Donnerstag, 17. Januar 2008

Leuchtturm 118

Ein Psalm kann ein Leuchtturm sein. Es gibt Zeiten, in denen nichts ist, wie es sein sollte. Im Gegenteil. Die Probleme türmen sich auf, von Tag zu Tag mehr. Enttäuschungen kommen dazu, selbst liebe Menschen tragen zum Schwinden jeglicher Hoffnung bei. Die Orientierung geht verloren, das Leben verliert an Sinn... - da kann ein Leuchtturm helfen, Standort und Kurs wieder zu finden.

König David ist jemand, der in seinem Leben schlimme Umstände erleben musste, depressiv war, lebensmüde wurde, und der dennoch - oder gerade aus dieser Erfahrung heraus - an seinem Gott festhielt. Er hat Leuchttürme hinterlassen, eine ganze Menge Psalmen. Die helfen mir, wenn wieder mal kein Land in Sicht ist. Beispielsweise Psalm 118:
Preist den HERRN, denn er ist gut, denn seine Gnade/Güte währt ewig! Es sage Israel: Ja, seine Gnade/Güte währt ewig! Es sage das Haus Aaron: Ja, seine Gnade/Güte währt ewig! Es sagen, die den HERRN fürchten: Ja, seine Gnade/Güte währt ewig! (Das hebräische Wort bedeutet gleichermaßen Gnade und Güte)
Man könnte annehmen, dass der Autor solcher Zeilen ein behütetes Leben in den besten Umständen verbracht haben muss. Aber:

Aus der Bedrängnis rief ich zu Jah. Jah antwortete mir in der Weite (schuf mir Raum).
David hatte Todfeinde. Er musste sich verstecken, mittellos als Flüchtling in fremden Ländern leben, kannte Hunger, Durst, Schmerzen, Trauer, Verrat und Verleumdung. Aber er schrieb weiter:

Der HERR ist für mich, ich werde mich nicht fürchten. Was könnte ein Mensch mir tun? Der HERR ist für mich unter denen, die mir helfen. Ich werde herabsehen auf meine Hasser.
Solche Zuversicht kann nur jemand haben, der unerschütterlich um die Gnade und Güte Gottes weiß, egal, wie die Umstände aussehen. Menschen, denen im Leben nichts Schlechtes widerfahren ist, können sich kaum in solche Situationen hineinversetzen.

Wir neigen wohl alle dazu, uns erst einmal an den Haaren aus dem Sumpf ziehen zu wollen. Ich jedenfalls weiß um meinen Hang zur Selbsthilfe - und ich kenne viele, die ähnlich auf Not reagieren. Wenn beispielsweise die Schulden wachsen, dann leisten wir noch mehr Überstunden, rackern uns mit noch mehr Nebenjobs ab, suchen Hilfe bei Kreditinstituten, bei Freunden...

David gibt eine andere Empfehlung:

Es ist besser, sich bei dem HERRN zu bergen, als sich auf Menschen zu verlassen. Es ist besser, sich bei dem HERRN zu bergen, als sich auf Edle zu verlassen.
Es fällt schwer, das normale Muster zu durchbrechen. Meistens reagieren wir doch so: Es existiert eine Not. Wir nehmen sie zur Kenntnis. Wir bitten Gott um sein Eingreifen. Dann werden wir selbst tätig. Dazu stacheln uns liebe, wohlmeinende Mitmenschen oft noch an: »Tu doch endlich was...«

Aber ist das ein »sich beim Herrn bergen«, wie David es ausdrückt? Der König machte folgende Erfahrung:

Alle Nationen hatten mich umringt. Im Namen des HERRN - ja, ich wehrte sie ab. Sie hatten mich umringt, ja, mich eingeschlossen. Im Namen des HERRN - ja, ich wehrte sie ab. Sie hatten mich umringt wie Bienen. Sie sind erloschen wie Dornenfeuer. Im Namen des HERRN - ja, ich wehrte sie ab. Hart hat man mich gestoßen, um mich zu Fall zu bringen. Aber der HERR hat mir geholfen.
Wie sah die Stärke Davids aus? Waren es Soldaten, Verbündete, Waffen? Keineswegs. Auf solche Hilfe und Stärke vertraute er nicht, denn er war überzeugt von der Gnade und Güte Gottes:

