Samstag, 11. Juli 2009

Denn Babylon verliert.

Aus meinem und aus jedem Leben,
das wir in Deine Hände geben,
hält sich der Tod für immer raus,
denn er hat nichts verloren in Deinem Haus.
Herr, Du bist der Einzige für mich
und jetzt kommt die Wahrheit auf den Tisch,
diese Welt wird vergehen, doch Du wirkst ewiglich.
Du birgst ewig Licht, doch sie seh'n es nicht.
Das gestrige Konzert der Söhne Mannheims haben wir wegen meiner Monsterübersetzungsdeadline nicht besucht, aber am heutigen Abend sind wir in der Waldbühne, um zu sehen und zu hören, was Herr Naidoo für Berlin bereit hält.
Leg den Himmel über Deutschland,
und auf das Glück, das ich erneut fand,
was du verbargst in deiner Hand.
Den Himmel über Deutschland.
Du legst Feuer an den Goldrand,
die ganze Welt steht bald in Brand.
Ich geb mein Herz in deine Hand.
Leg den Himmel über Deutschland.
Amen, Bruder Naidoo! Amen!

Freitag, 10. Juli 2009

Land in Sicht

Es schaut gut aus. Hoffnungsvoll. Heute abend noch einige Stunden und morgen, Samstag, circa fünf oder sechs weitere, dann ist das Übersetzungsprojekt, das ich am 6. Mai 2009 begonnen habe, fertig und beim Verlag abgeliefert.

Es fehlen »nur« noch 5 Kapitel, einige davon sind relativ lang, aber mich deucht, morgen Nachmittag kann ich singen: Lass dir sagen es ist Land an Sicht!

Somit kann ich voraussichtlich (heute ist ja erst Freitag) die Todeslinie (neudeutsch Deadline) von acht Wochen einhalten und mich dann zwei weniger riesigen Projekten widmen, die bis Ende Juli fertig und beim entsprechenden (anderen) Verlag sein müssen.

Am Samstagabend jedoch singe ich dann noch mehr, viel mehr, zum Beispiel:

Was willst du sehen? Feuer vom Himmel?
Noch vor hundert Jahren war der Himmel nicht feuerrot.
Was willst du sehen? Jesus auf einem Schimmel?
Er ist für unser Leben gestorben und am Kreuz hängt der Tod!

Das intoniere ich dann an geeigneter Stelle unter freiem Himmel mit rund 22.000 anderen Menschen zusammen.

Der Papst und die »Weltautorität«

Es ist wieder mal so typisch, dass man sich gar nicht mehr wundern sollte. Das Muster: Jemand sagt oder schreibt etwas in einem bestimmten Zusammenhang, und irgend ein Journalist pflückt sich einen Satz heraus, um eine Sensationsmeldung, wenn irgend möglich einen Skandal, künstlich zu erschaffen. Anschließend plappern viele gedankenlos nach, was dieser Galgenstrick fabriziert hat.
Das haben wir vor etlichen Monaten am Beispiel Eva Herman erlebt, und nun haben sich einige Blätter auf den Papst eingeschossen. Er fordere angeblich einen »Weltherrscher«, der alle Fäden in der Hand hält - und prompt tönt es schon aus allerlei frommen Nischen, dass es ja dem Papst wohl nur um den Antichrist gehen könne.

Nun bin ich nicht katholisch, halte den Papst auch nicht für unfehlbar in seinen Lehrmeinungen. Da ich Benedikt aus Bayern aber für einen aufrichtigen Christen halte, war ich neugierig, was er tatsächlich geschrieben hat. Hier gilt, wie so oft, das Motto: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

