Donnerstag, 19. Juni 2014

Von Angstabbau und Schuldabweisung

Vom Patienten (passiven Empfänger medizinischer Dienstleistungen) zum Agenten (aktiv Mitwirkenden am Gesundungsprozess) zu werden, das ist für jemanden wie mich, der vom Krebs heimgesucht wurde, eine der wichtigsten Voraussetzungen, um den Kampf zu gewinnen. Natürlich gilt das nicht nur für mich oder an Krebs erkrankte Menschen - sondern für jedermann. Auch gesunde Menschen sollten und dürften daran interessiert sein, wie sie ihren Körper dabei unterstützen können, das Immunsystem weiterhin wirksam zu erhalten.

Das Wissen um die Immunfunktion des Darms beispielsweise ist durch solide wissenschaftliche Studien belegt - wenn nun (wie in meinem Fall) ein erheblicher Teil des Darms operativ entfernt werden musste, ist es um so wichtiger, diese dauerhafte Schwächung des Immunsystems auszugleichen. Die Medizin geht heute davon aus, dass der Darm rund 70 Prozent unseres Immunsystems ausmacht.

Ich berichte hier regelmäßig von Erkenntnissen, Einsichten, Versuchen und Erfolgen sowie Misserfolgen im Kampf gegen den Krebs. Zahlreiche Zuschriften zeigen mir immer wieder, dass andere Menschen davon profitieren, und das macht mich froh. Krebs ist rundherum und absolut nichts Gutes. Aber wenn aus meinem Erleben und Berichten Gutes für andere erwächst, dann freue ich mich einfach mit. In diesem Sinne möchte ich heute ein paar Gedanken über Angst und Schuld mit meinen Lesern teilen.

Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht. -Jean Paul Sartre

Dass Ängste krank machen, ist mittlerweile ein alter Hut. Angst ist ein wesentlicher Stressfaktor, der das Immunsystem empfindlich stören kann, speziell durch die Produktion von Interleukin und anderen Eiweißen. Sich von Ängsten wirklich und dauerhaft zu lösen, bleibt dennoch oft eine schwierige Aufgabe, denn nicht immer fällt es leicht, die Ursachen zu erkennen. Und wer die Ursachen nicht kennt, wird deren Auswirkungen nicht los.

Es gibt die durchaus begründeten und für unser Leben und Überleben wichtigen und richtigen Ängste. Vielleicht ist Ängste hier auch nicht der richtige Begriff - ich sollte womöglich von Einsichten oder Erkenntnissen sprechen. Dass man sich an einer Flamme verbrennen kann und dass dies Schmerzen verursacht, haben wir wohl alle in der Kindheit irgendwann festgestellt. Dass wir uns daher hüten, in eine Flamme zu greifen, ist eine gute und wertvolle Einsicht. »Angst« vor dem Feuer - eine prima Sache, die dazu beiträgt, unverletzt durch das Leben zu gehen.

Zwischen solcher, absolut gesunder Vorsicht und krankmachender Angst zu unterscheiden ist (im wahrsten Wortsinn) notwendig.

Ängste, die keine Not abwenden, schaden unserer Gesundheit nachhaltig. Oft werden sie uns schon in jungen Jahren beigebracht und eingeimpft, ohne dass wir uns in der Kindheit dagegen zu wehren wüssten. Doch auch im Erwachsenenleben hört das nicht auf. Eine der Hauptverursacherinnen von solchen Ängsten ist die eingeredete Schuld. Vorreiter dabei ist unter anderem die institutionalisierte Religion.

Auf den ersten Blick mag das paradox anmuten, denn dass ein solides Glaubensgefüge und Gebet (für andere Menschen genauso wie für sich selbst) messbare positive Einflüsse auf den Krankheits- oder besser gesagt Genesungsverlauf haben, ist unter Wissenschaftlern längst als gesicherte Erkenntnis etabliert.

Dass andererseits krank machende Schuldgefühle (und dadurch ausgelöste Ängste vor Strafe) von Religionsgemeinschaften (ob nun christlich oder andersgläubig) bewusst als Mittel eingesetzt werden, um die Schäfchen im eigenen Stall einzusperren, ist genauso unstrittig. Das geht sogar so weit, dass Krankheit beziehungsweise ausbleibende Heilung als Strafe Gottes für ein angebliches Fehlverhalten des Menschen gepredigt wird. In manchen Kreisen auch heute noch.

Wie wird man solche Ängste los? Ich will und kann nur für mich sprechen: Zur Befreiung waren einige Schritte notwendig.

  1. Am Anfang stand die bittere und schmerzhafte Erkenntnis, dass von der Kanzel (der charismatischen Gemeinde, die wir besuchten) nicht die Wahrheit, sondern Lüge gepredigt wurde. Der zu frühe Tod beider Schwiegereltern hätte gemäß der Lehre, die wir hörten und befolgten, gar nicht stattfinden können.
  2. Anstatt das Kind mit dem Bade auszuschütten, also jeglichen Glauben an einen Gott über Bord zu werfen, musste ich mich aktiv erinnern, dass es in meinem Leben Ereignisse gegeben hat, die jenseits der menschlich erklärbaren Möglichkeiten gelegen hatten. Einige davon sind in meinem Buch »Es gibt kein Unmöglich!« aufgezeichnet.
  3. Anstatt weiter irgendwelchen frommen Leitern blind zu folgen oder das Christsein an und für sich zu verwerfen begann ich nach dem Motto de omnibus dubitandum, zu hinterfragen, zu recherchieren und den Verstand zu gebrauchen, was dann relativ zügig zu einigen befreienden Erkenntnissen führte. Zum Beispiel, dass die Bibel (für den Koran oder andere Schriften wird ähnliches gelten) natürlich nicht »Wort Gottes« sein kann, sondern widerspiegelt, wie im Verlauf von Jahrhunderten Menschen sich Gott vorgestellt haben, in ihrer jeweiligen individuellen Situation.
  4. Anstelle der Buchstaben von »heiligen Schriften« den Geist zu erkennen, der aus ihnen sprechen will, ermöglicht dann eine ganz andere und befreiende und im Sinne des Wortes erlösende Beziehung zu Gott.
  5. Als ich die Bibel (als kulturelles Zeugnis) schließlich ernst nahm, statt sie wörtlich (als buchstäbliches Wort Gottes) zu nehmen, waren die in Kindheit und Jugend eingepflanzten religiösen Ängste erledigt – eine ungeheure Entlastung für Seele, Geist und Körper.

Weiter will ich das hier nicht ausführen, das würde den Rahmen sprengen. Dies soll nur als ein Beispiel dienen, wie man sich von Ängsten lösen kann.

Dieser Prozess fand bei mir statt, bevor ich die Krebsdiagnose erfuhr. Hätte ich im März 2012 noch an den »alten« Gott aus meiner Kindheit und Jugend geglaubt, wäre ich mit Schuldgefühlen (Was hast du falsch gemacht? Warum straft dich Gott so? Welche schlimme Sünde hat Gott dir nicht vergeben?) zusätzlich belastet gewesen, anstatt das befreiende und Kraft spendende Wissen zu erleben: Gott ist bei mir, mitten in dieser Katastrophe.

Mancher hat keine derartigen religiösen Ängste – Gott sei Dank! – und sollte sich trotzdem fragen, ob und wo vergleichbares in seiner Seele lauert. Schuldgefühle können aus der Kindheit stammen (oft genug unabsichtlich von den Eltern verursacht) oder später im Leben durch traumatische Ereignisse ausgelöst werden.

Ich musste mir beispielsweise sagen und mich überzeugen, dass ich nicht am Selbstmord eines Mitschülers Schuld war (indem ich ihn hätte kommen sehen und verhindern müssen). Tief in mir lauerte und nagte dieses Erlebnis und ich musste mich aktiv damit auseinandersetzen, um das Nagen zu beenden. Vermutlich wird so ziemlich jeder Leser hier und da in der eigenen Historie auf Ereignisse stoßen, die Schuldgefühle und Ängste eingepflanzt haben.

