... wird es Rettung geben. -Söhne Mannheims
Dieser Blog hat die magische Zahl bereits überschritten:
Was nun?
... wird es Rettung geben. -Söhne Mannheims
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Was nun?
Betrübt beäugte bekannter Berliner Blogger bescheidene Besucherzahlen beim Betrachten blogstatistischer Berichte. Besserung bringen bekanntlich bildschöne Beschreibungen brutaler Bluttaten, beflügeln Begeisterungsstürme bei Blogbesuchern, bescheren Bloggern besondere Beliebtheit. Beispielhaft berichtet besagter Bloginhaber beflissen bezüglich Barbara, Berthold, Bohuslav, Bedja besonders Bestürzendes:
Berthold, beruflich Betriebsrat beim Bankhaus, besonders beliebt bei blonden Beamtinnen, brünetten Bäckereigehilfinnen, braungelockten Bardamen, bildungsfernen Büromädchen, berichtet betreten, blickt beiseite, blasshäutig, bleichgesichtig; bitter brennt Beschämung beim Beichten: Brodelnde Begierde bedingte Betrug. Betrunkenheit bei blödsinnigem Brauchtum brach brachialem Benehmen Bahn, beflügelte Beischlaf beiläufig beim Beisammensein bierseliger Burschen, barbusiger Barmädchen.
Bei Bertholds Bekenntnis befällt Barbara Betrübnis, Bitterkeit - bauchschmerzende Beschwerden beginnen, bedingen beängstigende Benommenheit. Baldiges brüskiertes Bewusstwerden beim Beichtehören: bin betrogen! bin beschmutzt! Betroffenheit beschwert Barbaras Blick; Berthold betrog, Berthold belog. Brautstrauß, Brautkleid bereits bereitgelegt - bitteres Begreifen: beendigte Beziehung, belustigte Bürokolleginnen, beschwipster Berthold bald bei beliebigen breitbeinig bereitliegenden Bettgenossinen brünstig ...
Barbaras Blick bedrohlich bewölkt. Berthold beobachtet besorgt, bauchpinselt Barbara, beteuert Besserung, berührt behutsam Barbaras Becken, befummelt Brüste, brummelt Beschwichtigendes, braucht bedingungslose Begattungsbereitschaft.
Barbara, betrogene Braut, bilanziert bewusst Bertholds beherrschungslose Bosheit, beschließt beherzt: Berthold braucht bleibende Bestrafung.
Blut bildet bizarre Blasen, behende benutzt Barbara beide Behelfswaffen: Blechschere, Baumeißel. Bertholds Bauch bricht breitwundig, besessen bearbeitet Barbara Bauch, Beine, Becken, Blechschere beißt blutglitschig, Baumeißel bricht Breschen.
Bertholds Beißen, Brüllen, Beintreten bleibt buchstäblich belanglos.
Blindgeweint beendet Barbara, bleiern benommen, beelezebubischen Blutrausch. Berthold, bewusstlos, bleibt blutüberstömt beim Bett.
Bitteschön, Berthold: Bist beeindruckend breitgeschlagen; breiiger Bauch, Beinbrüche, Beckenfraktur, blutentleertes Begattungsorgan bleibt bestimmt bewegungslos, besamungsunfähig. Bist bald beerdigt, Berthold!
Bitteschön, Barbara: Bildschöne Braut, bleibst bemitleidenswert beischlaflos, brauchst beruhigenden Baldrian, besuchst beruflicherweise Budweis, betrittst beschauliche Bäckerei, betörst bilingual Bohuslav, begünstigst Begehren, bist bald bettfertig, Bohuslavs Begierde brennt, Beckenbewegungen beginnen, brodelndes Begehren, besinnungsloses Befühlen besonders berührungshungriger Bereiche ...
Bohuslav, bodenständiger Bäcker, bereut bald bitterlich, beschließt beschämt Beichte bei Bedja, Bohuslavs Braut. Bedja begreift bestürzt bei Bräutigams bedrücktem Bericht: bin betrogen! bin beschmutzt!
Bastard! Bedjas Brotmesser blitzt, Blut bespritzt beide, Bohuslavs Blick bricht.
Bedja beschließt Beseitigung beider Betrüger, beobachtet, beschattet Barbara, Beretta bereit. Baumstämme beim Bahnhofsparkplatz bieten Blickschutz, Bedja bezwingt beginnende Befangenheit bezüglich bevorstehender Bluttat, betätigt blitzschnell Beretta: Bumm!
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War es Martin Luther mit seinem Postulat sola scriptura? Oder reicht die Geschichte dieser Interpretation schon weiter zurück? Wo auch immer der Ursprung liegen mag, ich kann mich mit der Synonymisierung von »Bibel« und »Wort Gottes« nicht anfreunden.
Wenn der Psalmdichter schreibt: »Dein Wort ist meines Fußes Leuchte«, dann hat er mit Sicherheit kein Buch im Sinn, das käuflich zu erwerben und als in sich abgeschlossen betrachtet wird. Wenn Paulus die Gemeinden ermahnt, beim oder im Wort Gottes zu bleiben, dann kann nicht die Rede davon sein, dass sein Brief dazugehört. Er schreibt zwar als Beauftragter Gottes, erteilt auch konkrete Anweisungen in der ihm verliehenen Weisheit, aber seine Zeilen sind für ihn nicht gleichzusetzen mit dem lebendigen oder geoffenbarten Wort Gottes.
Nun möge der geschätzte Leser dies nicht missverstehen. Ich finde es lehrreich und gut, die Bibel zu lesen, lese sie selbst gerne und aufmerksam. Ich kann mich aber der Lehre nicht anschließen, die sinngemäß so aussieht: Irgendwann in der Geschichte hat Gott genug davon gehabt, zu reden. Er beschloss, ein Buch zusammenstellen zu lassen, in dem alles steht, was der Gläubige wissen muss.
