Dienstag, 22. April 2008

Moderne Psalmen 7: Neil Diamond

Kein junger Mann mehr, der Neil Diamond, aber die Stimme ist noch so kräftig wie damals, als meine (und seine) Haare noch lang waren. Anfang Mai erscheint sein neues Album Home Before Dark - und ab heute für sechs Tage kann man ein extra für Amazon.com gefilmtes Video ansehen und anhören: Pretty Amazing Grace.
(Vermutlich wird das Video aber in absehbarer Zeit auch bei Youtube landen, die Leute klauen ja heutzutage alles...)

Der Text dazu:
Pretty amazing grace is what you showed me
Pretty amazing grace is who you are
I was an empty vessel
You filled me up inside
And with amazing grace
Restored my pride.

Pretty amazing grace is how you saved me
And with amazing grace, reclaimed my heart
Love in the midst of chaos
Calm in the heat of war
Showed with amazing grace
What love is for.

You forgave my insensitivity
And my attempt to let it mislead you
You stood beside a wretch like me
And pretty amazing grace was all I needed.

Stumbled inside the doorway of your chapel
Humbled and awed by everything I found
Duty and love surround me
Freed me from what I fear
Ask for amazing grace
And you a appear.

You overcame my loss of hope and faith
Gave me a truth I could believe in
You led me to a higher place
Showed me amazing grace
When grace was what I needed.

Look in a mirror I see your reflection
Open a book you live on every page
I fall and you're there to lift me
You share every road I climb
And with amazing grace
You ease my mind.

I came to you with empty pockets first
When I returned I was a rich man
Didn't believe love could quench my thirst
But with amazing grace, you showed me it can.

In your amazing grace I had a vision
From that amazing place, I came to be
Into the night I wandered, wandering aimlessly
Found your amazing grace to comfort me.

Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing
Pretty amazing

You overcame my loss of hope and faith
Gave me a truth I could believe in
You led me to that higher place
Showed me that love, truth, hope, grace
Were all I needed.
Mir gefällt es. Sehr gut sogar. Weiter so, Neil!

P.S.: Der Tipp mit Link zum Video kam von Barbara. Danke!

Montag, 21. April 2008

Sechs Wochen mit dem Pinguin...

...liegen nun schon hinter mir. Eins steht fest: Meine Vorurteile bezüglich Linux (dauernd kryptische Befehle notwendig, kaum mit Windows kompatible Anwendungen, optische Katastrophe...) habe ich in dieser Zeit beerdigt. Es ist zwar anzumerken, dass die Linux-User-Gemeinschaft es mit den unüberschaubar vielen Foren und Wikis dem Einsteiger einerseits leicht macht, an jegliche benötigten Informationen zu kommen, aber andererseits doch eine gewisse Hochnäsigkeit im Tonfall an manchen Orten unverkennbar ist. Da liest man dann »...mache ein apt-get...« und muss erst einmal herausfinden, wie man das denn macht.
Aber: Gerade für den Eee-PC - und die meisten Käufer dürften Linux-Neulinge sein - gibt es einige Stellen im Netz, die wirklich verständliche und nützliche Anleitungen und Antworten anbieten, ohne dass man sich doof vorkommen muss (unten sind dann die drei Links zu finden, die mir wirklich geholfen haben).

Doch nun zu ein paar beerdigten Vorurteilen beziehungsweise Erkenntnissen aus der Praxis.

1. Die optische Erscheinung lässt sich genauso anpassen, wie bei Windows, samt Transparenz der Leisten und Icons. Ganz wie es beliebt, nüchtern grau oder fröhlich bunt, oder jeden Tag was anderes. Zur Zeit lacht mich mein Desktop nach dem Hochfahren (33 Sekunden!) so an:


2. Software ist für jeden auch nur denkbaren Anwendungs- und Unterhaltungsfall zu finden, und das - im Gegensatz zur Windows-Welt - so gut wie immer kostenlos. Ohne nervende Klick-mich-und-kauf-mich-endlich-popups, ohne Einschränkungen in der Funktion oder Laufzeit. So kann ich mit dem Eee zum Beispiel auch im Urlaub oder unterwegs die Fotos von der Kamera holen, bearbeiten, veröffentlichen, speichern... - alles geht.


3. Ob mp3 oder wav, ob wmv oder avi, die Unterhaltung kommt nicht zu kurz. Von Festplatte, über USB von DVD und CD oder aus dem Internet: Es gibt nichts, was sich nicht anzeigen beziehungsweise abspielen lässt. Auch Spiele gibt es in Hülle und Fülle, und wiederum: So gut wie alles wirklich kostenlos.