In Wirklichkeit hat der Papst lediglich gefordert, dass die bereits bestehende Organisation der »Vereinten Nationen« von einem bedeutungslosen Debattierclub zu einem Vökerbund werden müsste, der seine Beschlüsse auch um- und durchsetzen kann:
67.Gegenüber der unaufhaltsamen Zunahme weltweiter gegenseitiger Abhängigkeit wird gerade auch bei einer ebenso weltweit anzutreffenden Rezession stark die Dringlichkeit einer Reform sowohl der Organisation der Vereinten Nationen als auch der internationalen Wirtschafts- und Finanzgestaltung empfunden, damit dem Konzept einer Familie der Nationen reale und konkrete Form gegeben werden kann. Desgleichen wird als dinglich gesehen, innovative Formen zu finden, um das Prinzip der Schutzverantwortung anzuwenden und um auch den ärmeren Nationen eine wirksame Stimme in den gemeinschaftlichen Entscheidungen zuzuerkennen. ... Um die Weltwirtschaft zu steuern, die von der Krise betroffenen Wirtschaften zu sanieren, einer Verschlimmerung der Krise und sich daraus ergebenden Ungleichgewichten vorzubeugen, um eine geeignete vollstän-dige Abrüstung zu verwirklichen, die Sicherheit und den Frieden zu nähren, den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren, ist das Vorhandensein einer echten politischen Weltautorität, wie sie schon von meinem Vorgänger, dem seligen Papst Johannes XXIII., angesprochen wurde, dringend nötig. ... Die ganzheitliche Entwicklung der Völker und die internationale Zusammenarbeit erfordern, daß eine übergeordnete Stufe internationaler Ordnung von subsidiärer Art für die Steuerung der Globalisierung errichtet wird und daß eine der moralischen Ordnung entsprechende Sozialordnung sowie jene Verbindung zwischen moralischem und sozialem Bereich, zwischen Politik und wirtschaftlichem und zivilem Bereich, die schon in den Statuten der Vereinten Nationen dargelegt wurde, endlich verwirklicht werden.
Das klingt mir nun gar nicht nach der Forderung, einen Antichristen zu etablieren. Weiter unten in seinem Text schreibt der Papst:
78.Ohne Gott weiß der Mensch nicht, wohin er gehen soll, und vermag nicht einmal zu begreifen, wer er ist. Angesichts der enormen Probleme der Entwicklung der Völker, die uns fast zur Mutlosigkeit und zum Aufgeben drängen, kommt uns das Wort des Herrn Jesus Christus zu Hilfe, der uns wissen läßt: »Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen« (Joh 15, 5) und uns ermutigt: »Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28, 20).
Und auch diese Sätze stehen in der Enzyklika:
79.Die Entwicklung braucht Christen, die die Arme zu Gott erheben in der Geste des Gebets, Christen, die von dem Bewußtsein getragen sind, daß die von Wahrheit erfüllte Liebe, caritas in veritate, von der die echte Entwicklung ausgeht, nicht unser Werk ist, sondern uns geschenkt wird. Darum müssen wir auch in den schwierigsten und kompliziertesten Angelegenheiten nicht nur bewußt reagieren, sondern uns vor allem auf seine Liebe beziehen.
Na, wo steckt er nun, der Bumann? Im Vatikan oder in den Pressebüros gewisser Medien?

Den kompletten Text der Enzyklika gibt es hier: Caritas in veritatae
Foto ebenfalls von Welt Online

Donnerstag, 9. Juli 2009

Good good good vibrations!

Ach war das schön. Wir haben gestern Abend mal Arbeit Arbeit sein lassen und sind ins Konzert eines Urgesteins der Musikgeschichte gegangen. Brian Wilson war in Berlin. Die beste aller Ehefrauen hatte die Idee, und sie hat eben oft die besten aller Ideen.

Selten habe ich ein so von guter Laune und Heiterkeit geprägtes Konzert erlebt. Von der ersten Minute an bis zum Schluss nach zweieinhalb Stunden waren sowohl das Publikum als auch die 10köpfige Band auf der Bühne einfach nur gut drauf.

Natürlich gab es allerlei zum Mitsingen, wer kennt sie nicht, die Beach Boys Hits. »Sloop John B.«, »Barbara Ann«, »Heroes and Villains«, »Surfin' USA« ... - man muss schon arg jung sein, um das alles nicht gehört zu haben. Es gab auch Songs von den neueren Alben, selbstverständlich. »Morning Beat« war für mich einer der obersten Höhepunkte in einem Konzert, das eigentlich nur Höhepunkte hatte.