Diejenigen, die »Wort Gottes« mit dem gleichstellen, was gedruckt (oder elektronisch gespeichert) in zahlreichen Übersetzungen und Variationen als »Heilige Schrift« vorliegt, die unbedingte Treue zum Buchstaben dieses Buches für richtig und notwendig halten, berauben Gott der Möglichkeit, dass sein Wort auch heute noch lebendig sein, dass er auch heute noch etwas zu sagen haben könnte. Er darf nur noch durch die Zeilen sprechen, die uns vorliegen. Die werden dann, so die »bibeltreuen« Lehren, im Herzen des Lesers lebendig.
Was beziehungsweise wer nennt sich nicht alles biblisch und bibeltreu, ohne wirklich ernst zu nehmen, was geschrieben steht. Ein Beispiel? Bitteschön:
»Und wenn einem Mann der Samenerguss entgeht, dann soll er sein ganzes Fleisch im Wasser baden, und er wird bis zum Abend unrein sein. Und jedes Kleid und jedes Fell, worauf der Samenerguss kommt, soll im Wasser gewaschen werden, und es wird bis zum Abend unrein sein. … Und wenn ein Weib ihres Leibes Blutfluss hat, die soll sieben Tage unrein geachtet werden; wer sie anrührt, der wird unrein sein bis auf den Abend.«
Hand aufs Herz. Wann hast du zum letzten Mal den ganzen Körper gebadet und die Bettwäsche mit Wasser gewaschen und dich selbst für unrein erachtet (also dem Kollegen nicht die Hand zum Gruß gereicht), weil du ejakuliert hast? Oder, falls du eine Frau bist: Meidest du während und mindestens eine Woche nach der Monatsblutung jede Berührung eines Menschen, weil du denjenigen ja verunreinigen würdest? Oder gibst du trotz deiner Menstruation dem Nachbarn die Hand? Immerhin ist dies, dem biblischen Bericht zufolge, ganz ausdrücklich Wort Gottes, denn wir lesen als Einleitung: »Und der HERR redete mit Mose und Aaron und sprach: ...« Auch »bibeltreue« Christen sortieren offensichtlich das Wort Gottes nach Wichtigkeit für ihre Lebensgestaltung.
Nun wird der eine und die andere mich zurechtweisen: Das ist Altes Testament, das gilt nicht mehr. Wir leben im Neuen Bund, sind gerechtfertigt durch das Opfer Jesu Christi.
Damit bin ich völlig einverstanden. Ich halte mich ja selbst nicht an die beiden obigen oder die anderen der 613 Vorschriften, Regeln und Verbote, die im von Gott diktierten Gesetz, das in der Bibel als ewig und unveränderlich beschrieben wird, nachzulesen sind. Ich halte mich vielmehr an das, was das Konzil in Jerusalem abweichend vom Gesetz beschlossen hat, als es um genau diese Frage ging: Welche Gesetze, Vorschriften und Regeln gelten im Neuen Bund, für die »Heidenchristen«, also für die Gläubigen, die keine Juden sind? Der Beschluss war kurz, knapp und eindeutig: » ... dass ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von der Hurerei; so ihr euch vor diesem bewahrt, tut ihr recht. Gehabt euch wohl.« Paulus weicht das übrigens später seiner Gemeinde in Korinth gegenüber auf: »Alles, was feil ist auf dem Fleischmarkt, das esset, und forschet nicht, auf dass ihr das Gewissen verschonet.« Anders ausgedrückt: Was du nicht weißt macht dich nicht heiß/sündig. Also schau lieber nicht so genau hin.
Die Bibel enthält Berichte über das, was Menschen mit Gott erlebt, was sie über ihn gedacht, welche Schlüsse sie für das Leben daraus gezogen haben. Sie enthält gute und wichtige Hinweise für das Zusammenleben, den Umgang mit unseren Mitmenschen und unser Verhältnis zu Gott. Sie kann uns trösten, ermahnen, unseren Blick zurechtrücken; genauso wie sie uns irritieren und, falls wir sie wörtlich nehmen, auf schiefe Wege leiten kann. Oder hält jemand die Anweisung, sich ein Auge auszureißen oder eine Hand abzuhacken wirklich und ehrlich für einen gangbaren Weg, mit der Versuchung umzugehen? Das ist übrigens Neues Testament.
»Wort Gottes« ist für mich nicht das, was irgendwann irgendwo nach langer mündlicher Überlieferung niedergeschrieben und schließlich mehr oder weniger akkurat in mir verständliche Worte übersetzt worden ist. Die Bibel enthält zweifellos auch Wort Gottes - für spezielle Personen in bestimmten historischen Situationen genauso wie allgemein gültige Aussagen, aber der Gleichsetzung Bibel = Wort Gottes kann ich mich - schon wegen der oft widersprüchlichen Anweisungen und Berichte - nicht anschließen. Der Gott, an den ich glaube, kann auch heute noch reden. Durch Menschen, durch seine Stimme in meinem Inneren und durch vieles mehr. Er lässt sich nicht in die Seiten eines Buches einsperren, so gut und wertvoll dieses Buch auch ist.
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Eine Lektion in English for Runaways (Englisch für Fürtgeschrittene):
Well, it's shit ... that's right, shit! Shit may just be the most functional word in the English language:
- You can smoke shit, buy shit, sell shit, lose shit, find shit, forget shit, and tell others to eat shit.
- Some people know their shit, while others can't tell the difference between shit and shineola.
- There are lucky shits, dumb shits, and crazy shits. There is bull shit, horse shit, and chicken shit.
- You can throw shit, sling shit, catch shit, shoot the shit, or duck when the shit hits the fan.
- You can give a shit or serve shit on a shingle.
- You can find yourself in deep shit or be happier than a pig in shit.
- Some days are colder than shit, some days are hotter than shit, and some days are just plain shitty.
- Some music sounds like shit, things can look like shit, and there are times when you feel like shit.
