Freitag, 4. April 2014

Erleichtertes Aufatmen

In den letzten Tagen vor der heutigen Krebsnachsorgeuntersuchung habe ich immer wieder an Manfred Stolpe, den ehemaligen Ministerpräsidenten unseres benachbarten Bundeslandes, gedacht. Bei ihm wurde vor nunmehr fast elf Jahren Darmkrebs diagnostiziert, seither hat er es immer wieder etwa alle zwei Jahre mit Metastasen zu tun, zunächst in der Leber, inzwischen ist auch die Lunge betroffen – aber er gibt den Kampf und die Hoffnung nicht auf.

Nun bin ich ja einige Jahre jünger. Und ich weiß, trotz einiger Parallelen, dass man die Krankengeschichten von Krebspatienten nicht miteinander in dem Sinne vergleichen kann, dass man aus der eines anderen die eigene Zukunft ablesen könnte. Aber es ist nun mal so, dass vor jedem Untersuchungstermin düstere Gedanken immer häufiger auftreten, je näher der Tag rückt.

Foto von heute, dem 4.4.2014Umso erleichterter durften wir heute wieder aufatmen: Die Blutwerte haben sich weiter verbessert, insbesondere der tückische Gamma-GT-Wert ist weiter zurückgegangen. Obwohl er noch nicht im Normalbereich liegt, meinte der Arzt, das könne auch aufgrund der Leberoperation dauerhaft erhöht bleiben. Solange die Werte aber so deutlich unter denen von Oktober 2013 bis Februar 2014 liegen, ist das wohl kein Grund zur Sorge. Die Leber zeigt natürlich im Ultraschallbild deutlich die Narben von der Operation, aber weder sie noch Lymphknoten, Nieren, Milz oder Blase zeigen irgendwelche Anzeichen von Metastasen.

Anfang Juli steht die nächste Untersuchung mit Blutbild und Ultraschall an und im Herbst dann Darmspiegelung, Thorax-Computertomographie und Röntgen der Lunge. Trotz der mittlerweile doch deutlichen Strahlenbelastung durch all die Untersuchungen ist das immer noch das kleinere Übel als ein zu spät entdeckter neuer Tumor.

Doch jetzt genießen wir erst einmal das erleichterte Aufatmen angesichts der heutigen Gott sei Dank durchweg hoffnungsvollen Ergebnisse.

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Freitag, 28. März 2014

Johnny Cash: Out Among The Stars

Dass posthum veröffentlichte Werke von bedeutenden Künstlern nicht immer und nicht unbedingt zu den Perlen des jeweiligen Schaffens zählen, ist kein Geheimnis. Manchmal handelt es sich um Werke, von denen der Künstler selbst nicht so überzeugt war, dass er sie hätte publizieren wollen, manchmal um Unvollendetes.

Foto von Amazon.deBei diesem Album jedoch trifft das keineswegs zu. Es wurde - so unwahrscheinlich das auch klingt - schlicht vergessen und erst 2012 wiederentdeckt, als die Hinterlassenschaft des Ehepaares Cash katalogisiert wurde. Vermutlich lag das Vergessen zum Teil am Wechsel der Schallplattenfirma, zum Teil daran, dass Johnny Cash in jenen Jahren so einige Krisen durchlebte. Wie auch immer. Out Among The Stars ist in der jetzt vorliegenden (nachbearbeiteten und klanglich aufgefrischten) Form ein Meisterwerk, eines der besten Alben, die den Namen Johnny Cash tragen.

Die Texte handeln von dem, was der Countrymusik seit jeher ihren ganz eigenen Zauber verleiht. Die zerbrochene Liebe natürlich, in allerlei Variationen, in I Drove Her Out of My Mind gipfelt sie dann gar in einem Mord-Selbstmord-Abenteuer im nagelneuen Cadillac, für den der Sänger nur 99 Dollar hingelegt hat, wie er vergnügt anmerkt. In Call Your Mother finden wir eine ungewohnte Schwiegerelternperspektive und auch She Used to Love Me a Lot offenbart ein zerbrochenes Herz ... so kennen und lieben wir diese Musiksparte. Natürlich fehlt auch nicht der junge Revolverheld mit seinem viel zu frühen Lebensende und eine beinahe schnulzige Hymne an Tennessee nimmt man, weil sie auch noch mit ironisch anmutenden Chorjubelgesängen daherkommt, gerne in Kauf. Auch die blühende, die lebendige und wunderbare Liebe fehlt natürlich nicht, Don't You Think It's Foto von Amazon.deCome Our Time und Baby Ride Easy sind zwei herzerfrischende Duettgesänge zum Thema. Das Musikantendasein wird in Rock and Roll Shoes und samt Reifenwechsel an einem fremden Wagen in If I Told You Who It Was gefeiert. Letzteres hat mich vergnügt kichern lassen, da ich mir schon denken kann, von wem die Rede ist. Ein dankbarer Blick zum Allmächtigen wie in I Came to Believe sollte einer guten Countryplatte auch nicht fehlen.

Wir hören eine bereits gereifte, aber noch nicht brüchige Stimme, bei zwei Liedern im Duett mit June Carter-Cash, die Instrumentierung ist nicht überfrachtet aber auch nicht zu dünn, sie passt jeweils hervorragend zur Stimmung der Lieder und des ganzen Albums, einschließlich der erwähnten, für mich bewusst ironischen Übersteigerung in Tennessee.

Mein Fazit: Ein Johnny Cash Album, das als Gesamtkunstwerk genauso überzeugt wie die einzelenen Lieder für sich genommen faszinieren. Lediglich der sogenannte Bonustrack, She Used To Love Me a Lot in einer »JC/EC-Version«, fällt da deutlich und für meine Ohren ärgerlich heraus. Das mit elektronischen Effekten verunstaltete Experiment hätte man sich durchaus sparen können. Das ist kein Bonustrack, das ist ein Malustrack. Nun gut, ich kann ja künftig vor diesem schlimmen Ende der CD ausschalten.

