
Montag, 7. Juni 2010
Dylan Junior
Jakob Dylan has told Andrew Marr that many of his songs could not have been written without reference to the Bible. He played a song from his new album "Women and Country".
The son of Bob Dylan said he hadn't looked for help with his music from his father but "of course he got it" and considered his advice "pretty priceless".
Sonntag, 6. Juni 2010
Kirchenmauern – etwas zum Niederreißen
Noel Richards wurde von der Redaktion der Zeitschrift »Come« vor der Veranstaltung »Calling all Nations« im Berliner Olympiastadion gefragt, welche Impulse er sich für die deutsche christliche Musikszene erhoffe. Seine Antwort überraschte manchen Leser, denn eigentlich war sie ein Widerspruch zum Gedanken, der christlichen Musikszene Impulse geben zu wollen.
Manchmal setzen wir das Wort »christlich« vor bestimmte Wörter und schaffen so eine Art Subkultur. Viel lieber wäre es mir, wenn Christen zum Mainstream in der Kunst- und Musikkultur durchbrechen würden. Es gibt in Deutschland viele christliche Verlage und Produzenten … die machen ihre Sache wirklich gut. … Sie werden gebraucht, um die Bedürfnisse der Menschen innerhalb der Kirchen wahrzunehmen. Aber wir sollten darüber nicht vergessen, den Blick nach draußen zu richten … Christen ermutigen, das fromme Ghetto zu verlassen.
Noel Richards sprach von »Subkultur«. Ich meine, dass in vielen Kirchen und Gemeinden sogar eine christliche Parallelgesellschaft existiert, die wenig oder keine Berührungspunkte mit unserer Umgebung kennt. Wir haben christliche Romane, christliche Musik aller Geschmacksrichtungen und christliches Spielzeug, sogar christliche Kleidung und vieles mehr. Es gibt biblische Kochbücher genauso wie Kerzen mit Bibelsprüchen und christliche Kugelschreiber oder Notizbücher. Christliche Internetseiten, Foren und Chaträume sind Legion, auch christliche Frauen- und Männerzeitschriften oder Nachrichtenmagazine muss man nicht lange suchen. Manches ist missionarisch gemeint. Aber wer nimmt außerhalb unserer Parallelgesellschaft Notiz davon?
Anders gefragt: Würde den Menschen in unserer Nachbarschaft irgend etwas fehlen, würden sie es überhaupt bemerken, wenn unsere Gemeinde / Kirche plötzlich nicht mehr da wäre? Wäre da eine Lücke im gesellschaftlichen, kulturellen, politischen Leben? Oder würde alles ohne uns Christen genau so weiterlaufen wie bisher?
Die Parallelgesellschaft hat sich etabliert, um die Gläubigen vor der bösen Welt zu schützen, um ihnen saubere und sündlose Alternativen zu bieten. Die Gemeinschaft der Gläubigen wurde zu einer Burgfeste, die es zu verteidigen gilt. Und je länger der Kriegszustand gegen die Welt dauert, desto mehr entfernt sich das Salz aus der Welt. Um so mehr ist das Licht ausschließlich in der Burg sichtbar.
Die Kleinstadtgemeinde, in der ich als junger Christ zu Hause war, veranstaltete einmal im Jahr eine Evangelisationswoche. Ein Prediger wurde eingeladen, Handzettel gedruckt und verteilt, ein Rahmenprogramm gestaltet und dann sollten die Menschen in Scharen in den Gemeindesaal strömen und sich bekehren. Sie strömten nicht, sie tröpfelten höchstens. Die meisten Besucher bekehrten sich nicht, sondern wunderten sich und gingen wieder. Von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen.
Viele Christen verstehen heute noch immer ihren Auftrag genau so und nicht anders. Die Gemeinde ist für sie eine Burg, in die man einlädt, weil da das Licht und das Salz zu finden sind. Samt christlicher Musik, christlichen Finanzkursen, christlichen Fahrradausflügen, christlichen Büchern und christlichen Jugendgruppen. Evangelistische Abende oder Wochen werden durchgeführt, die Gemeindeglieder gedrängt, doch Nachbarn und Kollegen einzuladen, mitzubringen in die sichere Burg. Das Problem wird heute immer deutlicher: Die Nachbarn und Kollegen kommen nicht. Oder sie kommen nicht wieder, weil sie nur Befremdliches erlebt haben.
