Donnerstag, 12. Juli 2012

Medikamentfreie Woche – Gelegenheit zur Kolonoskopie oder Coloskopie

Am Dienstag habe ich die letzten Tabletten Xelox des dritten Zyklus genommen, die medikamentfreie Woche begann mit dem gestrigen Mittwoch. So konnte endlich die verschobene Darmspiegelung in Angriff genommen werden. (Die Einnahme von Medikamenten verträgt sich nicht sonderlich mit dem Trinken der darmreinigenden Moviprep-Lösung, denn die Tabletten würden mal eben durchgespült werden …)

Schmeckt das Zeug? Immerhin steht in oranger Farbe »Orange« auf der Packung. Da hofft der Patient auf einen eher angenehmen Geschmack. Und wird dann mit dem ersten Schluck eines Besseren belehrt. Zugegeben: Das Gemisch ohne den Aufdruck »Orange«, das die beste aller Ehefrauen vor ein paar Jahren zu sich nehmen musste, war noch wesentlich widerlicher.
Irgendwie habe ich es geschafft, die vorgesehene Dosis zu trinken und auch nicht gleich wieder rückwärts von mir zu geben. Das im Beipackzettel versprochene Ergebnis »wässriger Durchfall« ließ auch nicht auf sich warten, so dass dann am heutigen Vormittag der Darmspiegelung nichts im Wege stand.

»Alles in Ordnung«, bekam ich zu hören, als ich wieder aus der Narkose erwachte, »keine auffälligen Stellen, die Operationsnaht ist gut verheilt. Noch leicht gerötet, aber das ist normal.« Na da fiel mir dann doch der eine und der andere Stein vom Herzen. Es war ja im Entlassungsbericht aus dem Krankenhaus zu lesen: »Bei Herrn Matthia konnte präoperativ keine vollständige Kolonoskopie erfolgen. Wir empfehlen daher, diese innerhalb von sechs Monaten postoperativ durchzuführen.«
Nun weiß ich zumindest, dass sich im Darm nicht noch irgendwo ein weiterer Tumor versteckt hält, die beiden operativ entfernten Tumore waren also die einzigen. Das ist eine frohe Botschaft, für die ich sehr dankbar bin. Dabei wird es hoffentlich auch in den nächsten Jahren bleiben. Mir gefällt die ärztlicherseits erwähnte »Option vollständige Heilung«. Möge aus der Option eine Tatsache werden!

Nächste Woche geht es dann in den vierten Zyklus hinein – und wenn der vorbei sein wird, ist die Hälfte der Chemotherapie geschafft.

(Warum der Gastro-Enterologe »Coloskopie« schreibt und der Onkologe »Kolonoskopie«, darüber mögen sich Fachleute Gedanken machen. Mir reicht das erfreuliche Ergebnis.)
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Dienstag, 10. Juli 2012

Von den Gefahren des Bibellesens – am Beispiel von Krankheit und Heilung im Alten Testament

Manche Menschen erfreuen sich eines sehr simplen Glaubens und Gottesbildes. Auf alle Fragen des Lebens gibt es einfache Antworten – in Form eines halb zitierten Satzes aus dem Fundus der Paulusbriefe etwa, oder in Form von Behauptungen, die nicht näher unterfüttert oder gar untermauert werden müssen, weil sie ja »aus dem Wort Gottes« stammen. Dass »Bibel« und »Wort Gottes« aus meiner Sicht keineswegs synonym verstanden werden dürfen, habe ich in einem anderen Artikel erläutert.

Hier spüre ich Gefahren nach, die aus der Lektüre der Bibel erwachsen. Gefahren für den simplen Glauben und das schwarz-weiße Gottesbild. Allerdings sind diese Gefahren für Menschen, die eben diesem schlichten Patentglauben angehören, gering: Sie lesen nämlich kaum einmal in der Bibel. Es reicht ihnen, morgens das fromme Horoskop, das man Losung nennt (per Zufallsprinzip ausgewählte Mini-Schnipsel aus der Bibel), zu konsumieren und ansonsten höchstens mal im »Hauskreis« zehn oder gar zwanzig Zeilen aus einem beliebigen, zum jeweiligen Gesprächsthema passenden Abschnitt zu lesen.

Gefährlich wird es nur dann, wenn man sich daran macht, die Bibel so zu lesen, wie man es normalerweise mit Büchern oder Berichten oder Briefen zu tun pflegt. Man beginnt vorne und liest Seite für Seite bis zum Ende. Schwierige Stellen, besonders spannende Abschnitte oder außerordentlich gelungene Formulierungen liest man dabei womöglich zwei- oder dreimal; gelegentlich blättert man auch ein paar Seiten zurück um nachzuschauen, ob da vorher etwas Abweichendes zum Thema stand … wenn man so die Bibel liest, und das mehr als einmal, dann ist es aus mit den einfachen Antworten und dem lieben Gott, dem alles Gute und Schöne zu verdanken ist und dem bösen Teufel, der für alles Hässliche und Schlechte herhalten muss.