Hier kann man bestellen: Out Among the Stars

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Freitag, 21. März 2014

Zwei Jahre geschenktes Leben

… die dreieinhalbstündige Operation wurde am vergangenen Mittwoch, dem 21. März 2012, durchgeführt.

Sind es schon zwei Jahre oder sind es erst zwei Jahre? Manchmal kommt mir die Zeit kurz vor, manchmal lang. Wie ich und was ich damals berichtet habe, kann man hier nachlesen: [Aufzeichnungen aus dem Krankenhaus – Teil 1]. In gewisser Weise habe ich heute Geburtstag und werde zwei Jahre alt.

Inzwischen ist viel passiert – Chemotherapie – viele Untersuchungen ohne bedrohliche Befunde – dann Lebermetastasen im September 2013 – fünfeinhalbstündige Operation am 4. Oktober 2013 – erstaunlich schnelle Genesung …

Ich bin, so viel ist sicher und das hat sich in der Zeit seit der Operation nicht geändert, dankbar für jeden neuen Tag, den ich mit Eva leben und erleben darf. Wenn es nach mir geht, folgen noch viele viele Jahre. Hoffnung auf dauerhafte Gesundheit ist vorhanden, aber auch das Wissen, dass bei der nächsten Untersuchung (Anfang April) oder der übernächsten oder der darauf folgenden … wieder Metastasen gefunden werden könnten. Der Krebs ist tückisch und man fühlt ihn nicht, während er sich irgendwo festsetzt. Manchmal überlagert die Furcht meine Hoffnung, meistens siegt die Zuversicht über die Angst.

Allen, die in den zwei Jahren mit Trost, Ermutigung, Gebet, Daumendrücken und sehr viel Liebe und Anteilnahme an unserer Seite standen und weiter stehen, ob nun persönlich bekannt oder noch nicht, möchte ich an dieser Stelle wieder einmal ein ganz herzliches und tief empfundenes Danke sagen!

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Mittwoch, 12. März 2014

Joggathon 2014 - Wer mag mich unterstützen?

Joggathon 2013 - eine WasserschlachtAm 25. Mai 2014 findet der nächste Benefizlauf »Joggathon« in Berlin statt. Vorausgesetzt, dass bei meinen nächsten Nachsorgeuntersuchungen im April keine Metastasen gefunden werden, möchte ich auf jeden Fall wieder als Läufer dabei sein.
Umrahmt wird die Veranstaltung in diesem Jahr unter anderem von dem ca. 30köpfigen Chor »Madrigalians« aus Nashville, Tennessee, die vor dem Benefizlauf Open-Air auftreten werden, eventuell auch während der einstündigen Runden um den See an der Wassertankstelle für die Läufer. Das wird sich zeigen und eventuell auch von der Witterung abhängen.
Im vergangenen Jahr war ausgerechnet der Tag des »Joggathon« so verregnet wie sonst kaum einer - was meiner Freude am Laufen jedoch keinen Abbruch tat. Für mich war die Teilnahme ein Etappensieg im Kampf gegen den Krebs, und das missliche Wetter konnte daran nichts ändern. Nasser als nach dem ersten Kilometer konnte man sowieso nicht mehr werden ... immerhin schaffte ich in den 60 Minuten neun Runden - eine mehr, als ich erwartet hatte. Mein Freund Jens, der an meiner Seite lief obwohl er sicher hätte schneller unterwegs sein können, sowie meine Familie, die anfeuernd und mich einige Wegstücke begleitend den Unbillen der Witterung (kalt war es auch noch) trotzte, hatten daran gewiss einen erheblichen Anteil gehabt.
Schlimmer als 2013 kann das Wetter zur diesjährigen Veranstaltung nicht werden - somit ergeht hier schon einmal eine herzliche Einladung an meine treuen Leserinnen und Leser, soweit Berlin Rudow in erreichbarer Nähe für sie liegt, als Zuschauer oder Läufer dabei zu sein. Nach dem Lauf wird es wiederum Gegrilltes, Salate und Kuchen geben - und reichlich Gelegenheit zum Plaudern. Alle sind herzlich willkommen.
2013: Neun Runden geschafftDoch es gibt noch einen zweiten Anlass für diese Zeilen: Ein Benefizlauf bringt es logischerweise mit sich, dass Geld für einen guten Zweck zusammenkommen soll. Beim »Joggathon« wird das so gehandhabt, dass die Läufer sich Sponsoren suchen, die einen bestimmten Betrag pro gelaufener Runde zusagen (und hinterher auch überweisen). Ich würde mich sehr freuen, wenn ich auch 2014 wieder mit meinen in 60 Minuten geschafften Kilometern eine nette Summe »erlaufen« könnte. Daher suche ich - na klar - Sponsoren! 2013 gingen die Spenden aus der Veranstaltung zu gleichen Teilen an das Waisenhaus Veritas Sighisoara in Rumänien und an ein Sozialwerk in Mahlow; welcher gute Zweck es 2014 sein wird, hat der Veranstalter noch nicht bekannt gemacht - es wird aber auf jeden Fall wieder an anerkannte gemeinnützige Organisationen gespendet.
Wer also einen Betrag nach freier Wahl (ab 2 Euro aufwärts) pro von mir gelaufener Runde spenden möchte, darf sich gerne bereits jetzt bei mir melden, ich gebe die Angaben dann rechtzeitig vor dem »Joggathon« beim Veranstalter ab - die Sponsoren erhalten eine Rechnung mit der Bankverbindung, an die das Geld überwiesen werden soll. Bargeld kommt nicht ins Spiel und ich als Teilnehmer habe auch nichts mit den Finanzen zu tun. Damit meine möglichen Sponsoren die Summe abschätzen können: Ich werde voraussichtlich acht oder neun Runden zu je 1 Kilometer in den 60 Minuten schaffen.
Liebe freiwillige Sponsoren: Bitte Name und Postanschrift sowie Betrag pro Runde per E-Mail (gjmatthia ät gmail punkt com) an mich - ich freue mich darauf und jeder Sponsor gibt mir Auftrieb (beziehungsweise Antrieb)! Danke!
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Samstag, 8. März 2014

Was ist schlimmer - Schalentiere oder Homosexualität?

