Dienstag, 8. April 2008

Endstation Abbey Road

Geschafft!

Zumindest der erste Schritt: Mein Romanmanuskript ist so weit fertig, dass sich nun die beste aller Ehefrauen der 146 Seiten (auf DIN-A4 gedruckt, im Buch dann etwa 280 Seiten, je nach Verlag) annehmen kann. Mit hoffentlich kritischem Blick wird sie die verbliebenen Schwachstellen auffinden und mich auf Lücken in der Erzählung genauso hinweisen wie auf Überflüssiges.
Wenn das dann erledigt und eingearbeitet ist, geht es los mit der Verlagssuche.

Endstation des Romans ist der Zebrastreifen in der Abbey Road in London. Genau, der Zebrastreifen.
Da ausnahmsweise einmal die Sonne über London schien, fuhren wir recht früh am vierten Morgen mit der U-Bahn zur Station St. John’s Wood und bummelten dann gemütlich über die Grove End Road in Richtung Ziel.
Die Abbey Road war relativ unbelebt. Ab und zu kam ein Auto, aber es gab ausreichende Lücken im Verkehr, um unser Vorhaben in die Tat umsetzen zu können. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn zumindest einer der beiden überlebenden Beatles mit auf dem Bild gewesen wäre, aber man kann nicht alles haben.
Ich wollte im weißen Anzug, die Hände in den Taschen, über die Straße marschieren und versuchen, wie John Lennon auszusehen, obwohl natürlich meine Haare mit denen des Beatles auf dem Cover nicht konkurrieren konnten. Das bisschen, was auf meinem Kopf noch übrig war, umrahmte eine wachsende Glatze wie schwindender Strand bei Flut das Meer umsäumt.
Als wir auf die Aufnahmen vorbereitet waren und auf die nächste größere Verkehrslücke warteten, hielt ein weißer Volkswagen Käfer hinter dem Zebrastreifen. Ich fragte Jutta spaßeshalber, ob wohl die Londoner Fremdenverkehrsbehörden dafür sorgten, dass zumindest ab und zu das Bild der Straße dem auf dem Beatles-Album glich. Das Auto wurde an genau der Stelle abgestellt, an der auf dem Cover ein weißer VW parkt. Sie lachte und winkte mir zu, jetzt loszugehen.
Jutta und Viktor standen mit Camcorder beziehungsweise Fotokamera bereit. Der Junge hielt alles, was nun folgte, auf dem digitalen Video fest. Es ging so schnell, dass ich viele Einzelheiten erst später beim Betrachten der Aufnahmen bemerkte...
Am Anfang des Romans, das wissen regelmäßige Blogleser bereits, steht ein anderer Fußgängerübergang, in Berlin gelegen, und ein schwarzer VW Käfer spielt eine Rolle. Und was so alles auf den dazwischen liegenden Seiten passiert, wird hoffentlich bald in Buchform zu lesen sein.

Montag, 7. April 2008

Anleitung: Wie man einen Skandal zustande bringt

Beim Lesen eines Kommentares (gestern von Storch) überkam mich die Inspiration, diese Anleitung zu schreiben. Ich kann nichts dafür, dass mir dauernd solche Sachen einfallen, es passiert mir einfach. Dass ich sie dann nicht für mich behalte, das ist allerdings wirklich mir anzulasten...

Also, hier die Anleitung:

1. Man nehme eine Wahrheit.

Storch liest mich, nach eigenem Bekunden, aber er liest nicht Thomas Mann. Nicht mal für Geld. Höchstens für sehr viel Geld ließe er sich eventuell dazu veranlassen, auch Thomas Mann zu lesen.

