Sonntag, 9. Januar 2011
Samstag, 8. Januar 2011
Jessika – ein Verhängnis. /// Teil 6
Die bisherigen Teile:
[Teil 1] /// [Teil 2] /// [Teil 3] /// [Teil 4] /// [Teil 5]
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»Gib mir zuerst den Koffer«, sagte Johannes und streckte den Arm aus. Jessika starrte ihn entgeistert an und rührte sich nicht. »Den Koffer, gib ihn mir.«
»Wo kommst du – was machst du – wie konntest du wissen …« stotterte sie.
»Wenn du dich jetzt nicht ein wenig beeilst, Jessika, dann wird das nichts mit dem unauffälligen Verschwinden. Die beiden Schaffner suchen schon nach dir.«
Endlich konnte sie sich wieder bewegen. Sie reichte den Koffer aus dem Zug, Johannes stellte ihn ab und streckte ihr beide Arme entgegen. »Komm! Spring.«
Die Handtasche war hinderlich, aber die wollte sie ihm nicht anvertrauen. Sie ließ sich in seine Arme fallen und er setzte sie sanft ab. Dann griff er nach dem Koffer und ging ohne auf sie zu warten in Richtung Straße. Dort stand ein schwarzer Geländewagen. Sie folgte, etwas unsicheren Fußes wegen der hohen Absätze.
Johannes öffnete die Heckklappe und stellte den Koffer in das Auto, dann machte er ihr die Beifahrertüre auf und ging ohne zu warten um den Wagen herum. Als sie die Straße erreichte, saß er schon auf dem Fahrersitz, der Motor lief. Aus der Richtung der Schienen wurden Rufe laut.
Jessika stieg ein, sie fuhren los.
»Danke«, sagte sie, als der Zug hinter ihnen verschwunden war. »Ich hätte mich aber auch alleine zurecht gefunden.«
»Mit gebrochenem Knöchel? Sicher.«
»Ich wäre vorsichtig ausgestiegen.«
»Vorsichtig oder nicht, du hättest springen müssen. Auf das Schotterbett. Mit oder ohne Schuhe. Dann macht es knacks und der Knöchel ist gebrochen.«
» Es wäre nichts passiert.«
»Ach ja? Ganz sicher?«
» Das kannst du nicht wissen. Niemand weiß, was geschehen wäre, wenn etwas anderes statt dessen eingetreten ist.«
»Du meinst niemand außer dir, Jessika?«
Sie ging nicht darauf ein, sondern wiederholte nur: »Danke.«
Johannes schmunzelte und sagte: »Bitte.«
Einige Minuten später kam eine Ortschaft in Sicht. Montallese stand auf dem Schild.
»Wo sind wir eigentlich hier?«, fragte Jessika.
»Hinter uns liegt La Dogana Rossa, vor uns San Giuseppe. Wenn wir da links abbiegen, kommen wir zu einem recht hübschen See, wenn wir rechts abbiegen, führt uns die Straße zur Autobahn nach Rom. Die verläuft parallel zu dieser Landstraße.«
»Und wohin fahren wir?«
»Du wolltest doch nach Rom. Zum Flughafen. Ich kann dich da absetzen.«
Jessika schwieg. Sie mochte es überhaupt nicht, dass dieser nach wie vor rätselhafte Mann mehr über sie wusste, als er wissen konnte. Es war fast, als könne er in ihren Kopf hineinschauen. Und sie wusste nichts über ihn, das machte die Sache noch unangenehmer. Wer bist du, Johannes? Wo kommst du her? Wie werde ich dich los? Natürlich konnte sie ihn hier im Auto erschießen, sie hatte ihre Beretta in der Handtasche auf dem Schoß. Aber dann würde sie nie erfahren, was er eigentlich von ihr wollte, wie er sie gefunden hatte, nachts in Parma und nun an der Tür eines Zuges, der mitten auf der Strecke stehen geblieben war. Sie hatten Montallese verlassen und fuhren wieder mit achtzig Stundenkilometern. Wenn sie ihn erschießen wollte, dann natürlich nicht bei solcher Geschwindigkeit. An dem See, der zur linken liegen sollte, könnte die Gelegenheit sich bieten, der Flughafen war so wichtig nicht, da das schnelle Verschwinden nun sowieso misslungen war.
