Donnerstag, 13. Januar 2011

Jessika – ein Verhängnis. /// Teil 7

Ohne lange Vorrede geht es weiter, die Damen und Herren Leser haben abgestimmt und das folgende Textstück haben sie nun davon.

Zuvor nur noch schnell die bisherigen Teile: [Teil 1] /// [Teil 2] /// [Teil 3] /// [Teil 4] /// [Teil 5] /// [Teil 6]

------ ------ ------

Jessika stand auf und erklärte: »Später, vielleicht. Wenn ich verstanden habe, was du eigentlich von mir willst. Warum du mich in Parma nachts angesprochen hast. Woher du von Giuseppe wusstest. Warum du plötzlich an der Tür des Zuges standest, dein Auto fluchtbereit am Straßenrand.«

Johannes lächelte. »War das denn eine Flucht? Du hast ja im Zug nichts verbrochen.«

»Aber ich kann jetzt keinen Rummel um mich herum gebrauchen. Und da war ein Typ im Waggon, der meine Waffe gesehen und der meinen Reisepass sehr ausführlich studiert hat, bevor er ihn mir zurückgab. Ich wollte und will immer noch möglichst bald weg aus Italien. Was hast du denn für Pläne?«

»Dich kennen lernen und begreifen lernen. Das ist mein Plan. Das muss aber nicht hier geschehen.«

Auch Johannes stand auf und sie schlenderten zurück zum Auto. Jessika nahm ihre Beretta in die Hand, richtete die Waffe auf ihren Kopf und drückte ab. Klick. Sie zuckte mit den Schultern und murmelte: »Ich muss mir wohl neue Munition besorgen. Oder bekomme ich die zurück?«

»Und wenn sie jetzt geladen gewesen wäre?«

»War sie ja nicht.«

»Du hast nicht nachgeschaut.«

»Doch, vorhin. Das Magazin war leer. Wie du das gemacht hast, weiß ich allerdings nicht. Taschenspielertrick?«

»Nein.«

»Sondern?«

Johannes griff in seine Hosentasche und holte eine der Patronen hervor. »Kein Trick«, erklärte er, »sondern Vorsicht. Ich halte dich für ziemlich – äh – unberechenbar. Du tust manchmal Dinge…«

Jessika blieb stehen und sah ihn aufmerksam an. Er steckte die Patrone wieder ein, nahm ihre Hände in seine und drückte sie sanft. »Wir werden sehen, wohin uns diese Geschichte führt. Ich weiß es selbst noch nicht. Ich kann mir einiges ausmalen, aber letztendlich kommt es dann doch manchmal anders als geplant. Aber ich werde versuchen, auf dich aufzupassen.«

Jessika fühlte zum ersten mal seit Bernd das Zeitliche gesegnet hatte einen Anflug von Zuneigung zu einem Mann. Dass er auf sie aufpasste, wie auch immer ihm das gelingen mochte, hatte sein plötzliches Auftauchen am Bahngleis bewiesen. Er hatte auch in Parma, als er ohne weiteres die italienischen Behörden hätte alarmieren können, nichts dergleichen getan. Wer bist du, Johannes? Kann ich dich ergründen? Kann ich dich womöglich sogar mögen?

Sie trat dicht an ihn heran, so dass ihr Mund in Reichweite seines Mundes war, falls er einen Kuss in Erwägung ziehen sollte und sagte: »Wenn ich dir verspreche, dass ich dich nicht erschieße – bekomme ich dann meine Munition zurück? Irgendwie mag ich dich, immer mehr.«

»Hast du Hunger? Es ist nicht weit bis zu einem netten Restaurant«, antwortete er.

Sie nickte. Er drückte noch einmal ihre Hände, ließ sie dann los und ging voraus zum Parkplatz.