Die Band - was soll man dazu sagen außer grandios? Die zum Teil sechsstimmigen Gesangspassagen brachten die Musiker genauso perfekt zu Gehör wie sie ihre Instrumente beherrschten. Alles wirke dabei leicht und mühelos - als ehemaliger Musiker weiß ich, was das heißt: Diese Musikanten sind nicht nur hervorragend geschult, sondern sie haben eindeutig selbst jede Menge Spaß an dem, was sie aufführen.

Brian Wilson ist alt geworden - das darf man ja auch mit 67 Jahren. Er saß fast die ganze Zeit hinter seinem Keyboard, ohne sich viel zu bewegen (oder gar die zugehörigen Tasten zu bedienen), aber man merkte deutlich, wieviel künstlerische Kraft noch in ihm brodelt. Und auch wenn die Stimme die hohen Töne von früher nicht mehr bewältigt: Es kann immer noch kraft- und ausdrucksvoll singen.

Falls Brian Wilson mit Band in Eure Gegend kommt, liebe Blogbesucher: Unbedingt hingehen. Solche Konzerte sind heutzutage leider selten geworden.

Falls er nicht kommt, hier eine vierfach gefächerte Konserve als Trost: That Lucky Old Sun

Mittwoch, 8. Juli 2009

Neulich…

neulich…vor ziemlich genau 12 Monaten saß ich in Nashville im Hard Rock Café unter dem Bild von Stevie Ray Vaughan.

Schade, dass wir nicht in Nashville oder New York oder meinetwegen Roanoke bleiben und leben konnten.

Schade, dass wir dieses Jahr nicht in Amerika sein werden, soweit unsere bisherigen Kenntnisse reichen.

Schade, dass Stevie Ray Vaughan nicht mehr lebt.

Schade, dass manche Menschen so viel jammern und dauernd alles schade finden, statt sich zu freuen.

Dienstag, 7. Juli 2009

Petition an Berlusconi

Liebe Blogbesucher,

nur noch wenige Stunden ist es möglich, eine Petition an den italienischen Premierminister Berlusconi zu unterzeichnen, da sie morgen übergeben werden soll.

Hier gibt es mehr Informationen und Du kannst die Petition unterzeichnen:

http://www.one.org/de/italieng8/?rc=italieng8taf

2005 haben die G8-Staaten in Gleneagles bedeutende Versprechen an Afrika gemacht. Einige von ihnen sind auf einem guten Weg, andere hinken deutlich hinterher. Silvio Berlusconi gibt die weitaus schlechteste Figur ab. Bisher hat Italien nur drei Prozent seines Versprechens an Afrika eingehalten. Während andere Staaten sich anstrengen, die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zu erhöhen, hat Berlusconi die italienischen Entwicklungsgelder sogar gekürzt. Ihm fehlt deshalb die Glaubwürdigkeit, um dieses G8-Treffen zum Erfolg zu führen.

Um zumindest einen Teil seiner Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, muss Berlusconi schnell und entschlossen handeln. Nur dann wird er vom entwicklungspolitischen Totalversager zum ernst zu nehmenden Gesprächspartner. Er muss seine entwicklungspolitischen Kürzungen zurücknehmen und einen glaubwürdigen Plan dazu vorlegen, wie er seine Versprechen aus dem Jahr 2005 umsetzen will.

So lautet die Petition im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Premierminister,
bitte nehmen Sie Ihre Kürzung der entwicklungspolitischen Mittel um €411 Millionen zurück und stellen Sie weitere €350 Millionen für eine starke Landwirtschafts-Partnerschaft mit Entwicklungsländern zur Verfügung.

http://www.one.org/de/italieng8/?rc=italieng8taf

Danke für jede Unterstützung!