Sie erklärte: »Wir fahren zum See.«
Am Lago di Chiusi parkten sie bei einem kleinen Bootshafen. Es waren kaum Menschen unterwegs, die Temperaturen von rund 20 Grad verlockten niemanden zum Baden. Johannes holte aus dem Kofferraum eine große Decke, rollte sie zusammen und klemmte sie sich unter den Arm. Er verschloss den Dodge Nitro mit der Fernbedienung und sagte: »Wenn wir hier nach links gehen, kommen wir zu einer bezaubernden kleinen Lichtung direkt am Wasser.«
»Und was machen wir dort?«
»Wir unterhalten uns. Lernen uns kennen. Ich meine, dass sich das lohnen könnte.«
»Für dich oder für mich?«
»Für uns beide. Und erschießen kannst du mich ja an einer abgeschiedenen Stelle eher als hier, wo doch ein paar Menschen unterwegs sind.«
»Die Waffe ist geladen.«
»Meinst du?«
»Natürlich.«
Sie schlenderten in den Wald hinein, Jessika ging hinter Johannes her und holte die Beretta aus ihrer Handtasche. Sie entnahm das Magazin. Es war leer.
»Wie hast du das gemacht?«
»Ach Jessika, das zu erklären ist so einfach nicht. Da müsstest du zuerst einige andere Zusammenhänge begreifen. Und ob das gelingt, weiß ich noch nicht.«
Wer bist du, Johannes? Was bist du?
Er breitete die Decke aus und sie setzten sich neben einander, blickten auf den See hinaus und schwiegen eine Weile. Johannes holte eine Packung Pall Mall aus seiner Tasche, zündete zwei Zigaretten an und reichte eine Jessika.
Genau wie Bernd das immer gemacht hat. Wer bist du? Was bist du? Was willst du?
Johannes lächelte, inhalierte den Rauch und fragte dann: »Kannst du dich erinnern, an dein letztes Gespräch mit Bernd?«
»Bist du sein Bruder? Oder kanntest du ihn?«
Er antwortete nicht auf die Frage, sondern sagte: »Er hat dir vorgeworfen, dass du Menschen tötest.«
»Ja. Er sagte: Du bringst Menschen um, Jessika. Ich erklärte: Du auch. Darauf meinte er: In meinen Geschichten, ja, aber doch nicht in Wirklichkeit, nicht im echten Leben.«
Johannes sah sie aufmerksam an. Wieder erinnerten seine Augen Jessika an jemanden, aber sie konnte sich nicht besinnen, an wen. Sie rauchten schweigend. Schließlich sagte Johannes: »Du hast ihn wirklich geliebt.«
»Ich wollte ihn nicht umbringen. Aber es gab keine andere Möglichkeit. Ich muss tun, was ich tun muss.«
»Woher weißt du, was du tun musst?«
Sie warf den Zigarettenstummel ins Wasser und sagte: »Das verstehst du nicht.«
»Dann erkläre es mir.«
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Und nun sind wieder die Leser gefragt:
Anschließend... |
...erzählt Jessika, wer sie ist. Oder wer sie meint zu sein. |
...brechen sie wieder auf, das Gespräch geht nicht weiter. |
Auswertung |
Fortsetzung? Na klar. Demnächst. Ich warte wieder 5 Tage auf eine hoffentlich klare Abstimmung.
Freitag, 7. Januar 2011
Jessika – ein Verhängnis. /// Teil 5
Um die geneigten Blogbesucher nicht allzu sehr auf die Folter zu spannen und weiteren Frustrationen durch vergebliches Warten vorzubeugen geht es heute weiter. Allerdings nur mit einem recht kurzen Text, und ohne Umfrage am Ende. Die nächste Umfrage kommt dann, wenn ich wieder an einem möglichen Wendepunkt oder Scheideweg angekommen sein werde. Versprochen!
