Dienstag, 6. April 2010

Wer bist du, Jessika? – Teil 3

image 75 Prozent der Abstimmenden wollten Bernd nicht im Dunkeln tappen lassen. Er sollte Verdacht schöpfen, dass Jessika alles andere als harmlos ist. Das Leservotum umzusetzen war so einfach nicht, da ich eigentlich vorhatte, noch etwas zu warten mit der Erkenntnis. Aber gut, ich halte mich an meine eigenen Spielregeln. Bernd schöpft Verdacht, mehr noch, in dieser Fortsetzung wird er – ach nein, das steht ja unten im Text.
Wer Teil 1 und Teil 2 sucht, wird mit Klick auf Teil 1 und Teil 2 fündig.
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Als sie eine Stunde später auf dem Weg zu Bernds Wohnung waren, wusste er immer noch nichts über Jessika außer ihren Namen und die sonderbare Altersspanne, wobei er nicht sicher war, ob das vermeintliche Wissen stimmte. Sie mochte genauso gut Juppi heißen, oder Alexandra. Oder Elke. Esmeralda. Kassiopeia. Anna Karenina…
Sie schien mehr über ihn zu wissen, als ihm lieb war. Dass sie seine Bücher kannte, nun ja, das schmeichelte seinem Autorenego. »Wenn einer nicht egozentrisch ist, dann wird er nicht Dichter. So waren sie alle, von Goethe bis Brecht. Nur vermochten Goethe oder Brecht diese Egozentrik einigermaßen zu verbergen«, hatte das Büchernörgele, wie Michael Ende Herrn Reich-Ranicki einst getauft hatte, unlängst festgestellt. Bernd nahm sich da nicht aus. Natürlich will ein Autor gelesen werden, und je mehr er davon weiß, dass er gelesen wird, desto wohler wird es seiner Dichterseele. Aber Jessika hatte auch Details aus seinem Leben angesprochen, die er für sorgsam gehütete Geheimnisse gehalten hatte. Er war nun auf der Hut. Dass Jessika keine normale Person war, keine Zufallsbekanntschaft, das war so sicher wie die Tagesschau um 20 Uhr. Eine Stalkerin? Eine Verwirrte?
Sein Arm um ihre Schultern gelegt, ihre Hand auf seiner Hüfte, schlenderten sie zurück zum Haus mit dem nach wie vor gesperrten Fahrstuhl. Als sie die Treppen emporstiegen, fiel ihm wieder die Bemerkung ein, die er am Cafétisch nicht weiter hinterfragt hatte, weil sich zu viele Fragen gleichzeitig in seinem Kopf gedreht hatten.
Er ging, wie es sich für einen Herrn mit Benimm gehörte, einen halben Schritt hinter Jessika die Stufen empor. Zwischen dem dritten und vierten Stockwerk fragte er: »Letzte Woche sind sechs Menschen abgestürzt. Warum sollte das in meinem Sinne sein?«
Sie drehte den Kopf zu ihm zurück, mit erstaunter Mine. »Das ist doch ein schöner Tod, wenn man nicht weiß, dass es so weit ist. Einfach von einem Moment zum anderen ist man über die Schwelle getreten.«
»Na ja, schon, besser als unheilbarer Krebs wie Dennis Hopper oder ein langes bitteres Entdämmern hinein in die Hilflosigkeit wie Walter Jens. Aber wieso sollte der Unfall mit dem Fahrstuhl in meinem Sinne gewesen sein? Ich kannte die Familie Aksu kaum, gar nicht im Grunde genommen, vor allem aber hatte ich keine Veranlassung, ihren Tod zu wünschen.«
»Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit. Zeit fürs Gebären und Zeit fürs Sterben, Zeit fürs Pflanzen und Zeit fürs Ausreißen des Gepflanzten.«
»Das Zitieren biblischer Texte beantwortet meine Frage nicht, Jessika.«
Sie blieb stehen und drehte sich zu ihm. Eine Stufe höher als er stehend nahm sie ihn fest in die Arme, Stirn an Stirn geschmiegt. »Manche Antworten kommen von selbst, wenn es an der Zeit ist. Manche Antworten kommen nie. Und manche Antworten würde man am liebsten nie bekommen haben, wenn sie da sind.«
»Aber ich…«
Sie küsste ihn liebevoll, sanft, wie vor zwei Wochen in der Finsternis der Fahrstuhlkabine. Ein Gedanke, der sich gerade näherte, kam ihm abhanden. Eine Frage, die gestellt werden wollte, eine fast formulierte Vermutung, aber sie war noch zu zart, flüchtiger Nebel, sie entschwand.
