Montag, 24. November 2014

Weihnachtszeit … here comes your 19th nervous breakdown

mI4AQLuDie Advents- und Weihnachtszeit ist für viele Menschen anstrengend und alles andere als erholsam. Da gibt es Arbeiten, die noch vor dem Jahreswechsel fertig werden sollen, da müssen Geschenke besorgt werden, es gibt familiäre und geschäftliche Feiern und alle möglichen anderen Veranstaltungen oder Termine ... manchmal grenzt es an ein Wunder, sich da überhaupt durchkämpfen zu können.

Manch einem geht es dann so, wie es die Rolling Stones einst besungen haben. Here it comes … here it comes … here comes your 19th nervous breakdown!

Ich halte es, so nett das Lied auch ist, aber für möglich, den Dezember nicht nur irgendwie gerade noch so zu überstehen, sondern die Vorweihnachtszeit und die Festtage sogar genießen zu können. Das habe ich im vergangenen Jahr ausprobiert ... und es ist im Prinzip ganz leicht: So weit und so viel wie möglich im Jetzt und Hier sein und bleiben. Den Moment im Auge haben. Das gilt nicht nur im Advent, sondern generell. Je mehr um uns herum los ist, desto leichter verlieren wir diese Wahrheit jedoch aus den Augen.

Das muss nicht sein. Das bewusste und achtsame Leben und Erleben gelingt, wenn wir uns drei simple Dinge bewusst machen. Täglich, wenn nötig. Jedenfalls immer wieder, je mehr Stress auf uns einstürmen will.

  1. Eine leichte Übung. Nimm eine Frucht, sei es ein Apfel, eine Banane, eine Kiwi ... was dir eben schmeckt und iß das Obst ganz bewusst. Langsam. Einen Bissen in den Mund nehmen und wirklich erleben: Die Konsistenz des Fruchtfleisches, wie sie sich anfühlt. Den Geschmack genießen. Den Duft einatmen. Darüber nachdenken, wie es sich anfühlt, solch eine Frucht zu essen. Wie fühlt sich der Saft im Mund an? Was empfindest du beim Herunterschlucken des Bissens? Iss das Obst auf diese achtsame Weise, einen Bissen nach dem anderen mit allen Sinnen, Geruch, Geschmack, Gefühl.
  2. Eine simple Gedankenbrücke. Wenn du bemerkst, dass du unter Stress gerätst oder dass die Arbeit dich überwältigen will - denk an das Obst: Apfel. Banane. Kiwi. ... je nachdem. Erinnere dich, wie dir zumute war, als du achtsam und bewusst die Frucht gegessen und alles andere ausgeblendet hast. Und dann tu genau das gleiche mit der Situation, in der du gerade bist, ob es nun der Einkauf ist, eine Veranstaltung, Arbeit am Schreibtisch oder ein Zusammensein mit anderen Menschen. Konzentriere dich auf das Hier und Jetzt, den Augenblick, auf das, was jetzt gerade geschieht. Erlebe genau diesen den Moment so bewusst bewusst und aufmerksam wie das Stück Obst.
  3. Wichtiges und Unwichtiges trennen. Denke im Advent und an den Feiertagen vermehrt und gezielt darüber nach, was und wer dir wirklich wichtig ist. Dein Ehepartner, deine Kinder, deine Arbeit, deine Kreativität ... was auch immer für dich zutrifft. Und dann erinnere dich, das alles andere, so dringliches auch zu erscheinen versucht, nichts weiter als Beiwerk ist. Es ist nicht wichtig. Du konzentrierst dich auf die Menschen und Dinge, die dir wirklich am Herzen liegen und lässt alles andere verblassen. Was verblasst ist, kann eventuell auch ganz und gar verschwinden?

Ich habe bereits zwei Weihnachtsfeiern, die eigentlich »gesellschaftlich/beruflich verpflichtend« waren, abgesagt und bin dadurch schon jetzt im voraus eine Menge Stress los geworden. Auch das adventliche Krippenspiel in unserer Kirche werde ich nicht besuchen, keinen Kuchen zum Buffet beisteuern und nicht beim Auf- und Abbau helfen. Ein klassisches Konzert dagegen habe ich fest eingeplant. Und vorweihnachtliches Beisammensein im Familienkreis. Und ...

Frage dich gerade im Advents- und Weihnachtsstress:

  • Ist mir das wichtig?
  • Will ich damit meine Zeit füllen?
  • Setzt mich das unter zusätzlichen Druck?
  • Nützt das, wenn ich es mir anderen zuliebe aufbürde, wirklich einem anderen Menschen?

So gewinnst du Gelassenheit, bist entspannt und hast wirklich Zeit, Advent und Weihnachten zu genießen. Sei es mit der Lektüre der biblischen Weihnachtsgeschichte oder … na da fällt dir sicher was ein.

Und hier sind, weil das Lied so nett ist, die Herren mit dem Nervenzusammenbruch:

Foto: Free Stock Photos

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Donnerstag, 20. November 2014

Disziplin oder Motivation?

Fangen wir mal mit dem Ende, der Schlussfolgerung an: Wenn du glaubst, keine Disziplin zu besitzen, dann brauchst du sie auch nicht. Statt dessen solltest du dich so an dein Ziel oder deine Vorstellung binden, dass eine Motivation daraus wird.

Die meisten Menschen sind überzeugt, dass man entweder Disziplin besitzt oder nicht: Das sei eine Charaktereigenschaft, die angeboren ist, oder man hat sie in jungen Jahren durch die Erziehung gelernt. Aus. Vorbei. Im Erwachsenenleben ist kaum noch etwas zu ändern ...

Ist das so? Was ist eigentlich Disziplin?

Disziplin (von lateinisch disciplina ‚Lehre‘, ‚Zucht‘, ‚Schule‘) bezeichnet als Verhalten Selbstdisziplin, eine Form der bewussten Selbstregulierung oder Gehorsam, die Ordnungsregulierung innerhalb eines Befehlsprinzips. -Wikipedia

Wenn ich mich nach der Arbeit trotz Erschöpfung auf den Weg ins Fitness-Studio mache - ist das Disziplin? Es mag für manche Menschen so aussehen. Auch für mich gehört zwar manchmal etwas Überwindung dazu, aber mit Disziplin hat das nichts zu tun. Statt dessen bringt mich eine starke und adäquate Motivation dazu, die Sporttasche zu packen und mich auf den Weg zu machen. Ich verlasse das gerade erreichte gemütliche Heim nicht aus Disziplin gleich wieder, sondern weil ich Sport treiben will.