Wenn es gelingt, sich von bewussten und unbewussten Lasten zu befreien – Ängste sind nichts weiter als Lasten – dann ist ein großer Schritt zur Gesundung (beziehungsweise zum gesund bleiben) gelungen.

Um trotz einer Krebserkrankung gesund zu werden und dauerhaft gesund zu bleiben, genügt es nicht, sich auf die Schulmedizin zu verlassen. Die deckt nur einen relativ kleinen Bereich dessen ab, was zur Gesundheit notwendig ist – das anerkennen inzwischen auch die Schulmediziner selbst.

Die Befreiung von unbegründeten und schädlichen Ängsten gehört unbedingt auch dazu. Das erfordert Aufmerksamkeit und Wollen, es geschieht nicht irgendwie automatisch.

Vielleicht kann der eine oder andere Leser aus diesen Zeilen positive Impulse für das eigene Ergehen entnehmen. Ich würde mich freuen!

Foto von rgbstock

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Montag, 9. Juni 2014

Brif bruf braf

In der Reihe der Einführungen im Rahmen meiner Moderatorentätigkeit in unserer Kirche ragt für meine Zuhörer ab und zu eine heraus. Das merke ich daran, dass ich nach dem Gottesdienst von besonders vielen Besuchern bezüglich der Anekdote oder Geschichte, die ich eingeflochten habe, angesprochen werde. Die gestrige Einführung war wieder einmal Anlass zu zahlreichen Nachfragen und Gesprächen. Vielleicht interessieren sich ja auch meine geschätzten Blogbesucher? Bittesehr:

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Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst am Pfingstsonntag.

In einem Hof spielten einmal zwei Kinder ein äußerst lustiges Spiel. Sie dachten sich eine ganz besondere Sprache aus, in der sie miteinander reden konnten, ohne dass die Leute eine Silbe davon verstanden.

»Brif braf«, sagte der Erste. »Braf, brof«, antwortete der Zweite. Und dann lachten alle beide ganz toll.

Im oberen Stockwerk des Hauses saß ein alter Herr auf dem Balkon und las lächelnd seine Zeitung. Im Haus gegenüber lehnte sich eine mürrische alte Frau zum Fenster hinaus.

»Was sind das für dumme Kinder, die zwei da unten«, maulte die Frau.

Aber der Herr auf dem Balkon war nicht ihrer Meinung: »Das finde ich nicht.«

»Sagen Sie mir nur nicht, dass Sie verstanden hatten, was die eben gesagt haben.«

»Doch. Ich habe alles verstanden. Der Erste sagte: Was für ein herrlicher Tag heute. Und der Zweite antwortete: Morgen wird es noch viel schöner.«

Die alte Frau rümpfte die Nase, schwieg aber still, weil die Kinder unten im Hof wieder angefangen hatten, sich in ihrer Geheimsprache zu unterhalten.

Incredible India: portrait of gipsy boys in Tar desert, Rajastan, India»Maraschi, barabaschi, pfiffirimoschi«, sagte der Erste. »Bruf« antwortete der Zweite. Und wieder brach ihr tolles Gelächter los.

»Wollen Sie das auch wieder verstanden haben?« rief die alte Frau erbost ihrem Nachbarn zu.

»Sicher«, antwortete der alte Herr lächelnd. »Der Erste hat gesagt: Wie sind wir doch froh, dass wir auf der Welt sind! Und der Zweite hat ihm geantwortet: Die Welt ist ganz wunderbar!

»Aber ist sie denn wirklich wunderbar, die Welt?«, bohrte die Frau weiter, das Gesicht ganz verkniffen vor Missmut.

»Brif, bruf, braf«, antwortete der gutgelaunte Nachbar.

Diese Geschichte stammt von Gianni Rodari, er war ein italienischer Schriftsteller, der vor allem Kinderbücher schrieb. Wenn wir anlässlich des Pfingstfestes darüber nachdenken, wie das wohl gewesen sein könnte, als der Heilige Geist die Nachfolger Jesu erfüllte, als sie in Sprachen redeten, die sie nie gelernt hatten und womöglich selbst nicht verstanden, dann werden wir wohl trotz der anschaulichen Auslegungskunst unseres Pastors das Geschehen nie so ganz begreifen. Im Bibeltext zur Predigt heißt es heute: »Sie waren bestürzt. Was ist das nur?«, fragte einer den anderen ratlos und erstaunt.«

Ratlosigkeit und Erstaunen vielleicht auch bei uns angesichts dessen, was wir über Pfingsten lesen und hören? Das macht gar nichts, finde ich. Ich muss Gottes Handeln oder Nichthandeln, seine Wege und seine Gedanken nicht verstehen oder erklären können. Es reicht mir völlig, zu glauben, dass ich sein Kind sein darf, dass Jesus Christus auch für mich gestorben ist und dass er den Heilige Geist als Tröster angekündigt hat. Ich muss nicht am Pfingstwunder herummeckern wie die alte Dame in der Geschichte von Gianni Rodari an der Sprache der Kinder, die sie nicht versteht. Ich kann sogar aus mir unverständlichen freudigen Äußerungen heraushören, dass jemand froh und glücklich und dankbar ist, auf der Welt zu sein.

Ich bin jedenfalls lieber der alte Mann in der kleinen Geschichte als die griesgrämige Frau.

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Montag, 2. Juni 2014

Gar nicht so leicht: Dem Stress Einhalt gebieten

Stress, Hektik, Leistungsdruck und Ärger sind Blei auf der Seele. Und Risikofaktoren für eine Vielzahl von Krankheiten, dafür gibt es seit Jahrzehnten wissenschaftliche Belege. 2012 konnte eine schottische Forschergruppe anhand von Langzeitausstudien an mehr als 68.200 Menschen auch nachweisen, dass selbst leichte stressbedingte Symptome die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöhen, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Starke stressbedingte Symptome führen, das zeigte diese Studie deutlich, auch zu einer höheren Krebsrate.

Nun ist für mich seit der Diagnose 2012 klar, dass ich alles in meiner Macht stehende tun will, um im Kampf gegen den Krebs siegreich zu sein. Regelmäßiger Ausdauersport ist ein Mittel, das mir zur Verfügung steht. Gesunde, so weit wie irgend möglich schadstoff- und hormon- sowie medikamentenfreie Nahrungsmittel macht die zweite Maßnahme aus, die mir (und so gut wie jedem anderen Menschen) verfügbar ist. Und das dritte was ich beitragen kann, von der Bedeutung gleichgewichtig mit den beiden erstgenannten, ist die Vermeidung und Abwehr von Stress.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt? So leicht ist das nicht, stellt man im Alltag ziemlich schnell fest, wenn man dem Stress den Krieg erklärt hat. Sport treiben – da muss man sich lediglich vom bequemen Sofa erheben, in die Sportklamotten schlüpfen und loslegen. Das kostet am Anfang Überwindung, aber das kleine Opfer an Bequemlichkeit ist der enorme gesundheitliche Gewinn allemal wert.

Gesund ernähren – da muss man nur anfangen, die Etiketten zu lesen, zu recherchieren und dann entsprechend einkaufen. Das ist teurer als bei Lidl & Co einzukaufen, aber auch das ist mir und uns die Gesundheit wert.

Aber der Stress? Wie wird man den los, wenn man doch arbeiten gehen muss und überhaupt im Alltag und Leben bestehen will? Das hat, obwohl es auch einiges kostet, weder etwas mit Bequemlichkeit noch mit dem Geldbeutel zu tun.

Was ist das überhaupt, Stress?