Meine Stärke und mein Gesang ist Jah. Er ist mir zur Rettung geworden.
Die Weigerung, sich selbst zu helfen, führt dazu, dass wir uns auch nicht selbst rühmen können, wenn eine Not gewendet ist. Statt dessen bekommt Gott die Ehre:

Klang von Jubel und Heil ist in den Zelten der Gerechten. Die Rechte des HERRN tut Gewaltiges. Die Rechte des HERRN ist erhoben, die Rechte des HERRN tut Gewaltiges. Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Taten Jahs erzählen.
Im nächsten Vers kommt David darauf zurück, dass ihm Schwierigkeiten und Not nicht von vorne herein erspart geblieben sind. Er sagt:

Hart hat mich Jah gezüchtigt, aber dem Tod hat er mich nicht übergeben.
Hier stutzen viele Christen. Straft Gott also doch? Züchtigt er mit Unglück und Not seine Kinder? Ist es doch Gott, der Krankheit, Leid und Not verursacht?
Nein, denn dann würde er sich selbst widersprechen. Allein die Aufforderung Jesu an uns als seine Nachfolger, die Kranken zu heilen, wäre unsinnig, wenn Gott Krankheiten als Erziehungsmaßnahmen anwenden würde.

Gott kann und wird allerdings Sünde nicht gutheißen, schönreden oder tolerieren. Das geht einfach nicht. Der Mensch verlor das Paradies, als die Sünde auftrat. Dass wir sterben müssen ist eine Konsequenz daraus. Das ewige Leben ist wiederum eine Konsequenz des Glaubens.

Gott ist unveränderlich gnädig und gütig. Er ist die Liebe selbst. Er ist daran interessiert, dass seine Kinder durch die Not hindurchkommen und triumphieren. Und hier sind wir gefragt: Ohne unsere Mitwirkung wird sich nichts ändern. Allerdings ist nicht die Selbsthilfe gefragt, sondern die Besinnung auf den, der helfen will und kann. Die Band U2 bringt es in dem Song Vertigo auf den Punkt:

I’m at a place called vertigo. It’s everything I wish I didn’t know ... but your love is teaching me how to kneel.
Wer nicht Gott um Hilfe bittet, sondern menschlichen Hilfsmitteln vertraut, kann und wird den Sieg nicht erleben, den David beschreibt. Wenn David hier also sagt, dass der Herr ihn »hart gezüchtigt« hat, dann kann uns das nicht als Argument gegen die Güte und Gnade Gottes dienen. David hatte gesündigt - einen Mord begangen um einen Ehebruch zu vertuschen - und er erntete die Frucht dieser Saat. Aber er erlebte, dass Gottes Gnade selbst in dieser Situation triumphierte, als er die Sünde bereute und bekannte.

Aus notvollen Situationen dürfen wir nicht schließen, dass Gottes Güte und Gnade Pause machen würden. (Und in den seltensten Fällen hat unsere persönliche Not irgend etwas mit Züchtigung - Folge von Sünde - zu tun.)

David hat klar erkannt, was aus den Schwierigkeiten erwachsen wird, nämlich Lobpreis und Anbetung:

Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit! Ich will durch sie eingehen, Jah will ich preisen. Dies ist das Tor des HERRN. Gerechte ziehen hier ein. Ich will dich preisen, denn du hast mich erhört und bist mir zur Rettung geworden.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Vom HERRN ist dies geschehen, es ist ein Wunder vor unseren Augen. Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat! Seien wir fröhlich und freuen wir uns in ihm!
Dies ist der Blick in die Zukunft. Denn noch steht David den Problemen gegenüber, und er nimmt sie im nächsten Vers noch einmal zur Kenntnis:

Ach, HERR, hilf doch! Ach, HERR, gib doch Gelingen!
David sieht die Not, in der er im Augenblick noch steckt, aber er bekennt mit seinem Mund bereits den Sieg:

Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN. Vom Haus des HERRN aus haben wir euch gesegnet. Der HERR ist Gott. Er hat uns Licht gegeben. Bindet das Festopfer mit Stricken bis an die Hörner des Altars! Du bist mein Gott, ich will dich preisen! Mein Gott, ich will dich erheben.
Am Schluss kommt er noch einmal auf die bereits in den ersten Versen mehrfach festgestellte Güte Gottes zurück, an der es trotz der Schwierigkeiten keinen Zweifel geben kann:

Preist den HERRN, denn er ist gut! Ja, seine Gnade währt ewig!

Mittwoch, 16. Januar 2008

Mein lieber Mann...

