Freitag, 18. April 2014

Fünf weitere Einführungen

Manche meiner Blogbesucher wissen, dass ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen als Moderator durch die Gottesdienste unserer kleinen und von mir hochgeschätzten Kirchengemeinde führe. Ich hatte vor einer Weile hier fünf meiner Einleitungen dargeboten. Hier folgen anlässlich der bevorstehenden Feiertage weitere fünf aus den letzten Jahren – einschließlich der vom kommenden Ostersonntag. Welche das ist, verrate ich aber nicht. Das ist nämlich leicht zu erraten.

Einführung 1

Guten Morgen, und herzlich willkommen zum Gottesdienst am vierten Advent.

Bitte mal recht freundlich … (an dieser Stelle machte ich ein Foto der Gemeinde mit meinem mobilen Telefon) … Dankeschön!

So ein mobiles, womöglich auch noch schlaues Telefon ist ja weit mehr als ein Telefon. Man kann damit Bilder aufnehmen, durch fremde Städte navigieren, soziale Netzwerke heimsuchen, sich die Zeit damit vertreiben, auf dem Bildschirm virtuelle Ameisen zu zerquetschen, Musik hören, Predigten oder sonstige Ansprachen aufnehmen, Bücher einkaufen, Nachrichten lesen und sehen, und sogar – man ahnt es kaum – telefonieren!

Nun stell dir einmal vor, du bekommst ein solches Gerät zu Weihnachten geschenkt. Wenn das der Fall ist, dann gibt es mehrere Möglichkeiten, wie du darauf reagierst:

1. Du nimmst es zur Kenntnis – aha, Tante Erna oder Onkel Paul hat mir ein Mobiltelefon geschenkt. Feine Sache. Und dabei belässt du es dann.

2. Du packst das Gerät aus, nimmst es in Betrieb, freust dich daran, dass der Bildschirm so schön bunt aufleuchtet und legst es dann beiseite, um dich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

3. Du machst dich mit dem Geschenk vertraut, beschäftigst dich mit der Anleitung, lernst es richtig kennen und verwendest es fortan als hilfreichen und Freude machenden Begleiter im Alltag.

Nun mag sich mancher frage, ob das hier eine Werberede für ein neues Mobiltelefon werden soll … nein, keine Angst!

Zu Weihnachten feiern wir, dass Gott uns ein Geschenk gemacht hat – er hat seinen Sohn Mensch werden, unter uns Menschen leben und für uns Menschen sterben lassen.

Natürlich hinkt der Vergleich wie alle Vergleiche hinken, aber wir können auch auf dieses Geschenk Gottes verschieden reagieren:

1. Man nimmt es zur Kenntnis – aha, Gott hat seinen Sohn gesandt. Feine Sache. Hat aber nichts mit meinem Leben und mir zu tun.

2. Man nimmt das Geschenk an, freut sich daran, dass Jesus Mensch geworden ist und legt diese Erkenntnis dann gedanklich beiseite, um sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

3. Oder man macht sich mit dem Geschenk vertraut, lernt Jesus richtig kennen, was seine Zeit dauert und auch nicht so ganz einfach gelingt. Aber dadurch wird Jesus zu unserer Hilfe, Freu-de und Hoffnung, zu unserem Begleiter im Alltag.

Ich wünsche uns allen an diesem Morgen, dass Gottes Geschenk uns wieder ganz neu bewusst und wert-voll wird. Ich bin ziemlich sicher, dass wir auch nach Jahren noch neue Facetten des Glaubens entdecken und erleben können. Dann wird es uns nämlich möglich, uns tatsächlich über Weihnachten als Erinnerung an die Geburt Jesu zu freuen, völlig losgelöst von mehr oder weniger kitschigen Liedern, pausbäckigen Engeln oder rot bemantelten weißbärtigen dicken Männern, die alle behaupten, der Weihnachtsmann zu sein, den es – die Kinder halten sich bitte mal kurz die Ohren zu – ja gar nicht gibt.

Freuet euch – das wird auf einmal ganz leicht, wenn wir Gottes Geschenk der Menschwerdung bedenken, und diese Freude ist dann unabhängig von unseren womöglich sogar sehr unerfreulichen Umständen.

Einführung 2

Guten Morgen, und herzlich willkommen zum Gottesdienst in der Wrangelstraße. Dass unsere Gemeinde hier beheimatet ist, dient mir als willkommener Aufhänger für eine kleine Episode aus der Geschichte.

Otto von Bismarck hat in seinem Buch „Gedanken und Erinnerungen“ geschildert, wie ein langjähriges Zerwürfnis in der Beziehung zu seinem alten und väterlichen Freund, Feldmarschall Friedrich von Wrangel, beendet wurde.

Während des Deutsch-Dänischen Krieges hatte Wrangel zunächst den Oberbefehl über die preußisch-österreichischen Truppen. Er wurde im Kriegsverlauf aber auf Betreiben Bismarcks schnell abgelöst, da er eigenmächtig vorging. Wrangel verzögerte nämlich die militärischen Operationen und verbot die Verfolgung der geschlagenen dänischen Truppen.

Der noch immer darüber erboste Bismarck saß dann Jahre später an einer Tafel dem alt geworden Wrangel gegenüber. Die beiden redeten kein Wort miteinander, bis Wrangel zu Bismarck sagte: „Mein Sohn, kannst Du nicht vergessen?“

Bismarck antwortete abweisend: „Nein!“

Dann schwiegen beide wieder lange, bis Wrangel erneut anfing: „Mein Sohn, kannst Du nicht vergeben?“

Da streckte Bismarck ihm die Hand über den Tisch entgegen und sagte: „Von Herzen gern!“

Manchmal fällt es uns sehr schwer, um Vergebung zu bitten, stimmt’s? Es wäre uns viel lieber, wenn unsere Schuld einfach in Vergessenheit geraten würde … anstatt zuzugeben, dass wir schuldig geworden sind. Das passiert im zwischenmenschlichen Bereich und es passiert auch in unserer Beziehung zu Gott.

Daniel, um den es heute in der Predigt noch einmal gehen wird, hat nicht still vor sich hin gehofft, dass Gott die Schuld der Menschen irgendwann einfach vergessen würde. Er sagt statt dessen unter anderem in seinem Gebet: „Ja, wir haben gesündigt, wir sind gottlos gewesen!“

Dazu später mehr in der Schriftlesung. Ich wünsche mir und uns, dass wir öfter wie Wrangel, nach dem die Straße, in der wir uns jeden Sonntag versammeln benannt ist, darauf kommen, dass es möglich ist, um Vergebung zu bitten – und dass Vergebung die Schuld tatsächlich beseitigt.

Einführung 3

Guten Morgen, und herzlich willkommen zum Gottesdienst.

Wer von euch hat schon einmal Kartoffeln geerntet? Oder Weintrauben, Spargel, Melonen, Weizen …

Wir Berliner gehen ja eher in ein Geschäft und erwerben die benötigten Nahrungsmittel, als selbst zu säen und zu ernten. Wir haben oft noch nicht einmal eine klare Vorstellung, was eigentlich alles notwendig war, bevor die Nahrung in unserer Küche zubereitet oder im Restaurant bestellt werden kann.

Das Motto des heutigen Gottesdienstes und der Predigt ist Bittet den Herrn der Ernte - für eine neue Ernte in Deutschland.

Jesus hat gerne Bilder aus dem Alltag der Menschen verwendet, um geistliche Dinge zu erklären. Eine Ernte, das wussten seine Zeitgenossen, erfordert Arbeit, Mühe, Einsatz, kostet Kraft. Ich habe mal als junger Mensch, mit 17 Jahren etwa, Kartoffeln geerntet, einen Tag lang, und zwar per Hand, nicht mit einer Maschine. Die Rückenschmerzen haben ein vielfaches der Zeit angehalten, die ich auf dem Acker verbracht habe.