Ach ja, die vorigen Teile: [Teil 1] /// [Teil 2] /// [Teil 3] /// [Teil 4]
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Jessika nickte. Der Mann gab ihr die Tasche, den Reisepass behielt er in der Hand. Das Tohuwabohu im Wagen war noch immer im Gange, durch das Zugfenster sah sie, dass etwa 50 Meter von den Geleisen entfernt auf der linken Seite eine Straße entlangführte. Viel Verkehr herrschte dort nicht, aber gerade fuhr ein Lastwagen vorbei. Vermutlich waren ihre Chancen, unbehelligt aus der Situation zu kommen, außerhalb des Zuges größer. Auf den sowieso gefälschten Pass konnte sie getrost verzichten, nur wie sie ungehindert und möglichst unbemerkt aus der Bahn kommen sollte, war ihr noch nicht klar.
Violetta weinte nun laut, wodurch die Aufmerksamkeit der meisten Anwesenden abgelenkt wurde. Jessika ging die drei Schritte zur Tür des Wagens und probierte die Klinke, die Tür ließ sich öffnen. Sollte sie ohne ihr Gepäck den Sprung hinaus wagen? Ohne einen Bahnsteig am Zug sah die Entfernung zum Boden ziemlich beängstigend aus für jemanden, der Schuhe mit hohen Absätzen an den Füßen hatte. Außerdem war da kein Asphalt oder Beton zu sehen, sondern steil zu einem Graben abfallender Schotter. Jedes Zögern verringerte die Chancen, sich aus dem Staub zu machen erheblich. Sie überlegte, ob in ihrem Gepäck irgend welche Gegenstände oder Kleidungsstücke waren, mit denen man auf ihre Identität Rückschlüsse ziehen konnte. Sicher war das der Fall, wenn jemand auf die Idee kommen sollte, DNA-Spuren zu verfolgen, Zahnbürste, Haarbürste, getragene Wäsche... - und Fingerabdrücke sowieso. Jessika war ziemlich sicher, dass den toten Giuseppe Di Stefano niemand mit ihr in Verbindung bringen würde, aber es war eben auch nicht mit Sicherheit auszuschließen. Besser wäre es auf jeden Fall, nicht ohne den Koffer zu verschwinden.
Jemand tippte ihr auf die Schulter. Es war der Mann, der immer noch ihren Reisepass in der Hand hielt.
»Das ist zu hoch zum herausspringen. Sie brechen sich nur die Knochen«, sagte er, während er ihr das Dokument entgegenhielt.
»Ich wollte ja auch nur Luft schnappen!« Jessika schloss die Türe wieder, nahm den Pass und steckte ihn in ihre Handtasche. Einer der uniformierten Bahnbediensteten trat auf sie zu. »Signora, per favore...«
»I am sorry, I don’t understand«, unterbrach sie ihn. »And I need to get back to my seat. Feeling pretty dizzy.«
»Inglese? Mi displace...«
»I’m getting sick...« erklärte Jessika und schob sich an dem Uniformierten und den aufgeregt diskutierenden Fahrgästen vorbei, um schnurstracks den Gang hinunter zu ihrem Abteil zu gehen. Die kleine Violetta und ihre Mutter wurden gerade von dem zweiten Bahnmitarbeiter befragt. Als sie im nächsten Wagen durch den Gang eilte, blickte Jessika kurz zurück. Niemand folgte ihr. Gut. Sehr gut. Du kommst wieder mal ungeschoren davon. Voraussichtlich.
Das Abteil war leer. Sie holte ihren Koffer aus dem Gepäcknetz und ging zum nächsten Ausgang. Als sie nach der Klinke griff, wurde die Türe von außen geöffnet.
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Fortsetzung bald. Versprochen!
Mittwoch, 5. Januar 2011
5. Januar 1527: Felix Manz wird ermordet
Man nannte es Hinrichtung, damals. Ich halte es für einen feigen Mord.
Felix Manz wurde zum ersten (und leider nicht einzigen) Märtyrer der Täuferbewegung der Schweiz. Ich habe ihn und sein Leben kennen und schätzen gelernt, als ich das Buch »Feuertaufe« von Peter Hoover übersetzt habe. Die Täufer strebten, anders als die Reformatoren, nach einer vom Staat unabhängigen Kirche.
