
Kommentare bevorzugt dort, nicht hier, damit sie auch beim zugehörigen Text stehen...
I am alone in the dark, turning the world around in my head as I struggle through another bout of insomnia, another white night in the great American wilderness.Paul Auster erzählt in diesem Buch zwei Versionen Amerikas. Das eine ist das uns vertraute, im Krieg mit dem Irak befindliche. Im anderen Amerika steht das World Trade Center noch, aber auch dort wird gekämpft und gestorben: Die Föderalisten unter George W. Bush führen einen blutigen Bürgerkrieg gegen unabhängige Bundesstaaten. Owen Brick, unversehens vom uns geläufigen Amerika in jenes andere geraten, soll nun wiederum im vertrauten Amerika den ihm gänzlich unbekannten Urheber des Bösen umbringen, damit das Grauen des Krieges ein Ende hat.
No, I haven't forgotten. The cough sent me spinning into another zone, but I'm back now, and Brick is still with me. Through thick and thin, in spite of that dismal excursion into the past, but how to stop the mind from charging off wherever it wants to go? The mind has a mind of its own.Der Gedanke, der dem Roman zugrunde liegt, ist nicht neu. Er ist so alt wie die Literatur. Es ist das Spiel mit der parallelen Existenz, den unendlich vielen Ebenen:
There's no single reality, Corporal. There are many realities. There's no single world. There are many worlds, and they all run parallel to one another, worlds and anti-worlds, and each world is dreamed or imagined or written by someone in another world. Each world is the creation of mind.Diese Welten zu vermischen, ineinander fließen zu lassen, das habe ich in meinen Erzählungen auch schon häufig - mehr oder weniger gelungen - unternommen. Paul Auster vermag es makellos und billant. Sein Buch fesselt von den ersten Sätzen bis zum Schluss:
Yes, Dad, she says, studying her daughter with a worried look in her eyes, the weird world rolls on.Mein Fazit: Uneingeschränkt lesenswert. Ein gänzlich gelungener Roman, der keinen Augenblick langweilt. Hervorragend erzählt, originell und beängstigend, weil der Leser womöglich die »worried eyes« der Tochter beim Blick in den Spiegel an sich selbst entdecken wird. Die Welt ist »weird« und Paul Auster macht uns meisterhaft darauf aufmerksam, dass wir mitten in ihr leben.
Denn wahrlich, ich sage euch, wenn jemand zu diesem Berge spräche: Hebe dich und wirf dich ins Meer, und in seinem Herzen nicht zweifelte, sondern glaubte, dass das, was er sagt, geschieht, so wird es ihm zuteil werden.Ich habe dann bei der Vorbereitung einen älteren Artikel von Haso noch einmal gelesen, den ich meinen geschätzten Blobbesuchern gerne ans Herz legen möchte. Darin wird anhand des Fußballs anschaulich (auch für mich als Laien in Sachen Sport) erklärt, warum wir unter anderem nicht für Kranke beten, sondern sie heilen sollen. Weil wir nämlich keine Spieler in der Mannschaft, sondern Schiedsrichter sind.
Wenn du vor einem Berg stehst, so wie Jesus das sagt, und du erklärst: „Lieber Berg, du störst mich schon lange, ich weiß, dass es dir im Meer vielleicht nicht so gut gefällt, aber irgendwie ist die Aussicht für mich besser, wenn du jetzt verschwindest, natürlich weiß ich nicht, ob es irgend einen unerforschlichen Ratschluss gibt, warum du doch gut bist für mich, aber, vielleicht, ich meine, wenn es dir gefällt, geh doch ins Meer.“ - dann ist der Berg am Ende ganz verwirrt. Er bleibt einfach stehen, wo er ist, weil er aus dir nicht schlau geworden ist.Hier geht es zum Text:
Anders ist es so: „Ab ins Meer!“ - da weiß der Berg, was er zu tun hat und hebt sich ins Meer. Klare und verständliche Kommandos. Fürchte dich doch nicht, Autorität zu haben. Fürchte dich doch nicht, im Namen Jesu in einer Situation zu handeln, wenn du den Willen des Herrn erforscht hast.
Nun könnte die Frage auftauchen: Darf ich entscheiden, was ich will in meinem Leben?
Ja.