Eins habe ich damals verstanden: Die Kartoffeln wandern nicht von selbst in unseren Keller. Man muss sie aus der Erde holen, und das ist Arbeit.

Jesus sagt in unserem heutigen Predigttext unter anderem: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet deshalb den Herrn der Ernte, mehr Arbeiter auf seine Felder zu schicken. Geht!

Das ist unangenehm, dass er noch dieses Geht! hinzufügt. Eine Bitte an den Herrn der Ernte, Arbeiter auszusenden, das lässt sich ja noch ohne großen Aufwand machen. Da kann man sogar auf dem Sofa sitzen bleiben. Dumme Sache, dieses Geht!

Ich bin gespannt auf die Predigt, auf den ganzen Gottesdienst und ich wünsche mir, dass es mir, dass es uns gelingt, nicht nur von der Ernte zu reden, sondern sie tatsächlich einzubringen.

Einführung 4

Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Ostergottesdienst.

In der Predigt am vergangenen Sonntag haben wir unter anderem gehört, wie viel Aufruhr und Aufregung die Auferweckung des Lazarus in Jerusalem ausgelöst hat. Dass jemand von den Toten aufersteht - das ist tatsächlich ein für den menschlichen Verstand kaum fassbares Ereignis, das ist etwas Unglaubliches.

»Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht« heißt es im ältesten uns überlieferten Evangelium, in Markus 16.

Letztes Jahr habe ich zur Einführung in den Ostergottesdienst Margot Käßmann mit ihrer Geschichte vom Pfarrer, der sich auf der Kanzel rasierte, zitiert, um das Unglaubliche am Ostergeschehen zu illustrieren. Dieses Jahr habe ich mir ausgedacht, selbst etwas Unglaubliches zu tun. Allerdings packe ich jetzt keine Utensilien zum Rasieren aus. Aber genau wie der Maria, die vom leeren Grab Jesu kam und berichtete, niemand glauben wollte, wird euch auch kaum jemand glauben, dass heute hier im Gottesdienst zum Ostergeschehen ausgerechnet Friedrich Nitzsche zitiert wurde.

Foto von WikipediaGelegentlich lese ich klassische Literatur erneut, mit deren Lektüre ich mich in jungen Jahren schon einmal beschäftigt habe. Goethe, Schiller, Ernest Hemingway, Heinrich Böll, Karl May sogar. In den letzten Wochen habe ich mich durch den Wälzer »Also sprach Zarathustra« von Friedrich Nietzsche gearbeitet. Ich fand das Buch schon als Jugendlicher nicht sonderlich gut, jetzt beim erneuten Lesen fiel mein Urteil noch vernichtender aus: Manche Menschen schätzen es hoch, das Buch, und das will ich ihnen auch gar nicht ausreden, aber für mich persönlich gilt, dass das Werk nichts taugt. Es ist immerhin gelegentlich literarisch interessant, aber der Inhalt ist durchgehend hanebüchener Unfug. Dennoch stieß ich ab und zu in all der wirren Pseudophilosophie auf einen oder zwei Sätze, die als Anstoß zum Nachdenken ganz trefflich geeignet sind. Zum Beispiel legt Nietzsche seinem Zarathustra folgendes in den Mund:

Also sprach der Teufel einst zu mir: »Auch Gott hat seine Hölle: das ist seine Liebe zu den Menschen.« Und jüngst hörte ich ihn dieses Wort sagen: »Gott ist tot. An seinem Mitleiden mit den Menschen ist Gott gestorben.«

Das heißt im Grunde genommen nichts anderes, als der uns wohlbekannte Satz: »So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab.« Die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen hat ihm wirklich eine Hölle verursacht. Sein Sohn musste sterben, weil die Liebe Gottes für den Menschen so übergroß und so überwältigend war. Gott ist in der Person Jesus Christus tatsächlich gestorben, und zwar, wie Nietzsche formuliert, an seinem Mitleiden mit den Menschen.

Allerdings ist es nicht dabei geblieben. Heute feiern wir, weil wir uns an die Auferstehung erinnern. Dass Christus auferstanden ist, gibt uns mehr als zweitausend Jahre später noch immer Grund zur Freude und zur Dankbarkeit. Das gibt uns Hoffnung und Kraft. Die Auferstehung von den Toten bleibt aber dennoch dem menschlichen Verstand schwer vorstellbar.

Vielleicht fällt es euren Bekannten, falls ihr von diesem Gottesdienst erzählt, wirklich leichter zu glauben, dass der Nihilist Nietzsche zitiert wurde als dass Jesus Christus tatsächlich an seinem Mitleiden mit uns Menschen gestorben ist, aus Liebe zu den Menschen Höllenqualen auf sich genommen hat und zu unserer Errettung auferstanden ist. Unglaublich oder nicht - der Wahrheit entspricht beides, Nietzsche im Gottesdienst und Auferstehung Christi. Und weil das letztere ein Grund zur Freude ist, feiern wir heute.

Einführung 5

Guten Morgen, und herzlich willkommen zum Gottesdienst.

Wenn der Wind weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen, sagt ein Sprichwort. Wie gehen wir mit Gegenwind, mit Widerständen und Schwierigkeiten in unserem Leben um?

Um diese Frage wird es heute unter anderem in der Predigt gehen. Wir haben eben gesungen »du bist der Herr über Tag und Nacht«, was an einem hellen, sonnigen Frühlingstag leicht über unsere Lippen geht. Aber wenn es dunkel wird, wenn uns Krankheit, Not, Angst überfallen, dann ist es gar nicht mehr so leicht, an solchen Aussagen über Gott festzuhalten.

»Und Israel zog wohlgeordnet aus Ägyptenland« heißt es ein paar Absätze vor dem Text, den wir nachher als Schriftlesung hören. Der Knechtschaft entronnen meinte das Volk, nun schnurstracks in die versprochene Heimat zu ziehen, voller Gottvertrauen und das Lob Gottes auf den Lippen.

Wir wissen, dass die Euphorie von kurzer Dauer war. Auf einmal reden sie dann ganz anders: »Haben wir's dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.«

Ich wünsche mir und uns, dass auch dieser Gottesdienst heute dazu beiträgt, uns auf Kraftquellen aufmerksam zu machen, die wir bitter nötig haben, wenn einmal nicht eitel Sonnenschein in unserem Leben herrscht. So angenehm der Zustand auch ist, wenn alles gut und schön und gesund und voller Segen und Sieg ist, aus eigener Erfahrung weiß nicht nur ich, wie schnell und unerwartet plötzlich alles anders aussehen kann. Und dann, wenn das ägyptische Heer am Horizont auftaucht, dann brauchen wir Kraftquellen in der Wüste.

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P.S.: Wer nicht herausbekommen hat, welche Einführung die vom Ostersonntag sein wird, ist wie alle anderen herzlich willkommen um 10:30 zum Gottesdienst der Johannes-Gemeinde in der Wrangelstraße 6 in 12165 Berlin. Dort erfolgt dann die Auflösung.

Foto: [Friedrich Nietzsche / Wikipedia Common License].

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Mittwoch, 16. April 2014

Bio-Skandale und Autos ohne Bremsen

Es ist schon verwunderlich, wie kurzschlussartig manche Mitmenschen denken. Oder kann da vom Denken schon keine Rede mehr sein?

