Montag, 26. Januar 2009

Erhebliche Wartezeiten

Während die beste aller Ehefrauen sich mit einem ordentlich gewandeten Herrn (Fliege, schwarzes Jacket, weißes Hemd, Einstecktuch im Jacket - oder ist es gar ein Smoking?) offenbar bestens verstand...


...nahm ich, eher beiläufig gekleidet, wenngleich selbstverständlich behütet, einige Minuten auf Herrn Loriots bestem Sofa Platz, um die ermüdeten Beine ein wenig ausruhen zu lassen.


Die Hommage an Loriot anlässlich seines 85sten Geburtstages bot uns allerlei Material, vor allem aus den frühen Schaffensjahren des Humoristen, das wir noch nicht kannten. Allerdings waren ob des nicht unerheblichen Andranges von Besuchern und der spärlich vorhandenen Kopfhörer an den Video-Stationen erhebliche Wartezeiten nicht zu umgehen. Spaß gemacht hat es trotzdem. Bis Ende März kann man sich das Vergnügen noch gönnen, so man in Berlin weilt.

P.S.: Nein, die beste aller Ehefrauen trug keinen blauen Haarschmuck. Das ist wieder mal ein Orb.

Sonntag, 25. Januar 2009

Och nö, muss nich sein...

Gestern haben wir uns etwas zugemutet, was wir für die nächsten 20 Jahre nicht wiederholen werden: Ein Besuch auf der »Grünen Woche«.
Die beste aller Ehefrauen hat der Erinnerung zufolge zuletzt vor ca. 25 Jahren die »Grüne Woche« besucht, ich meine, dass mein letzter Gang durch die Ausstellung noch etliches weiter zurück liegt. Jedenfalls erinnerten wir uns beide, dass man zwar Eintritt bezahlte, aber dann an den Ständen reichlich Leckereien probieren und Tüten voll Kostproben mit nach Hause nehmen konnte.
Na ja. Früher. Früher hatten wir einen Kaiser...

Eintritt pro erwachsener Nase 12 Euro, das sind rund 24 Mark in echtem Geld. Dafür bekommt man außer dem Einlass in die Messe nichts. An den Ständen: Ein Zahnstocher mit 3 Bröckelchen Käse: 1,50 Euro. Ein Kaviarbrotminischeibchen (Durchmesser etwa der eines 5-Mark-Stückes) konnte für 3,00 Euro probiert werden. Eine Kostprobe Bier: 3,50 Euro. Und so weiter... Natürlich haben wir derartig unmoralische Angebote nicht angenommen.
Neben der Unverschämtheit der Aussteller, für Kostproben Geld zu verlangen, haben es die Menschenmassen unmöglich gemacht, der »Grünen Woche« irgend etwas abzugewinnen, was uns zu dem Gedanken verleiten könnte, womöglich nächstes Jahr die Messe wieder zu besuchen. Nun soll man nicht über ein Problem meckern, dessen Teil man selber ist (wir waren ja unstrittig auch Besucher), aber man muss das ja nicht wiederholen. Es war schlicht unmöglich, normal zu gehen, so eingekeilt waren wir zwischen zum Teil am frühen Nachmittag bereits deutlich angetrunkenen Menschen. Dazu dröhnte von allen möglichen Bühnen und aus Lautsprechern an den Ständen verschiedener Aussteller unerträgliche Schlagermusik.

Fazit: Die nächsten 20 Jahre lautet unsere Antwort, wenn die Grüne Woche stattfindet: Och nö, muss nich sein...

Heute Nachmittag sehen wir uns die Loriot-Ausstellung an. Hoffentlich ein erfreulicheres Ereignis.

Samstag, 24. Januar 2009

Bob kann aufatmen!

Bob Dylan kann aufatmen. Falls er meinen Blog oder Welt-Online liest, ist seine Suche so gut wie beendet. Er hatte ja bekanntlich in dem Lied »Thunder on the Mountain« bekannt gegeben:
I was thinkin' 'bout Alicia Keys, I couldn't keep from crying
When she was born in Hell's Kitchen I was living down the line
I'm wondering where in the world Alicia Keys could be.
I've been looking for her even clear through Tennessee.
Nun waren wir, um Bob behilflich zu sein, im Juli 2008 in New York und sind auch nach Hell's Kitchen hineingewandert, aber Alicia Keys lief uns nicht in die Arme. Schade. Jetzt jedoch wurde sie gesichtet, bei den Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Barack Obama. Welt-Online liefert den Beweis:

Nun muss Bob Dylan nur noch die Fluggesellschaften fragen, wohin sie von Washington geflogen ist. Dann dürfte es einigermaßen einfach sein, sie endlich aufzutreiben. Falls sie allerdings den Greyhound Bus genommen haben sollte, ist ihre Spur schon wieder verwischt. That would be something!