Eine halbe Stunde parkten sie vor einem Restaurant, dass sich La Taverna dell'Etrusco nannte. Das Navigationsgerät hatte Johannes durch die verwinkelten Altstadtstraßen von Orvieto Terni in die Via Garibaldi geleitet. Die Adresse musste er wohl schon zuvor gespeichert haben, denn er hatte sie aus dem Menü Lieblingsplätze gewählt. Der schwarze Dodge Nitro fand kaum Platz am Rand der engen Straße.

»Warum hast du eigentlich kein normales Auto?«, fragte Jessika.

»Was wäre denn normal?«

»Ein Opel, VW, BMW … irgend so was.«

»Kein Mensch braucht einen Opel, hat Thilo Sarrazin mal gesagt.«

Jessika lachte. »Na der muss es ja wissen…«

Johannes klappte den Seitenspiegel an das Auto und verriegelte den Wagen mit der Fernbedienung. »Seit meinem ersten Besuch in Amerika, das war im Jahr 2000, kommen für mich keine europäischen oder japanischen Fahrzeuge mehr in Frage. Ich habe mich wohl dort mit dem American-Car-Virus infiziert. Dieses Exemplar hier habe ich gewählt, weil der Nitro eben nicht aussieht wie andere, nicht so fürchterlich abgerundet und modekonform. Ein Hummer hätte mir auch gefallen, aber den könnte ich zu Hause kaum irgendwo parken, abgesehen von seinem enormen Durst nach frischem Benzin.«

»Wo ist denn dein zu Hause?«, fragte sie, als sie das Restaurant betraten.

»Das weißt du doch«, gab er zurück.

Bild von http://www.orvietonews.it/upload/foto/santandrea2.jpg»Buonasera! Benvenuti!«, schallte es ihnen entgegen. Ein rundlicher Herr gesetzten Alters strahlte sie an und streckte Jessika die Hand entgegen. Sein Redefluss kam nicht zum Erliegen, als er auch Johannes die Hand schüttelte, von graciosa signorina war die Rede und vom gagliardo eroe. Der Mann führte sie zu einem Fensterplatz, wischte mit seiner strahlend weißen Serviette nicht vorhandene Krümel oder Staub vom makellosen Tischtuch und zog für Jessika den Stuhl zurück, damit sie bequem Platz nehmen konnte.

Sie schenkte dem Wirt ein bezauberndes Lächeln und sagte: »Mille gracie.«

»Prego, prego, prego« rief er und beeilte sich, auch für Johannes den Stuhl zum Platznehmen beiseite zu ziehen.

Als sie beide saßen, brachte der Mann ihnen die Speisekarten und stellte zwei Gläser und einen Krug Wasser auf den Tisch. Johannes schaute nicht in die Mappe, sondern er fragte, was denn besonders zu empfehlen sei. Sofort hatte der Wirt einen Vorschlag parat. Er empfahl Abbacchio brodettato mit einem passenden Wein, die beiden waren einverstanden und er verschwand in Richtung Küche, um die Bestellung auszurichten.

Das Lokal war spärlich besetzt, ein junges Paar saß in einer Nische, an der Bar lehnten zwei Mädchen. Vor ihnen standen vier Gläser mit Wein, augenscheinlich warteten sie auf zwei weitere Personen.

Johannes schenkte Wasser ein und bemerkte beiläufig: »Deine Munition habe ich nicht mehr in meiner Hosentasche.«

»Ich bin gleich zurück«, sagte Jessika und stand auf, um in Richtung Toilette zu verschwinden. Die Tür neben der Bar öffnete sich in einen weiß getünchten Gang, links gab es eine Tür mit der Aufschrift Signora, rechts stand Signore. Am Ende des Ganges gab es eine weitere Tür. Jessika öffnete sie, sah, dass sie auf einen Hof führte und nickte zufrieden. Sie ließ die Tür halb offen stehen und betrat ohne zu zögern die Herrentoilette. Zwei Jugendliche standen nebeneinander an den Pissoires, sie drehten nicht die Köpfe, um zu sehen, wer hereingekommen war. Jessika nahm ihre Beretta aus der Handtasche, entsicherte sie und richtete sie auf den Kopf des Jungen, der rechts stand. Sie wartete nicht, bis er fertig gepinkelt hatte. Der Schuss war in dem kleinen Raum ohrenbetäubend. Ohne zu zögern erschoss sie auch den zweiten Jugendlichen. Beide waren sofort tot und fielen auf die Marmorfliesen. An der Wand lief Blut herunter, im Neonlicht des Raumes wirkte es unnatürlich rot, als hätte sich ein Maskenbildner im Farbton vergriffen.