Montag, 6. Juli 2009

Just words and a girl

Hallo Welt,

hier ist ein kleines Lebenszeichen: Mich gibt es noch, irgendwo unter dem Berg von Arbeit und Aufgaben. Ich habe gerade den Gipfel überstiegen und bin jetzt beim Abstieg auf der anderen Seite: Mehr als die Hälfte der Autobiographie ist auch im zweiten Durchgang fertig und beim Verlag abgeliefert. Es sind noch Hunderte Seiten durchzusehen und zu überarbeiten, aber immerhin, der größte Teil ist geschafft.

Abends, wenn die Konzentration für die Arbeit aufgebraucht ist, lese ich, so lange die Augen nicht endgültig zufallen, gerade ein Buch, das für jugendliche Leser geschrieben wurde, von einem Autor, den ich bisher nicht kannte. Ein wunderbares, humorvolles, spannendes, unterhaltsames, gut geschriebenes, abwechslungsreiches, vor Leben und Phantasie sprühendes Buch. Wenn ich durch bin, könnte es sein, dass ich eine Rezension schreibe. Das Buch hat es - ich bin auf Seite 120 von 357, wohl verdient, noch viele Leser zu finden.

Gerade las ich:

"Oh Ed." Audrey looks away. "Oh Ed."

Our feet dangle.

I watch them, and I watch the Jeans on Audrey's legs.

We only sit there now.

Audrey and me.

And discomfort.

Squeezed in, between us.

She soon says, "You're my best friend, Ed."

"I know."

You can kill a man with those words.

No gun.

No bullets.

Just words and a girl.

Ach ist das schön, nach einem harten langen Arbeitstag. Wie sollte man da nicht gut schlafen und vortrefflich träumen.

Gute Nacht, liebe Welt !


P.S.: Ob wohl jemand den literarischen Antagonismus in diesem Blogbeitrag bemerken wird?

Samstag, 4. Juli 2009

Brönnen?


Kunst kommt von Können.
Gunst kommt von Gönnen.
Brunst* kommt von



*Was ist denn eigentlich Brunst?

Freitag, 3. Juli 2009

Sieben

Seit fast einer Woche gibt es bei uns zu Hause auch einen PC, der »Sieben« heißt. Nicht etwa, weil es der siebte Computer wäre, sondern wegen seines Betriebssystems habe ich ihn so getauft.

Windows 7, das im Oktober 2009 erscheinen wird, wurde von den Vorabtestern so hoch gelobt und gebenedeit, dass ich mir nun - nicht zuletzt angesichts der unzähligen Ärgerlichkeiten in Windows Vista - ein Bild machen wollte. Daher wurde ein relativ neues Notebook (4 GB Arbeitsspeicher, schneller Prozessor) mit Windows 7 in der 64-Bit Version beglückt. Das Notebook scheint wirklich glücklich zu sein, denn es arbeitet, so weit man das in den paar Tagen sagen kann, schneller und vor allem stabiler als irgend ein anderer unserer PCs.

Da ich wegen der Übersetzungs-Monster-Aufgabe (regelmäßige Blogleser wissen, was ich meine) wenig Zeit habe, ist manche Software (Buchhaltung, Banking, FTP, Adobe CS4 und so weiter) noch nicht installiert, aber Office 2007 (32-Bit-Version) läuft problemlos und blitzschnell, der Firefox 3.5 hat nun wirklich einen Düsenantrieb im Hintern und auch weitere bisher installierte Software läuft rund und stabil.

Und der Virenschutz? Da habe ich mir erlaubt, nach gewissen Umwegen durch das Internet die amerikanische Version der Microsoft Security Essentials zu nehmen, die es voraussichtlich ebenfalls im Oktober oder November geben soll. Es wurde ja auch Zeit, dass Microsoft ein kostenloses Schutzpaket für seine Kunden anbietet, angekündigt war es schon für Juni 2009. Inwiefern das allerdings Arbeitsplätze bei Avira & Co gefährden wird, bleibt abzuwarten.

Nach 6 Tagen kann man noch nicht viel sagen, aber der erste Eindruck von Windows 7 und Security Essentials ist sehr positiv. Stabil, schnell, bedienfreundlich. Mir scheint, Microsoft hat was dazugelernt.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Der Zehnte - Quelle der Armut?


Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und laßt dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen. (Matthäus 23, 23)
»Dies soll man tun und jenes nicht lassen« wird oft als Beleg dafür angeführt, dass Jesus die Praxis des Alten Testamentes, den Zehnten in das Heiligtum zu bringen, auch für seine Nachfolger als gültig erklärt habe. Wenn man so argumentiert, muss man allerdings folgendes beachten:
Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen's zwar, tun's aber nicht. (Matthäus 23, 1-3)
So beginnt der Absatz, aus dem der eingangs zitierte Satz stammt. Aha. Wir sollen also alles tun und halten, was uns die Schriftgelehrten und Pharisäer sagen. Na prima. Und wo sind sie nun, die Schriftgelehrten und Pharisäer unserer Zeit? Sind es die Pastoren und Ältesten, die Bischöfe und Pfarrer? Vermutlich würden diese Herren (und gelegentlich Damen) es nicht so gerne hören, wenn man sie als Pharisäer bezeichnet.
Man muss wohl schon den gesamten Abschnitt betrachten, statt ein paar Verse herauszureißen. Matthäus 22 und 23 haben damit zu tun, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten »Rat hielten, wie sie ihn (Jesus) in seinen Worten fangen könnten.« Dem Bericht des Matthäus zufolge hatte Jesus eine ganze Menge über die und zu den Pharisäern, Sadduzäern und anderen Anklägern zu sagen: »Ihr Schlangen, ihr Otternbrut!« »Ihr Heuchler.« »Ihr Narren und Blinden!« »Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt!«
Dennoch sollten die Jünger Jesu das tun, was diese Leute sagten. Nämlich das Gesetz halten. Zum Gesetz gehört der Zehnte:
Alle Zehnten im Lande von Samen des Landes und von Früchten der Bäume sind des HERRN und sollen dem HERRN heilig sein. Will aber jemand seinen Zehnten lösen, der soll den Fünften darübergeben. Und alle Zehnten von Rindern und Schafen, von allem, was unter dem Hirtenstabe geht, das ist ein heiliger Zehnt dem HERRN. Man soll nicht fragen, ob's gut oder böse sei; man soll's auch nicht wechseln. Wird's aber jemand wechseln, so soll's beides heilig sein und nicht gelöst werden. (3. Mose 27, 30-33)
Zum gleichen Gesetz gehört auch diese Anweisung:
Wer des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Ob Fremdling oder Einheimischer, wer den Namen lästert, soll sterben. Wer irgendeinen Menschen erschlägt, der soll des Todes sterben. Wer aber ein Stück Vieh erschlägt, der soll's ersetzen, Leben um Leben. Und wer seinen Nächsten verletzt, dem soll man tun, wie er getan hat, Schaden um Schaden, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er einen Menschen verletzt hat, so soll man ihm auch tun. ... Es soll ein und dasselbe Recht unter euch sein für den Fremdling wie für den Einheimischen; ich bin der HERR, euer Gott. (3. Mose 24, 16-22)
Bitte nicht vergessen, unsere Anweisung lautet: »Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet.« Das Töten eines Lästerers gehört zweifellos dazu, denn es ist genau wie der Zehnte Teil des Gesetzes. Oder auch diese Anweisungen:
Wenn ein Mann bei einer Frau liegt zur Zeit ihrer Tage und mit ihr Umgang hat und so den Brunnen ihres Blutes aufdeckt und sie den Brunnen ihres Blutes aufdeckt, so sollen beide aus ihrem Volk ausgerottet werden. ... Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat.
Ich meine, dass diese paar Ausschnitte aus dem Gesetz reichen sollten, um uns vor Augen zu führen: Wir tun nicht, was die Pharisäer und Schriftgelehrten sagen. Und das ist auch, mit Verlaub, gut so.