- You can have too much shit, not enough shit, the right shit, the wrong shit or a lot of weird shit.
- You can carry shit, have a mountain of shit, or find yourself up shit creek without a paddle.
- Sometimes everything you touch turns to shit and other times you fall in a bucket of shit and come out smelling like a rose.
When you stop to consider all the facts, it's the basic building block of the English language.
And remember once you know your shit, you don't need to know anything else!
You could pass this along, if you give a shit; or not do so if you don't give a shit. Well, Shit, it's time for me to go. Just wanted you to know that I do give a shit and hope you had a nice day, without a bunch of shit. But, if you happened to catch a load of shit from some shit-head... Well, Shit Happens!
Quelle? Na klar: [Klickstehier]
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Viele beklagen sich, dass die Worte der Weisen immer wieder nur Gleichnisse seien, aber unverwendbar im täglichen Leben, und nur dieses allein haben wir. Wenn der Weise sagt: »Gehe hinüber«, so meint er nicht, dass man auf die andere Seite hinübergehen solle, was man immerhin noch leisten könnte, wenn das Ergebnis des Weges wert wäre, sondern er meint irgendein sagenhaftes Drüben, etwas, das wir nicht kennen, das auch von ihm nicht näher zu bezeichnen ist und das uns also hier gar nichts helfen kann. Alle diese Gleichnisse wollen eigentlich nur sagen, dass das Unfassbare unfassbar ist, und das haben wir gewusst. Aber das, womit wir uns jeden Tag abmühen, sind andere Dinge.
Darauf sagte einer: »Warum wehrt ihr euch? Würdet ihr den Gleichnissen folgen, dann wäret ihr selbst Gleichnisse geworden und damit schon der täglichen Mühe frei.«
Ein anderer sagte: »Ich wette, dass auch das ein Gleichnis ist.«
Der erste sagte: »Du hast gewonnen.«
Der zweite sagte: »Aber leider nur im Gleichnis.«
Der erste sagte: »Nein, in Wirklichkeit; im Gleichnis hast du verloren.«
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Falls jemand das Bedürfnis verspürt, nachzulesen, was bisher geschah: Die vorigen Teile: [Teil 1] [Teil 2] [Teil 3] [Teil 4] [Teil 5]
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Seine Mission war damit nicht erfüllt, Johannes predigte und taufte auch nach dieser denkwürdigen Begegnung weiter. Er nannte Unrecht beim Namen und scheute auch nicht davor zurück, öffentlich den Landesfürst Herodes zu kritisieren. Dieser Mann, das hatten wir schon festgehalten, regierte nicht souverän; natürlich hatten die Römer das Sagen. Er genoss aber seinen Status und seine begrenzte Macht und fand auch nichts dabei, mit der Frau seines Bruders ein erotisches Verhältnis zu pflegen. Deswegen und wegen alles Bösen, das er sonst noch getan hatte, wurde er von Johannes öffentlich gescholten. Herodes zögerte nicht lange, er warf Johannes ins Gefängnis.
Während Johannes im Gefängnis ausharren musste, wurde Jesus immer bekannter im Land. Seine Wunder waren überall Gesprächsstoff. Wenn es hieß, dass er an einem bestimmten Ort sei, strömten die Menschen dorthin und brachten ihre Kranken mit, damit diese geheilt würden, und je mehr Wunder geschahen, desto stärker wurde der Zulauf.
Johannes rechnete damit, dass der Messias, über den er selbst dem Volk gesagte hatte, dass »in seiner Hand die Worfschaufel sei, dass er die Spreu mit unauslöschlichem Feuer verbrennen würde«, in absehbarer Zeit mit seinem öffentlichen Wirken beginnen würde. Feuer vom Himmel sollte auf die Unterdrücker und die renitenten Sünder fallen, das Volk würde wieder in einem freien Königreich leben. Das seltsame Ereignis bei der Taufe des Messias bestärkte Johannes in dieser Annahme. Eine Stimme vom Himmel, eine Taube, die keine Taube war … so etwas geschah nicht alle Tage.
Doch nun saß Johannes im Gefängnis, seine Jünger berichteten ihm über alles, was sie von Jesus hörten, und wir können uns vorstellen, welche Fragen und Zweifel den Täufer umtrieben. Er hatte der Volksmenge diesen Jesus angekündigt: »Er wird seine Tenne fegen …« - aber statt irgendwen mit Feuer zu verbrennen, statt die Spreu nun endlich vom Weizen zu trennen und Gericht zu halten, tat der Messias dem Vernehmen nach allen nur Gutes, allen Menschen, ohne Unterschiede. Statt Sünder zu bestrafen, vergab er ihnen ihre Schuld, war überhaupt häufig in zweifelhafter Gesellschaft anzutreffen. Er ließ sogar eherne Gesetze außer Acht, zum Beispiel wenn es darum ging, am heiligen Ruhetag einen Kranken zu heilen. Johannes als Sohn eines frommen und untadeligen Priesters hatte damit erhebliche Probleme, denn wie sollte jemand den Thron Davids wieder aufrichten, der die ewigen Gesetze des Bundes seines Volkes mit Gott missachtete?
Johannes grübelte und zweifelte und rätselte, schließlich rief er zwei seiner Jünger herbei und sandte sie zu Jesus. Sie sollten ihm eine simple Frage stellen: »Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?«
Es war nicht schwer, Jesus zu finden, und die beiden Boten sprachen ihn an: »Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt und lässt dir sagen: Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?«
Eine klare Antwort, ein Ja oder ein Nein, erhielten sie nicht. Jesus heilte auch an diesem Tag viele Menschen von Krankheiten und Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht. Nun hatten die beiden Boten des Johannes das mit eigenen Augen gesehen, konnten sich davon überzeugen, dass keine Übertreibung in dem zu finden war, was man sich landauf, landab erzählte.
