Freitag, 2. Mai 2008

Smalltalk mit Herrn Thierse

Am 1. Mai war mir nicht nur ein wunderschöner, fröhlicher und Hoffnung schenkender Gottesdienst unter freiem Himmel in den Häuserschluchten von Kreuzberg vergönnt, sondern auch ein kurzes Gespräch mit einem der über 500 Gottesdienstbesucher, den ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Siehe da: Ein ganz freundlicher, offener und gutgelaunter Gesprächspartner, der sich nicht zu schade ist, zusammen mit seiner Gattin fast zwei Stunden stehend einen Open-Air-Gottesdienst mitzufeiern. Bescheiden im Hintergrund.

Ich habe auch fotographiert und aus über 200 Fotos die besten 68 ausgesucht. Zum Kurzbericht (Text von Axel Nehlsen) mit Link zum Fotoalbum (Bilder von mir) geht es hier: Tag der Hoffnung!

Bob Dylan unplugged - endlich komplett

Als MTV noch ein richtig guter Musiksender war, gab es eine Serie namens Unplugged. Da traten Bands, die normalerweise große Bühnenaufbauten benötigten, mit akustischen Instrumenten auf. Unvergessen sind mir Nirvana, Eric Clapton und der schummelnde Bruce Springsteen. Der spielte nur ein einziges Stück mit akustischer Gitarre und holte dann das Elektrowerkzeug hervor, mit der entschuldigenden Bemerkung: »I know, we lied!«

Und natürlich, obwohl Don Ralfo mit seiner bezaubernden Tochter ihm das Wasser abzugraben versuchte (Beweis hier), unvergessen: Bob Dylan unplugged. Es gibt die offizielle DVD und CD, auf der aber nur rund die Hälfte der Aufzeichnungen zu finden ist. Noch dazu hat es Columbia Records (pfui!) für notwendig gehalten, Publikumsgeräusche unter die Aufnahmen zu mischen, die überhaupt nicht zum Konzert gehörten. Dennoch war Unplugged eines der erfolgreichsten Bob Dylan Alben.

Für Bob-Boots gilt grundsätzlich neben der Tatsache, dass sie kostenlos sein müssen: »No copyrighted material. We don't steal music!« Der Trick bei der jetzt endlich erhältlichen komplettierten Aufnahme: Man hat die von der Plattenfirma (pfui!) reingemischten Geräusche weggelassen und die Original-Bänder benutzt. Was dem Sound ungeheuer gut tut. Und schon ist es nicht das Material, das mit Copyright geschützt ist. Ätsch!

Ich bin - mehr als 12 Jahre nach der offiziellen Veröffentlichung - begeistert von dieser »neuen«Aufnahme, die den Fehlstart von »Like a Rolling Stone« und »Tonight I'll be Staying Here With You« genauso enthält wie all die anderen damals nicht veröffentlichten Lieder (hier in roter Schrift kenntlich gemacht):

CD 1:
1. Tombstone Blues
2. I Want You

3. Don’t Think Twice

4. Desolation Row

5. Hazel

6. Everything Is Broken

7. The Times They Are A-Changin’

8. Love Minus Zero/No Limit
9. Dignity

10. With God On Our Side
11. Absolutely Sweet Marie

12. Shooting Star

CD 2:
1. All Along The Watchtower
2. My Back Pages
3. Rainy Day Women #12 & 35

4. John Brown

5. The Times They Are A-Changin’

6. Dignity
7. Knockin’ On Heaven’s Door
8. Like A Rolling Stone (missed take)

9. Like A Rolling Stone

10. Tonight I’ll Be Staying Here With You
11. Desolation Row

12. I Want You


Für Dylan-Fans ein Extra-Bonbon: Bei I Want You, und Desolation Row, neben anderen jeweils in zwei verschiedenen Versionen enthalten, kann man ganz hervorragend vergleichen, wie His Bobness an den alten Liedern feilt und poliert. Mir gefällt das zweite I Want You und Desolation Row um einiges besser.

Hier geht's zum Download (1000 mal Danke, Patrick!):

Bob Dylan Unplugged - The complete sessions

Donnerstag, 1. Mai 2008

Bin ich emergent?