Einige wittern schon den Haken, aber zunächst ist die Antwort einfach Ja. Und zwar, weil Jesus das gesagt hat: „Ihr werdet bitten, was ihr wollt - und es wird euch widerfahren.“
Vielleicht lag es an meiner Mutter, oder auch meinem Vater,
womöglich meiner Schwester, wahrscheinlich meinem Bruder.
Vielleicht war es die Kirche, es können auch die Straßen gewesen sein,
könnte sein, es war die Gitarre, oder die Jerry Wonder Beats.
Lag es am Geld, als ich keinen Pfennig hatte?
War es ein Ausweg, bevor ich kriminell wurde?
Es könnte Lauryn gewesen sein, vielleicht war es Pras -
wahrscheinlich der Blick in den Spiegel, aus dem mich tote Augen anschauten.
Womöglich war es Reggae, oder die Liebe zum Hip-Hop,
vielleicht meine Fans beim Konzert, die riefen »Hör nicht auf!«
Wahrscheinlich war es der Kampf, den alle Flüchtlinge erleben,
vielleicht auch die Werbung mit den Diamanten: bling bling ching ching, ring ring...
Meine Frau ruft an, vielleicht sollte ich nach Hause gehen,
aber die Musik lässt mich nicht los.
Vielleicht ist es alles, was ich weiß, zusammen. Was auch immer die Ursache war,
ich bin dankbar für das, was ich sein darf:
Ein Mann mit Gitarre, ein Typ von der Straße
ein Kerl mit einem Lied, ein Flüchtlings-MC
Wyclef Jean, ein lebenslanger Fugee,
Sohn eines Pastors, der erste, der sich aus dem Staub macht.
Ich bin dankbar, dass ich nicht erschossen wurde,
von der Polizei angehalten, aber sie fanden die Glock nicht,
W-Y-C-L-E-F, ich bin dankbar!
Ein Drogenteufel hätte mich gnadenlos töten können,
aber der Herr, der allmächtige Gott, hatte Erbarmen mit meiner Seele.
Es hätte wie bei Pablo sein können, dem König des Yayo,
oder ein hinkender Zuhälter, der schreit: »Ich mag keine solchen Typen!« und schießt. O nein!
Gott weiß warum, vielleicht wurde ich erwählt,
als Quelle der Inspiration für die nächste Generation?
Vielleicht ist es alles, was ich weiß, zusammen. Was auch immer die Ursache war,
ich bin dankbar für das, was ich sein darf:
Ein Mann mit Gitarre, ein Typ von der StraßeVielleicht sollten wir alle immer wieder mal innehalten und uns Gedanken darüber machen, dass wir doch viel Grund zur Dankbarkeit haben...
ein Kerl mit einem Lied, ein Flüchtlings-MC
Wyclef Jean, ein lebenslanger Fugee,
Sohn eines Pastors, der erste, der sich aus dem Staub macht.
Ich bin dankbar, dass ich nicht erschossen wurde,
von der Polizei angehalten, aber sie fanden die Glock nicht,
W-Y-C-L-E-F, ich bin dankbar!
Du kannst es schaffen, wie ich es geschafft habe!
Lass dir von niemandem etwas anderes einreden.
Wenn eine Tür sich schließt, ist eine andere offen,
viele wurden berufen, aber mein Volk ist auserwählt!
Selbst wenn der Autor nicht zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden wäre, hätte ich dieses Buch früher oder später gelesen. Es war der besten aller Ehefrauen aufgefallen und in den Warenkorb gesprungen, als Hillary Clinton noch die wahrscheinlichere Kandidatin war. 1995, als Barack Obama das Buch schrieb, war noch keine Rede davon, dass er das höchste Amt in seinem Land anzustreben würde. Daher kan man ein ehrliches Buch, das nicht mit Rücksicht auf den Wahlkampf irgend etwas weglässt oder hinzufügt, erwarten. Das Buch jedenfalls lag mit anderen noch zu lesenden Werken bereit.
Nun saß ich kurz vor Weihnachten mit vier sehr lieben Menschen in einem sehr grauenhaften Restaurant und wir unterhielten uns auch über Bücher. Zwei der anwesenden hatten das Buch bereits gelesen und erzählten ein wenig... - ich holte es noch vor Weihnachten aus dem Stapel nach weiter oben... - nun bin ich dank der Urlaubszeit recht zügig fertig geworden mit der Lektüre.
