Donnerstag, 10. April 2008

Kochstunde mit dem Pulitzer-Preisträger

Nun hat er auch noch den Pulitzer-Preis in Form einer »Special Citation« bekommen, der Bob. Schön, es sei ihm von Herzen gegönnt.

Die zweite Staffel der Theme Time Radio Hour ging mit dem Thema Cold letzte Woche zu Ende. Oder auch nicht. Die Fans diskutieren noch, ob das angekündigte Ende nun ein Aprilscherz vom Gastgeber war oder nicht. Und Bob Dylan selbst? Er lächelt und schweigt...

Ich weiß nicht wie viele Rezepte er im Rahmen der 75 Theme Time Radio Hours zum Besten gegeben hat, aber diese hier könnte man ja mal ausprobieren:

The Perfect Meatball
  • 3 minced cloves garlic
  • ¼ cup vegetable oil (for frying)
  • 1 pound ground meat (equal parts beef, pork, veal)
  • ¼ cup grated Parmesan cheese
  • 9 Saltine crackers, finely crushed
  • ½ teaspoon salt
  • black pepper
  • oregano
  • dried basil
  • 1 tablespoon chopped fresh parsley
  • ¼ cup water
  • 1 egg
  • 1 teaspoon tomato paste
Heat the oil over a low heat in a large Dutch oven. In a big bowl, add the meat, garlic, cheese, crackers, and spices. Mix lightly with your fingers. Don’t be shy—get into it. In a small bowl, whisk the water, the egg, and the tomato paste. Add the egg mixture to the meat mixture. Mix it lightly with your fingers. Form it into drum shapes, or balls. Cook in batches, over medium high heat, until its browned on both sides. That will be about five minutes total. Serve ‘em up with some potatoes, or some spaghetti, or just make a sandwich out of them. You're gonna love 'em.
Als Nachtisch dazu:

Figgy Pudding

  • 4 oz of plain flour
  • a pinch of salt
  • 4 oz bread crumbs
  • 4 oz shredded suet
  • 1 teaspoon mixed spice
  • 1 teaspoon baking powder
  • 3 oz dark soft brown sugar
  • 8 oz chopped dried figs
  • finely grated rind & the juice of one lemon
  • 2 tablespoon milk
  • 2 beaten eggs

Sift salt and flour together, then mix with all the remaining dry ingredients. Add the figs, lemon rind and juice, milk and beaten eggs. Beat them well. The mixture should have a soft dropping consistency. Put into a greased two-pint pudding basin, cover securely, and steam for three hours. I like it served with heated golden syrup topping, and a generous pour of custard. Makes me hungry just talking about it. My engineer Tex Carbone likes vanilla ice cream on it. I don’t understand that at all.

Zum Thema Kochen fiel ihm auch noch ein:
My friend’s wife is a really bad cook. I broke a tooth on her coffee.

Es gab auch ein paar Weisheiten, die man sich merken sollte:

  • They say the earth’s warmin’ up. Be careful of that global warming, and wear your sunscreen.
  • Sticks and stones can break my bones but words can never hurt me…as opposed to when you grow up and you learn that…the pen is mightier than the sword. The world is fill of little contradictions like that.
  • I leave you with the words of Benjamin Franklin. ‘He that is of the opinion money will do everything may well be suspected of doing everything for money.’ Thank you, Ben. Peace out.
  • A lot of people who play one kind (of music) won’t play with people who play another kind, but me personally, I never understood any kind of border patrol when it comes to music.
Alle Theme Time Radio Hours kann man bei Patrick Crozley finden:


Besonders empfehlenswert für jemanden, der die Sendung nicht kennt, ist (meinem Geschmack nach) Coffee, Bible, Hello, Doctor, Classic Rock und Heat. Was nicht heißen soll, dass ich nicht alle Sendungen genossen habe und immer wieder genieße.

Und ob das mit dem Ende der zweiten Staffel ein Aprilscherz war oder nicht, wird man am Freitag wissen...

P.S.: Die beste aller Ehefrauen sagte eben, als sie den Entwurf dieses Beitrags gelesen hatte: »I liked the one about dogs.« Stimmt. Die Sendung war auch besonders ansprechend. Vor allem für Menschen, die neben guter Musik auch Hunde mögen.

Mittwoch, 9. April 2008

Matt Redman mit und ohne Slovenske Titulky

Am Samstag, dem 14. Juni 2008, könnte es wieder ziemlich voll werden im C-Campus in Berlin. Matt Redman wird mit Hillsong Church London zu Gast sein. Eine interessante Kombination, was dabei musikalisch herauskommt, wird man sehen hören.