Disziplin ist eher etwas für Soldaten oder Strafgefangene. Oder für bestimmte Lebensumstände. Zum Beispiel spürte ich zunehmend regelrechten Widerwillen gegen die Medikamente während der Chemotherapie. Es war mir ein Graus, das Gift meinem Körper zuzuführen, der mit all den Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen deutlich zeigte, dass ihm Oxaliplatin und Xeloda nicht gerade gut bekamen. Da war meine Motivation, nämlich alles in meiner Macht stehende dazuzutun, dass der Krebs besiegt wird, nur durch Disziplin aufrecht zu erhalten. Das war eine Ordnungsregulierung innerhalb eines Befehlsprinzips, wie Wikipedia es formuliert. Das Befehlsprinzip war die normative Kraft des Faktischen: Die Chemotherapie kann unter Umständen noch im Körper befindliche Krebszellen töten.

Natürlich hatte ich die Wahl. Ich habe mich der Behandlung freiwillig unterzogen. Im Gegensatz zur Disziplin im Gefängnis oder bei der Bundeswehr übte niemand Druck aus, drohte mir niemand mit Strafe. Man könnte also auch sagen, dass ich nicht diszipliniert, sondern besonders stark motiviert war ...

Disziplin ist ein Mysterium. Inwiefern unterscheidet sie sich von Motivation? Man könnte es so ausdrücken: Motivation zieht dich zum Ziel, Disziplin drängelt dich von hinten. Aber auch das trifft es nicht wirklich genau, denn das Ziel, das ich durch Motivation erreiche, ist wirklich mein Ziel. Zum Beispiel stabile Gesundheit. Das Ziel, auf das mich Disziplin zutreibt, ist gar nicht meins. Sondern zum Beispiel der Befehl eines Obersoldaten, dass man um fünf Uhr früh auf dem kalten Kasernenhof anzutreten hat.

Darum ist Disziplin kein gutes Konzept. Wenn es darum geht, bestimmte Dinge zu tun, die erst einmal unangenehm oder ungemütlich sind, zum Beispiel statt sich auf dem Sofa auszustrecken eine Arbeit zu Ende zu bringen, dann gelingt das einem motivierten Menschen wesentlich leichter als einem disziplinierten. Beide werden am Ende ihren Job erledigt haben. Aber der eine fällt erschöpft und missmutig in den Sessel und es graut ihm schon vor dem nächsten Tag, während der andere sich glücklich auf die Schulter klopft und entspannt den Feierabend genießt.

Bild aus meinen Tumblr-AlbenNun mag sich mancher fragen: Wie kann ich denn Disziplin gegen Motivation austauschen?Hier sind ein paar Ideen, die bei mir funktionieren:

  • Buchführen über Erfolge und Etappen. Ich benutze zum Beispiel für die Dokumentation sportlicher Aktivitäten Runtastic. Draußen zeichnet mein Mobiltelefon die Läufe auf, wenn ich im Sportstudio renne, trage ich die Ergebnisse via Internet ein. Natürlich entsteht nicht bei jedem Lauf eine Bestleistung. Aber jedes Mal weiß ich, dass ich meine Gesundheit gefördert habe.
  • Realistische Ziele aufstellen. Wenn du in der Fernsehzeitschrift liest, dass du in zwei Wochen zehn Kilogramm abnehmen kannst - dann gönne der Anzeige ein mitleidiges Lächeln und blättere weiter.
  • Einfach anfangen. Wenn man auf den perfekten Tag wartet oder gar die perfekte Stunde, um sich auf den Weg zum Ziel zu machen, dann kann es sein, dass man letztendlich nie losgehen wird. Wer aber den ersten Schritt tut, auch wenn die Umstände vielleicht morgen besser sein könnten, der ist schon auf dem Weg, während andere nicht vom Fleck kommen.
  • Vergnügen ins Spiel bringen. Das geht nicht immer und überall, aber wo es geht - warum nicht? Beim Joggen auf dem Laufband höre ich gerne Musik und singe dabei innerlich mit, wenn es liebgewonnene ältere Stücke sind. Oder ich höre mir ein bisher unbekanntes Album an, dank Spotify ist das ja heutzutage ohne finanziellen Aufwand möglich. Natürlich ist die Tonqualität bei Spotify nicht gerade erstklassig, aber auf dem Laufband - wen stört das da? Mich nicht.
  • Geduld mitbringen. Das hat mit realistischen Zielen (siehe oben) zu tun. Du kannst zehn Kilogramm Körpergewicht abbauen, falls du so viel Übergewicht hast. Aber eben nicht in zwei Wochen. Wie wäre es mit einem Kilogramm in zwei Wochen, dann kommt das nächste Kilogramm dran, dann das dritte ...
  • Zwischenziele definieren. Auch das hat mit Realismus und Geduld zu tun. Als ich nach der Darmoperation wieder anfing zu laufen, hatte ich mir vorgenommen, zehn Minuten ohne Pause zu schaffen. Langsam. Ob ich dabei einen Kilometer schaffte oder nicht, war mir egal. Die zehn Minuten waren das Ziel. Als das erreicht war, legte ich fünf Minuten drauf ... heute schaffe ich die Stunde ohne Probleme, manches mal, wenn es draußen besonders viel Spaß macht, laufe ich auch länger.
  • Belohnungen sind richtig und wichtig. Du hast die unangenehme Arbeit noch erledigt, bevor du den Feierabend einläutest? Dann hast du dir - je nach Geschmack und Vorliebe - Haribo Lakritzkonfekt oder BIO-Schoko-Coockies verdient. Oder ein Glas Wein. Oder - na, dir fällt bestimmt was ein.
  • Erinnern an die Gründe. Warum willst du eigentlich dieses und jenes Ziel erreichen? Hast du gute Gründe dafür? Sind diese Gründe wirklich deine eigenen? Oder sind das fremdbestimmte Ziele? Damit wären wir nämlich wieder bei der Disziplin auf dem Kasernenhof oder in der Gefängniszelle. Aber selbst wenn das Ziel, zum Beispiel pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen, fremdbestimmt ist: Du kannst eine Motivation aus der Disziplin machen, wenn du dir klarmachst, wie viel Stress auf dem Weg und Ärger mit dem verpassten Bus du dir ersparen kannst, wenn du auch nur fünf Minuten früher aufstehst. Wie viel Gelassenheit und Lebensqualität du dadurch gewinnst. Wie der ganze Tag angenehmer verläuft, wenn er ohne Hektik und Stress beginnt. Ich stehe zum Beispiel an Werktagen um 5:55 Uhr auf, obwohl ich erst nach 6:45 das Haus verlasse.
  • Ein Tagebuch kann helfen. Mein Tagebuch ist virtuell, es sind Blogbeiträge, meine Aktivitätschronik bei Runtastic und kurze Facebook-Meldungen. Gelegentlich blättere ich auf der Zeitschiene zurück und freue mich über a) Durchgehaltenes, b) Erreichtes und auf c) noch zu Bewältigendes. Man kann aber natürlich auch das gute alte Tagebuch in Papierform benutzen. Oder in einen Jahreskalender kleine Einträge machen. Hauptsache, der Erinnerung an die Ziele und den bereits geschafften Weg wird auf die Sprünge geholfen - vor allem dann, wenn die Motivation mal schwinden will.
  • Positiv denken und reden. Achte darauf, was du denkst und redest. Wenn ich heute »nur« 40 Minuten Dauerlauf schaffe, dann könnte ich sagen: Mist, ich bin ein Versager, ich schaffe nichts mehr ... - oder ich sage: Heute klappt das nicht wie gewohnt, aber immerhin bin ich 40 Minuten gelaufen! Statt auf dem Sofa zu sitzen. Ich habe 40 Minuten Sauerstoff getankt und vom Alltagsstress abgeschaltet. Ich habe mich aufgerafft und bin losgegangen! Dafür braucht man keine Disziplin. Dafür muss man lediglich motiviert sein.

