Es begab sich aber zu der Zeit, als Herr W. Sonnenkönig zu Berlin war, dass ich in Kreuzberg in geselliger Runde an einem Stammtisch saß und unsere angeregte Unterhaltung sich um Gleichnisse bewegte. Dabei wurde in mir die Idee geboren, die zu den ersten drei Geschichten aus dem Leben eines Herrn K. führte. Mein fiktiver Herr K. heißt Herr K, weil der Anstoß zum Stammtischgespräch von einem echten Herrn K. kam, sozusagen ehrenhalber.
Ich habe nun aber gesehen, dass ein gewisser Herr Brecht vor einer nicht unerheblichen Anzahl von Jahren bereits gerne einen Herrn K. hat dieses und jenes denken und erleben lassen: Geschichten vom Herrn K. Das gleiche Kürzel - das geht nun gar nicht. Das sei ferne! Brecht ist Brecht.
Daher suche ich nun für meinen Herrn K. einen neuen Namen. Daniel heißt er zweifellos, aber wie weiter? Und warum?
Donnerstag, 19. Februar 2009
Herr K. reist nach Greifswald
Aus einer Kneipe kamen drei überwiegend in schwarzes Leder gekleidete Jugendliche, sahen ihn mit seinem Rollkoffer die Straße entlanggehen. Sie gingen davon aus, dass dieser Fremde womöglich eine lohnende Beute mit sich führen mochte.
Einer der Angetrunkenen fasste Herrn K. von hinten um den Hals, ein anderer entriss ihm den Griff des Koffers. Der dritte ließ ein Messer aufschnappen. »Kein Mucks, du Schwein! Sonst stech ich dich ab!«
Herr K. wehrte sich, instinktiv und aus Panik. Bei klarem Verstand hätte er womöglich stillgehalten, aber der Schreck traf ihn zu unvorbereitet. Er konnte wegen des Würgegriffes nicht schreien, aber er bäumte sich gegen die Umklammerung auf und trat mit dem Fuß nach dem vor ihm stehenden Angreifer.
Nun ging alles so schnell, dass Herr K. kaum mitbekam, was mit ihm geschah. Die drei stießen ihn in einen Hauseingang, das Messer bohrte sich erst in den rechten Oberarm und dann in den linken Oberschenkel. Eine Hand suchte nach der Brieftasche, die er im Jackett trug. Der Jugendliche zerrte und zog, dann riss er den Stoff der Anzugjacke auf und schaute sich den Inhalt der Brieftasche an. Kreditkarten und Ausweise interessierten ihn nicht, er war auf Bargeld aus. Das war jedoch nicht zu finden.
Er stieß Herrn K. den Ellenbogen ins Gesicht. »Gib dein Geld her, du Schwein!«
Eine Antwort war dem Überfallenenn nicht möglich, da er im Würgegriff kaum noch Luft bekam. Einer der Räuber tastete nach dem Portemonnaie in der Gesäßtasche, zog es heraus und zeigte seinen Genossen die wenigen Geldscheine, die er vorgefunden hatte.
»Nur 150 Euro? Wo hast du dein Geld versteckt, Schwein?«
Der Griff um den Hals lockerte sich und Herr K. krächzte: »Mehr habe ich nicht bei mir.«
Der Ellenbogen traf erneut sein Gesicht, eine Faust schlug ihn in den Magen. Herr K. fiel zu Boden.
Die Jugendlichen leerten seinen Koffer aus, wühlten in den Kleidungsstücken und fanden nichts von sonderlichem Wert.
»Zieh dich aus!«, befahl der Wortführer.
Herr K. richtete sich mühsam auf und gehorchte. Anzug und Hemd wurden auf verstecktes Geld abgetastet. Auch die Unterwäsche musste er ablegen. Es fand sich kein weiteres Geld.
