Sonntag, 17. Mai 2009

Nicht ganz geschafft...

Gestern (Samstag) habe ich etwa 11 Stunden gearbeitet. Zunächst zwei am Lektorat eines Buches über Gemeindegründung und dann neun an der neulich erwähnten Übersetzung. Dafür verzichtete ich - welch großes Opfer! - auf die Teilnahme am Putzeinsatz unseres Hauskreises in den Gemeinderäumen.

Ich hatte mir vorgenommen, bis zum zehnten Kapitel (einschließlich) des Buches zu kommen, aber statt dessen stecke ich noch im neunten. Na ja. Ziel nicht ganz erreicht.

Abends waren wir dann bei Freunden zu Gast, einfach nur so, aus Freundschaft, ohne sonstigen Anlass. Das war schön und entspannend und tat gut.

Samstag, 16. Mai 2009

Die Spinner

Mancher nimmt ja kein Blatt vor den Mund. Neulich meinte jemand zu mir, als es um emergente Konversation ging: »Alles Spinner.«
Ich zitierte antwortend Mark Twain: »Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat. «

Freitag, 15. Mai 2009

Herzlichen Glückwunsch!

Heute feiert ein Blog, den ich schon abonniert hatte, bevor ich selbst zum Blogger mutierte, Geburtstag: Die Schönheit des Simplexen. Damals hieß er noch irgendwie anders, »Die Komplexität des schönen Storches« oder so was. Weißnichtmehrwie.

Egal - ich gratuliere ganz herzlich und bedanke mich beim Storch für unzählige wertvolle Impulse, Gedankenanstöße, Lehrreiches, Unterhaltsames und vieles mehr. Und ich freue mich auf die nächsten vier Jahre.

Eifersucht

Franz Grillparzer: »Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.«
Ich: »Stimmt. Also lieber sein lassen.«

Donnerstag, 14. Mai 2009

Austritt

Ein Kollege aus dem Schwabenländle (die wissen, wie man sparen kann!) schickte mir dieses Formular (Klick auf das Bild zum Vergrößern / Herunterladen) verbunden mit der Frage, ob ein entsprechender Austritt auch in Berlin möglich sei.
Ich würde es ja versuchen, aber welche Begründung soll ich ankreuzen?
  1. Ich habe schon einmal Steuern bezahlt und es hat mir nicht gefallen. Der entsprechende Zahlungsnachweis ist in der Anlage beigefügt und erläutert.
  2. Ich bin verheiratet und mein Partner macht zuviel Sonderausgaben. Außerdem ist er eine außergewöhnliche Belastung und behindert mich körperlich.
  3. Der Bundesfinanzminister war mit mir im gleichen Kindergarten, ich kenne einen persönlichen Freund des Bundeskanzlers und mehr als drei Finanzbeamten.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Gastbeitrag Jonathan Brink: Der Kreis der Einbeziehung

Was ich, wenn die Rede auf meine Teilnahme am emergenten Dialog kommt, immer wieder höre, ist die mit einem Vorwurf gekoppelte Frage: »Was tut ihr da eigentlich? Ihr redet doch nur!« Als sei es verwerflich, zu reden, auszutauschen, andere Gesichtspunkte und Meinungen kennen zu lernen, darüber zu diskutieren. Womöglich ist es typisch deutsch, immer etwas tun zu wollen? Resultate vorweisen zu müssen, damit etwas sinnvoll wird?

Nur typisch deutsch scheint es nicht zu sein. Aus dem folgenden Artikel aus Amerika von Jonathan Brink hatte ich neulich schon den enthaltenen Witz mit der emergenten Glühbirne zitiert. Ich finde, dass der Text zumindest einen Teil der Probleme sehr treffend beschreibt, die manche Kritiker auch hierzulande mit Menschen wie mir haben: Wir wollen weder eine neue Kirche oder Bewegung gründen, noch geben wir uns Statuten, Satzungen oder sonstige Regelwerke. Wir grenzen nicht die herkömmlichen Gemeindeformen oder Frömmigkeitsstile aus, sondern wir denken über ihre Formen hinaus und stellen uns vor, dass es vielleicht noch mehr Möglichkeiten und Ausprägungen gibt, Glauben zu leben. Wir reden nur. Jawohl. Und das ist auch gut so.