Na ja. Ich halte jedenfalls die Augen offen, wenn ich heute zum Einkaufen gehe. Vielleicht steht sie beim Kaufland in der Schlange an der Kasse? Falls ja - hat jemand Bobs Telefonnummer, damit ich ihn gegebenenfalls gleich anrufen kann?

Freitag, 23. Januar 2009

Linda 2 und Linda 4

Gelegentlich fragen mich Leser, wann ich denn wisse, dass ein Text »fertig« sei. Die ehrliche Antwort lautet, dass meine Texte nie fertig sind. Irgendwann werden sie den Lesern präsentiert, und fünf Minuten später sehe ich dieses und jenes, was ich hätte anders machen sollen…

Manche Erzählung bleibt jahrelang unveröffentlicht, andere kommen relativ schnell aus der (virtuellen) Schublade, weil meine Bearbeitung mir (zum jeweiligen Zeitpunkt) »fertig« scheint. Und dann wird - manchmal schon Minuten später - doch wieder gefeilt, geschrubbt und poliert...

Nun will ich anlässlich des Erscheinens von »Liebe und Alltag« den geneigten Lesern einen direkten Vergleich zwischen zwei Versionen gestatten, und zwar anhand der kurzen Kneipenszene, die »Linda« heißt, obwohl Linda schon längst weg ist.

Die zweite geschriebene Version stellte ich seinerzeit (auch hier) vor, die vorangegangene erste verdiente es noch nicht, fremden Augen präsentiert zu werden. Nach der Blog- und Forumveröffentlichung gab es mit der dritten Version einen Zwischenstand, und schließlich für das Buch die vierte Version.

Linda - Version 2 vom 15. Dezember 2008

»Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelte einer in unser Gruppe am Tresen. »Sie hat eine Pistole in der Handtasche und ist auf dem Weg zu ihrem Verlobten.«
Linda war schon durch den Ausgang der Bar verschwunden. Keiner von uns bewegte sich, obwohl wir wussten, dass wir etwas hätten unternehmen sollen. Oder rechtzeitig den Schnabel halten, aber niemand hatte bemerkt, dass Linda in die Bar gekommen war, und wir plauderten unbekümmert miteinander.
Eigentlich war das Gespräch nur zufällig darauf gekommen, dass Lindas Verlobter mit Jenny geschlafen hatte. Haben sollte. Eventuell. Keiner wußte etwas, alle mutmaßten und ein Wort gab das andere, wie es eben so ist, wenn man an der Bar sitzt und schon ein paar Bierchen intus hat.
Jetzt war Linda wieder weg.
»Er weiß ja noch nicht einmal, dass sie auf dem Weg zu ihm ist«, meinte ich, »sie klopft an die Tür und peng!«
»Was ist nur aus dieser Welt geworden…«, sagte der ältere Herr mit der braunen Mütze, von dem keiner so recht wusste, wer er war. Er saß so gut wie jeden Abend in der Bar, wie wir alle.
Mein Vater hatte mir immer gesagt, dass zwischen Liebe und Hass nur eine hauchdünne Grenze existieren würde. Ist die erst einmal überschritten, gibt es kein zurück mehr. Vielleicht stand ich deshalb nicht auf, um Linda zu folgen, nahm ich deshalb nicht das Telefon in die Hand, um ihren Verlobten zu warnen.
»Früher«, sagte Jack, »gab es noch Treue. Heute gilt das alles nichts mehr. Man kann gar nichts machen.«
»Das geht nicht gut aus«, mutmaßte Paul. Paul meinte immer, er sei eben Realist, wir hielten ihn für einen unverbesserlichen Pessimisten. »Ich habe da ein ganz böses Gefühl, der Typ sollte auf der Hut sein, Linda hat eine Knarre und Linda ist stinksauer.«
Ich entgegnete: »Warum muss er auch mit Jenny rummachen, er hat ja die Kiste der Pandorra selbst geöffnet!«
»Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelte wieder einer, ich glaube, es war Jack. Seine Stimme klang aber nicht so wie sonst. So, als kämpfte er mit den Tränen. Ausgerechnet unser harter Jack!
Paul meldete sich wieder zu Wort, nachdem er sein Glas in einem Zug geleert hatte: »Es sind immer die Frauen, die den Männern zum Verhängnis werden.«
»Simson wegen Delilah, Ahab wegen Jezebel, König David wegen Bathseba«, stimte ich zu. Ich gab gerne mit meiner Bildung ein bisschen an. Die anderen kannten das nicht anders.
Paul nickte: »Und steckte nicht auch eine Frau dahinter, als Johannes der Täufer geköpft wurde?«
»Linda hat geweint«, sagte die tränenschwangere Stimme. Es war tatsächlich Jack. »Die ganze Schminke verschmiert, und sie hat sich noch nicht einmal das Gesicht gewaschen, ist einfach losgestürmt. Hat in ihre Handtasche geschaut, die Pistole halb rausgezogen, wieder reingesteckt und weg war sie. Jemand sollte Linda aufhalten!«
Ich ergänzte: »Eine Beretta, sie hat eine Beretta.«
Wir nickten, alle, glaube ich. Der Wirt stellte volle Gläser auf den Tresen.
Ich trank einen großen Schluck.
Sandra quetschte sich zwischen mich und Paul. »Hast du schon was vor?«, fragte sie mich.
»Wie, vorhaben?«
»Na ja, ich würde jetzt nach Hause gehen und bin so alleine.«
»Lass mich noch austrinken, dann gehen wir«, meinte ich und legte ihr den Arm um die Schultern.

