Dienstag, 8. Januar 2008

Hillary kann's!

Bisher konnte man mit den Tränen kämpfen oder um Fassung ringen. Bei Hillary fügen sich beide Tätigkeiten zusammen, wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtet:

Die Frage, ob sie gleichzeitig um Fassung kämpft, bleibt einstweilen offen. Und wer die Wahlen gewinnt, wird sowieso bei Haso entschieden.

Das Prinzip Großzügigkeit

Kürzlich bekam ich neben einem leckeren Abendessen auch ein Buch geschenkt: Das Prinzip Großzügigkeit, geschrieben von Kenneth Blanchard und S. Truett Cathy. Es ist kein neues Buch, sondern bereits 2003 erschienen, aber in gewisser Weise zeitlos. Ich kann und will es gerne weiterempfehlen.

Eine Einschränkung vorneweg: Die Übersetzung ist leider an vielen Stellen unbeholfen, bei der Lektüre kam ich nicht umhin, zwischen Schmunzeln und Kopfschütteln immer wieder zu überlegen, warum der Verlag kein Lektorat durchgeführt haben mag, obwohl doch im Impressum die Rede davon ist. Lag es am Geld? Vielleicht musste ja Gerth Medien seinerzeit mit den Ausgaben knausern. Manches war auch so amüsant übersetzt, dass ich vor mich hin kicherte...
Sein Vater war bei einem fehlgelaufenen Drogendeal getötet worden, als der Chauffeur erst zwölf Jahre alt gewesen war.
Einen "fehlgelaufenen Dorgendeal" findet man in deutschen Büchern wohl sonst kaum, das riecht förmlich nach deal gone wrong oder deal gone down.
Der Broker stimmte ohne Zögen zu: "Das würde ich sehr gerne tun."
Reagiert jemand mit solchem Satz auf eine Einladung zum Essen, ohne ein "aber..." anzuschließen? Wohl kaum, der im Amerikanischen übliche Konjunktiv lacht den Leser an: I'd love to do that.
Doch genug davon. Abgesehen vom sprachlichen Aspekt der deutschen Fassung - oder trotz dessen - habe ich das Buch mit Freude und Gewinn gelesen. Im Übrigen hat auch die Originalausgabe von Kritikern Schelte wegen der arg hölzernen Dialoge bekommen.

Ken Blanchard ist eben kein Romanautor, sondern Motivationstrainer. Er hat Hand in Hand mit dem Gründer und Inhaber von Chick-fil-A, S. Truett Cathy, eine Allegorie über die Bedeutung des Gebens, der Großzügigkeit geschrieben. Dem Leser werden nach und nach einige Personen vorgestellt: Ein egoistischer Broker, sein Chauffeur, ein Manager, der ganz anders lebt als der Broker und einige weitere Menschen, alle gekonnt verwoben zu einer einzigen Geschichte. Der Broker ist fasziniert von der Ausstrahlung und dem Erfolg des Firmenchefs und kommt schließlich hinter dessen Geheimnis. Auch die "Tüten-Pennerin" (was habe ich bei dem Ausdruck gekichert und an so manche bag lady gedacht) ist am Ende nicht, was sie zu sein scheint...

Auf den letzten Seiten erfährt der Leser dann, was er bereits geahnt hat: Die Figuren sind anhand tatsächlicher Personen entwickelt worden, so gut wie jeder Protagonist ist Abbild eines Menschen.

Dies ist kein Buch, das sich ausschließlich an Menschen in der Wirtschaft wendet, im Gegenteil, es zeigt in vielen Facetten, wie man - viel oder wenig Geld in der Tasche - zu einem Lebensstil findet, bei dem Glücklichsein nicht mehr von äußeren Umständen abhängig ist.

Das Buch lässt sich schnell und flüssig lesen, langweilt nicht und stellt ein Lebensprinzip samt seinen Folgen auf unterhaltsame Weise vor, lädt den Leser ein, selbst auszuprobieren, inwieweit das eigene Leben durch ein Umdenken beeinflussbar ist.
  • Wer Englisch kann, dem empfehle ich nachdrücklich das Original (obwohl ich es nicht gelesen habe): The Generosity Factor
  • Alle anderen werden sich möglicherweise über die holpernde Übersetzung genauso amüsieren wie ich und trotzdem mit Gewinn für das eigene Leben lesen: Das Prinzip Großzügigkeit

Montag, 7. Januar 2008

Gestern abend...