Jesus antwortete jedenfalls nicht auf ihre simple Frage, sondern sagte: »Geht hin und verkündet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird gute Botschaft verkündigt! Und glückselig ist, wer sich nicht von mir abwendet, weil er Anstoß daran nimmt.«
Was mag Johannes gedacht haben, als er den Bericht seiner beiden Jünger im Gefängnis hörte? Er hatte ja seine beiden Boten geschickt, weil er das, was er über Jesus hörte und das, was er selbst über den Messias gesagt hatte, nicht in Einklang bringen konnte. Das passte nicht zusammen. Deshalb hatte er eine klare Frage gestellt – und keine klare Antwort bekommen. Natürlich deutete das »glückselig ist, wer sich nicht von mir abwendet« an, dass man nicht auf einen anderen Messias warten sollte, und vielleicht reichte das ja auch, um Johannes von seinen Fragen und Zweifeln zu befreien?
Wir wissen nicht, wie und ob Johannes mit der Botschaft zurecht kam. Fand er Trost in dem Wissen, dass seine Bußpredigten und –taufen für mehr Menschlichkeit, mehr Gerechtigkeit gesorgt hatten? Hoffte er auf Entlassung, um seinen Verwandten Jesus selbst aufsuchen und über all die offenen Fragen mit ihm reden zu können? Oder gab er sich mit seinem Schicksal zufrieden? Jedenfalls kam es für ihn zu keiner Befreiung aus dem Gefängnis. Herodes ließ den Täufer hinrichten.
Jesus wirkte weiter und wurde immer bekannter. Die Menschenmassen, die zu ihm strömten, waren größer als die, die zur Taufe des Johannes im Jordan gepilgert waren.
Das erregte auch die Aufmerksamkeit der Obrigkeiten. Herodes hörte alles, was rings um Jesus vor sich ging. Er geriet in Verlegenheit, weil von einigen gesagt wurde, dass Johannes aus den Toten auferweckt worden sei; von einigen aber, dass Elia erschienen, von anderen aber, dass einer der alten Propheten auferstanden sei. Auf jeden Fall gab es keinen Zweifel, dass dieser Jesus kein Mensch wie alle anderen war. Herodes murmelte vor sich hin: »Johannes habe ich enthauptet. Wer aber ist dieser, von dem ich solches höre?« Er wünschte sich, ihn zu sehen – zu ihm hinauspilgern wollte er jedoch lieber nicht.
Es sollte noch eine Weile dauern, bis die Begegnung stattfinden würde.
Vor vielen Jahren hatte ein Engel zu einem alten Priester im Tempel gesagt: »Dein Sohn wird wie damals Elia mit bemerkenswerter Kraft und im Geist Gottes wirken. Die Kinder und die Eltern wird er miteinander versöhnen, den Ungläubigen wird er aufschließen können, wie klug die Gerechtigkeit Gottes ist. Er wird das ganze Volk vorbereiten.«
Hatte sich diese Voraussage erfüllt? Einige meinten, da sei etwas schief gegangen, andere sprachen davon, dass Johannes genau das getan habe. Jedoch: dass das Volk von dem Messias zunächst begeistert war, weil er so viel Gutes tat und weil er Sünden vergab, ohne zuerst teure und langwierige Opfer zu fordern – bedurfte das der Vorbereitung durch einen Täufer, der Buße und Gericht verkündete? Dass das Volk schließlich seinen Messias verwerfen und vom römischen Statthalter »kreuzige ihn!« fordern würde, war das ein Symptom misslungener Vorbereitung? Und sein schmähliches Ende im Kerker … war das unumgänglich?
Es gäbe vielleicht noch so manches zu erzählen, aus anderen Quellen zu schöpfen, von Kamelhaaren und Heuschrecken könnte man berichten, aber was Johannes betrifft, sind dies die Dinge, die von einem der Menschen, die damals, in jener anderen Zeit und in jenem anderen Land, gelebt haben, aufgeschrieben wurden. Dieser Chronist hieß Lukas, er hat für seinen Freund Theophilus einen zweiteiligen Bericht verfasst, in dem Johannes allerdings weit weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde als seinem Verwandten Jesus und dann dessen Nachfolgern und ihrem Wirken.
Lukas hat dann über Johannes nur noch angemerkt, dass viele Jahre später ein gewisser Paulus, der Jesus nachfolgte, in der Stadt Ephesus, also recht weit weg vom Ort des Geschehens das wir hier betrachtet haben, auf eine Gruppe von Jüngern des Johannes traf. Paulus fragte sie: »Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid?«
Sie antworteten etwas ratlos: »Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist überhaupt da ist.«
Paulus fragte zurück: »Worauf seid ihr denn getauft worden?«
Die Antwort war: »Auf die Taufe des Johannes.«
Wir entnehmen diesem kurzen Dialog, dass nach der Hinrichtung des Täufers offenbar einige seiner Jünger den Dienst fortgeführt hatten, vermutlich mit der gleichen Botschaft verbunden, dass der Mensch seinen Nächsten nicht nur lieben, sondern ihm auch durch die Tat behilflich sein sollte, dass die Ankunft eines Messias kurz bevor stand, der würde dann ja bekanntlich mit Geist und Feuer taufen und mit der Worfschaufel endlich für Ordnung sorgen.
Paulus erklärte diesen Menschen in Ephesus: »Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft, indem er dem Volk sagte, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm komme, also an Jesus.«
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Hier der vorletzte Teil – bald ist es aus und vorbei mit dem Johannes. Die vorigen Teile: [Teil 1] [Teil 2] [Teil 3] [Teil 4]
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Anstatt seine Mission zu beginnen, öffentlich zu predigen, womöglich gar Widerstand gegen die römische Besatzung anzuschüren oder zumindest schon mal Gleichgesinnte um sich zu scharen, zog Johannes sich zurück. Er ging in die Wüste und blieb in der Wüste. Seine Zeit war, obwohl er zum jungen Mann gereift war, noch nicht gekommen, so lesen wir es in den alten Überlieferungen.