Bernd schloss die Türe auf, ließ ihr den Vortritt und Jessika ging unbekümmert voran. Sie warf vom Flur aus einen kurzen Blick in die Küche, ins Arbeitszimmer, ins Wohnzimmer. Das Gästezimmer, dessen Tür geschlossen war, ließ sie unbeachtet und ging zielstrebig ins Bad. Bereits im Flur ließ sie ihre Kleidungsstücke fallen. Sekunden später stand sie unter der Dusche, die Badezimmertüre blieb sperrangelweit offen.
Bernd konnte immer weniger verstehen, was eigentlich mit ihm, seinem Leben vor sich ging. Ich dachte, das war in deinem Sinne… - irgendetwas lauerte im Hintergrund seines Bewusstseins. War es ein Bild? Eine Erinnerung? Fast hatte er zugreifen können, auf der Treppe, vor dem Kuss.
»Bernd?«
Was konnte, sollte, mochte der Gedanke gewesen sein? Wieder regte sich das nicht Greifbare, zu weit entfernt, im Nebel. Nicht deutlich genug, zu verschwommen noch…
»Bernd? Kommst du?«
Er trat zögernd, verloren, an die Tür zum Badezimmer. Jessika winkte ihn herein und zog ihn aus. Es war alles so richtig, so unabwendbar, so natürlich, so unwirklich vertraut. Solche Dinge ereigneten sich vielleicht in Romanen und Erzählungen, wenn die Charaktere einen entsprechenden Charakter hatten und die Autoren ihrer Phantasie die Zügel locker ließen, aber niemals im Leben.
im NebelJessikas Körper, den er erfühlt hatte beim Kuss vor zwei Wochen. Ohne Scheu ließ sie sich im leichten Dunst der feuchter werdenden Luft betrachten. Bernd gingen flüchtige Gedanken an Aids, an Verhütung, an Religion und Moral durch den Kopf, aber er wollte genau das, was offensichtlich Jessika im Sinn hatte. Er, der zurückhaltende Gentleman, der schüchtern einen Bogen um zweideutige Situationen zu machen pflegte, ausgerechnet er ließ sich willig von einer Frau entkleiden, die unter seiner Dusche stand, die er erst vor einer guten Stunde mehr oder weniger kennen gelernt hatte, die ihn zwei Wochen zuvor im festsitzenden Aufzug ungefragt geküsst hatte, um anschließend wortlos zu verschwinden. Nun gut, ein Wort hatte sie immerhin gesagt: Jessika. Der Klang ihrer Stimme war ihm Tag und Nacht nicht aus dem Sinn gewichen in den beiden Wochen.
Sie zog ihn zu sich und an sich unter die Dusche. »Du brauchst keine Angst vor Aids oder sonst etwas zu haben, ich bin kerngesund, und die Pille nehme ich auch. Wir beide sind ein Fleisch, in gewissem Sinne, dagegen bringt kein Gott Einwände vor. Und die Moral, die ist doch relativ, nicht wahr? Also entspann dich, Bernd.«
»Kannst du eigentlich Gedanken lesen?«
»Das hat dein Maler auf der Insel Fehmarn seine Angelina auch gefragt, bevor die Nacht vom Himmel gefallen ist.«
»Du kannst meine Gedanken nicht lesen. Das gibt es nämlich nicht. Dies ist kein Roman, Jessika.«
Sie stand fast reglos an ihn geschmiegt, er genoss den leichten Druck ihrer Haut gegen seinen Unterleib. Der warme Regen aus der Brause hüllte die Engumschlungenen mehr und mehr in feinen Nebel, löste sie aus dem Badezimmer, versetzte sie in Ungewisses, Unwägbares, Ungesehenes. Im Nebel wird Orientierung schwer. Im Nebel verlieren Entfernungen ihr Maß. Im Nebel gehen Geräusche eigensinnige Wege. Im Nebel kann etwas lauern, was man nicht zu sehen wünscht, aber im Nebel wird es sich auch nicht zeigen.
Jessikas Hand strich sanft über seinen Rücken. »Ich bin doch deine Schöpfung«, flüsterte sie im Rauschen des Wassers gerade noch hörbar, »du hast mich erträumt, erschaffen, erwünscht, nenn es wie du willst. Jetzt bin ich da. Für dich. Ich weiß doch, wie du denkst, was du empfindest. Ich brauche zu diesem Behufe keine Gedanken lesen, ich bin ein Teil von dir.«
Natürlich war das Unfug. Vollkommener Blödsinn. Aber Bernd mochte jetzt nicht mehr grübeln, nachsinnen, abwägen, den verlorenen Gedankenhauch zu finden suchen, sich wehren. Wozu auch. Der Nebel hatte alles entfernt, was an der Wirklichkeit wirklich sein mochte. Sie waren die einzigen Menschen auf der Welt, Mann und Frau, und sie verschmolzen, noch unter der Dusche, und dann im Schlafzimmer, mehrfach, zu einem Fleisch.