Sehr geehrter Herr TV-Evangelist,

ich habe mir endlich einen Kabelempfänger zugelegt und kann jetzt Bibel-TV schauen, so oft ich will. Ihre Sendung gefällt mir außerordentlich! Vielen Dank dass Sie sich so um die Volksbildung bezüglich der Gesetzes Gottes bemühen. Ich habe aus Ihrer Fernsehshow bereits eine Menge gelernt und gebe mir größte Mühe, mein erworbenes Wissen mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen. Wenn zum Beispiel jemand versucht, Homosexualität zu verteidigen, dann erinnere ich schlicht daran, dass sie in 3. Mose 18, 22 deutlich als Gräuel bezeichnet wird. Ende der Debatte. So einfach ist das. Klasse!

Bezüglich einiger anderer Elemente des göttlichen Gesetzes brauche ich jedoch von Ihnen noch Ratschläge, damit ich völlig im Einklang mit der Bibel leben kann.

1. Das Wort Gottes in 3. Mose 25, 44 gestattet es mir, Sklaven zu halten; männliche und weibliche, solange sie von benachbarten Völkern gekauft werden. Einer meiner Freunde behauptet, das gelte nur für Polen, aber keineswegs für Holländer oder Französinnen. Können Sie da Klarheit schaffen? Warum darf ich keine Holländer besitzen?

2. Ich würde meine Tochter, so wie es in 2. Mose 21, 7 erlaubt ist, gerne in die Sklaverei verkaufen. Welcher Preis wäre heutzutage dafür angemessen?

3. Ich weiß, dass ich Frauen nicht berühren darf, während sie sich in der Phase ihrer monatlichen Unreinheit befindet - das lese ich in 3. Mose 15, 19-24. Mein Problem als Personalreferent in einem Industriebetrieb: Wie kann ich wissen, welcher Kollegin ich die Hand geben darf? Ich habe schon vor der Begrüßung nachgefragt, aber die meisten Frauen reagieren ziemlich eingeschnappt darauf.

4. Wenn ich auf dem Altar in meinem Garten einen Stier verbrenne, dann ist das dem Herrn, wie er in 3. Mose 1, 9 bestätigt, ein Wohlgeruch. Aber meine Nachbarn machen mir Ärger. Sie behaupten, dass der Geruch ihnen nicht angenehm wäre. Soll ich sie totschlagen?

5. Ich habe einen Nachbarn, der an jedem Sabbat arbeitet. In 2. Mose 35, 2 steht die klare Anweisung, dass er getötet werden muss. Bin ich moralisch verpflichtet, ihn persönlich umzubringen? Oder darf ich diesbezüglich die Polizei herbeibitten?

Foto: Gemeinfrei von Wikipedia6. Aus 3. Mose 11, 10 geht klar hervor, dass der Genuss von Schalentieren ein Gräuel ist. Ein Freund behauptet, das sei ein weniger schlimmes Gräuel als Homosexualität. Ich bin anderer Meinung. Können Sie hier Auskunft geben? Gibt es tatsächlich Gräuel-Abstufungen?

7. Wenn ich eine Sehschwäche habe, darf ich mich gemäß 3. Mose 21, 20 dem Altar Gottes nicht nähern. Nun bin ich aber Brillenträger. Gilt das Tragen der Brille, mit der ich ja dann klar sehen kann, als Ausgleich oder darf ich trotzdem nicht zum Altar des Herrn vortreten?

8. Die meisten meiner Freunde lassen sich die Haare schneiden, einschließlich der Haare an den Schläfen, obwohl das in 3. Mose 19, 27 ausdrücklich verboten ist. Auf welche Weise sollen diese Freunde sterben?

9. Dass mich das Berühren der Haut eines toten Schweines unrein macht, entnehme ich aus 3. Mose 11, 6-8. Darf ich trotzdem Handball spielen, wenn ich Handschuhe trage? Und meine gefütterten Winterstiefel kann ich doch weiter tragen, da das Leder nicht direkt die Haut berührt, oder?

10. Mein Onkel ist Landwirt. Er verstößt gegen 3. Mose 19, 19, indem er zwei verschiedene Saaten auf das gleiche Feld ausbringt. Ebenso seine Frau, indem sie gleichzeitig Kleidung aus verschiedenen Stoffen trägt (Baumwolle/Polyester zum Beispiel). Beide fluchen auch immer wieder. Müssen wir wirklich gemäß 3. Mose 24, 10-16 die ganze Stadt zusammenrufen, um die beiden zu steinigen? Können wir sie nicht einfach in einer privaten Familienzusammenkunft auf dem Scheiterhaufen verbrennen, wie man es laut 3. Mose 20:14 mit Menschen tut, die mit angeheirateten Verwandten ins Bett gehen?

Sehr geehrter Herr TV-Evangelist, ich weiß, dass Sie das Gesetz des Herrn intensiv studiert haben und sich deswegen exzellenter Weisheit in solchen Angelegenheiten erfreuen. Daher bin ich voller Zuversicht, dass Sie mir Rat geben können.

Vielen Dank noch einmal dass Sie uns immer wieder daran erinnern, dass das Wort Gottes ewig gültig und unveränderlich ist.