Die drei Angreifer nahmen seine Armbanduhr an sich, kein kostbares Stück, auch sein Mobiltelefon, ein älteres Modell, stopften sämtliche Kleidungsstücke samt den eben abgelegten in den Koffer. Dann wandten sie sich samt Gepäck zum Gehen. Herr K. kauerte im Hausflur, hoffte, dass der Alptraum nun vorbei sei. Da traf ihn von hinten ein gewaltiger Schlag auf den Kopf und er sank bewusstlos auf die Steinfliesen.
Wenige Minuten später kam eine Theologiestudentin auf dem Weg zu einer Diskussionsgruppe die Treppe hinunter. Sie war spät dran. Als sie den blutverschmierten nackten Mann im Flur liegen sah, stockte ihr Schritt. »Oh mein Gott, was ist denn das?« Sie zog ihr Mobiltelefon aus der Jackentasche, um einen Notruf abzusetzen. Das Display blieb trotz Druck auf den Einschaltknopf dunkel. »Scheiße, wieder nicht aufgeladen...«, murmelte sie. Sie machte einen großen Bogen um Herrn K. und trat aus der Haustüre. Sie war wirklich spät dran. Sicher kam bald jemand anderer vorbei, der dann die Polizei holen konnte...
Im dritten Stockwerk wohnte ein Lehrer, der vierzehn Minuten später das Haus betrat. Er sah Herrn K., auch er zögerte einen Moment. Sein Mobiltelefon funktionierte, er drückte die SOS-Taste. Als die Verbindung aufgebaut war, sagte er: »Hier liegt ein nackter, blutiger Mann im Hausflur. Schicken Sie bitte Rettungskräfte.« Dann beendete er das Gespräch. Er hatte jetzt keine Zeit, wollte schnell noch duschen, bevor die bestellte Prostituierte kam. So etwas wie blutende Nackte überließ man besser den Profis. Er stieg die Treppe hinauf, als ihm einfiel, dass er überhaupt nicht gesagt hatte, wohin die Rettungskräfte kommen sollten. »Na ja, die haben ja Geräte, mit denen sie den Ort des Notrufes anzeigen können. Die werden den Weg schon finden...« Der Lehrer ging duschen.
Gerade als Herr K. wieder das Bewusstsein erlangte, betrat die Prostituierte das Haus. »O mój wielki Boże«, entfuhr es ihr, »biedactwo!« Sie ließ ihre Handtasche fallen und beugte sich zu ihm hinunter. »Sie sind verletzt. Ich hole Hilfe«, versprach sie. Herr K. war noch zu benommen, um zu antworten. Er hatte Mühe, überhaupt zu begreifen, wo er war und warum.
Die junge Frau nahm ein Taschentuch aus ihrer Handtasche und wischte Herrn K. über die Stirn. Sie zog ihren Mantel aus und bedeckte damit seinen Körper. Aus ihrer Jeanstasche zog sie ein Mobiltelefon und drückte eine Taste. Sie sprach kurz auf Polnisch mit jemandem, dann steckte sie das Gerät wieder ein. »Können Sie aufstehen? Ich habe ein Auto vor der Türe.« Herr K. rappelte sich mühsam auf. Die Frau wickelte ihm ihren Mantel um die Hüften und geleitete ihn langsam zu einem kleinen Renault.
Am nächsten Vormittag verließ Herr K. die Wohnung des Arztes, zu dem ihn die Prostituierte gebracht hatte. Die Stichwunden waren sofort nach seiner Ankunft gereinigt und verbunden worden, der Mann hatte ihn untersucht und keine Brüche feststellen können, dann fand Herr K. ein Nachtlager im Gästezimmer der Familie. Ein Schlafanzug hatte bereitgelegen. Beim Aufwachen fand Herr K. Wäsche und Kleidung auf dem Stuhl neben dem Bett, ein wenig zu groß alles, aber dankbar zog er sich an.