Und damit bin ich am Ende dieses Beitrages angekommen, bei der Schlussfolgerung vom Beginn des Textes: Wenn du glaubst, keine Disziplin zu besitzen, dann brauchst du sie auch nicht. Statt dessen solltest du dich innerlich so an dein Ziel oder deine Vorstellung binden, dass eine Motivation daraus wird.

  • P.S.: Ähnliche und weitere Tipps in diesem Beitrag: [Auf das Ziel zu]
  • Foto: Aus meinen Tumblr-Alben, Ich beim Laufen, aufgenommen von meinem Sohn Sam.

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Freitag, 14. November 2014

Religion ist gefährlich. Gott nicht.

Religion ist gefährlich. Dennoch habe ich mich entschieden, an Gott zu glauben. -Stephen King (eigene Übersetzung aus einem Interview)

Das ist so ungefähr die Essenz dessen, was mein großer Autorenkollege Stephen King kürzlich in einem langen Interview erklärt hat. Mir geht es weitgehend ähnlich wie ihm. Nicht, was die Auflagenzahlen meiner Bücher betrifft, sondern beim Nachdenken über Gott und Religion.

Ach war das damals einfach, als Kind. Da hielt ich Gott (bildlich gesprochen) für den gütigen und immer freundlichen älteren Herrn, der irgendwo über den Wolken sitzt und nichts anderes zu tun hat, als auf mich (und andere Menschen) aufzupassen und mir meine Wünsche zu erfüllen.

Dass diese Vorstellung unzutreffend war, zeigte sich bereits in der Kindheit. Der gütige alte Mann wurde nach und nach ersetzt durch einen Gott, vor dem man Angst haben musste, wenn man sich nicht an seine Regeln hielt. Dann landete man nämlich in der Hölle, irgendwann. Das war zwar noch weit weg, aber dieser Gott konnte, wenn man sich seinen Unmut zuzog, jederzeit dreinschlagen. Mit Krankheit oder gar dem frühen Tod konnte er Menschen bestrafen, die seinen Geboten nicht Folge leisten wollten. Da war aber trotzdem auch immer noch irgendwo in meiner kindlichen Vorstellung der freundliche Himmelsvater, dem man Bitten und Wünsche nennen durfte. Glaubte man fest genug, dann gab es auch die garantierte Gebetserhörung hinterher.

Mit zunehmendem Alter und zunehmender Reife musste ich mein Gottesbild immer wieder korrigieren, weil es mit der erlebten Realität nicht zusammenpasste. Diese Wandelbarkeit ist im Erwachsenenleben geblieben. Das hat jedoch nichts daran geändert, dass ich die Existenz Gottes nicht in Frage stelle. Das wäre töricht. Da kann ich mich den folgenden Worten von Stephen King anschließen:

Wenn jemand sagt »okay, ich glaube nicht an Gott weil es keinen Beweis für seine Existenz gibt«, dann muss derjenige schon die Augen schließen und weder die Sterne am Himmel betrachten noch Sonnenaufgang und –untergang beobachten. Er darf nicht zur Kenntnis nehmen, dass die Bienen und andere Insekten Blüten befruchten, wodurch wir letztendlich Nahrung zum Leben bekommen, dass alles mit allem zusammenwirkt in dieser Schöpfung. Alles ist so zusammengefügt, dass aus meiner Sicht eine intelligente Schöpfung dahinter stecken muss. -Stephen King (eigene Übersetzung aus dem Interview)

Dazu sage ich: Amen, lieber Stephen King. Amen. Und ich kann ergänzen, dass ich das übernatürliche Einwirken Gottes auf unsere menschliche Realität persönlich erlebt habe.

Je älter ich wurde und werde, desto mehr verstehe ich aber auch, dass ich Gott nicht verstehen und begreifen kann. Dazu reicht mein menschlicher Verstand, mein Vorstellungsvermögen nun einmal nicht aus. Nicht einmal meine Phantasie ist groß genug.