2. Man äußere sich zu diese Wahrheit

Ich erkläre hiermit öffentlich: »Ich bin für meinen Blog-Leser populärer als Thomas Mann.«

3. Man mache daraus eine Skandalschlagzeile:

BILD berichtet: »Berliner Schmierfink hält sich für besser als Nobelpreisträger Mann.« FOCUS schreibt: »Unbekannter Autor behauptet, lesernswerter als Thomas Mann zu sein.« Marcel Reich-Ranicki giftet in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN: »Wer ist dieser Gernegroß, der sich für so wichtig hält, dass unser größter deutscher Schriftsteller dagegen verblassen würde?«

4. Man kann das nicht mehr aufhalten.

Egal, was ich jetzt in Interviews, Erklärungen, Richtigstellungen oder gar Entschuldigungen (wofür eigentlich?) sagen oder schreiben würde: Ich könnte nie wieder den Ruf loswerden, dass ich mich für besser / lesenswerter / wichtiger als Thomas Mann halte.
Es würde genug Journalisten und Kommentatoren geben, die immer wieder die gleiche Suppe aufwärmen. Man ist in Deutschland allzu bereit, sich offenkundig zum Bösen zu bekennen, solange es so aussieht, als wollte diesem die Geschichte recht geben.

Alles nur erfunden?

Hanebüchener Unfug? Von wegen. In den 60ger Jahren ist das schon mal exemplarisch vorgeführt worden. Da hatte John Lennon (richtigerweise) gesagt, dass bei den britischen Jugendlichen, die mehr über die Beatles wussten als über die Bibel, die Beatles populärer als Jesus seien. Das wuchs sich einige Monate später in Amerika zum Religionskrieg gegen die Popmusik aus, mit Scheiterhaufen und allem Drum und Dran. (Die älteren Semester erinnern sich bestimmt, die jüngeren können hier nachlesen: The Dark Side of Beatlemania.)

Alles kalter Kaffee von Vorgestern? Von wegen. Ist letztes Jahr in Deutschland erneut exemplarisch vorgeführt worden, Opfer war Eva Herman. Diesmal keine Scheiterhaufen, aber ein Berufsverbot, was natürlich niemand aussprechen würde.

Wir lernen aus diesem lehrreichen Blogbeitrag:

Es kommt im Leben darauf an, wer eine Wahrheit ausspricht. In gewissem Munde wird auch die Wahrheit zur Lüge.

P.S.: Lieber Storch, falls Du bis hierher gelesen hast, hast Du ohne Bezahlung auch Thomas Mann gelesen. Ich habe nämlich heimtückisch zwei Zitate von ihm in den obigen Zeilen untergebracht. Ätsch!

Sonntag, 6. April 2008

Sonntag ist. Jawohlja.

Ich bin zwar kein Mitglied der Evangelischen Kirche und nicht unbedingt ein Verfechter des Sonntages als Ruhetag (wo ist der Sabbat eigentlich abgeblieben, den Jesus und seine Jünger gefeiert haben und was ist mit den Pastoren und Pfarrern und Priestern, die am Sonntag arbeiten müssen und was ist mit Polizei, Rettungsdiensten, Krankenschwestern, Altenpflegern, Nah- und Fernverkehr, vom Busfahrer bis zum Zugabfertiger, was sollen Nachrichtenredakteure, Kellner und Köche sagen, wie steht es mit technischem Personal in den Fernsehstudios, Eintrittskartenverkäufern im Museum oder Zoo... - die Liste wäre schier endlos fortzusetzen) - aber wo sie Recht hat hat sie Recht, die Kirche: Heute ist Sonntag und das ist auch gut so.

P.S.: Bild gemopst von: epd-bild Thomas Rohnke via Jesus.de (Klick auf das Bild oben führt zur Quelle)
P.P.S.: Hat jemand bemerkt, dass dieser Beitrag aus vielen Zeilen, aber nur einem Satz vor dem erlösenden Doppelpunkt besteht?
P.P.P.S.: Thomas Mann hat einwandfreie Sätze zustande gebracht, die sich über mehr als eine Buchseite erstrecken.
P.P.P.P.S.: Ich gebe zu: Thomas Mann hat in der Regel sinnvollere Dinge geschrieben als ich in diesem Beitrag. Aber heute ist ja schließlich Sonntag, da hat der Sinn frei und vergnügt sich irgendwo anders...