Stress ist nicht nur negativ. Er kann zu Höchstleistungen anspornen, etwa beim Leistungssportler. Als Lampenfieber kann Stress Künstler zu grandiosen Vorstellungen beflügeln. Der so genannte kurze Stress ist eine positive und sinnvolle Reaktion – sie stammt aus der Frühgeschichte der Menschheit, als es darum ging, blitzschnell zwischen Flucht und Angriff zu wählen und dann alle Kräfte zu mobilisieren.

Erst der Dauerstress, die häufige oder gar unaufhörliche Anspannung macht uns krank und behindert oder verhindert sogar die Heilung, weil – anders als bei Flucht oder Angriff – der Stress sich nicht »entladen« kann.

Die häufigsten Folgen von zu viel Stress sind laut einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse

  • Hoher Blutdruck,
  • Verdauungsbeschwerden,
  • ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt,
  • Spannungskopfschmerzen,
  • mehr Infektionen,
  • Depressionen,
  • Migräne,
  • Zyklus- und sexuelle Störungen.

Die Techniker Krankenkasse erklärt:

Stress stört die Immunabwehr. In stressigen Zeiten ist man besonders anfällig für Erkältungen und andere Krankheiten. Stress hat Einfluss auf die Arbeit verschiedener Immunzellen. Klar ist: Dauerstress wirkt anders als kurzer Stress.

Ich weiß natürlich, dass ich durch meine Bemühungen (Sport, Ernährung, Stressverhinderung) keine Garantie erlange, dauerhaft vom Krebs geheilt zu bleiben. Aber egal ist es eben auch nicht, ob und wie der Mensch es seinem Körper und Immunsystem leichter macht. Recht anschaulich erklärt die Techniker Krankenkasse die Zusammenhänge:

Das Immunsystem verteidigt den Körper gegen schädliche Eindringlinge oder körpereigene, falsch entwickelte Zellen (Krebszellen). Unser Körper produziert täglich Millionen von Zellen. Dabei passieren auch manchmal Baufehler: Das Erbgut der Zelle mutiert. Körpereigene Reparaturprozesse sorgen dafür, dass kein Schaden entsteht. Sie benötigen dazu bestimmte Enzyme. Unter Stress sind diese Enzyme weniger aktiv. Dadurch entstehen unter Umständen mehr von solchen Zellen, die Krebsgeschwulste ausbilden können.

Außerdem sinkt die Zahl der Immunzellen im Blut bei Dauerstress und diese natürlichen Killerzellen sind weniger aktiv. Die T-Lymphozyten teilen sich langsamer. Erreger haben leichtes Spiel.

Nein sagen

Mein festes Vorhaben, Stress abzuweisen, ist in der Praxis nicht immer so leicht durchzusetzen. Meist stehe ich mir da selbst im Wege. Ich neige nämlich dazu, mich für wichtig, womöglich gar unverzichtbar zu halten. (Ob es den geschätzten Lesern auch so geht, sei dahingestellt.) Ich jedenfalls weiß, dass ich beispielsweise am Arbeitsplatz früher oft so empfunden und gehandelt habe, als bräche alles zusammen, wenn ich nicht da wäre.

Stress? Nö.So etwas wird natürlich ausgenutzt: »Herr Matthia, könnten Sie noch schnell ...« - »Machen Sie mir doch mal eben ...« - »Ich brauche noch dringend ...« »Aber bitte zeitnah!« Und immer wieder und unermüdlich und egal wie spät es war habe ich dann selbstverständlich gemacht und erledigt und getan. Ob es nun zu meinen eigentlichen Aufgaben, für die ich bezahlt werde, gehörte oder nicht. Meist waren solche Anforderungen sowieso nicht in meinen Aufgabenbereich angesiedelt. Auf die Idee, einfach »nein« zu sagen, kam ich seinerzeit so gut wie nie.

Als ich dann im März 2012 völlig unvorbereitet aus dem Berufsleben gerissen wurde, stellte sich heraus, dass es auch ohne mich ging. Zwar rief mein Chef sogar noch an, als ich auf der Intensivstation lag, weil er mit manchen Dingen nicht alleine zurecht kam, aber die Firma nahm keinen Schaden und die Welt drehte sich auch ohne mich weiter. Meine Illusion, unverzichtbar zu sein, war ich los geworden und das war und ist auch gut so.

Dass es uns schwer fällt, ein klares Nein zu sagen, hat seine Gründe. Bereits in der Kindheit lernen wir, dass wir gemocht werden, wenn wir »nützlich« sind, wenn wir tun, was man uns aufträgt. Das Geschirr in die Küche bringen, beim Abwasch oder Saubermachen helfen, den Müll vor die Tür tragen … schon ernten wir Lob und Lächeln der Eltern, womöglich sogar eine materielle Belohnung. Natürlich ist es richtig und keineswegs zu tadeln, wenn Kinder nach und nach Aufgaben im Haushalt übernehmen. Aber wenn sie nur dann Liebe und Zuneigung und Aufmerksamkeit bekommen, so lange sie »funktionieren«, dann prägt sich ein: Ich muss alles dafür tun, gemocht zu werden. Ich muss etwas leisten, um geliebt zu werden. Es reicht nicht aus, dass ich einfach ich selbst bin.

In der Schule ist es nicht anders. Gute Leistung spiegelt sich in guten Noten – und gute Noten ebnen den Weg ins Berufsleben. Wer nicht ständig etwas für den Erfolg tut, wer nicht auf Freizeit verzichtet um zu lernen, wird das ein Leben lang bereuen, weil er höchstens zweit- oder drittklassige Jobs bekommt, wenn überhaupt.

Gegen derartige Prägungen, auch wenn sie nur abgemildert vorliegen (meine Mutter hat mich immer wissen lassen, dass sie mich als Person liebt, unabhängig von meinem Verhalten) muss man sich bewusst entscheiden.

Bei meiner Rückkehr an den Arbeitsplatz nach der Darmkrebsoperation und Chemotherapie hatte ich mir vorgenommen: Ich erledige meine Aufgaben so gut und vollständig wie möglich, darüber hinausgehende Dinge nur dann, wenn ich noch Zeit und Kraft übrig habe. Wer mich nicht mag, weil ich ihm nicht dauernd seinen Mist abnehme, der soll es eben bleiben lassen.

Die Angst vor beruflichen Konsequenzen war mir abhanden gekommen. Ich hatte im März 2012 die Schwelle zum Tod vor Augen, und dadurch ändern sich Werte und Prioritäten im Leben nachhaltig. Ich arbeite, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, damit wir uns dieses und jenes leisten können … aber ich lebe nicht, um zu arbeiten.

Auch ein Ja ist möglich

Natürlich will ich hier nicht zur Leichtsinnigkeit raten. Ein »Nein« kann schon Konflikte auslösen und einen hundert Prozent sicheren Arbeitsplatz hat kaum jemand. Man muss die eigene berufliche Situation schon möglichst objektiv und realistisch abwägen. Manchmal empfiehlt sich ein Ja, zweifellos. Übrigens ist auch gar nichts daran verkehrt, hilfsbereit, entgegenkommend, freundlich zu sein. Es gibt Menschen, die schnorren und betteln sich wie selbstverständlich durchs Leben; zu denen habe ich nie gehört und das soll auch nicht so werden. Ich helfe gerne und unterstütze andere, wo es mir möglich ist, aber ich weiß inzwischen Grenzen zu ziehen. Mir selbst. Und anderen. Ich versuche zu unterscheiden, wo wirklich Hilfe gebraucht wird und wo es sich um reines Ausnützen meiner Gutmütigkeit handelt.