«Mein lieber Mann», sagte Sibylla, «hör mir mal zu.»
Paul wusste, dass ihn eine Ermahnung, Belehrung, gar ein Verweis erwartete, denn wenn seine Frau ihn so anredete, war das nicht der Auftakt zu vergnüglicher Zweisamkeit.
«Mein lieber Mann», wiederholte sie, «ich bin letztendlich wohl auch noch Schuld an der Klimakatastrophe?»
«Wieso denn das?»
«Na ganz einfach, die Regierung zahlt mir ja nach wie vor keine Herdprämie. Also kann ich nicht zu Hause bleiben, sondern muss arbeiten gehen. Zur Arbeit fahren, genauer gesagt.»
«Schon, ja, mein Verdienst reicht ja leider nicht...» brummelte Paul leicht irritiert.
Sibylla fuhr fort: «Und während ich nach der Arbeit zum Einkaufen und heimwärts hetze, um eine Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, sitzt Du in der Raucherkneipe und trinkst ein Feierabendbier. Ich halte stundenlang das Essen warm, so eine Energieverschwendung!»
Paul zuckte die Schultern und erinnerte seine Frau: «Aber Sibbylein, das gehört doch einfach zum Tagesablauf. Seit wir uns kennen. Das habe ich schon so gehalten, bevor wir uns kannten. Das ist sozusagen Bestandteil meiner Arbeit, als Vorarbeiter muss ich das so machen.»
«Wir werden noch arm durch Arbeit, wenn das Deine Arbeit ist», fuhr sie ungerührt fort, «bloß weil Du mit den Kumpels...»
«Nein, nicht Kumpels. Mitarbeiter sind das. Ich muss sie bei Laune halten.»
«Mit Alkohol?»
«Das ist so eine Art Mitarbeiterdoping. Und was soll man denn in der Kneipe sonst...»
Sie unterbrach ihn: «Wie wäre es denn gleich mit einer umfassenden Dopingbeichte? Wie viel trinkst Du denn da so?»
«Na ja, zwei Bierchen. Und für die Betriebsratsmitglieder bezahle ich ab und zu die Rechnung mit, das ist immer noch besser, als wenn ich ihnen Lustreisen spendieren müsste.»
Sibylla grinste anzüglich. «Wir könnten ja selbst mal eine machen, aber vermutlich wird das nie was. Das Geld landet ja im Benzintank, beim Stromversorger und in der Kneipe.»
«Verreisen? Nee, also wenn mir nach Abwechslung ist, dann habe ich ja Second Life...»
«Und ich?», fragte sie. «Was mache ich? Wo kann ich mich mal abwechseln?»
Jetzt grinste Paul. Er erinnerte seine Frau: «Na ja, also wenn ich daran denke, welche besuchten Seiten Du neulich vergessen hast, im Verlauf zu löschen...»
Sie wurde rot. «Ja, ja. Spionier mir nur nach. Am besten besorgst Du Dir einen persönlichen Bundestrojaner.»
Er schloss sie liebevoll in die Arme. «Ach nee, Sibbylein, lass mal. Ich hatte ja versprochen, nicht mehr darüber zu reden.»
Sibylla war schnell beruhigt und schmiegte sich an Paul. «Okay, also pass auf. Unser Bankkonto ist leer. Heute ist erst der 16. Januar. Was nun?»
«Vielleicht sollten wir doch ein kleineres Auto kaufen. Der Wagen ist ja nun wirklich etwas spritdurstig...»
«Ach, Paulchen, nee, ich mag doch die alte Kiste so.»
Sie hielten sich in den Armen und dachten nach. Ihre Lippen fanden sich. Dann hatte Paul eine Idee: «Ich schreibe einen Bestseller über diesen Eisbären da im Zoo und die Eisbärin in - wo war das noch - Nürnberg?»
«Au ja!», rief Sibylla, «das ist die Lösung. Mein Paulchen, ich wusste es ja, Du hast immer gute Ideen. Du schreibst eine Liebesschnulze mit zwei Eisbären und alles wird Knut!»

Ende

Was das soll, fragt sich der eine oder der andere Leser vielleicht. Ganz einfach: Gestern wurde das Ergebnis der Wahl zum «Wort des Jahres» präsentiert. Und da ist mir diese kleine Geschichte so aus den Fingern geflossen. Mehr nicht.