4. Die Arbeit geht auch unterwegs vonstatten, denn die gängigen Excel- und Worddateien, die ich so brauche, lassen sich mit OpenOffice verlustfrei öffnen, bearbeiten, drucken, speichern. So kann ich auch fern vom Schreibtisch Rechnungen erstellen und dem Kunden per E-Mail zuschicken. Oder an einem Projekt arbeiten. Oder an meinen Erzählungen und Sachtexten. Und das auch fern der Steckdose. Drei Stunden sind die normale Laufzeit, mit Sparfunktionen geht's auch länger. Und dann zu Hause auf dem »Großen« ohne Konvertierungen oder ähnliche Mühen weitermachen.



5. Da ist manches rot unterstrichen... aber was er nicht kennt, lernt er dazu, der kleine Eee. Beispielsweise ist ihm frommes Vokabular anfangs etwas fremd gewesen (vielleicht, weil in Linux dauernd irgenwelche »Daemons« werkeln?), aber von Tag zu Tag bekehrt er sich mehr zur biblischen Terminologie.



6. Es gibt Linux-Varianten wie Sand am Meer. Ich hatte zwischendurch eine Alternative installiert, eeexubuntu genannt, die musste aber wieder dem mitgelieferten Xandros (im Full Desktop Modus) weichen, denn die Verbindung zum heimischen Netzwerk war denn doch zu störanfällig und manches klappte einfach grundsätzlich nicht, wie der Zufgriff auf den Eee vom Windows-Rechner aus. Aber mit Xandros: Kein Problem. Nichts einstellen, nichts ver-oder entschlüsseln, einfach nur hinnavigieren, wo ich hin will. Dateien öfffnen, ändern, speichern... alles geht. Plug & Play eben. Einfach so.



7. Immer dabei: Meine Bibel. Kopieren, Suchen, mehrere Übersetzungen, mehrere Sprachen, Lexika... - alles da. Und wiederum: Kostenlos. Ohne Haken und Ösen, Crosswire sei Dank.



8. Stets aktuell, Netzwerk oder W-Lan vorausgesetzt natürlich: Meine abonnierten RSS-Feeds und meine E-Mails. Auf einen Klick weiß ich, wer was zu sagen hatte.



9. Der Mini-Bildschirm setzt natürlich gewisse Grenzen, aber keine, an denen ich bisher gescheitert wäre. Für den Firefox gibt es etliche Themes, die den Platz für Menüs und Leisten so minimieren, dass man recht gut damit arbeiten kann. Die nächste Generation des Eee hat einen etwas größeren Bildschirm und mehr Speicher, aber andererseits: Der Kleine soll und wird ja nicht den »richtigen« Computer ersetzen.


Ein guter Freund, der sehr viel unterwegs und überall online ist (mit USB-Dingsbums und Mobil-Flatrate), sagte mir neulich: »Seit ich den Eee habe, ist mein Leben um ein Kilogramm leichter geworden.« Oder waren es zwei Kilo?
Der Eee wiegt jedenfalls nur 900 Gram, um die mein Leben seit sechs Wochen schwerer geworden ist. Aber die 900 Gramm sind eine höchst willkommene Bereicherung.

Zuerst war ich noch unsicher, ob nicht irgendwann Windows auf dem Kleinen landet - inzwischen hat der Pinguin mich überzeugt und ein dauerhaftes Bleiberecht erworben.

Und - vielleicht das Beste an der Sache: 300 Euro hat der Eee gekostet. Die meisten Kollegen, Freunde und sonstige Menschen, die mich mit dem Gerät sehen und nachfragen, haben mit diesem geringen Preis erhebliche Verständnisschwierigkeiten. »Nur 300 Euro? Kann nicht sein.« Aber es ist und bleibt dabei. Mehr hat er wirklich nicht gekostet.


P.S.: Der Pinguin ist von Hasos Tafel entführt worden - Haso hat mich nämlich überhaupt erst auf den Eee aufmerksam gemacht. Danke, Haso!

P.P.S.: Zur Zeit ist er sogar lieferbar. Der Eee, nicht der Haso. Logisch, oder? Hier: Der Eee bei Amazon

P.P.P.S.: Die erwähnten hilfreichen Adressen für Linux-Neulinge wie mich: Asus Eee Community /// EEE-PC Wiki /// Eee-User Forum (englisch)

Sonntag, 20. April 2008

Wer liest eigentlich noch Zeitung?