...waren die beste aller Ehefrauen und ich im Norden Berlins in uns ungewohnter Umgebung. Wir saßen, geliehenes Schuhwerk an den Füßen, manchmal nur so da,...


... waren aber auch regelmäßig damit beschäftigt, relativ schwere Kugeln durch die Gegend zu werfen. Die kamen immer wieder unterirdisch zurückgekullert, so oft man sie auch wegwarf. Um niemanden zu verletzen, warf man nur entlang einer bestimmten eingegrenzten Bahn...


...und am Ende des vergnüglichen Abends in frohem Geburtstagsfeierkreis (da waren nämlich nicht nur die beste aller Ehefrauen und meine Wenigkeit geladen, sondern zahlreiche weitere Gäste) bewunderte man auf elektronischer Anzeige die Ergebnisse der vergeblichen Ballwegwerfversuche.

Nun dürfen sich Leser mit detektivischen Begabungen überlegen, hinter welchem der angezeigten Namen sich meine Wenigkeit verbergen mag. Zur Auswahl stehen: Bobby Brown / Miss Milla / Dr. Mouse / Dr. Sam / Miss Trees / Numba Won.

P.S.: Weitere Gebeurtstagsgäste versuchten sich auf der benachbarten Bahn ebenso vergeblich im Wegwerfen von Kugeln, aber die Namen lasse ich weg, um es nicht zu schwer zu machen.

Freitag, 4. Januar 2008

Kill Jesus!

Steve Hill über die Schwemme von "prophetischen Worten", die Erweckung für 2008 ankündigen:
There is a major problem with all these prophecies about revival to come. It is a religious problem which Jesus also encountered. Religion will get all excited about the Messiah to come but try to kill Him when He is standing in their midst (Luke 4:16-30).
Why?
The Messiah in the future does not demand faith and obedience now. The revival to come does not demand obedience now. We can feel all warm and fuzzy about the wonderful word and clap at what God will do while conveniently forgetting that where ever people are simply obeying Jesus they are seeing the Kingdom multiply now.
So isses.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Was für Schurken?

Gestern abend war ich eingeladen zum Abendessen; ein leibhaftiger Pfarrer, ein leibhaftiger Pastor, eine leibhaftige Verlegerin und eine leibhaftige Lehrerin saßen und aßen mit meiner Wenigkeit in einem Lokal mit dem hübschen Namen König Fischer und andere Schurken.

Wir fünf sind in den vergangenen Jahren gute Freunde geworden, haben zusammen gearbeitet, gebetet, gefeiert und gestern abend herzlich gelacht, als sich beim Geplänkel über die Politik herausstellte, dass einer der Anwesenden vor vielen Jahren F. J. Strauß gewählt hat, während ich damals Wahlkampfhelfer an der Seite von Willy Brandt (auf dem Foto mit John F. Kennedy) war. Das war seinerzeit ein recht giftiger Wahlkampf, "Freiheit statt Strauß", "Rote Gefahr"... Und heute? Da ist mir der Berliner Politiker, der seine Litfaßsäule beharrlich "Blog" nennt, lieber als jener, der "es auch gut so" findet.

Gestern also saßen wir, dem gleichen König nachfolgend, der uns zu Fischern berufen hat, als erlöste Schurken beim Abendessen und amüsierten uns (unter anderem und neben ernsthafteren Themen) über unsere wechselnden politischen Ansichten im Lauf der Jahrzehnte. Das Leben macht Spaß. Nicht nur in Lokalitäten, die Fischer König und andere Schurken heißen.

Mittwoch, 2. Januar 2008

613 Vorschriften - Freiwilige vor!

Joyce Meyer erzählte einmal, wie Gott ihr einen Schlüssel zur Veränderung ihres Lebens zeigte: "Joyce, wenn du aufhörst, negativ zu sein, werde ich dein Leben segnen."

Sie war unter sehr schlimmen Umständen aufgewachsen, die sie zu einer durch und durch pessimistischen Frau gemacht hatten, was sich auch in ihrem Reden widerspiegelte. Während der nächsten Monate gab sie sich große Mühe und arbeitete hart daran, lieber den Mund zu halten als etwas Negatives zu äußern. Aber es änderte sich trotzdem nichts an den Umständen.