»Es gibt ja immer wieder Skandale bei Bio-Produkten«, sagte kürzlich eine ältere Dame im Gespräch zu mir, »deshalb kaufe ich mein Fleisch und meine anderen Lebensmittel bei XXXX.« (Statt XXXX nannte die Dame einen Billigdiscounter.) Bei den Kommentaren auf Facebook zu einer Meldung der Berliner Abendschau über das falsch deklarierte Fleisch bei Neuland behauptet jemand: »... solange nicht alle Inhaltsstoffe in Klarschrift genannt werden müssen, ist es absolut egal, was man wo kauft.« Eine andere Stimme an gleicher Stelle: »... gucke ich selten nach der Herkunft. Wie man sieht, stimmt das ja sowieso nicht.«

Da kaufen also Menschen bewusst mit Antibiotika und künstlichen Farb-, Konservierungs- und sogenannten Geschmacksverstärkerstoffen verseuchte Lebensmittel, weil es auch unter den Zulieferern der auf unbedenkliche Waren spezialisierten Lebensmittelhändler Betrüger gibt. Frei nach dem Motto: »Es könnte ja sein, dass auch in dem Biofleisch mal Schadstoffe sind, also kaufe ich von vorne herein vergiftetes Fleisch.« Eine solch verquere Logik will sich mir nicht erschließen.

Natürlich ist es ärgerlich und kriminell, wenn ein Händler wie Neuland von einem Zulieferer betrogen wird und unwissentlich Produkte aus industrieller Fleischproduktion weiterverkauft. Kein vernunftbegabter Mensch wird das gut finden oder beschönigen. Natürlich darf man aufgebracht sein, wenn einem für gutes Geld minderwertige Ware untergejubelt wurde. Aber ist das denn ein Grund, künftig von vorne herein zu gesundheitsgefährdenden und erwiesenermaßen schädlichen Waren zu greifen? Für mich jedenfalls nicht.

Foto: Wikipedia, Common LicenseWenn solche Skandale aufgedeckt werden, ist das ein gutes Zeichen, denn immerhin wird sichtbar, dass Kontrollmechanismen funktionieren. Ob im Fall Neuland zu selten oder zu lasch kontrolliert wurde, das sei dahingestellt. Dass die Kontrollen einsetzen und wirken sollten, bevor die Ware beim Kunden in der Einkaufstasche landen, wäre dringend geboten. Kriminelle werden trotzdem immer wieder ihre Geschäfte zu machen versuchen, das bleibt nicht aus. Sie werden auch in Zukunft vermutlich hin und wieder eine Weile unentdeckt bleiben. Aber würde jemand grundsätzlich nur Autos ohne Bremsen kaufen, weil auch beim teureren Fahrzeug mit Bremsanlage eben diese mal versagen kann?

Der eigentliche Skandal liegt für mich darin, dass Lebensmittel aus der industriellen Massenproduktion auch von nicht völlig bildungsfernen oder bitterarmen Menschen gekauft werden, weil sie so billig sind - genau wie Textilien, die unter menschenverachtenden Bedingungen von Sklavenarbeitern, oft genug im Kindesalter, hergestellt werden.

Wenn solches Zeug nicht mehr gekauft würde, müssten die Hersteller umstellen auf gesundheitlich unbedenkliche und unter menschenwürdigen Bedingungen produzierte Ware. Das ginge sogar ziemlich schnell, sobald der Umsatz fehlen würde. Aber solange »Geiz ist geil« die Maxime der Verbraucher ist, wird sich wohl nichts ändern. Außer der dezimierten Lebenserwartung derer, die ständig industrielle Fleischprodukte und giftstoffbelastete Gemüseerzeugnisse verzehren, natürlich. Aber das ist den Betroffenen so lange egal, bis eines Tages der große Schrecken einsetzt, weil die Auswirkungen im und am eigenen Körper nicht mehr verborgen bleiben.

Foto »Hühnerkäfige in der Massentierhaltung« von [Wikipedia, Common License]

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Freitag, 11. April 2014

Joggathon 2014 - die Details

Laufen und feiern für einen guten Zweck

Jeder ist herzlich für Sonntag, den 25. Mai, eingeladen: ob durchtrainierter Marathonläufer oder gemütlicher Spaziergänger oder Zuschauer, ob jung oder alt, ob Zweibeiner oder Vierbeiner. Die Hauptsache ist, gemeinsam Spaß zu haben Bild: KdN - Johannesgemeinde Berlinund dabei anderen Menschen zu helfen.
Der Joggathon wird von der evangelischen Freikirche »Kirche des Nazareners« in Berlin veranstaltet und findet 2014 bereits zum 16. Mal statt.
Jedes Jahr werden durch die erlaufenen Spenden wohltätige Projekte unterstützt. Die Organisation der Hilfen wird von »Helping Hands« (www.helpinghandsev.org), einem Hilfswerk der Kirche des Nazareners, getragen.
Im letzten Jahr nahmen trotz ausgesprochen widrigem Wetter 73 Läuferinnen und Läufer teil und sammelten 7.400,00 € für ein Projekt in Rumänien und für ein Sozialwerk vor den Toren Berlins in Mahlow.


Dieses Jahr gibt es drei Projekte:

  • Syrische Flüchtlingsfamilien im Libanon
    »Unser Leben in Syrien vor dem Krieg war gut, es war normal. Als der Krieg begann, mussten wir unser Zuhause sofort verlassen. Wir haben hier und dort geschlafen. Auch unser letzter Zufluchtsort in Syrien wurde bombardiert, das oberste Stockwerk stürzte ein, während wir noch im Gebäude waren. Wir hatten große Angst, mussten weiter fliehen«, erzählt eine Mutter über ihre letzten Tage in Syrien. Jetzt lebt sie schon seit zwei Jahren in Beirut. Dort erhält die Familie durch einen Partner von Helping Hands die nötigsten Nahrungsmittel, Hygieneartikel und was sie sonst dringend benötigen.
    »Ohne diese Hilfe hätten wir nicht hierbleiben können und wären wohl nach Syrien in den Krieg zurückgekehrt«, sagt die Mutter, die durch das Hilfsprojekt ihre Zuversicht wieder gewann. Die kleine Tochter besucht jetzt die Schule des örtlichen Helping-Hands-Partners und hat viele Freunde gefunden. 289 syrische Flüchtlingskinder nehmen derzeit in den vier Schulen des Partners im Nahen Osten kostenlos am Unterricht teil. Mit dem Joggathon 2014 soll diese Arbeit unterstützt werden, so dass weiterhin syrische Flüchtlinge versorgt werden können und ihren Kindern die Schulbildung ermöglicht wird. 50 % der Spenden gehen an dieses Projekt.
  • Brunnen- und Sanitäranlagen-Projekt (Albanien)
    In Sharrë liegt die Müllkippe der Stadt Tirana, die Hauptstadt Albaniens mit etwa einer Million Bild: KdN - Johannesgemeinde BerlinEinwohnern. In einem Dorf, mitten zwischen den Müllhalden, leben etwa 15 Roma-Familien. Sie überleben durch Betteln und indem sie den Müll nach verwertbaren Dingen durchsuchen. Es gibt weder Zugang zu sauberem Wasser noch zu sanitären Anlagen. Im Moment holen die Menschen sich im Winter das Wasser in einer Kneipe in der Nähe (und zahlen dafür); im Sommer, außerhalb der Regenzeit, gibt es überhaupt kein Wasser in der Nähe.
    Toiletten gibt es nicht. Um ihre Notdurft zu verrichten, benutzen viele, besonders die Kinder, einfach den offenen Grund neben ihren Hütten. Es gibt sehr viele Krankheiten aufgrund des verschmutzen Wassers, und da vor allem im Sommer das Wasser von weit her geholt werden muss, ist Waschen nicht unbedingt eine Priorität. Vor allem die Kinder sind sehr schmutzig.
    Durch das vom Joggathon 2014 mit 25 % der Spenden unterstützte Projekt ist geplant, dieser Roma-Siedlung den durchgehenden Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Gleichzeitig soll durch den Bau von Sanitäranlagen die Hygiene verbessert werden, um Krankheiten zu vermeiden.
  • Sanierung Obdachlosenheim in Bakersfield (USA)
    Mit 25% der Spenden soll schließlich auch den zahlreichen Obdachlosen in Bakersfield geholfen werden, für die es keine staatliche Hilfe gibt.
    In den USA wird derartige Sozialarbeit fast ausschließlich durch private Initiativen und Kirchen geleistet, aus öffentlichen Mitteln finanzierte oder subventionierte Einrichtungen für Obdachlose kennt man so gut wie nirgends. Ob nun Lebensmittel gebraucht werden oder Kleidung oder medizinische Hilfe oder Unterkunft … die wenigen existierenden Projekte sind auf Spenden angewiesen. Das Obdachlosenasyl in Bakersfield muss dringend saniert werden – der Joggathon 2014 hilft auch bei diesem Projekt den Helfern, ihren Einsatz für die Bedürftigen weiterführen zu können.