Linda - Version 4 vom 21. Dezember 2008

»Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelt einer in unser Gruppe am Tresen. »Sie hat eine Pistole in der Tasche und ist auf dem Weg zu ihrem Verlobten.«
Linda ist schon durch den Ausgang der Bar verschwunden. Keiner von uns bewegt sich, obwohl wir wissen, dass wir etwas unternehmen sollten. Wir hätten rechtzeitig den Schnabel halten müssen, aber niemand hatte bemerkt, dass Linda in die Bar gekommen war, und wir plauderten unbekümmert miteinander.
Eigentlich war das Gespräch nur zufällig darauf gekommen, dass Lindas Verlobter mit Jenny geschlafen hatte. Haben sollte. Eventuell. Keiner wusste etwas, alle mutmaßten und ein Wort gab das andere, wie es eben so ist, wenn man an der Bar sitzt und schon ein paar Bierchen intus hat.
Jetzt ist Linda wieder weg.
»Er weiß ja noch nicht einmal, dass sie auf dem Weg zu ihm ist«, meine ich, »sie klopft an die Tür und peng!«
»Was ist nur aus dieser Welt geworden…«, sagt der ältere Herr mit der braunen Mütze, von dem keiner so recht weiß, wer er ist. Er sitzt so gut wie jeden Abend in der Bar, wie wir alle.
Mein Vater hatte mir immer gesagt, dass zwischen Liebe und Hass nur eine hauchdünne Grenze existieren würde. Ist die erst einmal überschritten, gibt es kein zurück mehr. Vielleicht stehe ich deshalb nicht auf, um Linda zu folgen, nehme ich deshalb nicht das Telefon in die Hand, um ihren Verlobten zu warnen.
»Früher«, sagt Jack, »gab es noch Treue. Heute gilt das alles nichts mehr. Man kann gar nichts machen.«
»Das geht nicht gut aus«, mutmaßt Paul. Paul meint immer, er sei eben Realist, wir halten ihn für einen unverbesserlichen Pessimisten. »Ich habe da ein ganz böses Gefühl, der Typ sollte auf der Hut sein, Linda hat eine Knarre und Linda ist stinksauer.«
Ich entgegne: »Warum muss er auch mit Jenny rummachen, er hat ja die Kiste der Pandora selbst geöffnet!«
»Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelt wieder einer, ich glaube, es ist Jack. Seine Stimme klingt aber nicht so wie sonst. So, als kämpfte er mit den Tränen. Ausgerechnet unser harter Jack!
Paul meldet sich wieder zu Wort, nachdem er sein Glas in einem Zug geleert hat: »Es sind immer die Frauen, die den Männern zum Verhängnis werden.«
»Simson wegen Delilah, Ahab wegen Jezebel, König David wegen Bathseba«, stimme ich zu. Ich gebe gerne mit meiner Bildung ein bisschen an. Die anderen kennen das nicht anders.
Paul nickt: »Und steckte nicht auch eine Frau dahinter, als Johannes der Täufer geköpft wurde?«
»Linda hat geweint«, sagt die tränenschwangere Stimme. Es ist tatsächlich Jack. »Die ganze Schminke verschmiert, und sie hat sich noch nicht einmal das Gesicht gewaschen, ist einfach losgestürmt. Hat in ihre Handtasche geschaut, die Pistole halb rausgezogen, wieder reingesteckt und weg war sie. Jemand sollte Linda aufhalten!«
Ich ergänze: »Eine Beretta, sie hat eine Beretta.«
Wir nicken. Jack ist jetzt still, aber er atmet heftig. Der Wirt stellt volle Gläser auf den Tresen.
Ich trinke einen großen Schluck.
Sandra quetscht sich zwischen mich und Paul. »Hast du schon was vor?«, fragt sie mich.
»Wie, vorhaben?«
»Na ja, ich würde jetzt nach Hause gehen und bin so alleine.«
»Lass mich noch austrinken, dann gehen wir«, antworte ich und lege ihr sanft den Arm um die Schultern.