Ich bin ja nicht unbedingt ein Fan der Worship-Only-Musikanten, da diese sich meist sehr bewusst auf die frommen Nischen beschränken und nicht selten weichgespülte Klänge zu Gehör bringen. Andere finden gerade das richtig. Wer Recht hat, ist völlig unerheblich. Und - zugegeben - die sanfteren Töne sind mitunter auch in meinen Ohren herzlich willkommen, wenn sie beispielsweise von Leonard Cohen stammen.

Jedenfalls sind Matt Redmans Lieder aus vielen Gemeinden kaum noch wegzudenken. Ein Beispiel mit slovenske titulky:

Heart of Worship

In Berlin wird er wohl ohne slovenske titulky zu sehen sein. Alle Informationen zum Konzert und auch eine Anleitung, wie man an die Eintrittskarten kommt, gibt es hier: Matt Redman 2008 im C-Campus

Wunder tun - aus Liebe!

Jesus tat, was er den Vater tun sah, lehrte, was er vom Vater hörte. Als Philippus ihn bat, dass er doch den Jüngern den Vater zeigen sollte, antwortete Jesus:
Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, tut seine Werke. (Johannes 14, 10)
Hat das irgend etwas mit uns zu tun? Vielleicht ja, denn welcher Christ wollte nicht irgendwie mehr vom Vater sehen, wie Philippus? Jesus fuhr fort:
Glaubt mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubt um der Werke selbst willen! (Johannes 14, 11)
Jesus geizte nicht mit Zeichen und Wundern. Sie waren alltäglich in seinem Leben und gehörten zu seinem Dienst. Ob er nun die Naturgewalten bedrohte oder Kranke heilte, dem Gastgeber einer Hochzeit durch Qualitätswein aus der Verlegenheit half oder einen toten Freund auferweckte; das Übernatürliche war für ihn etwas ganz Natürliches.

Nun mag mancher meinen: »Das war ja auch der Sohn Gottes, wir können uns doch kaum daran orientieren, was Jesus getan hat. Unsere menschlichen Möglichen sind eben beschränkt...«
Das würde vielleicht gelten, wenn Jesus nicht im gleichen Atemzug gesagt hätte:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe. (Johannes 14, 12)
Jesus stellte mit diesen drei zitierten Sätzen einen unmittelbaren Zusammenhang her: Er und der Vater waren eins, der Vater in ihm, er im Vater, und das zeigte sich anhand der Werke, die er tat – die der Vater durch ihn tat. Nun gut. Der Sohn Gottes eben. Die Ungerheuerlichkeit jedoch ist: Diejenigen, die an ihn glauben, werden zumindest die gleichen Werke tun, im Normalfall jedoch noch größere. Weil Jesus inzwischen zum Vater gegangen ist.

Tun wir das? Wenn ja – prima. Wenn nein – warum eigentlich nicht? Weil Jesus sich geirrt hat? Weil er nur die erste Generation der Jünger gemeint hat? Weil es heute nicht mehr notwendig ist, dass wir tun, was er tat? Weil unvorhergesehene Entwicklungen im Himmel zu einer Änderung des göttlichen Willens geführt haben? Weil...

Könnte es sein, dass wir nicht in ihm sind, er nicht in uns, so wie er es gemeint und vorgelebt hat? Zwar errettet, wiedergeboren, gläubig, treu, eifrig für den Glauben – allemal und unbestritten! Aber doch mit einem Manko, das uns gar nicht mehr bewusst wird, weil wir uns so daran gewöhnt haben. Möglicherweise haben wir, wie schon Generationen vor uns, etwas missverstanden, einschließlich derjenigen, die Wunder und Zeichen heute noch erwarten.

Jesus hat Wunder getan. Die ersten Christen haben Wunder getan. Es gehörte einfach dazu. Aber war das der Kern ihres Dienstes? War es der Sinn und Inhalt ihres Lebens? Waren übernatürliche Werke das Ziel ihres Glaubens?

