Dienstag, 7. Juli 2015

Freiwillige Grenzen? Freiwillige Grenzen!

Wir leben hier in einer Welt der Fülle, oft genug im Übermaß. Wir können alles jederzeit kaufen, so viel Internet konsumieren wie wir wollen, jederzeit eine riesige Auswahl von Speisen essen und arbeiten, arbeiten, arbeiten, bis unser Körper das nicht mehr mitmacht. Das riesige Angebotes kann uns überwältigen, die unendliche Freiheit ganz schnell in ungesunde und unausgegelichene Verhaltensweisen münden.

mErQQDWNun ist die Freiheit ein sehr hohes Gut, das zu verteidigen sich unbedingt lohnt. Darf ich dir, geschätzter Blogbesucher, trotzdem mal ein Gedankenspiel nahelegen?

Was wäre, wenn

  • du höchstens zwei Stunden täglich Internetzugang und Smartphone nutzen könntest (abgesehen davon, dass du gegebenenfalls den Internetzugang für deine Arbeit brauchst)? Könntest du bei nur zwei Stunden privater Internetverfügbarkeit vielleicht Sport treiben, lesen, meditieren, gesunde Mahlzeiten kochen, Zeit für deine Liebsten haben?
  • du lediglich acht Stunden pro Tag arbeiten dürftest, anstatt von früh bis spät mit deiner Arbeit beschäftigt zu sein? Natürlich hängt das von der Art deiner Beschäftigung ab - aber ganz hypothetisch betrachtet: Könnte es sein, dass du in den begrenzten Stunden viel konzentrierter arbeiten und weniger Ablenkungen zulassen würdest? Und wenn es nur sechs Stunden wären? Würdest du die wichtigsten Dinge zuerst erledigen, strukturierter arbeiten und dadurch deutlich mehr schaffen, weil du viel mehr Energie und Konzentration für deine Tätigkeit hättest, anstatt dich ständig zu verzetteln?
  • du statt jederzeit irgendwelches Essen parat zu haben nur zu bestimmten, vorher festgelegten Zeiten essen könntest? Vermutlich würdest du weniger essen und das, was du isst, sorgfältiger auswählen und liebevoller zubereiten und wesentlich bewusster genießen, wodurch sich dein Gesundheitszustand zwangsläufig verbessern würde.
  • du nur an einem bestimmten Tag im Monat (abgesehen von Lebensmitteln und Haushaltsnotwendigkeiten wie Toilettenpapier, Zahncreme etc.) einkaufen könntest? Vermutlich würdest du weniger kaufen, das was du kaufst gezielter aussuchen, die Gefahr, sich zu verschulden würde sinken und dein Wohlstand ansteigen.
  • du nur zwei Stunden am Tag (abgesehen gegebenenfalls von der Arbeit) im Sitzen zubringen dürftest? Du wärest mehr auf den Beinen, würdest Gewicht und Rückenschmerzen verlieren, dein Körper würde kräftiger und könnte Infektionen wesentlich leichter abweisen.

Natürlich sind das nur willkürlich ausgewählte Beispiele (eines Büromenschen). Was für dich in deiner persönlichen Arbeits- und Lebenssituation funktionieren könnte, musst du selbst herausfinden. Die Beispiele sollten nur veranschaulichen, dass Grenzen durchaus ihre positiven Effekte haben können, weil sie uns zwingen, bewusst auszuwählen, uns zu konzentrieren, vom Übermaß zu einer gesunden Mäßigung zu kommen.

Vielleicht hast du ja Lust, dir mal die eine oder andere Grenze zu setzen und zu sehen, wie sich das dann auswirkt?

P.S.: Inspiriert wurde dieser Beitrag wieder einmal von Leo Babauta. Foto von rgbstock.

P.P.S.: Du würdest gerne gesünder leben? Du suchst nach Wegen, in dein Leben mehr Ruhe und Frieden zu bringen? Vielleicht kann dir ja auch dieses Buch dabei helfen:

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Montag, 29. Juni 2015

Ruhe in Frieden, Carsten »Storch« Schmelzer

Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.

FB_IMG_1435586332384Er war ein Quer- und Weiterdenker, auf den ich Anfang 2007 aufmerksam gemacht wurde. Seither gab es immer wieder den einen und anderen Gedankenaustausch zwischen uns, mal öffentlich an diversen Stellen im Internet, mal privat als Briefwechsel. Wir teilten keineswegs immer die gleichen Meinungen und Standpunkte, aber das ist ja für einen fruchtbaren und interessanten Dialog keineswegs notwendig.