Am späten Nachmittag wachte Bernd auf, allein zwischen zerwühlten Laken. Aus dem Wohnzimmer hörte er gedämpft Musik, Bob Dylan sang gerade beyond here lies nothin', but the mountains of the past. Jessika war vermutlich dort im Wohnzimmer, hatte – wie passend! – Together Through Lifeaufgelegt, oder war sie schon wieder verschwunden für Wochen? Was wäre ihm eigentlich lieber? Eine Fortsetzung des Unwirklichen oder eine Rückkehr in die Welt, die er gekannt hatte, in der er sich zurechtfand? Wenn er ehrlich mit sich zu Rate ging, dann wollte er Jessika. Nicht nur ihr Körper zog ihn an, das war sicher sicher auch der Fall, keine Frage angesichts der vorangegangenen Stunden, aber es war viel mehr, was ihn förmlich zu ihr hinsog. Als wäre sie ein einst abhanden gekommener Teil seiner Person, die nie vollständig hatte sein können, solange Jessika fehlte.
Das Gefühl nahm zu, sie würden sich seit Monaten kennen, nein, seit Jahren. Natürlich war sie eindeutig nicht normal, irgendwie nicht ganz richtig im Kopf, ausgeflippt, verdreht, aber auf eine angenehme Weise. Anders als jener Besucher, der in einer Geschichte von Stephen King einen Autor mit der Anschuldigung konfrontierte, seine Geschichte gestohlen zu haben. Wie hieß doch die Erzählung? My Secret Window war der Titel der Verfilmung, aber die Geschichte hieß nicht so. Sie war in einem Sammelband zu finden. Irgendwas mit Midnight.
Bernd stand auf und sah sich nach seinen Kleidungsstücken um, dann fiel ihm ein, dass die im Badezimmer auf dem nassen Boden liegen mussten. Er nahm Boxershorts aus der Wäscheschublade und legte sie dann zurück. Es war warm genug, und immerhin war dies seine Wohnung, in der er sich auch sonst unbekleidet aufhielt, wenn die Witterung entsprechend war. Sein Balkon war von außen nicht einsehbar, gerne genoss er in seinem Liegestuhl hüllenlos die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut, im Frühling und im Herbst. Die Sommersonne mied er, indem er seine Markise ausrollte.
Er ging ins Wohnzimmer und sah Jessika durch die Balkontüre auf seinem Liegestuhl in der Sonne. Sie trug so viel Kleidung wie er.
»Ich habe dir ein Bier in den Kühlschrank gestellt«, rief sie.
»Danke!«
»Kommst du raus zu mir?«
»Ja. Soll ich dir was mitbringen?«
»Ich habe noch Mineralwasser, einstweilen reicht das.«
Bernd ging zunächst zum Bücherregal und griff nach Four past Midnight um sich zu vergewissern, dass die gesuchte Geschichte Secret Window, Secret Garden in diesem Sammelband zu finden war. Er schlug die Seite 253 auf. “You stole my story”, the man on the doorstep said. “You stole my story and something’s got to be done about it.”
Bernd stellte das Buch zurück. Er würde sich später die Zeit nehmen, seine Situation mit der von Stephen King geschilderten zu vergleichen. Natürlich hatte Jessika nicht behauptet, er hätte ihr etwas gestohlen, schon gar nicht ihre Geschichte. Im Gegenteil. Aber immerhin: Das Buch schilderte, unter gänzlich anderen Umständen zwar, das Auftauchen einer Figur aus der Gedankenwelt in der Wirklichkeit des Autors. Bernd hatte eine Ahnung, eine Hoffnung, womöglich in dieser Erzählung einen Schlüssel zu finden, der jenen flüchtig gewordenen Gedanken zurückholen konnte.
Er trug sein Bier auf den Balkon, Jessika hatte den Liegestuhl zusammengeklappt und die beiden Gartenstühle mit den bequemen Polsterauflagen bereitgestellt. Sie sah hinreißend aus im warmen Nachmittagslicht. Sie zwinkerte ihm zu, erst rechts, dann links. Als Bernd sich setzte, bekam er einen sanften Kuss auf die Stirn. Das kribbelte irgendwo tief im Kopf, hinunter ins Rückenmark, nicht auf der Haut.
»Wer bist du, Jessika?« fragte er.
»Ich erzähle dir, was du gerade schreibst. Es ist die Fortsetzung deiner Geschichte über die mörderische Hausmeisterin. Nein, nicht die Fortsetzung, es ist eine andere Geschichte, nur eine Person taucht wieder auf, die nächtliche Besucherin. Das Mädchen ist inzwischen erwachsen und du fragst dich, was aus ihr geworden sein mag«, meinte sie, während sie ihre Hand auf seinem Oberschenkel ruhen ließ.
»Volltreffer. Warst du an meinem Computer?«
Jessika schmunzelte und küsste ihn mit ihren weichen Lippen. Die Stirn. Das Kribbeln, inwendig.
»Und keine Angst, Bernd. Jessika hat sich geändert. Sie verspeist weder Leichen noch hat sie die unangenehme Eigenart der Hausmeisterin übernommen, Männern ihr Lieblingsorgan abzuschneiden.«
Ihre Hand wanderte am Oberschenkel empor. Bernd schloss die Augen. »Was machst du bloß mit mir?«
»Alles, was du in deinen Manuskripten geschrieben hast. Oder schreiben wolltest, bevor du dann doch die Zügel angezogen hast. Du glaubst, Literatur sei nur Phantasie, Autoren würden samt und sonders alles erfinden, es gäbe eine Wirklichkeit und eine weitere Welt im Kopf des Autors. Zwei Welten, streng getrennt. Zumindest sagst du dir das. Aber glaubst du es denn wirklich?«
Bernd schwieg. Er wartete, wartete auf das, was noch im Nebel verborgen war. Seine Augen hielt er geschlossen, die Abendsonne färbte den blicklosen Blick rötlich. Ein warmes, ein lebendiges Rot, nicht wie die Fahrzeuge der Feuerwehr. Bei der Rückkehr vom Einkauf waren sie vor dem Haus aufgereiht. Sechs tote Menschen mussten aus dem Schacht geborgen werden. Vier Kinder darunter. Ich dachte, das war in deinem Sinne… Und plötzlich lichtete sich der Nebel. Jessika hat die Familie Aksu umgebracht. Ein Gedanke so deutlich, so unmissverständlich, als hätte ihn jemand laut ausgesprochen. Jessika hat die Familie Aksu umgebracht.
»So ein Unfug«, murmelte Bernd.
Jessika sagte nichts, ihre Hand massierte, was die Hausmeisterin in jener finsteren Geschichte abzuschneiden pflegte. Vielleicht hätte er sie damals nicht schreiben sollen? Nicht einmal denken sollen? Aber wie kann ein Mensch nicht denken, was in ihm erwacht?
Bob Dylans Stimme klang aus dem Wohnzimmer. You’re as whorish as ever, Baby you could start a fire. I must be losing my mind. You're the object of my desire. I feel a change coming on and the fourth part of the day is already gone.
Bernd sagte halblaut: »Ich werde mich hüten, meinen mind zu losen.«
Jessika küsste ihn auf die Stirn. Das Kribbeln. Dann das Feuer, dann das Verlöschen der Vernunft.
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In der Fortsetzung werden Menschen zu Tode kommen. Nein nein, nicht Bernd, den brauchen wir noch. Und Jessika werden wir vorerst sowieso nicht los.
Nun kann man kann ich das, was unweigerlich passieren wird, sehr detailliert schildern, in etwa so: »…die Hände des Jungen zerplatzen in kleinste Teilchen, die in alle Richtungen davon spritzen…« – oder einfach die Art des gewaltsamen Todes vermelden. Was hätten denn meine Leser mehrheitlich lieber?