Hier der Text »The Circle of Inclusion« in meiner Übersetzung:

Kürzlich unterhielt ich mich mit jemandem, der über die emergente Gemeinde wirklich frustriert war. Er ärgerte sich außerordentlich über etwas, was er als andauernde Matschigkeit empfand, und ich verstand ihn sehr gut. Das Gespräch innerhalb der emergenten Gemeinde ist tatsächlich gewöhnungsbedürftig, weil die Vorgehensweise radikal anders ist als man es gewohnt war. Mein Gesprächspartner nahm an, dass wir nichts anderes tun, als herumzusitzen und zu reden. Aus seiner Sicht war unsere Anmaßung so tiefgreifend, dass wir so weit gesunken sind, nicht nur über die emergente Gemeinde zu reden, sondern uns auch über das Reden an sich zu unterhalten.

Das fällt mir dieser Witz ein:
Frage: Wie viele Blogger aus dem Bereich der emergenten Konversation braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?
Antwort: Einen, um die Glühbirne zu wechseln und darüber zu bloggen. 315, die das lesen, aber keinen Kommentar abgeben. Zwei, die ihre Meinung äußern, dass eine blinkende und farbige Glühbirne eher der heutigen Kultur angemessen wäre. 34, die in scharfem Ton diskutieren, dass all dieses Gerede über »hell« und »dunkel« relativ sei, völlig vom kulturellen, gesellschaftlichen und persönlichen Hintergrund und Erfahrungsschatz abhängig. 18, die dazu Zitate von Derrida, Baumann und McLuhan beisteuern und die grundlegende Dualität von Licht ins Gespräch bringen.

Es existiert dieser faszinierende Mythos, dass wir nichts anderes tun, als zu reden, was übrigens eine der grundlegendsten Formen ist, miteinander in Beziehungen zu treten. In der Kommunikation mit anderen lernt man, den eigenen Glauben auszudrücken.
Als ich meinem Gesprächspartner meine Definition - oder besser gesagt mein begrenztes Verständnis - in Worten ausdrückte, gefiel ihm das nicht: Die emergente Gemeinde ist eine gemeinsame Suche nach einer ganzheitlich ausgerichteten Ausdrucksform der Nachfolge nach dem Beispiel Jesu durch Liebe. Seine erste Frage war sofort: »Was glaubst du denn?« Ich antwortet: »Ich glaube an Jesus.« Seine unmittelbare Gegenfrage: »Aber was glaubst du bezüglich Jesus?«
Da dämmerte es mir: Indem sie sich weigert, sich durch traditionelle Definitionsmethoden definieren zu lassen, hat die emergente Gemeinde die traditionellen Werkzeuge des Streitens zunichte gemacht. Und darüber sind die Leute sauer. Ich könnte sagen, dass die emergente Gemeinde absolut an die Wahrheit glaubt, sie aber nicht gemäß traditioneller Mittel definiert. Man nennt die Wahrheit Liebe, was dann wiederum alles andere definiert.
Mein Freund suchte nach Unterschieden. Und indem er das tat, wendete er Mittel an, die schlussendlich etwas oder jemanden ausschließen würden. An irgend einem Punkt mussten unsere Unterschiede deutlich werden, eine Barriere zwischen den gegenseitigen Beziehungen würde geschaffen. Wenn wir anfangen, Menschen anhand dessen zu definieren, was sie glauben, anstatt anhand dessen, was sie sind, erschaffen wir natürliche Grenzen, die wiederum folgerichtig zur Ausgrenzung führen, selbst wenn wir das gar nicht beabsichtigen. Und diese Barrieren werden irgendwann uns selbst abtrennen. Am Ende haben wir dann 27.000 verschiedene Versionen von Gemeinde. Unser Wunsch nach Einheit wird zur Unmöglichkeit, weil wir mit einer Methode begonnen haben, die das Scheitern in sich trägt.