Daher sagte sie eines Tages im Gebet: "Herr, ich habe aufgehört, negativ zu reden. Es hat sich aber nichts geändert, mir widerfährt nichts Gutes."

Die Antwort, die sie erhielt, ist ein Schlüssel, den auch ich mir zueigen gemacht habe: "Ja, du hast aufgehört, die falschen Dinge auszusprechen. Aber du hast noch nicht angefangen, die richtigen Dinge auszusprechen."

Wenn wir Gott wirklich glauben, dass er gut ist, dass seine Gnade und Güte nicht schwächer werden oder aufhören, dann wird sich das in unserem Reden wiederfinden. Wir werden die Wahrheit Gottes über unserem Leben, über den Umständen aussprechen, und nicht das, was die Umstände uns nahe legen möchten.

Anstatt darauf zu warten, dass wir endlich gut genug / reif genug / heilig genug sind, um Gottes Willen zu tun und zu erleben, werden wir beim Tun des Willens Gottes das Schrumpfen unserer Mängel erleben.

So ganz fehlerlos, perfekt und rundum makellos dürften allerdings die wenigsten von uns werden. Macht nix, ist sogar gut so. Sonst wären wir nicht aus Gnade, sondern aus Werken gerettet und müssten die 613 Regeln und Gebote des mosaischen Gesetzes einhalten...

Dienstag, 1. Januar 2008

Til Schweiger, Kinder, Pornographie

Vor ein paar Tagen waren wir im Kino. Angekündigt war eine romantische Komödie, freigegeben für Zuschauer ab 6 Jahren.
Im Lichtspielhaus waren auch zahlreiche Familien mit vielen Kindern. Der niedliche Titel "Keinohrhasen" und die Ausschnitte, die kürzlich bei einer Familien-TV-Sendung anlässlich des Werbebesuches von Herrn Til Schweiger zu sehen waren, ließen einen vergnüglichen Film, eine nette Romanze erwarten.

Was wir zu sehen bekamen, war geschmacklos. Ich bin sicher nicht prüde, meine auch nicht, dass eine Liebesgeschichte ohne Sex auskommen muss, aber in diesem Film hat der Darsteller und Regisseur Til Schweiger sehr bewusst Kinder im Publikum der ordinärsten Pornoographie ausgesetzt und seine Kinderschauspieler als Lockmittel für einen üblen Pornofilm missbraucht. Und das ganze garniert mit einer Gossensprache, die vielleicht im deutschen Film zu Hause sein mag. Wenn das so sein sollte, dann bin ich im Nachhinein froh, deutsche Filme seit Jahren weitgehend gemieden zu haben, von hervorragenden Werken wie beispielsweise "Das Leben der Anderen" einmal angesehen.
  • Ficken, gefickt, fick dich, Fotze, Möse, Schwanz, Arschloch... der normale Umgangston in Deutschland?
  • Sex mit täglich wechselnden Frauen, die ausprobiert und dann verworfen werden... der normale Alltag eines Journalisten in Deutschland?
  • Gespräche, in denen die verschienenen Möglichkeiten beim Oralsex erörtert werden, nachdem vorher ausführlich zu sehen war, wie das vor sich geht... das normale Unterhaltungsprogramm für Kinder ab sechs Jahren in Deutschland?
Sorry, aber da fehlt mir jegliches Verständnis für die Altersfreigabe dieses Films. Und für die Werbung, die das Machwerk in Familiensendungen wie der von Herrn Gottschalk erfahren hat. Und, vor allem, hätte ich von Til Schweiger einen solchen Müll nicht erwartet, engegiert er sich doch öffentlich für Dunkelziffer e.V.:
Dunkelziffer e.V. engagiert sich gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern und Kinderpornographie. Der Verein möchte das Thema in die Öffentlichkeit tragen und enttabuisieren sowie Opfern rechtlich und psychologisch zur Seite stehen. Seit 1993 bietet Dunkelziffer e.V. Opfern präventive und therapeutische Hilfe.
Aber Engagement für eine gute Sache heißt halt nicht, dass jemand Geschmack, Anstand oder auch nur einen Hauch von kulturellem Anspruch haben muss.

