Dienstag, 19. Januar 2010
Keine Beschwerde
Nun wäre es Torheit, sich über zu viel Arbeit zu beschweren, denn Arbeit bedeutet Einkommen und ich gehöre nicht zu denjenigen, die sich vor den Mühen des Broterwerbes scheuen, wenn die Möglichkeit besteht, einen solchen zu verwirklichen.
Da gestern ein sehr kurzfristiges CD-Projekt hereinkam und gleichzeitig in meinem »normalen« Job umfangreiche zusätzliche Arbeiten durch viele Änderungen der Gesetze und Vorschriften im Personalwesen (Stichworte Elena / Steuerentlastungsgesetz / Wasnochalles) und die damit verbundenen Änderungen in der Software und den Stammdaten anstehen, wird auch in den nächsten Tagen dieser Blog relativ brach liegen.
Ich bin also nicht faul, dann müsste ich ja zur Ameise gehen, sondern wieder mal ausgelastet. Jedoch gilt nach wie vor, was der liebenswerte rosarote Panther zu sagen pflegte: Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!
Sonntag, 17. Januar 2010
Weil der Pastor viel zu tun hat…
…meldet sich bei Anruf auch in frommen Unternehmungen heutzutage zunächst der Telefoncomputer:
Guten Tag und vielen Dank für Ihren Anruf bei der Seelsorgehotline der Gemeinde für alle Fälle.
Bitte wählen Sie aus dem folgenden Telefonmenü:
Wenn Sie eine Zwangsneurose haben, drücken Sie mehrfach die 1.
Wenn Sie abhängig sind, bitten Sie jemanden, die 2 für Sie zu drücken.
Wenn Sie multiple Persönlichkeiten haben, drücken Sie 3, 4, 5 und 6.
Wenn Sie paranoid sind, wissen wir wer Sie sind und was Sie wollen; bleiben Sie in der Leitung, damit wir Ihren Anruf zurückverfolgen können.
Wenn Sie unter Wahnvorstellungen leiden, drücken Sie 7 und Ihr Anruf wird an das Mutterschiff durchgestellt.
Wenn Sie schizophren sind, hören Sie aufmerksam hin und eine leise Stimme wird Ihnen verraten, welche Nummer Sie drücken sollen.
Wenn Sie manisch-depressiv sind, ist es egal, welche Nummer Sie drücken, es wird Sie sowieso nichts glücklich machen.
Wenn Sie Legastheniker sind, drücken Sie 9696969696969696.
Wenn Sie bipolar sind, hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Signalton oder vor dem Signalton oder nach dem Signalton. Bitte warten Sie auf den Signalton.
Wenn Sie an Verlust des Kurzzeitgedächtnisses leiden, drücken Sie 9. Wenn Sie an Verlust des Kurzzeitgedächtnisses leiden, drücken Sie 9. Wenn Sie an Verlust des Kurzzeitgedächtnisses leiden, drücken Sie 9.
Wenn Sie Minderwertigkeitskomplexe haben, legen Sie bitte auf, unsere Mitarbeiter sind zu beschäftigt, um mit Ihnen zu reden.
Wenn Sie klimakterisch sind, legen Sie die Pistole weg, beenden den Anruf, schalten den Ventilator ein, legen sich hin und weinen. Sie werden nicht andauernd verrückt bleiben.
Wenn Sie blond sind, drücken Sie keine Tasten, Sie würden nur alles kaputt machen.
Vielen Dank für Ihren Anruf. Wir freuen uns, dass wir Ihnen helfen konnten. Unsere Bankverbindung lautet…
Freitag, 15. Januar 2010
Klaus-Peter, Wolfgang, Mario und die Meerjungfrau
Sie werfen das Netz aus, in der Hoffnung ein paar Fische zu fangen, wenngleich sie nicht recht wissen, wie man gegebenenfalls den Fang zubereiten kann, so ganz ohne Ausrüstung, Feuer und Kochbuch.
Wenige Minuten später ist ihnen eine Meerjungfrau ins Netz gegangen. Dass man sie nicht verzehren kann, ist den drei Männern klar, aber immerhin könnte die Beute auf Ebay reichlich Geld einbringen, wenn - falls - es ein Zurück in die Zivilisation geben sollte. Flugs binden sie dem zitternden Wesen die Hände zusammen, damit es nicht entfliehen kann, glitschig, wie solche Meeresbewohner nun mal sind.