Hier die offizielle Rangliste der Gesellschaft für deutsche Sprache:
  • Platz 1: Klimakatastrophe
  • Platz 2: Herdprämie
  • Platz 3: Raucherkneipe
  • Platz 4: arm durch Arbeit
  • Platz 5: Dopingbeichte
  • Platz 6: Lustreisen
  • Platz 7: Second Life
  • Platz 8: Bundestrojaner
  • Platz 9: spritdurstig
  • Platz 10: Alles wird Knut
Witzig dieses Jahr: Die hier zweitplazierte Herdprämie hat es auf Platz 1 beim «Unwort des Jahres» geschafft. Auf den zweiten Platz wählte die Jury den Begriff «klimaneutral», auf Platz drei «entartet».

Dienstag, 15. Januar 2008

Steine, Kiesel, Sand

Ein Professor lehrte über Effektives Zeitmanagement. »Wir werden«, kündigte er an, »ein Experiment durchführen.«
Er stellte ein großes Glasgefäß auf den Tisch und füllte es sorgfältig mit Steinen, die er aus einem Karton entnahm. Schließlich war das Glas bis oben mit Steinen gefüllt. Er fragte seine Studenten: »Ist das Glas voll?«
Die einhellige Antwort war natürlich: »Ja.«
Er machte eine Pause und fragte: »Wirklich voll?«

Er holte einen Beutel mit Kies unter dem Tisch hervor und goss den Inhalt in das Glas, wobei er es leicht schüttelte. Die Kiesel bewegten sich zwischen den größeren Steinen hindurch nach unten und füllten nach und nach die Zwischenräume.
Schließlich fragte der Professor: »Ist das Gefäß voll?«
Wiederum antworteten die Studenten: »Ja.«

Nun brachte der Professor einen Beutel Sand aus seiner Aktentasche zum Vorschein und ließ die feinen Körner in das Gefäß rieseln. Der Sand füllte die verbliebenen Lücken zwischen Kieseln und Steinen.
Wieder seine Frage: »Ist das Glas voll?«
Nun war wirklich kein Platz mehr in dem Gefäß. Also war die Antwort: »Ja.«

Der Professor fragte, welche Lektion man aus dem Experiment lernen könne. Einer der Studenten meinte: »Egal, wie viel wir zu tun haben, es gibt immer noch Zeit für weitere Dinge.«
Der Professor lächelte. »Nein, das ist nicht richtig. Stellen Sie sich vor, die Steine wären die wichtigsten Dinge in Ihrem Leben: Liebe, Gesundheit, Familie, Freunde... - und die Kiesel wären ebenfalls wichtig, aber nicht so bedeutend wie die Steine. Der Sand, das sind die unwichtigen, nebensächlichen Dinge.«
Er machte eine Pause und fuhr fort: »Wenn Sie nun zuerst den Sand in das Gefäß füllen, bleibt nie und nimmer Platz für die wichtigen Dinge. Also stellen Sie fest, was in Ihrem Leben die Steine und die Kiesel sind und füllen Sie die zuerst in den Krug. Der Rest ist nur Sand.«

Nach dem Unterricht gingen die Studenten mit dem Glasgefäß in eine Kneipe und füllten ein Glas Bier in den Krug. Jetzt war er wirklich voll.

Quelle: Dem Volksmund abgelauscht und neu erzählt.

Montag, 14. Januar 2008

Der Sommer kommt...

...hoffentlich bald. Mir ist nämlich kalt. (Reimt sich sogar. Ganz wunderbar.)

Einstweilen kann man ja schon mal darüber nachdenken, ob die Herren im Pool wohl vergessen haben, den Strom einzuschalten? Der Grill scheint nicht heiß zu werden...


P.S.: Foto gefunden in der English Lounge.

Sonntag, 13. Januar 2008

Keinohrhasen Nachschlag 2

Die Diskussionen meines Artikels vom 1. Januar gehen noch munter weiter (in dieser Minute sind es 45 Kommentare), und auch Harald Martenstein bekommt auf seinen Beitrag in der ZEIT allerlei zu lesen (obwohl das Kommentieren dort durch Anmeldepflicht sehr erschwert wird). Selbst Fußballfreunde äußern sich recht eindeutig zu Til Schweigers niveaulosem Streifen.