Paulus äußerte ganz andere Vorstellungen. Es verwarf den Zehnten und schrieb:
Ein jeglicher gebe nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. (2. Korinther 9, 7)
Die Gemeinde Jesu Christi hatte sich schon zuvor darauf geeinigt, inwieweit das Gesetz des Alten Bundes für die Christen des Neuen Bundes gelten sollte:
Denn es gefällt dem Heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzuerlegen als nur diese notwendigen Dinge: dass ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr recht. Lebt wohl! (Apostelgeschichte 15, 28)
Daran hielt sich die Gemeinde Jahrhunderte lang. Der Zehnte wurde tatsächlich erst viel später wieder eingeführt. Im Alten Testament diente er dazu, die Leviten (die als Priester keinen Landbesitz hatten) zu versorgen und den Armen zu helfen. Als Papst Gregor im Jahr 722 den Zehnten wieder aufgriff, hatte er die gleiche Idee:
Aus den Einkünften der Kirche und den Opfergaben der Gläubigen soll er [Bonifatius] vier Teile machen: Einen davon soll er für sich behalten, den zweiten unter den Geistlichen verteilen, entsprechend ihrem Eifer in der Erfüllung ihrer Pflichten, den dritten Teil soll er an die Armen und Fremden geben, den vierten soll er aber für den Kirchenbau zurücklegen. (Bonifatiusbriefe)
Papst Zacharias sah das 748 ähnlich:
Was aber die Zehnten der Gläubigen betrifft, die in den Kirchen dargebracht werden, so soll es nicht im Belieben des Gebers liegen, sie zu verteilen. Denn die Satzungen der heiligen Väter bestimmen, dass daraus vom Bischof vier Teile gemacht werden sollen. ... Daraus müssen nämlich die Almosen bereitgestellt werden, daraus muss der Kirchenbau und die Altarausstattung bezahlt werden ... (Bonifaziusbriefe)
Nach der Reformation wurde der Zehnte dann zunächst in protestantischen Gebieten wieder abgeschafft, weil der Staat die Versorgung der Kirchen übernahm, inzwischen versorgt der Staat auch die katholischen Gemeinden.

Und da liegt nun der Hase im Pfeffer. Freikirchen und unabhängige Gemeinden werden vom Staat nur insofern unterstützt, als ihnen (meist) die Gemeinnützigkeit gewisse steuerliche Vorteile bringt, auch Spenden an sie sind steuerlich absetzbar. Also bleibt den freien Gemeinden und Kirchen ja gar nichts anderes übrig, als von den Gaben ihrer Mitglieder und Freunde zu leben. Das ist logisch, das kann jeder verstehen.
Es wäre daher ganz und gar richtig und nachvollziehbar, wenn die Verantwortlichen, genau wie in jedem anderen eingetragenen Verein oder Club oder was auch immer ihren Mitgliedern und Freunden sagen würden: »Wir haben diese und jene Kosten. Um sie zu decken, brauchen wir so und so viel Geld. Wenn Euch also unser Fortbestehen am Herzen liegt, dann entrichtet einen Mitgliedsbeitrag.«
Statt dessen wird vielerorts gepredigt, dass selbstverständlich der Zehnte gültiges göttliches Gesetz wäre. Es wird gar unterschwellig mit göttlicher Strafe in Form von Mangelerscheinungen, Armut und Misserfolg gedroht, falls der Gläubige es wagen sollte, nicht mindestens 10 Prozent seines Einkommens abzuliefern. Ausgerechnet der Halbsatz der Verneinung des Zehnten durch Paulus, dass Gott einen fröhlichen Geber lieb hat, wird bei der Opfersammlung zitiert: Wenn du jetzt nicht reichlich was in die Sammlung schüttest, dann mag Gott dich nicht. Ätsch!
Ich weiß nicht, ob die Finanzmisere mancher Gemeinden und Kirchen nicht etwas damit zu tun hat, dass auf die Gläubigen solch ein religiöser Druck, der oft genug in Manipulation und Angstmache ausartet, ausgeübt wird. Kann Gott eine Gruppe segnen, deren Führer sich solcher Mittel bedienen, um den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen? Vielleicht wäre es Gott angenehmer, ehrlich zu sagen: »Der Mitgliedsbeitrag beträgt 250 Euro im Monat, für Schüler, Studenten und Erwerbslose 80 Euro.« Oder was auch immer dem Bedarf angemessen sein mag. Vielleicht wäre dann die Geldnot mancher Gemeinde in Windeseile Vergangenheit? Wenn dem so wäre, dann könnte der Zehnte beziehungsweise die entsprechende Lehre mit Fug und Recht als Quelle der Armut gelten.