Man kann solche Filme drehen und auf den Markt bringen, von mir aus, aber doch bitte mit dem deutlichen Hinweis: Hier erwartet Sie eine gschmacklose Abfolge von Sexszenen, vulgärem Wortschatz, unglaubwürdigen Dialogen und jede Menge nackte Körper, Streit und lächerlichen Drehbuchfehlern, garniert mit ein paar wenigen komischen Szenen und zusammengehalten durch eine dürftig konstruierte unglaubhafte Geschichte. Geeignet für geschmacklose Menschen ab 18 Jahren.

Wer also in den nächsten Tagen oder später mitels DVD eine romantische Komödie sehen möchte, ist gut beraten, diesen Film nicht in Erwägung zu ziehen.

Montag, 31. Dezember 2007

Im Moor verirrt

Statt eines Jahresrückblickes gibt es am letzten Tag des Jahres 2007 etwas Erzähltes für meine Leser. Erzählungen verfassen ist immer noch das (und wird es wohl bleiben), was mir am meisten liegt, wenngleich mich die Sachtexte keineswegs quälen.
Ich habe kürzlich mal ein paar Texte aus meiner Sammlung "work in progress" (ein Euphemismus für "unfinished and almost forgotten") angeschaut, und dabei so einiges gefunden, was ich vielleicht doch wieder aufnehmen und fortführen möchte. Zum Beispiel ein Manuskript, das die Fortsetzung meines vor nunmehr 10 Jahren erschienenen Romans Es gibt kein Unmöglich! darstellen könnte. Es erzählt die Geschichte des Johannes Matthäus alias John Matthews weiter, zum Teil mit Rückblenden in die Kindheit, wie dieses Kapitel:
Kapitel 16

And I asked this God a question and by way of firm reply
He said: I’m not the kind you have to wind up on Sundays.
Jethro Tull

Als Johannes elf Jahre alt war, hatte er sich an einem Herbsttag im Moor verirrt. Es war kein riesiger Sumpf, aus dem es kein Entkommen gegeben hätte, aber für einen Elfjährigen, der allein und orientierungslos die Dämmerung hereinbrechen sieht, war das Benninger Ried, wie das Gebiet hieß, auf jeden Fall groß genug, um in Panik zu geraten.

Er hatte den Nachmittag damit verbracht, für den Biologieunterricht verschiedene Pflanzen zu sammeln, die typisch für ein Feuchtbiotop waren. Bei einigen war er nicht sicher, aber er legte sie trotzdem zwischen die Blätter des dicken Buches, in dem er die Gewächse preßte.

Sein Fahrrad stand an einen Baum gelehnt in der Nähe der Landstraße, die den nahen Ort Benningen mit seinem Wohnort Memmingerberg verband. Wenn auf dieser Straße Verkehr herrschte, dann hauptsächlich landwirtschaftlicher. Gegen Abend wurden die Fahrzeuge auf der Straße immer seltener.

Johannes war tiefer und tiefer in das Ried hineingegangen, die Gummistiefel sanken gelegentlich bis zum oberen Rand ein, so daß seine Füße und Hosenbeine bereits naß waren. Für einen unternehmungslustigen Jungen ist so etwas jedoch kein Grund, womöglich vorzeitig nach Hause zu gehen. Johannes war fasziniert von der Vielfalt, die die Natur hier offenbarte, wenn man sich nur die Mühe machte, geduldig hinzuschauen. Er entdeckte die verschiedensten Tiere, vom schlängelnden nackten Wurm im brackigen Wasser bis zum buntgefiederten Vogel, der mißtrauisch von einer Weide herabäugte.

Als Johannes mit einem Blick auf die Uhr feststellte, daß er bereits vor über zwei Stunden zu Hause zum Abendessen erwartet worden war, erschrak er. Seine Mutter konnte sehr streng sein und verprügelte ihre Söhne bei gegebenem Anlaß mit einem hölzernen Stock, der zu eben diesem Zweck in der Küche aufbewahrt wurde. Eine solche Verspätung konnte durchaus ein Anlaß sein. Also drehte Johannes sich um und begann, zügig durch das Moor zu waten, in die Richtung, in der er sein Fahrrad vermutete.