Die Bundesregierung wirbt bei Kindern und Jugendlichen für die Lektüre von Zeitungen und Zeitschriften. Aus diesem Grund startete Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Donnerstag in Berlin die "Nationale Initiative Printmedien – Zeitungen und Zeitschriften in der Demokratie".
So beginnt eine Meldung des aktuellen pro-Medienmagazins. Zeitungen und Zeitschriften - ich habe festgestellt, dass sich höchstens im Urlaub der Kauf einer Tageszeitung insofern lohnt, dass ich auch den überwiegenden Teil der käuflich erworbenen Textfülle lese. Allerdings lesen die beste aller Ehefrauen und ich wenigstens die WamS (außer Sport- und Finanzteil), wenn wir sonntags auf dem Weg zum Gottesdienst nicht vergessen, eine zu kaufen. Ansonsten verschaffe ich mir meinen Überblick zum nationalen und internationalen Tagesgeschehen via Google News.

Wie sieht es bei den geschätzten Blogbesuchern aus? Lesen oder nicht lesen, das ist, sagte schon Herr Schüttelspeer, hier die Frage. (Achtung: Es geht um Zeitungen, nicht um Magazine wie Focus und Spiegel.)

Freitag, 18. April 2008

Moderne Psalmen 2: Tom Waits

Einer der Psalmen Davids, in denen er sich durchaus über seine Lage beklagt, aber dennoch nicht von Gott ablassen will, ist Psalm 6. Er fragt: »Meine Seele ist tief bestürzt. Aber du, HERR, bis wann?« Die Lage hat sich für den Psalmdichter noch nicht geändert, aber er weiß dennoch, dass er die Hand dessen, der ihn aus seiner Misere retten kann, bis zum Ende nicht loslassen will.

Tom Waits hat eine ganze Menge über die Beziehung zwischen Gott und Mensch gesungen, vom simplen Gospelsong (Jesus' Blood Never Failed Me Yet, Gospel Train...) bis zu solch bestürtzten modernen Psalmen wie diesem:

Niemals loslassen

Ein Psalm Toms, zu singen mit unvergleichlich brodelnder Stimme zu Orchester- und Bandbegleitung.

Läute die Glocke rückwärts und beende den Streit
Falle im Schmutz auf die Knie.
Ich bin zwischen Wasser und Wind an den Mast gebunden
Glaube mir, da passiert einem nie etwas Schlimmes.
Unser Ring ist jetzt im Pfandhaus, der Regen im Loch
Ich stehe unten an der dreifachen Straßengabelung.
Ich werde alles verlieren,
aber niemals deine Hand loslassen.

Also Petrus hat geleugnet, Judas hat betrogen,
ich bezahle nichts und mache mich davon.
Und der Wind wird erzählen, dass das Ruder gewendet wurde,
und der Wächter dreht seine Runden.
An der Haut meiner Zähne bin ich kahl geworden,
ich kann nur noch auf einem Bein stehen.
Du kannst mich in die Hölle schicken,
aber niemals werde ich deine Hand loslassen.

Ich hänge an einem Seil von einem verkrüppelten Baum,
gezeichnet mit dem Blut des Herz-Buben.
Von Tempel und Gewerkschaft zur Bannmühle bei Weyley auf dem Weg zur Erhabenheit
gehe ich durch den Schlamm nach Hause.

Ich muss jetzt das Beste aus meinem Heimweg machen,
und Marley handelt nur mit Steinen.
Auf halbem Wege habe ich mich verlaufen,
in deinen Augen bin ich unbesonnen.
Gib mir einfach ein paar weitere Chancen.
Ich fordere dich heraus, mit den Märtyrern unter den Rittern zu speisen.
Wenn du es mir zumutest, dann werde ich springen.
Ich werde bei dir in Ungnade fallen,
aber niemals werde ich deine Hand loslassen.
Niemals werde ich deine Hand loslassen.
Niemals werde ich deine Hand loslassen.
Tom Waits ist ähnlich schwer ins Deutsche zu übertragen wie Nick Cave. Man muss schon ein wenig recherchieren, wenn man dahinter kommen will, was dieser oder jener Ausdruck bedeutet. In diesem Lied beispielsweise heißt es: »I'll pay with the roll of the drum.« In meiner Übertragung steht, dass er nicht bezahlt und sich davon macht. Warum? Darum:
Pay with the Roll of the Drum: Not to pay at all. No soldier can be arrested for debt when on the march. "How happy the soldier who lives on his pay, And spends half-a-crown out of sixpence a day; He cares not for justices, beadles, or bum, But pays all his debts with the roll of the drum.- O'Keefe." (Source: Dictionary of Phrase and Fable, E. Cobham Brewer, 1894)
Tom Waits singt auch »dine with cross legged knights«. Das sind aber nicht einfach Ritter mit gekreuzten Beinen. Sondern:
Cross-legged knights: Cross-legged Knights indicate that the person so represented died in the Christian faith. As crusaders were supposed so to do, they were generally represented on their tombs with crossed legs. "Sometimes the figure on the tomb of a knight has his legs crossed at the ankles, this meant that the knight went one crusade. If the legs are crossed at the knees, he went twice; if at the thighs he went three times." - Ditchfield: Our Villages, 1889. (Source: E. Cobham Brewer 1810-1897. Dictionary of Phrase and Fable. 1898)
»An der Haut meiner Zähne bin ich kahl geworden« ist, manch fleißiger Bibelleser unter den Blogbesuchern hat es gleich erkannt, ein Zitat aus Hiob 19, 20.
Ob Tom Waits mit »Marley« nun den Mergel gemeint hat, oder sich auf Jacob Marley aus »A Chritsmas Carol« von Charles Dickens bezieht, oder ob ein ganz anderer Marley (Bob?) gemeint ist, habe ich nicht herausgefunden.
Mir macht es Spaß, hinter solche verschlüsselten Begriffe zu kommen, nicht nur bei Tom Waits. Man kann aber auch einfach nur die Musik genießen, allemal.