Aufmerksame Leser dürften die kleinen Korrekturen bemerken, die der Text erfahren hat. Inzwischen gibt es eine fünfte Version...

Donnerstag, 22. Januar 2009

Mittwoch, 21. Januar 2009

Im Namen der Liebe...

Kürzlich wies ich hier auf eine Unterschriftensammlung hin, deren Ziel - 30.000 Unterschriften - mittlerweile überschritten wurde. Nunmehr werden 50.000 angepeilt.

Was bringen solche Aktionen von ONE eigentlich?

»ONE-Campainers were heard«, freut sich Bono, einer der Gründer, der gerade »In the Name of Love« vor dem Washington Memorial gesungen hat. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat zugesagt, die Hilfsmaßnahmen für Afrika in seiner ersten Amtsperiode zu verdoppeln - vor ein paar Monaten bekam er zigtausende Unterschriften überreicht, die ONE gesammelt hatte, um ihn trotz Wirtschaftsabschwung an die Ärmsten der Armen zu erinnern. Beide Kandidaten, seinerzeit war noch Wahlkampf, sagten Hilfe zu. »He's got a heart for these poor«, stellt Bono bezüglich Obama fest:



Hier kann man immer noch die Petition an Premierminister Gordon Brown unterzeichnen: Please include Africa!

Montag, 19. Januar 2009

Neues Buch: Liebe und Alltag


Oft genug prägt die Liebe unseren Alltag, noch häufiger jedoch der Alltag die Liebe, und nie sind wir wirklich sicher, wohin sich Alltag oder Liebe entwickeln werden. Von den nervösen Momenten vor dem »ersten Mal« bis zum friedlichen Abschied vom Diesseits zeichnet der Autor in 16 Erzählungen eine Vielzahl von Empfindungen und Hoffnungen, Ernüchterungen und Erkenntnissen auf. (Klappentext)
Ich hatte vor einigen Wochen auf diesem Blog in Form einer Wortwolke einen - zugegeben kryptischen - Hinweis gegeben, dass etwas kommen würde, was noch nicht offenbart werden konnte. Nun erfolgt Aufklärung: Die Wortwolke wurde seinerzeit aus dem Entwurf zum Vorwort eines neuen Buches kreiert.
Dann hatte ich wenig später in einem Nebensatz einen weiteren - nicht minder kryptischen - Hinweis versteckt: »Deadline ist eben Deadline, würde Tina sagen, aber über Tina zu erzählen, fehlt mir jetzt die Zeit...« heißt es in diesem Beitrag.
Ich will auch jetzt nicht von Tina erzählen. Tina lernt man kennen, wenn man »Liebe und Alltag« liest.
Warum so viel Geheimnistuerei? Ganz einfach: Das Buch sollte eine Überraschung, ein Geschenk für die beste aller Ehefrauen zum gestrigen Geburtstag werden. Es war denkbar knapp, da wegen der Weihnachts- und Neujahrstage bei Verlag und Druckerei Zeitverzögerungen im Herstellungsprozess nicht ausblieben. Aber: Es hat geklappt - die Lieferung kam rechtzeitig vor dem 18. Januar hier an.