Zum Beispiel – in meiner Situation als an Krebs erkrankter Mensch naheliegend – die biblische Sicht bezüglich Krankheit und Heilung. Die gibt es gar nicht, sondern es gibt mehrere Sichtweisen, verschiedene Modelle, diverse Schattierungen und widersprüchliche Denkmodelle in der Bibel.

Krankheit und Gebrechen – dafür hat das Hebräische (die Sprache, in der das Alte Testament geschrieben ist) kein Abstraktum, sondern nur Begriffe, die Schwäche und Leiden zum Ausdruck bringen. Es werden Nomina von »berühren« verwendet, von »schlagen« beziehungsweise »niederschlagen« oder »Schmerz erleiden« und ähnliche Wortformen.

Hiob (Léon Bonnat; 1833-1922)Zunächst, also in den ältesten Texten, wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass Gott der Verursacher der Krankheit ist. Beispielsweise in der Weisheitsparabel von Hiob, wo es bezüglich der schlimmen Erkrankung des Protagonisten heißt: »Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?«[i] Aus Prophetenmund hört das Volk Gottes eines Tages: »Siehe, so wird dich der HERR mit einer großen Plage schlagen an deinem Volk, an deinen Kindern, an deinen Frauen und an aller deiner Habe. Du aber wirst viel Krankheit haben in deinen Eingeweiden, bis über Jahr und Tag deine Eingeweide vor Krankheit heraustreten.«[ii]

Die erste Biblische Sicht ist diese: Gott verursacht Krankheit und Leid, um für ein Fehlverhalten zu bestrafen – sowohl beim Einzelnen als auch kollektiv. Allerdings kann Gott auch um Heilung gebeten werden, denn derjenige, der Krankheit verursacht, ist auch in der Lage, sie zu entfernen.

Später im Alten Testament, mit der Entwicklung und Durchsetzung des Monotheismus, wird es immer wichtiger zu fragen, warum ein Mensch krank ist. Dies kann den biblischen Texten zufolge auch an Sünden der Vorfahren oder eben an der Schuld des ganzen Volkes liegen, obwohl der Einzelne, der Kranke, nichts falsch gemacht hat. Bei Jeremia beispielsweise wird das deutlich: »Denn so spricht der HERR von den Söhnen und Töchtern, die an diesem Ort geboren werden, und von ihren Müttern, die sie gebären, und von ihren Vätern, die sie zeugen in diesem Lande: Sie sollen an bösen Krankheiten sterben und nicht beklagt noch begraben werden, sondern sollen Dung werden auf dem Acker.«[iii] Die noch nicht einmal geborenen Kinder sind schon jetzt zum Tod durch Krankheiten verurteilt – bevor sie überhaupt sündigen können.

Gott wird im Falle der Krankheit von den biblischen Autoren oft als grausam und ungerecht, auch als unnahbar empfunden. »Wenn ich ihn auch anrufe, dass er mir antwortet, so glaube ich nicht, dass er meine Stimme hört, vielmehr greift er nach mir im Wettersturm und schlägt mir viele Wunden ohne Grund.«[iv] »HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen?

Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir? Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich?«[v]

Im 5. Buch Mose wird Gott gar als derjenige wörtlich zitiert, der nach Gutdünken verfährt: »Sehet nun, dass ich's allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand ist da, der aus meiner Hand errettet.«[vi]

Und die Heilung? Was sagt die Bibel dazu? In den frühen Zeiten des Alten Testamentes war wohl JHWH, der Gott Israels, nicht ursprünglich als für die Heilung zuständiger Gott bekannt, wie die Erzählung von König Ahasja zeigt, der nach einem Fenstersturz ein Heilsorakel bei dem nach seiner Kenntnis zuständigen Gott erfragte. »Und Ahasja fiel durch das Gitter in seinem Obergemach in Samaria und wurde krank. Und er sandte Boten und sprach zu ihnen: Geht hin und befragt Baal-Sebub, den Gott von Ekron, ob ich von dieser Krankheit genesen werde.«[vii] Die Erkrankung war Folge eines Unfalls – und dass der König nicht wieder auf die Beine kam, die Strafe des Gottes JHWH, weil Baal-Sebub, ein anderer Gott, befragt wurde. »So spricht der HERR: Weil du Boten hingesandt hast und hast befragen lassen Baal-Sebub, den Gott von Ekron, als wäre kein Gott in Israel, dessen Wort man erfragen könnte, so sollst du von dem Bett nicht mehr herunterkommen, auf das du dich gelegt hast, sondern sollst des Todes sterben.«[viii]

In noch späteren Schriften ist es dann Allgemeinwissen geworden: Heilung gibt es nur bei unserem Gott, dem Gott Israels. Heilung muss sogar zunächst durch Gott selbst und nicht durch das Aufsuchen von Ärzten erfolgen, da ja Gott die Krankheit verursacht, um ein Fehlverhalten (der Vorfahren oder des Volkes womöglich) zu bestrafen. Die Strafe kann nur derjenige erlassen, der sie verhängt hat.

