Mittwoch, 15. August 2012

Der fünfte Zyklus Chemotherapie …

… gestaltet sich unterschiedlich. Regelmäßige Leser wissen, dass der vierte Zyklus durch einen verunglückten Infusionsstart, zumindest was die Tabletteneinnahme betrifft, ersatzlos ausfallen musste. Mein Körper hatte (und hat noch immer) genug damit zu tun, gegen die Vergiftung des Gewebes im rechten Arm anzukämpfen.

Gott sei Dank war der Kampf drei Wochen nach dem Missgeschick bereits deutlich erfolgreicher, als es die Ärzte erwartet hatten, so dass heute vor einer Woche der fünfte Zyklus planmäßig begann und nun andauert. Der Arm ist noch immer leicht geschwollen, an einigen Stellen fühlt er sich taub an, beim Strecken gibt es Schmerzen irgendwo in den Unterarmmuskeln und hin und wieder zuckt und ziept es plötzlich im Arm, ohne erkennbaren Anlass. Nun ja. Mir wurde ärztlicherseits gesagt, dass man etwa zweieinhalb Monate nach der Infusion wird sagen oder verlässlich abschätzen können, ob und welche Schäden dauerhaft bleiben. Das wäre dann Anfang Oktober 2012 so weit.

Natürlich erfolgte die Infusion vergangene Woche in den linken Arm, und obwohl nichts von dem chemischen Gebräu daneben lief, schmerzt der Arm bis heute, das kannte ich bisher nicht in dem Ausmaß. Die Haut ist rings um die Injektionsstelle sehr berührungsempfindlich, das alles schwindet dieses Mal nur sehr sehr langsam. Ich vermute als Laie, dass es mit dem andauernden Kampf des Körpers gegen das Gift im rechten Arm zu tun hat.

Auch die Übelkeit schlug heftiger zu als zu Beginn der vergangenen Zyklen, ich brauchte wesentlich häufiger und länger meine MCP AL Tropfen, um dem Erbrechen entgegen zu wirken. Gestern endlich kehrte das Ausmaß an Übelkeit auf das seit Beginn der Chemotherapie gewohnte Maß zurück: ständig da, aber nicht so schlimm, dass sich mir beim Anblick von Speisen der Magen umzudrehen droht.

fortschritt Die Kälteempfindlichkeit kehrte mit der Infusion schlagartig zurück – stärker als zuvor. Dinge aus dem Kühlschrank holen geht auch heute, eine Woche später, nur mit Handschuhen. Ich habe auch, egal wie warm es ist und ob ich Socken trage oder nicht, ständig taube Zehen, sogar daran kann man sich gewöhnen, stelle ich fest. Besonders deutlich wurde mir der diesbezügliche Nervenschaden aber heute im Rahmen des Fitnessprogramms. Erstmalig seit dem Chemieunfall war ich wieder im Schwimmbecken. Innerhalb weniger Minuten im Wasser fühlte sich der rechte Arm deutlich kälter an als der Rest des Körpers, nach 15 Minuten Schwimmen empfand ich ihn dann als eisig. Da war der anschließende Aufenthalt in der Dampfsauna eine Wohltat.

Erfreulich fand ich, dass sich trotz Infusionspanne und verstärkten Nebenwirkungen meine Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit langsam aber stetig steigern. Das Bild zeigt oben die Leistung nach 30 Minuten Ergometertraining vom 21. Juli, unten von heute. Immerhin stieg die Durchschnittsleistung von 79 Watt auf 112 Watt – das ist für meine Verhältnisse eine deutliche Verbesserung, über die ich mich freue. Es muss ja auch solche kleinen Mutmacher-Erlebnisse geben.

Erfreuliches gab es ja noch mehr in den letzten Tagen. Ich konnte am Samstag mithilfe meiner Tropfen und zusätzlicher Anti-Kotz-Tabletten recht unbeschwert an der Einschulung eines Enkels sowie an einem Sommerfest teilnehmen und dort sogar wie geplant als Moderator mitwirken. Ich konnte am Sonntag mit der besten aller Ehefrauen eine 20-Kilometer-Radtour unternehmen, die mir deutlich gut getan hat. Als wir losfuhren, musste ich mich fast auf das Fahrrad zwingen … und dann ging es mit dem Befinden bergauf, je länger wir unterwegs waren. Ich konnte letzte Woche nach dem Auftakt zum Zyklus 5 mein sportliches Programm – mit Einschränkungen, aber immerhin! – durchführen.

So ist es eigentlich immer, wenn mir so nach gar nichts zumute ist, außer in der dunklen Ecke rumliegen und leiden: Aufraffen, etwas unternehmen und sich dann staunend darüber freuen, wie gut das tut.

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Kommentare:

Frau Vorgarten hat gesagt…

so ein Segen, diese Beste aller Ehefrauen!
Glückwunsch!

Günter J. Matthia hat gesagt…

Allerdings. Ohne Eva ... weiß nicht, ob ich bis heute durchgehalten hätte.