Wie funktioniert ein Joggathon?

Foto: G.J.MatthiaDer Joggathon ist ein Sponsorenlauf, bei dem man als Sponsor und/oder Läufer teilnehmen kann. Die Läufer suchen sich Sponsoren, die einen Geldbetrag ihrer Wahl pro Runde (1,0 km) zusagen.
Die Laufzeit beträgt eine Stunde.

Wie anmelden?

Entweder per Anmeldeliste über die beteiligten Berliner Gemeinden oder per Email: joggathon@johannesgemeinde-berlin.de
Die Laufwilligen können sich unter johannesgemeinde-berlin.de auch Listen für ihre Sponsoren herunterladen (wird wohl bald mit dem aktuellen Datum versehen).
Wichtig: Bitte bis zum 18. Mai anmelden!

Wann und wohin spenden?

Die Sponsoren erhalten nach dem Lauf eine »Sponsorenrechnung«. Auf dieser ist der Betrag ausgewiesen, den ihre Läufer insgesamt erlaufen haben. Diesen Betrag dann bitte auf das (auch in der Rechnung angegebene) Konto (KdN Johannes Gemeinde e.V., IBAN DE50100205000003195601, Verwendungszweck Joggathon 2014) überweisen.
Die (steuerlich absetzbaren) Zuwendungsbestätigungen für das Finanzamt werden Anfang 2015 ausgestellt. Dafür sind die Kontaktangaben (Name und Adresse) unbedingt notwendig!

Tagesablauf & Adresse:

  • 10:15 Uhr: Open-Air-Konzert der MADRIGALIANS (Chor) aus Nashville, Tennessee, USA in der Ursulinenstraße 35, 12355 Berlin-Rudow
  • 12:30 Uhr: Start des Joggathons um den Lolopfuhl.
  • 13:30 Uhr: Joggathon-Fest auf dem Gemeindegrundstück Ursulinenstraße 35 mit Gegrilltem (zum günstigen Preis), Spielen (Volleyball, Streetball, Gartenschach), Kaffee und Kuchen (kostenlos), ...
  • 17:00 Uhr: Ende

Was noch?

  • Während des Laufs wird am Startpunkt, wo von Helfern auch die Runden gezählt werden, Mineralwasser an die Läufer ausgegeben.
  • Die letzte während der 60 Minuten begonnene Runde darf zu Ende gelaufen werden und zählt zum Ergebnis.
  • Leider gibt es keine Duschen. Wir empfehlen, Handtücher und geeignete Kleidung zum Wechseln mitzubringen.
  • Die Teilnahme erfolgt auf eigene Verantwortung. Versicherung ist Sache des Teilnehmers.
  • Natürlich sind auch alle Zuschauer willkommen, die weder mitlaufen noch spenden können oder möchten.
  • Aktuelle (demnächst!) Infos und Lageplan unter johannesgemeinde-berlin.de

Und der Blogger?

Ich freue mich, dass sich auf meinen früheren Beitrag zum Thema schon zwei Sponsorinnen bei mir gemeldet haben. Wer mich ebenfalls beim Laufen anspornen und zum guten Zweck der Veranstaltung beitragen will, darf sich gerne bei mir (Betrag pro Runde, Name und Anschrift) melden: gjmatthia ät gmail punkt com.
Textquelle: Prospekt der KdN, überarbeitet und ergänzt von G.J.Matthia /// Bilder: KdN Johannesgemeinde Berlin und eigenes Foto
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Freitag, 4. April 2014

Erleichtertes Aufatmen

In den letzten Tagen vor der heutigen Krebsnachsorgeuntersuchung habe ich immer wieder an Manfred Stolpe, den ehemaligen Ministerpräsidenten unseres benachbarten Bundeslandes, gedacht. Bei ihm wurde vor nunmehr fast elf Jahren Darmkrebs diagnostiziert, seither hat er es immer wieder etwa alle zwei Jahre mit Metastasen zu tun, zunächst in der Leber, inzwischen ist auch die Lunge betroffen – aber er gibt den Kampf und die Hoffnung nicht auf.

Nun bin ich ja einige Jahre jünger. Und ich weiß, trotz einiger Parallelen, dass man die Krankengeschichten von Krebspatienten nicht miteinander in dem Sinne vergleichen kann, dass man aus der eines anderen die eigene Zukunft ablesen könnte. Aber es ist nun mal so, dass vor jedem Untersuchungstermin düstere Gedanken immer häufiger auftreten, je näher der Tag rückt.

Foto von heute, dem 4.4.2014Umso erleichterter durften wir heute wieder aufatmen: Die Blutwerte haben sich weiter verbessert, insbesondere der tückische Gamma-GT-Wert ist weiter zurückgegangen. Obwohl er noch nicht im Normalbereich liegt, meinte der Arzt, das könne auch aufgrund der Leberoperation dauerhaft erhöht bleiben. Solange die Werte aber so deutlich unter denen von Oktober 2013 bis Februar 2014 liegen, ist das wohl kein Grund zur Sorge. Die Leber zeigt natürlich im Ultraschallbild deutlich die Narben von der Operation, aber weder sie noch Lymphknoten, Nieren, Milz oder Blase zeigen irgendwelche Anzeichen von Metastasen.

Anfang Juli steht die nächste Untersuchung mit Blutbild und Ultraschall an und im Herbst dann Darmspiegelung, Thorax-Computertomographie und Röntgen der Lunge. Trotz der mittlerweile doch deutlichen Strahlenbelastung durch all die Untersuchungen ist das immer noch das kleinere Übel als ein zu spät entdeckter neuer Tumor.

Doch jetzt genießen wir erst einmal das erleichterte Aufatmen angesichts der heutigen Gott sei Dank durchweg hoffnungsvollen Ergebnisse.

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Freitag, 28. März 2014

Johnny Cash: Out Among The Stars

Dass posthum veröffentlichte Werke von bedeutenden Künstlern nicht immer und nicht unbedingt zu den Perlen des jeweiligen Schaffens zählen, ist kein Geheimnis. Manchmal handelt es sich um Werke, von denen der Künstler selbst nicht so überzeugt war, dass er sie hätte publizieren wollen, manchmal um Unvollendetes.

Foto von Amazon.deBei diesem Album jedoch trifft das keineswegs zu. Es wurde - so unwahrscheinlich das auch klingt - schlicht vergessen und erst 2012 wiederentdeckt, als die Hinterlassenschaft des Ehepaares Cash katalogisiert wurde. Vermutlich lag das Vergessen zum Teil am Wechsel der Schallplattenfirma, zum Teil daran, dass Johnny Cash in jenen Jahren so einige Krisen durchlebte. Wie auch immer. Out Among The Stars ist in der jetzt vorliegenden (nachbearbeiteten und klanglich aufgefrischten) Form ein Meisterwerk, eines der besten Alben, die den Namen Johnny Cash tragen.