Mit fortschreitenden medizinischen Erkenntnissen, zum Beispiel über Heilkräuter, werden die Ärzte allerdings im Verlauf der Jahrhunderte immer zuverlässiger in ihrem Tun – und es wird immer klarer, dass sie gegen Krankheiten auch ohne Gott erfolgreich vorgehen können. Israel war ja nicht das einzige Volk auf der Erde; in anderen Völkern ging der medizinische Fortschritt zum Teil wesentlich rascher voran, was auch dem alttestamentlichen Volk Gottes nicht verborgen blieb. Vor allem in den Schriften zwischen Altem und Neuem Testament, die es beim Zusammenstellen des biblischen Kanons nicht in die »Heilige Schrift« geschafft haben, zeigt sich der Zwiespalt im Denken: Einerseits wird medizinische Hilfe durch Gott, den Schöpfer der Heilpflanzen, den Verleiher ärztlicher Weisheit, geschickt, andererseits gilt es noch als Abfall von Gott, sich an Ärzte zu wenden. Das passt irgendwie nicht zusammen im Denken. Es ist ja gerade Gott selbst, der durch die Weisheit Salomo gelehrt hat, auch die »Kraft der Wurzeln« zu gebrauchen und die Gaben der Natur zu schätzen, und es ist gerade Gott selbst, der eifersüchtig (mit schlimmer Bestrafung) reagiert, wenn er nicht persönlich um die Heilung gebeten wird.

Die Autoren der Bücher im Alten Testament hatten also offensichtlich sehr unterschiedliche Vorstellungen von Gott und haben aus ihrer jeweiligen Überzeugung heraus – das mag man ihnen nicht absprechen – folgerichtig für den heutigen Leser den einen Gott, den sie meinten, sehr unterschiedlich beschrieben, ihm Widersprüchliches in den Mund gelegt und nach und nach durch die Jahrhunderte an Erfahrung und Wissen hinzugewonnen.

Deshalb ist es für den Gläubigen, der die Bibel für Gottes wörtliches Wort halten möchte, mit hohen Risiken verbunden, die Bibel zu lesen. Früher oder später wird er bei der Lektüre des Alten Testamentes einem Gott begegnen, der sich mit einem anderen Gott im gleichen Buch nicht verträgt, obwohl es der gleiche Gott sein soll.

Deshalb ist es auch so leicht, für jeden Zweck, jede Variante des Gottesverständnisses und jede noch so sektiererische Meinung den passenden Bibelvers zu finden. Im Alten Testament und im Neuen.

Im Neuen Testament? Huch? Ist da nicht wenigstens alles eindeutig und übereinstimmend und klar verständlich?

Dazu schreibe ich meine Gedanken demnächst auf, aber so viel sei schon mal verraten: Pustekuchen!

Quellen: [Bibellexikon] // [Online Bibel]
Bild: Hiob (Léon Bonnat; 1833-1922), zu finden im Louvre


[i] Hiob 2, 10

[ii] 2. Chronik 21, 14

[iii] Jeremia 16, 3-4

[iv] Hiob 9, 16

[v] Psalm 13, 2-3

[vi] 5. Mose 32, 39

[vii] 2. Könige 1, 2

[viii] 2. Könige 1, 15

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Dienstag, 3. Juli 2012

Vom Alltag und von Kleinigkeiten, die gut oder schlecht sein können

Der Alltag, nach zwei Monaten Chemotherapie, gestaltet sich unterschiedlich. Das war zu erwarten und damit rechne ich auch für die nächsten Monate. Es gibt, je nach Blickwinkel, die guten und die schlechten Kleinigkeiten, die so leicht übersehen werden. Kleinigkeiten sind sie deshalb, weil sie so gar nichts von einer Sensation an sich haben, Spektakuläres fällt auf, die Alltäglichkeiten nicht.

Da gibt es bei mir die ständig vorhandene Übelkeit, an die ich mich inzwischen so gewöhnt habe, dass sie mir nicht mehr auffällt, solange sie einigermaßen im Hintergrund bleibt. Nur wenn, vor allem in den ersten fünf bis sechs Tagen nach der Infusion des Oxaliplatin, aus der Übelkeit ein Brechreiz wird, »bemerke« ich das Gefühl und steuere mit Tropfen und Tabletten dem Erbrechen entgegen. Bisher übrigens durchgehend erfolgreich.
Die beste aller Ehefrauen kocht mir leckere Gerichte Also ist das nun eine gute Kleinigkeit oder eine schlechte? Angesichts dessen, dass im Therapie-Tagebuch »ein Mal Erbrechen innerhalb 24 Stunden« als Normalfall gilt, der keine Besorgnis beim Patienten auslösen soll, kann ich eigentlich nur die positive Seite der Dauerübelkeit sehen: Es könnte schlimmer sein. Ich kann trotz und mit der Übelkeit alles unternehmen, was wir planen, ich kann trotz und mit der Übelkeit gute Speisen genießen. Ich würde zwar an 90 Prozent der Tage nicht von mir aus auf die Idee kommen, etwas essen zu wollen, aber wenn es denn vor mir steht, dann schmeckt es doch.