War er allein in der Wüste? Ja, er war wohl allein, denn nichts wird uns berichtet von diesen Jahren. Predigte er den Steinen, dem Sand, den spärlichen Pflanzen? Unterhielt er sich nächtens mit dem scheuen Wüstenfuchs, der sich im Lauf der Jahre an den zweibeinigen Nachbarn gewöhnt hatte?
Vermutlich redete mit seinem Gott oder zu seinem Gott. Was er redete, ob er Antworten bekam, wie viel er von den kommenden Ereignissen ahnte oder wusste – wir wissen es nicht. Wir erfahren nur, dass im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, endlich ein »Wort Gottes zu Johannes geschah«. Wie wir uns das vorzustellen haben, bleibt uns überlassen. Hörte er eine Stimme mit seinen Ohren? Bekam er Besuch von Gabriel, wie sein Vater damals? Überkam ihn eine innere Gewissheit?
Johannes verließ seine Einöde und kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Natürlich kannte er – sein Vater war immerhin Priester gewesen – die Reden des Propheten Jesaja. Dort hieß es: »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.«
Nun kann man das nicht wörtlich nehmen, denn wenn die Täler erhöht werden und die Erhebungen erniedrigt, dann bleibt ja nur eine flache Ebene übrig. Niemand in Judäa hatte ernsthaft die Absicht, die Landschaft einzuebnen. Auch krumme Wege haben ihren Zweck, denn wenn das Ziel um die Ecke liegt, führt ein gerader Weg daran vorbei. Das ganze ist als geistliche Metapher zu begreifen. Ob Johannes ganz gewiss war, dass er selbst dieser Prediger in der Wüste war, von dem der Prophet vor so langer Zeit geredet hatte, können wir nur mutmaßen und vielleicht aus dem schließen, was uns von seinen Ansprachen berichtet wird:
Mit drastischen Worten sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: »Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.«
Für das Volk war das, auch abgesehen von den Schimpfworten, eine ziemlich herausfordernde Rede. Immerhin hatte Abraham einen Bund mit Gott geschlossen, und zwar einen ewigen Bund. Darauf konnten sie sich verlassen, meinten die Zuhörer, denn schließlich waren sie Abrahams Kinder und ewig hieß nun einmal ewig. Sie waren doch das auserwählte Volk? Nichts anderes hatten sie und ihre Vorfahren seit Jahrhunderten gehört und geglaubt. Und nun tauchte ein verwilderter Prediger auf, der nicht einmal Priester war, um ihre Gewissheit, dass Gott sie auf jeden Fall in seine Arme schließen würde, zu erschüttern und zu rauben. Das hätte eigentlich zu erheblichem Widerspruch und Widerstand führen müssen. Seine Bußpredigten sollten auch nicht ohne bittere Folgen für Johannes bleiben, aber in jenen Wochen und Monaten reagierten seine Zuhörer nicht feindselig, sondern betroffen und Rat suchend.
Die Menge fragte ihn: »Was sollen wir denn tun?«
Johannes antwortete, indem er sie daran erinnerte, dass Gott an ihrer Einstellung dem Mitmenschen gegenüber mehr interessiert war als an ihrer Abstammung von Abraham: »Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.«
Das Gebot der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, war kein neues, sondern es stand schon seit Jahrhunderten in den heiligen Schriftrollen. Aber offensichtlich wurde es weithin ignoriert. Johannes taufte und verlangte von denen, die sich diesem Ritual unterzogen, dass sie fortan mit Taten statt mit Worten ein anderes Leben führten. Ein Hemd reicht, wenn der Mitmensch keines und man selbst zwei hat.
Die Römer hatten als Besatzer des Landes unter anderem Zöllner, heute und hier würden wir von Zollbeamten sprechen, eingesetzt. Diese Handlanger waren beim Volk nicht beliebt, mit gutem Grund, denn so gut wie alle wirtschafteten neben der Erhebung der Steuern für Rom auch kräftig in die eigene Tasche. Nun kamen auch Zöllner zu Johannes, um sich taufen zu lassen. Sie wollten ebenfalls wissen, was er ihnen zu raten hatte: »Meister, was sollen denn wir tun?«
Die Antwort war eigentlich vorhersehbar: »Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist!«
Vielleicht hatten manche in den Volksmengen gehofft, dass Johannes den Zöllnern auftragen würde, ihren Dienst zu verlassen, aber er dachte gar nicht daran, einen Aufstand gegen Rom anzuzetteln.
Auch Soldaten kamen, um sich taufen zu lassen. »Was sollen denn wir tun?«
Ähnlich wie die Zöllner waren die Soldaten nicht sonderlich angesehen im Volk. Sie dienten erstens einer fremden Macht, denn sie standen unter dem Befehl der Römer, und zweitens erpressten sie gerne Schutzgelder, bereicherten sich wo es nur ging, denn sie hielten sich – und waren es ja auch – für relativ unangreifbar.
Johannes antwortete: »Tut niemandem Gewalt oder Unrecht an und begnügt euch mit eurem Sold!«
Wir erinnern uns: Es hatte sich nach seiner Beschneidung weit herumgesprochen, dass Johannes kein Mensch wie alle anderen war, dass ihm etwas Besonderes, etwas Gottgegebenes anhaftete. Inzwischen waren viele Jahre ins Land gezogen, aber vergessen waren die Umstände seiner Geburt und die Worte seines Vaters über Johannes wohl nicht.
Das Volk wartete auf einen Erlöser, einen Messias, der die Besatzungsmacht aus dem Land werfen und das jüdische Könighaus des David wieder aufrichten würde. Nun trat Johannes, über dessen Geburt und Beschneidung solch ungewöhnliche Geschehnisse erzählt worden waren, auf. Er kam mit einer unerwarteten, aber dennoch aufsehenerregenden Botschaft. Kein bewaffneter Aufstand, kein Streik, keine Occupy-Bewegung und auch kein arabischer Frühling. Statt dessen predigte Johannes eine Art freiwilligen Sozialismus. Die Menschen waren voll Erwartung und viele mutmaßten in ihren Herzen von ihm, ob er vielleicht der Christus, der versprochene Erlöser, wäre, zumal Johannes den Propheten Jesaja, der einiges über den Christus gesagt hatte, häufig zitierte.