Nun ein paar Worte zum neuen Buch:

Kürzlich beim Abendessen im Hause eines befreundeten Ehepaares beschwerte sich die Gastgeberin: »In deinem Buch Gänsehaut und Übelkeit ist ja nun wirklich kaum etwas für zarte Gemüter wie mich enthalten.«
Ich antwortete: »Deshalb heißt es ja auch so, wie es heißt. Und ziert nicht ein blutverschmiertes Messer den Umschlag?«
»Na ja, das stimmt natürlich. Ich war vorgewarnt. Aber das mit dem Auge, gleich am Anfang… grauenhaft! Wie kommt man bloß auf solche Ideen?«
»Man muss nur«, schlug ich vor, »am 2. Januar eine Tageszeitung aufschlagen und nachlesen, welche Unfälle es mit Feuerwerkskörpern gegeben hat.«
»Hmmm hmmm. Nimm doch noch Pasta, es ist so viel da. Und schreib doch mal was Nettes, vielleicht ein wenig romantisch oder so. Noch ein Bierchen?«

Die liebe Gastgeberin und andere Leser können aufatmen: Für das Buch Liebe und Alltag habe ich unblutige Erzählungen verfasst, diese mit einigen älteren Texten zusammengestellt und dann alles noch einmal überarbeitet. Die Geschichten haben – nomen est omen - irgendwie mit Liebe und Alltag zu tun. Falls also jemandem Gänsehaut und Übelkeit zu blutrünstig war: Womöglich gefällt diese Sammlung eher.
Einen Hinweis will ich jedoch unbedingt loswerden. Sie sollten dieses Buch nicht kaufen, wenn Sie auf der Suche nach Herz-Schmerz-Literatur sind. Hedwig Courts-Mahler gehört nicht zu meinen literarischen Vorbildern.
Zur Sprache kommen die unerhörte, die verdorrte, die verschmähte Liebe, aber durchaus auch die andere, wohltuende, nach der wir uns wohl alle sehnen. Die kommt in diesem Buch natürlich ebenso zu Wort.
Auch die Alltagserlebnisse beschränken sich keineswegs auf die Art, die unsere Mundwinkel unweigerlich nach oben zieht. Solche gibt es auch, allemal, aber ich will nicht verhehlen, dass manches Ereignis von jener Art ist, bei der wir ein Tintenfass nach dem Störenfried werfen, wenn denn eines zur Hand sein sollte.

Ach so: Falls Ihnen Gänsehaut und Übelkeit gefallen hat, sollte dies natürlich kein Hindernis darstellen, sich auch mein neues Buch zu leisten, zumal es etwas preiswerter ist…

Interessiert? Prima!

Liebe und Alltag
16 Erzählungen
ISBN 978-3-8370-8186-2
bod Norderstedt
Paperback, 136 Seiten
€ 9,95 (inkl. MwSt.)

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Sonntag, 18. Januar 2009

John Grisham: Playing for Pizza

Ich verstehe weder die Regeln noch die Faszination des American Football. Mir ist nicht klar, was ein Quarterback zu tun hat. Ich begreife nicht, was gemeint ist, wenn ich lese:
They huddled, and Rick called, "Twenty-six smash." They headed for the line. In an I formation, with Franco four yards behind him at fullback and Sly seven yards deep, Rick quickly scanned the defense and saw nothing that worried him. ... By halftime, he had two more touchdowns, and the Panthers were up 28-14.
Dennoch habe ich das Buch, in dem solche Passagen nicht ausbleiben können, da es um einen Football-Spieler geht, mit Vergnügen gelesen.

»Playing for Pizza« ist bereits einige Jahre alt, aber ich hatte lange gezögert, ob ich es überhaupt lesen will. Jeder Autor darf sich ja ein ganz und gar schlechtes (=langweiliges) Buch leisten, und das hatte der von mir ansonsten sehr geschätzte John Grisham mit »Bleachers« bereits erledigt. In jenem uninspirierten und faden Werk ging es um Football. Daher wohl meine Berührungsängste...
Nun waren wir kürzlich im Urlaub, meine Lektüre ging zur Neige und in einem tschechischen Buchladen wurde in einer kleinen Regalnische mit englischsprachigen Büchern auch »Playing for Pizza« feilgeboten. So kam das Buch, das ich bisher gemieden hatte, doch noch in meine Hand. Ich habe es nicht bereut!