Der englische Text: Tom Waits- Never let go
Zum Anhören klickt man hier: Tom Waits - Never let go

Donnerstag, 17. April 2008

Kerstin Hack: Krisen

Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt. Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht. (Peter Laurence)
Eine Krise als Chance begreifen, in widrigen Umständen die geeigneten Schritte zur Lösung des Problems finden, die richtige Hilfe finden, wenn man alleine nicht weiter kommt... - kann man das lernen?

Autorin und Coach Kerstin Hack meint: Ja. Und mit diesem Heft gibt sie praxiserprobte und für jedermann anwendbare Tipps weiter, wie man mit den großen und kleinen Krisen besser umzugehen lernt.
Wer bisher und auch in Zukunft ein Leben ohne Krisen führt, wird dieses Impulsheft nicht brauchen. Alle übrigen Menschen, mich eingeschlossen, werden aus den Gedanken und Ratschlägen, die Kerstin Hack zum Thema zusammengestellt hat, sicher einiges lernen können, egal, ob die persönliche Krise aktuell existiert oder vielleicht schon morgen hereinbricht.
Die Autorin geht mit dem Leser sechs Schritte, die zwar nicht die Umstände ändern werden, aber den typischen Tunnelblick in Notsituationen vom Unheil weg auf ganz konkrete Maßnahmen lenken helfen:

1. Behutsam durch die Krise gehen
2. Genau hinsehen
3. Was hat zur Krise beigetragen?
4. Neue Perspektiven gewinnen
5. Meine Ressourcen entdecken
6. Allianzen schmieden
Die meisten Menschen neigen in Krisen zu einem von zwei Extremen: Entweder sie geben die Hoffnung völlig auf und lassen sich von dem Geschehen überwältigen. Oder sie versuchen hektisch und häufig unüberlegt, so schnell es geht aus der Krise herauszukommen. Beides sind völlig verständliche und normale Reaktionen.
Um schwere Zeiten gut zu bewältigen, ist es wichtig, dass du erst einmal innerlich in der Situation ankommst und akzeptierst: »Ja, ich befinde mich in einer Krise.«
Nicht die Krise ist das Wichtigste und alles Bestimmende, sondern du und dein Leben. Du bist wichtiger als die Krise... (Zitat aus dem Impulsheft)
Ob die Krise nun - von außen betrachtet - eher klein ist oder eine wirkliche Katastrophe, als Betroffener wird man oft allein gelassen oder mit Sätzen wie „Es wird schon wieder“ oder „Geht schon vorbei“ billig vertröstet. Ein solches Impulsheft kann dann den entscheidenden Anstoß geben, dass es eben doch ein Morgen gibt. Wer würde in einer bedrohlichen Situation dicke Bücher wälzen wollen? Das Format dieses Heftes mit seinen kurzen, prägnanten Texten ist da schon eher geeignet.
Auch für Menschen, die anderen zu helfen versuchen, wenn diese sich in Not befinden, gibt Kerstin Hack mit diesem (wie immer auch optisch sehr ansprechenden) Produkt aus ihrem Verlag eine ganze Menge an Ideen, dass und wie wirklich geholfen werden kann.

»Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht«, heißt es in dem Zitat oben. Noch besser ist es, aus diesen Erfahrungen dann auch zu lernen. Dabei hilft »Krisen - Impulse, schwierige Zeiten zu bewältigen«.

Mein Fazit:
Lesens- und bedenkenswert, für Krisenbetroffene und Krisenhelfer gleichermaßen.

