Dienstag, 24. Juni 2008

wie eyns eynhorns

Wenn ein Juniorpastor von der Kanzel sagt, er habe während der Anbetungszeit ein weißes Einhorn mit Flügeln gesehen, und dieses Einhon repräsentiere Jesus, dann reagieren manche Zuhörer leicht bis schwer irritiert. So auch ich am Sonntag. Ein Einhorn? Im Gottesdienst in Berlin? Da hört sich doch alles auf!

Die Sache hat mich zu Recherchen angestachelt. Was mir noch bekannt war aus längst vergangenen Schultagen, ist die mythologisch-literarische Seite. Rainer Maria Rilkes »Die Dame mit dem Einhorn«, »Das tapfere Schneiderlein« der Gebrüder Grimm, die griechische Mythologie um Zeus, der aus einer Ziege mit ziemlicher Gewaltanwendung ein Einhorn machte, die indischen Ursprünge des Fabeltiers...

Allerdings ist das nicht alles. Bei meinen Recherchen stieß ich darauf, dass auch in der Lutherbibel einst das Einhorn Gastrecht genossen hat.
Aber meyn horn wird erhöhet werden wie eyns eynhorns
Und werde begossen mit frisschem öle
hießt es in Psalm 92. Und in Psalm 29 konnte man damals lesen:
Und macht sie lecken wie eyn kalb
Libanon und Sirion wie eyn iungs eynhorn
Im Buch Hiob fragte in der ursprünglichen Übersetzung Gott:
Weynstu das eynhorn werde dyr dienen, und werde bleyben an deyner krippen?
kanstu yhm das ioch an knupffen ynn deynen furchen, das er hynder dyr pfluge ynn grunden
Im Buch Numeri, Kapitel 24, übersetzte Luther:
Gott hat in aus Egypten gefüret, Seine freidigkeit ist wie eins Einhorns. Er wird die Heiden, seine Verfolger, fressen, und ire gebeine zumalmen, und mit seinen pfeylen zu schmettern.
Es gibt zahlreiche weitere solche Fundstellen in der Lutherbibel. Der Reformator hatte kein theologisches Problem mit diesem Wesen.
Heutzutage allerdings wurde das Einhorn durch andere Tiere ersetzt, in modernen Übersetzungen taucht es nicht mehr auf. Zu finden ist es aber dennoch allerorten. So halten Löwe und Einhorn das britische Staatswappen, es gibt etliche Einhorn-Apotheken und im Juni 2008 fand und fotografierte man in der Toskana gar ein lebendes Exemplar. Das allerdings entpuppt sich als Rehbock mit ungewöhnlichem Stirnschmuck. Hieronymus Bosch hat sowohl im »Garten Eden« als auch im »Garten der Lüste«, nach neueren Deutungen eher als »Garten der Liebe« zu verstehen, seines berühmten Triptychon das Einhorn angesiedelt.

Wenn also ein Pastor ein Einhorn sieht, braucht man nicht gleich nach der Glaubenspolizei rufen. Selbst dann nicht, wenn es Flügel hat. Und auch dann noch nicht, wenn der Pastor sagt, dieses Mischwesen aus Pegasus und Einhorn repräsentiere Jesus.
Bildersprache ist nichts ungewöhnliches bei geistlichen Eindrücken und was für den einen keine Bedeutung hat, kann einem anderen eine ganze Menge zu sagen haben. In der Bibel wimmelt es von allerlei merkwürdigen Wesen, mit allerlei Köpfen und Flügeln und Kronen und Klauen. Die Bibel ist kein Biologiebuch und unsere Phantasie wird nicht dadurch ausgeschaltet, dass wir gläubig werden. Wenn jemand eine geistliche Bewandnis dadurch begreift, dass er ein Senfkorn oder einen Feigenbaum als Bild nimmt, warum dann nicht ein anderer mal ein Einhorn?