Emergente Gemeinde / Emerging Conversation... - viele Berufene und Unberufene diskutieren diese Begriffe. Ich will mich hier nicht einmischen, sondern ein paar persönliche Überlegungen mit den Blogbesuchern teilen, falls sie Interesse haben. Und damit gerne dazu anstacheln, einmal selbst darüber nachzudenken. Ansonsten, falls das Thema nicht interessiert: Es gibt ja auch andere Blogs oder andere Beiträge auf diesem. Morgen zum Beispiel etwas Musikalisches.

Einige Leitgedanken nach Eddie Gibbs und Ryan Bolger, was eigentlich emergentes Christsein beinhaltet, habe ich beim TransForum im Februar (unter anderem) kennen gelernt.
  1. Keine Trennung mehr zwischen profan-weltlich und sakral-heilig (Transforming Secular Space)
  2. Identifikation mit Jesus (Identifying with Jesus)
  3. Leben und unterwegs sein als Gemeinschaft (Living as Community)
  4. Gastfreundschaft im umfassenden Sinne (Welcoming the Stranger)
  5. Grosszügigkeit wird ohne Strategie, Ziel, Programm sondern als Lebensstil praktiziert (Serving with Generosity)
  6. Alle Beteiligten gestalten das Gemeindeleben / den Gottesdienst (Participating as Producers)
  7. Alle Begabungen, die Gott und gegeben hat, sollen eingebracht werden können (Creating as Created Beeings)
  8. Leitung in flacher Hierarchie (Leading as a Body)
  9. Neue Spiritualität (Merging Ancient and Contemporary Spiritualities)
Ich habe in einer ruhigen Stunde überlegt, inwieweit ich als Individuum diese Gedanken in meinem Leben wiederfinde.
1. Keine Trennung mehr zwischen profan-weltlich und sakral-heilig (Transforming Secular Space)
100% - wie man aus meinem schriftstellerischen Schaffen ohne weitere Mühe ablesen kann. Ich schreibe Artikel zum Glauben mit der gleichen Freude am Entstehungsprozess wie Krimis oder sonstige »weltliche« Texte. Ich genieße »christliche« Musik genauso gerne wie »säkulare«. Ich lese »fromme« Bücher mit der gleichen Begeisterung (falls sie gut sind) wie Werke von Menschen, denen der Glaube fremd ist oder war. Und ich entschuldige schlechte Bücher oder Musik nicht damit, dass sie ja einem christlichen Zweck dienen würden.
2. Identifikation mit Jesus (Identifying with Jesus)
Das ist schwer zu messen. Mein Wunsch und Ziel ist die uneingeschränkte Identifikation, aber ob ich die je erreichen werde, vermag ich nicht zu sagen. Zur Zeit jedenfalls nicht immer. Tröstlich ist mir da Paulus, der ja anmerkte, dass er gelegentlich das Gute, was er will, (noch) nicht vollbringt, dem Ziel aber unverdrossen nachjagt. So geht es mir auch.
3. Leben und unterwegs sein als Gemeinschaft (Living as Community)
Als Individuum kann ich diese Maxime natürlich nur begrenzt anwenden, aber jedenfalls bejahe ich das Ziel zu 100 %. Ich würde mir sehr wünschen, dass ich zusammen mit anderen Christen nicht in einer Parallelgemeinschaft lebe, sondern in meiner gesellschaftlichen Situation überall Jesus mitbringe, ob nun Freizeitgestaltung, Arbeit oder sonst etwas dran ist. Ganz natürlich, nicht als Predigt. Sondern durch mein Leben, mein Teil der Gemeinschaft sein. Ich will mich nicht einer vom Rest der Welt isolierten frommen Nische aufhalten.
4. Gastfreundschaft im umfassenden Sinne (Welcoming the Stranger)
Soweit es mir möglich ist: Ja. Ob nun der türkischen Nachbarin geholfen werden kann oder dem Mitglied der Gemeinde, ist mir wurscht. Wenn ich kann, helfe ich. Wer Zuflucht sucht, soll sie finden. Wer zu Gast ist, soll sich angenommen, willkommen fühlen. Bei mir zu Hause und in meinem Land.