Die Meerjungfrau bittet sehr herzlich darum, freigelassen zu werden. Sie verspricht, jedem der drei Männer einen Wunsch zu erfüllen, falls sie davonschwimmen darf.
Klaus-Peter, der nicht daran glaubt, dass dieses Wesen tatsächlich in der Lage ist, Wünsche zu erfüllen, meint: »Wenn du wirklich etwas derartiges kannst, dann wünsche ich mir, dass mein IQ sich verdoppelt.«
Die Meerjungfrau sagt: »Erledigt.«
Im gleichen Augenblick begreift Klaus-Peter, was er tun kann, um von der Insel zu entkommen, und er schwimmt hinüber zum Festland.
Nun ist Wolfgang höchst erstaunt und von den Fähigkeiten des rätselhaften Wesens überzeugt. Er sagt: »Ich wünsche mir, dass mein IQ sich verdreifacht.«
»Okay«, lächelt die Meerjungfrau.
Wolfgang hat sofort die Lösung für seine Lage im Kopf. Er baut aus den Bootstrümmern mit Hilfe des Netzes ein Floß und paddelt zum Festland.
Mario ist sprachlos angesichts der Veränderung seiner beiden Freunde und beschließt, aufs Ganze zu gehen. »Ich wünsche mir«, erklärt er, »einen fünffach vergrößerten IQ. Dann darfst du zurück in die Freiheit.«
Die Meerjungfrau schaut ihn nachdenklich an und runzelt ihre makellose Stirn. Sie sagt: »Normalerweise kommentiere ich die Wünsche nicht, aber in diesem Fall würde ich wirklich empfehlen, dass du dir das noch einmal überlegst.«
Mario schüttelt energisch den Kopf. »Nein. Ich will einen verfünffachten IQ, andernfalls lasse ich dich nicht frei.«
»Bitte, lieber Mann, denk noch einmal nach. Du weißt ja nicht, was du dir damit antust. Dein gesamtes Leben, deine Sicht auf alles würde sich vollkommen ändern. Willst du nicht lieber eine Million Euro, drei hübsche Gespielinnen, irgend etwas anderes?«
Doch Mario bleibt dabei. Er hat sich entschieden. Sein IQ muss sich verfünffachen.
Schließlich seufzt die Meerjungfrau und sagt resigniert: »Na gut, wie du willst. Erledigt.«
Aus Mario wird auf der Stelle eine Frau. Sie löst die Fesseln der Gefangenen und geht über die Brücke von der Insel zum Festland hinüber.
Donnerstag, 14. Januar 2010
Gastbeitrag: Hans Peter Royer über einen Abend bei McDonalds
Wer nun neugierig ist, was das soll, der schaue sich den sehr lesenswerten Zusammenhang an: Wegbegleiter über Vorherbestimmung und freien Willen
Dienstag, 12. Januar 2010
Ein globalisiertes Vehikel
Ich wusste nicht, ob er überhaupt Zylinder oder Hubräume hat, lediglich dass ich Dieselkraftstoff tanken soll und dass der Vierradantrieb auf Wunsch zugeschaltet werden kann. Letzteres war mir bei den derzeitigen Zuständen auf den Berliner Nebenstraßen (die werden überhaupt nicht von den Räum- und Streudiensten besucht) schon recht nützlich. Die meisten Antworten ließen sich jedoch aus der Bedienungsanleitung finden und der Wissensdurst meiner Kollegen konnte gestillt werden.
Das Automobil stammt aus der schönen Stadt Toledo im amerikanischen Bundesstaat Ohio. Ausschließlich dort wird dieser Fahrzeugtyp gebaut. Sein Motor wurde jedoch von einem italienischen Hersteller gefertigt, der auch für Alfa Romeo Triebwerke herstellt. Das Fünfgang-Automatikgetriebe steuerte Mercedes Benz bei. Beides gelangte vermutlich per Frachtschiff nach Amerika, es sei denn, die Italiener und die Deutschen haben da entsprechende Produktionsstätten. Das Auto, als es zusammengeschraubt war, wanderte jedenfalls per Schiff nach Europa.