Jesus tat, was er den Vater tun sah. Der Vater wirkte durch Jesus. Es ging Jesus aber nicht um Zuschauerzahlen. Es ging ihm nicht um Reklame für seinen Club. Es ging ihm nicht darum, populär zu sein. Es ging ihm auch nicht darum, seine theologische Überzeugung zu beweisen und die Kritiker blass aussehen zu lassen.
Er hatte keinerlei Ambitionen, durch Werke oder Worte den Beweis anzutreten, dass er wirklich der Messias war. Zwar sagte er zu Philippus, dass die Jünger wenigstens wegen seiner Werke an ihn glauben sollten, aber es ging ihm nie um die Wunder, nie um die Zeichen an und für sich. Er weigerte sich, die Wundersucht der Massen zu befriedigen. Er lehnte es ab, auf Wunsch und zum Beweis für seine Sendung als Messias irgend etwas zu tun. Zwei Beispiele:
Dann antworteten ihm einige der Schriftgelehrten und Pharisäer und sprachen: »Lehrer, wir möchten ein Zeichen von dir sehen!« Er aber antwortete und sprach zu ihnen: »Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und kein Zeichen wird ihm gegeben werden als nur das Zeichen Jonas, des Propheten.« (Matthäus 12, 38-39)
Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit ihm zu streiten, indem sie von ihm ein Zeichen vom Himmel begehrten, um ihn zu versuchen. Und er seufzte auf in seinem Geist und spricht: »Was begehrt dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Nimmermehr wird diesem Geschlecht ein Zeichen gegeben werden!« Und er ließ sie stehen, stieg wieder ein und fuhr an das jenseitige Ufer. (Markus 8, 11-12)
Jesus ging es nicht um die Wunder der Wunder wegen. Er wurde, zumindest von der religiösen Obrigkeit, oft genug gerade wegen der Zeichen angegriffen. Aber Jesus heilte trotzdem auch am Sabbat und antwortete auf Kritik:
Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke. (Johannes 5, 17)
Auch bei dieser Gelegenheit bestätigte er, dass er und der Vater eins waren. Dass der Vater in ihm war, dass er im Vater war. Als sich die Schriftgelehrten und Pharisäer darüber aufregten, erklärte er ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn. Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut; und er wird ihm größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch wundert. (Johannes 5, 19-20)
Wie ist das bei uns? Zeigt uns Gott alles, was er selbst tut, weil er uns liebt? Zeigt uns Jesus noch größere Werke, die wir dann ausführen?

Vielleicht haben wir etwas übersehen: Die Zeichen und Wunder, die Jesus getan hat, die für seine Jünger (auch uns heute) den oben zitierten Worten gemäß der Normalfall sein sollten, geschahen aus Liebe. Gott liebt die Menschen, so sehr, dass er sein Kostbarstes geopfert hat. Gott will weder Krankheit noch Not.
Jesus stillte den Sturm, sättigte mit ein paar Broten und Fischen Tausende, verwandelte Wasser zu Wein, um jeweils einer Not abzuhelfen - aus Liebe zu den Notleidenden. Er heilte Kranke und
weckte Tote auf, aus Liebe zu den Betroffenen und Hinterbliebenen. Weil die Liebe Gottes zu den Menschen in ihm lebendig war.

Vielleicht werden wir Wunder tun, sobald wir damit weder unsere lokale Gemeinde, noch uns selbst, noch das Christentum an und für sich fördern wollen. Sobald in uns die Liebe Gottes zu den Menschen so lebendig wird wie in Jesus. Eine Liebe, die nicht verurteilt, nicht nach Schuld sucht, sondern eine Menge Sünden zudeckt und ausschließlich das Beste für den Menschen will. Für den Mitchristen genauso wie für den Moslem, für den Einflussreichen genauso wie für den Habenichts.

Dienstag, 8. April 2008

Endstation Abbey Road

Geschafft!

Zumindest der erste Schritt: Mein Romanmanuskript ist so weit fertig, dass sich nun die beste aller Ehefrauen der 146 Seiten (auf DIN-A4 gedruckt, im Buch dann etwa 280 Seiten, je nach Verlag) annehmen kann. Mit hoffentlich kritischem Blick wird sie die verbliebenen Schwachstellen auffinden und mich auf Lücken in der Erzählung genauso hinweisen wie auf Überflüssiges.
Wenn das dann erledigt und eingearbeitet ist, geht es los mit der Verlagssuche.