Der Arzt wies jedes Ansinnen auf eine Rechnung weit von sich. »Die junge Dame hat für die Behandlung bezahlt, auch die Medikamente, die ich Ihnen zur Vermeidung von Entzündungen mitgebe. Hier ist noch Verbandmaterial für die nächsten Tage.«
»Ich würde gerne die Adresse der Frau haben«, sagte Herr K. beim Abschied, »ich möchte ihr die Kosten erstatten, mich bedanken.«
»Sie hat mich ausdrücklich darum gebeten, genau dies nicht zu tun. Sie ist illegal in Deutschland, deshalb hat sie auch nicht den Notarzt angerufen. Mit Behörden kann und will sie nichts zu tun haben. Sie ist Verkäuferin in Świnoujście, arbeitet aber an den Wochenenden hier als Prostituierte, um ihrer krebskranken Mutter in der Heimat die Medikamente zu finanzieren. Ihr reguläres Einkommen reicht nicht dafür. Sie wünscht Ihnen gute Besserung. Hier sind noch hundert Euro, damit Sie irgendwie weiter oder nach Hause kommen.«
Sprachlos, mit Tränen in den Augen, trat Herr K. auf die Straße.
P.S.: Herzlichen Dank an meinen Arbeitskollegen Jakub P., der mir polnische Worte verraten und erklärt hat.
Mittwoch, 18. Februar 2009
GJM versus GM

Aus gegebenem Anlass lege ich Wert auf die Feststellung, dass GJM nicht mit Kahlschlag in Europa droht. GJM distanziert sich vielmehr auf das Schärfste von solchen Plänen und sagt: Pfui, GM!
Oh by the way: Which one is Pink?
Croz hat ein wunderbares Bootleg von Pink Floyd, London im Jahre 1970, anzubieten. Beste Qualität, und die komplette Mutter des Atomherzens (genau, die LP mit der Kuh) live, samt Chor und Orchester.Im Einzelnen wird zu Gehör gebracht:
- The Embryo
- Green Is The Colour
- Set The Controls For The Heart Of The Sun
- If
- Atom Heart Mother
Hier geht es lang: Pink Floyd in London
P.S.: Morgen auf diesem Blog reist Herr K. voraussichtlich nach Greifswald.
Dienstag, 17. Februar 2009
Ich träume

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. -Mahatma GandhiVor mehr als 30 Jahren habe ich meinen Zivildienst in einem Altenpflegeheim des Bayerischen Roten Kreuzes geleistet, auf einer Frauenstation. Es war eine ernüchternde und harte Zeit. Als am vergangenen Sonntag das Thema Altenpflege in der Sendung von Anne Will zur Sprache kam, erfuhr ich, dass sich mittlerweile wohl nichts zum Besseren gewandelt hat. Und die Erinnerung kehrte zurück.
Meine normale Schicht dauerte 8 Stunden, eine sinnvolle Einteilung, da auf diese Weise mit drei Schichten ein 24-Stunden-Tag abgedeckt ist. Laut Dienstplan gab es für die Frühschicht drei Pflegekräfte und einen Zivildienstleistenden, für die Spätschicht zwei Pflegekräfte plus ZDL und für die Nachtschicht eine Pflegekraft. Auf der Station waren 28 Patientinnen zu betreuen, sechs von ihnen waren noch so kräftig und selbständig, dass sie alleine essen, sich anziehen und die Toilette besuchen konnten. Die übrigen benötigten Hilfe dabei (Essen kleinschneiden, beim Einstieg in die Wanne helfen...) oder waren so pflegebedürftig, dass sie gefüttert werden mussten und bei Bedarf die Bettpfanne brauchten.
Nun ist der Dienstplan das eine gewesen, die Realität das andere. Wenn Pflegekräfte ausfielen, sei es wegen Krankheit oder Urlaub, gab es normalerweise keinen Ersatz. Das hieß, dass die verbliebenen Mitarbeiter eben entsprechend länger arbeiten mussten und dass die Zeit pro Patientin erheblich verkürzt werden musste.
Es war an der Tagesordnung, dass die noch relativ selbständigen Patientinnen beim Füttern und anderen Tätigkeiten halfen - was nicht unbedingt ein Fehler sein muss, da sie auf diese Weise »gebraucht« wurden, einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen konnten. Sie haben es, soweit ich das beurteilen konnte, gerne und mit Freude gemacht.