Freitag, 4. April 2008

Eva Herman: Kritik und Selbstkritik

Das Medienmagazin Pro berichtet heute über einen Vortrag Eva Hermans beim Gemeinde-Ferien-Festival in Ruhpolding.
Kritik übte Eva Herman an dem Konzept des so genannten Gender Mainstreaming, das von der Bundesregierung unterstützt wird. Demnach sei das Geschlecht des Menschen nur anerzogen.
„Der Mensch ist von Gott geschaffen und wird von der Politik neu erfunden. Man hat sich von Gottes Willen entledigt,“ sagte Herman. Dies habe schon jetzt sichtbare Auswirkungen. „Aufgrund der negativen demographischen Kurven sehen wir: Wir sind im Begriff uns selbst abzuschaffen.“
Sie hat wieder mal einen Nagel auf den Kopf getroffen, die Eva Herman. Über das Gender Mainstreaming, dem auch die derzeitige CDU-Familienministerin verfallen ist, hatte ich mir letztes Jahr Gedanken gemacht: Getarnter Angriff auf Familien.

Eva Herman ist aber nicht nur kritisch, sondern auch selbstkritisch. eine sehr selten gewordene Eigenschaft bei Prominenten:
Kritische Bilanz zieht die lange Jahre erfolgreiche ARD- und NDR-Moderatorin auch aus ihrem eigenen Leben. „Ich lebte nach dem Prinzip: Ich darf alles, ich kann alles!“
Für Ehepartner und Kinder habe sie keine Zeit gehabt. „Ich habe drei gescheiterte Ehen und ein Kind. Umgekehrt wäre es mir lieber.“ Heute appelliert sie in ihren Büchern und Vorträgen an ihre Leser, umzudenken und sich nicht von der Politik und den wirtschaftlichen Zwängen abhängig zu machen.
Selten genug gibt jemand, der in der Öffentlichkeit wirkt und letztendlich seinen Lebensunterhalt davon bestreiten muss, wie diese Öffentlichkeit ihn oder sie wahrnimmt, eigene Fehler so offen zu. Schön, dass es noch Ausnahmen wie Eva Herman gibt.

Kann man Liebe erklären?

Gestern kam ich prima voran mit meiner Arbeit am Manuskript. Etwa 14 Stunden habe ich daran gearbeitet. Mittags traf ich mich mit einem Freund am Potsdamer Platz bei Maredo zum Business Lunch, wie eine Mittagsmahlzeit zu günstigen Preisen heutzutage daselbst heißt. 7,20 Euro für ein leckeres Gericht ist durchaus angemessen. Die zwei Stunden Arbeitsunterbrechung mit angeregtem und viele Themen berührendem Gespräch habe ich sehr genossen.

Ich hatte mich entschlossen, die S-Bahn zu nehmen, da sie mich von zu Hause ohne Umsteigen direkt zum Ziel bringt, Parkplatzsuche und -gebühren spart und weil ich während der Hin- und Rückfahrt mit dem Kleinen (regelmäßige Blogleser kennen ihn) arbeiten konnte.


Auf der Rückfahrt überarbeitete ich die folgende Passage. Nico ist ein 13jähriger Draufgänger, der sich mit meiner Hauptfigur Roland angefreundet hat. Mehr als Freundschaft ist inzwischen entstanden.

...Also erklärte ich, dass ich auf so etwas wie Geldwäsche gestoßen sei, während wir Nirvana hörten. Ich sagte, dass der Mann, der mich angesprochen hatte, offenbar Informationen über die Transaktionen hatte.
»Klasse, das wird ja immer aufregender und spannender!« Nico war ganz aus dem Häuschen. »Wer weiß, was da noch auf uns zukommt.«
Wir hörten einen Moment aufmerksam Kurt Cobain zu, der uns erklärte:
With the lights out, it's less dangerous
Here we are now, entertain us
I feel stupid and contagious
Here we are now, entertain us…