  • Ein Gott, zu dem Milliarden Menschen beten – ein großer Teil von ihnen womöglich gleichzeitig – und der dennoch einzelne Gebete hört und darauf reagiert … das ist mir unvorstellbar und unbegreiflich.
  • Ein Gott, der seine Geschöpfe zwar liebt, schließlich sind sie ja sein Werk, sie aber dennoch zu Zigtausenden auf grausame Weise schon weit vor dem biologisch unausweichlichen Lebensende zu Tode kommen lässt (Naturkatastrophen, Gewalttaten, Seuchen, Krankheiten) … das ist mir unvorstellbar und unbegreiflich.
  • Ein Gott, der allwissend ist, es gut mit seiner Schöpfung samt Menschen meint und trotzdem – je nach Religion via Schlange im Paradies oder auf andere Weise – die paradiesischen Umstände seiner eigenen Schöpfung zerstören lässt … das ist mir unvorstellbar und unbegreiflich.

Und noch vieles mehr verstehe ich nicht. Warum der eine, der sich im Gebet an Gott wendet, geheilt wird, während der andere krank bleibt, zum Beispiel. Warum der eine in Reichtum lebt und der andere verhungert – obwohl beide zu Gott, zum selben Gott, beten.

Das ändert aber alles nichts an meinem Glauben. Wenn ich Gott begreifen könnte, wäre er entweder ein sehr kleiner Gott oder ich kein normaler Mensch.

An genau diesem Punkt beginnt aus meiner Sicht die Gefährlichkeit der Religion. Sie versucht nämlich, das Unerklärliche zu erklären. Den Unerforschlichen zu erforschen. Aus dem Unfassbaren ein Regelwerk von Geboten, Gesetzen, Verboten und anderen Regeln aufzustellen und die Menschen hineinzuzwängen.

Manchmal ist dies sehr offensichtlich:

  • Mohammedaner, die sich und andere mit Sprengstoff in den Tod reißen oder anders- und nichtgläubige Menschen abschlachten, weil man ihnen beigebracht hat, dass sie so Gottes Willen vorantreiben.
  • Christen, die Kontinente erobern und ganze Völker zu Sklaven machen, weil man ihnen erzählt hat, dass sie so dem »Missionsbefehl« Folge leisten.
  • Hindus, die Menschen in Kasten einteilen und so von Geburt an zu einem Leben als Knechte für die dreckigsten und niedrigsten Arbeiten verurteilen, weil die Götter das nun einmal so vorherbestimmen.

Solche grässlichen Auswüchse sind offensichtlich. Es gibt aber unzählige andere Gefahren, die meist verborgen bleiben. Im Namen der jeweiligen Religion werden Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft oder ihres Glaubens beziehungsweise Nichtglaubens verurteilt, diskriminiert, verfolgt, verachtet und sogar getötet. Nicht nur im finsteren Mittelalter, auch heute noch. Menschen werden Ängste eingeredet, wenn sie sich nicht den Regeln ihrer Religion entsprechend verhalten. Menschen werden missachtet, weil sie nicht den jeweiligen Idealvorstellungen entsprechen. Und es wird, auch das ist wahr, mit der Religion jede Menge Geld verdient, das in den Taschen einiger Spitzenführer landet anstatt Not und Elend zu lindern. Vor allem in Amerika in den oft an einer bestimmten Person hängenden Megakirchen und vorgeblich christlichen Fernsehshows. Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen Geld verdienen. Aber das sollte dann nicht »Liebesgabe« oder »Opfer für Gott« genannt werden.

Darum halte ich die Religion, den institutionalisierten Glauben, für eine sehr gefährliche Angelegenheit. Ganz abgesehen davon, dass durch solche Exzesse und Auswüchse jeder Gläubige, obwohl er persönlich womöglich ganz anders denkt, glaubt und lebt, in Misskredit gerät.

Die Schuld an solchen Missständen Gott in die Schuhe zu schieben, wäre zu billig und unredlich. Es liegt doch letztendlich an uns Menschen, dass wir uns immer wieder anschicken, Gott und sein Handeln oder NIchthandeln erklären und seinen Willen interpretieren zu wollen. Noch schlimmer: manche greifen zur Gewalt, um das, was sie für Gottes Willen halten, durchzusetzen. Koste es, was es wolle, einschließlich Menschenleben.

Religion ist gefährlich. Dennoch habe ich mich entschieden, an Gott zu glauben. -Stephen King (eigene Übersetzung aus dem Interview)

Genau so ist es auch bei mir. Ich wünsche meinen Lesern gerade in der bevorstehenden Adventszeit, dass sie Gott begegnen, anstatt mit allerlei religiösen Wüchsen und Auswüchsen konfrontiert zu werden.

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Mittwoch, 12. November 2014

Nur noch zwei Wochen …

Ich hatte bereits darauf hingewiesen und will nur noch ein letztes Mal daran erinnern, damit nachher keiner sagt, er hätte nichts gewusst: Zwei meiner Bücher (siehe unten 1. und 2.) gehen mit dem 30. November ganz vom Markt, ein weiteres (3.) verschwindet ebenfalls aus dem Angebot, wird aber voraussichtlich 2015 in Neuauflage erscheinen.
 

1. Gänsehaut und Übelkeit, eine Sammlung von 12 Erzählungen

Dieses Buch ist nichts für empfindsame Gemüter und schwache Nerven, sondern eher für diejenigen Leserinnen und Leser, bei denen gerne mal ein Schauer über den Rücken rieseln darf, die nichts dagegen haben, wenn ihnen bei der Lektüre das Butterbrot weniger gut schmeckt und die sowieso dauernd nachschauen, ob die Haustüre auch wirklich verschlossen ist…

Inhalt: Bildbeschreibung / Die Blume in der Hand / Jessika / Wie ich einmal ins Wasser fiel / Ein Wochenende in Rothberg / Mein Schulweg / Ein ganz normaler Tag / Das Gesicht in der Menge / Gnutter / Die Kinder von Rothberg / Dison / Sprachlos

Gänsehaut und Übelkeit, broschiert, 176 Seiten, 12,95 €. Bestellen kann man das Buch noch bis zum 30. November zum Beispiel bei Amazon: [Gänsehaut und Übelkeit] oder in jeder Buchhandlung mit der ISBN 978-3-8334-9074-3

