Montag, 3. März 2008

Geküsst am Samstag

Am Samstag bekam ich einen Kuss. Von einer Muse, virtuell, und doch real. Ich hatte mich nach eine langen schweren arbeitsreichen Woche eineinhalb Stunden auf das Sofa gelegt, Kopfhörer auf den Ohren, Leonard Cohen im CD-Spieler.
Ausspannen. Genießen. Wegdämmern, Wiederkommen, ein paar Minuten schlafen, ein paar Minuten träumen, ein paar Minuten hören... ein Zustand bewegt wie von Wellen am Meer. Genießen, loslassen, festhalten. Nicht da sein, wo die »echte« Welt ist.

Dann kam der Kuss. Intensiv, wie eine Flut, die trockenes Land erobert und durchtränkt. Drei Texte fertig innerhalb von wenigen Minuten. Im Kopf zumindest, die Worte müssen noch auf gute alte Art festgehalten werden in den nächsten Tagen oder Wochen.

Text 1 hat mich überrascht. Ich meinte, das Fragment einer Liebesgeschichte vom vergangenen September sei und bliebe ein Fragment. Weit gefehlt. Die Erzählung hat nur geschlummert, jetzt ist sie erwacht und will weiter geschrieben werden.
Voraussichtlich werden die geneigten Leser morgen oder übermorgen weiterlesen können. Ich habe auch ein paar Kleinigkeiten an dem bisherigen Text angepasst, wer mag, darf sich den Text noch einmal anschauen, wie er jetzt aussieht: Ein Fragment - Teil 1

Am Samstag abend waren wir bei einem befreundeten Ehepaar eingeladen. Unser Gastgeber ist Künstler, ein Maler, der vor kurzen angefangen hat, auch zu schreiben. Ich habe ihm allerlei Löcher in den Bauch gefragt, um zu ergründen, ob Autoren und Maler ähnliches erleben, wenn sie ihre Werke schaffen. Fazit: Ja. Der gleiche Schwebezustand bei der Arbeit, der in gewisser Weise die Welt ringsherum ausschaltet. Der gleiche erstaunte Blick auf das fertige Werk: »War ich das?« Die gleiche Ratlosigkeit: »Wo kam das denn her?« Die gleiche ewige Unzufriedenheit: »Das hätte ich besser / anders machen sollen.« Die gleichen physischen Folgen: Erschöpfung und Hunger.

Ein ganz famoser Samstag war das.

Sonntag, 2. März 2008

Was heißt hier...

...der Boden sei »zu hart«?


Was heißt hier...

...ich sei »zu klein«?


Samstag, 1. März 2008

Umfragen sind was Feines...

...wenn der Befragte auch weiß, was er tut. Bei dieser hier habe ich mich nicht beteiligt, denn wer weiß, in welcher Schublade mein Klick dann landen würde:


P.P.: Ich denke gar nicht daran, den Link zur Fundstelle zu nennen. Sonst klickt noch jemand von meinen Lesern ins Leere und stürzt wer weiß wohin ab!

Die Pflanze ist grün!

Was Toby heute berichtet, hat gar nichts mit dem Christival oder den Herren Beck und Parzany zu tun. Ich lehne die Überschrift aber dennoch an die gestrige an weil sich anhand des Besuches eines etwa 70jährigen Herrrn bei Toby ganz vortrefflich die Vorteile des Redens miteinander statt übereinander zeigen.

Herr: Sind Sie Tobias Faix?
Toby: Ja...
Herr: Haben Sie einen Augenblick Zeit?
Toby: Sicher, setzen Sie sich doch bitte.
Herr: Ich war schon in X, aber die haben keine Ahnung und haben mich jetzt hier zu Ihnen geschickt.
Toby: Schön, was führt Sie denn zu mir?
Herr: Sie haben doch die emerging church erfunden?
Toby (fast sprachlos): Also, äh, nein...
Herr: Doch, ich habe einen Anruf bekommen und da wurde vor ihnen gewarnt. Sie wollen mit der emerging church die Jugend verführen...
Toby: Also, das möchte ich bestimmt nicht. Wo haben Sie denn die Warnung her?
Herr: Also, das weiß ich auch nicht so genau. Sie haben auch ein böses Buch geschrieben, das stand da auch drin...
Toby: Ah, vielleicht diese Pressemeldung...
Herr: Ja, eine Pressemeldung, ein Herr X warnt da vor Ihnen...
Toby: Ich kenne diese Pressemeldung, aber darin stehen viele unwahre Dinge. Es ist gut, dass Sie vorbei gekommen sind, vielleicht darf ich Ihnen meine Meinung dazu sagen.
Herr: Ich möchte wissen, was Sie da machen? Ich folge dem Herrn Jesus schon sehr lange und war 15 Jahre Missionar...