Die Texte handeln von dem, was der Countrymusik seit jeher ihren ganz eigenen Zauber verleiht. Die zerbrochene Liebe natürlich, in allerlei Variationen, in I Drove Her Out of My Mind gipfelt sie dann gar in einem Mord-Selbstmord-Abenteuer im nagelneuen Cadillac, für den der Sänger nur 99 Dollar hingelegt hat, wie er vergnügt anmerkt. In Call Your Mother finden wir eine ungewohnte Schwiegerelternperspektive und auch She Used to Love Me a Lot offenbart ein zerbrochenes Herz ... so kennen und lieben wir diese Musiksparte. Natürlich fehlt auch nicht der junge Revolverheld mit seinem viel zu frühen Lebensende und eine beinahe schnulzige Hymne an Tennessee nimmt man, weil sie auch noch mit ironisch anmutenden Chorjubelgesängen daherkommt, gerne in Kauf. Auch die blühende, die lebendige und wunderbare Liebe fehlt natürlich nicht, Don't You Think It's Foto von Amazon.deCome Our Time und Baby Ride Easy sind zwei herzerfrischende Duettgesänge zum Thema. Das Musikantendasein wird in Rock and Roll Shoes und samt Reifenwechsel an einem fremden Wagen in If I Told You Who It Was gefeiert. Letzteres hat mich vergnügt kichern lassen, da ich mir schon denken kann, von wem die Rede ist. Ein dankbarer Blick zum Allmächtigen wie in I Came to Believe sollte einer guten Countryplatte auch nicht fehlen.

Wir hören eine bereits gereifte, aber noch nicht brüchige Stimme, bei zwei Liedern im Duett mit June Carter-Cash, die Instrumentierung ist nicht überfrachtet aber auch nicht zu dünn, sie passt jeweils hervorragend zur Stimmung der Lieder und des ganzen Albums, einschließlich der erwähnten, für mich bewusst ironischen Übersteigerung in Tennessee.

Mein Fazit: Ein Johnny Cash Album, das als Gesamtkunstwerk genauso überzeugt wie die einzelenen Lieder für sich genommen faszinieren. Lediglich der sogenannte Bonustrack, She Used To Love Me a Lot in einer »JC/EC-Version«, fällt da deutlich und für meine Ohren ärgerlich heraus. Das mit elektronischen Effekten verunstaltete Experiment hätte man sich durchaus sparen können. Das ist kein Bonustrack, das ist ein Malustrack. Nun gut, ich kann ja künftig vor diesem schlimmen Ende der CD ausschalten.

Hier kann man bestellen: Out Among the Stars

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Freitag, 21. März 2014

Zwei Jahre geschenktes Leben

… die dreieinhalbstündige Operation wurde am vergangenen Mittwoch, dem 21. März 2012, durchgeführt.

Sind es schon zwei Jahre oder sind es erst zwei Jahre? Manchmal kommt mir die Zeit kurz vor, manchmal lang. Wie ich und was ich damals berichtet habe, kann man hier nachlesen: [Aufzeichnungen aus dem Krankenhaus – Teil 1]. In gewisser Weise habe ich heute Geburtstag und werde zwei Jahre alt.

Inzwischen ist viel passiert – Chemotherapie – viele Untersuchungen ohne bedrohliche Befunde – dann Lebermetastasen im September 2013 – fünfeinhalbstündige Operation am 4. Oktober 2013 – erstaunlich schnelle Genesung …

Ich bin, so viel ist sicher und das hat sich in der Zeit seit der Operation nicht geändert, dankbar für jeden neuen Tag, den ich mit Eva leben und erleben darf. Wenn es nach mir geht, folgen noch viele viele Jahre. Hoffnung auf dauerhafte Gesundheit ist vorhanden, aber auch das Wissen, dass bei der nächsten Untersuchung (Anfang April) oder der übernächsten oder der darauf folgenden … wieder Metastasen gefunden werden könnten. Der Krebs ist tückisch und man fühlt ihn nicht, während er sich irgendwo festsetzt. Manchmal überlagert die Furcht meine Hoffnung, meistens siegt die Zuversicht über die Angst.

Allen, die in den zwei Jahren mit Trost, Ermutigung, Gebet, Daumendrücken und sehr viel Liebe und Anteilnahme an unserer Seite standen und weiter stehen, ob nun persönlich bekannt oder noch nicht, möchte ich an dieser Stelle wieder einmal ein ganz herzliches und tief empfundenes Danke sagen!

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Mittwoch, 12. März 2014

Joggathon 2014 - Wer mag mich unterstützen?

Joggathon 2013 - eine WasserschlachtAm 25. Mai 2014 findet der nächste Benefizlauf »Joggathon« in Berlin statt. Vorausgesetzt, dass bei meinen nächsten Nachsorgeuntersuchungen im April keine Metastasen gefunden werden, möchte ich auf jeden Fall wieder als Läufer dabei sein.
Umrahmt wird die Veranstaltung in diesem Jahr unter anderem von dem ca. 30köpfigen Chor »Madrigalians« aus Nashville, Tennessee, die vor dem Benefizlauf Open-Air auftreten werden, eventuell auch während der einstündigen Runden um den See an der Wassertankstelle für die Läufer. Das wird sich zeigen und eventuell auch von der Witterung abhängen.
Im vergangenen Jahr war ausgerechnet der Tag des »Joggathon« so verregnet wie sonst kaum einer - was meiner Freude am Laufen jedoch keinen Abbruch tat. Für mich war die Teilnahme ein Etappensieg im Kampf gegen den Krebs, und das missliche Wetter konnte daran nichts ändern. Nasser als nach dem ersten Kilometer konnte man sowieso nicht mehr werden ... immerhin schaffte ich in den 60 Minuten neun Runden - eine mehr, als ich erwartet hatte. Mein Freund Jens, der an meiner Seite lief obwohl er sicher hätte schneller unterwegs sein können, sowie meine Familie, die anfeuernd und mich einige Wegstücke begleitend den Unbillen der Witterung (kalt war es auch noch) trotzte, hatten daran gewiss einen erheblichen Anteil gehabt.
Schlimmer als 2013 kann das Wetter zur diesjährigen Veranstaltung nicht werden - somit ergeht hier schon einmal eine herzliche Einladung an meine treuen Leserinnen und Leser, soweit Berlin Rudow in erreichbarer Nähe für sie liegt, als Zuschauer oder Läufer dabei zu sein. Nach dem Lauf wird es wiederum Gegrilltes, Salate und Kuchen geben - und reichlich Gelegenheit zum Plaudern. Alle sind herzlich willkommen.
2013: Neun Runden geschafftDoch es gibt noch einen zweiten Anlass für diese Zeilen: Ein Benefizlauf bringt es logischerweise mit sich, dass Geld für einen guten Zweck zusammenkommen soll. Beim »Joggathon« wird das so gehandhabt, dass die Läufer sich Sponsoren suchen, die einen bestimmten Betrag pro gelaufener Runde zusagen (und hinterher auch überweisen). Ich würde mich sehr freuen, wenn ich auch 2014 wieder mit meinen in 60 Minuten geschafften Kilometern eine nette Summe »erlaufen« könnte. Daher suche ich - na klar - Sponsoren! 2013 gingen die Spenden aus der Veranstaltung zu gleichen Teilen an das Waisenhaus Veritas Sighisoara in Rumänien und an ein Sozialwerk in Mahlow; welcher gute Zweck es 2014 sein wird, hat der Veranstalter noch nicht bekannt gemacht - es wird aber auf jeden Fall wieder an anerkannte gemeinnützige Organisationen gespendet.
Wer also einen Betrag nach freier Wahl (ab 2 Euro aufwärts) pro von mir gelaufener Runde spenden möchte, darf sich gerne bereits jetzt bei mir melden, ich gebe die Angaben dann rechtzeitig vor dem »Joggathon« beim Veranstalter ab - die Sponsoren erhalten eine Rechnung mit der Bankverbindung, an die das Geld überwiesen werden soll. Bargeld kommt nicht ins Spiel und ich als Teilnehmer habe auch nichts mit den Finanzen zu tun. Damit meine möglichen Sponsoren die Summe abschätzen können: Ich werde voraussichtlich acht oder neun Runden zu je 1 Kilometer in den 60 Minuten schaffen.
Liebe freiwillige Sponsoren: Bitte Name und Postanschrift sowie Betrag pro Runde per E-Mail (gjmatthia ät gmail punkt com) an mich - ich freue mich darauf und jeder Sponsor gibt mir Auftrieb (beziehungsweise Antrieb)! Danke!
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Samstag, 8. März 2014

Was ist schlimmer - Schalentiere oder Homosexualität?