Das Impulsheft:
Verlag Down to Earth
ISBN 978-3-835992-49-7
32 Seiten
2,00 Euro
Erhältlich direkt beim Verlag: Down to Earth

Dienstag, 15. April 2008

Blonde Polizeiarbeit

Eine Blondine bewirbt sich bei der Polizei um einen Job. Der diensthabende Beamte stellt ihr ein paar Fragen:
Polizist: »Wieviel ist 2 plus 2?«
Blondine: »Ääääääh... 4!«
Polizist: »Richtig. Was ist die Wurzel aus 100?«
Blondine: »Ääääääh... hmmmmmmm... 10!«
Polizist: »Sehr gut! Nächste Frage: Wer hat versucht, Adolf Hitler in die Luft zu sprengen?«
Blondine: »Hmmmmmmmm... Äääääääääh... Hmmmmmmm... weiß ich nicht.«
Polizist: »Na ja, dann gehen Sie mal nach Hause und denken darüber nach. Kommen Sie morgen wieder.«
Die Blondine geht nach Hause und ruft eine Freundin an. Die fragt im Gespräch danach, ob sie den Job bekommen hätte.
Die Blondine berichtet aufgeregt: »Nicht nur das, ich bin schon mitten in der Aufklärung eines Mordversuches!«

P.S.: Diese entzückende Geschichte hat mir die beste aller Ehefrauen kürzlich erzählt...

Moderne Psalmen 1 - Nick Cave

Der prominenteste Psalmdichter, König David, fragte in seinen Dichtungen sehr häufig nach dem »warum« und ließ seinen Frust über schlimme Umstände und ausbleibende Antworten vom Himmel auf vielfältige Weise in die Zeilen fließen. Sehr häufig forderte er Erklärungen beim Schöpfer ein (mit mehr oder weniger uns überliefertem Erfolg).

Das geht auch heutzutage noch. Da ich mich manchmal (gestern zum Beispiel) ganz genau so fühle, wie in dem folgenden modernen Psalm besungen, habe ich ihn kürzlich ins Deutsche übertragen. Gar nicht so einfach, denn Nick Cave verlangt schon in einigen Liedern eine ganze Menge Bildung oder Recherche bei Wikipedia von seinen Zuhörern - falls sie ihm durch den Text zu folgen wünschen: »Our myxomatoid kids spraddle the streets ... And a cabal of angels with finger cymbals chanted his name in code ... everything is banal and jejune ... in this idiot constituency of the moon« - nicht unbedingt umgangssprachliches Alltagsenglisch. Daher hier die Übersetzung, bei der man natürlich auch noch - Interesse und Internet oder Enzyklopädie vorausgesetzt - recherchieren kann, was denn eine »Kabale« eigentlich ist, wieso die Engel den Namen des uns unbekannten Menschen im zweiten Abschnitt »codiert« singen und wieso die »Myxomatose« so gefährlich ist.

Ein Psalm Nicks, zu singen bei unaufhaltsam treibendem Schlagzeug, brodelndem Bass, schneidendem Orgelklang und eisenharten Gitarrenakkorden.

Was wir zu besitzen glaubten, hatten wir nicht; und was uns jetzt noch gehört, wird nie wieder so sein, wie es einmal war. Also fordern wir den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Unsere von Myxomatose infizierten Kinder staksen auf den Straßen herum, wir haben ihnen in ihrem Leben jegliche schweißtreibende Anstrengung erspart. Die armen kleinen Dinger, sie sehen so traurig und alt aus, wenn sie uns von hinten auf den Rücken klettern. Ich bitte sie, das nicht zu tun, ordne an, es zu unterlassen; und dann fordern wir den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Sela.

Er starb mit einem Rosenkranz in der verkrampften Hand, Schläuchen in der Nase, eine Kabale von Engeln mit Fingerzimbeln sang seinen in Zahlencodes verschlüsselten Namen. Und wir bedrohten den strafenden Regen mit unseren Fäusten. Und wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Er sagte, alles hier sei total verhunzt, alles banal und strohig, es gebe eine weltweite Konspiration gegen Menschen wie du und ich in diesem idiotischen Wahlkreis des Mondes. Er wusste also ganz genau, wer Schuld hatte. Und wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Weitschweifigkeit! Ausuferung! Nichts, was man mit einer Schere nicht in Ordnung bringen könnte.
Weitschweifigkeit! Ausuferung! Nichts, was man mit einer Schere nicht in Ordnung bringen könnte.

Sela.

Ich gehe wie ein Guru die Straße entlang, junge Menschen versammeln sich zu meinen Füßen, stellen mir Fragen, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Sie entfachen den Kraftstrom, der direkt in das Herz meines Vaters reicht. Und wieder fordere ich den Schöpfer auf, mir eine Erklärung zu geben.