2. Liebe und Alltag, eine Sammlung von 16 Erzählungen

Oft genug prägt die Liebe unseren Alltag, noch häufiger jedoch der Alltag die Liebe, und nie sind wir wirklich sicher, wohin sich Alltag oder Liebe entwickeln werden. Von den nervösen Momenten vor dem »ersten Mal« bis zum friedlichen Abschied vom Diesseits zeichnet der Autor in 16 Erzählungen eine Vielzahl von Empfindungen und Hoffnungen, Ernüchterungen und Erkenntnissen auf. (Klappentext)

Inhalt: Liebe und Alltag (Einleitung) / Das Gesicht in der Menge / Fragment / Und dann / Im Moor / Susanna / Linda / Fensterkreuz / Das erste Mal allein mit Tina / Das erste Mal allein mit Jakob / Der Sturm / Mädchen vom Land / Frauen / Der Fremde / Janet und John / Artenschutz / Kartoffeln / Auf Wiedersehen (Anmerkungen zu den Geschichten)

Liebe und Alltag, 16 Erzählungen, broschiert, 136 Seiten, 9,95 €. Bestellen kann man das Buch noch bis zum 30. November zum Beispiel bei Amazon: [Liebe und Alltag] oder in jeder Buchhandlung mit der ISBN 978-3-8370-8186-2

3. Es gibt kein Unmöglich! – ein autobiographisch gefärbter Roman

Eine durch grausame Schicksalsschläge tief verletzte Seele, ein brutaler und auch sich selbst gegenüber rücksichtsloser Charakter, immer mehr Erfolg in der Musikszene gepaart mit immer härteren Drogen, finanziert durch immer gefährlichere kriminelle Unternehmungen… Der Tod streckt schließlich die Hand nach dem 17jährigen John Matthews aus.

Ein Buch über Kindheit und Jugend des John Matthews, der mit 12 Jahren beschließt, Rockmusiker zu werden - erfolgreich natürlich - und dies auch erreicht. Unbarmherzige Schicksalsschläge wie die Ermordung seiner Freundin und der Stress eines Lebens zwischen Musik und Schule führen den Kinderstar zügig in die Drogenszene, den Okkultismus und schließlich, mit 17 Jahren, über Amsterdam an den Rand seines Grabes.

Bestellen kann man das Buch in dieser Auflage noch bis Ende November 2014 bei Amazon: [Es gibt kein Unmöglich!] oder in jeder Buchhandlung mit der ISBN 978-3-8370-6619-7

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Montag, 10. November 2014

Wenn nichts Außergewöhnliches zu sehen ist …

… ist das nicht langweilig, sondern eine gute Nachricht. Für mich. Und die beste aller Ehefrauen. Beim regelmäßigen Arzttermin zur Krebsnachsorge. So geschehen wieder am vergangenen Freitag.

Beim sonografischen Blick ins Innere meines Leibes plaudert mein Arzt gerne ein wenig über das, was er da so sieht. Zum Beispiel jedes Mal über die Klammer in der Leber, mit der vermutlich, genau weiß man das nicht so recht, ein Blutgefäß abgeklemmt wurde. Die Klammer wird da bleiben, gehört da jetzt hin. Sie stört ja nicht.

Dass ich sportlich aktiv bin, hat sich übrigens deutlich ausgewirkt: Verkalkungen in Blutgefäßen, die vor zwölf Monaten noch Anlass waren, über eine medikamentöse Behandlung nachzudenken, sind verschwunden. Weg. Fort. Sozusagen als Nebeneffekt – eigentlich ist ja der Sport in meinem Fall neben der auf diesem Blog schon zur Sprache gekommenen Ernährung [zum Beispiel kürzlich hier und hier] und meiner Verweigerung, was Stress, Multitasking und Überlastung betrifft [zum Beispiel dort und dort], meine hauptsächliche Waffe im Kampf gegen den Krebs. Mehr kann ich zum Gesundbleiben nicht beitragen, sondern die verliehene Gesundheit nur dankbar und glücklich als Geschenk annehmen.

Auch meine Leber erholt sich –Gamma-GT im Blut mehr als zwölf Monate nach der Operation nähert sich der kritische Gamma-GT-Wert weiter einer normalen Größe (unter 60 U/l). Mein Arzt erklärte mir am Freitag, dass der Wert, jetzt bei 95 U/l,  durchaus erhöht bleiben könnte, aber das wäre dann bei der Vorgeschichte nicht alarmierend. Jedenfalls ist der beängstigende Anstieg bis auf 325 U/l im Januar 2014 seither gestoppt und hat sich in eine Abwärtskurve verwandelt. Ich bin gespannt, ob sich bei der nächsten Untersuchung, die für Ende Februar / Anfang März 2015 vorgesehen ist, eine weitere Normalisierung zeigt. Ein Verbleib auf dem gegenwärtigen Niveau wäre auch schon prima.

Wir durften am 7. November 2014 aufatmen, wieder einmal. Dankbar und erleichtert.

So – das wollte ich meine treuen Blogbesucher und die vielleicht ab und zu mal oder erstmalig hereingeschneiten Leser wissen lassen, weil ich weiß, dass viele Anteil nehmen an meinem Ergehen. Gute Nachrichten soll man ja mit möglichst vielen Menschen teilen, dann vervielfältigt sich die Freude.

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Mittwoch, 5. November 2014

Krebsfeindliche Ernährung–Teil 2

Im vorigen Beitrag [Krebsfeindliche Ernährung] habe ich über Alkohol, Fleisch und Wurst, Gemüse sowie Obst geschrieben. Heute folgt der zweite Teil zum Thema, wiederum so kurz wie möglich (der Lesbarkeit und Übersicht wegen), aber doch mit den mir zum Verständnis notwendig erscheinenden Details.

Und natürlich gilt auch hier: Meine Ratschläge sollen und können nicht die Beratung beim Arzt oder Ernährungswissenschaftler ersetzen – da möge bitte jeder Leser selbstverantwortlich denken und handeln. Ich will und kann nur Gedankenanstöße geben.