- Mehr über die Täufer und Felix Manz erfährt man hier: [Feuertaufe. Das radikale Leben der Täufer. Eine Provokation] – ein wirklich lesenswertes, einmaliges Buch.
- Einiges über Felix Manz weiß auch Wikipedia: [Felix Manz – Täufer und Märtyrer]
Montag, 3. Januar 2011
O weh - Geduld tut not!
Ja, es wird weiter gehen mit Jessika und ihrem verhängnisvollen Abenteuer. Ich habe angefangen, die Fortsetzung zu schreiben, aber die schreibt sich eben nicht selbst. Da muss ich schon die Tastatur bedienen.
Versprechen will ich nichts, aber voraussichtlich folgt noch im Lauf dieser Woche die nächste Episode. Jessika bekommt Hilfe beim Entweichen us dem Tumult im Zug. Jawohl.
Also Geduld, bitteschön. Das Warten wird demnächst belohnt.
Donnerstag, 30. Dezember 2010
Euro-English
The European Commission has just announced an agreement whereby English will be the official language of the European Union rather than German, which was the other possibility.
As part of the negotiations, the British Government conceded that English spelling had some room for improvement and has accepted a 5-year phase in plan that would become known as 'Euro-English'.
In the first year, 's' will replace the soft 'c'. Sertainly, this will make the sivil servants jump with joy. The hard 'c' will be dropped in favour of 'k'. This should klear up konfusion, and keyboards kan have one less letter.
There will be growing publik enthusiasm in the sekond year when the troublesome 'ph' will be replaced with 'f'. This will make words like fotograf 20% shorter.
In the 3rd year, publik akseptanse of the new spelling kan be expekted to reach the stage where more komplikated changes are possible.
Governments will enkourage the removal of double letters which have always ben a deterent to akurate speling.
Also, al wil agre that the horibl mes of the silent 'e' in the languag is disgrasful and it should go away.
By the 4th yer people wil be reseptiv to steps such as replasing 'th' with 'z' and 'w' with 'v'.
During ze fifz yer, ze unesesary 'o' kan be dropd from vords kontaining 'ou' and after ziz fifz yer, ve vil hav a reil sensibl riten styl.
Zer vil be no mor trubl or difikultis and evrivun vil find it ezi tu understand ech oza. Ze drem of a united urop vil finali kum tru.
Und efter ze fifz yer, ve vil al be speking German like zey vunted in ze forst plas.
(Quelle: wurde mir via E-Mail zugespielt. Gefunden in der English Lounge bei Xing.)
Mittwoch, 29. Dezember 2010
Gelesen im Jahr 2010
Im Januar habe ich begonnen, eine Liste zu führen mit den gelesenen Büchern. Ich wusste nie so recht, wie viele Bücher pro Jahr ich lese, das sollte sich 2010 ändern. Und siehe da: Es sind eine ganze Menge.
Hier nun meine Liste, das Kürzel am Schluss ist so eine Art Schulnote: + heißt 1-2; 0 heißt 3-4, – heißt 5-6. Die beiden Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe, sind in roter Schrift, die darf ich also nicht mitzählen.