Ihr begeisterter Zuschauer und Nachfolger

Günter J. Matthia

P.S.: Es wäre wirklich sehr schade, wenn ich keine holländischen Sklaven besitzen dürfte!

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Quelle: Der Ursprung ist unbekannt. Im Internet kursieren seit Jahren ähnliche englische Texte in etlichen Variationen, die für diesen Beitrag zweifellos als Inspiration dienten, insbesondere die »Dear Dr. Laura« Variante, die ich hier als Vorlage genommen habe. Eine deutsche Version gab es meines Wissens noch nicht - nun habe ich sie geschrieben.
Foto von Wikipedia.

Freitag, 28. Februar 2014

Vom Tinnitus und vom Kortison

Der Tinnitus ist eine auditive Wahrnehmung, die zusätzlich zu dem auf das Ohr einwirkenden Schall ein- oder beidseitig wahrgenommen wird. Diese Wahrnehmung beruht auf einer Störung der Hörfunktion. Der Höreindruck des Tinnitus hat keinen Bezug zum Schall in der Umgebung des Patienten. Die Art der scheinbaren Geräusche ist sehr vielfältig. [Wikipedia]

In meinem Fall handelt es sich – das hat die Hals-Nasen-Ohrenärztin nachmessen können, um einen Pfeifton bei ca. 8000 Hz. Der hat sich in meinem Gehör festgesetzt und mag nicht freiwillig weichen. Die medizinische Diagnose nach der mehr als zweistündigen Untersuchung: Hörsturz mit nachfolgendem akutem Tinnitus. Weil er noch keine drei Monate alt ist, bestehen Chancen, dass er nicht zum chronischen Tinnitus wird.

Woran das liegt … die möglichen Ursachen sind Legion.

Fremdkörper im Gehörgang, Knalltrauma, Entzündungen des Ohrs, Otitis media, Otitis externa, Mittelohrerkrankungen mit Störung der Schallübertragung (z. B. Otosklerose), Virale und bakterielle Infekte (z. B. Borreliose), Schalltrauma (akut oder chronisch), Hörsturz, Tauchunfälle, Dekompressionskrankheit, Barotrauma, Morbus Menière, Costen-Syndrom, Hydrops cochleae, Endolymphschwankungen, Autoimmunerkrankungen des Innenohrs, Ototoxische Substanzen, Akustikusneurinom (ein Tumor der Gehörnerven), Bogengangsdehiszenz, Schwerhörigkeit/Hypakusis, Arzneimittel, Craniomandibuläre Dysfunktion … und viele mehr. [Wikipedia]

pillsDas meiste aus der Liste konnte durch Befragung und Untersuchung ausgeschieden werden. In meinem Fall ist es am wahrscheinlichsten, dass wegen der Leberoperation und der nachfolgenden mangelnden körpereigenen Hämoglobinproduktion eine Mangeldurchblutung zum Tinnitus geführt hat. Inzwischen haben sich die Leberblutwerte wieder gebessert – sie waren zuletzt noch nicht normal, aber die Tendenzwende war offensichtlich – so dass die Ursache, wenn sie es denn war, am Schwinden ist.

Letztendlich ist also – falls diese Ursache zutrifft – der Tinnitus wiederum auf den Darmkrebs zurückzuführen, der die Lebermetastasen verursacht hat. Doch die Ursachenforschung ist weniger interessant als die Frage, ob und wie ich den Pfeifton wieder loswerde.

Die von der Ärztin empfohlene Therapie wende ich nun seit drei Tagen an. Zum Start hochdosiertes Kodein (140 mg), die Dosis sinkt dann von Morgen zu Morgen, das Ganze dauert zehn Tage.

Wie alle Medikamente hat Kortison mögliche Nebenwirkungen.

Bei kurzfristiger, hochdosierter systemischer Anwendung können vor allem neuropsychiatrische Symptome auftreten, wie Konvulsionen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit,Euphorie, Impotenz, Depressionen und Psychosen, Hautveränderungen, »Mondgesicht«. Darüber hinaus kann die hoch dosierte Anwendung zur Manifestation einer latenten Epilepsie führen. [Wikipedia]

Zum Schutz des Magens nehme ich begleitend täglich zwei Kapseln »Omep«, da sonst bei der hohen Anfangsdosierung und bei zehn Tagen Magenprobleme nicht nur möglich, sondern sicher wären.

Heute, am dritten Tag, stelle ich fest, dass einerseits der Tinnitus noch rund um die Uhr da ist, andererseits empfinde ich das Geräusch als etwas dezenter. Und die Nebenwirkungen sind in einem erträglichen Rahmen geblieben. Schlafstörungen gibt es, gelegentlich Schwindel, Durchfall und hin und wieder Magendruck. Im Ganzen fühle ich mich vor allem nach der morgendlichen Einnahme ziemlich ramdösig – aber das ist nach vier oder fünf Stunden dann wieder weg.

Noch bin ich recht guter Hoffnung, dass es gelingen wird, den Tinnitus wieder los zu werden. Mal sehen. Ich werde berichten.

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Samstag, 22. Februar 2014

Fünf Einführungen

Manche meiner Blogbesucher wissen, dass ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen als Moderator durch die Gottesdienste unserer kleinen und von mir hochgeschätzten Kirchengemeinde führe. Hier folgen fünf von inzwischen vielen Einführungen aus den letzten Monaten – einschließlich der von morgen früh. Welche das ist, verrate ich aber nicht.

Einführung 1

Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst.

Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Dass Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, dass Glück das »Billigste« ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen.