  • Mehr über das scheue Wesen bei Wikipedia: Einhorn
  • Mehr über die alte Lutherbibel und das inzwischen ausgemerzte Tier: Einhörner in der Bibel
  • Gedanken über den Leviathan, ein anderes schwer zu identifizierendes Wesen, macht sich gerade die Bloggergemeinde bei einem anderen Pastor: Storch und das Meeresungeheuer

Montag, 23. Juni 2008

Fußballrätsel

Die Frage ist, gegen wen die türkische Mannschaft am Mittwoch eigentlich verlieren soll. Eine rot-schwarz-gelbe Landesflagge ist weltweit nicht zu finden, unter den verbliebenen Teilnehmern der Fußball-EM schon gar nicht. Demnach würde dann, folgt man der Tagesthemen-Logik, nur eine Mannschaft auf den Platz gehen. Ob das den FIFA-Regeln entspricht? Ob gemeint war, dass die gesamte gegnerische Mannschaft vom Glaskasten aus zuschaut, statt nur ein Trainer? Ob gar das Spiel ausfällt, weil kein zur Flagge passender Gegner gefunden wird?

Ein Gruß aus Balkonien

Berlin ist eine laute Stadt,
in der man Ruhe nötig hat.
Wohl dem, der deshalb dann und wann
Balkonien genießen kann.

Es grünt so grün an allen Ecken,
es harmoniert Polster mit Decken.
Ein Vogel, fein von Künstlerhand
gestaltet, steht am Rand.

Hier kann man in den Sommertagen,
statt sich mit Hitze abzuplagen
in Ruhe sitzen, lesen, denken
und sich gar schöne Stunden schenken.

Am Abend dann im Freundesgarten
genießt man Speisen aller Arten.
Frisch gegrillt und knusprig lecker,
mit Brot vom Zehlendorfer Bäcker.



So kam der Dichter, liebe Leute,
nicht recht zum Schreiben für die Meute,
die diesen Blog besuchen will.
Berlin ist grün. Ich bin jetzt still.

Sonntag, 22. Juni 2008

Einfache Gemeinde

Jetzt schon an den 6. September denken? Warum eigentlich nicht. Was man früh genug einplant, braucht man nicht kurzfristig überlegen.

Ich habe jedenfalls vor, am 6. September einen Informationstag zu besuchen, der unter dem Motte »Einfache Gemeinde« steht. Von 10 bis 18 Uhr Zeit zum Kennenlernen, Austauschen, Essen... klingt auch ohne differenzierte Programmpunkte auf der Einladung, die mich gestern erreichte, ganz interessant. Die Sache mit den Hauskirchen ist mir sympathisch, und Christen in ihren ganz verschiedenartigen Frömmigkeitsstilen zu treffen, ist immer wieder eine Bereicherung.

Allerdings hat mich die Einladung auch verwirrt: »KEIN EINTRITT!« steht da in Großbuchstaben. Das heißt ja, dass man nicht hineinkommt, trotz Anmeldung, Interesse und guten Willens. Darüber ist vermerkt, dass eine Sammlung erhoben würde, um die Kosten zu decken. Nun ja, ich interpretiere aufgrund dieser Tatsache das »Eintrittsverbot« so, dass »FREIER EINTRITT« gemeint sein dürfte. Notfalls muss ich halt dann wieder nach Hause fahren, falls die Warnung doch so gemeint ist, wie sie da steht.

Der Informationstag »Einfache Gemeinde« wird von verschiedenen Hauskirchen und Gruppen organisiert, weitere Informationen gibt es hier: Hauskirchentag 2008

Ich bin gespannt, wen ich da alles treffen und kennenlernen werde.

Samstag, 21. Juni 2008

Freitag, 20. Juni 2008

Georg Breinschmid: Wien bleibt Krk

»Fußball-Aversions-Wienerlied«, »I pee a hedgehog with long-lasting waves«, »An uns zwaa kummt kana foabei«... - merkwürdige Titel. »Mussorgsky, mei oida Freind« oder »For the lost daughters and sons of Vienna« - ebenfalls recht ungewöhnliche Bezeichnungen für Musikstücke. Allerdings nicht für Georg Breinschmid, den ich bis vor kurzem nicht einmal dem Namen nach kannte.
Eine Blogleserin schenkte mir diese CD, die ihr ausnehmend gut gefiel und von der sie annahm, dass sie auch meinen Ohren gut bekäme. Was in der Tat der Fall ist.
»Wien bleibt Krk« nennt sich die heiße Scheibe voller Überraschungen. Der Künstler, der dieses einmalige Wiener Mischmasch aus »Klassik, Gipsy, Polka, Wienerliedern, Walzern und Schnörtzenbrekker«, was immer letzteres auch sein mag, mit einigen Freunden aufgenommen hat, ist ein Multitalent.