Allerdings konnten diese Handreichungen nichts daran ändern, dass für Pflegekräfte und ZDL Doppelschichten, gelegentlich auch Dreifachschichten, regelmäßig vorkamen. Im Klartext: Ich begann meinen Dienst morgens vor 7 Uhr und beendete ihn am nächsten Morgen nach 7 Uhr, da die Übergabe an die nächste Schicht jeweils dazugehörte. Lässt bei solchen Arbeitszeiten die Konzentration und Leistungsfähigkeit nach? Bei mir durchaus. Zehn Minuten Ruhe in der Teeküche oder im Schwesternzimmer reißen da nichts heraus. Es gab auch kaum einmal eine 5-Tage-Woche, sondern freie Tage dann, wenn es irgendwie möglich war. Mein Rekord lag, so weit meine Erinnerung mich nicht trügt, bei 14 Wochen ohne einen einzigen freien Tag.
Häufig war auch die Frühschicht nur mit einer Pflegekraft und einem ZDL besetzt. Also blieb nichts anderes übrig, als die Körperpflege der Patientinnen auf eine Katzenwäsche zu reduzieren und beim Füttern und Windeln so schnell wie möglich zu sein. Die Umlagerung bei Dekubitus-Patientinnen fand an solchen Tagen höchstens alle sechs oder sieben Stunden statt. Folglich verschlimmerten sich die Wunden. Auch Patientinnen, die noch zur Toilette gehen oder die Bettpfanne benutzen hätten können, wurden gewindelt, weil das Pensum anders einfach nicht zu schaffen war.
Und so manche Nachtwache übernahm ich, ohne Pflegeausbildung, weil andernfalls niemand auf der Station gewesen wäre.
Zeit, um sich mit den Patientinnen zu beschäftigen, ihnen etwas vorzulesen, ihnen zuzuhören, sie auch mal an die frische Luft zu bringen, gab es einfach nicht. Diese Illusion hatte ich noch gehabt, bevor ich meinen Zivildienst begann. Ich wollte - gemäß dem Zitat von Gandhi oben - etwas besser, etwas anders machen. Ich glaubte, ein ZDL wäre zusätzlich zu den examinierten Pflegekräften da, nicht an ihrer Stelle. Es blieb beim guten Vorsatz.
War dieses Pflegeheim ein extremer Einzelfall? Ich glaube, leider nicht. Gespräche mit anderen ZDL, die in der Altenpflege tätig waren, deuteten jedenfalls darauf hin, dass mir an meinem Dienstort nichts ungewöhnliches begegnete.
Und nun berichtete am Sonntag eine Altenpflegerin bei Anne Will über ihre Erfahrungen. Die scheinen sich kaum von meinen vor über 30 Jahren zu unterscheiden. Unfassbar, aber wohl leider wahr.
Und da sagt ein Herr Lauterbach (SPD) bei Anne Will:
Die Zahl der Pflegekräfte ist nicht entscheidend. Es gibt Einrichtungen, die haben sehr niedrige Pflegeschlüssel und haben eine akzeptable Qualität.Aha. Eine akzeptable Qualität. Ob Herr Lauterbach schon mal versucht hat, einen wundgelegenen Po vom Durchfall zu reinigen?
Auf die Politik zu schimpfen ist zwar angebracht, aber es ändert nichts. Im »christlichen Abendland« ist Nächstenliebe nicht mehr gefragt. Das war schon einmal so, dass die Armen, Bedürftigen, Misshandelten keine Lobby hatten. Dann trat ein Mann auf, der sich ihnen zuwandte, der Kranke heilte, Hungernde speiste, Weinende tröstete. 2000 Jahre nach ihm rufen wir wieder nach dem Staat statt nach den Christen, wenn Not zu lindern ist.
