Samstag, 27. Juni 2009

Lieschen Müller kauft sich einen Ehemann

Berlin ist ja schon immer dafür bekannt, die Nase vorne zu haben. Wenn es etwas Neues auf der Welt gibt, dann zuerst in Berlin. Da muss der Rest der Welt schauen, wie er damit zurecht kommt.

Nun hat vor einigen Wochen ein neues Kaufhaus seine Pforten geöffnet. Es nennt sich »Männerkaufhaus«. Auf sechs Etagen werden Ehemänner verkauft - der richtige Ort für heiratsfähige und -willige Damen also. Seit der Eröffnung ist das Kaufhaus ständig überfüllt.

Am Eingang muss sich jede Frau zunächst mit den Geschäftsbedingungen vertraut machen und einverstanden erklären, die in diesem Kaufhaus gelten:
  1. Sie dürfen dieses Geschäft nur ein einziges Mal betreten.
  2. Es gibt sechs Stockwerke, die Eigenschaften der jeweils angebotenen Männer steigen mit jeder höheren Etage, die Sie betreten.
  3. Sie können in jedem beliebigen Stockwerk einen Mann auswählen oder sich entscheiden, statt dessen ein Stockwerk weiter nach oben zu gehen. Eine Rückkehr zu einem bereits besuchten Stockwerk ist jedoch ausgeschlossen - Sie gelangen abwärts nur um Ausgang, um das Haus zu verlassen und - siehe Punkt 1 - dürfen es nicht noch einmal betreten.
Wir begleiten nun - ach, nennen wir sie einfach Lieschen Müller - wir begleiten nun Lieschen Müller beim Einkaufsbummel. Einen Ehemann wünscht sie sich schon lange, und das Geld auf dem Girokonto muss ja ausgegeben werden, bevor die Wirtschaftskrise alles vernichtet.
Lieschen betritt das Kaufhaus und unterschreibt am Eingang nach der Registrierung ihres Ausweises die Geschäftsbedingungen. Dann darf sie in die Geschäftsräume.
  1. An der ersten Tür steht: »Diese Männer haben Arbeit und sind zuverlässig.« Nun ja, nicht schlecht, aber Lieschen geht zur Treppe nach oben. Laut Geschäftsbedingungen wartet dort ja ein besseres Angebot.
  2. In der zweiten Etage liest sie: »Diese Männer haben Arbeit, sind zuverlässig und lieben Kinder.«Kurzentschlossen steigt Lieschen weiter empor.
  3. Die dritte Etage hat wiederum - versprochen ist versprochen - ein erweitertes Angebot: »Diese Männer haben Arbeit, sind zuverlässig, lieben Kinder und sehen außerordentlich gut aus.« »Knorke«, denkt Lieschen (sie ist nun mal Berlinerin, sonst hätte sie vielleicht »toll« oder »super« gedacht). Dennoch fühlt sie sich bemüßigt, ein weiteres Stockwerk nach oben zu steigen.
  4. Die vierte Etage begrüßt Lieschen mit diesem Schild: »Diese Männer haben Arbeit, sind zuverlässig, lieben Kinder, sehen außerordentlich gut aus und helfen bei der Hausarbeit.« »Ach du kriegst die Tür nicht zu!«, ruft sie begeistert. »Das ist ja kaum zu glauben! Ich sollte wohl hier zugreifen...« Sie zögert, doch dann geht sie weiter in die nächste Etage.
  5. Hier im fünften Stockwerk liest sie mit begeistert aufgerissenen Augen: »Diese Männer haben Arbeit, sind zuverlässig, lieben Kinder, sehen außerordentlich gut aus, helfen bei der Hausarbeit und haben einen starken Hang zu romantischen Gefühlen.« Nun ist Lieschen wirklich ernsthaft versucht, hier ihre Wahl zu treffen. Dennoch ersteigt sie auch die letzte Treppe und landet in der obersten Etage.
  6. Dort liest sie folgende Beschriftung, die sogar mit einem elektronischen Zähler versehen ist: »Etage 6 - Sie sind Besucherin Nummer 4.626.012 auf diesem Stockwerk. Hier gibt es keine Männer. Diese Etage existiert lediglich als Beweis, dass es unmöglich ist, Frauen zufriedenzustellen. Vielen Dank, dass Sie das Männerkaufhaus besucht haben - wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag.«
P.S.: Foto von Dekoplus aus der Schweiz. Geschichte (in ähnlicher Form in Englisch) aufgeschnappt via beste aller Ehefrauen und neu erzählt von mir.

Kommentare:

SeccondAttempt hat gesagt…

Großartig! Und deckt sich so verblüffend mit meinen persönlichen Erfahrungen.

Grüßle, Sec

Marion hat gesagt…

Klasse!

"Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Besseres findet!"

Wer den perfekten Partner sucht, sollte sich lieber überlegen, ob er denn selbst perfekt ist. Damit dürften die Ansprüche dann ganz schnell herunter geschraubt werden.

Grüße aus Hamburg
Marion

Barbara hat gesagt…

super,selten so gelacht! :-)

Abgesehen von der Geschichte ansich, haben mich die folgenden Redewendungen äußerst amüsiert:
"Knorke" u. "Ach du kriegst die Tür nicht zu"!!

Nach der ewigen Gier nach etwas noch Besserem, steht Frau am Ende vor dem Nichts... ;-)

Barbara hat gesagt…

Wenn Lieschen Müller ihren Egon Meyer als Ehemann ausgesucht und gekauft hätte, hätte dieser dann ihren Nachnamen Müller annehmen müssen?
Oder wäre aus dem Lieschen Müller ein Lieschen Meyer geworden?

juppi hat gesagt…

Hi GJM!
hatte schon so was in der Art vermutet.

Na ja, wahrscheinlich wär ich in die erste Abteilung reingegangen, ohne zu wissen, was die anderen bringen, denn man weiß ja nie.

Mein grauer Vater (nein, ich komm aus dem Bergischen, deswegen sag ich Vatter) sagt zwar immer, man soll nichts unversucht lassen, aber...
vielleicht gilt das auch für manche Bereiche des Lebens NICHT.

In der ersten Abteilung hätte ich dann vermutlich viel Platz gehabt (weil ja alle nach oben strömen) und alle Zeit der Welt, mir den richtigen auszusuchen.
Ich mein - was will ich mit nem Mann, der Kinder liebt? Der soll mich lieben, das reicht.

Günter J. Matthia hat gesagt…

Vielen Dank allen Kommentatoren für die hochgestreckten Daumen! Da freut sich der Erzähler - wenngleich er momentan zu beschäftigt ist, einzeln zu antworten.

Sabrina S. hat gesagt…

Bin ich froh, dass ich schon einen hab...
:)