Ich bin also kein hundertprozentiger Neinsager. Ich sage auch aus Überzeugung und gerne ja. Jedoch nicht aus dem Grund, Konflikte unbedingt zu vermeiden und auch nicht ständig und immer und jederzeit. Wer nämlich das eigene Tun und Lassen ausschließlich anhand der möglichen oder tatsächlichen Reaktionen von Kollegen und Vorgesetzten ausrichtet, tut sich keinen Gefallen sondern öffnet der Manipulation durch die Anderen so weit die Tür, dass er letztendlich wo immer es geht ausgenutzt wird. Und das hat gesundheitliche Konsequenzen. Unausweichlich sogar.

Ich bin nicht unverzichtbar. Das Ego flüstert gerne: »Ohne dich geht es nicht weiter. Wenn du jetzt nein sagst, bist du ein Versager.« Ich flüstere zurück: »Irrtum. Ich sage nein – und gerade das macht mich zum Sieger.«

Quelle der Zitate, Zahlen und weiterer Informationen: [Techniker Krankenkasse]

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Donnerstag, 29. Mai 2014

Eine ungewohnte Fremdsprache

Fremdsprachen lernen - dem einen fällt es leicht, dem anderen schwer. Die eine versteht zügig viele Worte, die andere müht sich lange mit dem Lernen von Vokabeln ab. Und nicht jede Sprache lernt sich gleichermaßen mühelos oder ähnlich beschwerlich.

Mir geht es mit der Fremdsprache, in der ich mich seit rund zwei Jahren zurechtzufinden versuche, unterschiedlich. Vieles erschließt sich sehr leicht, weil die schulischen Kenntnisse aus dem Lateinunterricht erstaunlicherweise noch recht präsent und daher abrufbar sind. Bei manchen Begriffen und Formulierungen muss ich allerdings die Bedeutung nachschauen - was dank Internet ja heutzutage ein Kinderspiel geworden ist.

ärztischUm welche Sprache es hier geht, fragt sich und mich der irritierte Blogbesucher womöglich an dieser Stelle. Da sei mit einer Antwort nicht länger hinter dem Berg gehalten: Ich versuche, mehr und mehr Ärztisch zu verstehen. Weil ich all die Befunde und Analysen gerne so lesen möchte, dass ich auch begreife, was da über mich beziehungsweise meinen Körper geschrieben wird. Die Mediziner wissen am besten, welche Schlüsse aus den Befunden zu ziehen sind, und da vertraue ich mich den Ärzten auch gerne an. Aber verstehen, was gegebenenfalls gefunden und diagnostiziert wurde, möchte ich schon.

Ein Beispiel aus der ärztischen Geheimsprache? Bitteschön:

Z.n. Resektion von zwei Leberfiliae bei Z.n. Colon-CA

Manches im ärztischen Wortschatz ist (wie bei abkürzungswütigen Schreiberlingen in anderen Sprachen gleichermaßen) pure Faulheit. Wenn ich »Z.n.« oder gar »Zn« lese, dann weiß ich: »Zustand nach« ist gemeint. In obigem Beispiel ist sogar von einem »Z.n. bei Z.n.« die Rede, also vom Zustand nach einem Ereignis beim gleichzeitigen Zustand nach einem anderen Ereignis. Eine hübsche Konstruktion, das muss ich anerkennen.

»Resektion«, das weiß der Latein gelernt habende Mensch, bedeutet Zurückschneiden und auch die »filia«, die Tochter, kennt man auch noch aus dem Unterricht auf dem Gymnasium. Der Plural bei lateinischen Vokabeln, die auf a enden, wird bekanntlich mit ae gebildet; »filiae« sind also Töchter, das ist ganz leicht. Kombiniert man nun die deutsche Leber mit den lateinischen Töchtern, hat man im zitierten Satz »Lebertöchter« und einen »Zurückschnitt« beim primären »Zustand nach«.

Nun hat allerdings nicht etwa meine Leber zwei kleine Lebermädchen auf die Welt gebracht. Es handelte sich vielmehr um Töchter aus dem anderen »Z.n.«, dem Zustand nach »Colon-CA«.

Was ein Semikolon ist, weiß man ja. Wenn man ihm nun das Semi wegstreicht und den Rest, das kolon beziehungsweise colon, vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt, bleibt der Darm übrig. »CA« steht im Ärztischen nicht für die Texitlvertriebskette C&A und auch meist nicht für das chemische Element Calcium, sondern für Carzinom - Krebs. Zusammenfassend heißt also »Z.n. Resektion von zwei Leberfiliae bei Z.n. Colon-CA«, dass ich mich im »Zustand nach der Entfernung zweier Tochtertumore des Darmkrebs aus der Leber« befinde.

So weit, so simpel - alles ohne Nachschlagen zu verstehen. Wenn ich aber dann weiter unten im Befund auf den Begriff »Suszeptibilitätsartefakte« stoße, komme ich ins Grübeln und an meine sprachlichen Grenzen. Natürlich ist mir der Begriff Artefakt geläufig und verständlich, aber was eine Suszeptibilität sein soll - … keine Ahnung. Ein Rezeptor wäre ein Empfänger - doch was ist ein Suszeptor? Fängt der auch irgend etwas?

In diesem Fall ist die ärztische Zunge also nicht so einfach zu verdolmetschen. Aber Tante Google hilft wie meist und ich lese:

»Verschiedene Ursachen können das Entstehen eines MRT-Bildes stören. Vor allem eisenhaltige Metalle können zu dieser Bildstörung führen. Diese Bildstörung heißt auch Suszeptibilitätsartefakt. Suszeptibilitätsartefakte können die Auswertung der MRT-Bilder schwieriger machen. Sie können aber auch nützlich sein. So können beispielsweise kleinste Blutungen im Gehirn gefunden werden, weil eisenhaltiges Material beim Abbau von Blut im Gewebe zurückbleibt.«

Aha. So so. Danke, Tante Google und Onkel Wikipedia.

Endlich verstehe ich, dass es in diesem Befund darum geht, dass an den beiden Stellen, an denen aus der Leber Stücke herausgeschnitten wurden, Reste kleiner Blutungen zu sehen sind. Und das ist ja nun vollkommen normal und kein Grund zur Beunruhigung.

Wir sehen, liebe Blogbesucher, so kann man sich recht unterhaltsam und durchaus horizonterweiternd mit Dokumenten befassen, die auf Ärztisch verfasst sind. Man lernt eben im Leben nie aus – und das ist auch gut so.

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Sonntag, 25. Mai 2014

Joggathon 2014–(m)ein Rekord

Natürlich steht im Mittelpunkt des Joggathon-Festes Jahr für Jahr die Stunde, in der die Läufer ihre Runden drehen, damit über die Sponsoren eine spürbare Summe für den guten Zweck zusammenkommt. Das war auch 2014 nicht anders, obwohl schon der Auftakt, ein Konzert der Madrigalians aus Nashville unter freiem Himmel, etwas Besonderes war. Wer bei »Chor« und »USA« unweigerlich an Gospelmusik dachte, lag in diesem Fall allerdings reichlich daneben, denn Madrigale sind und bleiben nun einmal Musikstücke der Renaissance und des Frühbarock, auch wenn sie heute dargeboten werden.

The Madrigalians

Die rund 30 jungen Sänger treten normalerweise (und das hat bei ihrer Musik durchaus gute Gründe) in Kathedralen oder großen Kirchengebäuden auf, um deren Akustik zu nutzen. Madrigale an der frischen Luft ... das war schon eine Herausforderung. Doch der Auftritt begeisterte die zahlreich auf dem Grundstück der Lydia-Gemeinde versammelten Gäste, dem Applaus nach zu schließen. Neben der Musik gab es Informationen zu den durch den Sponsorenlauf unterstützten Projekten.