Muss uns das nicht zum Nachdenken bringen? Ich sage bewusst »uns«, denn ich bin Christ. Ist es denn gar nicht denkbar, dass es in unseren Kirchen und Gemeinden Menschen gibt, die Zeit hätten, ein paar Stunden pro Woche den Pflegedürftigen zu dienen? Zum Windelwechsel und Füttern braucht man keine Ausbildung. Zum Vorlesen oder Zuhören auch nicht. Zum Schieben eines Rollstuhles durch den Park oder Garten bedarf es ebenfalls keiner sonderlichen Fertigkeiten. Zu meiner Zivildienstzeit kam Sonntags wenigstens der katholische Geistliche der örtlichen Kirche, um mit jeder Patientin - katholisch oder nicht - ein paar Minuten zu sprechen. Manchmal brachte er eine oder zwei Damen aus seiner Kirche mit, die dann mit einigen Patientinnen in den Garten gingen. So alle zwei bis drei Monate ein mal. Immerhin!
Ich träume von einer Christenheit in unserem Land, der die eigenen Belange weniger wichtig sind als das Leid der Menschen in der Umgebung. Und ich meine nicht nur alte, pflegebedürftige Menschen. Ich meine auch all die anderen, die hungrigen Kinder, die misshandelten Frauen, die verachteten Menschen mit anderer Hautfarbe...
Ich erträume mir eine Christenheit, bei der vor lauter Ora das Labora nicht auf der Strecke bleibt.
Es gibt Kirchen und Gemeinden, die in diese Richtung gehen. Gott sei Dank gibt es sie. Doch was meinen Traum betrifft, viel zu selten.
Ich träume.
Montag, 16. Februar 2009
Aus dem Arbeitsleben gegriffen
Zum Start in die neue Arbeitswoche gebe ich meinen geschätzten Blogbesuchern in meiner Eigenschaft als Mitarbeiter im Personalwesen eines Industriebetriebes eine wahre Begebenheit zur Kenntnis:
Es wurden 4 Kannibalen als neue Mitarbeiter eingestellt, weil sie nur wenig Entgelt verlangen.
Bei der Begrüßung der Kannibalen sagte der Chef: »Ihr könnt jetzt hier arbeiten, verdient gutes Geld und dürft zum Essen in unsere Kantine gehen. Also lasst die anderen Mitarbeiter in Ruhe.«
Die Kannibalen gelobten, keine Kollegen zu belästigen.
Nach vier Wochen kam der Chef wieder und sagte: »Ihr arbeitet sehr gut. Nur uns fehlt ein Sachbearbeiter, wisst Ihr, was aus ihm geworden ist?«
Die Kannibalen verneinten und schworen, mit der Sache nichts zu tun zu haben.
Als der Chef wieder weg war, fragte der Boss der Kannibalen: »Wer von euch Affen hat den Sachbearbeiter gefressen?«
Da meldete sich hinten der letzte Kannibale ganz kleinlaut: »Ich war es.«
Der Boss donnerte: »Du Idiot, wir ernähren uns seit vier Wochen von Abteilungsleitern, Geschäftsführern, Systemadministratoren, Qualitätsmanagern und Controllern, damit niemand etwas merkt. Und du Depp musst einen SACHBEARBEITER fressen!!!«
Und die Moral von der Geschicht:
Manche fehlen. Manche nicht!
Es wurden 4 Kannibalen als neue Mitarbeiter eingestellt, weil sie nur wenig Entgelt verlangen.
Bei der Begrüßung der Kannibalen sagte der Chef: »Ihr könnt jetzt hier arbeiten, verdient gutes Geld und dürft zum Essen in unsere Kantine gehen. Also lasst die anderen Mitarbeiter in Ruhe.«
Die Kannibalen gelobten, keine Kollegen zu belästigen.
Nach vier Wochen kam der Chef wieder und sagte: »Ihr arbeitet sehr gut. Nur uns fehlt ein Sachbearbeiter, wisst Ihr, was aus ihm geworden ist?«
Die Kannibalen verneinten und schworen, mit der Sache nichts zu tun zu haben.