Ich habe ihn stets als offenen, fairen und jederzeit hilfsbereiten Menschen und Autorenkollegen erlebt. Er las einige meiner Bücher, ich einige von seinen. Seine Meinung, seine Kritik zu meinen Texten war mir wertvoll, er freute sich augenscheinlich auch über meine Zeilen zu dem, was er verfasst hatte.

Immer wieder habe ich »Storch« auch in meinen Blogbeiträgen hier zitiert, denn seine Sichten und Einsichten zu einer großen Bandbreite von Themen waren mir oft exemplarisch. Persönlich getroffen haben wir uns leider nur bei einer einzigen Gelegenheit, soweit ich mich erinnere. Dennoch war er mir in gewisser Weise gar nicht fremd.

Dass »Pastor Storch« im Alter von nur 43 Jahren verstorben ist, wollte ich, als ich es am vergangenen Samstag erfuhr, zunächst nicht glauben. Es ging ihm nach einem Schlaganfall drei Wochen zuvor bereits besser, so schien es zumindest. Verstehen kann ich es auch heute noch nicht. Muss ich auch nicht. Manches im Leben und Sterben findet keine Erklärung.

Meine Gedanken sind bei seiner Familie, der ich von Herzen wünsche, dass sie diesen Verlust, so weit das überhaupt möglich ist, nach und nach verarbeiten lernen kann. Mögen Alexandra und ihrer Familie immer wieder kleine Sterne der Erinnerung in das unfassbare Dunkel der Trauer leuchten. Gott segne euch!

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Freitag, 26. Juni 2015

Herr K. schreibt einen Brief an Gott

old letters: noneMeine regelmäßigen und langjährigen Blogbesucher kennen Herrn K. bereits ein wenig. Wir sind ihm begegnet, als er Produktionskräfte suchte und fand – und dann die Welt nicht mehr verstand [Herr K. und der Großauftrag]. Er war einige Zeit danach in einem Gottesdienst gelandet [Herr K. besucht einen Gottesdienst] und fand vieles sehr befremdlich, manches auch schlicht unverständlich. Dort lud ihn eine Dame in einen Hauskreis ein - wie sich herausstellte, war das weder ein Kreis von Gebäuden noch ein rundes Haus, sondern eine recht skurrile Zusammenkunft von Menschen [Herr K. besucht einen Hauskreis]. Dann verreiste Herr K. dienstlich und kam dabei beinahe ums Leben - eine Prostituierte kam ihm gerade noch rechtzeitig zu Hilfe [Herr K. reist nach Greifswald].

Herr K. hat inzwischen über vieles nachgedacht, fand auf etliche Fragen keine Antworten und daher hat er sich schließlich aufgerafft, einen Brief an Gott zu verfassen. Dieses Schreiben fiel mir in die Hände - und hier ist nun der Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Gott,

ich bin mir, das sei vorausgeschickt, schon in der Anrede unsicher. Vor einiger Zeit habe ich einen sogenannten Gottesdienst sowie einen sogenannten Hauskreis besucht, da wurden Sie mit dem vertraulichen Du angesprochen. Da wir uns aber fremd sind, ziehe ich es vor, die gewohnte höfliche Anrede zu benutzen. Falls dies gegen die üblichen Etikette verstößt, bitte ich um Ihr Verständnis und Ihre Nachsicht - ich weiß es nicht besser.

Dass ich einen Brief an Sie schreibe, scheint natürlich auf den ersten Blick recht töricht, da ich nicht wüsste, auf welchem Wege er Sie überhaupt erreichen kann. Die Pin-AG wäre mit der Zustellung sicherlich genauso überfordert wie die gute alte Post. Aber ich bin nun einmal ein Freund gut durchdachter Formulierungen, vor allem dann, wenn es um wichtige Dinge geht. Und die Kontaktaufnahme mit Ihnen, Herr Gott, ist für mich schon eine bedeutsame Angelegenheit. Ein Brief ist daher viel besser geeignet, als ein verbaler Versuch, Ihnen etwas mitzuteilen.