Autor; Titel; Bemerkung; +/0/-
Adelaja, Sunny; Heavenly Atmosphere in the Family; a mix between 'mediocre' and 'plain wrong'; -
Adelaja, Sunny; The Whole World is Waiting for You; not all bad, but very one-sided and often inconsistent; -
Auster, Paul; Invisible; splendid!; +
Auster, Paul; The Music of Change; splendid!; +
Auster, Paul; In the Country of Last Things; splendid!; +
Baranek, Dirk u. a.; twitter - Das Leben in 140 Zeichen; unterhaltsam, lustig, kurzweilig; +
Bevins, Winfield H.; Holy Spirit; nothing new, but well written; 0
Cleland, John; The Life and Adventures of Miss Fanny Hill; a very old-fashioned scandal - boring. Didn't finish reading…; -
Crichton, Michael; Pirate Latitudes; great! - very thrilling - too bad there won't be more Crichton books; +
Crichton; Michael; A Case of Need; good book, but not very good; +
Dunsany, Lord; Fifty-One Tales; a beautyful collection of stories; +
Ehris, Wagner u. a.; Beziehungsweise leben; informativ, breitgefächert, gut lesbar; +
Goethe, Johann Wolfgang von; Die Leiden des jungen Werther; Auch beim dritten Lesen mitreißend, wunderbare Sprache; +
Gordon, Jan; Black Silk; nicely written fantasy, including tasty erotic scenes; +
Graf, Christof; Leonard Cohen: Titan der Worte; gut recherchiert, aber viele Wiederholungen, Cohen-Texte auf Deutsch ohne englisches Original; 0
Grisham, John; Ford County; splendid!; +
Grisham, John; Theodore Boone; splendid!; +
Hack, Kerstin; Die Hütte und ich; zwiespältig - locker geschrieben, aber manchmal nicht ganz nachvollziehbar; 0
Hearn, Lafcadio; Die Geisha; klassisch mittelprächtig; 0
Hemmingway, Ernest; The Complete Short Stories; mixed: good / very good / boring; +
Henoch; Das Buch Henoch; ziemlich wirres Zeug; -
Higgins Clark, Mary; Moonlight Becomes You; suspense until the last pages - very good book.; +
Hornby, Nick & others; Speaking With The Angel; very interesting mix of writers and stories. Thumbs up!; +
Hustvedt, Siri; The Blindfold; several unconnected stories or a novel? well written and entertaining; +
Jelinek, Elfriede; Lust; grauenhaft, nach 50 Seiten beiseite gelegt; -
Joyce, James; Dubliners; not bad, only sometimes too longwinding; +
Kafka, Franz; Die Verwandlung; klassisch, gut, schwacher Schluss; 0
Kafka, Franz; Das Schloß; meist gut, wenngleich gelegentlich ermüdend - kein Schluss; 0
King, Stephen; Cell; second reading was as thrilling as first. great book!; +
King, Stephen; UR; splendid!; +
King, Stephen; The Eyes of the Dragon; different - but very good, excellent entertainment; +
King, Stephen; Blockade Billy; noone else can tell a tale like this. Great!; +
King, Stephen; Full Dark, No Stars; more than splendid. excellent!; +
Lenzen, Christof; Lass dich fallen und flieg!; wohltuend anders als erwartet. Daumen hoch!; +
Löhr, Robert; Das Hamlet-Komplott; nicht so brillant wie das Erlkönig Manöver, aber unterhaltsam.; +
London, Jack; When God Laughs & Other Stories; a swell classic - entertaining and well written; +
Mankell, Henning; Der Feind im Schatten; großartiger Roman, würdiger Abschluss der Wallander-Reihe; +
Mann, Klaus; Speed - Erzählungen aus dem Exil; amüsant, nachdenklich, albern und ernsthaft. Prima Lektüre; +
Mann, Thomas; Der Tod in Venedig; klassisch und immer wieder gut; +
McDermid, Val; A Darker Domain; very british, thrilling, surprise ending; +
Patterson, James; Cross; a real thrilling thriller; +
Poe, Edgar Alan; Tales of the Grotesque and Arabesque; classic mix: good / very good / sometimes boring; +
Rath, Hans; Man tut, was man kann; unbeschwerte Ferienlektüre, gut erzählt und unterhaltsam; +
Sarrazin, Tilo; Deutschland schafft sich ab; sehr gut recherchiert, interessant geschrieben. Guter Weckruf.; +
Small Stories; Uncollected Stories; entertaining in a mediocre way, that's all; 0
Stephens, James; Irish Fairy Tales; outdated somehow. gets boring now and then, sometimes very good.; 0
Stephens, S.C.; Thoughtless; not good, not bad, just mediocre.; 0
Storm, Hans Theodor; Der Schimmelreiter; auch nach Jahrzehnten wieder eine spannende Erzählung; +
Suter, Martin; Lila, Lila; locker-leichte Lektüre mit Spaß und Spannung; +
Suter, Martin; Der Koch; unterhaltsam, überraschend und gut erzählt; +
Twain, Mark; The $30.000 Bequest & other short stories; entertaining and often funny, pleasant reading; +
Walser, Martin; Mein Jenseits; wunderbare Lektüre, beeindruckende Literatur; +
Walter, Roland; Streiflichter; interessante Einblicke in ein Leben mit Behinderung; +
Wolf, Christa; Stadt der Engel oder The overcoat of Dr. Freud; wesentlich interessanter als erwartet, großartiges Buch.; +
Demnach habe ich (ohne die beiden vor dem Ende beiseite gelegten) 52 Bücher gelesen, immerhin. Das beste Buch war für mich Full Dark, No Stars, dicht gefolgt von Stadt der Engel und Ford County. Ich bin gespannt, wie viele es 2011 werden.