Dieser Roman ist eine Liebeserklärung an Italien. Es gib kaum spektakuläre Szenen, keine Morde geschehen, keine juristischen Gemeinheiten finden statt. Statt dessen nimmt uns John Grisham mit in die Oper, ins Restaurant, in die Trattoria, in Museen und Kirchen, kleine Dörfer und größere Städte.
Rick Dockery, der womöglich miserabelste Football-Quarterback (was immer ein Quarterback auch sein mag) Amerikas findet keinen Job mehr in seiner Heimat. Kein Verein will ihn haben. So landet er in Europa, in Italien, in Parma. Dort gibt es nicht nur den besten Schinken der Welt, den besten Parmesan und den besten Wein, wie ihm die Einheimischen immer wieder versichern. Es gibt auch einen Football-Club, die Panthers of Parma. Und diese Mannschaft hat unseren Helden aus Amerika angeheuert, mehr oder weniger für Unterkunft, Miniaturauto und - libris nomen est omen - Pizza.
They stepped inside, and whatever Carlo was preparing back in the kitchen hit them hard. The aroma of garlic and rich meat sauces and frying pork hung like smoke over the front room, and Rick was ready to eat. ... "Next", he said, pointing to the first loop, "is the world-famous prosciutto. You say Parma ham. Made only here, from special pigs raised on barley oats and the milk left over from making the parmigiano. ... For someone who still enjoyed McDonald's, the tastes were astounding. The flavors coated every taste bud in his mouth and made him chew as slowly as possible.
Mir hat dieser »italienische Grisham« vie Spaß gemacht, auch wenn ich, wie gesagt, die Passagen mit den Beschreibungen der jeweiligen Situationen während der Football-Spiele nicht verstanden habe. Immerhin bekam ich mit, wer am Schluss des Spieles gewonnen und wer verloren hat. Das reicht auch völlig, um den Roman genießen zu können.

Mein Fazit: Nicht Grishams bestes Buch, aber lesenswert, weil kurzweilig und amüsant. Man erwarte keinen Thriller, sonst ist die Enttäuschung unausweichlich. Man erwarte vielmehr die Begegnung mit liebenswert-schrulligen Charakteren und die Irrungen und Wirrungen, die durch den Zusammenprall von europäischer Kultur und amerikanischer Ahnungslosigkeit unausweichlich kommen müssen.

Zu finden unter anderem hier bei Amazon: Playing For Pizza: A Novel


P.S.: Gelesen habe ich das Original, kann daher zur deutschen Übersetzung nichts anmerken.
P.P.S.: Morgen ist hier, aus gegebenem Anlass, von einem anderen Buch, selbiges wurde unlängst in deutscher Sprache verfasst, die Rede.

Samstag, 17. Januar 2009

Nothing. Nichts. Zero. Nada. Zip. Zilch. Rien.


Die »Theme Time Radio Hour« gibt es wöchentlich. Gelegentlich weise ich hier auf eine Episode hin, die mir besonders gut gefällt. Die neueste mit dem Thema »Nothing« ist eine solche.

Ein gut gelaunter und gut informierter Gastgeber und eine abwechslungsreiche Musikauswahl zusammen mit einer witzigen sogenannten E-Mail und einem schräg gefälschten Anruf unterhalten wieder mal prächtig. Grauenhaft ist nur ein Lied, aber vielleicht gefällt gerade das jemand anderem besonders gut. Geschmäcker sind und bleiben verschieden, und das ist auch gut so.

Ellen Barkin beginnt mit einem netten Vierzeiler, dann bringt Bob Dylan zu Gehör:
  • Nuttin' But A "G" Thang - Dr. Dre Featuring Snoop Dogg (im Hintergrund)
  • Nothing - The Fugs (das ist der grausige Song!)
  • Don't Say Nothin' Bad About My Baby - The Cookies
  • There Is Nothin' Like A Dame - Sammy Davis Jr.
  • Sweet Nothin's - Brenda Lee
  • I Got Plenty O' Nuttin' - Frank Sinatra
  • It's Nothing To Me - Harry Johnson
  • Nothing But The Wheel - Peter Wolf (mit Mick Jagger)
  • No Love, No Nothin' - Marlene Dietrich (Herr Dylan spricht sie »Dietrik« aus)
  • Nothing Takes The Place Of You - Toussaint McCall
  • I Ain't Got Nothing But The Blues - Mose Allison
  • That Ain't Nothin' But Right - Mac Curtis
  • You Ain't Nothin' But Fine - Rockin' Sidney
  • Nothing - Townes Van Zandt
Nächste Woche geht es statt um »Nothing« dann um »Something«. Schaun mer mol. So, nun der Link zum Download bei Croz:

Theme Time Radio Hour - Saison 3 - Folge 12 - Nothing

Freitag, 16. Januar 2009