Wenn wir statt dessen mit der Liebe beginnen, erschaffen wir das, was meiner Meinung nach Jesus wirklich beabsichtig hat, nämlich einen Kreis der Einbeziehung. Liebe beginnt mit unseren Gemeinsamkeiten, nicht mit unseren Unterschieden. Menschen werden hereingezogen, anstatt sie aus dem Kreis hinauszudrängen. Über unsere Unvollkomenheit wird hinweggesehen, damit wir das Beste an einander entdecken. Barrieren werden zerstört, anstatt welche aufzurichten.
Wenn wir bei der Liebe anfangen, beginnen wir einen völlig anderen Weg des Wirkens. Wir beginnen mit der Vorstellung, dass wir alle in Gottes Bild erschaffen wurden. Unterschiede definieren uns nicht. Sie repräsentieren subtile Facetten eines anderen Teiles des Bildes Gottes, das im anderen Menschen zum Vorschein kommt. Das können wir nicht unter unsere Kontrolle bringen. Wir können nur daran teilhaben. Und wenn wir das tun, dann sind wir mit dem beschäftigt, was Jesus als einzigen wahren Weg des Lebens bezeichnet hat. Wir erschaffen ein unerschütterliches Fundament, auf dem aufgebaut werden kann, was es bedeutet, Mensch zu sein: Zu lieben.
Quelle: The Circle of Inclusion

Dienstag, 12. Mai 2009

Sparflamme

Ich habe Ende der letzten Woche mit einem recht gewaltigen Auftrag begonnen: Die Übersetzung eines 600-Seiten-Buches aus dem Englischen ins Deutsche. In der nächsten Zeit wird daher der Blog zwar nicht eingestellt, aber womöglich ein wenig auf Sparflamme köcheln.

Es handelt sich um die Autobiographie eines nicht unbekannten Zeitgenossen, mehr wird einstweilen nicht enthüllt. Natürlich werde ich, wenn das Buch dann auf dem Markt ist, gebührend darauf hinweisen. Ein Datum für die Veröffentlichung hat der Verlag noch nicht genannt.

Also, liebe Blogbesucher: Ich bin nicht schreibfaul oder weg, sondern sehr beschäftigt. Doch gibt es auch Entwarnung: Einige Beiträge für den Blog sind bereits fertig, andere, eher kurze, lassen sich bestimmt dazwischenschieben. Nur übersetzen macht ja ramdösig...

