in ungesunde und unausgegelichene Verhaltensweisen münden.

mErQQDWNun ist die Freiheit ein sehr hohes Gut, das zu verteidigen sich unbedingt lohnt. Darf ich dir, geschätzter Blogbesucher, trotzdem mal ein Gedankenspiel nahelegen?

Was wäre, wenn

  • du höchstens zwei Stunden täglich Internetzugang und Smartphone nutzen könntest (abgesehen davon, dass du gegebenenfalls den Internetzugang für deine Arbeit brauchst)? Könntest du bei nur zwei Stunden privater Internetverfügbarkeit vielleicht Sport treiben, lesen, meditieren, gesunde Mahlzeiten kochen, Zeit für deine Liebsten haben?
  • du lediglich acht Stunden pro Tag arbeiten dürftest, anstatt von früh bis spät mit deiner Arbeit beschäftigt zu sein? Natürlich hängt das von der Art deiner Beschäftigung ab - aber ganz hypothetisch betrachtet: Könnte es sein, dass du in den begrenzten Stunden viel konzentrierter arbeiten und weniger Ablenkungen zulassen würdest? Und wenn es nur sechs Stunden wären? Würdest du die wichtigsten Dinge zuerst erledigen, strukturierter arbeiten und dadurch deutlich mehr schaffen, weil du viel mehr Energie und Konzentration für deine Tätigkeit hättest, anstatt dich ständig zu verzetteln?
  • du statt jederzeit irgendwelches Essen parat zu haben nur zu bestimmten, vorher festgelegten Zeiten essen könntest? Vermutlich würdest du weniger essen und das, was du isst, sorgfältiger auswählen und liebevoller zubereiten und wesentlich bewusster genießen, wodurch sich dein Gesundheitszustand zwangsläufig verbessern würde.
  • du nur an einem bestimmten Tag im Monat (abgesehen von Lebensmitteln und Haushaltsnotwendigkeiten wie Toilettenpapier, Zahncreme etc.) einkaufen könntest? Vermutlich würdest du weniger kaufen, das was du kaufst gezielter aussuchen, die Gefahr, sich zu verschulden würde sinken und dein Wohlstand ansteigen.
  • du nur zwei Stunden am Tag (abgesehen gegebenenfalls von der Arbeit) im Sitzen zubringen dürftest? Du wärest mehr auf den Beinen, würdest Gewicht und Rückenschmerzen verlieren, dein Körper würde kräftiger und könnte Infektionen wesentlich leichter abweisen.

Natürlich sind das nur willkürlich ausgewählte Beispiele (eines Büromenschen). Was für dich in deiner persönlichen Arbeits- und Lebenssituation funktionieren könnte, musst du selbst herausfinden. Die Beispiele sollten nur veranschaulichen, dass Grenzen durchaus ihre positiven Effekte haben können, weil sie uns zwingen, bewusst auszuwählen, uns zu konzentrieren, vom Übermaß zu einer gesunden Mäßigung zu kommen.

Vielleicht hast du ja Lust, dir mal die eine oder andere Grenze zu setzen und zu sehen, wie sich das dann auswirkt?

P.S.: Inspiriert wurde dieser Beitrag wieder einmal von Leo Babauta. Foto von rgbstock.

P.P.S.: Du würdest gerne gesünder leben? Du suchst nach Wegen, in dein Leben mehr Ruhe und Frieden zu bringen? Vielleicht kann dir ja auch dieses Buch dabei helfen:

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Montag, 29. Juni 2015

Ruhe in Frieden, Carsten »Storch« Schmelzer

Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.

FB_IMG_1435586332384Er war ein Quer- und Weiterdenker, auf den ich Anfang 2007 aufmerksam gemacht wurde. Seither gab es immer wieder den einen und anderen Gedankenaustausch zwischen uns, mal öffentlich an diversen Stellen im Internet, mal privat als Briefwechsel. Wir teilten keineswegs immer die gleichen Meinungen und Standpunkte, aber das ist ja für einen fruchtbaren und interessanten Dialog keineswegs notwendig.

Ich habe ihn stets als offenen, fairen und jederzeit hilfsbereiten Menschen und Autorenkollegen erlebt. Er las einige meiner Bücher, ich einige von seinen. Seine Meinung, seine Kritik zu meinen Texten war mir wertvoll, er freute sich augenscheinlich auch über meine Zeilen zu dem, was er verfasst hatte.

Immer wieder habe ich »Storch« auch in meinen Blogbeiträgen hier zitiert, denn seine Sichten und Einsichten zu einer großen Bandbreite von Themen waren mir oft exemplarisch. Persönlich getroffen haben wir uns leider nur bei einer einzigen Gelegenheit, soweit ich mich erinnere. Dennoch war er mir in gewisser Weise gar nicht fremd.

Dass »Pastor Storch« im Alter von nur 43 Jahren verstorben ist, wollte ich, als ich es am vergangenen Samstag erfuhr, zunächst nicht glauben. Es ging ihm nach einem Schlaganfall drei Wochen zuvor bereits besser, so schien es zumindest. Verstehen kann ich es auch heute noch nicht. Muss ich auch nicht. Manches im Leben und Sterben findet keine Erklärung.

Meine Gedanken sind bei seiner Familie, der ich von Herzen wünsche, dass sie diesen Verlust, so weit das überhaupt möglich ist, nach und nach verarbeiten lernen kann. Mögen Alexandra und ihrer Familie immer wieder kleine Sterne der Erinnerung in das unfassbare Dunkel der Trauer leuchten. Gott segne euch!

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