Um 12:38 Uhr startete dann der Joggathon, der Dauerlauf auf einem Rundkurs. 2013 war dies eine Wasserschlacht gewesen, mit tiefen Pfützen, aufgeweichtem Lehmboden und unerschöpflichen Regengüssen aus schweren Wolken - 2014 machten eher die Hitze (in der prallen Sonne) den Akteuren zu schaffen. Aber - und das macht dieses Fest zu etwas Besonderem – es kam die Rekordsumme von sagenhaften 14.000 Euro zusammen - so etwas gab es noch nie. Ob es wiederholbar ist, bleibt abzuwarten.

Mein Freund Jens und ich und die pralle SonneIch hatte mir mindestens acht, hoffentlich neun Runden vorgenommen - zehn wurden es. Meinen Sponsoren möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich danken, dass sie mir Antrieb und Rückenwind gegeben haben und meinem Freund Jens ein besonderes Dankeschön, dass er wie im Vorjahr vor dem Fest mit mir trainiert und mich dann Runde um Runde beim Lauf begleitet hat.

Für mich ist jedoch bekanntlich der Joggathon neben der sportlichen Herausforderung an und für sich auch in ganz persönlicher Hinsicht von Bedeutung: Eine Etappen-Siegesfeier über den Krebs. Zum zweiten Mal, trotz Lebermetastasen im Herbst 2013. Dass ich nach der fünfeinhalbstündigen schweren Operation und Beschädigung der Leber sowie des Dünndarms innerhalb von knapp acht Monaten wieder so gut in Form sein würde, hätte ich mir in den ersten Wochen und Monaten nach der Operation nicht vorstellen können. Zwar waren die Runden wohl nicht ganz einen Kilometer lang, aber auch das wäre heute gelungen. Und das ist keineswegs selbstverständlich.

105 Teilnehmer waren auf der Rennstrecke unterwegs, darunter erstmalig auch die beste aller Ehefrauen, am Wegesrand jubelten zahlreiche Zuschauer, die nicht müde wurden, Läufer und Wanderer anzufeuern, fleißige Helfer zählten die Runden und reichten Wasser, ab und zu kam ein erfrischender Windhauch sehr gelegen und nach 60 Minuten war es dann geschafft - rechtschaffen erschöpft und verschwitzt strömten die Teilnehmer wieder zum Gemeindegelände.

Eher unerfreulich ist auch beim 16. Joggathon nach wie vor die Tatsache, dass es weder Duschen noch (zumindest für die Männer) ausreichend dimensionierte Umkleideräume gibt. So schön die Strecke am Lolopfuhl auch ist und so gut das Grundstück der Lydiagemeinde samt Haus auch für größere Veranstaltungen geeignet ist - hier sollte der Veranstalter, nachdem der Berliner Joggathon von Jahr zu Jahr größer geworden ist, doch vielleicht einmal Abhilfe schaffen. Man kann ja schließlich Zelte als Umkleideräume anmieten und auch mobile Duschen kosten kein Vermögen. Notgedrungen blieb den Teilnehmern nichts übrig, als ungewaschen in trockene Kleidung zu schlüpfen und den weiteren Festverlauf in der Hoffnung zu genießen, dass sich die zwangsläufige Geruchsentwicklung in erträglichen Grenzen hält. Recht unangenehm war auch die Tatsache, dass es nur zwei Dixi-Toiletten gab – bei so vielen Teilnehmern und Gästen ist das deutlich zu knapp bemessen.

Köstlichkeiten vom GrillEs gab – und das ist nun wieder erfreulich – wiederum zu günstigen Preisen Gegrilltes; Kuchen und Kaffee waren kostenlos zu haben. Man plauderte und genoss das angenehme Wetter, hatte Gelegenheit, sich miteinander bekannt zu machen und die Muße zu genießen.

Zum Abschluss wurden dann den Läufern ihre Urkunden ausgehändigt, hinter den Kulissen wurde nämlich die ganze Zeit über gerechnet und gedruckt, damit die fröhliche Siegerehrung am gleichen Tag stattfinden konnte.

Im Ganzen also sehr gelungen war das Joggathon-Fest 2014 - und wenn es 2015 wenigstens Zelte zum Umkleiden, Toiletten in ausreichender Zahl und vielleicht sogar Duschen gibt, könnte die Rekordveranstaltung unter Umständen noch einmal übertroffen werden, weil es dann noch leichter wäre, Mitläufer für die Sache zu gewinnen. Ich bin gespannt. Und vor allem aber rundum froh und dankbar, dass ich zehn Runden geschafft und damit dank meiner Sponsoren 245,00 Euro zum guten Zweck beigetragen habe.

Ordentlich was geschafft!Herzlichen Dank auch an Sam, der fotografiert hat wie ein Weltmeister – sonst hätte ich jetzt hier keine Bilder zeigen können. Smiley.

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Freitag, 23. Mai 2014

Von einem armen Wanderer und einem magischen Baum

Ein armer Mann wanderte durch einen Wald und dachte über all seine Mühsal und Beschwernisse nach. Davon wurde er müde und schließlich lehnte sich an einen Baum, um auszuruhen. Es war nun dieser eine ausgerechnet ein magischer Baum, der jedem, der ihn berührte, augenblicklich alle Wünsche erfüllte. Der ermüdete Wanderer hatte Durst und wünschte sich, er hätte etwas zu Trinken bei sich. Augenblicklich hielt er ein Glas Wasser in der Hand. Erschrocken betrachtete er das Getränk, schnupperte misstrauisch daran und stillte dann, nachdem er zu der Ansicht gelangt war, dass das Getränk genießbar sein müsste, seinen Durst. Und siehe da: Nichts Böses widerfuhr ihm durch das Wasser. Zufrieden seufzte der arme Mann und lehnte sich wieder an den Stamm.

Bei Wehlen an der ElbeNach einer Weile stellte sich Hunger ein und der Mann wünschte, er hätte etwas zu Essen. Auch diesen Wunsch erfüllte der magische Baum schneller, als ein menschliches Auge folgen kann: Eine gesunde und reichlich bemessene Mahlzeit erschien in schönen Porzellangefäßen säuberlich angerichtet auf dem Waldboden. Misstrauisch überlegte der trotz des Wasserglases erneut überraschte Mann: Erfüllen sich hier alle Wünsche?

Er ließ sich die Mahlzeit schmecken, während er über diese merkwürdigen Materialisierungen nachdachte. Einen Versuch ist es ja wert, dachte er schließlich, nachdem sein Hunger gestillt war. Daher rief er in den Wald hinein: »Ich hätte gerne ein hübsches Haus für mich allein!« Sofort erschien auf einer Lichtung einen Steinwurf von dem Baum entfernt ein Haus, ganz nach seinen Vorstellungen von Schönheit und seinem Geschmack bezüglich der Architektur.

Der Mann fing an zu lächeln und wünschte sich Bedienstete, die sich um alle notwendigen Arbeiten am und im Haus kümmern sollten. Auch diese erschienen unverzüglich und gingen ihrer jeweiligen Arbeit nach, als seien sie nicht soeben erst aus dem Nichts angekommen.

Nun war der Wandersmann von seiner unglaublichen Machtfülle so gut wie überzeugt. Einen allerletzten Test wollte er noch durchführen. Er wünschte sich eine hübsche, liebenswerte, intelligente und treue Frau, die das unverhoffte Glück fortan mit ihm teilen sollte.

Sie stand augenblicklich vor ihm. Da murmelte der Mann: »Moment mal ... das ist doch lächerlich! So viel Glück kann ich gar nicht haben.« Er schüttelte den Kopf und sagte entschlossen: »Das passiert alles gar nicht.«

Als er diese Worte sprach, verschwanden Haus, Bedienstete und auch die wunderschöne junge Frau. Der Mann stand auf, zuckte mit den Schultern und sagte: »Ich wusste es ja!«

Dann ging er davon und dachte weiter über all seine Mühsal und Beschwernisse nach.

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Gedanken sind Dinge, die Realitäten erschaffen.
Oder vernichten.