Montag, 11. Mai 2009

Harald Sommerfeld: No more Blues

Es gilt, etwas in Worte zu fassen, was eigentlich nur selbst erlebt werden kann: Das Gefühl, wenn eine unsichtbare, jedoch deshalb nicht weniger drückende Last von den Schultern - von der Seele genommen wird. Das Gefühl, wenn plötzlich das sprichwörtliche »Aha-Erlebnis« stattfindet. Ein Gefühl, ein Empfinden, das mich bei der Lektüre des hier vorgestellten Quadros mehrmals überrascht hat.
Christen sagen, Jesus Christus habe »ihre Schuld auf sich genommen«. Warum gibt es dann kaum jemanden, der mehr unter Schuldgefühlen leidet, als gerade die Christen?
So beginnt der (aus meiner subjektiven Sicht beste) »Monatsbegleiter« aus der Quadro-Serie im Down to Earth Verlag. Ich habe keinen ganzen Monat gebraucht, um die 40 Seiten zu lesen, denn erstens lasse ich mir von einem Buch nicht sagen, in welchem Rhythmus oder Tempo ich es lesen soll, und zweitens wollte ich am Ende jeder Seite sofort wissen, was auf der nächsten auf mich wartet. Noch ein »Ach so!«, ein weiteres »Warum habe ich das in 30 Jahren nicht kapiert?« oder ein »Das habe ich immer so empfunden - jetzt weiß ich auch warum!«
Es geht um den Blues. Nicht den von B. B. King oder Eric Clapton, sondern um den Blues, den viele, viel zu viele Christen mit sich herumtragen und der von den Menschen rings herum keineswegs übersehen wird, der noch dazu das eigene Christenleben schwer macht.
Das allerdings hat Tradition im Christentum:
Während Jesus den Menschen das einfache Evangelium verkündete: »Dir sind deine Sünden vergeben«, hören Menschen, die gläubig werden, von Christen oft etwas anderes.
Zunächst einmal müssen sie einsehen, dass sie Vergebung brauchen, also wird ihnen statt des Zuspruchs der Vergebung ein Spiegel ihres Versagens vorgehalten.
Sobald sie Christen werden, bringt man ihnen bei, dass die Vergebung ein leicht verderbliches Gut sei, das immer nur bis zur Gegenwart reiche. Jeder neue Fehltritt erfordere spezielle Maßnahmen der Tilgung: Beichte, Bekenntnis, Wiedergutmachung oder dergleichen.
Mir hat man seinerzeit (vor rund 35 Jahren) sogar beigebracht, dass ich noch gar nicht »richtig« erlöst sei, da ich ja noch die Beatles, die Rolling Stones und - o weh, o weh! - sogar Led Zeppelin hörte. Erst wenn diese Platten verbrannt seien (und natürlich Buße für den Besitz und das Hören getan war), durfte ich als »erlöst« gelten. Dann stellte sich heraus, dass ich rauchte. Auch das ging natürlich nicht. Und so weiter...
Es gab - und gibt, Gott sei es geklagt - viele solche Fälle wie mich. Einige, die ungefähr zeitgleich mit mir Jesus kennen gelernt hatten, waren einige Monate später nicht mehr am Glauben interessiert. Die tiefe und übersprudelnde Freude, die Jesus in mein und ihr Herz gegeben hatte, wurde gedämpft, sogar erstickt. Christsein wurde zum Leben nach einem unüberschaubaren und sowieso unerfüllbaren Regel- und Gesetzeswerk. Man darf nicht weltliche Musik hören. Man darf nicht nackt baden gehen. Man muss zum Gottesdienst gehen. Man muss beim Gemeindeputz mithelfen. Man muss dieses, man darf nicht jenes.
»No more blues« nennt ein anderes Beispiel, eins, das ich ebenfalls kennen gelernt habe:
Der Blues beginnt oft schon am Tag der Bekehrung. Voller Freude bricht jemand in ein neues Leben mit Jesus auf. Doch schon fällt er einem Mitchristen in die Hände, der ihn wohlmeinend unterweist: Ab heute müsse er täglich in der Bibel lesen.
Schon ist die Weiche falsch gestellt. Kein Wunder, dass der Zug bald im Bahnhof der Schuldgefühle einfährt. Was Kür sein sollte, ist zur Pflicht geworden.
Ich versichere dir: »Du musst überhaupt nicht in der Bibel lesen!« Damit sage ich nicht: »Lies nicht in der Bibel!« Wenn du willst, darfst du sie gern lesen. Ich würde mich darüber freuen. Ich weiß, dass sie dir gut tun wird. Ich sage nur: Du musst sie nicht lesen. Jedenfalls nicht, um Gott zu gefallen – du gefällst ihm nämlich schon.
Ich kann das ganz einfach beweisen. 1500 Jahre lang gab es Christen, ohne dass es gedruckte Bibeln gab. Dem normalen Christen waren die existierenden Handschriften entweder nicht zugänglich, oder er konnte nicht lesen. Wie kann Bibellesen da eine Christenpflicht sein? Wie kann ein Christ etwas müssen, was der Mehrheit der Christen über 1500 Jahre gar nicht möglich war?
Der Autor Harald Sommerfeld ist ein Querdenker, der durch das Querdenken so manchen gordischen Knoten durchschlagen hilft. Er umgeht unbequeme Probleme nicht, sondern er lädt mit diesem Buch dazu ein, gerade diese unangenehmen Aspekte des Lebens als Christ aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Und das kann, vorausgesetzt der Leser lässt sich darauf ein, zu den eingangs geschilderten Aha-Erlebnissen führen.
Der Autor verkennt dabei nicht die Tatsache, dass es durchaus Dinge in der persönlichen Historie eines Christen geben mag, bei denen eine »Aufarbeitung« unumgänglich ist, damit sie sich nicht mehr störend auswirken. Zum Beispiel:
Wenn du merkst, dass ein bestimmtes Fehlverhalten dich hartnäckig bedrückt, Schuldgefühle nicht abzuschütteln sind und etwas in dir einfach nicht glauben will, dass die Sache durch Jesus schon erledigt ist, dann kann ein Bekenntnis vor einem anderen dir helfen. Manches kann leichter entmachtet und losgelassen werden, wenn es ausgesprochen wird.
Suche dir einen Menschen, dem du vertraust. Erzähle ihm, was du getan hast, und lass dir von ihm bestätigen und zusprechen, dass die Sache vergeben und erledigt ist. Dann geh fröhlich deines Weges.
»No more Blues« ist ein Mutmacher, aber nicht von der billigen Art, die »alles wird gut« zu suggerieren versucht. Das Quadro ist nicht oberflächlich, sondern es versetzt den Leser in die Lage, unter die Oberfläche des (eigenen) Glaubenslebens zu schauen. Dort sind womöglich Denkmuster und Überzeugungen verborgen, die dafür sorgen, dass Christen zwar sagen, Jesus Christus habe »ihre Schuld auf sich genommen«. Unsere Mitmenschen dagegen fragen sich: »Warum gibt es dann kaum jemanden, der mehr unter Schuldgefühlen leidet, als gerade die Christen?«
Harald Sommerfeld zeigt Wege auf, wie man diese Zustand nachhaltig ändern kann.