Ich habe viele Fragen an Sie, aber damit dieser Brief einen unter zivilisierten Personen vertretbaren Umfang nicht überschreitet, will ich mich auf die paar wichtigsten Punkte beschränken. Falls zwischen Ihnen und mir ein Dialog zustande kommen sollte, freue ich mich schon jetzt auf den zukünftigen Informationsgewinn, denn dann könnte ich sicher ja nach und nach mehr Klarheit gewinnen. Dass ich Sie, sehr geehrter Herr Gott, jemals ganz verstehen werde, halte ich für ausgeschlossen, denn ich bin nun einmal ein Mensch und somit nur in begrenztem Umfang mit Verstand, logischem Denkvermögen und Phantasie ausgestattet. Das wiederum wissen Sie, falls Sie tatsächlich der Schöpfer unserer Lebensform sind. Und wenn Sie dies wissen und bei der Schöpfung so gewollt haben, kann ich sicher mit Ihrem Verständnis rechnen. Andernfalls wären Sie ein Gott, der unmögliche Forderungen stellt ... und davon möchte ich nicht ausgehen.

Dies vorausschickend möchte ich gerne zu meiner ersten Frage kommen: Warum verstecken Sie sich so gekonnt vor uns Menschen? Oder verstecken Sie sich gar nicht, sondern wir sind mit einer Art von Blindheit geschlagen? Wenn das so ist - warum sind Sie nicht daran interessiert, diese Blindheit zu beheben?

Ich will gerne erläutern, was ich meine. Wenn Sie der Schöpfer - nein, Verzeihung, der Konjunktiv ist hier nicht am Platze. Also: Da Sie der Schöpfer dieses Planeten und des vielfältigen Lebens darauf sind, gehe ich davon aus, dass Ihnen die Afrikaner so wichtig sind wie die Europäer und die Asiaten oder die Araber. Da Sie, da sind sich die religiös interessierten Menschen weltweit weitgehend einig, auch an einer Beziehung zu uns Menschen Interesse haben, wäre es doch naheliegend, dass Sie sich Ihren Geschöpfen auf eine Art und Weise zu erkennen geben, die von eben diesen Geschöpfen auch soweit verstanden wird, dass bei aller Unterschiedlichkeit der Kulturen und Rassen doch eine gemeinsame Vorstellung darüber möglich wäre, wer Sie sind.

Statt dessen gab es in der gesamten Menschheitsgeschichte Krieg, Mord und Totschlag allein aufgrund der gegensätzlichen Auffassungen und Überzeugungen bezüglich Ihres Wesens, Ihrer Persönlichkeit. Das hat sich bis heute nicht geändert. Nehmen Sie, sehr geehrter Herr Gott, das nicht billigend in Kauf, indem Sie sich weiter und weiter versteckt halten?

Bitte verstehen Sie meine Frage nicht als Vorwurf. Das sei ferne! Um es mit den Worten des wunderbaren Musikers Johnny Cash auszudrücken: Mein Arm ist deutlich zu kurz, um mit Gott zu ringen. Nein, um einen Vorwurf geht es mir nicht, sondern um meine Suche nach Verständnis Ihres Wesens, Ihrer Wünsche, Ihrer Einschätzungen - letztendlich nach Ihnen selbst.

Sie verstecken sich so gut vor den Menschen, dass noch nicht einmal innerhalb einer Religion Klarheit über ein Gottesbild zustande kommt. Wenn ich mir das Christentum ansehe, habe ich nicht nur Katholiken und Protestanten vor mir, sondern auch noch jede Menge Splittergruppen und Strömungen, die allesamt davon überzeugt sind, die reine und unverfälschte Wahrheit zu kennen und zu predigen. Alle anderen sind dann jeweils keine wahren, keine bibeltreuen, keine echten, keine wiedergeborenen, keine weißnichtwasnoch Christen.  Was soll ich nun als Mensch, der Sie, Herr Gott, sucht, damit anfangen? Oder ist es einfach eine Geschmacksfrage, ob ich Weihrauch, Talare, Ornamente und Symbolismen katholischer Gotteshäuser bevorzuge oder den nüchternen, schmucklosen Mehrzweckraum einer freikirchlichen Gemeinschaft? Ob mir liturgische Gesänge eher gefallen oder hysterisches Krakeelen oder peinliches Schluchzen? Ob ich eine durchdachte, strukturierte Predigt mag oder eine emotionale, flache Rede in Überlänge?