Sehr geehrter Herr TV-Evangelist,

ich habe mir endlich einen Kabelempfänger zugelegt und kann jetzt Bibel-TV schauen, so oft ich will. Ihre Sendung gefällt mir außerordentlich! Vielen Dank dass Sie sich so um die Volksbildung bezüglich der Gesetzes Gottes bemühen. Ich habe aus Ihrer Fernsehshow bereits eine Menge gelernt und gebe mir größte Mühe, mein erworbenes Wissen mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen. Wenn zum Beispiel jemand versucht, Homosexualität zu verteidigen, dann erinnere ich schlicht daran, dass sie in 3. Mose 18, 22 deutlich als Gräuel bezeichnet wird. Ende der Debatte. So einfach ist das. Klasse!

Bezüglich einiger anderer Elemente des göttlichen Gesetzes brauche ich jedoch von Ihnen noch Ratschläge, damit ich völlig im Einklang mit der Bibel leben kann.

1. Das Wort Gottes in 3. Mose 25, 44 gestattet es mir, Sklaven zu halten; männliche und weibliche, solange sie von benachbarten Völkern gekauft werden. Einer meiner Freunde behauptet, das gelte nur für Polen, aber keineswegs für Holländer oder Französinnen. Können Sie da Klarheit schaffen? Warum darf ich keine Holländer besitzen?

2. Ich würde meine Tochter, so wie es in 2. Mose 21, 7 erlaubt ist, gerne in die Sklaverei verkaufen. Welcher Preis wäre heutzutage dafür angemessen?

3. Ich weiß, dass ich Frauen nicht berühren darf, während sie sich in der Phase ihrer monatlichen Unreinheit befindet - das lese ich in 3. Mose 15, 19-24. Mein Problem als Personalreferent in einem Industriebetrieb: Wie kann ich wissen, welcher Kollegin ich die Hand geben darf? Ich habe schon vor der Begrüßung nachgefragt, aber die meisten Frauen reagieren ziemlich eingeschnappt darauf.

4. Wenn ich auf dem Altar in meinem Garten einen Stier verbrenne, dann ist das dem Herrn, wie er in 3. Mose 1, 9 bestätigt, ein Wohlgeruch. Aber meine Nachbarn machen mir Ärger. Sie behaupten, dass der Geruch ihnen nicht angenehm wäre. Soll ich sie totschlagen?

5. Ich habe einen Nachbarn, der an jedem Sabbat arbeitet. In 2. Mose 35, 2 steht die klare Anweisung, dass er getötet werden muss. Bin ich moralisch verpflichtet, ihn persönlich umzubringen? Oder darf ich diesbezüglich die Polizei herbeibitten?

Foto: Gemeinfrei von Wikipedia6. Aus 3. Mose 11, 10 geht klar hervor, dass der Genuss von Schalentieren ein Gräuel ist. Ein Freund behauptet, das sei ein weniger schlimmes Gräuel als Homosexualität. Ich bin anderer Meinung. Können Sie hier Auskunft geben? Gibt es tatsächlich Gräuel-Abstufungen?

7. Wenn ich eine Sehschwäche habe, darf ich mich gemäß 3. Mose 21, 20 dem Altar Gottes nicht nähern. Nun bin ich aber Brillenträger. Gilt das Tragen der Brille, mit der ich ja dann klar sehen kann, als Ausgleich oder darf ich trotzdem nicht zum Altar des Herrn vortreten?

8. Die meisten meiner Freunde lassen sich die Haare schneiden, einschließlich der Haare an den Schläfen, obwohl das in 3. Mose 19, 27 ausdrücklich verboten ist. Auf welche Weise sollen diese Freunde sterben?

9. Dass mich das Berühren der Haut eines toten Schweines unrein macht, entnehme ich aus 3. Mose 11, 6-8. Darf ich trotzdem Handball spielen, wenn ich Handschuhe trage? Und meine gefütterten Winterstiefel kann ich doch weiter tragen, da das Leder nicht direkt die Haut berührt, oder?

10. Mein Onkel ist Landwirt. Er verstößt gegen 3. Mose 19, 19, indem er zwei verschiedene Saaten auf das gleiche Feld ausbringt. Ebenso seine Frau, indem sie gleichzeitig Kleidung aus verschiedenen Stoffen trägt (Baumwolle/Polyester zum Beispiel). Beide fluchen auch immer wieder. Müssen wir wirklich gemäß 3. Mose 24, 10-16 die ganze Stadt zusammenrufen, um die beiden zu steinigen? Können wir sie nicht einfach in einer privaten Familienzusammenkunft auf dem Scheiterhaufen verbrennen, wie man es laut 3. Mose 20:14 mit Menschen tut, die mit angeheirateten Verwandten ins Bett gehen?

Sehr geehrter Herr TV-Evangelist, ich weiß, dass Sie das Gesetz des Herrn intensiv studiert haben und sich deswegen exzellenter Weisheit in solchen Angelegenheiten erfreuen. Daher bin ich voller Zuversicht, dass Sie mir Rat geben können.

Vielen Dank noch einmal dass Sie uns immer wieder daran erinnern, dass das Wort Gottes ewig gültig und unveränderlich ist.

Ihr begeisterter Zuschauer und Nachfolger

Günter J. Matthia

P.S.: Es wäre wirklich sehr schade, wenn ich keine holländischen Sklaven besitzen dürfte!

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Quelle: Der Ursprung ist unbekannt. Im Internet kursieren seit Jahren ähnliche englische Texte in etlichen Variationen, die für diesen Beitrag zweifellos als Inspiration dienten, insbesondere die »Dear Dr. Laura« Variante, die ich hier als Vorlage genommen habe. Eine deutsche Version gab es meines Wissens noch nicht - nun habe ich sie geschrieben.
Foto von Wikipedia.

Freitag, 28. Februar 2014

Vom Tinnitus und vom Kortison

Der Tinnitus ist eine auditive Wahrnehmung, die zusätzlich zu dem auf das Ohr einwirkenden Schall ein- oder beidseitig wahrgenommen wird. Diese Wahrnehmung beruht auf einer Störung der Hörfunktion. Der Höreindruck des Tinnitus hat keinen Bezug zum Schall in der Umgebung des Patienten. Die Art der scheinbaren Geräusche ist sehr vielfältig. [Wikipedia]

In meinem Fall handelt es sich – das hat die Hals-Nasen-Ohrenärztin nachmessen können, um einen Pfeifton bei ca. 8000 Hz. Der hat sich in meinem Gehör festgesetzt und mag nicht freiwillig weichen. Die medizinische Diagnose nach der mehr als zweistündigen Untersuchung: Hörsturz mit nachfolgendem akutem Tinnitus. Weil er noch keine drei Monate alt ist, bestehen Chancen, dass er nicht zum chronischen Tinnitus wird.

Woran das liegt … die möglichen Ursachen sind Legion.