Dann ist da der Dauerdurchfall, mit dem zu leben ich mich inzwischen gewöhnt habe. Gewiss nervt es, mehrmals am Tag und ein bis zwei Mal nachts abführen zu müssen, ausschließlich ungeformten Stuhl noch dazu, aber auch hierbei könnte die Situation wesentlich schlimmer sein und es herrscht ja in unserem Land kein Mangel an Toilettenpapier. Wenn es zu schlimm wird, verhilft ein Tag mit Zwieback, Banane und anderen Hausmitteln in der Regel zur Besserung, die Tabletten, die ich gegen den Dauerdurchfall bekommen habe, sind bisher nur an zwei Tagen zum Einsatz gekommen.
Auch eher – aus meiner Sicht – eine positive Kleinigkeit, die mich bei der Teilnahme am Leben zwar ein wenig beeinträchtigt, aber eben nicht davon abhält.

Gewöhnt habe ich mich auch an das Kälte-Syndrom, das sich in der Intensität inzwischen als schwankend herausgestellt hat. An den Tagen nach der Infusion ist der Schmerz beim Berühren kalter Gegenstände oder beim Händewaschen mit kaltem Leitungswasser besonders deutlich, so ab dem vierten oder fünften Tag geht dann die Empfindlichkeit nach und nach zurück, am Ende des Zyklus wird aus Schmerz dann ein unangenehmes Gefühl, solange ich die Haut nicht zu lange der kalten Berührung aussetze.
Auch damit kann ich zurechtkommen, am Alltag teilnehmen, fast alles erledigen, was zu erledigen ist. Nähme ich die Handschuhe mit zum Einkaufen, könnte ich sogar Butter, Käse und womöglich Tiefkühlkost in den Wagen packen.

Am ehesten noch wirklich die Teilnahme am normalen Leben beeinträchtigend ist das Fatigue Syndrom. Wenn bleierne Müdigkeit mich heimsucht, macht es mir große Mühe, mich weiter am Gespräch zu beteiligen oder die Straße entlang zu gehen oder die Saunabank nicht als Schlafstätte zu benutzen. Dann entgehen mir Teile des Gespräches im Freundeskreis (oder der Handlung des Tatort im Fernsehen), dann wird es zur Anstrengung, zu antworten … aber es bleibt immerhin möglich und die Fälle, in denen ich einen Spaziergang ablehnen oder die Gesellschaft anderer Menschen vorzeitig verlassen muss, sind eher selten.
Bisher ist auch das Fatigue Syndrom nicht in der Lage, mich zu isolieren oder vom Leben auszusperren, und das soll sich auch nicht ändern, da bin ich fest entschlossen. Ich lerne nach und nach, wie ich gegensteuern beziehungsweise vorbeugen kann, und das macht mir Mut, dass ich auch damit immer besser zurecht kommen werde.

Einiges an den Nebenwirkungen ist zur Zeit noch unklar für mich: Bleibt das jetzt oder ist das vorübergehend? Wird das schlimmer oder besser? Zum Beispiel ist seit Ende des zweiten Zyklus beziehungsweise der Zwangspause durch die Mandelentzündung keine Erektionsfähigkeit mehr vorhanden – einstweilen oder längerfristig? Ich werde es wohl oder übel ganz einfach abwarten müssen. In den Unterlagen über die Nebenwirkungen, die ich unterschrieben habe, war die Rede davon, dass eine auftretende Impotenz »in der Regel« spätestens innerhalb einiger Monate nach Ende der Behandlung abklingt und sich die normalen sexuellen Fähigkeiten wieder einstellen. Kann aber auch früher passieren. Oder später. Verlässliche Auskünfte ärztlicherseits wird es dazu (wie zu so vielen Nebenwirkungen) nicht geben, da reagiert jeder Patient eben individuell und unvorhersehbar.
Und mal ganz ehrlich: Dass mein Penis nicht steif wird ist verglichen mit so vielem anderen, was sein könnte (oder vor der Operation schon war) nun wirklich kein Weltuntergang.

Vor allem durch die Mandelentzündung und ihre Folgen ist mir klar geworden, was es heißt, ohne funktionierendes Immunsystem zu leben. Dadurch steigt natürlich bei mir die Vorsicht, wenn es darum geht, mit anderen Menschen zusammen zu sein, sei es anlässlich einer Einladung zur Hochzeit oder eines Gottesdienstbesuches oder eines Einkaufs im Supermarkt oder dem Training im Sportstudio … aber Vorsicht heißt nicht Verbot. Ich halte etwas mehr Abstand, achte darauf, ob jemand niest, schnupft, hustet … aber ich kann und darf trotzdem raus aus der guten Stube, mit Vorsicht und Verstand ab und zu hinein ins Leben. Das ist gut so und mir sehr wertvoll.

Der Alltag gelingt trotz der Nebenwirkungen, die sich bisher eingestellt haben. Und das ist etwas, worüber ich mich freuen kann und freuen will und freuen werde. Weder eine Krebserkrankung noch eine Chemotherapie sind etwas Gutes. Aber es gibt trotz einer Krebserkrankung und einer Chemotherapie immer noch Gutes, in Hülle und Fülle. Man muss es nur sehen wollen.