Barack Obama erzählt in diesem Buch sein Leben bis zur Hochzeit mit Michelle und rückt dabei so manches gerade, was sich an Vorstellungen über das Leben eines Farbigen in Amerika in meinen Vorstellungen angesammelt hatte. Er erzählt auch von den anderen Stationen seines Lebens, den Begegnungen mit Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen. Seine Sprache ist lebendig und ausdrucksstark, man merkt von den ersten Seiten an, dass hier ein hoch intelligenter Harvard-Absolvent am Werk war. Er flicht kleine Alltagsbegebenheiten mit Ereignissen der großen Politik zusammen, schildert Charaktere in ihrer Verschiedenheit ohne verurteilend zu werden, sucht immer wieder - auch und gerade beim eigenen Scheitern - nach dem Weg, der weiter führt, anstatt aufzugeben.
Mich hat neben der persönlichen und beruflichen Entwicklung Obamas auch interessiert, wie er seinen schwierigen Weg von einem vagen Vermuten, dass es einen Gott geben müsste, zu seiner Begegnung mit Jesus Christus in diesem Buch schildert. Auch dieser Aspekt seines Suchens und Findens wirkt auf mich ganz und gar ehrlich (womöglich waren seine Wahlkampfmanager nicht so glücklich mit diesen Passagen des Buches).
Sein soziales Engagement bringt Barack Obama zwangsläufig zur Zusammenarbeit mit Kirchen ganz verschiedener Prägung, denn in Amerika ist es noch so, dass sich die Gläubigen der christlichen Kirchen in erster Linie um die Nöte ihrer Mitmenschen kümmern, statt dies - wie bei uns - dem Staat zu überlassen. Obama schildert sich dabei als jemanden, der durchaus aufgeschlossen für die Christen ist, aber... - it seemed that I always argued too much with God. Gar nicht der schlechteste Ausgangspunkt, finde ich.
Je länger er mit Christen zu tun hat, desto mehr erlebt und begreift er, dass ihr Handeln, ihre Nächstenliebe, auf einer lebendigen Beziehung zu ihrem Gott gegründet ist und dass sie daraus die Kraft schöpfen, nie aufzugeben, obwohl es meist um die Nöte anderer geht (und nicht so sehr die eigenen). Obama beginnt zu spüren, dass ihm etwas fehlt. Und schließlich landet er in einem Gottesdienst, der zu einer Begegnung mit Gott wird, die mich sehr an eigenes Erleben vor vielen Jahren erinnert hat.
...I stuffed myself between a plump older woman who failed to scoot over and a young family of four, the father already sweating in his coarse woolen jacket, the mother telling the two young boys beside her to stop kicking each other.
"Where is God?" I overheard the toddler say.
"Shut up!" the older boy replied.
"Both of you settle down right now," the mother said.
...
Then the choir filed down the aisle...
I'm so glad, Jesus lifted me,
I'm so glad, Jesus lifted me,
I'm so glad, Jesus lifted me,
Singing Glory, Hallelujah, Jesus lifted me!
So beginnt der Bericht über diesen Gottesdienst. Und so endet er:
As the choir lifted back up into a song, as the congregation began to applaud those who were walking to the altar to accept Reverend Wright's call, I felt a light touch on the top of my hand. I looked down to see the older of the two boys sitting beside me, his face slightly apprehensive as he handed me a pocket tissue. Beside him, his mother glanced at me with a faint smile before turning back toward the altar. It was only as I thanked the boy that I felt the tears running down my cheeks.
"Oh Jesus," I heard the older woman beside me whisper softly. "Thank you for carrying us this far."
Die fünf Seiten, in denen Barack Obama diesen Gottesdienst, die Predigt und das, was in ihm geschieht, schildert, haben mich von den 440 Seiten am tiefsten berührt. Doch auch die übrigen 435 Seiten lohnen die Lektüre. Unbedingt.
Mein Fazit: Eine lesenswerte Autobiographie nicht nur für Menschen, die an Politik oder Rassenfragen interessiert sind, sondern schon aufgrund der sprachlichen und erzählerischen Fähigkeiten Barack Obamas ein Lesegenuss. Keine leichte Lektüre so nebenbei, aber um so lohnender, wenn man sich darauf einlässt.
Ach ja, meine treuen Leser wissen schon, was jetzt noch als Nachsatz kommt: Inwieweit die deutsche Übersetzung gelungen ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich das Original gelesen habe.