Danach gab es ein wirklich gutes Gespräch über Mission und Deutschland, emerging chruch und Gemeinde. Am Ende ist der Herr mit dem ZeitGeist Buch gegangen, das ich ihm geschenkt habe und wenn er es gelesen hat, kommt er wieder vorbei.

So wie jener ältere Herr, genau so, sollten wir alle handeln, wenn wir über jemanden oder etwas Negatives hören oder lesen. Die Presse lügt gerne und viel (pardon, liebe Journalistenkollegen, aber the truth can be told!) und auch »christliche« Medienmacher sind nicht vor Irrtum sicher. Sie sind sogar häufiger als «weltliche« geneigt, eigene Meinung und Überzeugung mit unumstößlicher Wahrheit gleichzusetzen.

Freitag, 29. Februar 2008

Die Pflanze ist blau!

Wenn ein Blinder über Farbe redet, kann ein Sehender ihn dann überhaupt in der Diskussion überzeugen? Herr A. sagt: »Diese Pflanze ist blau.« Herr B. sagt: »Nein, diese Pflanze ist grün.« Der Moderator wirft ein: »Herr A., was würden Sie denn mit einer Untersuchung machen, die zum Ergebnis käme, es gebe eben doch Hinweise auf die Grünheit der Pflanze?« Herr A. ist sich sicher: »Es wird keine wissenschaftliche Untersuchung geben, die zu diesem Ergebnis kommt.«

Herr Beck behauptet: »Homosexualität ist eine Prägung, die ebenso wenig zu therapieren ist wie die Körpergröße eines Menschen.« Herr Parzany entgegnet: »Selbstverständlich gibt es Fachleute, die die Möglichkeit sehen, dass Menschen ihre homosexuelle Neigung verändern und dass da Hilfe möglich ist.« Der Moderator wirft ein: »Herr Beck, was würden Sie denn mit einer neuen Untersuchung machen, die zum Ergebnis käme, es gebe doch Hinweise auf die Veränderbarkeit von Homosexualität?« Herr Beck ist sich sicher: »Es wird keine wissenschaftliche Untersuchung geben, die zu diesem Ergebnis kommt.«

Es steht Aussage gegen Aussage: Herr Beck ist Christ. Herr Parzany ist Christ. Herr Beck ist homosexuell. Herr Parzany ist heterosexuell. Herr Beck hat das Christival in Bremen scharf angegriffen. Herr Parzany hat es vehement verteidigt. Herr Beck sagt, dass Homosexualität unveränderlich sei. Herr Parzany sagt, dass - den Wunsch des Homosexuellen vorausgesetzt - Änderung möglich wäre.

Wirklich klüger bin ich nach der Lektüre des Gespräches nicht geworden. Ich vermag nicht zu sagen, ob die Pflanze nun blau oder grün ist. Immerhin positiv: Die beiden haben endlich mit einander geredet, anstatt über einander.

Der Schaden ist angerichtet, das Christival hat sich nun mit Absagen von bereits versprochenen Veranstaltungsräumen herumzuplagen. Obwohl das fragliche Seminar nicht mehr angeboten wird.

Das komplette Gespräch der Herren Beck und Parzany kann man hier nachlesen: Von „Lustknaben“ und der Freiheit der Wissenschaft

Tilo hat doch recht!