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Donnerstag, 28. Juni 2012

Die angebundene Katze

Es begab sich aber zu der Zeit, die heute niemand mehr so genau auf den Tag zu bestimmen sich die Mühe machen würde, dass eine Gruppe von Menschen sich täglich versammelte, um unter der Anleitung eines weisen Mannes gemeinsam über Gott nachzudenken und, soweit verfügbar, heilige Schriften zu studieren.

Eine aktuelle angebundene KatzeEines Tages fand sich eine Katze in dem Raum ein und strich neugierig umher. Als die Gruppe aufbrach, verschwand auch die Katze. Beim nächsten Zusammenkommen war auch die Katze wieder zur Stelle. Ihr unaufhörliches Rumoren im Raum irritierte die Gottsuchenden und hielt sie davon ab, sich angemessen auf das Studium der Schriften zu konzentrieren. Daher ordnete der Weise nach einigen Tagen an, dass die Katze für die Dauer der täglichen Versammlung vor der Tür an einem Baum angebunden werden sollte.

So verfuhr man und konnte sich nun wieder ungestört der geistlichen Erbauung widmen.

Einige Jahre später starb der alte Weise und ein Nachfolger wurde bestimmt. Die Gruppe, die immer wieder neue Mitglieder gefunden hatte und fand, sogar gewachsen war, versammelte sich weiter regelmäßig. Treu der Tradition band man jedes Mal vor der Tür die Katze am Baum fest, nach der Versammlung wurde sie befreit.

Die Katze war jedoch auch nicht mehr die jüngste und starb ein Jahr nach dem ursprünglichen Leiter der Gruppe. Unverdrossen hielt die Gruppe an der Überlieferung fest: Man besorgte sich eine neue Katze, die während der Treffen angebunden wurde.

Etliche Jahrzehnte später wusste schon niemand mehr zu sagen, warum eigentlich während der Besinnung auf Göttliches eine Katze vor der Türe angebunden werden musste, aber da die Tradition nachweislich auf den verehrten Gründer der Gruppe zurückzuführen war, entstanden nach und nach viele theologische Abhandlungen, die stichhaltig erklärten, warum man Gott nur suchen und finden konnte, wenn vor dem Versammlungsraum eine Katze angebunden war.

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Quelle: Diese Parabel hat mir kürzlich so ähnlich mein Cousin in Hamburg erzählt. Eine kurze Google-Suche brachte etliche Versionen zum Vorschein, mal mit indischen Gurus, mal mit Philosophen, mal mit Buddhisten … der Volksmund siedelt die Geschichte je nach Kontext und Zeit an. Und das ist auch gut so. Meine Version ist nun meine Version. Wer mag, darf sie gerne kopieren, verändern, weiter erzählen … dazu sind Parabeln ja da.

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P.S.: Wer angebundene Katzen sucht, wird sie auch in christlichen Gemeinden und Kirchen zuhauf finden.

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Freitag, 22. Juni 2012

Die Chronologie ...

Dies ist ein Hinweis vor allem für die inzwischen sehr zahlreichen Besucher, die über die Krebsliga.ch bzw. das Krebsforum.ch hier landen, aber auch für alle anderen Interessierten:  Eine alternative, chronologisch geordnete Version der hier veröffentlichten Posts über mein Leben seit der Krebsdiagnose findet ihr auf meinem textlastigen Blog: [Mein Leben mit dem Darmkrebs]

(Mir fehlt die Zeit und Energie, mich in den Foren und Gruppen zu registrieren und zu engagieren, die inzwischen auf meinen Blog verlinken, Sorry, aber ich kann mich nicht verzetteln und überall beteiligen. Danke für euer Verständnis.)

Donnerstag, 21. Juni 2012

Verlässlich planbar ist nichts.

Ich hatte hier zuletzt berichtet, dass mich eine Halsentzündung heimgesucht hatte – noch mit dem festen Vertrauen, dass es mit der Chemotherapie wie vorgesehen weiter gehen würde.

image Doch es zeigte sich einmal mehr: Verlässlich planbar ist in meinem und unserem Leben zur Zeit nichts. Am Montag war keinerlei Besserung eingetreten, so dass mein Onkologe nach Begutachtung meines Halses und Blutbildes davon Abstand nahm, die Infusion durchzuführen. Statt dessen nahm (und nehme) ich nun seit Montag ein Antibiotikum, dessen Wirksamkeit sich seit Dienstag Nachmittag auch anhand des Abklingens der Schmerzen zeigt. Die Chemotherapie soll dann am Mittwoch der kommenden Woche fortgesetzt werden.

Das hieß für mich: Der vereinbarte Termin für die Darmspiegelung musste verschoben werden, da die Untersuchung zwingend in einer Chemo-Medikament-freien Woche liegen muss - und die verschiebt sich mit dem Infusionstermin um 9 Tage. Zum Glück haben die Mitarbeiter in der gastroenterologischen Praxis Verständnis für die Situation und konnten mir einen passenden neuen Termin am 12. Juli reservieren.