Georg Breinschmid studierte klassischen Kontrabass an der Wiener Musikhochschule und war während des Studiums als Substitut in verschiedenen Wiener Orchestern (Wiener Philharmoniker, Wiener Symphoniker u.a.) sowie auch kammermusikalisch tätig. Von 1994 bis 1996 war er im Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester engagiert, von 1996 bis 1998 bei den Wiener Philharmonikern. Ein Mann, der mit seinem Instrument umzugehen weiß und - »Wien bleibt Krk« zeigt es mir - ein Mann mit sehr viel Humor und Talent für weit mehr als die Klassik.

Die CD enthält überwiegend instrumentale Stücke, aber die haben es auch ohne Texte faustdick hinter den Ohren, falls Stücke Ohren haben. Was ganz harmlos als Caféhausmusik daherkommt, überrascht plötzlich mit schrägen Tönen oder dem Wechsel in ein völlig anderes Genre. Da ist keine Tradition heilig, selbst des Wieners liebstes Kind Mozart bekommt sein Fett weg. Breinschmid hat wohl auch mit dem »Fußball-Aversions-Wienerlied« den Erfolg der österreichischen Mannschaft bei der EM 2008 vorausgeahnt:
Schauts eich den Deppn an, der wos ned kickn kann / Wiara am Rasn steht / Sogoa zum Schlatzn is er z'bled.
»Schlatzn« soll wohl Spucken heißen, wie man dem unmissverständlichen O-Ton nach dieser Zeile entnehmen kann. Besonders angetan hat es mir auch »Komisches Wienerlied«, weil man da endlich erfährt, warum ein G erst mit einem Gis zusammen etwas Hörenswertes darstellt.

Irgendwie haben sich einige Wiener schon seit vielen Jahren in mein musikalisches Herz »einigschlichn«, von Wolfang Ambros über Georg Danzer bis zu DÖF (was für Deutsch-Österreischisches-Feingefühl steht). Georg Breinschmid hat sich nun dazugesellt.

Fazit: Unbedingt empfehlenswert für Menschen, die sich gerne überraschen und aufs musikalische Glatteis führen lassen, jenseits aller Genregrenzen. Und für Fußballverächter sowieso Pflicht.

Donnerstag, 19. Juni 2008

War denn schon vom Wein die Rede?

Die Frage in der Überschrift zu diesem Beitrag steht auf dem Titel des Literarischen Kalenders 2008, der auch mich durch das Jahr begleitet. »War denn schon vom Wein die Rede? Nein? Dann laßt mich von ihm singen«, sagt der Dichter Robert Gernhardt. Und damit sind wir beim Thema: Wein und Gesang gehören untrennbar zusammen.

Wissenschaftler sind ja immer für wichtige Erkenntnisse gut. Eine Untersuchung in Großbritannien (versteht jenes Inselvolk überhaupt was vom Wein?) ergab kürzlich:
Rotwein schmeckt besser mit Jimi Hendrix oder den Rolling Stones, Weißwein hingegen mit Kylie Minogue oder Tina Turner.
Die Heriot-Watt-Universität in Edinburgh hatte mit 250 Studenten diese Studie durchgeführt, bei der sich zeigte, dass
der Geschmack von Cabernet Sauvignon durch die Weintrinker stärker mit „mächtiger und schwerer Musik“ empfunden wurde. Chardonnay hingegen habe bei „schwungvollen und erfrischenden“ Melodien deutlich besser gemundet.
Es gab auch ganz konkrete Empfehlungen von diesen ernsthaften Wissenschaftlern:
Im Ergebnis ihrer Studie empfehlen die schottischen Psychologen zu Cabernet Sauvignon unter anderem „All Along The Watchtower“ (Jimi Hendrix), „Honky Tonk Woman“ (Rolling Stones), „Live And Let Die“ (Paul McCartney and Wings) sowie „Won´t Get Fooled Again“ (The Who).
Chardonnay entfalte sich bestens zu „Atomic“ (Blondie), „Rock DJ“ (Robbie Williams), „What´s Love Got To Do With It“ (Tina Turner) oder „Spinning Around“ (Kylie Minogue).
Wein der Sorte Syrah habe die beste Wirkung unter anderem bei der Arie „Nessun Dorma“ (Puccini) entfaltet.
Und der Merlot sei besonders süffig bei „Sitting On The Dock Of The Bay“ (Otis Redding).
Gut, dass wir solche Wissenschaftler haben. Wenn der Wein mal nicht so recht schmeckt, liegt das einfach daran, dass man die falsche Musik aufgelegt hat. Es empfiehlt sich also, zunächst auf das Etikett der Weinflasche zu blicken und dann gezielt ins CD-Regal zu greifen.