Wir fordern den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Sela.

Wer ist dieser niederdrückende, sabbernde Schweinehund in mir, der jedem meiner Gedanken jegliches Niveau raubt? Ich komme mir vor wie ein Müllschlucker, ein totaler Trottel, alles ist Scheiße und er ist ein Arschloch - doch welch ein enormes und enzyklopädisches Gehirn dieses Monstrum doch besitzt! Ich fordere den Schöpfer auf, mir eine Erklärung zu geben.

Ungezügelte Diskriminierung, Massenarmut, Schulden der dritten Welt, ansteckende Seuchen, weltweite Ungerechtigkeit, wachsende sozioökonomische Kluft. Das wirkt in deinem Gehirn. Und wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Sela.

Einen Augenblick bitte. Mein Freund Doug klopft ans Fenster... (Hallo Doug, wie geht's dir?)
Er hat mir ein Buch zurückgebracht, über Holocaust-Dichtung, durch Bilder ergänzt. Dann sagt er, ich sollte mich auf den Regen vorbereiten. Und wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Ich nenne das Weitschweifigkeit! Ausuferung! Nichts, was man mit einer Schere nicht in Ordnung bringen könnte.

Sela.

Bukowski war ein Narr! Berryman war spitze! Er schrieb wie feuchtes Pappmaché, folgte dem Heming-Way, auf übernatürlichen Schwingen, mit einem Höchstmaß des Schmerzes. Wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Unten in meiner Zuflucht erkenne ich, dass ich erneut eine Portion von erzkonservativem Bockmist veröffentlicht habe. »Die Wellen, die Wellen, wo sich Soldaten bewegen.« Na Dankeschön. Dankeschön. Dankeschön. Und erneut fordere ich den Schöpfer auf, mir eine Erklärung zu geben.

Genau, wir forderten den Schöpfer auf, uns eine Erklärung zu geben.

Weitschweifigkeit! Ausuferung! Nichts, was man mit einer Schere nicht in Ordnung bringen könnte.


P.S.: Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich habe Referenzen zu Bob Dylan und Leonard Cohen in diesem Text gefunden. Eindeutige. Das macht es mir um so interessanter...

Der Originaltext: We Call Upon The Author To Explain
Eine live Version bei YouTube: We Call Upon The Author To Explain

Sonntag, 13. April 2008

Ist Todd Merlaight!

In einer virtuellen Autorenrunde las ich diese kleine wahre Begebenheit, die ich meinen geschätzten Bloglesern einfach nicht vorenthalten kann. In einem Finanzinstitut ging ein Fernschreiben ein...
Ist Todd Merlaight... fing es an, danach weitere ziemlich unverständliche Sätze.
Also klärten wir mal ab:
»Kennt jemand einen Todd Merlaight? Ist wohl Mitarbeiter bei einer anderen Bank, mit der wir zusammenarbeiten.«
»Nein.« Einstimmige Antwort.
»Etwa ein Kunde mit diesem Namen?«
»Nein.«
»Hmmh...«
Ich überflog die Zeilen, wieder und wieder. Wer nur konnte das sein?
Ist Todd Merlaight?
Ist Todd Mer Laight?
und dann plötzlich:
Is Todd Mer Laight?

ES TUT MIR LEID!

Wir krümmten uns vor Lachen, ein Erlebnis, das bis heute in Erinnerung blieb. Auf diese Weise gelesen, konnten wir das ganze Fernschreiben entziffern.
Man sieht: Auch zum Lesen benötigt der Mensch gelegentlich Phantasie, nicht nur zum Schreiben. Ich wünsche einen wunderschönen Tag nach dem Sonnabend und einen wunderschönen Tag nach dem Samstag!

P.S.: Gefunden in der Gruppe Die Lust am Schreiben bei Xing.

Samstag, 12. April 2008

Samstag oder Sonnabend

Heute ist Samstag oder Sonnabend, je nach Landstrich und Gewohnheit.

Den weltweit einzigartigen Luxus, für einen Wochentag gleich zwei Bezeichnungen zu haben, verdanken wir einem Mönch, dem englischen Benediktiner Bonifazius, der von 672 bis 754 gelebt hat und im Jahr 716 als Missionar zu unseren Vorfahren, den ruppigen Germanen, kam. Er war sehr erfolgreich in seiner Arbeit.