Ich war etwas beunruhigt, weil es ja nach der Operation ärztlicherseits hieß, die Chemotherapie müsse möglichst umgehend beginnen, da sonst ihre Wirksamkeit in Frage gestellt oder bei zu langem Zögern vereitelt würde. Da mein behandelnder Onkologe wenig bis gar keine Zeit für ein Gespräch über die Situation hatte, fragte ich die Onkologin meiner Rehabilitationsklinik um Rat. Sie hatte bei meinem Abschied aus der Maßnahme ausdrücklich angeboten, dass ich mich auch später jederzeit bei Unsicherheit, Fragen oder Problemen an sie wenden dürfe. Sie antwortete auch prompt.

… bei einer Chemotherapie müssen immer Nutzen und Risiko abgewogen werden und das immer aufs Neue. Durch die Chemotherapie werden die blutbildenden Zellen immer mit beeinträchtigt. Da bei Ihnen die Option endgültige Heilung besteht, geht man bei der Dosierung der Chemotherapie an die äußersten Grenzen der Verträglichkeit, muss aber entsprechend "justieren", wenn die Verträglichkeits-Grenze überschritten wurde. Das heißt, es gibt keine andere Möglichkeit, als die Chemotherapie zu verschieben, wenn beispielsweise die Anzahl der abwehrfähigen weißen Blutkörperchen durch den vorhergehenden Zyklus zu stark abgenommen hat. Das bedeutet zwar statistisch eine leichte Minderung der Wirksamkeit, die man aber in Kauf nehmen muss.

Was mir vor allem Mut macht ist die »Option endgültige Heilung«. Drei Monate nach der Operation bin ich zwar keineswegs ein gesunder Mensch, aber mein Zustand ist doch erstaunlich gut, für mich und die Ärzte keine Selbstverständlichkeit sondern eine bemerkenswerte Abweichung vom normalen Verlauf bei Darmkrebspatienten.

Die »Dosierung der Chemotherapie an die äußersten Grenzen der Verträglichkeit« macht mir natürlich zu schaffen, auch noch in den nächsten Monaten, aber andererseits halten sich die Nebenwirkungen angesichts dieser Dosierung bisher nun wirklich in einem erträglichen Rahmen.

Ich bin dankbar für die insgesamt so positive Entwicklung und wünsche mir und der besten aller Ehefrauen, die das alles mit mir durchsteht, dass alles auch weiter so positiv verläuft. Dass wir Verabredungen und Termine nicht verlässlich planen und vereinbaren können, ist dabei dann eine leicht zu verschmerzende Tatsache.

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Samstag, 16. Juni 2012

Wenn theoretische Nebenwirkungen praktisch werden

ALL - Peripherial Blood - Diagnosis von WikiCommonsDie bei der Chemotherapie über 24 Wochen eingesetzten Giftstoffe wirken auf alle Zellen ein, die sich gerade teilen, nicht nur auf Krebszellen. Also werden immer und unausweichlich blutbildende Zellen im Knochenmark, in den Schleimhäuten und in den Haarwurzeln vernichtet.

Das habe ich vor Beginn der Chemotherapie zur Kenntnis genommen und durch meine Unterschrift dokumentiert, dass ich davon weiß. Doch grau, wusste schon Goethe, ist alle Theorie. Das gelernte Wissen, dass das körpereigene Immunsystem ausgeschaltet wird und sich jegliche Heilung dadurch wesentlich in die Länge zieht, das ist das eine. Es zu erleben, das andere.

Seit Mittwoch früh hat sich eine Halsentzündung bei mir eingenistet, die nicht weichen und sich nicht bessern will. Wenn sogar der Schluck kühles Wasser im Hals wehtut, dann wird jedes Schlucken zur Qual. Ein leichter Schnupfen und ein gelegentliches Husten … das ist erträglich, aber gegen die brennenden und unaufhörlichen Halsschmerzen muss ich mit recht starken Medikamenten vorgehen, sonst wäre es undenkbar, Nahrung (und sei es nur ein Joghurt) zu mir zu nehmen. So fünf bis sechs Stunden wirken die Schmerztabletten jeweils insofern, als der Schluckschmerz erträglich wird. Ganz verschwinden will er trotz Höchstdosierung nicht.

Das meist mit Schnupfen, Husten, Halsweh einhergehende Fieber hält sich Gott sei Dank nach wie vor zurück. Ab 38 Grad Körpertemperatur wäre ich gehalten, umgehend einen Notfallarzt zu kontaktieren, seit Mittwoch zeigte das Thermometer zwei Mal 37,9 an, ansonsten sind es meist 36, 5 bis 37 Grad.

Und das alles ausgerechnet in meiner an und für sich medikamentenfreien Woche, die dem Körper als Erholungsphase von den chemischen Giftstoffen dienen soll.

Am Montag geht es mit der nächsten Infusion in den dritten Zyklus. Ich bin gespannt, ob der Onkologe, falls die Halsschmerzen noch anhalten, mir etwas anderes verschreiben kann als Schmerztabletten.