Was noch nicht untersucht wurde, mich aber brennend interessiert: Welcher Wein ist zu empfehlen, wenn statt Musik ein Fußballspiel, beispielsweise Deutschland versus Portugal, auf dem Programm steht? Ein »Porta dos Cavaleiros Tinto, Dao, Caves Sao Joao 2005« oder ein »Iphöfer Kronsberg Silvaner QbA trocken«? Vielleicht kann mir ein Blogbesucher vor 20:45 Uhr Auskunft geben?

Zitate aus »Rotwein schmeckt besser mit Rock« von Focus Online.

Mittwoch, 18. Juni 2008

Hausaufgaben erledigt, Lösungen verraten

Nein nein, es geht nicht um die Mathematik-Klausuren für das Abitur. Das sind ja keine Hausaufgaben, ob die Schüler nun die Lösung vorher kennen oder nicht.

Es geht hier heute, bevor morgen an dieser Stelle vom Wein die Rede sein wird, vielmehr darum, dass unser Hausbibelkreisleiter uns letzte Woche Hausaufgaben mitgegeben hat: Er schrieb sechs Verweise auf Bibelstellen auf und wir sollten uns
  • Gedanken darüber machen, was der jeweilige Vers für uns persönlich bedeutet und
  • den Zusammenhang betrachten, in dem der Vers steht,
»weil«, fuhr er fort, »Günter meint, es sei gefährlich, einen Vers ohne seinen Kontext zu betrachten.«
Das meine ich tatsächlich. Immerhin steht in der Bibel auch: »Es ist kein Gott!«

Ich habe meine Hausaufgaben brav erledigt, und auch auf die Gefahr hin, dass der eine oder die andere aus unserem Hausbibelkreis heute vor 19:30 Uhr diesen Blog besucht, folgt hier nun das, was mir dabei eingefallen ist. Das Gute ist ja, dass es bei dieser Art Hausaufgaben kein »falsch« oder »richtig« gibt, und wer jetzt bei mir abschreibt... - ich werde niemanden verpetzen.
Johannes 15, 9-11: Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde.
Bedeutet mir: Wenn ich Jesus nachfolgen möchte, ist die Verbindung mit ihm die einzige Voraussetzung für das Gelingen.
Zusammenhang: Johannes berichtet sehr ausführlich, von Kapitel 13, 30 bis 16, 33 darüber, was Jesus mit seinen Jüngern anlässlich der letzten gemeinsamen Mahlzeit besprochen hat. Dieser Bericht beginnt damit, dass Judas verschwindet und die Jünger völlig verunsichert sind. Petrus fragt, wohin Jesus denn gehen würde, Thomas beschwert sich darüber, dass man ja schließlich nicht nachfolgen könne, wenn man den Weg nicht weiß, Philippus will jetzt endlich mal den Vater kennen lernen, von dem dauernd geredet wird und Jesus merkt, dass die Jünger wohl so gut wie nichts begriffen haben.
Darauf folgt der lange Bericht über die Gespräche dieser Nacht und er schließt mit den Worten: »Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.«
Die hier herausgegriffenen Verse 9-11 stehen in dem Zusammenhang, den Jesus mit dem Bild des Weinstocks illustriert. Nur die Reben, die mit der Pflanze verbunden sind, können Frucht hervorbringen, um die Frucht geht es unmittelbar vor und nach dem Zitat. Die Gebote, von denen hier die Rede ist, fasst Jesus im Satz danach zu einem einzigen zusammen: »Dies ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.« Damit macht er klar, dass es nicht mehr darum geht, das Gesetz und die Vorschriften des Alten Bundes einzuhalten, wenn jemand Gott wohlgefällig sein will, sondern nur noch darum, mit Jesus verbunden zu bleiben, wie er mit dem Vater verbunden ist.