Ich habe inzwischen eine Antwort von der FSK bekommen, die Argumentation legt teilweise den Gedanken nahe, dass diejenigen, die für die Freigabe ab sechs Jahren verantwortlich sind, einen anderen / gar keinen Film gesehen haben:

Die Ausschussmitglieder charakterisierten „Keinohrhasen“ als romantische Liebeskomödie, die gekonnt das Thema Liebe mit überzeugenden Darstellern wie Nora Tschirner und Till Schweiger umsetzt. In der Figurenzeichnung wird klischeehaft die Protagonistin Anna als „hässliches Entlein“ (riesige Brille, zu große Katzenstrickjacke) dargestellt, deren Charakterstärke und Beharrlichkeit es zu verdanken ist, dass Ludo sein oberflächliches und sexuell ausschweifendes Leben zu Gunsten einer „wahren“ Liebe beendet. Die filmischen Figuren bleiben in ihrer Zeichnung plakativ und klischeehaft, was die Zuordnung in Gut und Böse für zuschauende Kinder verständlich und einordenbar macht.


Ah ja. Ein richtig süßer Kinderfilm. „Hässliches Entlein“ bringt den Böseewicht auf gute Wege. Gut und Böse für Kinder verständlich dargestellt. - Welcher Film war das noch mal?

Als Orientierungsfiguren gerade für jüngere Zuschauer bieten sich die beiden Kindergärtnerinnen an, die während des ganzen Films liebevoll und entschlossen mit den Kids in Kindergarten und Hort leben. Und im Fokus der Aufmerksamkeit von zusehenden Kindern dürften vornehmlich die Kindergartenkids stehen, die gut gelaunt, selbstbewusst und stark in ihrer überzeugend kindgerecht gestalteten Spielewelt leben. In Sonnenlicht getaucht und mit aufwendig phantasievoll gestalteter Ausstattung wird diese mit Respekt dargestellte Welt der Kinder inszeniert, was für jüngere Zuschauer ein schönes Seherlebnis darstellen dürfte.


Eine in Sonnenlicht getauchte heile Kinderwelt voller lieber und entschlossener Erzieherinnen, ein schönes Seherlebnis für die kleinen Zuschauer im Kino. Na wenn das nicht ein Familienfilm ist...

Als prägend für die Rezeption erachteten die Ausschussmitglieder die ansprechend inszenierte Welt der Kinder, - sie leben authentisch in kindgerecht gestalteten Räumen und in der Natur und werden von liebevoll und humorvoll betreuendem Personal begeleitet. Inhaltlich transportiert die Komödie auch in für Kinder verständlicher und nachvollziehbarer Weise das Thema „wahre Liebe“ und grenzt dies deutlich zu groben, rüden, unpersönlichen und auf Sexualität reduzierten Beziehungen ab, wie sie eingangs von Ludo ausgelebt werden. Diese oberflächliche, sexfixierte Haltung Ludos stellt der Film sowohl szenisch als auch in der Sprache dar: Diese Filmanteile waren Grund für eine kontroverse Wirkungsdiskussion im Ausschuss.


Das Thema „wahre Liebe“ wird kindgerecht und verständlich zu den Kindern im Kino transportiert. Ach so. Und die „oberflächliche sexfixierte Haltung“ wird, was ja nicht weiter schlimm ist, szenisch und in der Sprache dargestellt. Immerhin hat ein kleiner Teil des Ausschusses bei der FSK wohl nicht geschlafen, als der Film vorgeführt wurde, sondern eine Diskussion entfacht:

Während die Ausschussminderheit die sexualisierte Sprache im Film als desorientierend und entwicklungsstörend für Kinder unter 12 Jahren beurteilte, vertrat die Ausschussmehrheit die Meinung, dass die derben Aussprüche keine nachhaltig belastenden Wirkungen nach sich ziehen, da sie zum einen gar nicht verstanden werden und zum anderen in der filmischen Erzählung und der Message des Films keine positive Entsprechung finden. Die für kleine Kinder tragfähigen Vorbildfiguren wie die Kindergärtnerinnen wenden derartige Sprachbilder nicht an und der Film arbeitet spür- und verstehbar die Haltung heraus, dass eine romantische Liebesbeziehung, wie Anna sie sucht und zum Ende des Films auch verwirklichen kann, die einzig Sinngebende ist


Eine Ausschussminderheit hatte also Ohren und Augen offen, als der Streifen lief. Der Rest scheint von einem anderen Film geträumt zu haben oder aus anderen Gründen abgelenkt gewesen zu sein. Die „derben Aussprüche ziehen keine nachhaltend belastende Wirkungen nach sich“, behauptet die FSK. Oralsex in Wort und Bild, Erbrechen beim Geschlechtsverkehr, die mehrfache wiederholte Frage an zahlreiche Taxifahrer nach dem „Blasen“ wohl auch nicht. Sagt die FSK. Die Kinder verstehen es ja nicht, reden sich die Ausschussmitglieder wohl ein, um ihr Gewissen, falls eins vorhanden ist, zu beruhigen.