Wenn schon gewaltsam gestorben wird...
...dann so grausig wie möglich.
...dann eher dezent, kein Horror bitte.
Auswertung

Montag, 5. April 2010

Freunde

Es ist ein freundschaftsbetontes Osterfest, diese Tage im April 2010. Am Karfreitag hatten wir ein befreundetes Ehepaar zum Brunch bei uns zu Hause, am Samstag Abend gingen wir mit einem anderen Paar zunächst italienisch Essen und dann zum Konzert in die Philharmonie. Und heute besuchen wir eine befreundete Familie zum Kaffee, Spaziergang (falls das Wetter nicht allzu garstig ausfällt) und – womöglich – Abendimbiss.
Gott erhalte uns die Freundschaft. Man möchte beinah glauben, man sei nicht allein. -Kurt Tucholsky in "Die Weltbühne", 23. September 1930
Morgen geht es hier mit Jessika und Bernd weiter. Bernd scheint keine Freundschaften zu haben oder zu pflegen. Ob ihn das um so empfänglicher macht für das, was da mit ihm geschieht? Kann sein, dass da Zusammenhänge bestehen. Jedenfalls: Teil 3 ist morgen an dieser Stelle zu finden.

Sonntag, 4. April 2010

Gastbeitrag Margot Käßmann: Ostern – das Unglaublichste am Glauben

Eine Predigt, die mir alltagstauglich und segensbringend war, gibt es heute für meine geschätzten Blogbesucher zum Ostersonntag. Sie stammt von Frau Käßmann, aus dem Jahr 2001.

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Liebe Gemeinde,

kurz nach meinem Dienstantritt wurde ich mit dem Fall eines Pastors konfrontiert, der sich auf der Kanzel rasiert hatte. »Werden Sie ihn disziplinarrechtlich belangen?«, war die Frage. Ich habe gesagt: »Er hat sich auf der Kanzel rasiert? Das glaube ich nicht!«

Und so kam es zum Gespräch mit dem Pastor, der erklärte, genau das sei doch der Sinn gewesen. Er habe am Sonntagmorgen auf der Kanzel Rasierschaum und Pinsel heraus geholt, sich in Seelenruhe rasiert, in den Spiegel geguckt und dann zur Gemeinde gesagt: »Wenn Sie jetzt nach Hause gehen und das erzählen, wird Ihnen jeder sagen: das glaube ich nicht.« Genauso war es an Ostern, als die ersten erzählt haben: »Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!«

Bis heute bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich das nun einen hilfreichen Zugang finde oder nicht. Das Rasieren auf der Kanzel und die Auferstehung sind denn doch noch zwei verschiedene Paar Schuhe. Aber dennoch hat der Pastor hier einen Punkt erwischt: Den Unglauben der ersten Jüngerinnen und Jünger, der bis heute mit Blick auf die Auferstehung uns Menschen prägt:

Datei:Le Caravage - L'incrédulité de Saint Thomas.jpgAls aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht. Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen. Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht. Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen. Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. (Markus 16, 9ff)

Liebe Gemeinde, diese Textpassage wird von Exegeten »der unechte Markusschluss« genannt. Das ursprüngliche Evangelium, eines der frühesten Zeugnisse der Christenheit, endete mit dem Satz: »Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatten sie ergriffen und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.« So enden die Aufzeichnungen des Markus.