Als der Chef wieder weg war, fragte der Boss der Kannibalen: »Wer von euch Affen hat den Sachbearbeiter gefressen?«
Da meldete sich hinten der letzte Kannibale ganz kleinlaut: »Ich war es.«
Der Boss donnerte: »Du Idiot, wir ernähren uns seit vier Wochen von Abteilungsleitern, Geschäftsführern, Systemadministratoren, Qualitätsmanagern und Controllern, damit niemand etwas merkt. Und du Depp musst einen SACHBEARBEITER fressen!!!«
Und die Moral von der Geschicht:
Manche fehlen. Manche nicht!
Sonntag, 15. Februar 2009
Samstag, 14. Februar 2009
Herr K. besucht einen Gottesdienst
Daniel K. fand in seinem Briefkasten eine Einladung zu einem Gottesdienst. Nicht in einer Kirche, sondern in einem »Zentrum«. Herr K. war neugierig, seine Frau eher skeptisch. Also machte er sich eines Sonntags alleine auf den Weg.- 09:55 Uhr - Herr K. sitzt auf seinem Platz im Gemeindesaal, da der Gottesdienst um 10:00 Uhr beginnt. Zumindest beginnen sollte, der Einladung nach. Ringsum plaudern Menschen, in den Gängen, im Foyer, durch die Fenster sieht Herr K. Autos in Richtung Parkplatz rollen.
- 10:00 Uhr - Keine Änderung der Situation. Nichts deutet darauf hin, dass irgend etwas in absehbarer Zeit anfangen würde. Herr K. liest zum vierten Mal den Zettel mit den Veranstaltungshinweisen für die nächste Woche.
- 10:10 Uhr - Fünf Menschen betreten die Bühne, nehmen hinter Keyboard und Schlagzeug Platz, greifen zur Gitarre oder zum Mikrophon. Nach einer halben Minute stimmen sie ein Lied an. Die Leute im Saal stört das nicht sonderlich bei ihren Gesprächen, Begrüßungen und Plaudereien. Einige, die schon saßen, stehen allerdings auf, Herr K. weiß nicht recht, warum. Vorsichtshalber bleibt er sitzen.
- 10:15 Uhr - Eine Sängerin auf der Bühne bittet darum, die Plätze einzunehmen, da man nun anfangen wolle. Das Lied wird fortgesetzt. Die Besucher verlassen tatsächlich die Gänge und nun stehen fast alle, den Blick zur Leinwand gerichtet, auf die der Text des Liedes projiziert wird. Herr K. singt leise mit, lässt allerdings einige Zeilen aus. Er versteht nicht, was da steht. Wie kann er etwas singen, was er nicht begreift?
- 10:26 Uhr - Ein Mann löst die Musiker auf der Bühne ab, um die Anwesenden zu begrüßen und dann das vorzutragen, was auf dem Zettel steht, den Herr K. mehrmals gelesen hat. Auf der Leinwand erscheint der Zettel ausschnittweise im Großformat.
- 10:36 Uhr - Inzwischen erklärt der Mann auf der Bühne, dass Gott einen fröhlichen Geber lieb habe. Herr K. fragt sich, ob man die Liebe Gottes wirklich so einfach bekommt. Je größer die Summe in der Kollekte, desto mehr wird man geliebt? Nun gut, der Ansager hat das nicht behauptet, es wäre lediglich die logische Schlussfolgerung aus der Ankündigung. Sei's drum, vielleicht soll man jetzt nicht denken, sondern spenden. Der Mann auf der Bühne zitiert nun aus seiner Bibel, dass jeder geben solle, was er sich im Herzen vorgenommen hat. Herr K. hat sich eigentlich gar nichts vorgenommen.