Endstation des Romans ist der Zebrastreifen in der Abbey Road in London. Genau, der Zebrastreifen.
Da ausnahmsweise einmal die Sonne über London schien, fuhren wir recht früh am vierten Morgen mit der U-Bahn zur Station St. John’s Wood und bummelten dann gemütlich über die Grove End Road in Richtung Ziel.
Die Abbey Road war relativ unbelebt. Ab und zu kam ein Auto, aber es gab ausreichende Lücken im Verkehr, um unser Vorhaben in die Tat umsetzen zu können. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn zumindest einer der beiden überlebenden Beatles mit auf dem Bild gewesen wäre, aber man kann nicht alles haben.
Ich wollte im weißen Anzug, die Hände in den Taschen, über die Straße marschieren und versuchen, wie John Lennon auszusehen, obwohl natürlich meine Haare mit denen des Beatles auf dem Cover nicht konkurrieren konnten. Das bisschen, was auf meinem Kopf noch übrig war, umrahmte eine wachsende Glatze wie schwindender Strand bei Flut das Meer umsäumt.
Als wir auf die Aufnahmen vorbereitet waren und auf die nächste größere Verkehrslücke warteten, hielt ein weißer Volkswagen Käfer hinter dem Zebrastreifen. Ich fragte Jutta spaßeshalber, ob wohl die Londoner Fremdenverkehrsbehörden dafür sorgten, dass zumindest ab und zu das Bild der Straße dem auf dem Beatles-Album glich. Das Auto wurde an genau der Stelle abgestellt, an der auf dem Cover ein weißer VW parkt. Sie lachte und winkte mir zu, jetzt loszugehen.
Jutta und Viktor standen mit Camcorder beziehungsweise Fotokamera bereit. Der Junge hielt alles, was nun folgte, auf dem digitalen Video fest. Es ging so schnell, dass ich viele Einzelheiten erst später beim Betrachten der Aufnahmen bemerkte...
Am Anfang des Romans, das wissen regelmäßige Blogleser bereits, steht ein anderer Fußgängerübergang, in Berlin gelegen, und ein schwarzer VW Käfer spielt eine Rolle. Und was so alles auf den dazwischen liegenden Seiten passiert, wird hoffentlich bald in Buchform zu lesen sein.

Montag, 7. April 2008

Anleitung: Wie man einen Skandal zustande bringt

Beim Lesen eines Kommentares (gestern von Storch) überkam mich die Inspiration, diese Anleitung zu schreiben. Ich kann nichts dafür, dass mir dauernd solche Sachen einfallen, es passiert mir einfach. Dass ich sie dann nicht für mich behalte, das ist allerdings wirklich mir anzulasten...

Also, hier die Anleitung:

1. Man nehme eine Wahrheit.

Storch liest mich, nach eigenem Bekunden, aber er liest nicht Thomas Mann. Nicht mal für Geld. Höchstens für sehr viel Geld ließe er sich eventuell dazu veranlassen, auch Thomas Mann zu lesen.

2. Man äußere sich zu diese Wahrheit

Ich erkläre hiermit öffentlich: »Ich bin für meinen Blog-Leser populärer als Thomas Mann.«

3. Man mache daraus eine Skandalschlagzeile:

BILD berichtet: »Berliner Schmierfink hält sich für besser als Nobelpreisträger Mann.« FOCUS schreibt: »Unbekannter Autor behauptet, lesernswerter als Thomas Mann zu sein.« Marcel Reich-Ranicki giftet in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN: »Wer ist dieser Gernegroß, der sich für so wichtig hält, dass unser größter deutscher Schriftsteller dagegen verblassen würde?«

4. Man kann das nicht mehr aufhalten.

Egal, was ich jetzt in Interviews, Erklärungen, Richtigstellungen oder gar Entschuldigungen (wofür eigentlich?) sagen oder schreiben würde: Ich könnte nie wieder den Ruf loswerden, dass ich mich für besser / lesenswerter / wichtiger als Thomas Mann halte.
Es würde genug Journalisten und Kommentatoren geben, die immer wieder die gleiche Suppe aufwärmen. Man ist in Deutschland allzu bereit, sich offenkundig zum Bösen zu bekennen, solange es so aussieht, als wollte diesem die Geschichte recht geben.

Alles nur erfunden?

Hanebüchener Unfug? Von wegen. In den 60ger Jahren ist das schon mal exemplarisch vorgeführt worden. Da hatte John Lennon (richtigerweise) gesagt, dass bei den britischen Jugendlichen, die mehr über die Beatles wussten als über die Bibel, die Beatles populärer als Jesus seien. Das wuchs sich einige Monate später in Amerika zum Religionskrieg gegen die Popmusik aus, mit Scheiterhaufen und allem Drum und Dran. (Die älteren Semester erinnern sich bestimmt, die jüngeren können hier nachlesen: The Dark Side of Beatlemania.)

Alles kalter Kaffee von Vorgestern? Von wegen. Ist letztes Jahr in Deutschland erneut exemplarisch vorgeführt worden, Opfer war Eva Herman. Diesmal keine Scheiterhaufen, aber ein Berufsverbot, was natürlich niemand aussprechen würde.

Wir lernen aus diesem lehrreichen Blogbeitrag:

Es kommt im Leben darauf an, wer eine Wahrheit ausspricht. In gewissem Munde wird auch die Wahrheit zur Lüge.