Gut hundert Jahre später wird unser Predigttext als neuer Schluss an das Evangelium angefügt. Mehr als hundert Jahre nach dem Tod Jesu ist deutlich: Es endete eben nicht mit Zittern und Entsetzen. Nein, Neues hat begonnen, die Jüngerinnen und Jünger haben allmählich begriffen: Mit dem Tod Jesu am Kreuz war eben nicht alles zu Ende. Nein, das Sterben Jesu, es ist erst der Anfang des Lebens. Das Evangelium muss weiter geschrieben werden, denn die Osterbotschaft hat schließlich die Jüngerinnen und Jünger überzeugt, ermutigt zum Glauben.

Die Auferstehungsbotschaft ist das Zentrum des Evangeliums. Wir wissen aber auch, dass die Osterbotschaft das Unglaublichste an unserem christlichen Glauben ist. Und das war von Anfang an so. Gerade Maria von Magdala! Eine Frau. Sieben böse Geister hat er ihr ausgetrieben und die erzählt nun, er sei auferstanden. So ein Unsinn. Verdrängte Liebesgefühle, Verlustängste - ein Psychotherapeut sollte da mal ran.

Zwei sind unterwegs und meinen, ihn getroffen zu haben. Wie soll man denen denn glauben? Halluzinationen. Einen Trauerprozess haben die nötig. Gibt es nicht einen qualifizierten Arzt, der da etwas verschreiben kann?

Von Anfang an gehört zum Glauben der Unglaube, das Bestreiten: Das kann doch nicht sein. Das ist doch naiv. Völlig unwissenschaftlich. Gegen jede Erfahrung, gegen jedes Wissen! Das ist von Herrn Lüdemann gar nicht neu formuliert worden, sondern 2000 Jahre alt. Wie kann er auferstanden sein? Wie soll das möglich sein? Vor drei Tagen habe ich bei einer Diskussionsveranstaltung erklärt: ohne die Auferstehung gibt es keine Verkündigung des christlichen Glaubens. Hinterher kommentierte jemand: »Na ja, das müssen Sie als Bischöfin natürlich sagen.« Ich habe gekontert: »Sie werden lachen, ich glaube das tatsächlich!«

Wir haben es mit Weihnachten da wesentlich leichter. Die großen Gefühle, die Familie, Vater, Mutter und Kind, das sind einfache Assoziationen. Aber Ostern? Ich habe das in der EZ erzählt, kurz vor Ostern bekam ich den Anruf einer Journalistin, die mir sagte: »Wir brauchen noch etwas zu Ostern von Ihnen - aber bitte nichts mit Jesus.« Aber Ostern geht nicht ohne Jesus und nicht ohne Auferstehung. Ostern sind eben nicht nur Eier, Häschen, Küken, Osterfeuer und Osterwasser, sondern Ostern ist der Glaube daran, dass Gott unser Leben über den Tod hinaus hält. Wie das aussehen wird, das wissen wir nicht. Und darüber müssen wir auch nicht spekulieren. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns bei unserem Namen gerufen hat und dieser Name bei Gott geborgen sein wird, auch wenn wir längst gestorben sind. Gerade das führt Christinnen und Christen nicht zur Weltflucht, sondern gibt uns die Freiheit, uns der Welt und ihren Herausforderungen zuzuwenden. …

Unglauben wird es immer wieder geben. Auch wir werden immer wieder mit Zweifeln zu ringen haben. Da brauchen wir uns gar nichts vorzumachen. Zweifeln, so Paul Tillich, gehört zum Wesen des Menschen, weil er endlich ist und nie das Ganze erfassen kann. Wir können uns den Glauben auch nicht erarbeiten nach dem Motto: »So, ab morgen glaube ich das und damit ist die Sache geklärt.« Nein, das hat uns Martin Luther beigebracht, Glaube ist auch ein Geschenk. Ein Geschenk, um das ich Gott bitten kann, im Dialog. Im Gebet. In der Stille, die ich aufsuche, um die letzten Fragen zu stellen.

Was ermutigend ist: Jesus schickt nun gerade diese Zweifler, diese Ungläubigen in die ganze Welt, um vom Glauben zu sprechen. Das finde ich nun geradezu unglaublich! Diese Fischer und Huren und Zöllner sind nun gerade keine so ganz überzeugenden Leitfiguren. Bei jedem Casting würden sie durchfallen. Keine Sonnyboys, keine Glamourgirls, keine Erfolgsfiguren. Aber sie werden geschickt in alle Welt, das Evangelium zu predigen, zum Glauben zu rufen und zu taufen. Ich finde, das kann jeden und jede von uns nur ermutigen. Auch wir mit unseren Ecken und Kanten, wir mit unseren Zweifeln und unserem Unglauben werden geschickt, Spuren des Reiches Gottes zu legen. Wir können in diese Welt gehen und weitersagen: Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