5. Grosszügigkeit wird ohne Strategie, Ziel, Programm sondern als Lebensstil praktiziert (Serving with Generosity)
Wiederum 100 % Zustimmung. Großzügigkeit mit dem Hintergedanken, etwas zurück zu bekommen, fand ich eigentlich schon immer widerlich. Und auch der Gedanke, den Menschen etwas anzubieten, damit sie in die Gemeinde kommen (und später zahlende Mitglieder werden), ist mir nicht geheuer. Als eine bekennende Atheisten aus dem Freundekreis in Geldnot geriet, haben wir ihr geholfen, ohne dass ich irgend ein Programm damit verfolgen würde. Als ein Hauskreismitglied Hilfe mit seinen Bewerbungsunterlagen brauchte, habe ich genauso geholfen.
6. Alle Beteiligten gestalten das Gemeindeleben / den Gottesdienst (Participating as Producers)
Das, würde der Volksmund sagen, ist ein weites Feld. Ich bin ja nun kein Gemeinde- oder sonstiger Leiter, insofern habe ich keinen wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung der Zusammenkünfte.
Die Gemeinde, in der ich zu Hause bin, bietet (im Gottesdienst) kaum Möglichkeiten dazu. Der Hauskreis, dem ich angehöre, dagegen durchaus. Dort darf jeder beitragen, was er möchte, ob es nun ein Lied zur Gitarre ist, der Bericht von kürzlich Erlebtem, Gesprächsbeiträge zum Thema des Abends... - in unserem Fall kein Problem.
Nicht immer habe ich etwas beizutragen. Manches Mal verlässt kein Wort meine Lippen, abgesehen von der Begrüßung am Anfang und der Verabschiedung am Schluss. Damit bin ich dann rundum zufrieden, weil ich eben für den Abend nichts mitgebracht habe. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich innerlich andere kritisieren, die dauernd etwas zu plappern haben. Wenn ich mich dabei ertappe, erteile ich mir flugs eine Rüge: Wenn es der betreffenden Person gut tut, warum eigentlich nicht? Es richtet ja keinen Schaden an.
7. Alle Begabungen, die Gott und gegeben hat, sollen eingebracht werden können (Creating as Created Beeings)
Das ist so eine Sache, wie beim vorigen Punkt. Zumindest, soweit es das Gemeindeleben betrifft. Meine Begabung liegt ja nun hauptsächlich im Niedergeschriebenen, und das kann man gegebenenfalls vorlesen. Andere Begabungen teile ich je nachdem, ob es passt, mit den anderen. Aber es heißt ja, sollen eingebracht werden können - und das ist der Fall.
Als Rezipient freue ich mich über eine Vielfalt von Gaben und kreativen Beiträgen anderer Menschen, je vielfältiger, desto besser.
8. Leitung in flacher Hierarchie (Leading as a Body)
Ich leite zur Zeit nichts - das ist auch gut so. Wenn ich Leiter von irgend etwas wäre, würde ich eher zum Teamgeist tendieren, jedenfalls war das in der Vergangenheit so, als Bandleader oder Lobpreisleiter genauso wie im beruflichen Umfeld als Gruppenleiter.
9. Neue Spiritualität (Merging Ancient and Contemporary Spiritualities)
Das ist mir, soweit ich es beurteilen kann, zueigen. Eigentlich schon seit der Jugendzeit, da waren wir als Jesus-People eigentlich ganz patente Vorreiter. Gerne habe ich an katholischen (ancient) Messen mit ihren Ritualen teilgenommen, genauso gerne an unseren eher wilden (contemporary) Frömmigkeitsausbrüchen. Ich war immer (und bin noch heute) ein Feind der Feindbilder. Ich liebe es, von »Glaubenshelden« etwas zu lernen, genauso aber lerne ich gerne von »Lieschen Müller«, wenn Lieschen etwas weiß oder kann oder erlebt hat, was mir fehlt. Das kontemplative Gebet ist mir nicht weniger fremd als der sogenannte Gebetskampf. Ich sehe in zahlreichen Kirchen und Gemeinden sehr wertvolle Eigenarten, Traditionen und Glaubensausprägungen.