Noch verwirrender als solche äußerlichen Dinge ist allerdings die Frage, was Sie von uns Menschen erwarten, wie wir leben und sterben sollen. Falls es ein Leben nach dem irdischen Tod geben sollte, ist diese Frage nach Auffassung so gut wie aller Religionen ja nicht unerheblich.

Sind Sie erbost, wenn ein Mensch zum Feierabend ein Glas Wein oder Bier trinkt? Es gibt Religionsgemeinschaften, die das behaupten. Oder bestehen Sie gar, wie einige lehren, auf gewissen Fasten- und Ernährungsregeln? Und wenn ja, ist es dann egal, ob man den Ramadan oder die vorösterliche Fastenzeit vorzieht?

Genauso verwirrend wie Speis und Trank ist es ja für mich, wenn Gläubige sich gegenseitig schier gar (und manchmal buchstäblich) die Köpfe einschlagen, weil andere Menschen sexuelle Prägungen oder Gewohnheiten haben, die den eigenen nicht entsprechen. Was geht es denn, sehr geehrter Herr Gott, einen Menschen an, ob sein Mitmensch gleichgeschlechtlich liebt oder nicht? Er muss es ihm ja schließlich nicht gleichtun, wenn er heterosexuell fühlt und denkt.

Die Verwirrung, die ich empfinde, ließe sich noch schier endlos weiter beschreiben. Sind Sie politisch links gesinnt oder rechts oder liberal? Sind Sie für die Rassentrennung oder zürnen Sie darüber? Legen Sie Wert darauf, am Sonntag verehrt zu werden oder darf eine Gemeinde sich auch am Samstag versammeln? Dies alles noch weiter auszuführen, erspare ich mir und Ihnen, sehr geehrter Herr Gott. Letztendlich, wie ich es auch drehe und wende, lande ich immer wieder bei der eigentlichen Frage: Warum verstecken Sie sich vor uns?

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, sehr geehrter Herr Gott, falls Sie mir durch diese Zeilen gefolgt sein sollten. Abschicken kann ich den Brief ja nicht, ich wüsste nicht wohin. Aber wenn Sie ein Gott von der Dimension sind, die mir vorschwebt, dann sind Ihnen meine Zeilen nicht verborgen geblieben.

Mit freundlichen Grüßen und hochachtungsvoll,
Herr K.

P.S.: Das Bild stammt von rgbstock.

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Donnerstag, 4. Juni 2015

Hape Kerkeling–Der Junge muss an die frische Luft

Dieses Buch sollte man sich nicht entgehen lassen

Wir alle befinden uns in unserem Leben unbestritten auf einer Suche. Auf meiner Lebenssuche habe ich, zu meinem eigenen Erstaunen, nicht den Weg eines Frömmelnden, eines Realitätsflüchtlings oder eines besonders Gescheiten eingeschlagen.
-Hape Kerkeling

Zahlreiche Prominente schreiben mehr oder weniger gekonnt und interessant über ihre Kindheit. Mancher lässt auch einen Ghostwriter schreiben, weil er keine Zeit hat oder sprachlich unsicher ist. Solche Autobiografien sind manchmal am ehesten etwas für Bewunderer des jeweiligen Prominenten.

»Der Junge muss an die frische Luft« ist anders. Um Hape Kerkelings Buch mit sehr viel Gewinn und anhaltender Spannung zu lesen, braucht man kein Fan des Humoristen zu sein. Im Gegenteil - ich kann mir vorstellen, dass jemand, der Seite für Seite Witzigkeit ohne Grenzen erwartet, enttäuscht sein könnte.

Kerkeling schreibt sehr ehrlich und kann auf bewundernswerte Weise Humor mit Ernsthaftigkeit verbinden. Dass ich (Jahrgang 1955, also ein paar Jahre älter als er) so manche Erlebnisse (der erste Farbfernseher, Bonanza, Erzählungen der Eltern und Großeltern aus der Kriegszeit ...) recht gut nachvollziehen kann, trägt natürlich zum persönlichen Lesegenuss mit gelegentlichem Schmunzeln und Kopfnicken bei. Doch auch jüngere Semester werden mit diesem Werk hochwertige Lesestunden genießen.