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P.S.: Der Text wurde von mir (um das ebenfalls behandelte Thema Sterbehilfe) gekürzt, da es hier um einen Gedankenanstoß für den Ostersonntag gehen soll. Die komplette Predigt findet man bei der Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers: [Quelle]

Bild: Le Caravage - L'incrédulité de Saint Thomas [WikiCommons]

Samstag, 3. April 2010

Gastbeitrag von Herrn von Goethe: Ostern

ostern Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick; im Tale grünet Hoffnungsglück. Der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliehend nur, ohnmächtige Schauer körnigen Eises in Streifen über die grünende Flur; aber die Sonne duldet kein Weißes: überall regt sich Bildung und Streben, alles will sie mit Farben beleben; doch an Blumen fehlt's im Revier, sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre Dich um, von diesen Höhen nach der Stadt zurückzusehen! Aus dem hohlen finstern Tor dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern; sie feiern die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selber auferstanden, aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, aus Handwerks- und Gewerbebanden, aus dem Druck von Giebeln und Dächern, aus der Straßen quetschender Enge, aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! Wie behend sich die Menge durch die Gärten und Felder zerschlägt, wie der Fluss, in Breit' und Länge so manchen lustigen Nachen bewegt, und bis zum Sinken überladen entfernt sich dieser letzte Kahn. Selbst von des Berges fernen Pfaden blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel, hier ist des Volkes wahrer Himmel, zufrieden jauchzet groß und klein.

Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

Freitag, 2. April 2010

Karfreitag: Anstößig bis heute

File:Van Eyck Crucifixion.jpgWas für ein enttäuschender König. Ein Herrscher, der sich weigert, auf Hass mit Härte zu reagieren. Der Gewalt nicht mit Gewalt vergelten will. Ein Messias, der nach einem bejubelten Einzug in die heilige Stadt Jerusalem nicht als strahlender Held den Thron besteigt.  Stattdessen lässt er es bewusst zu, dass ein Freund ihn an die Feinde verrät, er erhebt keinen Finger, als man ihn gefangen nimmt, als alle Freunde ihn verlassen.

Im Brief an die Philipper finden wir einige Zeilen, die diesen König am Karfreitag beschreiben:

Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz.

Die Herrlichkeit Gottes strahlt und leuchtet hier nicht, sondern sie blutet. Man findet sie am Kreuz, am Ort der Schande. Das ist heute so anstoßerregend wie vor 2000 Jahren. Ein verletzlicher Gott wird in der sogenannten Karwoche sichtbar, ein über seine Stadt weinender König, einer, dessen Freunde einschlafen, als er sie um Gebet bittet, ein hilfloser und verlassener Herrscher. Dieser Messias ist alles andere als das, was die jubelnden Menschen am Wegesrand erwartet hatten, als sie eine Woche zuvor Palmenzweige und Gewänder auf der Straße ausbreiteten und ihm lauthals zujubelten.

Wer würde sich so etwas ausdenken? Ein solches Ende für die Hauptperson würde niemand ersinnen, der eine Religion, eine Glaubensgemeinschaft gründen will. Das Ende taugt nicht für einen Herrscher, einen König. Das ist abstoßend, unwürdig. Und notwendig: Das Schicksal Jesu in Jerusalem ist sein Eintritt in unseren Tod. In unsere Verletzlichkeit. Anstatt seine Feinde zu zerschmettern wird Gott zum Opfer, dem alles widerfährt, was uns im Leben und Tod geschehen könnte und auch manchen von uns zustößt.

Der Lyriker Wystan Hugh Auden wurde einmal gefragt, warum er Christ sei und nicht Buddhist oder Anhänger des Konfuzius; deren Lehren würden schließlich ähnliche ethische Werte vertreten. »Weil nichts an den Figuren des Buddha oder Konfuzius mich mit dem überwältigenden Bedürfnis erfüllt, kreuzige ihn! zu schreien«, antwortete er. Jesus löste Widerspruch aus, verhielt sich unangemessen, eckte an. Er war zu Gast bei Geächteten, berührte Unreine, pfiff auf religiöse Vorschriften, wenn er einen Menschen in Not sah. Wer ihm heute nachfolgt, hat einen anstößigen Herrn.

Sie sollen die Gesinnung in sich haben, empfiehlt der Autor des Philipperbriefes den Gläubigen, die in Christus Jesus war. Eine Gesinnung, die uns dazu bringt, unsere Rechte, unsere legitimen Ansprüche aufzugeben, den Menschen »zu dienen in einer Knechtsgestalt«. Das ist anstößig, noch heute. Und es gelingt uns nur bedingt, wenn überhaupt. Wir meinen, Erfolg, auch geistlicher Erfolg, habe mit Triumph im Diesseits zu tun, mit dem Wegwischen aller Widerstände und Beschwernisse. Wir möchten uns nicht erniedrigen, wehrlos machen, gehorsam bis zum Kreuz bleiben. Es ist doch viel schöner auf der Sonnenseite des Lebens…

Karfreitag ist eine Herausforderung, auch im Jahr 2010. Zumindest für mich.