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~frei nach Richard Sutphen, The Oracle Within // Foto: eigene Aufnahme

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Mittwoch, 21. Mai 2014

Café au lait mit ganz viel E

Man möchte ja meinen, dass Milch in einem Milchkaffee wäre. Das mag auch zutreffen, je nachdem, wo man den Milchkaffee erwirbt. Wer ihn selbst zubereitet, weiß ja sowieso, was er tut. Aber wie sieht es unterwegs aus?

kaffeetastenBei Kaffeeautomaten kann man ziemlich sicher sein, dass Milch weit und breit Mangelware und schon gar nicht im Kaffee zu finden ist. Das ist ja so logisch, dass alles andere an ein Wunder grenzen würde. Milch müsste ja gekühlt werden, da müsste regelmäßig gründlich und hygienisch gereinigt und frische Ware nachgefüllt werden ... das wird kein Automatenaufsteller seinem Personal beziehungsweise seiner Kalkulation zumuten. Wo bliebe denn da der Gewinn aus dem Verkauf!

Es ist also nur logisch, dass auch in dem »Café au lait«, der in einer mir nicht unbekannten Kantine angeboten wird, keine Milch enthalten ist. Was als Milchersatz dient, wollte ich schon lange wissen. Auf dem Automaten sucht man ja eine Auflistung der Inhaltsstoffe vergebens. Nun bot sich mir die Gelegenheit, die Verpackung des so genannten Kaffeeweißers in Augenschein zu nehmen. Mit der Folge, dass ich zukünftig den bisher schon seltenen Kaffeebezug aus der Maschine wohl ganz einstellen und mir lieber eine größere Thermoskanne für selbst mitgebrachten Kaffee zulegen werde.

kaffeeweißerNeben Glucosesirup (eine Lösung, die aus Traubenzucker und Fruchtzucker besteht), gehärtetem pflanzlichen Fett (Fetthärtung ist ein Verfahren, bei dem fette Öle verfestigt werden; dabei werden durch Hydrierung die Doppelbindungen der ungesättigten Fettsäuren-Reste mit Wasserstoff – in Gegenwart geeigneter Katalysatoren (Nickel) – abgesättigt) und einer nicht weiter spezifizierten Menge an Milcheiweiß werden nämlich Becher für Becher im sogenannten Milchkaffee beziehungsweise Café au lait die folgenden leckeren Zutaten ausgeschenkt:
  • E340 und E452: Chemisch erzeugte Phosphate. Beim Verzehr größerer Mengen wurden ein Abfall des Calcium-Spiegels sowie ein Anstieg des Parathormonspiegels beobachtet. Es wird diskutiert, ob ein Zuviel an Phosphat auch mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüchigkeit im Kindes- und Jugendalter einhergeht. Verbraucherschützer raten von einem häufigen Verzehr ab.
  • E471: Ein Emulgator. Emulgatoren sind Stoffe, die es ermöglichen, eigentlich nicht miteinander mischbare Komponenten in eine beständige Emulsion zu bringen. Emulgatoren zeichnen sich durch die Eigenschaft aus, sowohl in Wasser als auch in Fett löslich zu sein. Achtung! Wenn Sie Allergiker sind und/oder tierische Produkte meiden und/oder Gentechnik in Ihren Lebensmitteln ablehnen und/oder einen hohen Verzehr von Lebensmitteln mit diesem Zusatzstoff haben, beachten Sie bitte folgende Hinweise: Kann auch gentechnisch produziert werden, kann tierischen Ursprungs sein. Auch für Kosmetika zugelassen.
  • E551: Der Zusatzstoff Siliciumdioxid gilt als gesundheitlich unbedenklich, da diese chemische Verbindung vom menschlichen Organismus nicht aufgenommen und unverdaut wieder ausgeschieden wird. Diskutiert wird allerdings, ob dieser Zusatzstoff in Nano-Form schädlich sein könnte. Verbraucherschützer raten daher zu erhöhter Vorsicht bei Produkten mit Siliciumdioxid.
  • Farbstoff E160a: Carotine gelten zwar weitestgehend als unbedenklich, stehen jedoch im Verdacht, das Risiko für einige Krebsarten zu erhöhen. Ein erhöhter Verzehr kann auch zu Ablagerungen im Gewebe und in der Haut führen.
Was nun »häufiger Verzehr« ist, wo »größere Mengen« beginnen, wie viel von welchem Stoff pro Becher Kaffee enthalten sein mag ... das sei dahingestellt. Bekanntlich höhlt ja der klitzekleine stete Tropfen irgendwann auch den Stein. Meiner Gesundheit zuliebe werde ich lieber Geld in eine größere Thermoskanne investieren, anstatt auch zukünftig am Kaffeeautomaten in der Kantine (oder sonstigen derartigen Maschinen irgendwo unterwegs) auf die Taste »Café au lait« zu drücken.

P.S.: Auf die Gelegenheit, auch einen ungestörten Blick auf die Verpackung des Stoffes, der als »Kaffee« in dem Automaten landet, zu werfen, warte ich noch. Was da wohl alles drin sein mag?

Quellen der Informationen über die Inhaltstoffe: lebensmittellexikon.de, das-ist-drin.de und wikipedia.de. Hier gekürzt/auszugsweise wiedergegeben.
Foto: Selbst angefertigt am Tatort des Kaffeeverkaufs.

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Dienstag, 20. Mai 2014

Von angepriesenen Healing Codes und von gesunder Skepsis

Aus Erfahrung, sagt der Volksmund, wird der Einsichtsreiche klug. Um Erfahrungen zu machen, muss man natürlich erst einmal etwas unternehmen, ausprobieren, wagen, versuchen. Wenn jemand von vorne herein sagt »das hilft nicht, das geht nicht, das funktioniert nicht«, dann wird er nie wissen, ob er nicht doch eine Chance verpasst hat.

hecoAls mir eine Dame, die an meinem und unserem Ergehen seit der Krebsdiagnose sehr Anteil nimmt, das Buch »Der Healing Code – die 6-Minuten Heilmethode« auslieh, war ich sehr skeptisch, mehr als skeptisch sogar. Denn wenn es ein Mittel gäbe, mit dem so gut wie jede Krankheit, Krebs eingeschlossen, heilbar ist, und das so gut wie bei jedem Menschen, dann wäre das ja wohl bekannt. Weithin bekannt, bei Ärzten und Patienten. Allzu viele angebliche Wunderheiler treiben ihr Unwesen, indem sie für viel Geld leidenden Menschen Gesundheit und noch viel mehr versprechen. Wenn der Patient dann nicht gesund wird, rückt natürlich keiner dieser Scharlatane das Geld an die Hinterbliebenen wieder heraus.

Einerseits war ich also nicht geneigt, das Buch überhaupt zu lesen.

Andererseits neige ich (aus Erfahrung!) nicht dazu, etwas von vorne herein auszuschließen, bloß weil die chemisch-technisch-biologische Schulmedizin nichts davon weiß oder wissen will. Im Zweifelsfall probiere ich lieber aus, ob sich Erfolge einstellen.

Regelmäßige Leser werden sich erinnern, dass ich der durch die Chemotherapie ausgelösten Impotenz durch eine Methode außerhalb der Schulmedizin entkommen konnte - auf Anraten meines Onkologen (also eines Schulmediziners), der (wiederum aufgrund seiner Erfahrungen) traditionellen Heilmethoden gegenüber aufgeschlossen war.