Daß er tiefer in den Sumpf steuerte, anstatt zum Rand zu gehen, bemerkte er nach einigen Minuten. Daß es dunkel wurde und auch noch leichte Nebelschwaden über der Feuchte entstanden, sah er im gleichen Moment. Er wurde nervös, machte einen Schwenk nach links, stiefelte eine Weile weiter, sah sich erfolglos nach irgend welchen markanten Punkten um, die ihm verraten konnten, wo die Straße lag, wechselte wieder die Richtung und geriet dann in Panik wie eine Küchenschabe, wenn das Licht angeht und sie zu weit vom Schlupfwinkel entfernt ist.

Er irrte kopflos herum. Die Dunkelheit siegte über die bleiche Abendsonne. Der Nebel wurde dichter. Geräusche aus dem Moor narrten ihn. Er lauschte immer wieder auf das Brummen eines Motors, um wenigstens ungefähr die Straße anpeilen zu können, aber auch das war vergebens.

Sei vernünftig. Hör auf, wie verrückt herumzurennen. Bleib stehen und denke nach! befahl er sich selbst.

Nachdenken? Worüber?

Wie du hier rauskommst, du Idiot!

Johannes blieb stehen und schloß einen Moment die Augen. Er versuchte, sich an irgend etwas zu erinnern, was in dieser Situation helfen konnte. Ihm fielen die vielen Geschichten von Karl May ein, die er gelesen hatte. Die Helden dort konnten in der größten Scheiße stecken, sie kamen immer heraus.

Na ja, gut, abgesehen von Winnetou mit der Kugel in der Brust.

Logik und Karl May. Zwei Dinge, die ihm tatsächlich halfen.

Es ist logisch, daß man aus einem Moor herauskommt, wenn man immer genau geradeaus geht. Ob man bei der Straße heraus kommt, ist nicht sicher, aber das erste Problem, der Sumpf, wäre damit immerhin überwunden. Wie aber kann man geradeaus gehen, ohne unmerklich einen Bogen zu machen? Da half Karl May. Irgendwo hatte Johannes gelesen, daß sich Old Shatterhand an der bemoosten Seite der Baumrinde orientierte. Wenn er Glück hatte, fand er hier im Moor ein ähnliches Anhaltszeichen, Bäume jedenfalls gab es nicht.

Hätte er eine Taschenlampe gehabt, wäre es leichter gewesen. Aber man nimmt keine Taschenlampe mit, wenn man vor hat, um 18 Uhr zum Abendessen zu Hause zu sein. Er hielt einen angefeuchteten Finger in die Höhe, um festzustellen, ob es vielleicht einen kleinen Luftzug gab. Tatsächlich war ihm, als verspürte er einen leichten Hauch, Wind wäre übertrieben gewesen, von links.

Er ging zwanzig Schritte geradeaus und machte die nächste Fingerprobe. Damit er ganz sicher war, hielt er den Arm gerade nach oben ausgestreckt. Er spürte den kalten Hauch. So ging er weiter, jeweils zehn oder zwanzig Schritte, anhalten, Fingerprobe, Wind von links, weitergehen. Johannes war sich keinesfalls sicher, ob das ihn tatsächlich geradeaus führte, aber ihm fiel keine Alternative ein. Als er den linken Stiefel verlor, weil der sich so festgesaugt hatte, daß Johannes ihn nicht aus dem Sumpf ziehen konnte, wollte die Panik auf der Stelle wieder die Regie übernehmen.

Ich werde hier versinken und in etwa zwanzig Jahren findet jemand mein Skelett.

Er lachte laut. Das war ein guter Anfang für eine Geschichte. Er mußte sich das zu Hause gleich aufschreiben. Solche Einfälle waren Gold wert.

Er stapfte weiter, links barfuß, rechts mit Stiefel. Daran, worauf er mit seinem bloßen Fuß trat, mochte er nicht weiter denken. Gewürm, womöglich scharfkantige Wurzeln, Schlangen sogar - hier gab es neben den harmlosen Blindschleichen zumindest Kreuzottern, das wußte er aus dem Biologieunterricht. Aber selbst das war immer noch besser, als stehenzubleiben und auf irgend jemanden oder irgend etwas zu warten.