P.S.: Inspiriert unter anderem durch eine Predigt von Nadia Bolz-Weber. Bild von WikiCommons

Donnerstag, 1. April 2010

E-Mail-Porto beschlossen!

Der Schock am 1. April für Millionen Menschen: Ab Juni wird in Deutschland das E-Mail-Porto fällig. Wegen des starken Rückgangs des herkömmlichen Briefverkehrs haben Politik und Post-Unternehmen heute diese Gebühr beschlossen.

Voting-Grafik: E-Mail kostet 1 CentJetzt bekommt die Bezeichnung »E-Mail-Konto« eine ganz neue Bedeutung. Ab Juni wird für das Versenden jeder E-Mail eine Gebühr von einem Cent fällig. Das hat das Bundesministerium für Post und Telekommunikation zusammen mit führenden Politikern beschlossen.

Der Grund: Wegen gravierenden Veränderungen in der Schriftkommunikation ist die Zahl der Briefsendungen dramatisch gesunken. Die schrumpfenden Einnahmen der Post-Unternehmen haben massive Auswirkungen auf die öffentlichen Kassen. Besonders die Staatseinnahmen durch die Mehrwertsteuer litten in den vergangenen fünf Jahren erheblich darunter. Am Ende schlägt sich diese »Schieflage« auch in den privaten Haushalten nieder, so die Argumentation von Politik und Wirtschaft.

Die Computerhersteller haben bereits Prototypen der Münzeinwurf-Geräte für das Bezahlen der E-Mails vorgestellt (siehe Foto). Monatlich einmal kommt dann ein Beauftragter des Bundesministeriums vorbei, um das Geld zu entnehmen.

Welch ein grausiger 1. April das doch – besonders für Vielschreiber von E-Mails – ist! Schnief!

(via br-online)

Bin ich ein Missbrauchsopfer?

Aus den Google News vom 31. März:
…berichten die ehemaligen Heimkinder von Ohrfeigen, Fausthieben gegen den Oberarm sowie Schlägen auf das Gesäß mit Teppichklopfer und Stock. Auch die Nonnen sollen die Kinder geschlagen haben - mit Holzbesen, Holzpantoffeln und Kleiderbügeln…
Skandal! Wahnsinn! Aber hallo! Welch eine sensationelle Enthüllung! Was für ein Skandal! 103 Artikel! Stern, Welt, Süddeutsche, Focus… – keiner darf fehlen!
Wieder einmal wird auf eine katholische Einrichtung geschossen, und zwar aus vollen Rohren und von so gut wie allen Medien. Weil man den prominenten Namen »Mixa« so schön in der Schlagzeile unterbringen kann. Der soll irgendwie seinerzeit dafür Verantwortung getragen haben.
So so. Und nun die Fakten aus meinem Leben:
  • Ich wurde, wie auch andere Schüler, von Lehrern in der evangelischen Volksschule in Memmingerberg bei Memmingen mit dem Lineal auf die Finger geschlagen.
  • Der Sportlehrer hat uns mehrfach seinen Schlüsselbund ins Kreuz oder einen harten Ball gezielt an den Kopf geworfen.
  • Es gab in der Grundschule Ohrfeigen von Lehrern.
  • Im Bernhard-Striegel-Gymnasium in Memmingen wurden wir gezwungen, nach dem Sport beziehungsweise vor dem Schwimmunterricht  zu duschen, ohne Vorhänge oder Sichtschutz. Wir waren 12, 13, 14 Jahre alt, nackt, wehrlos und nass und mussten uns in diesem Zustand von erwachsenen Augen betrachten lassen.
  • Im gleichen Gymnasium wurden Schüler mit Schlägen auf das Gesäß mit dem Tafelstock des Lehrers gemaßregelt.
  • Der Mathematiklehrer gab uns häufig einen Schlag mit dem Mathematikbuch auf den Kopf, wenn uns die Antwort auf seine Frage nicht einfiel.
  • Zu Hause gab es nicht nur bei mir, sondern vielen Freunden, neben Ohrfeigen regelmäßig auch Züchtigungen mit Teppichklopfern, Kleiderbügeln oder Kochlöffeln auf das nackte Gesäß.
Bin ich also ein Missbrauchsopfer? Meine Mitschüler? Meine Generation? Vermutlich nur dann, wenn ein Katholik ins Spiel gebracht werden könnte, mit möglichst prominentem Namen, am besten natürlich Ratzinger. Oder wenigstens Mixa.
Nicht nur den »ehemaligen Heimkindern« aus der Pressemeldung, die somit ihre fünf Sekunden Ruhm ergeiert haben, sondern auch der Presse, die solche gequirlte (man entschuldige meine Ausdrucksweise) Scheiße verbreitet, sollte man unbedingt zwangsweise (unter Androhung von Prügeln auf den nackten Hintern im Falle des Schwänzens!) Nachhilfe in »Geschichte der Erziehungsmethoden in der Nachkriegsgeneration« geben.
Missbrauch von Kindern durch humanistische, katholische, islamische, sonstwie –ische oder gar atheistische Erwachsene ist etwas Schreckliches, nicht zu entschuldigen und unbedingt strafrechtlich zu verfolgen.
Aber die gängigen Erziehungsmethoden von damals, man wird sie heute mit gutem Grunde anlehnen, werden nicht dadurch zum Missbrauch, dass man sie so nennt, um endlich selbst mal in die Zeitung zu kommen – oder als Zeitungsmacher die Auflage zu steigern.