Dienstag, 28. Dezember 2010
Jessika – ein Verhängnis /// Teil 4
Zunächst, die regelmäßigen Besucher dieses Blogs erwarten das bereits, der Hinweis auf die vorangegangenen Folgen dieser Erzählung: [Teil 1] /// [Teil 2] /// [Teil 3]
Die geschätzten Leser haben mal wieder mit ihrer Abstimmung für einen Fortgang gesorgt, den ich nicht beabsichtigt hatte. Ich wollte Jessika so schnell wie möglich in Berlin haben. Aber gut – Spielregeln sind nun mal Spielregeln. Und was nun im Zug passiert, damit Jessika nicht einfach so abfliegen kann, gefällt mir sogar recht gut. Bittesehr:
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Im Abteil, Jessika gegenüber, saß eine Familie, Vater, Mutter, Tochter. Das Mädchen mochte fünf Jahre alt sein. Sie war zappelig, ungeduldig, typisch Kind eben. Stillsitzen war ihr fremd und unangenehm.
Die Eltern waren bemüht, die kleine Violetta im Zaum zu halten. Das gestaltete sich jedoch ziemlich schwierig. Sie ließ sich nur wenige Minuten bändigen, sei es mit Süßigkeiten, sei es mit Comic-Heften oder Versprechungen, was sie alles bekommen und erleben würde, wenn sie nur obediente und buona wäre. »Che palle!«, rief Violetta, als ihr gutmütiger Vater ihr zum dritten mal das gleiche Mickey-Mouse-Heft vorlesen wollte. Sie forderte vehement, dass andare a passeggio eine gute Idee wäre, und zwar zur Spitze des Zuges, dann bis zum Ende und dann vielleicht auch zurück zum Abteil.
Jessika versuchte, zu lesen. Das Buch, Therapie von Sebastian Fitzek, war spannend genug, um es nicht aus der Hand legen zu wollen Das Quengeln und Jammern jedoch machte es unmöglich, sich zu konzentrieren. Schließlich sprach sie die kleine Violetta an: »Ti va di venire a la locomotiva?«
Wie dankbar doch beide Eltern aufatmeten, dass die Mitreisende keine Beschwerden vorbrachte, sondern sogar bereit war, das Kind einige Minuten abzulenken. Sie hatten Jessika bereits mehrfach wortreich erklärt, dass der Vater kaum laufen konnte, er habe sich bei einem incidente eine Verletzung der Wirbelsäule zugezogen, die zwar heilen würde, aber das brauche seine Zeit. Sein linker Fuß sei nahezu gefühllos. Die Familie war auf dem Weg nach Rom, um dort ein Fahrzeug mit automatischem Getriebe abzuholen, damit der Verletzte wieder Auto fahren konnte. Sie lebten auf einem kleinen Dorf bei Parma, es gab dort weder Bus noch Bahn, so dass der Vater nicht zur Arbeit kommen konnte. Er hatte – grazie a Dio! – einen Bürojob, aber zur Arbeit und zurück musste er eben irgendwie fahren können.