Ich beschwichtigte: »Auf uns kommt gar nichts zu. Du hältst dich da gefälligst raus. Ich erzähle dir, was sich so tut, aber ich möchte nicht, dass du irgendwie in die Angelegenheit verwickelt wirst. Das ist offenbar ein gefährliches Gelände, mein Lieber!«
»Hast du etwa Angst um mich?«
»Natürlich habe ich Angst um dich! Was glaubst du denn? Soweit ich das jetzt überblicke, sind sowohl Sabrina als auch Thomas Graf der gleichen Bande von Verbrechern zum Opfer gefallen, die mir eine Bombe in den Flur gestellt hat. Das reicht doch wohl?«
»Ja, natürlich. Ich bin es nur irgendwie noch nicht gewöhnt, dass sich jemand überhaupt Gedanken darum macht, was mit mir passiert.«
»Mache ich mir eben.«
»Danke.«
Er sah mich mit seinen großen Augen an, in denen ich einen Schimmer von Tränen erkennen konnte. Ich lächelte ihm aufmunternd zu.
»Es wäre wirklich schön, wenn du am Wochenende auch in Rothberg sein könntest«, meinte Nico. »Ich hoffe, ich gehe dir nicht auf die Nerven?«
»Unfug. Warum solltest du mir auf die Nerven gehen?«
»Weil ich dauernd bei dir ‘rumhänge.«
»Nico, ich freue mich, wenn du da bist. Warum würde ich sonst alle möglichen und unmöglichen Ämter aufscheuchen, damit du hier einziehen kannst?«
»Mitleid mit einem Waisenkind vielleicht?«
»Nein. Absolut nicht. Da kannst du sicher sein.«
»Warum sollte mich irgendjemand mögen?«

Diese Frage zielte genau auf das, was man nie erklären, nie benennen kann. Ich verstand, dass Nico unsicher war, nachdem er so viele Jahre in einem Kinderheim zugebracht hatte, nachdem seine eigenen Eltern ihn ausgesetzt und vergessen hatten wie ein abgelegtes Kleidungsstück, das man in den Caritas-Container wirft. Selbstwertgefühl wird durch bewiesene Zuneigung aufgebaut - der Hänsel-und-Gretel-Effekt muss demnach genau das Gegenteil bewirken. Die Erzieher im Heim mochten noch so fürsorglich und liebevoll mit den Kindern umgehen - sie wurden dafür bezahlt, dass sie das taten.
Wie konnte ich Nico erklären, warum ich ihn liebte? Wie kann man irgendjemandem erklären, warum man ihn oder sie liebt? Es geht gar nicht. Es gibt keine messbaren Fakten dafür.
And I forget just why I taste
Oh yeah, I guess it makes me smile
I found it hard, it was hard to find
Oh well, whatever, nevermind...

Vielleicht hatte Kurt Cobain recht. Nicht nach Erklärungen suchen. Einfach denken: Well, whatever, nevermind… Ich hatte Sabrina geliebt, liebte sie noch immer, obwohl sie tot war. Deshalb schmerzte jeder Gedanke an sie nach wie vor. So oft ich ihr auch erklärt hatte, dass ich sie liebte, das warum war immer offen geblieben.
Wegen Ihrer Schönheit? Schönheit ist vergänglich, die Liebe bleibt. Auch ausgesprochen unansehnliche Menschen finden Partner, mit denen sie eine tiefe Liebesbeziehung teilen können. Wegen Ihres Humors? Ich liebte sie auch dann, wenn sie traurig oder verzweifelt und jede Spur von Frohsinn weit entfernt war. Weil unser Sex uns tief erfüllte? Auch in Zeiten der Krankheit oder zu großer Müdigkeit und daraus resultierender sexueller Abstinenz nahm meine Liebe nicht ab.
Warum hatte Sabrina mich geliebt? Das war mir ebenso stets ein Rätsel geblieben. Ich fand mich nicht ungestalt und hatte mir keine bösartigen Charakterzüge vorzuwerfen, aber ich kannte zahlreiche Männer, die besser aussahen und aus meiner Sicht für eine Frau begehrenswerter sein mussten als ausgerechnet ich. Dennoch liebte Sabrina mich und verschwendete keinen Gedanken an andere.
Ich konnte Nico zwar aufzählen, was er an bemerkenswerten Eigenschaften und liebenswerten Merkmalen mitbrachte, aber das würde alles nicht den Kern der Sache treffen.
A denial! A denial! A denial!... brüllte Kurt Cobain. Ich wollte meine Liebe nicht leugnen. Ich wollte, dass Nico verstand, dass ich ihn wirklich liebte. Auch wenn ich es nicht begründen konnte.
»Nico, ich bin kein Philosoph. Und selbst die hatten Probleme damit, die Liebe zu begründen. Ich kann dir nur sagen, dass du für mich der Sohn geworden bist, den ich nie hatte. Ich kann dir erklären, wie sehr ich deine Offenheit, deine Abenteuerlust und deine Treue schätze. Ich kann dir sagen, dass es dir gelingt, immer wieder, etwas tief in mir anzurühren. Ich bin eigentlich ein Einsiedler, ein Eigenbrötler, aber Du dringst irgendwie durch. Und das genieße ich, das tut mir gut. Ich kann dir versichern, dass ich jede Stunde, die wir miteinander verbringen, genieße. Du bist für mich eben liebenswert, wichtig, wertvoll. Besser ausdrücken kann ich es nicht. So wie die Amerikaner sagen shit happens, so sage ich love happens
»An dir ist doch ein Philosoph verloren gegangen. Wenn ich mir je einen Vater vorstellen könnte, der diese Bezeichnung verdient, dann wärest du das, Roland.«

