Dienstag, 4. Mai 2010

Vielen Dank, Herr Thierse!

Foto: http://twitpic.com/photos/othertimesIch habe aus gegebenem Anlass gestern an Wolfgang Thierse geschrieben:

Sehr geehrter Herr Thierse,

mit ziemlicher Verwunderung lese ich in den Schlagzeilen von den Vorwürfen, die gegen Sie erhoben werden. Besonders absonderlich äußert sich ein Herr Wendt, der gar Ihren Rücktritt fordert.
Ich möchte Ihnen und den anderen Politikern ausdrücklich danken, dass Sie sich dem braunen Aufmarsch in den Weg gesetzt haben. Gott sei Dank gab es Tausende, die friedlich und deutlich signalisiert haben, dass wir keine Naziparaden auf unseren Straßen zu sehen wünschen.

Ich bin froh, dass der Vizepräsident unseres Bundestages Wolfgang Thierse einer von ihnen war.
Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Günter J. Matthia

Wer ebenfalls, mit eigenen Worten natürlich, Herrn Thierse persönlich schreiben möchte, findet seine E-Mail-Adresse ziemlich leicht auf der Homepage: [Wolfgang Thierse]

P.S.: Unter dem Namen sollte die Anschrift nicht fehlen bei solchen Briefen. Das gehört sich so. Anonym schreiben Leute, die nicht für ihre Worte einstehen möchten …

Kommentare:

juppi hat gesagt…

yes, well.
sogleich umgesetzt.
Ohne den Sitzplatz zu ändern.

Stephan Hollandt hat gesagt…

Nee, nee! Meine Unterschrift gibt's nicht für rechtswidriges, polizeiarbeitbrüskierendes, PR-trächtiges Hosenbodensetzen!

Thomas-BDD hat gesagt…

Lieber Günter,
obwohl der Herr Thierse ein Mit-Ossi ist, stehe ich hier absolut contra zu seiner Handlung und Deiner Meinung. Die Charakterisierung der Handlung hat schon mein Vorkommentator vorgenommen, so dass ich mich nur anzuschließen brauche.
Viele Grüße
Thomas

Günter J. Matthia hat gesagt…

Hallo Juppi,

fein. Auch prominente Politiker brauchen mal Unterstützung, selbst wenn man einer anderen Partei gewogen sein sollte.

Hallo Stephan und Thomas,

natürlich ist niemand zum »zivilen Ungehorsam« verpflichtet. Aber die Alternative zu solchen Sitzblockaden lautet doch, dass eine braune Demonstration ungehindert durch die Berliner Straßen zieht. So kam sie gerade mal 800 Meter vom Fleck.
Da ist ziviler Ungehorsam für mich das geringere Übel.

Thomas-BDD hat gesagt…

Hallo Günter,
ich habe nichts gegen zivilien Ungehorsam und freue mich, dass in Berlin wie zuvor in Dresden die Neonazis dadurch gestoppt werden konnten. Aber ich habe etwas dagegen, dass ein Spitzenpolitiker unter Ausnutzung seiner Privilegien (z.B. MdB-Ausweis, der ihn zum Durchqueren von Polizeisperren berechtigt) mit dem zivilen Ungehorsam kokketiert. Er hat andere Möglichkeiten.

Wir leben in einem Rechtsstaat und auch wir, als "Minderheits-Christen" profitieren davon. Auch wenn die mehrheit in der Gesellschaft gegen etwas ist, muss der entsprechenden Minderheit die Möglichkeit gegeben werden, ihre Meinung zu äußern. Sonst sind auch wir ganz schnell dran, durch "zivilen Ungehorsam" einer Mehrheit ausgebremst zu werden. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass Scharen von Abtreibungsbfürwortern unsere Gemeinden stürmen und ein populistischer Spitzenpolitiker die Polizei daran hindern will, uns zu schützen.
Viele Grüße
Thomas

Stephan Hollandt hat gesagt…

Lieber Günter, ich will hier keine Grundsatzdiskussion von Zaun brechen. Aber es handelte sich um eine genehmigte Demonstration in Ausübung unseres Grundrechts auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Deren Rahmenbedingungen werden durch Gerichte geprüft und durch die Polizei vollzogen. Was soll da "ziviler Ungehorsam"? Den sollte man lieber zeigen, wenn mal wieder irgendwo ein Schwacher von Brutalos egal welcher Colouer zusammengelegt wird! Persönlich zu glauben, dass die Meinung anderer falsch ist, rechtfertigt keine Straftaten - ist eine Sitzblockade von militanten Atheisten gegen einen genehmigten "Marsch für Jesus" (gab es ja mal) auch ziviler Ungehorsam? Die Farbe Braun auf der Gegenseite rechtfertigt in Deutschland aber nahezu alles ...

Günter J. Matthia hat gesagt…

Ja, für Grundsatzdiskussionen ist dies womöglich der falsche Ort.
Dennoch: Aufgrund unserer deutschen Geschichte meine ich schon, dass Nazis oder Neonazis nicht mit »normalen« Andersdenkenden vermischt werden sollten.
Das Recht auf Meinungsfreiheit ist unverzichtbar und auch mir unbedingt wichtig. Doch fällt das, was die Rechten (am äußeren politischen Rand) fordern, unter die Meinungsfreiheit oder ist es ein Angriff auf die Demokratie?
Vermutlich nicht so ohne weiteres scharf zu definieren und von Fall zu Fall verschieden...
Ein Marsch für Jesus oder eine Demonstration von Homosexuellen, ein Protest gegen Religionsunterricht oder für die Legalisierung von Abtreibung richten sich ja in der Regel nicht gegen die Demokratie. Da bin ich unbedingt dafür, dass jeder seine Überzeugung kundtun kann.

Thomas-BDD hat gesagt…

Aber jeder, der privat der Meinung ist, ein "Marsch für Jesus" rüttelt an der Demokratie und das sind viele Leute, ich nehme an die Mehrheit, kann dann, aufgrund seiner eigenen Meinung den Marsch stören und zu seiner Verhinderung aufrufen. Das darf gerade nicht sein, dass Einzelne oder auch Gruppen sich anmaßen zu entscheiden, was gegen die Demokratie gerichtet ist.

Stephan Hollandt hat gesagt…

Ich will hier um Gottes Willen nicht als Anwalt brauner Schwachköpfe auftreten. Aber etwas mehr Vertrauen in unser Versammlungsrecht wäre hilfreich: sobald sich eine Versammlung gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richtet (nach Meinung objektiver Behörden/Gerichte- und nicht des Mobs) wird sie ja gar nicht genehmigt. Geschehen aus einer solchen Versammlung heraus Straftaten (wie bei den Nazis öfters der Fall) wird dies durch Polizei ermittelt und verfolgt. Zivilen Ungehorsams braucht es m.E. hier nicht. Unseren Glauben als Kontrast dazu öffentlich bekennen - das jederzeit gerne!

Günter J. Matthia hat gesagt…

Man kann das natürlich so sehen, dass der Staat genügend Instrumente hat, um die Demokratie zu schützen. Das traue ich unserem Staat auch durchaus zu.
Aber die Gegendemonstranten sind ja nun auch nicht demokratiegefährdend,im Gegenteil. Politiker, die volksfremd geworden sind, gibt es genug. Herr Thierse vertritt nicht nur das Volk, sondern er ist (nicht nur bei diesem Anlass) oft und hautnah beim Volk zu finden.
Finde ich gut so.