Jessika nahm nun die begeisterte Violetta an die Hand und machte sich mit ihr auf den Weg durch den Zug nach vorne. Die Wagen waren gut besetzt, einige Fahrgäste standen im Gang an den Fenstern und genossen den Fahrtwind, der hereinströmte. Bei den modernen Zügen konnte man ja keine Fenster mehr öffnen und war auf Gedeih und Verderb der Klimaanlage ausgeliefert, aber dieser Zug bestand noch aus den guten alten Abteilwagen, die Fenster konnten herunter geschoben werden. An der Zugspitze angekommen öffnete Jessika ein Fenster und streckte den Kopf hinaus, um festzustellen, ob die Lokomotive sichtbar war. Dann nahm sie die kleine Violetta auf den Arm und ließ sie hinausschauen. Begeistert schilderte das Mädchen den Anblick, der sich ihr bot, vergnügt ließ sie sich die Haare ordentlich durchpusten. Sie lehnte sich immer weiter hinaus, schließlich zog Jessika sie wieder herein und schloss das Fenster.
Violetta protestierte, aber Jessika konnte sie davon überzeugen, dass auch der Ausblick am Ende des Zuges interessant sein musste. Man könne dort die Schienen in der Ferne verschwinden sehen, es würde sich so anfühlen, als fliege man durch die Landschaft. Sie spazierten durch die Gänge und am Ende des letzten Waggons waren ovale Fenster, durch die man eine gute Aussicht hatte. Eine Weile betrachteten sie das in der Sonne glitzernde Band der silbernen Schienen, die vorbeiflitzenden Masten der Stromleitung, die Momentaufnahmen von Dörfern und Feldern.
Zurück im Abteil erzählte das Mädchen seinen Eltern begeistert, was alles zu sehen gewesen war auf dem Ausflug. Jessika lehnte sich in ihren Sitz und schloss die Augen, um ein wenig auszuruhen. Viel Schlaf hatte sie in letzter Zeit nicht gefunden.
Als sie etwa 20 Minuten später wieder aufwachte, war es still im Abteil. Die beiden Eltern schlummerten, Violetta war nicht zu sehen. Vermutlich war sie zur Toilette gegangen. Jessika nahm ihr Buch zur Hand und wollte weiterlesen, aber es gelang ihr nicht. Das Kind ist in Gefahr. Du musst nachsehen. Du musst JETZT nachsehen.
Sie stand auf, nahm ihre Handtasche mit und öffnete die Schiebetür des Abteils. Der Gang in ihrem Waggon war leer. Jessika schloss die Türe hinter sich und ging nach vorne zur nächsten Toilette. Die war leer. Keine Spur von Violetta. Sollte sie die Eltern wecken und fragen, wo das Mädchen war? Womöglich unnötige Aufregung verursachen?
Du hast nicht mehr viel Zeit. Du kannst ein Leben retten, statt eines zu nehmen. »Das ist nicht meine Art«, murmelte Jessika, aber sie machte sich auf den Weg nach vorne zur Zugspitze. Sie wusste nicht, was sie erwartete, aber immerhin hatte sie ihre Beretta bei sich. Als sie im vordersten Wagen ankam, sah sie die untere Hälfte von Violetta. Das Kind hatte es irgendwie geschafft, sich am Fenster hochzuziehen und hing mit dem Oberkörper im Freien, die Beine baumelten ohne festen Halt in den Gang. Jessika eilte nach vorne. Eine Frau kam aus einem Abteil, sah das Mädchen und begann zu kreischen. »Mama mia! Aiuto!«
Jessika stürmte an ihr vorbei, ließ die Handtasche fallen und griff nach den Beinen des Kindes, die gerade auf dem Weg nach draußen waren. Vermutlich durch das Geschrei erschreckt hatte Violetta die prekäre Balance verloren und drohte, aus dem Fenster zu fallen. Jessika hielt die Beine fest, aber es war ihr nicht möglich, den Körper wieder in den Zug zu ziehen, der Winkel zum Fenster war zu hoch. Jessika spürte, dass ihre Hände auf der nackten Haut der Beine keinen festen Halt fanden. Das Kind rutschte ihr davon, Violettas Kopf prallte von außen gegen die Scheibe.