Aber Johannes wies das weit von sich. Er erklärte: »Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.«
Die Worfschaufel muss man erklären, wenn man diese Geschichte heute erzählt. Dieses Gerät kennt keiner mehr, außer vielleicht aus einem landwirtschaftlichen Museum. Mit einer Worfschaufel, einer Art Schippe mit flachem Blatt aus Holz oder Metall, wurde das ausgedroschene Getreide gegen den Wind in die Höhe geworfen und von der Spreu gereinigt. Die Spreu flog im Luftstrom ein Stück zur Seite, das Getreide fiel zu Boden. Mit seiner Metapher sagte also Johannes, dass jemand nach ihm kommen würde, der das Wertvolle im Volk vom Wertlosen im Volk trennen würde, die einen würde er bei sich behalten, die anderen vernichten.
»Mit Feuer taufen« – da war den Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Würde Feuer vom Himmel fallen, um die Spreu, die Verworfenen zu verbrennen? Möglich, immerhin hatte das Johannes gepredigt. Aber »taufen« mit Feuer? Und »mit dem Heiligen Geist« war nicht weniger rätselhaft.
Johannes erklärte nicht, sondern er predigte unverdrossen Buße und Umkehr, ermahnte das Volk und verkündigte ihm das Heil. Gott sei nicht an der Abstammung von Abraham interessiert, sondern daran, ob jeder einzelne Mensch Recht oder Unrecht tut, das war der Kern seiner Lehre. »Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. … Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! … Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!«
Als Johannes eines Tages wie üblich am Jordan predigte und taufte, kam Jesus, um sich taufen zu lassen. Johannes hatte ihn zuerst nicht erkannt, es war ziemlich lange her, dass sie sich gesehen hatten und beide hatten sich, vom Jugendlichen zum Mann gereift, verändert. Selbstverständlich wusste Johannes über die sonderbaren Umstände der Schwangerschaft von Maria bescheid, immerhin waren seine Mutter und die Mutter Jesu Verwandte und die Ereignisse, die weit ringsum bekannt geworden waren, kannte man in der Familie natürlich am besten. Aber Johannes hatte seit seinem Rückzug in die Wüste keinen Kontakt mehr zur Verwandtschaft gehabt.
Nun stand Jesus vor Johannes, um sich wie all die anderen taufen zu lassen. Johannes sträubte sich zunächst, meinte, dass umgekehrt ein Schuh daraus würde. Doch schließlich gab er nach. Als Jesus getauft war und anschließend betete, wurde der Himmel geöffnet und der Heilige Geist stieg in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herab. Manche Zeugen des Vorfalls hatten andere Erinnerungen, meinten einen Donner zu hören oder etwas wie eine Feuerflamme zu sehen, aber Johannes sah die Taube und hörte eine Stimme aus dem Himmel: »Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.«
Ob Johannes schon ahnte, welch schmähliches Ende sein Leben nehmen würde? Oder hoffte er noch, dass die ihm überlieferten großartigen Worte eines Engels an seinen Vater irgendwie in Erfüllung gehen würden?
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Das possierliche Bild des womöglich einzigen Wüstenfreundes unseres Helden Johannes stammt von Wikipedia.
Der Schluss folgt. In Bälde.
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Das Thema scheint zwar kaum auf Interesse zu stoßen, aber ich erzähle die Geschichte trotzdem weiter. Und sei es nur für mich selbst. Ätsch!
Die vorigen Teile: [Teil 1] [Teil 2] [Teil 3]
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Doch die Überraschungen waren noch nicht zu Ende. In diesem Moment erfüllte sich auch der letzte Teil der Voraussagen des Gottesboten am Räucheraltar. Vielleicht erschrak Zacharias? Sein »Mund wurde aufgetan und seine Zunge gelöst«, so lesen wir es in den Überlieferungen. Er »redete und lobte Gott«.
Selbstverständlich kannte er als Priester die Schriftrollen der Propheten, aus denen in den Synagogen vorgelesen wurde. Er zitierte in seiner Rede einige dieser Voraussagen. Was er nun, als er nach mehr als neun Monaten wieder sprechen konnte, über seinen Sohn Johannes sagte, ging jedoch deutlich über das hinaus, was er nach rein menschlichem Ermessen wissen konnte.
»Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und erlöst und hat uns eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David aufgerichtet. Das hat er bereits vor sehr langer Zeit durch den Mund seiner heiligen Propheten angekündigt, dass er uns errettet von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen.« Die Zuhörer nickten, denn auch sie kannten ja die uralten Prophetien, auf deren Erfüllung das Volk hoffte, seit die Römer die Herrschaft übernommen hatten. Man tröstete sich mit dieser Hoffnung über die trostlose Realität hinweg, doch warum Zacharias daran ausgerechnet bei der Beschneidung seines Sohnes erinnerte, war nicht ganz verständlich. Hätte er nicht eher etwas über den Bund zwischen Abraham und Gott sagen sollen, von jener ersten Beschneidung in der Geschichte des Volkes erzählen müssen?
Zacharias fuhr fort: »Gott hat versprochen, unsern Vätern Barmherzigkeit zu erzeigen und an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat, zu denken.«
Ach – aha! Endlich kam der Priester, auf einem Umweg, doch zum Thema. Nun war der Zusammenhang schon verständlicher.
»Gott hat uns versprochen, dass wir, erlöst aus der Hand unserer Feinde, ihm dienen werden. Und zwar ohne Furcht, unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen«, fügte Zacharias noch hinzu.