Der Berliner an und für sich...
...hat mit Hilfe seiner Berlinismen die Fähigkeit entwickelt, Situationen derb-humorig zu kommentieren, ohne schwere Schimpfworte einzusetzen oder gar in lautstarke Diskussionen zu verfallen – ein Umstand, der auf neu Zugezogene oft verwirrend wirkt.
(Quelle: Wikipedia)
Ein Politiker, der das ganz besonders gut beherrscht, ist unser Finanzsenator Tilo Sarrazin. Natürlich verstehen ihn manche zugereisten Jornalisten und Politiker nicht. Eine riesige Aufregung gab es kürzlich wegen eines Scherzes:
Nach Angaben der in Würzburg erscheinenden Zeitung »Main-Post« vom Samstag habe Sarrazin bei einer Veranstaltung in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz in Berlin einen Vergleich mit bayerischen Schülern vorgenommen: »Die können aber mehr ohne Abschluss als unsere in Berlin mit Abschluss.«
Quelle: Die WELT
Ich bin in Bayern zur Schule gegangen. Das ist zwar lange her, aber schon damals fiel mir als zugezogenem Berliner wegen der deutlich höheren Anforderungen die Eingewöhnung nicht leicht. Dazu kam natürlich, dass ich neben Englisch und Latein gleich noch eine weitere Fremdsprache lernen musste, um Lehrer und Schüler zu verstehen: Bayerisch.

»Wann i nimmer megn dat, gangat i hoam.« »Heit gemma net ins Bad, s iss fui z'kolt..« »A so a Seckel, du Hirsch, du damischer, homms dir ins Ghirn eini gschissn?«
Das war für mich, waschechter Berliner Junge im zarten Alter von rund 11 Jahren, nicht wesentlich leichter zu verstehen als »Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam, qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur.«

Zurück zum Berliner Finanzminister. Es fehlt in all dem aufgeregten Gejohle und Gebrülle über seine Worte der Beweis, dass Herr Sarrazin mit seinem Scherz nicht die Wahrheit ausgesprochen hätte. Alle lautstarken Kritiker in den letzten Tagen haben - warum wohl? - zur Sache überhaupt nichts gesagt, sondern nur den Senator auf völlig unberlinische Art und Weise verbal verprügelt.

Die Berliner Schulen sind in der Tat auch heute nicht sonderlich lehrreich. Ich bekomme zur Zeit Dutzende von Berwerbungsunterlagen von Abiturienten (!) auf den Tisch, in denen es nur so von Rechtschreib- und Ausdrucksfehlern wimmelt.
  • »Ich Arbeite gerne am Computer...« - da die Arbeit ein Substantiv ist, muss man wohl auch die Verbform groß schreiben?
  • »Im Sommer 2007 habe ich auf der Hermann- Hesse- Gymnasium Mein Abitur gemacht...« Leerzeichen zwischen Bindestrich und Folgewort und natürlich muss man mein groß schreiben, weil es ja nun das persönliche Abitur ist. Ganz abgesehen davon, dass das Gymnasium zu die Gymnasium geworden ist. Der Lateiner in mir würde zur Gymnasia tendieren...
  • »Diese drei Stichwörter gehören zu meinen persönlichen Eigenschaften.« Aha. Ich wusste noch nicht, dass Stichwörter Eigenschaften sein können. Man lernt ja nie aus.
Diese Bewerber haben Abitur. Im Fach Sport haben sie fast alle 13 Punkte erreicht. Sie sind überwiegend Deutsche. Sie wollen Industriekaufleute werden. Man müsste ihnen im Betrieb aber neben dem Fachwissen auch noch grundlegende Sprachkenntnisse in Deutsch vermitteln, bevor sie mit Kunden, Geschäftspartnern und Auftraggebern korrespondieren. Daher wächst der Stapel im Fach »Absagen« täglich ganz erheblich an.

Wer eine Bewerbung für einen Ausbildungsplatz schreibt, sollte sich doch - so meine altmodische Auffassung - mehr Mühe geben als bei der SMS an den Freund. Da ist es doch wohl angebracht, einen möglichst fehlerfreien Text zu schreiben? Und wenn sie, wie fast alle behaupten, sich so gut mit dem Computer auskennen... - warum haben sie dann noch nicht die Rechtschreibkorrektur entdeckt? Oder wollen sie gar nicht ernsthaft einen Ausbildungsplatz, sondern bewerben sich nur, um Absagen zu sammeln? Tatsache ist jedenfalls: Von bisher gelesenen 147 Bewerbungen waren ganze 3 (in Worten: drei) ohne solche Fehler.