Johannes 16, 22: Auch ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch.
Bedeutet mir: Diese Passage zeigt mir, dass Jesus immer am Befinden des Einzelnen auch in katastrophalen Situationen Anteil nimmt. Die Jünger werden um die Zeit der Traurigkeit nicht herum kommen, auf gar keinen Fall, aber danach wartet wieder Freude.
Zusammenhang: Es ist der gleiche Zusammenhang wie in der vorigen Betrachtung. Inzwischen hat Jesus den Jüngern erklärt, dass Verfolgung auf sie wartet. Er sagt ihnen das ganz unverblümt, und erklärt dann auch, warum: »Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr euch nicht ärgert.« Das griechische Wort, das in dieser Übersetzung mit »ärgern« wiedergegeben wird, bedeutet auch: »Anstoß nehmen, zu Fall kommen, sich zur Sünde verleiten lassen.« Nachdem Jesus Verfolgung angekündigt hat, spricht er vom Heiligen Geist, der kommen wird, um den Jüngern das zu erklären, was sie jetzt noch nicht begreifen können, auch das, was Jesus ihnen aus Rücksicht auf ihren Zustand jetzt nicht sagen will: »Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.«
Unmittelbar vor dem oben zitierten Vers 22 diskutieren die Jünger, nun endgültig verunsichert, darüber, wovon Jesus eigentlich redet. Sie haben immer noch nicht begriffen, dass er sterben wird, und zwar durch einen gewaltsamen Tod. Er klärt sie noch einmal darüber auf und meint dann: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass ihr weinen und wehklagen werdet, aber die Welt wird sich freuen.«
Der oben zitierte Satz nun soll den Jüngern Mut machen, die vor ihnen liegenden Tage durchzustehen. Interessanterweise schließt Jesus unmittelbar daran die Verheißung an, dass dann, nach jenem frohen Wiedersehen, eine ganz neue Vollmacht im Gebet da sein wird, die jetzt noch fehlt: »Und an jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben. Bis jetzt habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude völlig sei.«

Römer 8, 28: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind.
Bedeutet mir: Ich versuche, mich immer wieder daran zu erinnern, dass es nur darauf ankommt, ob ich Gott liebe, nicht auf die Umstände, die mich womöglich davon abbringen wollen.
Zusammenhang: Paulus schreibt diesen Brief an eine christliche Gemeinde mitten im heidnischen und überwiegend feindlich gesinnten Rom. Die Gemeinde leidet, wird verfolgt, das Christsein kostet eine ganze Menge, einschließlich des irdischen Lebens. Die Situation ist sehr ernst und Paulus verspricht den Gläubigen keine baldige Befreiung aus der Verfolgung, sondern er macht ihnen Mut, von den schrecklichen Umständen ihres irdischen Lebens den Blick auf das Ziel, die Belohnung, die auf diejenigen wartet, die ausharren werden, zu richten. Er gebraucht das Bild der Geburtswehen: Die sind zwar schmerzhaft und fast unerträglich, aber notwendig, damit ein Kind zur Welt kommt. Paulus will die Qualen nicht schönreden, sondern auf das Ziel hinweisen, zu dem die Verfolgung führen wird.
So gesehen wirken selbst Hunger, Not, Folter und Tod zum Guten mit, wie er in dem hier zitierten Satz sagt. Nicht unbedingt hier auf der Erde für das persönliche Wohlergehen, darum geht es an dieser Stelle ja nun überhaupt nicht. Sondern für das Reich Gottes und die Ewigkeit.