Das bringt mich zu der Frage: Kann irgend jemand unter meinen Bloglesern erklären, warum man liebt?

Mittwoch, 2. April 2008

300 - mitten in der Arbeit!

Dies ist der 300ste Beitrag auf diesem Blog - na so was. Da hört sich doch alles auf, was habe ich da bloß alles für Sinn und Unsinn von mir gegeben?

Es sei an dieser Stelle angesichts des Jubiläums mal ganz herzlich und aufrichtig den treuen Leserinnen und Lesern gedankt, die mit ihren Kommentaren (allen voran eine gewisse Barbara aus Lübeck-Travemünde) diesen Blog so lebendig machen und dafür sorgen, dass er keine Einbahnstraße vom Blogger ins Nirgendwo ist. All Euch stummen Lesern sei versichert: Nur Mut, das Ding beißt nicht, wenn man einen Kommentar schreiben will. Das einzig doofe ist diese Sicherheitsabfrage, aber ohne landet hier wirklich zu viel als Kommentar getarnter Müll. Also seid ermutigt: Ich lese jeden Kommentar und schaffe es in der Regel auch, innerhalb von ein paar Tagen (bei Bedarf) zu reagieren. Und ihr wisst doch, dass in der Bibel steht: »Einen fröhlichen Kommentator hat Gott lieb.« Oder so ähnlich.

So, genug lobgehudelt, jetzt zur Arbeit:

Mich haben einige liebe Menschen schon im Lauf der Jahre gefragt, was das Geheimnis sei, wenn man ein Buch veröffentlichen will. Ich habe keine Ahnung. Aber ich weiß: Ohne Mühe und Arbeit am Text geht es nicht. Ich lese in einem Forum so manchen Text von Autorinnen und Autoren, die sich nicht einmal die Mühe machen, die deutsche Grammatik und Rechtschreibung zu erlernen und sich gleichzeitig fragen, wie sie wohl zu Bestsellerautoren werden können. The naked truth is: No way, Joze!

Die Sache mit dem Schreiben ist wie bei einem Koch. Erst wenn ihm selbst die Suppe schmeckt, darf er andere einladen, sie zu kosten. Wenn sie den anderen nicht schmeckt, muss er an den Zutaten arbeiten, erneut kosten, erneut einladen, abschmecken, nachwürzen, und - wer weiß - erneut einen Reinfall erleben. Der Koch aber liebt seine Tätigkeit und bleibt dran. (Wenn jemand unbedingt ein Geheimnis braucht - da ist es!) Er gibt nicht auf. Und selbst wenn es Jahre dauern mag - irgendwann wird er die Suppe so komponiert haben, dass sie ihm und den Gästen schmeckt. Er erntet Applaus und zufriedene Gesichter. Und unverzüglich macht er sich daran eine zweite Suppe zu kreieren...

Was meinen nächsten Roman betrifft, so bin ich dabei, nachdem die grundlegenden Zutaten fest stehen, die Raffinesse der Gewürze auszubalancieren. Zum Beispiel:

Der Notarztwagen, der sich am Stau vorbei in Richtung Unfallstelle gequält hatte, stand auf der Fahrbahn, die hinteren Türen offen. Gestalten beugten sich über einen Körper.

Sabrina!