Vielleicht dämmerte nach diesen Worten einigen Verwandten und Freunden, dass der stolze Vater der Geburt seines Sohnes mehr Bedeutung beimaß als – bei aller Freude über den so spät im Leben noch erfüllten Kinderwunsch – zu erwarten war. Sollte die Namensgebung eine tiefere Bedeutung haben? Meinte Zacharias womöglich, dass die Erlösung aus der Hand der Feinde, der Römer, unmittelbar bevorstand? Sollte das Kind dabei eine Rolle spielen?
Nun sah Zacharias seinen Sohn Johannes an und erklärte: »Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und seinem Volk Erkenntnis des Heils gibst in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.«
Wir sind etlichen der eben genannten Begriffe und Worten entfremdet, »Heil« hat in unserem Land sogar einen üblen Beigeschmack bekommen. Dieser Schluss der Ansprache ist recht poetisch formuliert, was ja nicht an und für sich verkehrt ist, uns aber doch das Verständnis für die Reaktion der Anwesenden etwas erschwert. Kurz zusammengefasst hatte Zacharias gesagt, dass sein Sohn im Auftrag Gottes reden und ein Wegbereiter für die Befreiung des Volkes sein würde – aus der Finsternis der augenblicklichen Situation hinaus, in eine helle und friedliche Zukunft hinein.
Es war eine merkwürdige Stimmung, die sich nach den Worten des Vaters über sein Kind breit machte in der Festtagsrunde. Furcht kam über alle Nachbarn; man spürte, dass eine höhere Macht die Hand im Spiel hatte. Die ganze Geschichte wurde bekannt »auf dem ganzen Gebirge Judäas«, also weit über die nächste Nachbarschaft hinaus. Und alle, die es hörten, nahmen es sich zu Herzen und sprachen: »Was, meinst du, will aus diesem Kindlein werden?«
»Denn die Hand des Herrn war mit ihm«, hat jemand angemerkt, der diese Geschichte auch schon erzählt hat. Woran das in der Kindheit und Jugend des Johannes erkennbar war, wissen wir nicht, denn über seine Entwicklung hat niemand etwas aufgeschrieben, damals, vor so langer Zeit. Wir können immerhin davon ausgehen, dass Johannes ein gesundes, kräftiges und intelligentes Kind war, denn der Bericht schließt damit, dass er »wuchs und stark im Geist wurde«. Das Kind wurde zum Jugendlichen. Manche Menschen, die sich noch an jene außergewöhnliche Feier der Beschneidung und an die sonderbaren Umstände der Schwangerschaft erinnerten, mochten Johannes gespannt beobachten, denn wenn das, was sein Vater damals verkündet hatte, richtig war, musste der Junge ja nun langsam mal aktiv werden. So stellte man sich das vor.
Und dann verschwand Johannes.
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Das Bildnis ist entlehnt von dieser Seite: Glasmalerei des 20. Jahrhunderts
Fortsetzung folgt. Basta.
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Was verpasst oder vergessen? Bitteschön, hier entlang: [Teil 1] [Teil 2]
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Natürlich war Maria neugierig. Ausgerechnet Elisabeth sollte im sechsten Monat schwanger sein. Niemand hatte darüber geredet, kein Mensch schien etwas davon zu wissen. Man hatte geredet, die Leute redeten ja dauernd, aber nur über Elisabeths Mann, der aufgrund eines Erlebnisses beim Priesterdienst stumm geworden war. Es wurde spekuliert, gemutmaßt, manche meinten, er habe ein Schweigegelübde geleistet, andere vermuteten eine Krankheit. Wieder andere erinnerten an die ungewöhnlich lange Zeit, die er beim Räuchern zugebracht hatte und hielten ein übernatürliches Ereignis als Auslöser für wahrscheinlich.
Eine Schwangerschaft im derart hohen Alter? Im sechsten Monat bereits? Da musste sich Maria selbst ein Bild von der Lage machen.
Sie brach eilig auf, um Zacharias und seine Frau in deren Heimatstadt zu besuchen. Als Maria in das Haus ihrer Verwandten kam, griff Elisabeth unwillkürlich mit der Hand an ihren Bauch, dessen Wölbung keinen Zweifel daran zuließ, dass der Engel die Wahrheit gesagt hatte. Maria hatte nicht ernsthaft an den Worten Gabriels gezweifelt, aber nun war sie doch sehr überrascht, als sie sich mit eigenen Augen überzeugen konnte.
Elisabeth spürte, dass ihr Kind förmlich in ihrem Bauch hüpfte, als das Mädchen sie begrüßt hatte. Sie wollte den Gruß in gewohnter Weise erwidern, aber als sie den Mund aufmachte, fühlte sie sich auf einmal wie von einem göttlichen Geist erfüllt und sprach Worte aus, die sie sich nicht zurechtgelegt hatte. Es war, als spräche ein anderes Wesen durch ihren Mund. Sie hörte sich rufen: »Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes!«
Schon wieder so ein Wort, mit dem wir wenig anzufangen wissen. Gepriesen… Was müssen wir uns dabei vorstellen? Es gibt diverse Menschen, die heutzutage gepriesen werden. Ein Autor schreibt ein wunderbares Buch und wird von den Kritikern und Lesern gepriesen, womöglich nicht von Herrn Reich-Ranicki, aber das sei beiseite gelassen. Ein Spitzenkandidat wird von seiner Partei für die nächste Wahl aufgestellt und dann von den Parteimitgliedern gepriesen – zumindest so lange, bis er die Wahl verloren hat. So ungefähr können wir uns die Bedeutung von gepriesen vorstellen.
Maria erschrak zutiefst – nicht so sehr über das gepriesen sein, sondern vielmehr darüber, dass Elisabeth von der »Frucht ihres Leibes« sprach, von der sie selbst noch nicht einmal etwas wusste. War sie etwa schon schwanger? Der Engel hatte ja keinen Zeitpunkt konkretisiert … womöglich … ach du liebe Güte!