Fremdkörper im Gehörgang, Knalltrauma, Entzündungen des Ohrs, Otitis media, Otitis externa, Mittelohrerkrankungen mit Störung der Schallübertragung (z. B. Otosklerose), Virale und bakterielle Infekte (z. B. Borreliose), Schalltrauma (akut oder chronisch), Hörsturz, Tauchunfälle, Dekompressionskrankheit, Barotrauma, Morbus Menière, Costen-Syndrom, Hydrops cochleae, Endolymphschwankungen, Autoimmunerkrankungen des Innenohrs, Ototoxische Substanzen, Akustikusneurinom (ein Tumor der Gehörnerven), Bogengangsdehiszenz, Schwerhörigkeit/Hypakusis, Arzneimittel, Craniomandibuläre Dysfunktion … und viele mehr. [Wikipedia]

pillsDas meiste aus der Liste konnte durch Befragung und Untersuchung ausgeschieden werden. In meinem Fall ist es am wahrscheinlichsten, dass wegen der Leberoperation und der nachfolgenden mangelnden körpereigenen Hämoglobinproduktion eine Mangeldurchblutung zum Tinnitus geführt hat. Inzwischen haben sich die Leberblutwerte wieder gebessert – sie waren zuletzt noch nicht normal, aber die Tendenzwende war offensichtlich – so dass die Ursache, wenn sie es denn war, am Schwinden ist.

Letztendlich ist also – falls diese Ursache zutrifft – der Tinnitus wiederum auf den Darmkrebs zurückzuführen, der die Lebermetastasen verursacht hat. Doch die Ursachenforschung ist weniger interessant als die Frage, ob und wie ich den Pfeifton wieder loswerde.

Die von der Ärztin empfohlene Therapie wende ich nun seit drei Tagen an. Zum Start hochdosiertes Kodein (140 mg), die Dosis sinkt dann von Morgen zu Morgen, das Ganze dauert zehn Tage.

Wie alle Medikamente hat Kortison mögliche Nebenwirkungen.

Bei kurzfristiger, hochdosierter systemischer Anwendung können vor allem neuropsychiatrische Symptome auftreten, wie Konvulsionen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit,Euphorie, Impotenz, Depressionen und Psychosen, Hautveränderungen, »Mondgesicht«. Darüber hinaus kann die hoch dosierte Anwendung zur Manifestation einer latenten Epilepsie führen. [Wikipedia]

Zum Schutz des Magens nehme ich begleitend täglich zwei Kapseln »Omep«, da sonst bei der hohen Anfangsdosierung und bei zehn Tagen Magenprobleme nicht nur möglich, sondern sicher wären.

Heute, am dritten Tag, stelle ich fest, dass einerseits der Tinnitus noch rund um die Uhr da ist, andererseits empfinde ich das Geräusch als etwas dezenter. Und die Nebenwirkungen sind in einem erträglichen Rahmen geblieben. Schlafstörungen gibt es, gelegentlich Schwindel, Durchfall und hin und wieder Magendruck. Im Ganzen fühle ich mich vor allem nach der morgendlichen Einnahme ziemlich ramdösig – aber das ist nach vier oder fünf Stunden dann wieder weg.

Noch bin ich recht guter Hoffnung, dass es gelingen wird, den Tinnitus wieder los zu werden. Mal sehen. Ich werde berichten.

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Samstag, 22. Februar 2014

Fünf Einführungen

Manche meiner Blogbesucher wissen, dass ich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen als Moderator durch die Gottesdienste unserer kleinen und von mir hochgeschätzten Kirchengemeinde führe. Hier folgen fünf von inzwischen vielen Einführungen aus den letzten Monaten – einschließlich der von morgen früh. Welche das ist, verrate ich aber nicht.

Einführung 1

Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst.

Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Dass Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, dass Glück das »Billigste« ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen.

Das sagte Erich Fromm, der berühmte Psychoanalytiker, in seinem letzten Interview 1980. Nun darf man auch solch prominenten Menschen widersprechen, wo es geboten ist. Ich bin nicht davon überzeugt, dass Glück nur aus eigener Anstrengung zu erreichen ist, sondern ich glaube und weiß aus Erfahrung, dass Gott dabei eine wichtige Rolle spielt. Ansonsten aber hat Herr Fromm durchaus den Nagel auf den Kopf getroffen. Glücklich sein – dafür muss man kein Geld ausgeben.

Wir werden heute in der Predigt von jemandem hören, der sehr reich und noch dazu mit bedeutender Weisheit ausgestattet war. Ein Mann, der in seiner Gesellschaft einen Spitzenplatz einnahm, sich alles leisten und erlauben konnte, was er wollte, und der zurückschauend dann sein Leben eine »leidige Plage« nannte.

Der Autor George Bernard Shaw hat die Sache mit dem Glücklichsein einmal so auf den Punkt gebracht:

Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 zehnmal so reich sind, als sie es mit 20 waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich.

Ich wünsche uns allen, dass wir bei diesem Gottesdienst demjenigen begegnen, der unserem Leben eine Grundlage geben kann, auf der Glück wirklich unabhängig von äußeren Gegebenheiten möglich und erlebbar wird.

Einführung 2

Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst.

Ich gebe es zu. Ich war versucht, an dieser Stelle ein Adventsgedicht vorzutragen. Das hätte so angefangen:

Es naut die Blacht – Verzeihung.

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Aber nein. Anstelle eines Adventsgedichtes oder der dreihundertvierzigsten Aufklärung darüber, dass Advent etwas mit Ankunft zu tun hat, stellt euch einmal vor, ihr wäret ein junger Mann. Auch die anwesenden Damen, gleich welchen Alters. Sagen wir er wäre 25 Jahre alt.

Also du bist jetzt ein junger Mann, sitzt hier im Gottesdienst und bist mit den Gedanken nicht ganz dabei. Deine Frau ist nämlich hochschwanger, sie liegt zu Hause auf dem Sofa und es kann jeden Moment so weit sein, dass die Wehen einsetzen. Darum liegt das Telefon griffbereit neben deiner Frau auf dem Couchtisch und du, hier im Gottesdienst, hast dein Mobiltelefon in der Tasche und rechnest jeden Augenblick mit dem Anruf deiner Frau: »Schatz, es ist so weit!«

So. Und das ist auch die einzige Konstellation, bei der es einen Grund gibt, das Telefon während des Gottesdienstes eingeschaltet zu lassen. Alle anderen, deren Frau nicht hochschwanger zu Hause auf dem Sofa liegt, dürfen jetzt noch einmal nachsehen, ob ihr Gerät nicht versehentlich doch noch eingeschaltet ist. Dankeschön.

Unser imaginärer junger Mann hat übrigens so einiges vorbereitet. Ein Kinderzimmer hergerichtet mit Babybett und Wickelkommode, es stehen mehrere Kartons mit Windeln bereit, Kleidung für das Ungeborene wurde eingekauft. So eine Geburt kommt ja in der Regel nicht völlig überraschend und auf manche Dinge im Leben bereitet man sich sorgfältig vor.

Warum es manchmal so wichtig ist, sich gut vorzubereiten, nicht auf eine Geburt, sondern auf eine Hochzeit, darüber hören wir in der Predigt nachher einiges.

Einführung 3

Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst.

Foto: http://a.rgbimg.com/cache1vKUtQ/users/j/jw/jwgeertsma/600/oocCYJE.jpgWenn ihr jetzt dieses Glas betrachtet, könnte der eine oder die andere auf die Idee kommen, dass es wieder mal um die Frage geht, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Aber nein, damit wollen wir uns heute nicht beschäftigen. Es ist übrigens halb voll.

Wenn ich dieses Glas in die Hand nehme, weil ich meinen Durst stillen möchte, passiert mit mir nichts weiter. Das Anheben und Hochhalten des Trinkgefäßes hat keine Auswirkungen. Ich kann es auch etwas heben, etwas senken, weiter nach links oder rechts bewegen.

Wenn ich nun aber eine halbe Stunde lang dieses Glas hochhalten würde, dann wären gewisse Auswirkungen sicher unvermeidbar. Meine Muskeln würden müde werden. Die Folgen wären sicher noch eine ganze Weile spürbar.

Hielte ich das Glas den ganzen Gottesdienst hindurch so in der Hand empor, dann bin ich ziemlich sicher, dass ich auch morgen noch die Folgen spüren würde, womöglich sogar mehrere Tage. Dabei hätte das Glas sein Gewicht überhaupt nicht verändert, es wäre nach zwei oder vier oder acht Stunden immer noch so leicht wie jetzt.