- 10:40 Uhr - Die Musiker kommen wieder auf die Bühne. Es sei Zeit für die Anbetung, erfährt Herr K., und dass jeder eingeladen sei, auch nach vorne vor die Bühne zu kommen, um dort zu singen. Näher an den Musikern. Oder näher an Gott? Die Sängerin erklärt, dass vorne die Salbung stärker sei. Herr K. bleibt in seiner Reihe, an seinem Platz. Er weiß nicht, was Salbung ist und will auch eigentlich nicht mit Salbe behandelt werden. Einige stellen sich vor die Bühne und bewegen sich im Rhythmus. Heben die Arme hoch. Vielleicht wird die Salbe, die wohl unsichtbar sein muss, so ergriffen? Herr K. ist ratlos.
- 10:45 Uhr - Es werden Eimer durch die Reihen gereicht, in die der fröhliche Geber nun seine fröhliche Gabe legen darf. Herr K. reicht den Eimer an den Nachbarn weiter, ohne etwas zur Sammlung beizutragen. Er hat ein wenig ein schlechtes Gewissen. Im Kino oder Theater muss man ja auch bezahlen...
- 11:00 Uhr - Die Musik, die bisher eher poppig-beschwingt war, wird besinnlicher. Es ändert sich allerdings nichts an der Herrn K. außerordentlich verblüffenden Tatsache, dass ein Lied mit dürftigen acht oder zehn Textzeilen durch Wiederholungen und Wiederholungen der Wiederholungen leicht sechs bis sieben Minuten dauern kann. Ob vielleicht nur wenige Lieder zur Verfügung stehen? Aber dann könnte man doch die Zeit des Musizierens auch kürzer gestalten? Oder eine klassische Melodie zu Gehör bringen?
- 11:10 Uhr - Während die letzten Klänge verklingen, hat der Pastor den Weg zum Rednerpult gefunden. Alle, die immer noch stehen, setzen sich wieder. Herr K. sitzt schon eine Weile. Bevor der Pastor predigt, dürfen einige Menschen über das Mikrophon sprechen. Sie sagen merkwürdige Sätze. Einer erzählt, dass er während des Gesanges eine Blumenwiese gesehen habe, und dass das bedeuten würde, dass Gott die Menschen liebt. Herr K. wundert sich. Womöglich hätte er doch die Salbe abholen sollen, um das nun zu begreifen?
- 11:20 Uhr - Der Pastor predigt. Herr K. hört zu. Es scheint um Erfolg zu gehen.
- 11:30 Uhr - Der Pastor predigt. Herr K. beobachtet, wie ein junges Paar ein paar Reihen weiter vorne tuschelt. Der Mann streicht der Frau sanft über die Wange. Muss wohl eine liebevolle Tuschelei gewesen sein.
- 11:40 Uhr - Der Pastor predigt. Herr K. fragt sich, warum er dabei quer durch die Bibel von einem halben Vers hier über zwei Verse dort zu einem Viertelvers irgendwo anders springt. Vermutlich will er seine Gedankengänge mit einem biblischen Fundament versehen. Herr K. hat Mühe, den Gedankengängen zu folgen.
- 11:50 Uhr - Der Pastor predigt. Herr K. überlegt, wen er zur Geburtstagsfeier in vier Wochen einladen möchte.
- 12:00 Uhr - Der Pastor predigt. Herr K. versucht, wieder den Anschluss an die Predigt zu finden. Ihm ist allerdings nicht so ganz klar, was die vom Pastor beschriebene paradiesische Situation mit seinem Leben zu tun haben könnte. Es ist viel von Sieg und Überwindung die Rede, von Kraft aus der Höhe, die dabei hilft.
- 12:10 Uhr - Der Pastor sagt Amen. Die Musiker kommen wieder auf die Bühne. Menschen, die Gebet oder Segen wünschen, dürfen während der nun folgenden Musik nach vorne kommen. Die Gemeinde steht wieder. Mancher dürfte froh darüber sein, nach so langem Sitzen. Herr K. fragt sich, ob es im Foyer Kaffee geben wird.
- 12:15 Uhr - Es wird immer noch gesungen. Einzelne, die wohl mit außerordentlichem Mut versehen sind, entfernen sich aus dem Saal. Herr K. zögert. Er will ja nicht unangenehm auffallen.