Das sagte Erich Fromm, der berühmte Psychoanalytiker, in seinem letzten Interview 1980. Nun darf man auch solch prominenten Menschen widersprechen, wo es geboten ist. Ich bin nicht davon überzeugt, dass Glück nur aus eigener Anstrengung zu erreichen ist, sondern ich glaube und weiß aus Erfahrung, dass Gott dabei eine wichtige Rolle spielt. Ansonsten aber hat Herr Fromm durchaus den Nagel auf den Kopf getroffen. Glücklich sein – dafür muss man kein Geld ausgeben.

Wir werden heute in der Predigt von jemandem hören, der sehr reich und noch dazu mit bedeutender Weisheit ausgestattet war. Ein Mann, der in seiner Gesellschaft einen Spitzenplatz einnahm, sich alles leisten und erlauben konnte, was er wollte, und der zurückschauend dann sein Leben eine »leidige Plage« nannte.

Der Autor George Bernard Shaw hat die Sache mit dem Glücklichsein einmal so auf den Punkt gebracht:

Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 zehnmal so reich sind, als sie es mit 20 waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich.

Ich wünsche uns allen, dass wir bei diesem Gottesdienst demjenigen begegnen, der unserem Leben eine Grundlage geben kann, auf der Glück wirklich unabhängig von äußeren Gegebenheiten möglich und erlebbar wird.

Einführung 2

Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst.

Ich gebe es zu. Ich war versucht, an dieser Stelle ein Adventsgedicht vorzutragen. Das hätte so angefangen:

Es naut die Blacht – Verzeihung.

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Aber nein. Anstelle eines Adventsgedichtes oder der dreihundertvierzigsten Aufklärung darüber, dass Advent etwas mit Ankunft zu tun hat, stellt euch einmal vor, ihr wäret ein junger Mann. Auch die anwesenden Damen, gleich welchen Alters. Sagen wir er wäre 25 Jahre alt.

Also du bist jetzt ein junger Mann, sitzt hier im Gottesdienst und bist mit den Gedanken nicht ganz dabei. Deine Frau ist nämlich hochschwanger, sie liegt zu Hause auf dem Sofa und es kann jeden Moment so weit sein, dass die Wehen einsetzen. Darum liegt das Telefon griffbereit neben deiner Frau auf dem Couchtisch und du, hier im Gottesdienst, hast dein Mobiltelefon in der Tasche und rechnest jeden Augenblick mit dem Anruf deiner Frau: »Schatz, es ist so weit!«

So. Und das ist auch die einzige Konstellation, bei der es einen Grund gibt, das Telefon während des Gottesdienstes eingeschaltet zu lassen. Alle anderen, deren Frau nicht hochschwanger zu Hause auf dem Sofa liegt, dürfen jetzt noch einmal nachsehen, ob ihr Gerät nicht versehentlich doch noch eingeschaltet ist. Dankeschön.

Unser imaginärer junger Mann hat übrigens so einiges vorbereitet. Ein Kinderzimmer hergerichtet mit Babybett und Wickelkommode, es stehen mehrere Kartons mit Windeln bereit, Kleidung für das Ungeborene wurde eingekauft. So eine Geburt kommt ja in der Regel nicht völlig überraschend und auf manche Dinge im Leben bereitet man sich sorgfältig vor.

Warum es manchmal so wichtig ist, sich gut vorzubereiten, nicht auf eine Geburt, sondern auf eine Hochzeit, darüber hören wir in der Predigt nachher einiges.

Einführung 3

Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst.

Foto: http://a.rgbimg.com/cache1vKUtQ/users/j/jw/jwgeertsma/600/oocCYJE.jpgWenn ihr jetzt dieses Glas betrachtet, könnte der eine oder die andere auf die Idee kommen, dass es wieder mal um die Frage geht, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Aber nein, damit wollen wir uns heute nicht beschäftigen. Es ist übrigens halb voll.

Wenn ich dieses Glas in die Hand nehme, weil ich meinen Durst stillen möchte, passiert mit mir nichts weiter. Das Anheben und Hochhalten des Trinkgefäßes hat keine Auswirkungen. Ich kann es auch etwas heben, etwas senken, weiter nach links oder rechts bewegen.

Wenn ich nun aber eine halbe Stunde lang dieses Glas hochhalten würde, dann wären gewisse Auswirkungen sicher unvermeidbar. Meine Muskeln würden müde werden. Die Folgen wären sicher noch eine ganze Weile spürbar.

Hielte ich das Glas den ganzen Gottesdienst hindurch so in der Hand empor, dann bin ich ziemlich sicher, dass ich auch morgen noch die Folgen spüren würde, womöglich sogar mehrere Tage. Dabei hätte das Glas sein Gewicht überhaupt nicht verändert, es wäre nach zwei oder vier oder acht Stunden immer noch so leicht wie jetzt.

So ähnlich verhält es sich mit unseren Sorgen und unserer Seele oder unserem Geist. Wenn uns ein sorgenvoller Gedanke bewegt, passiert erst einmal nichts von größerer Bedeutung. Das hat keine dauerhaften Auswirkungen.

Wenn wir aber stundenlang über die Sorgen und Probleme in unserem Leben brüten und grübeln, uns ausgiebig ausmalen, wie schlimm und wie böse es kommen könnte, wenn wir die Sorge festhalten und festhalten und festhalten, immer wieder betrachten, herumdrehen, erneut betrachten … dann wird das nicht ohne Auswirkungen auf unser Leben und unser Befinden bleiben. Dann wird das unserer Seele, unserem Geist weh tun.

Der Apostel Petrus fordert im ersten uns überlieferten Brief seine Leser auf: »Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.«

Wenn man in einer schwierigen oder gar bedrohlichen Situation ist, dann möchte man antworten: Leicht gesagt, lieber Petrus. Wir können negative Gedanken, Furcht und Sorgen nicht einfach per Knopfdruck ausschalten, so wie ich einfach das Glas hier abstellen kann. Das geht oft nicht. Aber glaubt mir: Es kann gelingen, das Sorgenmachen einzugrenzen, abzugrenzen und auszugrenzen. Das ist etwas, was wir bewusst tun können.