P.S.: Lieber Storch, falls Du bis hierher gelesen hast, hast Du ohne Bezahlung auch Thomas Mann gelesen. Ich habe nämlich heimtückisch zwei Zitate von ihm in den obigen Zeilen untergebracht. Ätsch!

Sonntag, 6. April 2008

Sonntag ist. Jawohlja.

Ich bin zwar kein Mitglied der Evangelischen Kirche und nicht unbedingt ein Verfechter des Sonntages als Ruhetag (wo ist der Sabbat eigentlich abgeblieben, den Jesus und seine Jünger gefeiert haben und was ist mit den Pastoren und Pfarrern und Priestern, die am Sonntag arbeiten müssen und was ist mit Polizei, Rettungsdiensten, Krankenschwestern, Altenpflegern, Nah- und Fernverkehr, vom Busfahrer bis zum Zugabfertiger, was sollen Nachrichtenredakteure, Kellner und Köche sagen, wie steht es mit technischem Personal in den Fernsehstudios, Eintrittskartenverkäufern im Museum oder Zoo... - die Liste wäre schier endlos fortzusetzen) - aber wo sie Recht hat hat sie Recht, die Kirche: Heute ist Sonntag und das ist auch gut so.

P.S.: Bild gemopst von: epd-bild Thomas Rohnke via Jesus.de (Klick auf das Bild oben führt zur Quelle)
P.P.S.: Hat jemand bemerkt, dass dieser Beitrag aus vielen Zeilen, aber nur einem Satz vor dem erlösenden Doppelpunkt besteht?
P.P.P.S.: Thomas Mann hat einwandfreie Sätze zustande gebracht, die sich über mehr als eine Buchseite erstrecken.
P.P.P.P.S.: Ich gebe zu: Thomas Mann hat in der Regel sinnvollere Dinge geschrieben als ich in diesem Beitrag. Aber heute ist ja schließlich Sonntag, da hat der Sinn frei und vergnügt sich irgendwo anders...

Freitag, 4. April 2008

Eva Herman: Kritik und Selbstkritik

Das Medienmagazin Pro berichtet heute über einen Vortrag Eva Hermans beim Gemeinde-Ferien-Festival in Ruhpolding.
Kritik übte Eva Herman an dem Konzept des so genannten Gender Mainstreaming, das von der Bundesregierung unterstützt wird. Demnach sei das Geschlecht des Menschen nur anerzogen.
„Der Mensch ist von Gott geschaffen und wird von der Politik neu erfunden. Man hat sich von Gottes Willen entledigt,“ sagte Herman. Dies habe schon jetzt sichtbare Auswirkungen. „Aufgrund der negativen demographischen Kurven sehen wir: Wir sind im Begriff uns selbst abzuschaffen.“
Sie hat wieder mal einen Nagel auf den Kopf getroffen, die Eva Herman. Über das Gender Mainstreaming, dem auch die derzeitige CDU-Familienministerin verfallen ist, hatte ich mir letztes Jahr Gedanken gemacht: Getarnter Angriff auf Familien.

Eva Herman ist aber nicht nur kritisch, sondern auch selbstkritisch. eine sehr selten gewordene Eigenschaft bei Prominenten:
Kritische Bilanz zieht die lange Jahre erfolgreiche ARD- und NDR-Moderatorin auch aus ihrem eigenen Leben. „Ich lebte nach dem Prinzip: Ich darf alles, ich kann alles!“
Für Ehepartner und Kinder habe sie keine Zeit gehabt. „Ich habe drei gescheiterte Ehen und ein Kind. Umgekehrt wäre es mir lieber.“ Heute appelliert sie in ihren Büchern und Vorträgen an ihre Leser, umzudenken und sich nicht von der Politik und den wirtschaftlichen Zwängen abhängig zu machen.
Selten genug gibt jemand, der in der Öffentlichkeit wirkt und letztendlich seinen Lebensunterhalt davon bestreiten muss, wie diese Öffentlichkeit ihn oder sie wahrnimmt, eigene Fehler so offen zu. Schön, dass es noch Ausnahmen wie Eva Herman gibt.

Kann man Liebe erklären?

Gestern kam ich prima voran mit meiner Arbeit am Manuskript. Etwa 14 Stunden habe ich daran gearbeitet. Mittags traf ich mich mit einem Freund am Potsdamer Platz bei Maredo zum Business Lunch, wie eine Mittagsmahlzeit zu günstigen Preisen heutzutage daselbst heißt. 7,20 Euro für ein leckeres Gericht ist durchaus angemessen. Die zwei Stunden Arbeitsunterbrechung mit angeregtem und viele Themen berührendem Gespräch habe ich sehr genossen.