Vermutlich hat Herr Sarrazin also nicht ganz Unrecht. Dass jemand ein Berliner Abitur absolviert hat, heißt noch lange nicht, dass er auch sonderlich viel gelernt haben muss.

P.S.: Vielleicht sollten wir die Stellenangebote nur noch in Bayern ausschreiben?
P.P.S.: Bild von nichtlustig.de

Donnerstag, 28. Februar 2008

Wo bleibt das Raucherschutzgesetz?

Raucher werden zunehmend diskriminiert und ausgegrenzt. Sie sind eine bedrohte Minderheit, wie die WELT berichtete:
Deutschlands Raucher werden überschätzt. Zumindest, was ihre Zahl betrifft. So glaubt die mehrheitlich nicht rauchende Bevölkerung, dass fast die Hälfte (46 Prozent) der Deutschen raucht. Der tatsächliche Anteil der Raucher in Deutschland liegt jedoch mit 29 Prozent der Bevölkerung erheblich niedriger.
Quelle: Die WELT
Minderheiten haben es in diesem unserem Lande schon aus Tradition und Prinzip schwer. So auch die Raucher. Man bürdet ihnen beispielsweise eine Tabaksteuer auf, die dem Staat jährlich rund 15 Milliarden Euro beschert, wie die Statistik belegt.

Die Minderheit der Raucher leistet damit einen ganz erheblichen Beitrag zum Anti-Terror-Kampf:
Beispielsweise wurde in den Jahren 2002 und 2003 die Steuer jeweils um 1 Cent pro Zigarette erhöht, um das erste Anti-Terror-Paket zu finanzieren.
Quelle: Wikipedia
Dieser selbstlose Einsatz der 29 Prozent Raucher für das Gemeinwohl der 100 Prozent wird nicht etwa belohnt, sondern die Diskriminierung nimmt ständig zu. Vermutlich wird es, nachdem öffentliche Gebäude und Gaststätten inzwischen zu raucherfreien Zonen geworden sind, demnächst Ghettos Wohngebiete speziell für Raucher geben. Die Raucher müssen, wenn sie ihre Zone verlassen wollen, ein Symbol an der Kleidung tragen, damit sie auch ausserhalb ihrer Stadtviertel zu erkennen und angemessen zu beschimpfen sind. Denkbar sind dann Geschäfte, in deren Fenster ein Schild hängt: »Raucher werden hier nicht bedient« oder »Eintritt nur für Nichtraucher«.

Auch am Arbeitsplatz schreitet die Diskriminierung ungehindert fort. Das Landesarbeitsgericht Schleswig Holstein hat in einem Urteil - 4 TaBV 12/07 - nun auch die bezahlte Raucherpause am Arbeitsplatz vereitelt. In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem:
Selbst wenn der Fall denkbar sei, dass ein Raucher nach einer bestimmten Zeitspanne ohne den Genuss einer Zigarette nicht mehr weiterarbeiten können, müsse im Einzelfall eine entsprechende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt werden.
Im Klartext: Erst zum Arzt, der stellt fest, dass der Raucher ohne Zigarette nicht weiterarbeiten kann, dann mit dem Attest zurück in die Frima und dieses dem Chef auf den Tisch legen. Dann erst darf (draußen vor der Tür) geraucht werden. Was nicht geklärt wurde, ist die Frage, ob der Arzt die Arbeitsunfähigkeit sozusagend vorausschauend für den ganzen Tag ausstellen darf, oder ob für jede neue Zigarettenpause ein neuer Arztbesuch notwendig ist.

Allerdings ist das sowieso nur begrenzt möglich. Denn das LAG Schleswig-Holstein fügte hinzu:
Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung wäre auch in diesem Fall auf die ersten sechs Wochen beschränkt.
Wo also bleibt das Raucherschutzgesetz? Die Minderheit, die unsere Gesellschaft mit 15 Milliarden Euro jährlich vor den Terroristen schützen hilft, bedarf dringend eines Anti-Diskriminierungs-Gesetzes. Welche Partei nimmt sich der Sache an? Die Schwarzen? Die Brauen? Die Grünen? Die Gelb-Blauen? Die Roten? Die ganz roten Roten? Die Grauen? Ach nee, die gibt es ja nicht mehr. Ob die wohl zu viel geraucht haben?