Jesus hatte keinen Gemeindesaal. Die Jünger bauten keine Kirche. Paulus druckte keine Handzettel. Petrus predigte nicht im Rahmen einer Evangelisationswoche.
Natürlich stimmt es: Jesus lehrte am Sabbat in der Synagoge, die erste Generation der Gemeinde war im Tempel anzutreffen. Natürlich stimmt es, dass die Gläubigen auch heute noch einen Ort, einen Rahmen brauchen, wo sie zusammen Gott loben, aus der Bibel lernen, ihre Fragen stellen und gemeinsame Lasten tragen sowie sich miteinander freuen können. Jesus nahm sich immer wieder Zeit, um mit seinen Jüngern auszutauschen, sie zu lehren, ohne dass diejenigen dabei waren, die noch nicht zum Kreis der Gläubigen zählten. Die Gemeinde der Apostelgeschichte versammelte sich zum gemeinsamen Gebet, Austausch, Lob Gottes und zur Lehre.
Selbstverständlich ist der Gottesdienst, ob nun im Gemeindesaal, der Kirche oder sonst irgendwo, notwendig und richtig. Aber wenn sich das Gemeindeleben darin erschöpft, sich in der sicheren Burg zu versammeln, höchstens noch zu bestimmten evangelistischen Gelegenheiten dazu einzuladen, in die heiligen Hallen zu kommen und sich zu bekehren, dann kann von Salz und Licht nicht die Rede sein. Dann spielt es für die Nachbarschaft, ob nun Dorf oder Stadtviertel, keine Rolle, ob es die Gemeinde vor Ort gibt oder nicht. Dann ist der lokale Kegelverein wichtiger für die Nachbarn als die lokale Kirche.
Wo sind die Kirchen- und Gemeindevorstände, die es wagen, ihre Burgfeste einzureißen? Die nicht einen größeren sakralen Versammlungssaal planen, sondern einen Ort, an dem die Nachbarn sich zur Freizeitgestaltung treffen, die Kinder nach der Schule Hilfe bei den Hausaufgaben finden, die Armen Speise oder Kleidung bekommen, die kulturell interessierten Mitbürger Kammermusik, Blues- oder Jazz-Sessions oder literarische Lesungen veranstalten, und das alles ohne frommen Unterbau und christliche Stempel?
Ich träume von einer Gemeinde Jesu Christi, die keine Fußangeln auslegt, in denen sich Ungläubige verfangen sollen, damit man sie in die Burgfeste ziehen kann. Ich träume von einer Gemeinde Jesu Christi, die sich mit Menschen und Ressourcen verschenkt. Es ist nichts Frommes an einem Skatverein oder einer Hausaufgabenhilfe für moslemische Kinder zu finden. Beim Seniorensport wird sich kein Teilnehmer bekehren. Die Organisation eines Stadtteilfestes zusammen mit anderen Bürgern ist keine missionarische Aktion.
Meine Vision ist keine versteckte Evangelisation durch die Hintertür, sondern eine Gemeinde, die fragt: »Was können wir für die Menschen tun? Wo können wir helfen? Wie können wir dienen? Wem können wir uns und unsere Möglichkeiten, Begabungen, Fähigkeiten verschenken?« Ohne Angelhaken und Gegenleistung. Einfach nur, weil wir die Welt so lieben, wie Gott sie geliebt hat. Er hat seinen Sohn gegeben. Für alle Menschen, für die Frommen wie die Ungläubigen.
Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er euch gebe. (Johannes 15, 16)
Hingehen. Frucht bringen. Und daraus folgt: Der Vater gibt, was wir im Auftrag Jesu bitten. Nicht umgekehrt.
Freitag, 4. Juni 2010
Henning Mankell – kein Feind im Schatten
Es ging in erster Linie um den Autor, der gerade den zehnten (und letzten) Roman mit seiner Figur Kurt Wallander vorgelegt hat; Der Feind im Schatten
Axel Milberg las auf Deutsch das 21. Kapitel vor –beeindruckend, souverän, meisterhaft. Der Mann ist nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch ein perfekter Vorleser. Er zog die Zuhörer regelrecht in seinen Bann und in den Text hinein. Mich allemal. Die anderen offenbar auch. Wunderbar.
Henning Mankell erzählte eine Menge über das Schreiben – sein Schreiben, was mir natürlich besonders interessant war. Beispielsweise dass er oft zuerst das Ende einer Geschichte niederschreibt, weil er ein Ziel haben muss, wissen muss, wohin er eigentlich will beim Erzählen. Das, was ich gelegentlich erlebe, dass die Figuren ein Eigenleben entwickeln und mich beim Schreiben in unvorhergesehene Richtungen führen, hält er lediglich für eine – immerhin schöne – Mär, die von Autoren gerne erzählt wird.