Also las ich das Buch, Seite um Seite. Skeptisch. Manchmal innerlich etwas widerwillig, wenn es gar zu »amerikanisch« wurde. Das will ich erklären:

Es handelt sich bei der Lektüre um eine zweitweise recht mühselige und zwiespältige Angelegenheit. Da werden von der ersten bis zur 249sten Seite überwiegend Berichte von angeblich durch die Healing Codes von ihren diversen Krankheiten geheilten Menschen dargeboten, die zu überprüfen ich als Leser natürlich keine Möglichkeit habe. Gleichzeitig wird regelmäßig darauf hingewiesen (wohl eine Vorsichtsmaßnahme wegen drohender Haftung), dass mit den Healing Codes keine Methode zur Heilung von Krankheiten angeboten wird. Zwischendurch werden ein paar Grundlagen erläutert, die Zusammenhänge zwischen Energie, Atomen, Körperzellen und Krankheiten betreffen. Wer schon beim Gedanken, dass es außer biologisch-chemischen Wirkungen und Wechselwirkungen im Körper noch andere Vorgänge gibt, die sich der westlichen Wissenschaft entziehen, wird das Buch als unbrauchbar beiseite legen, wenn er zum x-ten Mal liest, dass Einsteins Energieformel etwas mit Krebs und Herzkrankheiten zu tun haben soll.

Aber - und da ist man als Betroffener vermutlich wesentlich offener als jemand, der nur über tödliche Krankheiten theoretisiert - aber es gibt sie nun mal, die Erfolge von traditioneller chinesischer Medizin, Akupunktur, indischen und anderen Heilmethoden, die nicht im Lehrbuch der modernen Medizin verzeichnet sind. Nicht ohne Grund bezahlen die meisten Krankenkassen Akupunkturbehandlungen und beispielsweise Qi Gong Kurse. Wenn es keine messbaren Erfolge gäbe, würde dafür kein Cent locker gemacht. Garantiert.

Und es gibt, abseits von allen Showbusinessveranstaltungen der Benny-Hinn-Liga, auch nachgewiesene und dokumentierte Heilungen durch Gebet, durch göttliches Eingreifen. Nicht bei jedem Gebet und nicht in jedem Fall, aber immerhin, es gibt sie.

Die beiden Autoren sind ausgebildete Mediziner und bezeichnen sich als Christen. Sie hängen auch dem bis zur 249sten Seite gehüteten Geheimnis, was es mit dem Healing Code auf sich hat, ein christliches Mäntelchen um, obwohl sie gleichzeitig versichern, dass die Methode bei Atheisten oder Andersgläubigen genauso funktioniert wie bei Christen. Es käme, so Alex Loyd und Ben Johnson, nicht darauf an, ob man an den Erfolg glaubt oder nicht. Der stelle sich so oder so ein.

Schließlich erfährt der Leser dann im letzten Teil des Buches, was es mit der so wundersam heilsamen Methode auf sich hat: Eine Meditationsübung mit vier Gesten, die sechs Minuten lang wiederholt werden. Drei Mal täglich. Und dann, versprechen die Autoren, werden sich gesundheitliche und gleich auch andere Probleme verflüchtigen, früher oder später.

Meine Skepsis ist durch die Lektüre des Buches nicht geringer geworden. Im Gegenteil. Da die Autoren, typisch amerikanisch möchte man sagen, auch materiellen Segen, Wohlstand und beruflichen Aufstieg durch die Healing Codes versprechen, bin ich um so mehr geneigt, das Buch der charismatisch-esoterischen Gedlverdienerecke zuzuordnen. Auf der zugehörigen Webseite von Loyd und Johnson geht es auch überwiegend darum, für eine Menge Geld zusätzliche Geheimnisse und Vertiefungen zu verkaufen. Da schrillen denn doch bei mir so einige Alarmglocken.

Andererseits sage ich mir: Es kann ja nichts schaden, das Verfahren an und für sich auszuprobieren. Genauso wie ich in der Rehabilitationsklinik am ärztlich verordneten Qi Gong teilgenommen habe (ohne für mich erkennbaren Gewinn), kann ich durchaus ein paar Wochen lang die Healing Codes ausprobieren und mal sehen, ob sich zum Beispiel der Tinnitus bessert.

Dass Entspannung, zur Ruhe kommen, Stress abbauen und Meditation dem Körper wie dem Geist gut tun, wird auch hierzulande von der Medizin nicht mehr bezweifelt. Die in diesem Buch propagierte Methode dienst letztendlich dem zur Ruhe kommen, drei Mal täglich. Loyd und Johnson empfehlen, mit einem Gebet zu beginnen:

Ich bete darum, dass alle bekannten und unbekannten negativen Bilder, ungesunden Glaubenssätze, destruktiven Zellerinnerungen und meine körperliche Beeinträchtigung durch __________ (hier nennt man das Problem, zum Beispiel Kopfschmerzen, Erinnerung als Kind ...) aufgespürt, erschlossen und geheilt werden mögen, indem mich das Licht, das Leben und die Liebe Gottes erfüllen. Ich bete darum, dass sich die Wirkkraft dieser Heilung um das Hundertfache oder mehr steigern möge. (Quelle: Buch »Der Healing Code«)

Die Autoren betonen, dass es auch ohne Gebet – und ohne Glauben – geht, hilfreich wäre das Gebet aber auch für Ungläubige allemal.

hecopanoAnschließend werden die vier Übungen ausgeführt. Man zielt mit den Fingerspitzen beider Hände auf vier Regionen an Kopf und Hals:

  • Erste Haltung – Brücke. In der Mitte zwischen Nasenwurzel und der Mitte der Augenbrauen zur Stimulation der Hypophyse und der Zirbeldrüse.
  • Zweite Haltung - vorne in Höhe des Kehlkopfes (Stimulation von Rückenmark, zentralem Nervensystem und Schilddrüse).
  • Dritte Haltung - zu beiden Seiten des Kopfes hinter dem Kieferknochen (Stimulation des reaktiven emotionalen Gehirns, inkl. Amygdala und Hippocampus sowie Rückenmark und zentralem Nervensystem)
  • Vierte Haltung - zu beiden Seiten des Kopfes, etwa 1 Zentimeter oberhalb der Schläfen und 1 Zentimeter Richtung Hinterkopf (Stimulation von rechter und linker Gehirnhälfte, sowie Hypothalamus).

Zwischendurch kann man, wenn die Arme ermüden, die Hände auch auf die entsprechenden Regionen legen. Bevor man anfängt, soll man sich ein Problem herausgreifen und auf einer Skala von 1-10 (1 wenig intensiv, 10 sehr intensiv) einschätzen. Dann soll das Gefühl ermittelt werden, mit dem das Problem verknüpft ist. Während der Durchführung der Übungen soll man seine Gedanken auf etwas Positives richten (Heilung, Gesundheit, Ruhe, Frieden…) – und nach der Durchführung dann wiederum die Skala von 1 bis 10 bezüglich der Gefühle betrachten.

Mit dieser Skala kann ich nichts anfangen. Mein Problem, zum Beispiel Tinnitus, ist ein Problem. Nicht lebensbedrohend, aber auch kein Mückenstich. Welche Gefühle damit verbunden sein sollen und wie ich die auf einer Skala unterbringen soll, ist mir schleierhaft.

Jedoch hindert auch das – so die Autoren – nicht die Wirksamkeit des Healing Code. Es muss wohl noch mehr Menschen wie mich geben, denen solche Gefühlsskalen böhmische Dörfer sind und bleiben.

Schaden kann es ja nicht anrichten, im Verlauf des Tages drei Mal für jeweils sechs bis zehn Minuten zur Ruhe zu kommen. Drei Monate habe ich (aufgrund der vielen sogenannten Heilungsberichte im Buch) dafür angesetzt. Wenn sich Mitte August nichts verbessert hat, dann weiß ich wenigstens, dass ich keine Chance versäumt habe. Wenn der Tinnitus verschwindet, dann kann ich darüber nachdenken, ob an den Healing Codes doch etwas dran ist. Denn nur aus Erfahrung wird der Einsichtsreiche klug.

Die ersten drei Wochen des Experiment liegen bereits hinter mir - ohne spürbare Ergebnisse. Doch wie sagt der Volksmund ebenfalls so treffend? Geduld ist die Mutter aller Tugend.