Abbildung von AmazonEindringlich erzählt Kerkeling von den zum Teil traumatischen Erfahrungen und wie beziehungsweise warum sie ihn prägten. Er lässt auch Dinge nicht aus, die zu erzählen manch anderem Menschen peinlich oder unangenehm wäre. Stets wahrt er als Erzähler so viel Abstand von seiner historischen Person, dass es nie peinlich wird, sondern immer wieder erfrischende Selbstironie durchblitzt. Dies ist bei aller Ernsthaftigkeit kein schweres, kein bedrückendes oder melancholisches Buch, im Gegenteil. Hape Kerkeling plaudert auch über Vergnügliches, Kurioses sowie Schräges und erlaubt dem Leser manchen Blick hinter die Kulissen der Medien. Nie enthüllend, nie grob, nie bloßstellend, sondern immer auf eine ausgesprochen angenehme und faire Weise.

Der Autor beschreibt auch, und das hat mich sehr berührt, dass er und warum er trotz aller (aus meiner Sicht sehr berechtigten) Kritik an der institutionellen Religion, in seinem Fall der katholischen Kirche, den Glauben an Gott auch oder gerade bei Schicksalsschlägen nicht verloren hat. Kerkeling weiß zu trennen zwischen menschengemachten Regeln, Gesetzen und Geboten der Kirche einerseits und andererseits dem Gott, der in fünfzig Lebensjahren mehr als einmal eine schützende Hand über ihn gehalten hat. Nicht, indem grausame Geschehnisse verhindert wurden, sondern indem dieser Gott trotz dieser Ereignisse und in ihnen da gewesen ist. Auch das hat meine persönliche Geschichte mit der von Hape Kerkeling gemeinsam.

Es ist dies ein unaufdringliches und gerade dadurch besonders anrührendes Buch, das man nicht aus der Hand legen möchte, bevor die letzte Seite gelesen ist. Ein Buch, das in Erinnerung bleibt und das man nach ein paar Jahre wieder aus dem Regal nehmen und erneut lesen wird.

Dass der kleine dicke, schüchterne Junge aus dem Kohlenpott das alles mit naivem Gottvertrauen schaffen würde, hätte ich ihm nie zugetraut. Das hat er gut gemacht.
-Hape Kerkeling

Alles in allem eine Lektüre, die deutlich herausragt - ich lese im Schnitt 45 Bücher pro Jahr - aus der Menge von Lesestoff. Ob man nun Hape Kerkeling als Schauspieler und Unterhaltungskünstler mag oder eher nicht, dieses Buch aus seiner Feder sollte man sich nicht entgehen lassen. Beide Daumen hoch!

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Die Grenzen der GPS-Telefone

Ich habe mir noch mal meine elektronischen Aufzeichnungen vom Joggathon 2014 sowie Joggathon 2015 angeschaut und stellte dabei fest, dass die GPS-Genauigkeit von Mobiltelefon zu Mobiltelefon unterschiedlich ungenau ist.

Der Startbereich des Benefizlaufs in der Satellitenansicht 2014 (links) mit 10 Runden und 2015 (rechts, wo sonst?) mit 11 Runden zeigt die Unterschiede zwischen Samsung (2014, also links) und Wiko (2015, na wo wohl) recht deutlich:

a

Tatsächlich gelaufen bin ich auf dem (hellgrau erkennbaren) Weg, dafür gibt es zahlreiche und verlässliche Zeugen. Also am unteren Bildrand, dann gerade hoch und über den breiteren Weg zur Rechtskurve. Laut Samsung bin ich aber ziemlich unberechenbar kreuz und quer unterwegs gewesen. Das Wiko-Telefon kürzt zwar auch erheblich ab (dafür wäre ich disqualifiziert worden), aber es hat so eine gewisse Tendenz zur pro Runde ähnlichen Abweichung von der Realität.

Auch die »Nordkehre« der Laufstrecke zeigt bei der GPS-Betrachtung die Unterschiede der Telefontechnik:

b

Links wieder 2014 mit dem Samsung, rechts 2015 mit dem Wiko. In Wirklichkeit habe ich zu keiner Zeit irgendwelche Zäune überklettert, um quer durch die Pferdekoppel zu rennen und ich bin auch Runde für Runde auf dem Weg geblieben, statt den Grasstreifen niederzutrampeln.