Um es mal persönlich auszudrücken: Ich weiß um die Tatsache, dass jederzeit irgendwo in meinem Körper neue Metastasen entstehen können. Aber ich habe mich entschieden, nicht ständig darüber zu grübeln, mir dauernd Sorgen zu machen. Dass solche Gedanken auftauchen, kann ich nicht verhindern und sie sind ja durchaus berechtigt. Aber da ich nicht mehr für mein Gesundbleiben tun kann als ich tue, liegt der Rest in Gottes Händen. Und mit diesem Gedanken kann ich dann meist die bedrohlichen Überlegungen und Sorgen loslassen und loswerden.

Ich wünsche uns allen, dass auch dieser Gottesdienst eine Gelegenheit wird, Sorgen und Nöte und Befürchtungen nicht zu leugnen, sondern abzugeben und Mut und Trost von demjenigen zu empfangen, der unser Heiland und Retter ist.

Einführung 4

Guten Morgen, und herzlich willkommen zum Gottesdienst.

Wisst ihr, was wirklich peinlich ist? Wenn mitten in der Predigt oder während der Gebetszeit oder auch beim andächtigen Gesang ein mehr oder weniger geschmackvoller Klingelton aus deiner Handtasche oder deinem Jackett laut wird.

Daher empfehle ich euch, falls ihr zu den Mobiltelefonbesitzern zählt, euch jetzt zu vergewissern, dass das Gerät ausgeschaltet oder zumindest stummgeschaltet ist.

Es mindert nämlich nicht die Peinlichkeit, sich nach der Störung des Gottesdienstes durch das Klingeln Gründe zurechtzulegen, warum das Telefon unbedingt eingeschaltet sein musste oder welche Umstände daran Schuld sind, dass es mitten im Gottesdienst Lärm machen musste.

Wir Menschen sind ja recht schnell dabei, Entschuldigungen und Ausflüchte zu suchen. Der Preußenkönig Friedrich II., in späteren Lebensjahren auch der „Alte Fritz” genannt, war beim Volk für seine Gerechtigkeit beliebt. Einmal, so wird erzählt, besuchte der Alte Fritz ein Gefängnis. Zu seinem Erstaunen musste er bei den Gesprächen mit den Gefangenen feststellen, dass alle unschuldig waren. Jeder hatte eine Ausrede parat.

Schließlich traf er auf einen Mann, der den Kopf hängen ließ und sich selbst einen Schuft nannte. Ungeschminkt berichtete er, wie er auf die schiefe Bahn gekommen war.

Der Preußenkönig sagte zu dem Gefangenen: „Du bist hier der einzige Lump unter lauten anständigen Leuten. Scher dich fort, damit die anderen nicht durch dich verdorben werden!”

Dieser Mann bekam die Freiheit geschenkt, weil er seine Schuld erkannte und bekannte.

Wenn wir unsere Lebensschuld vor der höchsten Majestät zugeben, gewährt auch er uns Vergebung und Befreiung. Es heißt in der Bibel: Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt.

So ein Gottesdienst bietet Gelegenheit für vieles, für das Lob Gottes durch Lieder zum Beispiel. Wir werden auch eine Predigt hören und dabei mit- und nachdenken können, wie es wäre, unsere Stadt mit den Augen Jesu zu sehen. Und es kann auch jeder im stillen Gebet dem himmlischen Vater Sünde bekennen – in der frohen Gewissheit, dass Vergebung und Befreiung von Schuld in greifbarer Nähe sind.

Einführung 5

Guten Morgen, und herzlich willkommen zum Gottesdienst.

In unserer Straße gibt es ein Haus, das bunt geschmückt ist mit tibetanischen Fähnchen, Wimpeln und Ornamenten, auch ein etwas beleibter Buddha im Garten, aus Stein natürlich, nicht lebendig, ist im Vorgarten zu sehen.

Am Gartenzaun ist ein Metallschild mit einem QR-Code aufgestellt. Neulich hatte ich, als wir an dem Haus vorbei gingen, mein schlaues Mobiltelefon griffbereit und da ich eine QR-Code-Anwendung installiert habe, konnte ich endlich mal herausfinden, was das Metallschildchen eigentlich sagen will, wenn man über die geeignete Ausrüstung zum Entschlüsseln verfügt. Also richtete ich das Kameraauge meines Telefons auf das Schild, drückte auf dem Bildschirm »Scannen« und konnte dann sofort die Botschaft lesen:

For one minute please, stand here in silence and look at the sky, and contemplate, how awesome life is.

Eine Aufforderung also, wenigstens einen Augenblick zur Ruhe und zur Besinnung zu kommen, sich darüber Gedanken zu machen, wie großartig und eindrucksvoll das Leben ist.

Man muss ja keinen Buddha im Garten haben – es tut uns allen immer wieder gut, innezuhalten und uns zu erinnern, dass das Leben – trotz aller Widrigkeiten, die uns begegnen, trotz aller Durststrecken, die wir durchwandern, trotz Krankheit, Not, Armut oder anderen Qualen doch mehr ist, als wir gerade in Schwierigkeiten zu erkennen in der Lage sind.

Manchmal hilft so ein Blechschild mit einem QR-Code, sich daran zu erinnern. Es kann aber auch ein Gottesdienst sein. Wie wäre es mit dem heutigen zum Beispiel für dich und mich? Es ist nämlich, davon bin ich überzeugt, kein Zufall, dass unser Leben großartig und beeindruckend ist, wenn wir nur genau hinschauen. Ich glaube, da steckt jemand dahinter!