Er (ich nenne das Fahrzeug heimlich und nur für mich The Road Virus, nicht weitersagen, wäre ja peinlich!) hat tatsächlich Zylinder, irgendwo, nämlich vier. Und einen Hubraum, dachte ich, hätte er auch, aber mein Chef hat mir erklärt, dass es vier Hubräume zu je 0,7 Litern sind, was zusammen dann die 2,8 Liter ergibt. Das Differntialgetriebe lässt sich in der Schlammfalle bei zugeschaltetem Vierradantrieb tatsächlich deaktivieren, was man aber im normalen Fahrbetrieb sein lassen sollte, da das Lenken dann zu einem Abenteuer wird. Und runde 70 Liter passen in den Tank, der Bedienungsanleitung zufolge.
Findige Blogbesucher könnten aus diesem Puzzle von Informationen und einem kürzlich genannten Stichwort auf das Fahrzeug schließen...
Montag, 11. Januar 2010
Schlecker, Lidl und Co.
Wir kaufen schon lange nicht mehr bei Lidl oder Schlecker ein, weil uns bekannt ist, dass die Beschäftigten dort nicht nur schlecht bezahlt werden, sondern auch unter mittelalterlich anmutenden Arbeitsbedingungen zu leiden haben. Solche Läden haben wir gemieden, um deren Geschäftsmodelle nicht durch unsere Einkäufe zu unterstützen.
Aber wenn man genauer nachdenkt, gibt es immer zwei Sichtweisen, mindestens.
- Wenn bei solchen Geschäften nicht mehr eingekauft wird (50% der Bundesbürger beispielsweise meiden inzwischen Schlecker [Link]), gehen die Umsätze zurück. Das führt jedoch nicht dazu, dass die Geschäftsführung umdenkt, sondern zu noch schlechteren Arbeitsbedingungen und niedrigeren Löhnen (auf dem Umweg der Leiharbeit) und womöglich irgendwann zur Entlassung der Beschäftigten. Ergebnis: Mehr Arbeitslose...
- Wenn man bei solchen Geschäften einkauft, unterstützt man die Sicherheit der Arbeitsplätze (so mies sie auch sein mögen [Link]). Wenn die Unternehmen höhere Umsätze erzielen, könnte es sein, dass sie irgendwann bereit sind, ihre Geschäftsmodelle arbeitnehmerfreundlicher zu gestalten. Aber das garantiert niemand und das ausbeutend-menschenverachtende Verfahren könnte von anderen Unternehmen als Vorbild betrachtet werden...
Sonntag, 10. Januar 2010
Von Autos, Schnee und elektrischen Büchern
Dem Wetter trotzend haben wir uns gestern aus dem Haus getraut, um – allerdings mit öffentlichem Nahverkehr – ein zwei Jahre altes Automobil zu besichtigen, das womöglich Nachfolger unseres von Bloglesern mit spöttischen Bemerkungen bedachten Ford Windstar werden könnte.
Welche Sprüche den Besuchern hier beim Stichwort Dodge einfallen, können sie ja schon mal überlegen, aber noch ist nichts entschieden. Nur so viel: Es wird auf jeden Fall wieder ein Amerikaner, das nächste Automobil.
Denn:
- Jeder Popel fährt ‘nen Opel.
- Siehst Du die Toten dort im Schnee? Das sind die Fahrer von VW.
- Siehst Du einen Zi-tro-ehn, lass ihn lieber gleich dort stehn.
- Mercedesfahrer = Bauer mit Hut.
- …
Zuwachs an Büchern aus Papier wird es bei uns zweifellos weiter geben, aber das Lesen mit dem Gerätchen macht auch Spaß, wie ich inzwischen festgestellt habe. Vor allem, wenn man etwas liest (Foto links), was überhaupt nicht gedruckt erschienen ist oder erscheinen wird.
Und manches Buch ist einfach unschlagbar preiswert, so haben die kompletten Erzählungen von Ernest Hemingway mich 17,48 Dollar gekostet – in Euro kann sich das jeder selbst ausrechnen. Einige Bücher habe ich nicht gekauft, sondern – auch sehr schön beim Kindle – nur das erste Kapitel geladen, was kostenlos ist, um dann festzustellen, dass mich der Stil oder Inhalt nicht so fesselt, dass ich weiterlesen möchte.
Und nun liegt ein Sonntag vor uns, der im Zeichen der Faulheit stehen darf, wenn ich in etwa einer Stunde die CD-Produktion fertig habe. Na denn: Einen schönen Wintertag, liebe Welt!