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Mittwoch, 13. Juni 2012

Chemotherapie – Zyklus 2

TherapietagebuchSo mancher Zeitgenosse fragte mich, ob es denn mit den Nebenwirkungen von Zyklus zu Zyklus besser oder schlimmer werde. So wie den Ärzten geht es auch mir mit der Antwort: Man weiß es nicht und muss es schlicht und ergreifend von Tag zu Tag abwarten.

imageDer zweite Zyklus wird erst am kommenden Sonntag enden, aber so viel kann ich aus meinem Tagebuch immerhin schon mal festhalten: Die erste Woche des zweiten Zyklus war wesentlich schwieriger als die vorangegangenen Wochen, während die zweite Woche keine über das normale Maß hinausgehenden Beeinträchtigungen mit sich brachte. Das »normale Maß« ist eine ständig vorhandene Übelkeit, die Tag und Nacht anhält, aber nicht zum Erbrechen führt und mit der ich Mahlzeiten ohne zusätzliche Medikamente einnehmen und bei mir behalten kann. Das Kreuzchen bei der Spalte mit dem Herrn, dessen Bauch wohl rote Blitze aussendet, mache ich nur dann, wenn es ohne Tropfen (MCP AL, sehr empfehlenswert übrigens) nicht geht.

image Durchfall, eine im ersten Zyklus noch recht häufige Plage, glänzte bisher im zweiten durch Abwesenheit. Es gibt zwar keine Nacht, in der ich nicht die Toilette aufsuchen müsste um abzuführen, tagsüber ist vier bis fünf mal die Regel, aber solange das Ergebnis der Besuche auf dem stillen Örtchen einigermaßen geformt ist, kommt bei den barfüßigen Herrn, der aus unerfindlichen Gründen auf seinem Hemd sitzt, kein Kreuzchen in die Spalte.

Das Fatigue-Syndrom verhält sich relativ konstant, indem es wie die Grundübelkeit zum ständigen Begleiter geworden ist. Es gibt Tage, die mühsamer sind und welche, wo sich Fatigue freundlicherweise etwas zurück hält … aber ganz verschwinden will er/sie/es nicht.

Dass der Nervenschaden durch das Oxaliplatin, das ich alle drei Wochen per Infusion bekomme, sich einstweilen nicht zurückbilden wird, weiß ich und richte mich darauf ein. Die Baumwollhandschuhe liegen neben dem Kühlschrank bereit und im Supermarkt halte ich mich von Tiefkühlregalen und –truhen fern, da darf jeweils die beste aller Ehefrauen beherzt zugreifen, wenn wir Waren aus den Behältnissen benötigen. Dass ich jemals im Leben zum Händewaschen warmes Wasser nehmen würde, hätte ich vor der Chemotherapie vehement verneint. Inzwischen bin ich nicht nur bekennender Warmduscher, sondern auch Warmhändewascher. So what!

Seit heute früh – das hat mit den Chemotherapiemedikamenten nicht direkt zu tun sondern nur indirekt, durch das ausgeschaltete Immunsystem – leide ich an Halsschmerzen und gelegentlichen Schwindelgefühlen, Fieber ist bisher nicht dabei (und sollte auch möglichst nicht auftreten). Der Arzt meinte jedenfalls vorhin, ich solle erst mal ohne Medikamente versuchen, das zu überwinden, da der Körper schon mehr als genug durch all die Mittel belastet ist. Nur im Falle, dass sich Fieber einstellt, müsste dann doch sofort mit Antibiotika reagiert werden.

Glienike Positives gibt es ja immerhin auch festzuhalten aus den letzten (fast) drei Wochen: Einige potentielle Nebenwirkungen sind nach wie vor nicht eingetreten. Ich habe dank sportmedizinischer Beratung gestern nun einen auf meinen Zustand maßgeschneiderten Trainingsplan für unser Fitness- und Wellnesscenter. Es waren mir und der besten aller Ehefrauen einige sehr schöne Ausflüge möglich. Die Rentenversicherung hat mein Ersatzentgelt für die Zeit der Rehabilitationsmaßnahme überwiesen. Die Krankenkasse hat versprochen, dass in den nächsten Tagen das Krankengeld auf unserem Konto eingehen wird.

Wie es weitergeht? Tja. Man weiß es nicht und muss es schlicht und ergreifend von Tag zu Tag abwarten. Und immerhin ist ja für mich die Tatsache, dass es überhaupt noch Tag um Tag gibt, keine Selbstverständlichkeit sondern Grund zur Dankbarkeit.

Dankbar bin ich auch für all die lieben Freunde und Verwandten (hauptsächlich bei Facebook aktiv, aber auch im »richtigen Leben« und per E-Mail oder Telefon), die mich und uns nach wie vor mit guten Wünschen, Anteilnahme, Gebeten und vielen aufmunternden Worten begleiten.

Am meisten Dank verdient aber sicher die beste aller Ehefrauen, die mir mehr Halt und Mut und Kraft gibt, als ich, der angeblich so gut mit Worten umzugehen weiß, es einigermaßen verständlich auszudrücken in der Lage wäre. Beweisen kann ich es (und will ich es) nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich die zurückliegenden Monate ohne Eva nicht so oder gar nicht überstanden hätte. Und da sie weiter an meiner Seite sein wird, so Gott will und wir leben, werden wir gemeinsam auch die kommenden Monate durchstehen.