Jessika verließ die Herrentoilette und eilte über den Gang durch die Tür mit der Aufschrift Signora. Niemand war zu sehen. Sie wischte die Beretta mit einem Handtuch gründlich ab und ließ sie dann im Spülkasten der hintersten Kabine versinken. Vom Gang her hörte sie aufgeregte Stimmen. Sie ging zum Waschbecken und wusch sich die Hände. Es dauerte etwas länger, als sie erwartet hatte, bis die Tür zur Damentoilette aufgerissen wurde. Im Spiegel über dem Waschbecken sah sie den Wirt. Er rief ihr zu, zu bleiben wo sie war und schloss die Tür wieder von außen. Sie lächelte versonnen.

Wenige Minuten später kam er in Begleitung zweier Polizisten zurück. Jessika hatte ihr Lächeln gegen einen möglichst verwirrten und verängstigten Gesichtsausdruck eingetauscht, es gelang ihr sogar, ein leichtes Zittern in ihre Hände zu zaubern, die verkrampft die Handtasche hielten.

Die beiden Uniformierten interessierten sich nicht für Jessika, sondern vergewisserten sich nur, dass niemand sonst anwesend war. Sie wollten wissen, ob Jessika einen Mann mit Pistole gesehen habe. Sie schüttelte den Kopf. Dann gingen sie wieder hinaus.

Jessika fragte den Wirt, was das für ein Lärm gewesen sei und warum sie die Toilette nicht verlassen durfte.

»Mama mia, apocalisse« jammerte der vorhin noch so fröhliche Mann, als er Jessika mit einem Wink aufforderte, mit ihm zu kommen. Vor der Tür zur Herrentoilette stand ein weiterer Polizist mit gezogener Waffe. Er nickte Jessika nur kurz zu, als sie mit dem Wirt in Richtung Restaurant ging. »Mi dispiace, signora«, murmelte dieser, als er ihr die Tür aufhielt, »assassino, omicidio doloso semplice …«

Im Restaurant wimmelte es von Polizisten. Jessika hatte nicht damit gerechnet, dass die Ordnungskräfte so schnell auftauchen würden, vermutlich gab es eine Polizeistation in unmittelbarer Nähe der Taverna dell'Etrusco. Aber beunruhigt war sie nicht, sie hatte nicht vor zu bleiben, bis die Waffe gefunden wurde. Sie schaute zu ihrem Tisch am Fenster hinüber.

------ ------ ------

So. Tja. Na ja. Und nun? Das wiederum liegt in der Hand der geschätzten Blogbesucher:

Was sieht Jessika?
Johannes ist vom Tisch verschwunden.
Johannes wartet am Tisch auf sie.
Auswertung

Nun warte ich wieder etwa 5 Tage, was denn die Abstimmung so ergeben mag.

Fortsetzung? Folgt. Dann. Demnächst.

Kommentare:

juppi hat gesagt…

Ist ja wie eine Sucht bei der Lady.
Gerade hatte sie offenbar großen Suchtdruck, wieder einen Mord zu begehen.
Besser gesagt, zwei.

jetzt muss ich mal überlegen, was mit Johannes ist.
Isser noch da? ...hm...

Günter J. Matthia hat gesagt…

Tja. Tja tja tja.

Anonym hat gesagt…

nein nein (@ juppi)der wartet im schwarzen um ein paar Ecken, da er ja weiß welchen Weg sie nehmen wird ;-)

Ananyma

Anonym hat gesagt…

Juhuuuu die Woche ist um - das grenzt schon fast an Entzug ...... *flöt*

Greetz Ananyma