So ähnlich verhält es sich mit unseren Sorgen und unserer Seele oder unserem Geist. Wenn uns ein sorgenvoller Gedanke bewegt, passiert erst einmal nichts von größerer Bedeutung. Das hat keine dauerhaften Auswirkungen.

Wenn wir aber stundenlang über die Sorgen und Probleme in unserem Leben brüten und grübeln, uns ausgiebig ausmalen, wie schlimm und wie böse es kommen könnte, wenn wir die Sorge festhalten und festhalten und festhalten, immer wieder betrachten, herumdrehen, erneut betrachten … dann wird das nicht ohne Auswirkungen auf unser Leben und unser Befinden bleiben. Dann wird das unserer Seele, unserem Geist weh tun.

Der Apostel Petrus fordert im ersten uns überlieferten Brief seine Leser auf: »Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.«

Wenn man in einer schwierigen oder gar bedrohlichen Situation ist, dann möchte man antworten: Leicht gesagt, lieber Petrus. Wir können negative Gedanken, Furcht und Sorgen nicht einfach per Knopfdruck ausschalten, so wie ich einfach das Glas hier abstellen kann. Das geht oft nicht. Aber glaubt mir: Es kann gelingen, das Sorgenmachen einzugrenzen, abzugrenzen und auszugrenzen. Das ist etwas, was wir bewusst tun können.

Um es mal persönlich auszudrücken: Ich weiß um die Tatsache, dass jederzeit irgendwo in meinem Körper neue Metastasen entstehen können. Aber ich habe mich entschieden, nicht ständig darüber zu grübeln, mir dauernd Sorgen zu machen. Dass solche Gedanken auftauchen, kann ich nicht verhindern und sie sind ja durchaus berechtigt. Aber da ich nicht mehr für mein Gesundbleiben tun kann als ich tue, liegt der Rest in Gottes Händen. Und mit diesem Gedanken kann ich dann meist die bedrohlichen Überlegungen und Sorgen loslassen und loswerden.

Ich wünsche uns allen, dass auch dieser Gottesdienst eine Gelegenheit wird, Sorgen und Nöte und Befürchtungen nicht zu leugnen, sondern abzugeben und Mut und Trost von demjenigen zu empfangen, der unser Heiland und Retter ist.

Einführung 4

Guten Morgen, und herzlich willkommen zum Gottesdienst.

Wisst ihr, was wirklich peinlich ist? Wenn mitten in der Predigt oder während der Gebetszeit oder auch beim andächtigen Gesang ein mehr oder weniger geschmackvoller Klingelton aus deiner Handtasche oder deinem Jackett laut wird.

Daher empfehle ich euch, falls ihr zu den Mobiltelefonbesitzern zählt, euch jetzt zu vergewissern, dass das Gerät ausgeschaltet oder zumindest stummgeschaltet ist.

Es mindert nämlich nicht die Peinlichkeit, sich nach der Störung des Gottesdienstes durch das Klingeln Gründe zurechtzulegen, warum das Telefon unbedingt eingeschaltet sein musste oder welche Umstände daran Schuld sind, dass es mitten im Gottesdienst Lärm machen musste.

Wir Menschen sind ja recht schnell dabei, Entschuldigungen und Ausflüchte zu suchen. Der Preußenkönig Friedrich II., in späteren Lebensjahren auch der „Alte Fritz” genannt, war beim Volk für seine Gerechtigkeit beliebt. Einmal, so wird erzählt, besuchte der Alte Fritz ein Gefängnis. Zu seinem Erstaunen musste er bei den Gesprächen mit den Gefangenen feststellen, dass alle unschuldig waren. Jeder hatte eine Ausrede parat.

Schließlich traf er auf einen Mann, der den Kopf hängen ließ und sich selbst einen Schuft nannte. Ungeschminkt berichtete er, wie er auf die schiefe Bahn gekommen war.

Der Preußenkönig sagte zu dem Gefangenen: „Du bist hier der einzige Lump unter lauten anständigen Leuten. Scher dich fort, damit die anderen nicht durch dich verdorben werden!”

Dieser Mann bekam die Freiheit geschenkt, weil er seine Schuld erkannte und bekannte.

Wenn wir unsere Lebensschuld vor der höchsten Majestät zugeben, gewährt auch er uns Vergebung und Befreiung. Es heißt in der Bibel: Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt.

So ein Gottesdienst bietet Gelegenheit für vieles, für das Lob Gottes durch Lieder zum Beispiel. Wir werden auch eine Predigt hören und dabei mit- und nachdenken können, wie es wäre, unsere Stadt mit den Augen Jesu zu sehen. Und es kann auch jeder im stillen Gebet dem himmlischen Vater Sünde bekennen – in der frohen Gewissheit, dass Vergebung und Befreiung von Schuld in greifbarer Nähe sind.

Einführung 5

Guten Morgen, und herzlich willkommen zum Gottesdienst.

In unserer Straße gibt es ein Haus, das bunt geschmückt ist mit tibetanischen Fähnchen, Wimpeln und Ornamenten, auch ein etwas beleibter Buddha im Garten, aus Stein natürlich, nicht lebendig, ist im Vorgarten zu sehen.

Am Gartenzaun ist ein Metallschild mit einem QR-Code aufgestellt. Neulich hatte ich, als wir an dem Haus vorbei gingen, mein schlaues Mobiltelefon griffbereit und da ich eine QR-Code-Anwendung installiert habe, konnte ich endlich mal herausfinden, was das Metallschildchen eigentlich sagen will, wenn man über die geeignete Ausrüstung zum Entschlüsseln verfügt. Also richtete ich das Kameraauge meines Telefons auf das Schild, drückte auf dem Bildschirm »Scannen« und konnte dann sofort die Botschaft lesen:

For one minute please, stand here in silence and look at the sky, and contemplate, how awesome life is.

Eine Aufforderung also, wenigstens einen Augenblick zur Ruhe und zur Besinnung zu kommen, sich darüber Gedanken zu machen, wie großartig und eindrucksvoll das Leben ist.

Man muss ja keinen Buddha im Garten haben – es tut uns allen immer wieder gut, innezuhalten und uns zu erinnern, dass das Leben – trotz aller Widrigkeiten, die uns begegnen, trotz aller Durststrecken, die wir durchwandern, trotz Krankheit, Not, Armut oder anderen Qualen doch mehr ist, als wir gerade in Schwierigkeiten zu erkennen in der Lage sind.

Manchmal hilft so ein Blechschild mit einem QR-Code, sich daran zu erinnern. Es kann aber auch ein Gottesdienst sein. Wie wäre es mit dem heutigen zum Beispiel für dich und mich? Es ist nämlich, davon bin ich überzeugt, kein Zufall, dass unser Leben großartig und beeindruckend ist, wenn wir nur genau hinschauen. Ich glaube, da steckt jemand dahinter!

In der Schriftlesung, die wir nachher hören, erinnert Mose das Volk: Der Herr, euer Gott, geht doch vor euch her. Er wird für euch kämpfen, wie er es schon in Ägypten vor euren Augen getan hat. Ihr habt erlebt, wie der Herr, euer Gott, euch den ganzen langen Weg durch die Wüste bis hierher getragen hat, wie ein Vater sein Kind trägt.

Ich wünsche mir und uns allen, dass uns das heute ganz neu bewusst wird, dass der Herr, unser Gott nicht fern von uns ist, sondern bei uns, gerade und vor allem auch dann, wenn wir ihn vor lauter Sorge oder Not oder Angst einmal aus den Augen verlieren.

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P.S.: Wer nun unbedingt wissen will, welche Einführung die vom 23.02.2014 sein wird, ist genötigt, morgen um 10:30 zum Gottesdienst der Johannes-Gemeinde in der Wrangelstraße 6 in 12165 Berlin zu erscheinen.

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