Mittwoch, 31. März 2010

Jede Menge Sünde auf einem Haufen

image Ich hatte, gedächtnisstarke Stammbesucher dieses Blogs erinnern sich, am letzten Tag des vergangenen Jahres aufatmend berichtet, dass ein Artikel für eine Zeitschrift noch im Rahmen der redaktionellen Abgabefrist fertig geworden sei. Wer sich nicht erinnert, kann, Lust und Laune dazu vorausgesetzt, mal nachschauen: Fertich jeworden

Eine liebenswerte Kommentatorin wunderte sich seinerzeit: »Eins jedoch hat mich stutzig gemacht: es gibt Kinderlieder über Sünde und Gesellschaft?« Ich versprach, den Kommentar kommentierend, dass ich das Geheimnis des Kinderliedes lüften würde, wenn der fragliche Artikel erschienen sein wird. Gestern kamen die Belegexemplare bei mir an, also ist es nun so weit.
Man nehme die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift »The Race«, öffne sie auf Seite 28 und lese die erste Strophe besagten Liedes. Die erste Zeile der ersten Strophe hat es sogar auf das Titelbild der Jubiläumsausgabe geschafft: Pass auf, kleines Auge, was du siehst.

Jede Menge Sünde auf einem Haufen oder besser gesagt in einem Heft – die Märzausgabe des Magazins hat ein Schwerpunktthema, das so leicht zu behandeln nicht ist. Können Kinder sündigen? Kann Vergebung unauffindbar sein? Was hat es mit dem »Risikofaktor Gnade« auf sich? Hinter Gittern gelandet – wie sieht da die Schuld im Rückblick aus? Im Dunkeln darf gestohlen werden? Und vieles mehr. Unter den Autoren ist übrigens Haso zu finden, seinen Artikel habe ich als ersten verschlungen: »Komm, Gauner, iss mit mir« soll Jesus zu einem geächteten Kerl gesagt haben. Und Peggy, die im Unwetter wild  gegen Gott loswetterte, wurde nicht vom Blitz erschlagen.
Mein Beitrag beschäftigt sich mit dem erhobenen Zeigefinger, dem Begriff Sünde im Spannungsfeld von Gemeinde und Gesellschaft und der Frage, was denn Sünde eigentlich sein soll. Ein weinendes Mädchen kommt vor, ein tröstender, ziemlich aufgebrachter Junge, Lieschen Müllers Steuererklärung und dass der Mensch - Du, lieber Leser dieser Zeilen und ich eingeschlossen - wie Gott geworden ist.

Eine auch jenseits des Schwerpunktthemas hoch interessante Ausgabe, diese Nummer 36. Mehr zum Heft: The Race Online

Dienstag, 30. März 2010

Jessika muss warten…

…und darf erst nach Ostern, voraussichtlich am Dienstag, wieder hier ihr Unwesen treiben. Mich haben schon ungeduldige Nachfragen erreicht – doch Hast wäre fehl am Platze.

Jessika muss warten!

Die Fortsetzung, ungefähr im gleichen Umfang wie der vorige Teil, ist geschrieben, aber sie bedarf noch einiger Nacharbeit. Beim Lesen der ausgedruckten Seiten mit dem Kugelschreiber in der Hand blieben Hand und Schreibwerkzeug nicht untätig, wie man leicht sieht. Nach dem Einarbeiten der notierten Änderungen und Ergänzungen folgt ein weiterer Ausdruck und eine erneute Überarbeitung. Jessika legt Wert auf ordentliche Arbeit, und mit ihr ist nicht zu spaßen! Das werden wir, das wird Bernd noch deutlicher zu sehen bekommen, als uns, als ihm lieb ist.

Also mache ich mir lieber die Mühe, bevor ich Jessikas Zorn auf mich ziehe…

Den Tod nicht verleugnen – Dennis Hopper

Dennis Hopper stirbt an Prostatakrebs, aber er hat es sich nicht nehmen lassen, zur Enthüllung seines »Star of Fame« in Hollywood persönlich zu erscheinen. Sichtlich freute er sich besonders, als sein Kollege Jack Nicholson sich für die Fotographen neben ihn setzte.

Screenshot von CNN

Wir werden wohl in den nächsten Tagen oder Wochen die Todesnachricht lesen und hören. Mancherorts wird derweil darüber gestritten, ob ein solches öffentliches Sterben angemessen wäre, es ist wohl manchen Menschen einfach unangenehm, dadurch an die eigene Sterblichkeit erinnert zu werden.

Es passt zu Dennis Hopper, sich nicht zu verstecken, sondern die fröhlichen Momente, die das Leben ihm noch schenkt, auch zu genießen. Er verleugnet weder vor sich selbst noch vor der Öffentlichkeit sein Sterben. Ein mutiger Mann, dieser große Schauspieler.

Hier: Das Video von der Star of Fame Enthüllung.