Römer 8, 31: Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?
Bedeutet mir: Ob Jesus mich liebt darf ich niemals daran messen, wie meine Lebensumstände aussehen. Gott ist für mich, weil ich sein Kind geworden bin, selbst wenn der Rest der Welt gegen mich aufsteht.
Zusammenhang: Der gleiche Zusammenhang wie beim vorigen Zitat. Paulus erinnert daran, dass den Gläubigen etwas zustößt, was bereits in den prophetischen Psalmen vorausgesagt wurde: »Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden.« Dennoch, und das drückt dieser Vers 31 aus, kann uns all das nicht von der Liebe Christi scheiden. Die ganze Welt mag auf uns losgehen, das ändert nichts daran, dass Jesus uns liebt. Not oder Verfolgung sind keinesfalls ein Indiz dafür, dass diese Liebe etwa unterbrochen oder gestört wäre.
Paulus fasst dann zusammen: »Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.«

Jesaja 43, 4-5a: Weil du teuer bist in meinen Augen und wertvoll bist und ich dich liebhabe, so gebe ich Menschen hin an deiner Stelle und Völkerschaften anstelle deines Lebens. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir!
Bedeutet mir: Wenig. Ich erkenne keinen persönlichen Bezug, vor allem möchte ich nicht, auf gar keinen Fall, dass andere Menschen leiden und umkommen müssen, damit es mir gut geht. Dass ich mich nicht fürchten brauche, ist allerdings etwas, was auch mir gilt.
Zusammenhang: In den Kapiteln zuvor beschreibt Jesaja den jämmerlichen Zustand Israels, redet von der »Glut des Zorns«, mit der Gott Krieg über Israel ausgegossen hat, dass er »Jakob der Plünderung« durch die Heiden preisgegeben hat.
Interessant ist, dass auch hier das Bild der Geburtswehen gebraucht wird. Gott spricht durch Jesaja: »Seit ewigen Zeiten habe ich geschwiegen, war still, habe an mich gehalten. Wie eine Gebärende will ich nun stöhnen, schnauben und nach Luft schnappen zugleich. Ich will Berge und Hügel ausdörren und all ihr Kraut vertrocknen lassen. Und ich will Ströme zu Inseln machen und Teiche trockenlegen.«
Doch das ist nur die Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes. Ab Kapitel 43 folgt dann die Verheißung, dass Gott seinen Bund keineswegs vergessen oder zerrissen hat, sondern Israel aus Gefangenschaft und Sklaverei herausholen will und wird. Und zwar ausschließlich aus Gnade, eine andere Grundlage wird es nicht geben. »Denke daran, Jakob und Israel, denn du bist mein Knecht. Ich habe dich gebildet, du bist mein Knecht. Israel, du wirst nicht von mir vergessen. Ich habe deine Verbrechen ausgelöscht wie einen Nebel und wie eine Wolke deine Sünden. Kehre um zu mir, denn ich habe dich erlöst!« Außer Umkehr ist nichts notwendig, denn die Erlösung ist bereits eine Tatsache.

Jeremia 31, 3: Der HERR ist ihm von ferne erschienen: Ja, mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dir meine Güte bewahrt.
Bedeutet mir: Kaum ein persönlicher Bezug, aber es erinnert mich daran, dass Gott, wenn er »ewig« sagt, auch »ewig« meint. Selbst wenn ich untreu bin, bleibt er treu. Und wegen seiner Liebe wird er immer einen Weg öffnen, wenn ich aus einer selbst verursachten Trennung zu ihm zurückkehren möchte.
Zusammenhang: Die Situation gleicht der, die beim Jesaja-Zitat vorliegt. Israel ist in alle Winder verstreut. »Siehe, ein Sturmwind des HERRN, sein Grimm ist hervorgebrochen, ein wirbelnder Sturmwind; auf den Kopf der Gottlosen wirbelt er herab. Nicht wendet sich die Glut des Zornes des HERRN, bis er getan und bis er ausgeführt hat die Pläne seines Herzens. Am Ende der Tage werdet ihr das verstehen.« Ab Kapitel 31 geht es dann um die Rückkehr Israels in das verheißene Land und um die Gnade, mit der Gott trotzdem an seiner ewigen Liebe zu seinem Volk festhält. »Und sie werden kommen und jubeln auf der Höhe Zions und herbeiströmen zu all dem Guten des HERRN: zum Korn, zum Most, zum Öl und zu den jungen Schafen und Rindern. Und ihre Seele wird sein wie ein bewässerter Garten, und sie werden nicht mehr länger verschmachten.«
Ab Jeremia 31, 13 geht es schließlich um den »neuen Bund«, um die Zeit, in der wir leben. Heute gilt, was Jeremia dort aufgeschrieben hat: »Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken.«
Übrigens habe ich mit voller Absicht nicht angegeben, wo die in meinen Antworten zum jeweiligen Zusammenhang zitierten Sätze genau zu finden sind. Denn: Selber forschen, »ob es sich so verhält«, ist immer noch die beste Methode.
Zuerst war mir eine Verbindung der sechs Bibelstellen, die unser Hauskreisleiter da zusammengestellt hatte, überhaupt nicht ersichtlich. Jetzt, nach Erledigung der Hausaufgaben, sehe ich: Alle haben mit Not, Verfolgung und scheinbarer Abwesenheit Gottes zu tun. Ob das der Sinn der Übung war?