Mittwoch, 27. Februar 2008

Transformatorischer Pinguin

Ich habe mal eben per Google-Bildersuche nachgeschaut, ob schon Fotos vom TransForum letzte Woche im Netz zu finden sind.
Der Erfolg der Suche: Ich weiß jetzt, dass Linux transformierende Qualitäten hat. Das müsste Haso eigentlich freuen...


Vielleicht sollte ich mir doch so ein Haso-Baby mit Pinguin zulegen?

Skandal: Jesus liebt Ehebrecherin!

Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte und sagen zu ihm (Jesus): Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. In dem Gesetz aber hat uns Mose geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du?
(Johannes 8, 3-5)
Hatten diese Pharisäer und Schriftgelehrten nicht recht? Es existierte zweifellos ein solches Gesetz:
Wenn ein Mann mit einer Frau Ehebruch treibt, wenn ein Mann Ehebruch treibt mit der Frau seines Nächsten, müssen der Ehebrecher und die Ehebrecherin getötet werden.
(3. Mose 20, 10)
Aber die anklagenden Herren hatten etwas vergessen. Wenn sie tatsächlich die Frau auf frischer Tat ertappt hatten, wo war dann der Mann, mit dem sie inflagranti erwischt wurde? War er gerade unabkömmlich? Auf Geschäftsreise? War ihm nicht wohl und er musste nun vor der Steinigung das Bett hüten? Oder war er ein so angesehener und wichtiger Bürger, dass man mal eben die andere Hälfte des Gebotes ausser Acht lassen musste? Womöglich gar ein Politiker oder ein Schriftgelehrter?

Jesus antwortete zunächst nicht, sondern schrieb mit dem Finger auf die Erde. Manche deuten das Schreiben mit dieser Prophetie aus Jeremia:
Und die von mir abweichen, werden in die Erde geschrieben werden (so, daß die Schrift bald verwischt oder verweht wird); denn sie haben den HERRN, die Quelle lebendigen Wassers, verlassen.
(Jeremia 17, 13)
Könnte man so sehen. Ich bin kein Theologe, aber da Jesus »die Schriften« kannte, ist das für mich nachvollziehbar. Andere Erklärungen habe ich auch schon gehört, die mir nicht widersinnig scheinen, zum Beispiel dass Jesus die entsprechenden Sätze aus dem mosaischen Gesetz in den Sand notierte. Aber soooo wichtig ist es ja gar nicht, warum oder was Jesus da schrieb. Sonst wäre es in dem Bericht sicher enthalten.
Als die Ankläger weiter nervten, bekamen sie schließlich doch noch eine Antwort:
Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.
(Johannes 8, 5)
Darauf hin machten sich die Herren aus dem Staub; die Frau verschwand jedoch nicht, als sie die Gelegenheit gehabt hätte.
Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt?
Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr.
(Johannes 8, 10-11)
Interessant scheint mir hier, dass von Sündenbekenntnis, Umkehr, Bekehrung nicht die Rede ist. An der Tatsache des Ehebruchs gab es wohl keinen Zweifel, aber Jesus hielt keine Bußpredigt und führte keinen Befreiungsdienst durch, nachdem ein »Übergabegebet« aufgesagt worden war. Sondern er sprach der Frau seine Vergebung zu und forderte sie auf, zukünftig nicht mehr zu sündigen.

Könnte es sein, dass wir viel zu oft viel zu viel von den Menschen verlangen, bevor wir ihnen Gottes Liebe und Vergebung versichern?

Jesus ist nicht gegen Ehebruch oder gegen Homosexualität oder gegen Moslems oder gegen sonst etwas gestorben, sondern für uns alle. Ein Problem mit solcher bedingungslosen Liebe und Annahme können doch eigentlich nur selbstgerechte Menschen haben. Die brauchen nämlich keine Erlösung.

Bild: Gustave Dore