Als nachhaltig prägend für die Rezeption wird somit die inhaltlich positive Orientierung des Films und nicht einzelne, derb sexualisierte Sprüche erachtet. Nach einer ausführlichen, kontrovers geführten Wirkungsdiskussion votierte die Ausschussmehrheit für eine Freigabe ab 6 Jahren.


Am Schluss des Antwortscheibens, aus dem ich hier Auszüge zitiert habe, bekam ich noch einen Tipp, den ich meinen Lesern nicht vorenthalten möchte:
Selbstverständlich haben Sie die Möglichkeit, sich an Ihr zuständiges Jugendministerium zu wenden, um evtl. eine nochmalige Prüfung des Films im Appellationsverfahren zu veranlassen.


Vielleicht bewirkan ja viele Zuschriften von vielen Menschen auf lange Sicht doch etwas? Zum Beispiel dass bei zukünftigen Entscheidungen der FSK die Ausschussmitglieder anwesend sind, wenn ihnen der Film vorgeführt wird. Man erreicht die FSK über fsk at spio-fsk punkt de, die jeweiligen Jugendministerien für die Bundesländer sind im Internet leicht zu finden.

Freitag, 11. Januar 2008

Kleine Schritte, große Wirkung

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit begleitete mich wieder mal Bob Dylan als Moderator der Theme Time Radio Hour - die Walking-Edition von gestern. Herr Dylan plaudert darin auch über Arthur Blessitt, den Mann, der in den 80ern begann, das Kreuz um die Welt zu tragen.

Ich lernte Arthur damals kennen, war mit ihm auf dem Ku'Damm (seinerzeit das Herz Berlins) und auch dabei, als er im Olympiastadion das Kreuz quer über das Spielfeld trug und es dort aufrichtete, wo Hitlers Flamme gebrannt hatte. Es war einer der unvergesslichen Momente in meinem Leben. Tausende im Olympiastadion brachen in Jubel und Lobpreis aus. Ich auch.

Heute ist die Mauer längst verschwunden, niemand wird mehr erschossen oder von Minen zerfetzt, weil er von Deutschland nach Deutschland will. Vielleicht war die Handlung von Arthur Blessitt damals ein kleiner Schritt von vielen, ein prophetischer Akt, dessen Bedeutung niemand, auch Blessitt nicht, abschätzen konnte? (Ich habe jedenfalls in den 80ern nicht damit gerechnet, dass es zu meinen Lebzeiten eine Wiedervereinigung geben könnte.) Viele solcher kleinen Schritte haben unser Land vorangebracht.

Es gibt noch viel zu tun, also will ich lieber kleine, unbedeutend scheinende Schritte gehen, als entmutigt auf der Stelle verharren.

Dick und Dünn

Dieter Pfaff - Foto vom WDRDas Stuttgarter Institut für rationelle Psychologie befragte, wie der Spiegel berichtet, rund 20.000 Männer und Frauen zwischen 18 und 79 Jahren. Erstmals war der Bauchumfang Grundlage der Studie: Experten messen ihm eine höhere Bedeutung zu als dem bisher gültigen Body-Mass-Index (BMI). Bei mehr als 93 Zentimetern steigt das Risiko von Infarkten und Diabetes, 102 Zentimeter und mehr gelten als lebensgefährlich.

Männer und Frauen in Hamburg sind die schlanksten Deutschen, dort ist der Weg einmal um die Leibemitte im Durchschnitt bei Männern 94,81 Zentimeter und bei Frauen 83,63 Zentimeter lang. Auf den weiteren Plätzen folgen Bremen und Berlin.
Am dicksten sind die Ostdeutschen – Männer wie Frauen. Die Männer in Thüringen bringen es im Durchschnitt auf einen Bauchumfang von 98,27 Zentimeter. Auf Platz zwei und drei der Rangliste stehen Mecklenburg-Vorpommern mit 98,10 und Sachsen-Anhalt mit 97,95 Zentimetern Bauchumfang.