Mein Fazit: Eigentlich sollte dieses Heft zur Pflichtlektüre erklärt werden, aber dann würde man ja, falls jemand es nicht liest, wieder den Blues erzeugen. Viel besser: Neugierig werden, anfangen zu lesen und – wie ich – nicht mehr aufhören wollen.
Und, nicht zu vergessen: Eric Clapton darf man weiter hören und genießen! B.B. King auch. Und sogar Led Zeppelin.

ISBN 978-3-935992-56-5
40 Seiten, 4 Euro
Verlag Down to Earth

P.S.: Das Foto zeigt eine Doppelseite aus dem Quadro, um auch die sehr gelungene Grafikarbeit zu würdigen: Diese Hefte sind auch optisch ein Highlight. (Man verzeihe mir den Anglizismus, aber da das Quadro einen englischen Titel hat, obwohl es in Deutsch geschrieben wurde, bin ich so frei. Ohne Blues Schuldgefühle.)
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Sonntag, 10. Mai 2009

Abseits?

Gestern also war ich im Olympiastadion. Meine Prophetie vor dem Spiel hat sich als richtig erwiesen: Unsere Hertha (im folgenden die Guten) hat verdient gewonnen, die andere Mannschaft (im folgenden die Bösen) hat verdient verloren. Hier ein paar Stichpunkte. Der Nachmittag war...


übersichtlich
Dieses Foto (wider besseres Wissen aber in Ermangelung meiner Kamera mit dem Telefon angefertigt) zeigt die Perspektive, aus der ich das Spiel verfolgt habe. Anders als im TV natürlich. Man hat nie Details im Blick, sondern immer das Gesamtbild. Es war jedoch schön übersichtlich.

geistlich
Auf dem Weg ins Stadion, vor dem Spiel und zwischendurch unterhielten mein Freund Haso und ich uns über allerlei geistliche Themen. Vom Gemeindebau über leere Stadien bei »christlichen« Events bis zu den offensichtlichen Parallelen zwischen Fußballspielbesuch und Gottesdienstliturgie.

amüsant
Vor allem die Kommentare eines hinter uns sitzenden Herrn, der mit einem lautstarken Stimmorgan gesegnet und offensichtlich Experte war, brachten mich oft zum Schmunzeln. Als durch einen Spieler der Guten einer von den Bösen zu Fall gebracht wurde, rief der Mann hinter uns: »Der fällt doch bloß aus Altersschwäche!« Wenn einer von den Guten nicht nach den Wünschen des Herrn hinter uns mit dem Ball zurecht kam, gab es gute Ratschlägt: »Jetz aba rechts rum, du Pfeife!« »Mensch, renn doch mal!« »Nich imma mittm Außenrist!«

lehrreich
Ich lernte aufgrund der Reaktionen des Publikums, wenn ein neuer Spielstand eines andernorts stattfindenden Spieles angezeigt wurde, dass es nicht genügt, wenn die Guten gut spielen. Haso erläuterte fachkundig: Auch Stuttgart, Wolfsburg und Weißnichwer entscheiden darüber, ob unsere Hertha auf Platz 1 landen wird. Das finde ich doof.