  • Süßigkeiten - Krebszellen ernähren sich gerne von Zucker, liest man immer wieder. Das ist richtig, aber etwas zu ungenau formuliert. Der gewöhnliche Haushaltszucker, hat die Forschung festgestellt, ist in großen Mengen grundsätzlich für den Organismus schädlich, hat aber in normalem Maße genossen keine Auswirkungen auf das Krebsrisiko. Ganz anders sieht es bei der (industriellen) Fructose aus.
    Wissenschaftler der Universität in Los Angeles führten vor kurzem eine Untersuchung durch, die enthüllte, dass Krebszellen sogar eine eigene Schnittstelle für raffinierten Zucker entwickeln. Die in der Fachzeitschrift Cancer Research veröffentlichte Studie zeigte außerdem erneut, dass nicht alle Zuckerarten in der Untersuchung das Wachstum beziehungsweise die Teilung von Krebszellen gleichermaßen begünstigen. Tumorzellen der Bauchspeicheldrüse wurden in Tests mit Fructose und mit Glucose gefüttert. Das Team um Dr. Anthony Heaney vom Jonsson Cancer Center erklärte, dass der Fructose-Stoffwechsel und der Glucose-Stoffwechsel in der Krebszelle unterschiedlich ablaufen. Die Krebszellen aßen beide Zuckerarten, doch nur mit Fruchtzucker konnten sie sich vermehren und ausbreiten. Dabei zeigte sich, dass die Tumorzellen sich mit Hilfe von Fructose blitzschnell und auf eine Art und Weise reproduzieren und im menschlichen Körper ausbreiten, wie sie es ohne Fructose nicht annähernd schaffen.
    Längst ist bekannt, dass die Bauchspeicheldrüse hart arbeiten muss, wenn reichlich Glucose im Blut erscheint. Trifft jedoch gemeinsam mit der Glucose auch noch massiv Fructose ein, ist die Belastung des Organs mehr als doppelt so stark. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass gerade Bauchspeicheldrüsenkrebs – eine der tödlichsten Krebsarten – durch Fructosekonsum in einem viel höheren Masse gefördert wird als früher angenommen. Krebspatienten – und zwar ganz gleich, von welcher Krebsart sie betroffen sind – sollten daher unbedingt raffinierten Fruchtzucker meiden. Auf diese Weise wird nicht nur das Krebswachstum gehemmt, auch die Bauchspeicheldrüse sowie die Leber, die bei der Verstoffwechslung der Fructose die Hauptarbeit übernehmen muss, werden geschont.
    Und was heißt das konkret? Billiger Sirup in gesüßten Getränken besteht bis zu 90 Prozent aus Fructose. Sie befindet sich außerdem in Fertiggerichten, vielen Süßigkeiten, Fertigsoßen, Suppen, Konserven und zahlreichen anderen industriell hergestellten Produkten. Auf dem Zutatenetikett steht oft nur Sirup, womit meistens industriell verarbeiteter Maissirup gemeint ist. Da Fructose eine höhere Süßkraft als Glucose hat, wird in der Lebensmittelindustrie der Glucosegehalt von Sirup enzymatisch reduziert und gleichzeitig der Fructosegehalt auf bis zu 90 Prozent erhöht. So enthält man HFCS-90 (High Fructose Corn Syrup). Die Folge ist, für dieselbe Süsskraft benötigt man jetzt weniger Sirupmaterial, was der Lebensmittelindustrie natürlich Kosten einsparen hilft.
    Wenn also auf einem Etikett »Sirup« als Bestandteil steht oder »HFCS«, dann Finger weg! Mediziner empfehlen den Verbrauchern grundsätzlich, auch wenn kein Krebs vorliegt, fructosereichen Maissirup und sämtliche damit gesüßten Speisen möglichst aus ihrer Lebensmittelliste zu streichen. Mittlerweile gibt es genügend gesunde bzw. weniger riskante Süßungsmittel, so dass eine Abkehr von sirupgesüßten Speisen nicht den geringsten Verzicht bedeuten würde. 
  •  Getränke - die Auswahl ist groß, auch wenn man Krebspatient ist oder als gesunder Mensch das Erkrankungsrisiko senken will. Ausgeschlossen sind selbstverständlich die Softdrinks, ob nun Cola oder Orangenlimonade oder andere, ob sie nun Pepsi oder Sprite oder Mezzo-Mix oder sonst wie heißten - egal von welchem industriellen Hersteller. Sie enthalten durch die Bank weg E-Stoffe, deren krebserzeugende Wirkung inzwischen ausreichend untersucht und bestätigt wurde. Ein um 80 Prozent erhöhtes Krebsrisiko, nur weil Fanta und Konsorten ins Glas kommen - das muss ja nun nicht sein. (Mehr darüber in meinem Artikel vom steten Tropfen.)
    Das Thema Alkohol habe ich im vorigen Beitrag angesprochen und der obige Absatz über den Zucker und den Sirup spricht hoffentlich ebenfalls für sich: Finger weg vom Getränkeregal mit all den angeblich so vitaminhaltigen und »gesunden« Angeboten im Supermarkt. Obstsäfte kann man entweder selbst aus schadstofffreien Früchten herstellen oder im Bio-Laden kaufen. Obst und gegebenenfalls Wasser - mehr muss ein Saft nicht haben. Keine Konservierungsstoffe, keine Farbstoffe, keine Zucker- oder Süßstoffzusätze. Wer Tee mag (ich gehöre nicht dazu), findet eine reiche Auswahl - auch hier lohnt sich aber bei Billigprodukten ein Blick auf die Packung bezüglich der Inhaltsstoffe. Kaffee ist genauso unbedenklich wie Tee - solange er frei von Schadstoffen ist. Wer Kaffee und Tee aus biologischer Produktion kauft und dabei auch noch auf fairen Handel achtet, bezahlt zwar mehr, hat aber neben dem guten Gewissen auch keine unerwünschten Schadstoffe mit dem Kaffee und Tee in der Tasse. Bei der Milch verhält es sich so, wie im nächsten Stichpunkt erläutert.
  • Käse und andere Milchprodukte - sind gesund, hieß es schon bei meiner Mutter und Großmutter. Stimmt. Nicht mehr. Nicht mehr immer. Von manchen Seiten tönt es in letzter Zeit sogar, dass Milchkonsum Krebs auslösen oder fördern könnte ... da lohnt sich wieder mal ein Blick in seriöse Publikationen: »Wegen der intensiven Interaktionen zwischen Darmwand und Nahrung werden beim Kolorektalkarzinom in hohem Maß Nahrungsbestandteile (Energie, Fette, insbesondere gesättigte, rotes Fleisch, Alkohol), als Risikofaktoren angesehen. Man schätzt, dass in Deutschland 2/3 der Neuerkrankungen bei adäquater Ernährungsweise vermeidbar wären. Einem hohen Milchkonsum wird auf Grund des Gehaltes der Milch an tierischen Fetten bisweilen krebsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Milch enthält aber auch eine bedeutende Menge Calcium, welches durch Bindung von Fett- und sekundären Gallensäuren bei Dickdarmkrebs als Schutzfaktor wirken soll. Möglicherweise krebsprotektive Eigenschaften von probiotischen Mikroorganismen in fermentierten Milchprodukten sind ebenfalls vor allem gegen das Kolonkarzinom gerichtet worden. Epidemiologische Daten erlauben zur Zeit noch keine Aussage darüber, wie sich das Zusammenspiel dieser Faktoren auswirkt. Die hier gesichteten Studien zeigen bis auf vier keinen Einfluss von Milch und Milchprodukten auf das Kolonkrebsrisiko oder sogar eine protektive Wirkung.«
    Also konkret und im Klartext: Bei fettarmen Milchprodukten beziehungsweise fettarmer Milch bleibt lediglich die Schutzwirkung übrig, keine Gefährdung. Besonders fetthaltige Produkte (Käse, Vollmilch) haben zwar keine nachgewiesen krebsfördernde Wirkung, sollten aber grundsätzlich nur sparsam konsumiert werden.
  • Brot und Backwaren - sind so bekömmlich und zuträglich, wie ihre einzelnen Inhaltstoffe. Aufgrund meines verkürzten Verdauungssystems vertrage ich Vollkornprodukte leider nicht mehr, aber es bleiben mir genügend Alternativen. Wichtig ist auch bei diesen Produkten: Keine Konservierungsstoffe, keine Farbstoffe oder andere chemische Zusätze. Und, siehe oben der erste Punkt, natürlich kein Kuchen, in dem Fructosesirup verarbeitet wurde.