Ich hatte mich entschlossen, die S-Bahn zu nehmen, da sie mich von zu Hause ohne Umsteigen direkt zum Ziel bringt, Parkplatzsuche und -gebühren spart und weil ich während der Hin- und Rückfahrt mit dem Kleinen (regelmäßige Blogleser kennen ihn) arbeiten konnte.


Auf der Rückfahrt überarbeitete ich die folgende Passage. Nico ist ein 13jähriger Draufgänger, der sich mit meiner Hauptfigur Roland angefreundet hat. Mehr als Freundschaft ist inzwischen entstanden.

...Also erklärte ich, dass ich auf so etwas wie Geldwäsche gestoßen sei, während wir Nirvana hörten. Ich sagte, dass der Mann, der mich angesprochen hatte, offenbar Informationen über die Transaktionen hatte.
»Klasse, das wird ja immer aufregender und spannender!« Nico war ganz aus dem Häuschen. »Wer weiß, was da noch auf uns zukommt.«
Wir hörten einen Moment aufmerksam Kurt Cobain zu, der uns erklärte:
With the lights out, it's less dangerous
Here we are now, entertain us
I feel stupid and contagious
Here we are now, entertain us…

Ich beschwichtigte: »Auf uns kommt gar nichts zu. Du hältst dich da gefälligst raus. Ich erzähle dir, was sich so tut, aber ich möchte nicht, dass du irgendwie in die Angelegenheit verwickelt wirst. Das ist offenbar ein gefährliches Gelände, mein Lieber!«
»Hast du etwa Angst um mich?«
»Natürlich habe ich Angst um dich! Was glaubst du denn? Soweit ich das jetzt überblicke, sind sowohl Sabrina als auch Thomas Graf der gleichen Bande von Verbrechern zum Opfer gefallen, die mir eine Bombe in den Flur gestellt hat. Das reicht doch wohl?«
»Ja, natürlich. Ich bin es nur irgendwie noch nicht gewöhnt, dass sich jemand überhaupt Gedanken darum macht, was mit mir passiert.«
»Mache ich mir eben.«
»Danke.«
Er sah mich mit seinen großen Augen an, in denen ich einen Schimmer von Tränen erkennen konnte. Ich lächelte ihm aufmunternd zu.
»Es wäre wirklich schön, wenn du am Wochenende auch in Rothberg sein könntest«, meinte Nico. »Ich hoffe, ich gehe dir nicht auf die Nerven?«
»Unfug. Warum solltest du mir auf die Nerven gehen?«
»Weil ich dauernd bei dir ‘rumhänge.«
»Nico, ich freue mich, wenn du da bist. Warum würde ich sonst alle möglichen und unmöglichen Ämter aufscheuchen, damit du hier einziehen kannst?«
»Mitleid mit einem Waisenkind vielleicht?«
»Nein. Absolut nicht. Da kannst du sicher sein.«
»Warum sollte mich irgendjemand mögen?«

Diese Frage zielte genau auf das, was man nie erklären, nie benennen kann. Ich verstand, dass Nico unsicher war, nachdem er so viele Jahre in einem Kinderheim zugebracht hatte, nachdem seine eigenen Eltern ihn ausgesetzt und vergessen hatten wie ein abgelegtes Kleidungsstück, das man in den Caritas-Container wirft. Selbstwertgefühl wird durch bewiesene Zuneigung aufgebaut - der Hänsel-und-Gretel-Effekt muss demnach genau das Gegenteil bewirken. Die Erzieher im Heim mochten noch so fürsorglich und liebevoll mit den Kindern umgehen - sie wurden dafür bezahlt, dass sie das taten.
Wie konnte ich Nico erklären, warum ich ihn liebte? Wie kann man irgendjemandem erklären, warum man ihn oder sie liebt? Es geht gar nicht. Es gibt keine messbaren Fakten dafür.
And I forget just why I taste
Oh yeah, I guess it makes me smile
I found it hard, it was hard to find
Oh well, whatever, nevermind...