Na denn, schaun mer mol. P.S.: Falls jemand sich für das Buch, das ich weder empfehlen noch verwerfen mag, interessieren sollte: Der Healing Code: Die 6-Minuten-Heilmethode

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P.S. vom August 2014: Inzwischen ist der Test für mich abgeschlossen. Das Ergebnis: [Keine nachweisbare Wirkung]

Bildquelle: Buch »Der Healing Code«.

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Mehr zum Thema gesünderes und glücklicheres Leben aus persönllichem Erleben steht in diesem Buch:
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Freitag, 16. Mai 2014

Conchita Wurst. Aha. So so.

Da ich mir solche Sendungen wie den europäischen Schlagerwettbewerb nicht anschaue, musste ich mir erst einmal via YouTube einen Eindruck verschaffen, worüber sich manche Zeitgenossen öffentlich so begeistern oder aufregen. Conchita Wurst. Aha. So so.

Conchita-Wurst-OhneBart_h_img_308x0Da hat also eine Kunstfigur aus Österreich gewonnen, deren Erscheinungsbild offenbar polarisiert. Der junge Mann, der hinter der Maske Conchita Wurst steckt, sieht ja recht normal und nett aus. Da das von ihm dargebotene Lied ein eher durchschnittlicher Schlager ohne nennenswerte musikalische Finessen ist, hätte er vermutlich auf den Sieg im Wettbewerb wenig Chancen gehabt, wenn er als Thomas Neuwirth aufgetreten wäre. Mit Bart aus der Maske, Perücke und in Frauengewänder gehüllt hat er es allerdings auf den ersten Platz geschafft.

Mir gefällt die Kunstfigur Conchita Wurst nicht. Die Geschmäcker sind ja nun einmal verschieden. Hape Kerkeling als Königin Beatrix fand ich viel unterhaltsamer und witziger, auch die legendären Mary & Gordy aus vergangenen Dekaden hatten mehr Witz und Charme - aus meiner Sicht. Mir gefallen auch Tätowierungen nicht, während andere Menschen darüber ins Schwärmen geraten. Das macht ja alles nichts. Der eine hört gerne Volksmusik mit viel Tschingderassabums, der andere schwärmt für solide Rockmusik. Prima so. Sonst wären entweder Hansi Hinterseer oder Bruce Springsteen ohne Einkommen.

Was mir aber übel aufstößt, sind die öffentlichen Kommentare und Gehässigkeiten mancher Zeitgenossen zur Kunstfigur Conchita Wurst. Dass der rechte Rand der Gesellschaft Amok läuft, wenn jemand nicht arisch daherkommt, mag man ja noch als unverbesserlich hinnehmen. Aber auch solche, die sich gerne als »christlich« präsentieren, tun sich da mit Hasstiraden hervor. Und davon möchte ich mich deutlich distanzieren.

eurovision-song-contest-conchita-wurst-als-bondgirl-41-51776739Denn ich als Christ sehe das so: Es geht mich überhaupt nichts an, ob jemand hetero-, homo-, bi- oder asexuell ist oder aussieht. Ich habe das weder zu kommentieren, noch zu bewerten, denn nach dem Splitter im Auge eines Mitmenschen Ausschau zu halten und diesen öffentlich hinauszuposaunen macht blind für den Balken im eigenen Auge. Oder es gelingt sowieso nur, wenn man angesichts des eigenen Augenbalkens schon völlig blind geworden ist. (Ganz abgesehen davon, ob es sich überhaupt um einen Splitter handelt.) Es geht mich auch nichts an, was andere Menschen für schön oder unschön erachten. Was mir eine Eule ist, mag dem anderen gerne als Nachtigall daherkommen. Und umgekehrt.

Liebe Leute, die ihr euch »christlich« und »bibeltreu« nennt und dann öffentlich über Menschen herzieht, die ihr überhaupt nicht kennt und über die zu urteilen ihr keinerlei Veranlassung habt (außer euch in Selbstgerechtigkeit zu suhlen): Pfui. Pfui Teufel.

Übrigens: Die meisten, die sich da so gehässig und verurteilend geäußert haben, scheinen ja noch nicht einmal begriffen zu haben, dass es sich bei Conchita Wurst um die künstlerische Schöpfung eines Thomas Neuwirth handelt ... ein Schauspieler schlüpft in eine Rolle, für die er entsprechend zurechtgemacht wird. So wie Herr Liefers regelmäßig den Gerichtsmediziner Börne spielt und sich dafür jedes mal ein albernes Bärtchen zulegt. Aber vielleicht wären die Schreihälse ja damit überfordert, erst zu recherchieren, worüber sie zu zetern sich vorgenommen haben.

Conchita Wurst gefällt mir nicht. Ich muss und werde kein Fan von Herrn Neuwirth sein. Andere sehen das ganz anders. Und das ist auch gut so. Mehr muss über diesen Schlagerbeitrag nicht gesagt werden.

(Foto ohne Bart: WENN.com; Foto mit Bart: SALZBURG.com)

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Mittwoch, 30. April 2014

Eine herzliche Bitte

Der Anmeldeschluss naht demnächst, daher will ich noch einmal meine Blogbesucher und Facebook-Freunde herzlich bitten, sich an einer guten Sache zu beteiligen. Die Fakten, kurz und knapp:

  • clip_image002Ich laufe am 25. Mai 2014 beim Joggathon mit. Die Teilnahme ist für mich ein weiterer Zwischensieg im Kampf gegen den Krebs, eine Feier der Tatsache, dass ich im März 2012 nicht gestorben bin, sondern gerettet wurde. Und dass ich trotz des Rückschlags der Lebermetastasen-Operation im Oktober 2013 jetzt wieder so gesund geworden bin, dass ich 60 Minuten am Stück rennen kann.
  • Der Joggathon ist ein Benefizlauf - daher suche ich noch weitere Unterstützer (Sponsoren genannt). Diese versprechen eine Summe eigener Wahl pro Kilometer, den ich in der vorgegebenen Zeit (eine Stunde) schaffe.
  • Das Geld geht weder an mich noch habe ich es überhaupt in den Händen. Die Sponsoren bekommen nach dem Lauf eine Rechnung über die Spendensumme mit Bankverbindung direkt vom Veranstalter. Die Spenden gehen ohne Abzüge an gemeinnützige Zwecke. Eine Spendenquittung für das Finanzamt stellt der Veranstalter auch aus.
  • Damit die Rechnung und die Spendenquittung verschickt werden können, brauche ich Namen, Adresse und Betrag pro Runde von meinen Sponsoren. Die Angaben übertrage ich dann auf meine Teilnehmerliste.

Nun bin ich gespannt. Wer ist neben denen, die sich bereits gemeldet haben (vielen herzlichen Dank!) noch bereit, mich als Sponsor zu beflügeln? Ich freue mich wirklich über jeden Euro, der durch meinen Lauf (voraussichtlich neun Kilometer) dem guten Zweck zugute kommt. Lass mich einfach per E-Mail (gjmatthia@gmail.com) oder Brief (G. Matthia, Soester Str. 21-23, 12207 Berlin) oder Facebook-PN (da weiß ja jeder, wie es funktioniert) Name, Anschrift und Euro/Kilometer wissen. Danke!

Details zum Joggathon hier: [Joggathon 2014]

P.S.: Wer mag, kann auch die beste aller Ehefrauen als Sponsor anfeuern – Eva läuft dieses Jahr erstmals mit. Dann einfach »für Eva« beim Betrag pro Kilometer dazu schreiben.

P.P.S.: Auch Frau Punk rennt erstmals für den guten Zweck! Wer sie anfeuern will, kann sich direkt bei ihr eintragen: [Frau Punk joggt für den guten Zweck!]

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