bunt
Die Zuschauer waren überwiegend in Blau und Weiß gewandet. Auch ich hatte ein blaues T-Shirt, allerdings eines der »normalen« Sorte, gewählt. Der Schiedsrichter hielt das wohl für ziemlich einseitig und hob gelegentlich etwas Gelbes in die Höhe, was das Publikum einmal zu lautstarken Missfallensäußerungen und einmal zu freundlicher Zustimmung veranlasste.

verwirrend
Manches von den Abläufen auf dem Rasen war hübsch anzusehen, aber die Regeln sind mir nicht geläufig. Gab es eine Abseitssituation? Wenn ja, dann habe ich sie nicht als solche zur Kenntnis genommen.

religiös
Man soll ja den Römern ein Römer sein, also beteiligten mein Freund und ich uns an einigen der religiösen Übungen. Er brachte vor dem Spiel ein Speisopfer (Fischbrötchen) dar, ich ein Rauchopfer (Pall Mall). Wir beide entzogen uns auch nicht der weit verbreiteten Übung des mehrfachen Trankopfers (halber Liter für Drei Fuffzich).

musikalisch
An den Lobgesängen konnte ich mich mangels Textkenntnis nicht beteiligen, aber es wurde viel gesungen, vor dem Spiel und während des Spiels, vor allem immer dann, den die Guten ein Tor geschossen hatten. Herr Frank Zander sang nicht, sondern bedankte sich über die Videowände dafür, dass Hertha BSC 1000 Karten für den guten Zweck spendiert hatte, den er unterstützt. Es sangen aber die Ärzte, irgend was von Meisterschaft.

beeindruckend
Über 71.000 Menschen nach offizieller Zählung füllten das Stadion. Das ist schon eine beeindruckende Kulisse, die sich auch durch beeindruckende Lautstärke auszudrücken vermag. Bemerkenswert fand ich auch die generations- und schichtübergreifende Faszination des Fußballs. Sehr viele Familien mit Kindern waren da, junge Leute, ältere Herrschaften. Es gab Anzüge und Krawatten zu sehen, hübsche Kleider und Blusen, allerdings (wie erwähnt) hatten sich doch die meisten Menschen in den Vereinsfarben verkleidet. Überraschend für mich: Sehr viel weibliches Publikum, ich dachte immer, Fußball im Stadion sei Mänersache.

Kurz gesagt: Schön wars. Hat mir Spaß gemacht, das erste Fußballspiel meines Lebens. Hasos Tochter schickte ihm nach Ende des Spiels eine SMS mit der Aufforderung, er solle mich jetzt jedes Mal mitnehmen, da ich der Hertha Glück bringen würde. Nun ja. Ich meine, die Akteure auf dem Rasen schaffen das auch ohne mich. Dass das nicht das letzte Fußballspiel sein muss, dem ich beiwohne, ist allerdings auch wahr.

Samstag, 9. Mai 2009

Freistoß!



Heute werde ich - man glaubt es kaum - das erste Fußballspiel meines Lebens in einem richtigen Stadion besuchen. Hertha BSC spielt im Berliner Olympiastadion gegen eine andere Mannschaft. Aus dem Ruhrpott, wenn ich mich nicht irre.

Dieses Vergnügen wird mir zuteil, weil ein Freund mich eingeladen hat. Einer, der sich auskennt, der wird mir auch dann sicher erklären können, was es mit dem oben abgebildeten Freistoß auf sich hat und wann er denn nun endlich ausgeführt wird.

Das Ergebnis steht ja bereits fest: Unsere Hertha gewinnt. Die Leute aus dem Ruhrgebiet fahren bedrückt nach Hause. Da freut sich die Berliner Seele des GJM.

Foto: WikiCommons