Vielleicht hatte Kurt Cobain recht. Nicht nach Erklärungen suchen. Einfach denken: Well, whatever, nevermind… Ich hatte Sabrina geliebt, liebte sie noch immer, obwohl sie tot war. Deshalb schmerzte jeder Gedanke an sie nach wie vor. So oft ich ihr auch erklärt hatte, dass ich sie liebte, das warum war immer offen geblieben.
Wegen Ihrer Schönheit? Schönheit ist vergänglich, die Liebe bleibt. Auch ausgesprochen unansehnliche Menschen finden Partner, mit denen sie eine tiefe Liebesbeziehung teilen können. Wegen Ihres Humors? Ich liebte sie auch dann, wenn sie traurig oder verzweifelt und jede Spur von Frohsinn weit entfernt war. Weil unser Sex uns tief erfüllte? Auch in Zeiten der Krankheit oder zu großer Müdigkeit und daraus resultierender sexueller Abstinenz nahm meine Liebe nicht ab.
Warum hatte Sabrina mich geliebt? Das war mir ebenso stets ein Rätsel geblieben. Ich fand mich nicht ungestalt und hatte mir keine bösartigen Charakterzüge vorzuwerfen, aber ich kannte zahlreiche Männer, die besser aussahen und aus meiner Sicht für eine Frau begehrenswerter sein mussten als ausgerechnet ich. Dennoch liebte Sabrina mich und verschwendete keinen Gedanken an andere.
Ich konnte Nico zwar aufzählen, was er an bemerkenswerten Eigenschaften und liebenswerten Merkmalen mitbrachte, aber das würde alles nicht den Kern der Sache treffen.
A denial! A denial! A denial!... brüllte Kurt Cobain. Ich wollte meine Liebe nicht leugnen. Ich wollte, dass Nico verstand, dass ich ihn wirklich liebte. Auch wenn ich es nicht begründen konnte.
»Nico, ich bin kein Philosoph. Und selbst die hatten Probleme damit, die Liebe zu begründen. Ich kann dir nur sagen, dass du für mich der Sohn geworden bist, den ich nie hatte. Ich kann dir erklären, wie sehr ich deine Offenheit, deine Abenteuerlust und deine Treue schätze. Ich kann dir sagen, dass es dir gelingt, immer wieder, etwas tief in mir anzurühren. Ich bin eigentlich ein Einsiedler, ein Eigenbrötler, aber Du dringst irgendwie durch. Und das genieße ich, das tut mir gut. Ich kann dir versichern, dass ich jede Stunde, die wir miteinander verbringen, genieße. Du bist für mich eben liebenswert, wichtig, wertvoll. Besser ausdrücken kann ich es nicht. So wie die Amerikaner sagen shit happens, so sage ich love happens
»An dir ist doch ein Philosoph verloren gegangen. Wenn ich mir je einen Vater vorstellen könnte, der diese Bezeichnung verdient, dann wärest du das, Roland.«

Das bringt mich zu der Frage: Kann irgend jemand unter meinen Bloglesern erklären, warum man liebt?

Mittwoch, 2. April 2008

300 - mitten in der Arbeit!

Dies ist der 300ste Beitrag auf diesem Blog - na so was. Da hört sich doch alles auf, was habe ich da bloß alles für Sinn und Unsinn von mir gegeben?

Es sei an dieser Stelle angesichts des Jubiläums mal ganz herzlich und aufrichtig den treuen Leserinnen und Lesern gedankt, die mit ihren Kommentaren (allen voran eine gewisse Barbara aus Lübeck-Travemünde) diesen Blog so lebendig machen und dafür sorgen, dass er keine Einbahnstraße vom Blogger ins Nirgendwo ist. All Euch stummen Lesern sei versichert: Nur Mut, das Ding beißt nicht, wenn man einen Kommentar schreiben will. Das einzig doofe ist diese Sicherheitsabfrage, aber ohne landet hier wirklich zu viel als Kommentar getarnter Müll. Also seid ermutigt: Ich lese jeden Kommentar und schaffe es in der Regel auch, innerhalb von ein paar Tagen (bei Bedarf) zu reagieren. Und ihr wisst doch, dass in der Bibel steht: »Einen fröhlichen Kommentator hat Gott lieb.« Oder so ähnlich.

So, genug lobgehudelt, jetzt zur Arbeit:

Mich haben einige liebe Menschen schon im Lauf der Jahre gefragt, was das Geheimnis sei, wenn man ein Buch veröffentlichen will. Ich habe keine Ahnung. Aber ich weiß: Ohne Mühe und Arbeit am Text geht es nicht. Ich lese in einem Forum so manchen Text von Autorinnen und Autoren, die sich nicht einmal die Mühe machen, die deutsche Grammatik und Rechtschreibung zu erlernen und sich gleichzeitig fragen, wie sie wohl zu Bestsellerautoren werden können. The naked truth is: No way, Joze!