722 ernannte ihn Papst Gregor II zum Bischof ganz Deutschlands östlich des Rheins, und Bonifazius begann 30 Jahre Missionsarbeit in Hessen und Thüringen. Mutig ging er gegen den Aberglauben an, fällte mit eigener Hand vor den Augen der heidnischen Stammesmitglieder Thors heilige Eiche in Geismar. Man erwartete natürlich, dass Thor ihn auf der Stelle strafen würde. Die Vergeltung durch Thors Hammer blieb aus und Bonifazius gründete eine blühende, lebendige Kirche.
Mit 70 Jahren, wo unsereins längst die Rente zu genießen trachtet, brach er auf, um die wilden Stämme von Friesland zu zivilisieren und auch ihnen den Glauben nahe zu bringen. Am 5. Juni 754 wurden er und seine Begleiter im Morgengrauen von einer Bande heidnischer Krieger überfallen. Bonifazius wurde mit einem Schwert erschlagen, das die Heilige Schrift durchhackte, die er zum Schutz über seinen Kopf erhoben hatte. Sein Leichnam wurde seinem Wunsch entsprechend nach Fulda zum Begräbnis gebracht.

Was hat das alles nun mit unserer Bezeichnung des Tages zwischen Freitag und Sonntag zu tun?

Bonifazius gab sich, wie es nach damaligem Verständnis opportun war, Mühe, den Begriff Samstag, der vom jüdischen Sabbat abgeleitet ist, durch ein »christliches« Wort ersetzen. Die Juden hatten, meinte man damals, jegliche Gunst bei Gott verloren, also waren solche hebräischen Begriffe natürlich nicht politisch korrekt. Der Mönch war ein sprachgebildeter Mensch, er hatte sich als Lehrer für Grammatik und Dichtung betätigt, bevor er seine Missionstätigkeit aufnahm. es fiel ihm nicht sonderlich schwer, Abhilfe zu ersinnen. Er tat dies mit dem altenglischen Wort sunnanaefen, das anfangs den Abend, bald aber schon den ganzen Tag vor dem sunnandaeg (Sonntag) bezeichnete.
Der Begriff Heiligabend stammt übrigens in gleicher Weise aus jener Zeit, in der ein Tag noch am Abend begann und am folgenden Nachmittag mit der Dämmerung endete, anstatt wie bei uns üblich um Mitternacht den Wochentag zu wechseln.

Bonifazius wurde von den Friesen ermordet aber der von ihm ersonnene Begriff Sonnabend ist im Sprachgebrauch geblieben. Und aus den Germanen samt Friesen sind Deutsche geworden, mit dem Luxus, zwei Bezeichnungen für den Tag vor dem Sonntag zu besitzen. Heute wird auch kein Missionar mehr in Friesland erschlagen - das hoffen wir jedenfalls.

Also, liebe Blogbesucher, ich wünsche einen schönen Samstag und einen schönen Sonnabend, je nach Geschmack und Gewohnheit.





P.S.: Eine nette Kolumne zum Thema hat Bastian Sick zu bieten: Samstag oder Sonnabend beim Zwiebelfisch

Freitag, 11. April 2008

Nick Hornby: Slam

Ein ernstes Thema mit Humor behandeln, ohne es der Lächerlichkeit preiszugeben - eine Kunst, die Nick Hornby beherrscht wie kaum jemand von den Autoren unserer Zeit. Er hat es mit A Long Way Down (zum Thema Suizid oder Sinn im Leben wiederfinden) geschafft und mit Slam ist ihm - meiner bescheidenen Meinung nach - sein bisher bestes Buch gelungen (gelesen habe ich alle).

Ich hatte befürchtet, es ginge um das Skaten - entweder habe ich das irgendwo gelesen, oder jemand hat es mir erzählt. Dann wäre mir das Buch vermutlich trotz der Sprachkünste des Autors langweilig geworden wie seinerzeit John Grishams Bleachers oder Stephen King mit seinem verunglückten Hearts in Atlantis.
Aber Nick Hornby schreibt über Teenagerschwangerschaft und die Entscheidung der 15jährigen Mutter, das Kind zur Welt zu bringen, trotz und in allen Problemen. Er erzählt aus der Perspektive des 16jährigen Vaters, und das gelingt ihm so authentisch, dass man wirklich glaubt, einem Jungen zuzuhören, der mit dem Leser plaudert.
Hornbys Protagonisten sind wieder so detailreich und liebevoll herausgearbeitet, dass man auf die Idee kommen könnte, Alicia und Sam, die jugendlichen Eltern, aus dem wirklichen Leben zu kennen. Oder irgend jemanden wiederzuerkennen, aus der Nachbarschaft vielleicht.