- 12:20 Uhr - Die letzten Töne sind verklungen, die Menschen strömen aus dem Saal.
- 12:30 Uhr - Herr K. hat einen Kaffee ergattert, für 70 Cent. Der Preis ist in Ordnung, findet er. Eine ältere Dame spricht Herrn K. an, ob er zum ersten Mal hier sei. Herr K. nickt. Ob er denn Lust habe, am Mittwoch zum Hauskreis zu kommen, fragt die Dame. Herr K. weiß nicht, was ein Hauskreis ist, aber er schreibt sich Adresse und Uhrzeit auf.
- 13:00 Uhr - Frau K. fragt ihren Mann, ob ihm der Besuch in der Gemeinde gefallen und was denn der Pastor gepredigt habe. Herr K. runzelt die Stirn. »Nun ja«, murmelt er, »vielleicht war das eine Veranstaltung für Eingeweihte...«
Zum thematischen Weiterlesen und -denken:
- Kerstin Hack: Ich bin nicht gottesdiensttauglich
- Johannes Kleske: Wir ticken anders!
- Peregrinatio: Das ist doch kein Gottesdienst!
Freitag, 13. Februar 2009
KHF meets GJM: Lieblich anzuschaun
In einem Forum, das vorwiegend dem kritischen Austausch von Autoren gewidmet ist, fand ich kürzlich ein wunderschönes Gedicht namens »Lieblich anzuschaun« vor. Ich konnte es mir nicht verkneifen, zwei Strophen anzufügen - zum gehörigen Amüsement des Urhebers und der Leser im Forum.Karl Heinz Franzen, der Autor, hat freundlicherweise seine Einwilligung gegeben, dass ich das Werk auf meinen Blog entführe. Die grünen Strophen sind sein Original, die blauen meine Hinzufügung. Viel Spaß!
Lieblich anzuschaun
Ein Sonnentag im Februar,
herrlich, herrlich, herrlich,
Hand in Hand lacht ein Liebespaar,
herrlich, herrlich, herrlich.
Hier und dort versteckt noch Schnee,
herrlich, herrlich, herrlich,
mit dünnem Eis schaukelt die Spree,
herrlich, herrlich, herrlich.
Das Näschen rot, die Haare braun,
herrlich, herrlich, herrlich,
wie ist sie lieblich anzuschaun,
herrlich, herrlich, herrlich.
Da rutscht er auf dem Eise hin,
herrlich, herrlich, herrlich,
steckt bis zur Brust im Wasser drin,
herrlich, herrlich, herrlich.
Ich bin der Retter, das ist klar,
schrecklich, schrecklich, schrecklich,
doch Dank sagt mir ihr Augenpaar,
herrlich, herrlich, herrlich.
Sie stößt ihn in die Fluten tief,
herrlich, herrlich, herrlich,
weil nun nach mir ihr Herzlein rief,
herrlich, herrlich, herrlich.
Vergessen ist der alte Freund,
herrlich, herrlich, herrlich.
Ich wache auf, hab nur geträumt,
schrecklich, schrecklich, schrecklich.
Donnerstag, 12. Februar 2009
T-Shirts, die die Welt nicht braucht
Normalerweise verkneife ich mir Links zu Seiten, denen ich nicht zu einem zusätzlichen Besucherstrom verhelfen möchte. Allerdings schlug in diesem Fall mein Messgerät für Ironie wild und ungebremst in den roten Bereich aus und ich kann diese unsäglichen Kreationen schlicht nicht für mich behalten. Über Geschmack kann man streiten - aber wer würde mit solch einem Hemd durch die Gegend laufen wollen?Du? Ach so. Na gut. Es gibt auch noch passende Bekleidung für den/die EX-Homosexual, EX-Slave, EX-Atheist oder EX-Hypocrite. Und weitere EX-isten. Viel Spaß beim Einkaufen (Klick auf das Bild) und dann, wenn die Kleidung eingetroffen ist, beim Stadtbummel oder Kneipenabend oder auf dem Schulhof mit dem neuen Shirt...
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