Bin ich also ein emergentes Individuum? Irgendwie schon. Vor allem, weil emergent immer einschließt, dass etwas in Bewegung ist, lebendig, veränderbar. Und festgefahren, verknöchert möchte ich keinesfalls sein. Um noch einmal mit Paulus zu sprechen: Das sei ferne!

Nun ist, falls er bis hierher gelesen hat, der geneigte Leser an der Reihe, in einer ruhigen Stunde darüber nachzudenken.

Mittwoch, 30. April 2008

1. Mai - ich bin dabei!

Morgen in Berlin Kreuzberg:

Man erkennt mich dann voraussichtlich am Hut, je nach Wetter hell oder mittel oder dunkel. Und nach dem Gottesdienst - vorausgesetzt es regnet nicht in Strömen - werden wir noch ein paar Stunden das Fest genießen, mit arabischen, türkischen, griechischen, deutschen und sonstigen Spezialitäten, viel Musik von mehreren Bühnen und allerlei interessanten Menschen.

Dienstag, 29. April 2008

Christen und Christinnen

Politisch korrekt, wie sich das für die Sozialdemokratie gehört:
(epd) - Der Arbeitskreis «Christinnen und Christen in der SPD» hat erstmals einen Sprecherkreis gewählt.
Die Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese und Wolfgang Thierse sowie der evangelische Pfarrer Dietmar Kehlbreier und der katholische Schulleiter Benno Haunhorst sollen künftig den Arbeitskreis nach außen vertreten, teilte die SPD am Dienstag in Berlin mit.
Kerstin Griese ist evangelisch, Kirchenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Wolfgang Thierse ist Bundestagsvizepräsident und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Benno Haunhorst ist Gymnasialleiter in Hildesheim, Dietmar Kehlbreier Pfarrer in Schwerte/Westfalen.
Der Arbeitskreis will die Vernetzung der Christinnen und Christen in der Partei fördern und die Kontakte zu Diözesen, Landeskirchen, Verbänden und Initiativen verstärken.
Christen und Christinnen. Gibt es eigentlich auch Hindus und Hinduinnen? Und Atheisten und Atheistinnen? Fromme und Fromminnen? Gläubige und Gläubiginnen? Oder so ähnlich?

P.S.: Als ich noch SPD-Mitglied war, hieß der Arbeitskeis »Christen in der SPD«. Oder, wie man uns damals nannte, »die Frommen«.

Das Problem sind meine Nachbarn.

... Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Exodus 21:7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für sie? ...
Ein wunderbar provozierender Text aus dem mit »christlichen« Radio- und Fernsehprogrammen überreich gesegneten Amerika:

Probleme eines Bibelgläubigen

Via ProBlog.

Wieder da: Fast sieben Ausgaben für Männer

Auf meinem anderen Blog steht mehr darüber, samt PDFs: Männer auf dem Weg - zu schade zum Vergessen

Montag, 28. April 2008

Endlich: Kostenlose Abhilfe gegen das Sitzen in überfüllten Flugzeugen mit nervenden Sitznachbarn

Rechtzeitig vor der Pfingstreisewelle, die ja immer mehr Menschen dazu verleitet, sich in vollgestopfte Flugzeugen über Stunden von Sitznachbarn quälen zu lassen, die über das Wetter plaudern möchten (dazu werden dann pappige Speisen und schier ungenießbare Getränke von übellaunigen, aber - Job ist Job - breit grinsenden Stewardessen serviert) gibt es nun hier und heute kostenlose Hilfe für jedermann.

Das muss nämlich nicht sein! Man kann der fliegenden Ölsardine namens Pauschal- oder Linienflug entgehen. Ohne einen Pfennig Cent Mehrkosten. Alles, was man braucht, ist ein tragbarer Computer, ob nun vom Freund ausgeliehen oder Eigentum.

1. Vorbereitung zu Hause:
Ganz einfach (bei Windows) in die Autostart-Gruppe eine Verknüpfung zum jeweiligen Browser (funktioniert mit allen gängigen Anwendungen wie Firefox, I-Explorer, Opera...) setzen.
Im Browser vorher als Startseite den unten genannten Link eintragen. Darauf achten, dass der Browser im Vollbildmodus startet.
Linux-Anwender finden in den zahlreichen Foren entsprechende Tipps, wie man beim Einschalten des Notebooks automatisch die Internetanwendung startet und einen entsprechenden Link öffnet.
Achtung: Da wir ja nicht wissen, ob am Check-In ein Wireless-Netz zur Verfügung steht, speichern wir natürlich vorher zu Hause die Verlinkung auf der Festplatte.

2. Beim Check-In am Flughafen:
Nach der Aufforderung durch das Sicherheitspersonal das Notebook öffnen und die Einschalttaste drücken. Der Computer startet nun automatisch die Internetanwendung, lädt die swf-Datei und schon bleiben einem all die oben angedeuteten Unannehmlichkeiten erspart.