Sam, ein nicht übermäßig brillanter Junge, hat eine große Leidenschaft, das Skaten. Er lernt Alicia kennen- und auf einmal gibt es mehr im Leben als nur das Skateboard und die immer gewagteren Tricks, die man damit auf dem Beton versuchen kann. Er erzählt seinem noch etwas weniger intelligenten Freund Rabbit davon, als er ihn beim Skaten trifft.
...
'I met this girl.'
'Where?'
'Does that matter?' I could see that it was going to be a frustrating conversation.
'I'd like to try and picture the scene', said Rabbit.
'My mum's friend's party.'
'So is she like really old?'
'No. She's my age.'
'What was she doing at the party?'
'She lives there', I said, 'she...'
'She lives at a party?' Rabbit said. 'How does that work?'
'She doesn't live at a party. She lives in the house where the party was. She's my mum's friend's daughter.'
Rabbit repeated what I'd just said as if it was the most complicated sentence in the history of the world.
'Hold on... Your mum's... friend's... daughter. OK. I've got it.'
'Good. We're going out tonight. To the cinema. And I'm worried about getting my face all smashed up.'
'Why does she want to smash your face up?'
'No, no. I didn't mean I was worried about her smashing my face up. I'm worried about getting my face smashed up here. A bad slam. And then, you know, I'll look terrible.'
...
Slam - das wusste ich vor der Lektüre dieses Buches nicht (und brauchte es auch nicht zu wissen) steht neben der eigentlichen Bedeutung (heftig bremsen, zuschlagen) auch für einen bösen Sturz beim Skaten. Und dann ist natürlich das Gesicht ruiniert. Das geht nicht, wenn man gerade das bezauberndste Mädchen der Welt kennen gelernt und einen gemeinsamen Kinobesuch vor sich hat.

Nick Hornby hat mit dem Titel des Buches die Brücke vom Skaten zur ungewollten Schwangerschaft geschlagen, ein Geniestreich, der dem Leser erst nach und nach klar wird, wenn der Slam im Bett - wiederum mit Humor und Einfühlungsvermögen, ohne auch nur eine Sekunde ins Ordinäre abzurutschen - beschrieben wird, der zur Schwangerschaft führt.

Ich habe oft, neben der besten aller Ehefrauen auf dem Sofa lesend, laut gelacht bei diesem Buch - und das passiert mir eher selten. Die Dialoge vor allem sind häufig so genial geschrieben, dass ich gar nicht anders konnte als loszuprusten - fast hätte ich mich und das Möbelstück mit Rotwein bekleckert vor Lachen, als ich die weiter unten zitierte Stelle mit der verschnupften Alicia las....
Wie oft habe ich mich an meine - eigentlich längst erfolgreich vergessenen - eigenen Tollpatschigkeiten und Peinlichkeiten aus pubertären Zeiten erinnert, als ich durch die Leserbrille mit Sam in diesem Buch Alicia kennen und lieben lernte.

Das Buch erzählt eine Geschichte aus dem Leben, nicht aus einer heilen Phantasiewelt. So ist auch das Ende - die Trennung der jungen Eltern - voraussehbar. Nicht alle Beziehungen führen in den endlosen siebten Himmel der Liebe, aber dennoch: Das Kind, das Roof genannt wird (die Erklärung dieses dämlichen Namens ist so witzig und wird von Nick Hornby so spannend gemacht, dass ich sie hier nicht verraten will), darf leben, statt abgetrieben zu werden, und es wird geliebt - von Alicia und Sam.

Ich habe die englische Ausgabe gelesen, kann über Wortwitz und Authentizität der deutschen Version daher nichts sagen. Die beste aller Ehefrauen und ich haben gerätselt, wie man beispielsweise die folgende Szene ins Deutsche übertragen könnte. Sams Telefon klingelt...
...
I found my phone in my jacket pocket.
'Hello?'
'It's Bee.'
'Oh. Hello, Bee.' I wasn't sure who Bee was, but it sounded a bit like Alicia.
'Bee. Not Bee.'
'Bee not Bee? What does that mean?'
'It's Alicia. And I've got a cold. So I'm trying to say, you know, "It's Alicia", except I'm saying "It's Bee", and it comes out as "It's Bee".'
'Me.'
'Yes. Bloody hell. Have you woken up stupid?'
...
Falls jemand die deutsche Ausgabe zur Hand hat, würde ich mich über einen Kommentar mit dem entsprechenden Wortlaut freuen. 12. Kapitel, nach etwa drei oder vier Seiten (je nach Buchdruck). Wie macht das der Übersetzer mit Bee statt Me?

Mein Fazit: Unbedingt lesenswert! Nick Hornby in Bestform - ein rundum gelungenes Buch.

Das Buch:
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Penguin (4. Oktober 2007)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 014138297X
ISBN-13: 978-0141382975
Zu finden zum Beispiel hier bei Amazon: Nick Hornby - Slam