Schließlich hatte trockenen Boden unter den Füßen. Er beschloß, weiter geradeaus zu gehen, und dann, sobald er an einen Weidezaun kam, diesem zu folgen. Die Wiesen hier waren alle eingezäunt, weil die Bauern ihr Vieh dort weiden ließen.

Gegen Mitternacht kam Johannes zu Hause an. Er hatte nach einer langen Wanderung die Straße und sein Fahrrad gefunden. Er war dreckig, naß und todmüde. Und er hatte Angst vor seiner Mutter.

Als sie ihm die Türe öffnete, gab es statt der Prügel jedoch eine Umarmung, die nicht enden wollte. Sie schluchzte, wiederholte immer wieder „Oh mein Gott, danke! Wo warst Du? Mein Gott, vielen Dank! Wo bist du bloß gewesen...“ und wollte ihren Sohn nicht loslassen.

Meint sie jetzt Gott mit ihrem „wo warst Du?“ oder mich? überlegte er. Vermutlich mich. Also gut - tolle Geschichte oder Wahrheit?

Johannes entschloß sich, die Wahrheit zu erzählen, wenn die auch weniger abenteuerlich war als eine tolle Geschichte, die er sich genauso schnell hätte ausdenken können, wie er sie erzählte. Im Geschichten erfinden und erzählen konnte ihn kaum jemand schlagen. Andere verstrickten sich dabei in Widersprüchen, mußten an entscheidenden Stellen kurz nachdenken - und schon war man ihnen auf die Schliche gekommen. Johannes passierte das nicht.

So, das wars auch schon mit dem 16ten Kapitel. Vielleicht schreibe ich das Manuskript ja im Jahr 2008 weiter, mal sehen. Auf jenem Blog, der ausschließlich Artikeln und Texten gewidmet ist, gibt es übrigens eine weitere Erzählung aus der gleichen Schatztruhe auf meiner Festplatte, einen mörderischen ungeschriebenen Aufsatz.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen Jahreswechsel, der genau so ausfällt, wie es den jeweiligen Vorstellungen entspricht und dann ein ausgesprochen frohes und erfolgreiches Jahr 2008.

Sonntag, 30. Dezember 2007

Repräsentatives in Hülle und Fülle

Ich hatte es bereits geahnt, als ich diese Umfrage startete. Meine Leser, zumindest diejenigen, die auf Umfragen klicken, sind grundehrliche und im Leben gefestigte Menschen. Anders ist nicht zu erklären, warum 50 Prozent geklickt haben, dass sie nie und nimmer klicken würden. 22 Prozent der Leserschaft wurde blümerant zumute, während 27 Prozent sich offenbar ausserordentlich freuten, da sie ja stets und immer, mit ausgesprochener Begeisterung auf jedwede Umfrage zu klicken pflegen. Ich hoffe, dass die Blümeranz nachlässt, denn meist ist ja eine Umfrage sichtbar...

Selbstverständlich habe ich, der Leserschaft zuliebe, als ich keine Umfrageidee hatte, trotzdem eine Umfrage gestartet und 43 Prozent gaben mir recht. Bedenklich ist, dass 39 Prozent meinten, ich solle mich was schämen; ist das nicht so etwas wie die Diskriminierung einer Minderheit? Oder bilden Menschen ohne Umfrageideen die Mehrheit in diesem unserem Lande? Nun gut, sei es wie es sein mag, immerhin haben mich ja auch noch 17 Prozent angespornt, mir was auszudenken. Mir fiel was bezüglich der kalendarischen Gegebenheiten ein.

Rechtzeitig vor Weihnachten fragte ich, was man dieses Jahr damit tun sollte, mit dem Fest. 45 Prozent der Leserschaft sind offenbar in ungebremster Feierlaune gewesen, während 31 Prozent sich wohl mit der Verlegung auf den 30. Februar etwas Zeit zum Nachdenken verschaffen wollten. 22 Prozent waren sich bereits sicher: Ausfallen lassen. Nun hat sich, trotz der repräsentativen Umfrage, weder Politik, noch Wirtschaft oder Kirche daran gehalten, dass immerhin 53 Prozent der Leser zumindest am 25 und 26. Dezember kein Weihnachten wollten - es fand dennoch statt.