Er brach auch eine deutliche Lanze für den langen, über mehr als 500 Seiten ausgedehnten Roman. In einer immer hektischeren und zunehmend schnelllebigen Zeit sei das für viele Leser eine Oase der Ruhe, der Verlangsamung, des Innehaltens. So etwas wie ein ruhiger Spaziergang, bei dem man Details wahrnimmt, die dem Autofahrer verborgen bleiben.
Henning Mankells Erlebnisse bei der Fahrt nach Gaza und während des anschließenden Gewahrsams in Israel kamen nur am Schluss des Abends zur Sprache. Dass dieses Thema nicht ausgespart werden konnte, war voraussehbar, denn bis zum Mittwoch war noch unklar, ob die Lesung in Berlin überhaupt stattfinden kann. Es war also ein zu 90 Prozent der Literatur und dem Schreiben gewidmeter Abend, und das war auch gut so. Ich habe davon profitiert und freue mich, dass ich dabei sein konnte. Zu verdanken habe ich das Vergnügen der besten aller Ehefrauen, die uns spontan und rechtzeitig die Eintrittskarten gekauft hatte.
Donnerstag, 3. Juni 2010
Am Ball bleiben – nicht nur beim Fußball
In den nächsten Wochen, wenn Afrika auf vielen Bildschirmen in unserem Land erscheinen wird, beginnen die Haushaltsverhandlungen für 2011 – keine leichte Aufgabe für die Regierung, insbesondere den Finanzminister.
ONE hat eine Aktion gestartet, damit trotz der angespannten Haushaltslage Deutschlands Verantwortung und unsere zurückliegenden Versprechen zugunsten der Ärmsten nicht unter den Tisch fallen. Jeder kann sich beteiligen, indem er eine (möglichst persönliche) Mail an den Bundesfinanzminister schreibt. Ein Textvorschlag steht zwar bereit, aber je individueller, desto besser.
Vielleicht sind ja auch unter meinen geschätzten Blogbesuchern einige, die sich anschließen möchten? Mehr Details beim Klick auf das Bild oder [hier].
P.S.: Mein persönlich angepasster Text sah so aus:
Sehr geehrter Herr Bundesminister Schäuble,
in wenigen Tagen schaut die ganze Welt auf Afrika, allerdings besteht Interesse wohl überwiegend am Fußball. Doch darf das bei aller Begeisterung für solche Großereignisse alles sein? Deutschland hat sein Engagement für Afrika in den vergangenen Jahren verstärkt und damit zu wichtigen Erfolgen beigetragen.
Nun hat auch unser Land mit den Folgen der Finanzkrise wohl noch eine ganze Weile umzugehen, und um Ihre Aufgabe als Bundesminister sind Sie wahrlich nicht zu beneiden. Meine Hochachtung ist Ihnen sicher für die schwierige Arbeit, die Sie bewältigen.
Angesichts der noch immer bitteren Armut in Afrika bitte ich Sie: beherzigen Sie bei den anstehenden Haushaltsverhandlungen für das Jahr 2011 auch unsere Verantwortung im Kampf gegen extreme Armut. Gerade in Krisenzeiten sollte auf uns Verlass sein.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, wünsche Ihnen weiterhin Durchsetzungsvermögen und Kraft für die Arbeit und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Günter J. Matthia
Soester Str. 21-23
12207 Berlin
Mittwoch, 2. Juni 2010
MRR zum 90sten herzliche Glückwünsche!
Vor knapp zwei Jahren zeigte er bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises seine Empörung über das ihm zugemutete Programm, indem er die Auszeichnung ablehnte. »Ich nehme den Preis nicht an«, polterte Marcel Reich-Ranicki. Selbst der Routinier Thomas Gottschalk war einige Momente sprachlos.
Heute wird der Literaturkritiker, der mit seiner Frau Tosia 1943 aus dem Warschauer Getto flüchtete und im Untergrund überlebte, 90 Jahre alt.
Am 6. Juni wird sich zeigen, wie er auf eine weitere geplante Ehrung live im Fernsehen reagiert. Bei der Veranstaltung in der Frankfurter Paulskirche wird Harald Schmidt Brecht-Lieder singen, der Publizist Henryk M. Broder und FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher wollen eine Ansprache halten - ebenso wie Thomas Gottschalk, den seit der legendären Fernsehpreis-Gala in Köln eine Freundschaft mit Reich-Ranicki verbindet..