Meine Schlussfolgerung: Wer zu dick ist, sollte schleunigst nach Hamburg ziehen. Wer an Magersucht leidet, sucht sich eine Wohnung in Thüringen. Und alles wird gut.

P.S.: Komisch: Mich hat keiner ausgemessen.
P.P.S.: Wo ist denn bloß mein Zentimertermaß geblieben?
P.P.P.S.: Wo wohnt eigentlich Dieter Pfaff?

Donnerstag, 10. Januar 2008

Keinohrhasen Nachschlag 1

Selten hat einer meiner Einträge zu solch umfangreichen Diskussionen geführt wie der letzte Woche über die Hasen, die keine Ohren besitzen.
Heute machte mich ein aufmerksamerLeser per Kommentar darauf aufmerksam, dass DIE ZEIT einen Kommentar zum Film gebracht hat, der mir gut gefallen hat: Frei ab Sechs

Heute ist Pfingsten

Lesenswert ist der (ungewohnt kurze) Beitrag von Storch über Markus 9, 1 - eine (mir neue, aber völlig nachvollziehbare) Erklärung zum scheinbaren Irrtum mit dem Kommen des Reiches Gottes zu Lebzeiten einiger der Jünger.
So gesehen ist heute Pfingsten. Und so gesehen sollten wir eigentlich das Reich Gottes in seiner ganzen Macht unter uns erleben. Einschließlich Zeichen und Wundern, natürlichen und übernatürlichen Bestandteilen.

Erfahrungen mit Gottes Kraft

Was hat ein Evangelist eigentlich in einer Disco zu suchen? Mancher meint: Nichts. Und das ist schade, denn im gepflegten Gotteshaus wird man einen großen Teil der jüngeren Generation kaum antreffen.

Reinhard Bonnke berichtet in diesem Buch unter anderem von einem Disco-Besuch und den Folgen. Er erzählt zwölf Geschichten von Erfahrungen mit einem Gott, der von seiner Kraft nichts eingebüßt hat. Dieser Gott ist in der Lage, einen zum Tode verurteilten Mann aus dem Gefängnis zu holen, einer unfruchtbaren Frau eine Schwangerschaft zu ermöglichen, einen Lastzug mit der Riesenaufschrift JESUS unbehelligt durch ein moslemisches Land mitten im religiösen Aufruhr zu bringen. Dieser Gott schert sich auch nicht um die Theologie, sondern er kümmert sich um den Einzelnen, den kleinen Niemand in der Masse.

Der Evangelist ist manchmal störrisch:
Ich sagte: "Gut, ich werde jetzt für Sie beten und dann werden Sie aufstehen." Doch John fragte: "Was meinen Sie damit: Aufstehen? Meine Frau kann nicht stehen..." Ich antwortete, zu ihr gewandt: "Ich werde jetzt für Sie beten und dann werden Sie aufstehen."

Bei vielen der geschilderten Begebenheiten war er gar nicht dabei oder beteiligt - ich finde es sehr sympathisch, dass er gerade solche Episoden berichtet. Vor allem ist es aber auch ein ehrliches Buch, in dem nicht überall nur eitel Sonnenschein herrscht:
An dieser Stelle würde ich nun am liebsten die Geschichte beenden. Doch ... die weitere Geschichte Davids enthält eine Lektion ... die wichtiger ist als ein oberflächliches Happy-End. ... Er pflegt auch keine Gemeinschaft mehr mit anderen Christen, sondern verließ seine Heimat ... und verlor sich irgendwo in den Slums von Soweto. Welch eine Tragik!
Das Buch liest sich flüssig und die Lektüre wird an keiner Stelle langweilig. Die Einzelschicksale und Begebenheiten öffnen dem Leser den Blick für die Möglichkeiten Gottes im eigenen Leben - und wer erst einmal verstanden hat, dass dieser Jesus, den Reinhard Bonnke verkündet, nicht nur eine historische Figur, sondern heute und hier aktiv ist, hat einen wichtigen Schritt zur eigenen Erfahrung mit Gottes Kraft getan. Eine Lektüre, die sich lohnt, auch für Zweifler, Atheisten und sogar für langjährig Gläubige.

"Dieses Buch wird Sie fesseln!", verspricht der Herausgeber. Was mich betrifft, hatte er Recht.

Bestellen kann man am einfachsten direkt bei E-R: Erfahrungen mit Gottes Kraft