Die Sache mit dem Schreiben ist wie bei einem Koch. Erst wenn ihm selbst die Suppe schmeckt, darf er andere einladen, sie zu kosten. Wenn sie den anderen nicht schmeckt, muss er an den Zutaten arbeiten, erneut kosten, erneut einladen, abschmecken, nachwürzen, und - wer weiß - erneut einen Reinfall erleben. Der Koch aber liebt seine Tätigkeit und bleibt dran. (Wenn jemand unbedingt ein Geheimnis braucht - da ist es!) Er gibt nicht auf. Und selbst wenn es Jahre dauern mag - irgendwann wird er die Suppe so komponiert haben, dass sie ihm und den Gästen schmeckt. Er erntet Applaus und zufriedene Gesichter. Und unverzüglich macht er sich daran eine zweite Suppe zu kreieren...

Was meinen nächsten Roman betrifft, so bin ich dabei, nachdem die grundlegenden Zutaten fest stehen, die Raffinesse der Gewürze auszubalancieren. Zum Beispiel:

Der Notarztwagen, der sich am Stau vorbei in Richtung Unfallstelle gequält hatte, stand auf der Fahrbahn, die hinteren Türen offen. Gestalten beugten sich über einen Körper.

Sabrina!

Man ließ mich nicht zu ihr. Mit sanfter Gewalt hinderte mich ein uniformierter Mann daran, redete beruhigend auf mich ein, appellierte an meine Einsicht, dass ich mir den Anblick ersparen sollte. Ich tobte und wollte mich losreißen.

Schließlich sagte mir ein dem Polizisten zur Hilfe kommender Arzt unumwunden, dass der Kopf meiner Frau bei dem Aufprall zwischen Auto und Glascontainer am Straßenrand geraten war und überzeugte mich davon, Sabrina lieber so in Erinnerung zu behalten, wie ich sie gekannt hatte.

Das war die gestrige Fassung. Heute steht im Manuskript statt dessen:

Der Notarztwagen, der sich am Stau vorbei in Richtung Unfallstelle gequält hatte, stand auf der Fahrbahn, die hinteren Türen offen. Gestalten beugten sich über einen Körper. Ich erkannte Sabrinas neues Kleid im Neonlicht, und noch etwas fiel mir auf, aber das drang nicht bis in mein Bewusstsein vor – es sollte noch Monate dauern, bis mir dieses Detail gewärtig wurde. Dort auf der Straße hatte ich nur einen Gedanken: Sabrina!

Man ließ mich nicht zu ihr. Mit sanfter Gewalt hinderte mich ein uniformierter Mann daran, redete beruhigend auf mich ein, appellierte an meine Einsicht, dass ich mir den Anblick ersparen sollte. Ich tobte und wollte mich losreißen.

Schließlich sagte mir ein dem Polizisten zur Hilfe kommender Arzt unumwunden, dass der Kopf meiner Frau bei dem Aufprall zwischen Auto und Glascontainer am Straßenrand geraten war und überzeugte mich davon, Sabrina lieber so in Erinnerung zu behalten, wie ich sie gekannt hatte.

»Aber der…« fing ich an, ohne zu wissen, was ich eigentlich sagen wollte. Mein Unterbewusstsein hatte etwas aufgeschnappt und behielt es für sich wie ein trotziges Kind den letzten Keks in der Blechdose. »Der… - ich meine – ich…«

Der Arzt fragte mich, ob ich ein Beruhigungsmittel wollte, aber ich lehnte ab. Ich wollte Sabrina zurückhaben, und wenn das unmöglich war, gar nichts mehr.

So verfeinert man ein Süppchen nach und nach, bis es dem Koch und dann - wirklich erst dann - hoffentlich den Gästen schmeckt.

Mein Französisch...

...habe ich erfolgreich vergessen. Schade, aber man kann nicht alles im Kopf behalten, was die Schule so mit sich bringt.

Blogleser wissen: Ich arbeite an der Endfassung eines Romans. Da stehen die folgenden Zeilen.
Doch dieser Nachmittagsspaziergang brachte die unerwartete Wende. Unvermittelt frage mich, während wir am Ufer entlang schlenderten, meine künftige Schwiegermutter auf Deutsch: »Bist du mit Esther glücklich?«
Überrascht antwortete ich: »Ja, sehr glücklich.«
»Et toi, Esther?«
»Oui, je suis, mais seulement avec Roland.«
»C’est bien. C’est très bien.«
Meine Frage oder Bitte: Wäre jemand mit der entsprechenden Sprachgewandheit so freundlich, mir zu sagen, ob das so stehen bleiben kann? Oder ist das grauenhaftes Französisch?