Man ließ mich nicht zu ihr. Mit sanfter Gewalt hinderte mich ein uniformierter Mann daran, redete beruhigend auf mich ein, appellierte an meine Einsicht, dass ich mir den Anblick ersparen sollte. Ich tobte und wollte mich losreißen.

Schließlich sagte mir ein dem Polizisten zur Hilfe kommender Arzt unumwunden, dass der Kopf meiner Frau bei dem Aufprall zwischen Auto und Glascontainer am Straßenrand geraten war und überzeugte mich davon, Sabrina lieber so in Erinnerung zu behalten, wie ich sie gekannt hatte.

Das war die gestrige Fassung. Heute steht im Manuskript statt dessen:

Der Notarztwagen, der sich am Stau vorbei in Richtung Unfallstelle gequält hatte, stand auf der Fahrbahn, die hinteren Türen offen. Gestalten beugten sich über einen Körper. Ich erkannte Sabrinas neues Kleid im Neonlicht, und noch etwas fiel mir auf, aber das drang nicht bis in mein Bewusstsein vor – es sollte noch Monate dauern, bis mir dieses Detail gewärtig wurde. Dort auf der Straße hatte ich nur einen Gedanken: Sabrina!

Man ließ mich nicht zu ihr. Mit sanfter Gewalt hinderte mich ein uniformierter Mann daran, redete beruhigend auf mich ein, appellierte an meine Einsicht, dass ich mir den Anblick ersparen sollte. Ich tobte und wollte mich losreißen.

Schließlich sagte mir ein dem Polizisten zur Hilfe kommender Arzt unumwunden, dass der Kopf meiner Frau bei dem Aufprall zwischen Auto und Glascontainer am Straßenrand geraten war und überzeugte mich davon, Sabrina lieber so in Erinnerung zu behalten, wie ich sie gekannt hatte.

»Aber der…« fing ich an, ohne zu wissen, was ich eigentlich sagen wollte. Mein Unterbewusstsein hatte etwas aufgeschnappt und behielt es für sich wie ein trotziges Kind den letzten Keks in der Blechdose. »Der… - ich meine – ich…«

Der Arzt fragte mich, ob ich ein Beruhigungsmittel wollte, aber ich lehnte ab. Ich wollte Sabrina zurückhaben, und wenn das unmöglich war, gar nichts mehr.

So verfeinert man ein Süppchen nach und nach, bis es dem Koch und dann - wirklich erst dann - hoffentlich den Gästen schmeckt.

Mein Französisch...

...habe ich erfolgreich vergessen. Schade, aber man kann nicht alles im Kopf behalten, was die Schule so mit sich bringt.

Blogleser wissen: Ich arbeite an der Endfassung eines Romans. Da stehen die folgenden Zeilen.
Doch dieser Nachmittagsspaziergang brachte die unerwartete Wende. Unvermittelt frage mich, während wir am Ufer entlang schlenderten, meine künftige Schwiegermutter auf Deutsch: »Bist du mit Esther glücklich?«
Überrascht antwortete ich: »Ja, sehr glücklich.«
»Et toi, Esther?«
»Oui, je suis, mais seulement avec Roland.«
»C’est bien. C’est très bien.«
Meine Frage oder Bitte: Wäre jemand mit der entsprechenden Sprachgewandheit so freundlich, mir zu sagen, ob das so stehen bleiben kann? Oder ist das grauenhaftes Französisch?

Dienstag, 1. April 2008

Shit happens...

...sagen die Amerikaner. Stimmt.