In der Schriftlesung, die wir nachher hören, erinnert Mose das Volk: Der Herr, euer Gott, geht doch vor euch her. Er wird für euch kämpfen, wie er es schon in Ägypten vor euren Augen getan hat. Ihr habt erlebt, wie der Herr, euer Gott, euch den ganzen langen Weg durch die Wüste bis hierher getragen hat, wie ein Vater sein Kind trägt.

Ich wünsche mir und uns allen, dass uns das heute ganz neu bewusst wird, dass der Herr, unser Gott nicht fern von uns ist, sondern bei uns, gerade und vor allem auch dann, wenn wir ihn vor lauter Sorge oder Not oder Angst einmal aus den Augen verlieren.

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P.S.: Wer nun unbedingt wissen will, welche Einführung die vom 23.02.2014 sein wird, ist genötigt, morgen um 10:30 zum Gottesdienst der Johannes-Gemeinde in der Wrangelstraße 6 in 12165 Berlin zu erscheinen.

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Freitag, 7. Februar 2014

Gute Nachrichten vom Gamma-GT und von der alkalischen Phosphatase

pic_4_blogHeute liegen sie mir vor, die Ergebnisse der Blutuntersuchung vom vergangenen Mittwoch. Und sie sind Gott sei Dank erfreulich, weil sich zum ersten Mal seit der Operation an meiner Leber die Tendenz gewendet hat. Es waren zwei Werte, die den Ärzten und mir Sorgen machten.

1. Gamma-GT
Als Normalwert gelten bis zu 60 U/l (was meines Wissens für units per litre, also Einheiten pro Liter steht). Mein aktueller Wert liegt mit 215 zwar noch deutlich über dem, was als normal gilt, aber im Vergleich zum Januar, als 325 U/l gemessen wurden, ist das eine ganz offensichtliche Besserung.
Das Beunruhigende an diesem Blutwert: »Erhöhte GGT-Werte können viele Ursachen haben und müssen im Zusammenhang mit anderen Laborwerten wie Alkalische Phosphatase, ALT/GPT, AST/GOT oder Bilirubin interpretiert werden. Stärkere Erhöhungen findet man bei chronischer Hepatitis, Leberzirrhose, Lebermetastasen oder Schädigungen der Leber.« (Wikipedia)
Nun ist ja sonnenklar: Die Leber wurde geschädigt. Durch die Operation von zwei Metastasen an unterschiedlichen Stellen des Organs. Wenn zwei kastaniengroße Stücke aus dem Organ herausgeschnitten werden, ist das zweifellos ein Schaden. Da die Werte vor der Entdeckung der Metastasen im September 2013 nicht erhöht waren, war der vehemente Anstieg mit großer Wahrscheinlichkeit lediglich der lebensrettenden Operation geschuldet. Bei den Kontrollen via Ultraschall und MRT seither wurde besonders die Leber angeschaut und für frei von Metastasen befunden.
Ich war also durch den stetigen Anstieg seit Oktober nicht verängstigt, aber eine wachsende Beunruhigung will ich auch nicht leugnen. Die Erleichterung darüber, dass es jetzt nicht weiter bergauf, sondern endlich bergab geht mit dem Gamma-GT, ist demgemäß eine spürbare.

2. Alkalische Phosphatase
Der andere Wert, der seit der Operation auffällig war, nennt sich »Alkalische Phosphatase«. Im Januar wurden noch 175 U/l festgestellt, jetzt sind es 155 - normal wäre ein Wert zwischen 40 und 130; 155 ist ja so weit nicht mehr davon entfernt.
Das Alarmierende bei diesem Indikator: »Eine der häufigsten Ursachen für eine AP-Erhöhung sind maligne Tumoren, die in den Knochen metastasiert sind (Knochenmetastasen).« (Wikipedia)
Nun ist es beim Darmkrebs, an dem ich erkrankt war, sehr unwahrscheinlich, dass es zu Knochenmetastasen kommt. Weil der Wert jetzt ebenfalls erkennbar sinkt, scheiden Metastasen als Ursache mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus. Ganz festlegen wird sich ein Arzt nie und nimmer, aber ich bin jedenfalls mit Fug und Recht auch diesbezüglich beruhigt.

Die völlige Abstinenz von alkoholischen Getränken dürfte (neben der weiterhin gesunden Ernährung ohne Billigfleisch und chemieverseuchtes Obst oder Gemüse, siehe Blogbeitrag zum Thema) zur Trendwende beigetragen haben. Weder das Schnäpschen im Restaurant auf Kosten des Hauses, noch den kleinen Kelch Sekt bei der firmeninternen Feier, noch das Glas Wein zum Wochenende oder das Bier zum deftigen Mittagsmahl habe ich akzeptiert. Und siehe da: exitus acta probat. Eine Leber, die nicht ständig Giftstoffe (Chemierückstände aus Lebensmitteln oder Alkohol) abbauen muss, erholt sich leichter. Daher beabsichtige ich auch zukünftig, wenn eines Tages die Leberwerte wieder komplett im Normalbereich sein werden, die jetzige Erfahrung fortzusetzen, dass ein Leben ohne Alkohol keineswegs weniger angenehm ist als das in unserer Gesellschaft übliche Mittrinken bei passenden und unpassenden Gelegenheiten. Ich vermisse den Alkohol genauso wenig wie seit März 2012 das Nikotin. Und das ist auch gut so und darf ruhig so bleiben.

So sind also die aktuellen Ergebnisse aus der Blutanalyse ein weiterer Grund zum dankbaren Aufatmen, den ich meinen treuen, Anteil nehmenden Blogbesuchern (und damit gleichzeitig den gleichermaßen Anteil nehmenden Facebook-Freunden) in der solchermaßen erneut ein wenig gestärkten Hoffnung auf dauerhafte Krebsfreiheit nicht vorenthalten will.