P.S.: Das auf dem Foto bin nicht ich bei der Erledigung der Hausaufgaben.
P.P.S.: Falls jemand meint, ich würde Nachhilfe benötigen, darf er gerne einen Kommentar hinterlassen. Ich bin durchaus lernfähig und korrekturbereit.
P.P.P.S.: Wer mit zum Hausbibelkreis möchte, sollte sich bei mir privat erkundigen. Los geht es jeden Mittwoch um 19:30 im südlichen Berliner Raum, »hin und her in den Häusern«. Gäste sind willkommen.

Dienstag, 17. Juni 2008

Meerchen voller Abenteuer

Kürzlich plauderte ich mit einer Autorin, so unter Kollegen, über dies und das. Sie fragte mich im Gespräch: »Glaubst Du, dass Gott ein Spurensucher ist?«
Vielleicht kommen nur wir Schriftsteller auf solche Fragen, bei mir jedenfalls entstand spontan eine Idee, wie diesem Gedanken literarisch nachgegangen werden könnte. Falls etwas Lesenswertes aus der Idee wird, werden meine Blogbesucher selbstverständlich Kenntnis davon erhalten. Da ich meinen neuen Roman nun wirklich letzmalig überarbeitet habe (es sei denn, der Verlag hat dann noch Wünsche), ist - Zeit vorausgesetzt - Raum für neue erzählerische Unternehmungen...

Was aber hat es nun mit der Spurensucherei auf sich? »Spurensucher« nennt Nicole Bernard, das ist die Autorin mit der ich mich unterhielt, eine sonntägliche Radiosendung, die sie seit einiger Zeit für »103.3 Radio FDZ« produziert. Bei diesem Sender handelt es sich um ein Regionalprogramm aus Mecklenburg Vorpommern, in Berlin nicht über Antenne, aber weltweit über das Internet zu empfangen. Die Sendung »Spurensucher« gibt es jeden Sonntag von 8:00 bis 9:00 Uhr.
Dieser Sender strahlt auch jeden Abend für die jüngsten Zuhörer eine Gute-Nacht-Geschichte mit Nicole Bernard aus, in der es um »Esther, die kleine Seenadel« geht: Die Kinderzeit auf Radio FDZ
Nicht genug damit. Nicole Bernard ist auch noch mit »Die Lesezeit« im Programm vertreten, da stellt sie den Zuhörern Bücher aus der Region (des Senders) vor, vom Krimi bis zur Biographie.