Elisabeth war noch nicht fertig mit ihrer Begrüßung: »Und womit habe ich das verdient, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Weißt du was, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig bist du, die du geglaubt hast! Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn.«
Ob Maria wohl so ganz begriff, was ihr da statt eines »Hallo Maria, schön, dass du mich besuchen kommst« entgegen schallte? Sie hatte ja noch nichts erzählt von der Engelserscheinung, von ihrer eigenen bevorstehenden Schwangerschaft ohne männliches Zutun, von jenem rätselhaften Königsthron und all den anderen merkwürdigen Prophezeiungen. Wir erinnern uns, dass Maria ein ganz normales frommes Mädchen war, nicht etwa eine sonderlich begabte Person oder jemand mit geistlichen Ämtern und Würden. Zacharias immerhin war Priester, hatte mit dem Tempel, den religiösen Verrichtungen und Gebeten jede Menge Erfahrung, seine Frau Elisabeth war demzufolge sicherlich eher vertraut mit dem, was man von Gott wusste oder glaubte. Aber Maria?
Das Mädchen reagierte den Überlieferungen zufolge anders, als wir es erwarten würden. Es saß ja kein Stenograph daneben, die Berichte wurden über lange Jahre mündlich überliefert, später niedergeschrieben, abgeschrieben, wieder abgeschrieben … jedenfalls beantwortete Maria den uns heute vorliegenden Texten zufolge Elisabeths Begrüßung mit einer Art Lobgesang: »Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen …«
Marias ziemlich lange Antwort ist fast wie ein Blick in die Zukunft, denn sie beschreibt das, was Gott in der Vergangenheit getan hat, ohne dass sie bereits wissen kann, was ihr eigener Sohn rund dreißig Jahre später tun und predigen wird. »… seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten …«, sagt sie, »… er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hochmütig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen …«
Worüber sich Elisabeth und Maria so unterhalten haben in den nächsten Wochen, ist uns nicht überliefert. Sicher werden sie über die Besuche des Engels geredet haben, über die Unwahrscheinlichkeit von Elisabeths Empfängnis und die Unmöglichkeit der Schwangerschaft von Maria, werden sich wohl auch Gedanken gemacht haben, was die Leute denken oder reden, wenn Maria ohne Ehemann aber mit zunehmend dickem Bauch zu sehen sein wird … Zeit für Gespräche gab es reichlich. Maria blieb etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim, kurz bevor Elisabeth ihr Kind auf die Welt brachte.
Elisabeth und Zacharias bekamen, was beiden klar gewesen war, einen Sohn. Warum hätte der Engel sich im Geschlecht des Kindes irren sollen.
Nun war es aus mit der Geheimniskrämerei, denn das freudige Ereignis durfte und musste gefeiert werden. Die Nachbarn und Verwandten hörten, vermutlich mit erheblichem Erstaunen, dass die Schmach der Kinderlosigkeit vorüber war und sie freuten sich mit Elisabeth. Sie hätten sich wahrscheinlich schon vorher gefreut, wenn sie von der Schwangerschaft erfahren hätten, aber wir haben uns ja schon Gedanken gemacht, warum Elisabeth in ihrem hohen Alter diesbezüglich so zurückhaltend gewesen war.
Am achten Tag kamen Freunde und Verwandte, um das Kind zu beschneiden. Dies war nicht nur üblich, sondern Vorschrift. Es gehörte zum Leben der Juden ganz selbstverständlich dazu, seit Gott mit dem Stammvater ihres Volkes einen Bund geschlossen hatte. Auf die Unbeschnittenen sah man ein wenig elitär herab, denn auserwählt waren sie nicht. Wenn ein Junge auf die Welt kam, fand acht Tage später die Beschneidung seiner Vorhaut statt, und bei dieser Gelegenheit bekam das Kind dann auch seinen Namen.
Die versammelte Festgesellschaft wollte den Jungen nach seinem Vater Zacharias nennen. Der Tradition gemäß war dies die naheliegende Wahl.
Doch Elisabeth widersprach energisch: »Nein, sondern er soll Johannes heißen.«
Das war der Name, den Gabriel genannt hatte, als er Zacharias am Räucheraltar mit der unglaublichen Botschaft überfallen hatte. Wir kennen diese Vorgeschichte und verstehen, dass weder Elisabeth noch Zacharias daran dachten, von dieser Vorgabe abzuweichen, schließlich hatte sich alles, was der Engel verkündet hatte, als richtig erwiesen, einschließlich der Beraubung des Priesters um seine Stimme.
Die Gäste, denen diese Zusammenhänge unbekannt waren, versuchten, Elisabeth zur Vernunft beziehungsweise zur Tradition zu bewegen: »Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt!«
Elisabeth blieb stur. Da war nichts zu machen. Die Verwandtschaft bedeutete schließlich dem Vater des Säuglings, er solle sich äußern, wie sein Sohn denn nun heißen solle. Zacharias, seit neun Monaten daran gewöhnt, sich lediglich mittels Gesten und notfalls schriftlich auszudrücken, forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes.
Nun wunderten sich alle um so mehr, er als Priester hätte doch Tradition und Gebräuche noch viel höher achten müssen? Natürlich war es nicht verboten, einem Kind einen Namen zu geben, der in der Familie ungebräuchlich war. Manche unter den Festgästen mögen sich gedacht (oder gar miteinander getuschelt) haben, dass die späte Schwangerschaft, noch dazu verheimlich, das Verstummen des Vaters und nun das sture Beharren auf Johannes als Namen irgendwie zusammenpasste. Die Familie war schon etwas wunderlich geworden in letzter Zeit …
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Fort. Setzung. Folgt.
Das Bild soll aus antiker Quelle stammen und die allererste Beschneidung darstellen, damals vorgeschrieben, heute zunehmend als Genitalverstümmelung verpönt.
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