Ich höre schon beim Schreiben das häufige Argument mit Melchisedek und Abram.
Und Abram gab ihm den Zehnten von allem. (1. Mose 14, 18)
Zweifellos geschah dies, bevor es das Gesetz gab. Diese Geschichte belegt aber lediglich, dass Abram ein einziges Mal in seinem Leben den Zehnten gab. Das ist nicht sonderlich viel. Und Melchisedek gab ihm sofort einen Teil zurück, weil er sowieso schon reich genug war. Also taugt das Beispiel absolut nicht als Argument für die Beibehaltung des Zehnten.

Nun meine ganz persönliche Erfahrung: Seit wir reichlich von unserem Einkommen austeilen, an Gemeinde, christliche Werke, in Not geratene Menschen jeglichen Glaubens oder Unglaubens, und zwar nicht zehn Prozent, sondern gelegentlich bis zu 50 Prozent, fließt uns durch unsere Arbeit und darüber hinaus mehr Geld zu, als jemals zuvor.
Das klingt völlig unlogisch und unvernünftig, aber so ist es nun mal. Wir haben vor einigen Jahren nicht angefangen, »Almosen« und Spenden zu geben, um dadurch zu Geld zu kommen, so wie es in manchen Gemeinden leider auch versprochen wird. Sondern weil wir Gott einfach dankbar waren und sind für das, was er uns alles geschenkt hat. Was wir austeilen, geben wir gerne, freiwillig, mit Freude und aus Dankbarkeit. Und Gottes Taschen sind offenbar voll genug, um uns weiter und immer mehr zu beschenken. Dadurch sind wir wiederum in der Lage, noch mehr auszuteilen. Das macht einfach Spaß, ehrlich!

Es leite aber bitte niemand daraus ein Rezept oder eine Regel ab. Das sei ferne! Wer nichts oder nicht viel hat, der wird von Gott nicht weniger geliebt als jemand, der finanziell gut versorgt ist. Segen Gottes ist nie und nimmer gleichbedeutend mit Überfluss und Wohlstand.
So etwas zu behaupten, wäre eine dreiste Lüge. Es hieße ja, dass Paulus von Gott nicht geliebt wurde, nicht gesegnet wurde, denn Paulus litt Hunger, fror, er arbeitete hart und oft reichte das Geld trotzdem nicht für das Lebensnotwendige. Auch die Gemeinde in Jerusalem, für die der Apostel landauf landab Geld sammelte, weil die Mitglieder verhungerten, wäre demnach außerhalb des göttlichen Segens gewesen. Welch ein Unsinn!
Zweifellos gibt es Menschen in den biblischen Berichten und auch heute, die von Gott reichlich mit Wohlstand gesegnet werden. Das ist wunderbar und hoffentlich dient dieser Finanzsegen dazu, denen zu helfen, die nichts oder wenig haben. Aber das Einkommen zum Maßstab des göttlichen Segens oder seiner Liebe zu machen, wäre ein fürchterliches Verbrechen an den Seelen derer, denen es wirtschaftlich nicht gut geht.
Daher darf es nicht ohne Widerspruch bleiben, wenn jemand behauptet, der Zehnte wäre obligatorisch für Christen und wer reichlich Geld in die Gemeindesammlung gibt, würde zu materiellem Wohlstand gelangen.
Der Zehnte ist womöglich notwendig, um Gebäude und Gehälter zu finanzieren, aber da wäre doch ein Mitgliedsbeitrag ohne religiösen Druck die ehrlichere Alternative - finde ich zumindest.

Quellen: Der Zehnt (Wikipedia) und Die Bibel (Allgemeingut)
Anstoß zu dieser Streitschrift: Cooles Argument
Illustration: sxc.hu

P.S.: Ebenfalls zum Thema: Bento - Den Zehnten geben oder was?