Ich war heute zum Abendessen eingeladen, zusammen mit lieben Freunden, bei einem befreundeten Pfarrer und seiner Frau. Auf dem Weg meinte das Auto, mich mit roten Warnlämpchen anblinken zu müssen und den Motor mal eben ausschalten zu sollen. Das Fahrzeug rollte noch freundlicherweise bis zum Straßenrand und machte es dann dem öffentlichen Dienst nach: Streik.
Ein Blick unter die Motorhaube offenbarte mir Gummigeschnetzeltes. Also Anruf beim entsprechenden Notdienst. Der Pannenhelfer ließ etwa 70 Minuten auf sich warten (Feierabend-Berufsverkehr in Berlin und meine war nicht die einzige Panne) - schließlich hielt das rot-weiß lackierte Fahrzeug warnblinkend hinter mir an und ein sehr freundlicher Mechaniker nahm sich der Sache an. Er hatte den passenden Keilriemen oder wie das Ding heißt dabei und auch geeignetes Werkzeug. Es dauerte etwa 15 Minuten, und mein Auto hatte wieder alle Tassen im Schrank - äh, ich meine Riemen an der Lichtmaschine.
Gekostet hat es nichts, das ist tröstlich. Und ebenso tröstlich ist das Wissen, dass der andere Pannendienst, der mit den gelben Fahrzeugen, erstens mit den Beiträgen für die Mitglieder teurer ist als meiner und zweitens das Auto (ist ja ein Amerikaner) hätte zur Werkstatt bringen lassen, statt an Ort und Stelle zu helfen. (Haben mir jedenfalls Kollegen nach ähnlichen Ereignissen berichtet.)
Nun ja. Ich fuhr dann nach Hause, denn man kommt nicht etwa 90 Minuten zu spät zum Abendessen. (Logisch: Ich hatte auch dort angerufe, wo ich eigentlich erwartet wurde). Ich fand noch Eier im Kühlschrank und Butter, sowie etwas Käse. Im Brotkasten warteten zwei einsame Scheiben Mischbrot auf den Verzehr: Voila - ich musste nicht verhungern.

Trotzdem: Abendessen mit Freunden wäre mir lieber gewesen. Aber: Shit happens. Gute Nacht.

Montag, 31. März 2008

Abgetaucht

In dieser Woche bin ich, wie bereits angedeutet, überwiegend abgetaucht. Oder eingetaucht in ein literarisches Projekt. Also erwartet bitte keine oder kaum Blogeinträge.
Die Familie weilt in Spanien und ich habe Urlaub zu Hause - die besten Voraussetzungen für eine ausführliche Beschäftigung mit Sabrina und Esther. Aber mehr Sabrina als Esther. Obwohl Esther ja auch eine ganz und gar liebenswerte Person ist.

Ich schreibe Rätselhaftes in diesen Beitrag? Mag sein, das Rätsel könnte sich dann lösen, wenn ich a) fertig würde, b) einen Verleger fände und c) der geneigte Blogleser des dann erscheinenden Buches habhaft würde.
Um mit Herrn Beckenbauer zu sprechen: Schaun mer mal...

Sonntag, 30. März 2008

Barbaras Flucht - brutal aber wahr

Meine Geschichte ist nur eine von vielen, die sich zugetragen haben. Sie ist nicht wertvoller als andere Schicksale, doch will ich sie erzählen als ein Zeugnis dessen, was der Glaube an den Allmächtigen in einem Herzen zu bewirken vermag, dem jegliche menschliche Hoffnung geraubt wird.

Vor etwa 10 Jahren schrieb ich für eine Anthologie über den schwäbischen Liederdichter Philipp Friedrich Hiller (Gott ist mein Lobgesang) einen recht nüchternen Text über eine wahre Begebenheit im Jahr 1862, die mit seinen Liedern zu tun hat. Nüchtern und unblutig, weil der Verlag die fromme Leserschaft nicht mit den brutalen Tatsachen konfrontieren wollte. Der obige Einstieg ist aus diesem Text.

Gleichzeitig schrieb ich aber anhand der historischen Dokumente, die mir damals vorlagen, auch auf, was wirklich geschehen war. Diesen zweiten, ungeschminkten Text mit dem gleichen Einstieg habe ich heute beim Stöbern wieder gefunden. Er ist auf meinem anderen, dem textlastigen Blog zu finden. Darin finden sich dann auch solche Passagen:
Ich mußte mit ansehen, wie die Köpfe von Kleinkindern und Neugeborenen von den Kriegern an Hausmauern zerschmettert wurden. Manch ein Opfer lebte noch, wurde jedoch achtlos beiseite geworfen, um eines grausamen Todes zu sterben.
Nach dieser Warnung: Bitteschön, hier geht es lang: Mein geteiltes Buch - die Geschichte der Barbara Manz

P.S.: Logisch: Kommentare nur dort, nicht hier.