Reich-Ranicki kann auch versöhnlich auf andere zugehen: Mit Günter Grass und Walter Jens hat er sich versöhnt. 1995 verriss Reich-Ranicki Grass' Roman »Ein weites Feld«. Der Literaturnobelpreisträger nahm ihm die Kritik persönlich übel; jahrelang herrschte Funkstille - doch schließlich sprachen sie sich aus. Den Streit mit dem Rhetorik-Professor Jens beendete Reich-Ranicki 2004. Die langjährigen Freunde hatten sich nach der Wiedervereinigung Anfang der 90er Jahre gezankt und etliche Jahre unversöhnlich gezeigt.
»Literatur ist mein Leben«, sagte Reich-Ranicki einmal. Hellmuth Karasek, der in den Jahren des »Literarischen Quartett« stets dabei war, beschrieb ihn so: »Er hat nur einen Glauben, den an die Überlebenskraft der Literatur und Kultur. Dieser Glaube ist frei von falschen Illusionen, aber er ist schön und stark.«
Ich habe Marcel Reich-Ranickis Buch »Mein Leben« viele bewegende, mitreißende und horizonterweiternde Lesestunden zu verdanken. Aufgrund seiner Kritiken - durchaus auch bei Verrissen - habe ich manch gutes Buch gefunden. Noch immer schreibt er für die FAZ seine Kolumne, auf die ich mich Woche für Woche freue. Hoffentlich bleibt es noch lange dabei.
Herzlichen Glückwunsch, Marcel Reich-Ranicki!
Dienstag, 1. Juni 2010
Nur ein Traum?
Ich träumte,
...dass meine Nachbarn meiner Familie und mir das Existenzrecht absprachen,
...dass sie von ihren Grundstücken aus auf mein Haus und in meinen Garten schossen,
...dass ich zu unserem Schutz eine Mauer um unser Grundstück errichtete,
...dass die Nachbarn darüber empört waren,
...dass aus der ganzen Stadt Menschen kamen, um die Mauer zu durchbrechen,
…dass ich ihnen zurief, ich würde mich verteidigen,
...dass ich die Leitern, mit deren Hilfe sie die Mauer überwinden wollten, umschubste,
...dass die Empörung darüber in der ganzen Stadt zu noch mehr Feindschaft führte.
Ich wachte auf und murmelte: Gott sei Dank, nur ein Traum.
Das Lied zum Dienstag
Was ändern schon ein paar Jährchen im Leben einer Rockband?
Na ja. Die Bühne ist etwas größer geworden.
Montag, 31. Mai 2010
Bundespräsident Köhler – wieder ein schäbiger Sieg der Medien?
Es ist das gleiche Muster wie leider schon so oft in den letzten Jahren. Die Medien – auf der Suche nach immer sensationelleren Skandalen, um Auflage und Werbeeinnahmen zu steigern – nehmen ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Sätze oder Äußerungen und stellen Personen an den öffentlichen Pranger, ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt der Meldungen.
Selbst nach dem Rücktritt von Bundespräsident Köhler macht beispielsweise »FOCUS« genau so weiter: »…tritt wegen Afghanistan-Äußerungen zurück« schreibt man fett über die Meldung.
Im Bericht wird die Überschrift gleich im ersten Absatz als Lüge entlarvt – aber sie springt halt so schön ins Auge. Bringt womöglich ein paar Millionen Euro auf das »FOCUS«-Konto.
Im Bericht heißt es: »Die Unterstellung, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehre jeder Rechtfertigung, sagte Köhler am Montag in Berlin. Das lasse den notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen.«
Also tritt er wegen der Afghanistan-Äußerungen zurück oder weil so manche Medienschaffenden jeglichen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vernichtet haben und auch offensichtlich kein Berufsethos mehr kennen?
»FOCUS« ist nur ein Beispiel von vielen gleich in den ersten Minuten nach Köhlers Erklärung. Die deutsche Medienlandschaft wird immer mehr zum Jammertal.
Vom Fliesenschrubben zum Hornbylesen
Nach rund drei Stunden Schrubben und Wischen und Schrubben und Wischen jedenfalls konnte ich den Lohn der Mühe erkennen. Saubere Fliesen und ziemlich saubere Fliesen. Die Fugen dazwischen sind und bleiben rustikal.