Soweit meine Erfahrungen und das, was ich mir aus seriösen Quellen an Wissen aneignen konnte. Natürlich kostet es mehr Geld, sich »krebsfeindlich« zu ernähren. Aber wir alle haben nur eine Gesundheit, und die aufs Spiel zu setzen, weil das Fleisch im Sondernagebot für 4,99 Euro pro Kilogramm angeboten wird - ist uns die Ersparnis wirklich das Risiko wert? Das muss und darf jeder für sich selbst entscheiden.

Wer am Thema weitergehend interessiert ist, der sei abschließend auch noch einmal auf meinen Artikel vom steten Tropfen hingewiesen. Dort geht es auch um die Frage, was ab und zu mal eine Ausnahme für Auswirkungen hat.

Ich wünsche meinen Blogbesuchern von Herzen Gesundheit und – soweit betroffen – Kraft beim Kampf gegen den Krebs!

Quellen:

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Sonntag, 2. November 2014

Krebsfeindliche Ernährung–Teil 1

Nachdem ich in der vergangenen Woche drei Mal gefragt wurde, wie ich seit der Krebsdiagnose die Ernährung umgestellt habe, will ich gerne wieder einmal etwas zum Thema schreiben. Offensichtlich besteht Bedarf an Informationen über krebsfeindliche Ernährung.

Ich bin, das wissen zumindest regelmäßige Blogbesucher, kein Ernährungswissenschaftler. Auch kein Mediziner. Noch nicht einmal ein Diätassistent. Ich bin Betriebswirtschaftler mit Schwerpunkt Personalwesen.

Meine Tipps und Ratschläge entstehen aus persönlicher Erfahrung, logischem Denken und der Lektüre wissenschaftlicher Quellen wie der Deutschen Krebshilfe oder Fachartikeln in medizinischen Publikationen. Aber meine Ratschläge sollen und können nicht die Beratung beim Fachmann ersetzen – da möge bitte jeder Leser selbstverantwortlich denken und handeln. Ich will und kann nur Gedankenanstöße geben.

Etliche Details habe ich in dem Beitrag vom steten Tropfen veröffentlicht, heute soll es um nur vier Stichworte gehen, die man recht schnell erfassen kann. Bittesehr:

  • Alkohol – nach der Operation von zwei Lebermetastasen habe ich für einige Monate keinen Alkohol getrunken. Inzwischen erlaube ich mir (nach Rücksprache mit dem Arzt, als die Blutwerte wieder einigermaßen normal wurden) am Sonntagabend zum Tatort ein Glas Wein. Maximal zwei Mal pro Monat trinke ich zu besonderen Anlässen auch ein Glas Bier – mehr Alkohol kommt nicht in Frage.
    Warum? »Wie genau Alkohol die Krebsentstehung beeinflusst, wird noch erforscht. Bisherige Erkenntnisse haben Wissenschaftler durch die Auswertung statistischer Daten gewonnen.Vermutet wird, dass verschiedene Stoffe, die beim Abbau von Alkohol im Körper entstehen, eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen. Dazu zählt beispielsweise Acetaldehyd. Dieser Stoff ist sehr reaktionsfreudig und geht leicht Bindungen mit anderen Molekülen ein, darunter auch mit Bausteinen der Erbsubstanz (DNA, Desoxyribonukleinsäure).« [Quelle: Krebsinformationsdienst]
  • Fleisch und Wurst – kommt bei uns nur aus kontrollierter biologischer Tierhaltung auf den Tisch. Wichtig ist, dass die Tiere nicht mit Antibiotika und anderen Medikamenten »behandelt« wurden und dass ihr Futter frei von genetischen Veränderungen und chemischen Rückständen (die bei chemischer Düngung der Felder und chemischer Schädlingsbekämpfung zwangsläufig in den Pflanzen landen) ist. Doch auch bei Fleisch und Wurst aus unbedenklicher Quelle halten wir es so, dass es maximal eine Fleischmalzeit pro Woche gibt und Wurst eher sparsam verzehrt wird.
    Warum? »Eine groß angelegte amerikanische Studie hat 2011 weitere Beweise zu Tage gebracht, die den Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch und einem erhöhten Krebsrisiko aufzeigt. Forscher des amerikanischen National Cancer Institutes haben die Daten der Studie, an der 494.000 Teilnehmer mitgewirkt haben, ausgewertet. Die Teilnehmer wurden 8 Jahre lang begleitet. Rotes Fleisch war in der Studie definiert: vom Schwein, Rind und Lamm. Die Forscher fanden heraus, dass die Probanden mit einem hohen Konsum von rotem Fleisch, ein um 25% erhöhtes Risiko hatten, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Das Lungenkrebsrisiko war um 20% erhöht und das Risiko für Speiseröhren- und Leberkrebs war zwischen 20% und 60% erhöht. Die Teilnehmer, die besonders häufig verarbeitetes Fleisch (auch Schinken, Wurst etc.) konsumierten, hatten ein 20% höheres Risiko an Dickdarmkrebs und ein 16% höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Eine erhöhte Zufuhr von rotem- und verarbeitetem Fleisch steht ebenfalls im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Männern. Nach Meinung der Forscher kann 1 von 10 Lungen- bzw. Dickdarmkrebserkrankungen durch die reduzierte Aufnahme von rotem Fleisch vermieden werden.« [Quelle: Zentrum der Gesundheit]
  • Gemüse – da bin ich seit der Darmkrebsoperation leider eingeschränkt in der Auswahl. Unverträglich sind Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen, Mais …) und fast alle Kohlarten. Auch mit Pilzen kommt mein deutlich verkürzter Verdauungstrakt nicht mehr zurecht. Nun gut, es gibt noch ausreichend viele Gemüsesorten, die verträglich sind. Natürlich gilt bei Gemüse das gleiche Prinzip wie bei Fleisch und Wurst: Anbau mit chemischer Düngung und Insektenbekämpfung ist tabu. Auch Zusatzstoffe in der Nahrung belasten das Immunsystem und behindern es beim Kampf gegen Krebszellen. Also: Ausschließlich Bio-Qualität.
    Warum? »Viele industriell verarbeitete Lebensmittel enthalten Zusatzstoffe. Diese Substanzen sollen die Eigenschaften von Lebensmitteln verbessern, sie zum Beispiel färben, süßen oder konservieren. Sie sind auf den Lebensmittelverpackungen unter Inhaltstoffe aufgelistet, oft abgekürzt mit den so genannten E-Nummern.
    Allerdings wird auch dabei geschummelt: Glutamat ist auf den Verpackungen häufig nicht deklariert. Die Nahrungsmittelindustrie versteckt das gefährliche Glutamat auch hinter Begriffen wie Würzsalz oder Geschmacksverstärker. … Dem Süssstoff Aspartam schreiben Wissenschaftler nervenzellschädigende Wirkungen zu. Er soll auch an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sein. Ein Toxikologe der Universität Kiel hat nachgewiesen, dass Aspartam an der Entstehung von Krebs beteiligt sein kann. Als giftige Abbauprodukte des Aspartams wurden von der Wissenschaft die Substanzen Formaldehyd und Methanol aufgeführt, die zu ernsthaften gesundheitlichen Störungen führen können. Einige Studien belegen sogar, dass zwischen dem erhöhten Konsum von Aspartam und dem Auftreten von Hirntumoren Zusammenhänge bestehen ... [Quelle: Zentrum der Gesundheit]
  • Obst – rüstet den Organismus mit wichtigen Stoffen aus, die ihn im Ganzen gesund erhalten können, und ein gesunder Organismus kommt besser mit Angriffen, auch durch Krebszellen, zurecht. Selbstverständlich ist es beium Obst genauso wie beim Gemüse: Wenn bei der Produktion (Pflanzenzucht und Kultivierung) die chemische Keule geschwungen wird, können die Früchte gar nicht frei von Schadstoffen sein. Also auch hier: Bio.
    »Einige wissenschaftliche Studien der letzten Jahre ergaben, dass kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Entstehung von bestimmten Kebserkrankungen besteht. Diese Daten spiegeln jedoch nur einen Bruchteil der Studien und Teilergebnisse wider, wie sie beispielsweise in der EPIC-Studie (European Investigation into Cancer and Nutrition) derzeit zusammengetragen werden. In der EPIC-Studie untersuchen zehn europäische Länder seit 1992 mehr als 520.000 Teilnehmer über einen Zeitraum von 15-20 Jahren. Trotz dieser Teilergebnisse besteht nach wie vor kein Grund daran zu zweifeln, dass ein reichhaltiger Obst- und Gemüseverzehr das Risiko für zahlreiche Krebsarten und auch für weitere Zivilisationskrankheiten deutlich vermindern kann.« [Quelle: Unabhängige Gesundheitsberatung]

Kurz zusammengefasst: Viele Krebserkrankungen, da sind sich so gut wie alle Wissenschaftler einig, könnten vermieden werden, wenn die Menschen sich schon in jungen Jahren und ein Leben lang anders ernähren würden. Die Nahrung ist selten der Auslöser für eine Krebserkrankung, aber ein Organismus, der nicht rund um die Uhr damit zu tun hat, Giftstoffe aus dem Essen und Trinken abzubauen, kann Krebszellen leichter abtöten und entfernen.

Die Diagnose Krebs ist heute nicht zwangsläufig ein Todesurteil. Eine Garantie, dass man mit entsprechender Ernährung überlebt, gibt es selbstverständlich nicht – aber wer würde nicht alles, was ihm möglich ist, dazutun, um die Chance auf Heilung zu nutzen?

Wer am Thema weitergehend interessiert ist, der sei abschließend noch einmal auf meinen Artikel vom steten Tropfen hingewiesen. Ich wünsche meinen Blogbesuchern von Herzen Gesundheit und – soweit betroffen – Kraft beim Kampf gegen den Krebs!

… hier geht es weiter: [Krebsfeindliche Ernährung – Teil 2]

Fotos: Aus meiner eigenen Küche.

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