Zwei kräftige Männerarme erschienen neben ihr, die Hände griffen um die Hüften des Kindes und gemeinsam mit Jessikas Anstrengung zogen sie das Kind wieder in den Wagen. Die hysterische Frau schrie immer noch, der Gang hatte sich mit Menschen gefüllt. Irgend jemand kam auf die glorreiche Idee, die Notbremse zu ziehen, als das Mädchen schon wieder im Wagen war. Die Bremsen griffen, der Zug wurde abrupt abgebremst, so stark, dass Jessika, die Violetta fest in den Armen hielt, das Gleichgewicht verlor und im Gang hinfiel. Der Mann, der zu Hilfe geeilt war, stürzte ebenfalls und kam neben den beiden zum Liegen.
Es herrschte ein ziemliches Durcheinander, als der Zug zum Stehen kam. Stimmen riefen dieses oder jenes, in den Abteilen waren Gepäckstücke aus den Netzen gefallen, Jessika hielt das schluchzende Mädchen fest an sich gepresst und blieb noch einen Moment liegen. Der Mann neben ihnen rappelte sich auf und reichte Jessika die Hand, um ihr auf die Beine zu helfen.
»Bravo, bravissimo«, sagte er, »ultimo secondo!«
Jessika hatte sich wieder unter Kontrolle. Alles was sie in diesem Zug wollte, war unauffällig zu verschwinden. Nun stand sie im Mittelpunkt einer aufgeregten Menschenmenge, ein an der Stirn blutendes fremdes Mädchen schmiegte sich verängstigt an sie und der Zug stand still, was dazu führen würde, dass die Zugbegleiter und damit die Behörden sich der Sache annehmen würden.
Das hast du nun davon, dich einzumischen, du steckst ziemlich in der Scheiße, Jessilein. Aber sie hatte eigentlich keine Wahl gehabt. So wenig wie das Beenden diverser Leben war dieses Retten eines jungen Lebens etwas, was sie sich ausgesucht hatte. Fein gemacht, Jessilein. Wie kommst du jetzt raus aus der Zwickmühle?
Sie sah sich nach ihrer Handtasche um. Die war durch die Vollbremsung des Zuges einige Meter nach vorne gerutscht. Und sie war offen. Die Beretta war halb herausgerutscht, ihr deutscher Reisepass lag daneben, ein Lippenstift war noch ein Stück weiter gekullert. Gerade bückte sich der Held, der Violetta mit ihr zusammen in den Zug zurück gezogen hatte, nach der Handtasche. Er betrachtete die Waffe, zuckte mit den Schultern, schob sie in die Tasche zurück, sammelte den Lippenstift auf, ließ ihn in die Tasche fallen und behielt den Reisepass in der Hand. Er schaute Jessika an: »Gehört das Ihnen?« fragte er.
Zwei uniformierte Bahnbedienstete kamen in den Wagen und wollten wissen, wer die Notbremse gezogen hatte. Hinter ihnen erschien Violettas Mutter, bleich und mit ängstlichen Augen. Als sie ihr blutendes Kind sah, schrie sie auf und stürmte durch den Gang. Sie riss ihre Tochter an sich und der Mann fragte Jessika erneut: »Gehört das Ihnen?«
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So, liebe Leser. Was nun? Ich könnte ja jetzt verraten, wie ich mir den Fortgang wünsche, aber ich enthalte mich jeden Kommentares und ersuche die geschätzten Blogbesucher um deren Meinung. Die ABstimmung läuft bis zum 2. Januar, dann sehe ich bestimmt anhand der Ergebnisse, wie ihr euch die Fortsetzung vorstellt.
Kommt Jessika ohne Komplikationen aus dem Tumult heraus? |
Ja, sie kann entwischen. |
Nein, sie wird als Heldin gefeiert. |
Ja, aber nur mit fremder Hilfe. |
Auswertung |
Montag, 27. Dezember 2010
Na gut. Dann eben...
...nicht nach Berlin. Es sieht so aus, als wollten die treuen Leser Jessika einstweilen in Italien aufhalten. Ich werde morgen noch mal nach der Abstimmung schauen, aber ich vermute, es wird dabei bleiben. Demnach muss ich mal wieder Streetview bemühen und mir ein paar mögliche Schauplätze in Rom oder andernorts anschauen.
Ich habe schon so eine Idee, was passieren könnte. Vielleicht komme ich im Laufe der Urlaubswoche dazu, weiter zu schreiben.