Da beide Telefone offenbar eine Laufstrecke mit sehr vielen Abkürzungen aufzeichnen, ist das mit dem gemessenen zurückgelegten Weg natürlich recht zweifelhaft. Dass die Strecke weniger lang ist als einen Kilometer, ist klar. Aber wie viel? 2014 waren es laut GPS-Messung mit Samsung 880 Meter, 2015 war die gleiche Strecke laut Wiko-GPS 836 Meter lang. Ich vermute, wenn ich all die angeblichen Abkürzungen überschlage, dass es tatsächlich ungefähr 950 Meter sein dürften – das würde jedenfalls mit meinem zur Zeit normalen Joggingtempo und der gelaufenen Zeit zusammenpassen.

So.

Das mal nur so am Rande bemerkt. Es ist weder wichtig, noch sonderlich interessant, aber aufgeschrieben habe ich es hier jetzt trotzdem.

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Dienstag, 2. Juni 2015

Juni 2012–Training mit Einstellungen für schwache Mädchen

Ich lese gerade ein sehr berührendes und unerwartet nachdenklich stimmendes Buch, nämlich Der Junge muss an die frische Luft von Hape Kerkeling. Wenn ich die Lektüre beendet habe, werde ich mich voraussichtlich noch ausführlicher dazu äußern, denn dieses Buch hat es verdient. Das weiß ich jetzt, nach rund zwei Dritteln, bereits sicher.

Kerkelings Dankbarkeit Gott gegenüber klingt durch, immer wieder, auch wenn er von solch traumatischen Ereignissen wie dem Tod und der Beerdigung seiner Mutter berichtet. Er weiß die Kirche durchaus zu tadeln, aber er weiß auch, dass Gott und religiöse Institutionen alles andere als in einen Topf gehören. Beeindruckend ist bei der Lektüre aber für mich vor allem, dass diese tiefe Dankbarkeit, ein sich-beschenkt-wissen, beim Blick auf die nicht gerade leichte Kindheit und Jugend den Ton angibt.

Manchmal ist so ein Blick zurück sehr sehr hilfreich. Nachdem mir am vergangenen Sonntag wie hier bereits berichtet eine für mein Alter und meine Geschichte beachtliche sportliche Leistung gelungen ist, habe ich einmal zurückgeblättert, wie es mir vor drei Jahren eigentlich ging. Damals, am 3. Juni 2012, hatte ich notiert:

»Für eine Krebstherapie ist die seelische Verfassung ebenso wichtig wie die körperliche. … Durch regelmäßige Bewegung mobilisieren Sie Ihre Energie, dies ist gerade während einer Chemotherapie wichtig. … Aktive Krebspatienten leiden seltener an Kopfschmerzen, Übelkeit, Thrombosen und Infektionen.« Diese Tipps aus dem Therapie-Tagebuch habe ich schon während der Rehabilitationsmaßnahme zur Kenntnis bekommen, von Ärzten und Physiotherapeuten. Und die bisherige Erfahrung gibt dem Rat zum sportlich aktiv sein und bleiben recht.

Illustration vom damaligen BlogartikelDamals, noch im ersten Drittel der Chemotherapie, hatte ich mir vorgenommen, den Sport nicht auf irgendwann später zu verschieben, sondern - so gut es eben ging - von Anfang an aktiv zu sein. Meine Notizen von damals klingen so:

Zwar war meine Leistungsfähigkeit nach Operation und Krankenhausaufenthalt erst einmal so gut wie verschwunden, aber regelmäßiges Training auf dem Ergometer beispielsweise zeigt inzwischen eine deutliche Verbesserung. In kleinen Schritten, von Mal zu Mal, aber doch merklich. Der umfangreiche Gerätepark in unserem Fit- und Wellnessstudio wird von mir nun erst einmal sehr eingeschränkt benutzt, da ich alle Geräte, die sich dem Training der Bauchmuskeln widmen, einstweilen noch meide, aber es bleibt genug Auswahl an Trainingsmaschinen, die ich unter Anleitung und Aufsicht in der Rehabilitationsklinik benutzen durfte und sollte. Auch hierbei zeigte sich nach der Entlassung aus der Klinik, dass die vor der Krebsdiagnose und –operation gewohnten Gewichte und Zahl der Wiederholungen erst einmal illusorisch wären. Na und? Niemand lacht mich aus, wenn ich mit Einstellungen »für schwache Mädchen« trainiere und die langsam steigere. Und wenn jemand lacht – was macht das schon?