Dass Kommentare für Blogs notwendig sind, bestätigten satte 92 Prozent der verehrten Leserschar, ich hatte auch nicht die Absicht, Kommentare womöglich nicht mehr zuzulassen. Den 8 Prozent der Klickenden, die Kommentare für überflüssig hielten, hätte ich gerne die Zusatzfrage gestellt, ob nicht gar Blogs überflüssig seien - na ja, vielleicht ein andermal. Kommt Zeit, kommt Umfrage, sagt bekanntlich der Volksmund.

Merkwürdig: 0 Prozent, in Worten Null Prozent, sehen einen Zusammenhang zwischen all den Weihnachtskerzen und dem Anstieg der Erdtemperatur, wiewohl doch zumindest die Weihnachtsgegner diesen Verdacht hegen könnten. Immerhin freuen sich ja wohl die meisten Leser über kuscheligeres Klima und vermissen den guten alten Winter mit all dem Schneematsch, Dreck an den Stiefeln und auf den Kotflügeln, rotgefrorenen triefenden Nasen, der Unmöglichkeit von Grillnachmittagen, klammen Fingern und all den anderen Unbillen nicht. Denen, die immer noch frieren, gilt dieser Rat: Das ganze Jahr viele viele Weihnachtskerzen anzünden, besonders am 30. Februar.

P.S.: Du findest das alles etwas - nun ja - sinnlos? Dann schau mal hier: YIP MINIMAL

Samstag, 29. Dezember 2007

Erbaulichkeiten

Eine Weihnachtsnachlese.

Klare, duraus auch zornige Worte zum Sieg des Kommerz über Christus in der amerikanischen Gesellschaft fand der CNN Jounrnalist Roland S. Martin:
Because of all the politically correct idiots, we are being encouraged to stop saying "Merry Christmas" for the more palatable "Happy Holidays." What the heck are "Seasons Greetings"? Can someone tell me what season we are greeting folks about? A Christmas tree? Oh, no! It's now a holiday tree. Any Christmas song that even remotely mentions Christ or has a religious undertone is being axed for being overtly religious.
Mehr von Roland S. Martin hier: CNN Commentary: You can't take Christ out of Christmas

Lars Broder Keil, Redakteur bei der WELT, gelang zu Weihnachten das von Roland S. Martin Gegeißelte: Ein Artikel, der zwar im ersten Satz behauptet, vom Weihnachtsfest und Heiligabend zu handeln, aber dann geht es um die Tanne, Goethe und Schiller, Mehdorn und Schell:

Einen Sündenfall anderer Art bescherte uns zu Weihnachten ein weiteres Menschenpaar: Es geht um die Bahn. Kindern, die sich so bockig verhalten wie die Tarifparteien, würde man mit einer Rute zur Bescherung drohen. Wie heißt es so schön in einem Weihnachtslied? „Süßer die Glocken nie klingen.“ Bei den älteren Herrschaften Mehdorn und Schell sind es eher die Schellen, die Narrenschellen. Liebe Leute, möchte man rufen: Habt Ihr denn noch alle Nadeln an der Tanne!

Hier der komplete Text: Mythos Tanne - Ein Weihnachtskommentar

Es funktioniert hierzulande wie dortzulande: Eine unbiblische Feier, die man über Jahrhunderte zum "christlichen Hochfest" beschworen und stilisiert hat, kann man nun feiern, ohne Christus zu nennen oder zu kennen.

Ist das nicht erbaulich, ist das nicht prima? Es bedeutet immerhin die Chance, dass die fromme Alibifunktion wegfällt, mit der sich mancher selbst in die Irre führt: "Ich war ja Weihnachten in der Kirche. Ich bin Christ."

Und, lieber Leser, mal ehrlich: Die Weihnachtsandachten / Christvespern / Heiligabendgottesdienste... - wird da denen das Evangelium gebracht, die Jesus nicht kennen? Das dürfte doch wohl die absolute Ausnahme sein. Solche Feiern sind nichts anderes als ein Faktor im Wohfühl-Kuschelclub-Frommsein, bei dem die böse Welt lieber draußen bleiben soll.

Dann doch lieber ein ehrliches, ohne christliches Mäntelchen gefeiertes Familienfest und Christus statt dessen an jedem Tag des Jahres nachfolgen und bezeugen. Das wäre ein möglicher guter Vorsatz für 2008...