3. Hier der Link: Startseite für das Notebook

Sonntag, 27. April 2008

Der schwierige Jesus

Mancher Blogbesucher mag ihn bereits kennen, er ist der meistgelesene meiner Sachtexte auf Glaube.de, wo ja zahlreiche meiner Artikeln zu finden sind. Mittlerweile ist dieser Beitrag 10 Jahre alt, was die erste Niederschrift angeht. Ein kleines Jubiläum - daher diese Wiederveröffentlichung.
Warum der meistgelesene? Ich habe keine Ahnung. Ist es die Überschrift, liegt es am Thema? Möge der geneigte Leser sich selbst ein Bild machen, Interesse vorausgesetzt:

Der schwierige Jesus

Im Neuen Testament finden wir die eine oder andere Begebenheit, die so gar nicht in das Bild passt, das wir in der Regel von Jesus haben. Wenn wir auf solche Passagen stoßen, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder, die Bibel irrt sich an dieser Stelle, oder wir verstehen etwas falsch beziehungsweise gar nicht.
Gerade bei solchen Texten lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn eine Beschäftigung mit dem „schwierigen“ Jesus kann uns für problematische Situationen im Glaubensleben mit dem notwendigen (eine Not wendenden) Schlüssel versorgen.

In Matthäus 15, 21-28 steht dieser Bericht, in dem Jesus auf den ersten Blick zumindest unfreundlich erscheint, wenn nicht gar feindselig einer Frau gegenüber, die ihn um Hilfe bittet.

Und Jesus ging von dort weg und zog sich in die Gegenden von Tyrus und Sidon zurück; und siehe, eine kanaanäische Frau, die aus jenem Gebiet herkam, schrie und sprach: Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist schlimm besessen.
So weit, so normal. Viele Menschen kamen mit ihren Nöten zu ihm, auch wenn diese Nöte Verwandte, Freunde oder Diener betrafen. Auch die Anrede, Sohn Davids, war durchaus angebracht. Doch anstatt sich ihr zuzuwenden, ignoriert Jesus diese Frau:
Er aber antwortete ihr nicht ein Wort.
Wie hätte ich mich an ihrer Stelle wohl gefühlt und verhalten? Der Mann, der dem Vernehmen nach so viele Wunder getan hat, der jedem gerne hilft, antwortet mir mit keinem Wort. Er lässt mich links liegen. Ich bin Luft für ihn. Hat er schlechte Laune? Ist er überarbeitet? Müde? Ist ihm mein Problem doch zu schwierig?
Manch einer gibt an dieser Stelle auf. Ich habe oft von Menschen gehört oder gelesen: „Ich habe Gott um dieses und jenes gebeten, und es ist nichts passiert.“ Man bittet, es geschieht nichts, keine Antwort, keine Erhörung, und man schließt daraus: „Gott will eben nicht.“ Und dabei belässt man es.
Diese Frau aber gibt nicht auf. Sie ignoriert ihrerseits, dass Jesus sie ignoriert, und schreit weiter. Wir lesen:
Und seine Jünger traten hinzu und baten ihn und sprachen: Entlass sie! Denn sie schreit hinter uns her.
Offenbar hatten die Jünger keine Lust, sich das Geschrei weiter anzuhören, waren womöglich auch auf ihren und ihres Meisters guten Ruf bedacht. Was für ein Bild ist das auch: Eine Hilfesuchende schreit und weint und bettelt, und der Meister, der Rabbi geht unbekümmert seines Weges, als sei die Frau Luft für ihn. Dann soll er sie doch wenigstens entlassen, wegschicken, damit wieder Ruhe einkehrt.
Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Zumindest haben die Jünger (und die Frau) nun eine Erklärung für das merkwürdige Verhalten: Die Sorgen von Ausländern gehen ihn und seinen Dienst nichts an. Nun hätte die Hilfesuchende aufgeben können, denn noch klarer konnte man ihr ja kaum sagen, dass sie an der falschen Adresse war. Sie hätte, enttäuscht und unter Tränen, nach Hause gehen und sich mit dem harten Schicksal, eine vom Bösen gequälte Tochter zu haben, abfinden können. Hätte ich mich zurückgezogen? Eingesehen, dass es eben Gottes Wille ist, dass mein Kind unter diesen schrecklichen Umständen leben muss? Hätte ich es für eine „von Gott auferlegte Last“ gehalten?
Die Frau jedoch gibt sich mit der schroffen Abfuhr nicht zufrieden:
Sie aber kam und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir!
Sie akzeptiert einfach nicht, dass es für sie und ihre Bitte ein „Unmöglich!“ geben soll. Sie weiß, dass Jesus anderen Menschen in ihrer Not geholfen hat, und sie weiß, dass er es auch in ihrem Fall tun kann. Sie wirft sich vor ihm nieder, eine Geste der Demut und Verzweiflung gleichermaßen, und sie bleibt dabei, ihre Bitte zu wiederholen, so oft es denn nötig sein mag.
Jesus wird nun, man mag es kaum glauben, noch unhöflicher:
Er antwortete und sprach: Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen.
Hunde waren damals keine Schoßtiere, verhätschelt und gepflegt. Jemanden mehr oder weniger deutlich mit den Hunden auf eine Stufe zu stellen – sicherlich eine Zumutung. Eine erneute schroffe Zurückweisung ihrer Bitte. Spätestens jetzt muss sie doch begreifen, dass sie keine Hilfe finden wird. Das mögen zumindest die Jünger gedacht haben.
Wäre ich nun endlich meiner Wege gezogen, hätte diesen unfreundlichen und nicht zur Hilfe bereiten Rabbi in Ruhe gelassen, der mich vor aller Ohren mit den Hunden auf eine Stufe stellt? Wäre das endlich der Moment gewesen, in dem ich innerlich verbittert gedacht hätte: „Na dann eben nicht! So lasse ich mich nicht behandeln, schließlich habe ich meine Menschenwürde.“
Die Frau handelt anders.
Sie aber sprach: Ja, Herr; doch es essen ja auch die Hunde von den Krumen, die von dem Tisch ihrer Herren fallen.
Sie wagt es, zu widersprechen. Sie argumentiert. Sie akzeptiert sogar, dass sie als Angehörige einer anderen Nation nicht gleichwertig ist, aber sie bleibt dabei, dass Jesus derjenige ist, der ihr helfen kann und muss, ob sie nun ein Kind oder ein Hund ist.
Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an.