Freitag, 8. Januar 2010
Das Geheimnis der alten Dame
Ich schlenderte gestern in der Mittagspause eines Seminars (Softwareschulung) durch die Straßen (Berlin Friedrichshain) und sah eine alte Dame mit einer Krone auf einer Bank (S-Bahnhof Warschauer Straße) sitzen. Sie rauchte eine Zigarette und sah sehr zufrieden aus. Neugierig setzte ich mich neben sie und meinte: »Sie sehen so glücklich aus. Was ist ihr Geheimnis?«
»Ich rauche zwanzig Zigaretten pro Tag«, erklärte sie, »und am Abend vor dem Schlafengehen einen schönen großen Joint. Über die Woche verteilt trinke ich eine Flasche Jack Daniels, eine Kiste Bier und gelegentlich ein Wasser. Ich esse nur Junk Food bei McDonalds. Am Wochenende nehme ich Party-Pillen, lege mich auf mein Sofa und tue gar nichts.«
»Das ist also das Geheimnis eines langen glücklichen Lebens«, wunderte ich mich und wollte wissen: »Wie alt sind Sie denn?«
»Vierunddreißig«, antwortete sie.
Mittwoch, 6. Januar 2010
Kerstin Hack: Die Hütte und ich
- Warum will Gott, dass ich ihn um etwas bitte, wenn er das Gebet dann doch nicht erhört?
- Warum spricht Gott und sagt mir Dinge zu, wenn er sie dann doch nicht erfüllt?
- Wie kann ich ihm wieder neu vertrauen?
Dienstag, 5. Januar 2010
Normalbetrieb
Nein nein. keine Angst. Es gibt uns noch. Wir sind am Sonntag Abend nach schneereich-schwieriger Fahrt (von Budweis nach Berlin in zwei Etappen: 14 Stunden) wohlbehalten zu Hause angekommen, haben das Mietfahrzeug von unseren Koffern und Taschen entleert und haben es dann zur Rückgabestation gebracht.
Gestern, am Montag, habe ich telefonisch um einen weiteren Tag Urlaub nachgesucht, da ich unseren in Zwota (so heißt das Kaff mit dem Abschleppdienst wirklich, man mag es kaum glauben, dass ein Ort Zwota heißen kann, aber er heißt nun mal so) verbliebenen Windstar abmelden musste, was mit nur einem Nummernschild und nicht hier vorzeigbarem Fahrzeug relativ schwierig wurde. Der Ford bekam für etwa zwei Minuten eine neue Autonummer zugeteilt, bloß damit er stillgelegt werden konnte. Na ja. Beamte denken sich so was aus, und vermutlich wissen sie ja, was sie tun…
Außerdem waren die Umsatzsteuervoranmeldung und die damit verbundenen Buchhaltungsarbeiten fällig. Mag ich nicht, mache ich aber trotzdem. Sonst gibt es Schimpfe vom Finanzamt.
Am späten Nachmittag haben wir dann noch ein Autohaus besucht, bei dem wir nach diesem Besuch jedenfalls keinen Nachfolger für den Windstar erwerben werden. Der Verkäufer hatte sichtlich kein Interesse an Kundschaft – vermutlich bekommt er keine Provision, sondern Festgehalt. Anders kann ich mir das nicht erklären:
»Wir würden gerne eine Probefahrt mit einem ähnlichen Modell machen.«
»Hmmm… ähhh… da haben wir zur Zeit keines angemeldet. Man kann ja nicht alle Modelle anmelden. Das wird also nicht gehen.«
»Den Preis könnte man doch sicherlich dadurch mindern, dass Sie das Navigationssystem herausnehmen und statt dessen ein normales Radio einbauen? Ich habe ein Navigationssystem, zwei brauche ich nicht.«
»Ach nein, wissen Sie, das ist zu schwierig mit der Verkabelung. Das würde Stunden dauern. Nein nein, das geht nicht.«
Und so ähnlich ging es weiter. Preisnachlass? Nee. Rabatt? Nee. Extras umsonst? Nee. Jahreswagen in Sicht? Nee.
Na gut. Es gibt ja noch andere Autohäuser in und um Berlin. Viele sogar.
So. Nun ist der Normalbetrieb des Alltages wieder dran, und die geschätzten Blogleser, die sich schon Sorgen machen, können aufatmen. Wie gehabt wird es beinahe täglich dieses und jenes hier zu finden geben.