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Sonntag, 2. Februar 2014

10 … 10 … 10 …

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Zehn Fotos pro Album. Wer mag, darf schauen: http://gjm-berlin.tumblr.com/

(Die Sammlung wird weiter wachsen.)

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Donnerstag, 30. Januar 2014

Gibt es was Neues? Nö.

Das Gleichnis mit dem Glas, das man als halb voll oder halb leer zu betrachten in der Lage ist, kann ja mittlerweile mit Fug und Recht zu den alten Eisen gezählt werden. Originell wäre es höchstens noch, neben dem Optimisten und dem Pessimisten noch eine dritte Figur ins Spiel zu bringen, nämlich den Opportunisten, der flugs das Glas austrinkt. Aber neu ist auch diese Wendung der betagten Metapher nicht.

Was ist neu? Ganz und gar neu? Wie ein eben aus dem Ei, das nicht auf dem Frühstücktisch des Bauern gelandet ist, geschlüpftes Küken? Solch ein Hühnernachwuchs ist neu, zweifellos. Als Individuum. Das Minihuhn ähnelt vielleicht anderen, aber es war noch nicht da. Und wird nicht wieder sein. Andererseits: Dass aus Eiern, wenn sie bebrütet werden, Küken schlüpfen, ist ganz und gar nicht neu. Das geht schon Jahrhunderte und Jahrtausende so vor sich, Tag für Tag. Bildschirmfoto - gemopst von puk.comWer etwas wirklich ganz und gar Neues sucht, wird so leicht nicht fündig.

Mir war in letzter Zeit danach, eine neue Kurzgeschichte zu schreiben. Aber, so dachte ich mir nach den ersten Sätzen immer wieder, wird das wirklich etwas noch nicht Geschriebenes, eine neue, ganz und gar noch nicht dagewesene Erzählung?

Tom Waits, ein einzigartiger Musiker, dessen Kunst ich außerordentlich schätze, erzählte bei einem Konzert: My wife says I can only write two songs. Grand weepers or grim reapers. So ähnlich geht es mir mit dem Schreiben. Ich fange eine Erzählung an und schon weiß ich, dass sie zwar neu als individuelle Geschichte entstehen würde, dass aber sehr ähnliche Texte schon unendlich oft geschrieben wurden, von mir oder von anderen Autoren. Daher ist es bisher bei mehreren Fragmenten geblieben, aus denen Erzählungen hätten werden können.

Beispiel 1:
»Und wie geht das nun genau? Ich meine, wie fange ich an, was kommt als nächstes ... so ganz praktisch. Das hat mir in all den Aufklärungsbüchern und –stunden in der Schule noch niemand sagen wollen.«
Jennifer blickte ratlos um sich.

Der so angefangene Text würde sich zu einer Erzählung über das Erwachen beziehungsweise die Entdeckung der Erotik in einem jungen Menschenleben entwickeln. Eine Geschichte die täglich millionenfach erlebt wird und über die schon unzählige Autoren mehr oder weniger gelungene Sätze zu Papier gebracht haben. Neu natürlich für Jennifer, aber für die Menschheit eine uralte Geschichte, die auch in Zukunft Tag für Tag erlebt werden wird.

Beispiel 2:
»Denken Sie«, sagt der Dozent, »denken Sie jetzt mal bitte nicht an einen rosa Elefanten. Denken Sie an alles andere, was Ihnen so einfällt, aber nicht an einen rosa Elefanten.«
Na, liebe Leser, was sehen wir wohl vor uns nach dieser Aufforderung?
Genau.

Aus diesem Ansatz kann nur ein philosophischer Exkurs werden, oder eine Erzählung über jemanden, der es doch schafft, nicht an einen rosa Elefanten zu denken. Dieser Jemand ist nämlich anders als alle anderen, und damit hat der Autor Stoff genug, um auch 900 Seiten zu füllen, wenn es denn ein Roman werden soll. Aber auch diese Geschichte ereignet sich alle Tage und wurde in zahlreichen Varianten immer wieder aufgeschrieben.

Beispiel 3:
Es ziemt sich nicht, sagte ich mir, es ziemt sich ganz und gar nicht.
Wurde die Waffe in meiner Hand schwerer? Nein, natürlich nicht. Es kam mir nur so vor. Ich zielte schließlich nicht täglich mit einem Revolver auf einen Menschen.

Bildschirmfoto - gemopst von puk.comNa ja, und daraus, das ist klar, kann nur eine Krimiszene oder eine Horrorepisode oder etwas ähnliches entstehen. Auch das hat die Welt schon tausend Mal gelesen und gehört und gesehen. Ob mein Ich-Erzähler dann der Böse oder der Gute ist, ob er wider Willen oder ganz bewusst mit der Waffe in der Hand vor einem Mitmenschen gelandet ist, sei dahingestellt. Aber wirklich neu wären solche Ideen nicht.

So. Das war es, was ich heute an neuen Erkenntnissen mitzuteilen hatte.

Dass diese Erkenntnisse so ganz taufrisch nicht sind, brauchen Sie mir nicht extra unter die Nase reiben, liebe Leser. Ich kenne das Lied Time von Roger Waters: You run and you run to catch up with the sun but it is sinking, and racing around to come up behind you again! Und ich habe auch die deprimierten Worte des König Salomo gelesen: Alle Flüsse fließen ins Meer, und das Meer wird nicht voll. Zum Ort, wohin sie fließen, da fließen und fließen sie. Alle Dinge mühen sich ab, keiner fasst sie alle in Worte. Das Auge wird vom Sehen nicht satt und das Ohr vom Hören nicht voll. Was gewesen ist, wird wieder sein; was man getan hat, wird man wieder tun; und nichts ist wirklich neu unter der Sonne.

Quod erat demonstrandum.

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