Letztendlich ist es der Glaube, den diese Frau durch ihre Beharrlichkeit beweist, der für die Erhörung ihrer Bitte ausschlaggebend ist. Der Glaube, der nicht aufhört, wenn die Umstände dagegen sprechen. Der Glaube, der sich nicht erschüttern lässt, wenn die Antwort zunächst ausbleibt und dann sogar wie ein Nein klingt. Der Glaube, der das Ziel hinter dem Problem sieht: die Gesundheit der Tochter.

Markus berichtet die gleiche Begebenheit (Markus 7, 24-30), etwas knapper als Matthäus, aber mit den gleichen Schwerpunkten:

Von dort aber brach er auf und ging weg in das Gebiet von Tyrus; und er trat in ein Haus und wollte, dass niemand es erfahre; und er konnte nicht verborgen sein
Wollte Jesus Urlaub machen? Ausspannen? Warum ging er in diese Gegend, wenn er verborgen bleiben wollte? Dem biblischen Bericht zufolge war eine Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten vorausgegangen, diese waren extra aus Jerusalem angereist, um Jesus und seine Jünger kritisch in Augenschein zu nehmen (Markus 7, 1 ff beziehungsweise Matthäus 15, 1 ff). Ich kann mir vorstellen, dass es Jesus darum ging, weiteren Diskussionen für eine Weile zu entfliehen. Nach der Begegnung mit dieser hilfesuchenden Mutter wird uns nichts weiter berichtet, als dass Jesus zurückkehrt nach Galiläa (Markus 7, 31 beziehungsweise Matthäus 15, 29).
Oder war er nur wegen dieser Frau in das Gebiet von Tyrus gekommen? Damit seine Jünger, die gerade eine ziemlich scharfe Auseinandersetzungen mit den Schriftgelehrten miterlebt hatten, sehen konnten, was der Glaube vermag, worauf es wirklich ankommt?
Verborgen bleiben konnte er jedenfalls nicht, zu viele Menschen wussten von seinen Wundern.
Aber sogleich hörte eine Frau von ihm, deren Töchterchen einen unreinen Geist hatte, kam und fiel nieder zu seinen Füßen; die Frau aber war eine Griechin, eine Syro-Phönizierin von Geburt; und sie bat ihn, dass er den Dämon von ihrer Tochter austreibe. Und er sprach zu ihr: Lass zuerst die Kinder satt werden, denn es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen.
Auch diese kürzere Schilderung lässt die Sache mit den Hunden nicht aus. Es muss für die Zeugen des Vorfalls sehr eindrücklich gewesen sein, wie Jesus diese Frau zunächst abweist. Die Antwort der Frau kennen wir schon:
Sie aber antwortete und spricht zu ihm: Ja, Herr; auch die Hunde essen unter dem Tisch von den Krumen der Kinder.
Es kommt auf den Glauben an, der beharrlich ist, das wird auch aus der Schilderung bei Markus klar:

Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin! Der Dämon ist aus deiner Tochter ausgefahren. Und sie ging weg in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen und den Dämon ausgefahren.