Eben. Was macht das schon! Beim Joggathon am Sonntag gab es auch Teilnehmer, die in der vorgegebenen Laufzeit 14 Runden geschafft haben, also drei mehr als ich. Dazu kann ich herzlich gratulieren, ohne dass mich das auch nur im geringsten in meinem Staunen und meiner Dankbarkeit über die eigene Leistung beeinträchtigen würde.

Abschließend schrieb ich am 3. Juni 2012 auf:

Zwei- bis dreimal wöchentlich trainieren hilft bei der Bewältigung der Nebenwirkungen meiner Chemotherapie, und das ist auch gut so. Selbst wenn vorher der Geist wie beim biblischen Autor Paulus mal willig, der geschundene Leib jedoch schwach ist, lohnt sich das Aufraffen.

Das (oft genug mühsame) Aufraffen hat sich gelohnt. Zweifellos. Damals ahnte ich noch nicht, dass im September 2013 zwei Tumore in der Leber gefunden werden würden, aber selbst wenn ich es hätte wissen können, hätte ich nicht anders gehandelt. Ich wollte und will leben und noch nicht sterben. Was ich dazu beitragen kann, trage ich bei.

Doch bei allem, was ich tun kann, bleibt auch bei so einem Blick zurück auf die eigene Geschichte immer wieder das Staunen und die Dankbarkeit lebendig, dass mir bis heute Tag für Tag ein neuer Tag geschenkt, Gesundheit verliehen und Kraft gegeben wurde und wird.

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P.S.: Was für Krebspatienten überlebenswichtig sein kann, nämlich regelmäßiger Ausdauersport und eine Ernährung so weit wie irgend möglich ohne chemische Zusatzstoffe und Antibiotika, das kann für Menschen ohne Krebs ja nicht schädlich sein. Und diesen, zahlreichen Langzeitforschungen zufolge, sogar verhindern helfen.

Du würdest gerne gesünder leben? Du suchst nach Wegen, in dein Leben mehr Ruhe und Frieden zu bringen? Vielleicht kann dir ja auch dieses Buch dabei helfen:

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Sonntag, 31. Mai 2015

Elf Runden! Danke!

Zunächst möchte ich mich herzlich bedanken bei unseren »Sponsoren«, also denjenigen Menschen, die der besten aller Ehefrauen und mir durch ihre Spendenzusagen für den guten Zweck der Veranstaltung pro absolvierter Runde Rückenwind verliehen haben - und natürlich auch denjenigen, die uns am Streckenrand aufgemuntert und angefeuert haben. Ganz besonders gefreut habe ich mich darüber, dass mein Freund Jens nun schon zum dritten Mal an meiner Seite auf dem Rundkurs unterwegs war, als »Lokomotive« und Ansporn. Das Ergebnis verdanke ich nicht zuletzt dem Training mit ihm in den Monaten zuvor und seiner Motivation beim Benefizlauf. Danke!

Jens und meine Wenigkeit bei der fünften Runde
Jens und meine Wenigkeit bei der fünften Runde
Beim Joggathon 2015 habe ich elf Runden geschafft - ein von mir selbst vorab nur sehr skeptisch ins Auge gefasstes Ergebnis. Mit zehn Runden wäre ich zufrieden gewesen. Dass ich so gut in Form bin, ist mir Tag für Tag ein großes und kostbares göttliches Geschenk, denn so lange ist es noch nicht her, dass die Krebserkrankung alles in Frage stellte.

Meine fleißige Fußarbeit während der 60 Minuten hat 257,18 Euro zum Gesamtergebnis von über 10.000 Euro für den dreifachen guten Zweck der Veranstaltung beigetragen, auch darüber freue ich mich.

2013 war der Berliner Joggathon eine nasskalte Angelegenheit, ich schaffte neun Runden. 2014 brannte die Sonne ziemlich heiß auf die Laufstrecke herab, ich schaffte zehn Runden, 2015 gab es nun tatsächlich so etwas wie ein ideales Laufwetter und ich bin bei den elf Runden gelandet. Wenn das so weiter geht ...

Ein schöner Tag war es, vom Beginn mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel über den Lauf bis zum Ausklang mit Leckereien, Plaudereien und abschließender Verteilung der Urkunden. Dank auch all den fleißigen ehrenamtlichen Helfern und Organisatoren rund um das Fest und den Rundenzählern an der Laufstrecke.

Na denn - so Gott will und ich lebe - bis zum nächsten Joggathon 2016!
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