P.S.: Nein, der Bauch auf dem oberen Foto ist nicht meiner. Der gehört zum »Vorbereitungspaket« für die Darmspiegelung, die am 3. Juli endlich durchgeführt wird. Es mussten erst die Operationswunden so gut wie es eben geht verheilen.

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Freitag, 8. Juni 2012

Nicht mehr glauben können und/oder wollen

Zur Zeit arbeitet einer meiner Freunde im Institut empirica an einer spannenden Forschung, in der es darum geht, warum Menschen nicht mehr glauben können und/oder wollen. Aus diesem Grund sucht er Menschen, die dies von sich behaupten.

studie Wenn du solche Menschen kennst oder ein solcher Mensch bist, dann wäre dieser Link www.dekonversion.de der geeignete Klickpunkt. Du kannst den Link auch gerne weitergeben, so dass er möglichst viele Leute erreicht.

Hier der Anschreibetext:

Das Forschungsinstitut empirica für Jugendkultur und Religion sucht für eine wissenschaftliche Studie zum Thema „Warum ich nicht mehr glaube“ Personen (Mindestalter 18), die nicht mehr glauben, sich jedoch früher einmal als Christen bezeichnet haben.

Sollten Sie zu dieser Gruppe gehören, würden wir uns freuen, wenn Sie an der Umfrage teilnähmen (Dauer ca. 10 Minuten). Am Ende besteht die Möglichkeit, uns Ihre Kontaktdaten zukommen zu lassen, falls Sie zu einem längeren Interview zum Thema bereit wären.

Ihre persönlichen Daten werden nur zum Zweck einer ausdrücklich gewünschten Kontaktaufnahme genutzt. Sie werden nicht an Dritte weitergegeben und auch von uns nicht zu Werbezwecken, o.ä. verwendet. Sämtliche Daten werden nach Abschluss der Studie gelöscht.

Na denn: Ungläubig gewordene aller Länder, beteiligt euch. :-)

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Montag, 4. Juni 2012

Fußball mit vielen Göttern im Team

Dass auf diesem Blog vom Fußball die Rede ist, kommt eher selten vor. Das mag auch gut so sein, denn es gibt ja genügend andere und fürwahr kompetentere Stimmen, die sich zum Thema äußern. Mir fiel jedoch kürzlich bei der Lektüre einer Zeitschrift auf, dass die deutsche Mannschaft bei dem kommenden europäischen Wettbewerb eigentlich nur gewinnen kann, weil ihr zahlreiche Götter zur Seite stehen. Einer davon wird ja wohl in das Geschehen eingreifen und für die entsprechenden Tore zu sorgen in der Lage sein?

Der Ball sei rund, sagen manche FachleuteDa ist zum einen der Gott der Moslems. Özil betet auch in der Kabine nach Mekka, wenn möglich vor jedem Spiel: »Ich bete dafür, dass ich und meine Kollegen in der Mannschaft nicht verletzt werden.« Khedera bekennt sich nicht weniger aufrichtig zu seinem Glauben an moslemisch-göttlichen Beistand bei seinem Tun als Fußballspieler.

Dann ist da der katholisch geprägte Gott der Christen. Boateng hat sich die Jungfrau Maria auf den linken Unterarm tätowieren lassen – und auf den rechten Oberarm ein Kreuz. Er bekennt: »Gott ist Teil meines Lebens.« Klose, einst Messdiener, trägt ein Kruzifix um den Hals und hatte schon eine Audienz beim Papst. Podolski, wie Klose aus Polen stammend, teilt dessen katholische Frömmigkeit.

Natürlich ist auch der evangelisch geprägte Gott der Christen mit von der Partie. Mertesacker hat unter anderem beim Evangelischen Kirchentag in seiner Heimatstadt Hannover mitgewirkt, Lahm warb vor dem Ökumenischen Kirchentag in München um Quartiere und unterstützt kirchliche Aids-Projekte.

Der freikirchlich geprägte, eifrig-missionarische christliche Gott bleibt dieses Mal soweit ich das überblicken kann draußen vor den Stadien, denn Cacau wurde von der Spielerliste gestrichen. Aber dafür sind ja zahlreiche Götter aus dem Hinduismus mit dabei, weil Trainer Löw und Teammanager Bierhoff den Spielern so genannte Shamballa-Armbänder geschenkt haben. Shamballa heißt übersetzt »Licht der Liebe«. Der Begriff steht im Hinduismus für Respekt, Geschlossenheit und Vertrauen. Bei den Nationalspielern sollen sie für einen besseren Zusammenhalt sorgen und positive Energie freisetzen.

Na dann kann ja nun nichts mehr schief gehen mit der Europameisterschaft.

Oder doch?

Was wäre, wenn eine der anderen Mannschaften noch mehr Götter ins Team eingeladen hat? Oder – gar nicht auszudenken! – wenn sich Gott, wie auch immer ihn seine Kinder nennen und begreifen, gar nicht für Fußball interessiert? Dann käme es ja auf sportliches Können und Leistung an …

(Quelle der Götter-Informationen: Pro Medienmagazin)

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