Wenn der Glaube unzureichend ist – was dann?

Einige Zeit nach dieser Begebenheit hat es Jesus mit einem verzweifelten Vater zu tun, der zwar hilfesuchend zu Jesus kommt, aber feststellt, dass sein Glaube auf schwachen Beinen steht – möglicherweise, weil die Jünger vergeblich versucht haben, das kranke Kind zu heilen (Markus 9, 14 ff). Der Mann ist nicht felsenfest überzeugt, Hilfe zu finden, sondern sagt mit gewisser Einschränkung:

Aber wenn du etwas kannst, so habe Erbarmen mit uns und hilf uns!
Jesus antwortet ihm:
Wenn du das kannst? Dem Glaubenden ist alles möglich.
Der Mann hätte denken und sagen können: „Schade, dann wird es wohl nichts mit der Heilung. Die Jünger dieses Mannes haben es nicht geschafft, und nun soll es am Glauben liegen. Wenn die nicht genug Glauben haben, wie denn dann ich, der nicht zu den Nachfolgern gehört? Einen Versuch war es wert, aber er hat eben leider nicht den erhofften Erfolg gehabt.“
Aber statt dessen schreit der Mann:
Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!

Ich sehe in der Beschäftigung mit diesem „schwierigen“ Jesus, mit anderen Beispielen aus der Bibel, in denen Beharrlichkeit und Ausdauer eine Rolle spielen, eine ganz praktische Hilfestellung, eine Anleitung für mein eigenes Leben. Wenn mich Zweifel beschleichen, wenn mein Verstand sagt, dass es aussichtslos sei, wenn Jesus taub zu sein, wenn meine Bitte um Hilfe ungehört zu verhallen scheint – dann entscheide ich mich, trotzdem an den Verheißungen festzuhalten. Dann rede ich mit Gott und sage ihm, dass ich Zweifel habe, bitte ihn um den Glauben, der mir fehlt.
Das widerspricht zwar dem Verstand, der in unserer Gesellschaft so hoch angesiedelt wird, aber wenn ich mich für den Glauben entscheide, ist das doch sowieso eine Torheit in den Augen der Welt.

Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird, schreibt Paulus an die Korinther (1. Korinther 2, 14).
Also bin ich lieber noch ein bisschen törichter als der aufgeklärte Verstandeschrist, der alles mit dem Intellekt bewältigen will, und glaube weiter, obwohl die Umstände mich überzeugen wollen, dass es aussichtslos ist. Wenn ich merke, dass Zweifel aufkommen, dass mein Glaube noch kleiner als das Senfkorn ist, bete ich: Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!

Samstag, 26. April 2008

Mit oder ohne?

Ich lege Wert auf die Feststellung, dass der hier abgebildete Van nicht meiner ist. Mein Ford Windstar ist zwar ebenfalls blau, aber es gebricht ihm an den Aufklebern, die dieses Modell zieren:


Solchermaßen plakatierten Fahreuge sieht man in Deutschland eher selten. Bekehrte Autos sind hierzulande meist an einem dezenten Fisch zu erkennen. So auch mein Van. Gelegentlich meint die beste aller Ehefrauen, wenn mein Fahrstil nicht ihre ungeteilte Zustimmung findet: »You shouldn't have that fish on the car if you drive like this.«

Wie sieht es nun bei den geschätzten Blogbesuchern aus, wenn man hinter ihrem Fahrzeug unterwegs ist?





P.S.: Das Foto stammt vom unnachahmlichen Purgatorio

P.P.S.: Wer mag, kann mir ja ein Foto von seinem Auto schicken, falls da was aufgeklebt worden ist. Vielleicht wird ja eine Mini-Galerie daraus? Wenn es mehr als 4 Bilder werden, packe ich eins von meinem Windstar dazu, da ist nämlich außer dem Fisch noch was zu sehen. Findige Köpfe finden ja meine E-Mail-Adresse.