Eine vielseitige und aktive Frau, diese Nicole Bernard. Sie ist Mutter von fünf Kindern, reiste als Tänzerin viel umher, leitet eine Flamenco-Tanzschule, 1998 begann sie ihre schriftstellerische Tätigkeit: »Es gibt fast nichts schöneres für mich, als bei einer heißen Tasse Tee im Ferienhaus an der Ostsee am Computer zu sitzen, vor mir ein leeres Blatt Papier, während draußen der Nord-Ost Wind stürmt.«
Das leere Blatt Papier ist natürlich ein virtuelles, wenn man am Computer schreibt, und den Tee würde ich mir nicht hinstellen wollen, aber ansonsten pflegt Nicole Bernard die gleiche Leidenschaft wie ich. Und das mit dem Tee mag durchaus schriftstellerische Freiheit sein, denn neulich tranken wir, wenn ich mich recht erinnere, Kaffee miteinander. Ich definitiv, sie mit ziemlicher Sicherheit. Aber das war ja auch nicht im Ferienhaus an der Ostsee, sondern im Foyer nach einem Gottesdienst. Da unterhielten wir uns unter anderem über die bösen Fehler, die ein Verlag in fehlerlose Manuskripte hineinbringen kann, wenn der Begriff »Sorgfalt« dem Verleger relativ unbekannt ist. Fachsimpeln macht Spaß, Kaffee hin, Tee her.

Nicole Bernard hat sich in letzter Zeit hauptsächlich ihren Kinderbüchern gewidmet, »Meerchen voller Abenteuer für grosse und kleine Menschen« nennt sie die Geschichten von Esther. Wer beim »Meerchen« einen Tippfehler wittert, ist natürlich auf dem Holzweg.
Während wir uns unterhielten, kam mein Enkel Niclas dazu und machte ganz große Augen, als er erfuhr, dass diese nette Dame die tollen Geschichten geschrieben hat, die er sich abends so gerne vorlesen lässt.

Wer sie auch einmal persönlich treffen möchte und Berlin nicht meidet, hat es leicht: Jeden Monat lädt sie zum »Frühstück um zehn« ein, inzwischen in zwei Berliner Bezirken. Da liest sie vor, von Musik umrahmt, und plaudert mit den Zuhörern. Zum Beispiel heute.

Mehr über meine nette Schreibkollegin: Eine Webseite / Ein Buch für Erwachsene / Ein Meerchen-Buch

Montag, 16. Juni 2008

Lakeland - messbare Folgen?

Wenn Menschen in großer Zahl wirklich von Gott berührt werden, muss das messbare Auswirkungen haben. Es wird sich in verschiedenen Bereichen ihres Lebensraumes niederschlagen, einer davon ist sicherlich die Kriminalitätsrate, denn je mehr Menschen Jesus Christus nachfolgen, desto weniger Verbrechen wird es geben.

Ein Teil der Menschen, die Abend für Abend zu den Versammlungen, die als »Florida Outpooring« inzwischen so gut wie überall Schlagzeilen machen, strömen, um sich vom Feuer Gottes anstecken zu lassen, kommt aus allen Teilen der Welt angereist. Aber die Bewohner von Lakeland und Umgebung dürften doch nach wie vor in der Mehrheit sein. Also sollte, dachte ich mir, etwas in der lokalen Polizeistatistik zu finden sein, was Aufschluss darüber gibt, ob da Menschen verändert oder nur Showveranstaltungen durchgeführt werden. Und siehe da: Die Kriminalitätsstatistik von Lakeland, Florida, zeigt bereits jetzt eine Tendenz, die darauf schließen lässt, dass in der Stadt echte Veränderung vor sich geht.

Der Vergleich der letzten bisher ausgewerteten Woche (26.5.-1.6.) mit den Vorjahreswerten der entsprechenden Woche dokumentiert einen Rückgang der Straftaten insgesamt um 10,5%. Der Monatsvergleich Mai 2008 mit Mai 2007 ist noch deutlicher: Ein Rückgang von 22,4% wird festgestellt. Schaut man die Zeit vom 1. Januar bis 1. Juni an, ist die Kriminalität seit Jahresbeginn um 9,1% gesunken.

Allen Unkenrufen zum Trotz geschieht in Lakeland offenbar Veränderung von Menschen, was direkte - messbare - Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Etwas Gutes. Etwas Segensreiches.

Das ist natürlich nur eine kleine Facette, aber angesichts der ansonsten in den USA ansteigenden Kriminalitätsrate ist eine solche Tendenz, die kein Ausreißer ist, sondern sich seit dem Beginn der erwecklichen Versammlungen fortsetzt, doch ein nicht zu unterschätzendes Indiz.

Die ausführlichen Statistiken und Polizeiberichte (die obige Grafik stammt aus dieser Quelle) sind hier zu finden: Lakeland Police Department