Freitag, 27. Februar 2009

Ein neuer Weg - vorstellbar?

Von Elaine Heath, deutsch von Günter J. Matthia:

Als Lehrerin im Fach Evangelisation an der Perkins School of Theology habe ich häufig die Gelegenheit, in Gemeinden über Evangelisation zu sprechen. Dallas, zentral im »Bible Belt« gelegen, hat mehr große Kirchen und Gemeinden als andere Gegenden unserer Nation. Daher finde ich mich oft in einer gehobenen Vorstadtgemeinde wieder, wo ich über Ekklesiologie spreche.
Wann immer ich darüber rede, wie eine Gemeinde missional wird, ihre Selbstbezogenheit hinter sich lässt, wenn ich über die Hilfsbedürftigen spreche, dann kommt unausweichlich die Antwort: Was Christen wie die »Missionare der Nächstenliebe« tun ist prima für sie, aber für die meisten Menschen nicht umsetzbar. So etwas ist Missionsarbeit in einer Nische, aber nichts für »die Gemeinde«. Man erklärt mir, dass eine normale Kirche in den Vorstädten ein Gebäude ist, in dem eine Menge Programme angeboten werden, die den Bedürfnissen der Mitglieder entgegenkommen. Evangelisation beschränkt sich auf Strategien, mit denen man neue Besucher davon abhält, sich einer anderen Gemeinde anzuschließen. Die meisten dieser Gemeinden haben kurze Missionseinsätze im Sommer, bei denen Jugend und junge Erwachsene kulturübergreifend den Armen das Evangelium bringen. Viele spenden auch Geld an Obdachlosenheime und Essensausgaben für Bedürftige. Diese Form der Einsätze wird als Beitrag der Kirche zur Mission verstanden.

Die Idee, dass Gemeindemitglieder in ihrer eigenen Nachbarschaft als »Missionare der Nächstenliebe« leben, scheint unvorstellbar. Aber muss das so sein? Heißt Gemeinde sein wirklich Gebäude, Programme, Budgets und Spenden? Sollte die »normale Kirche« nicht eine Gemeinschaft von Christen sein, die um der Welt willen lebt? Wie sieht die Basis unserer Kirchenlehre aus?

(Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. - siehe Matthäus 25, 31-46) Die Hermeneutik der Liebe ist in dem Glauben verwurzelt, dass Jesus wirklich in den Menschen um uns herum lebt, dass er in unseren tatsächlichen Nachbarn dürstet. Jesus ist durch ewige Liebe mit jedem Menschen verbunden, dem ich begegne. Das ist der Anfangspunkt. Wenn ich die Menschen auf diese Weise betrachte, dann ändert sich alles. Es verändert meine Art, zu evangelisieren. Es verändert meine Ekklesiologie. Ich sehe jetzt Menschen, die bereits vom Heiligen Geist gerufen werden, bereits von Jesus gekannt werden, bevor ich ihnen überhaupt begegne. Jetzt verstehe ich, dass Freundschaft und Gebet die Grundlagen meiner Beziehung zu anderen sind, im Namen Jesu. Mit einer Hermeneutik der Liebe gebe ich mich den Menschen um mich herum hin in Gebet und Freundschaft, damit ich von ihnen etwas empfangen kann; nicht etwa, dass sie sich meiner Gemeinde anschließen, sondern dass ich Jesus in ihnen dienen kann, dem Jesus, der dürstet.

Um das zu tun, muss ich darüber nachdenken, was es für mich und andere Menschen bedeutet, Sünder zu sein. Ich muss Sünde überdenken, das, was Luther eine in sich gekrümmte Seele nannte. Und ich muss die Beziehung zwischen Wunden und Sünde überdenken. Eine Hermeneutik der Liebe bedeutet, dass Gott die Sünde des Menschen »voller Mitleid, nicht mit Verdammnis« betrachtet, weil Gott die Vielschichtigkeit von Verletzungen und Sünden sieht. Eine Hermeneutik der Liebe schließt die Lehre der Versöhnung ein, die nicht bestrafen will. Warum? Weil Jesus sich entschlossen hat, mit uns Sündern solidarisch zu werden, damit er uns von unserer Sünde befreien kann. Wenn Jesus uns befreit, sind wir wirklich frei. Mit der Hermeneutik der Liebe sehe ich die Sünde anderer Menschen so, wie Jesus sie sieht, und zwar keineswegs als unüberwindliches Hindernis oder permanente Schmutzflecken, sondern als Konsequenzen aus einem Leben in einer kaputten Welt. Ich sehe die vollständige Kraft der Auferstehung in den Menschen, schon bevor sie stattfindet. Darum glaube ich an ihr Potential, geheilt zu werden genauso wie an die Chance der Vergebung. Niemand ist jenseits der Möglichkeit, in Christus erneuert zu werden. Eine Hermeneutik der Liebe ist sich der Verheerung durch Sünde und Böses vollständig bewusst, aber sie weigert sich, der Sünde und dem Bösen das letzte Wort zu lassen.

Der englische Text steht hier im Emergent Village Weblog

Mittwoch, 25. Februar 2009

Ja ja, die Schweizer...

Am Rande einer interessanten Diskussion bei Storch erfuhr ich, wie die Schweizer entstanden sind. Ich hatte angenommen, Schweizer vermehren sich via Reagenzglas. Ein Teilnehmer des Gespräches klärte mich mit folgenden Worten endlich auf:

so wie die bayern und die österreicher… hannibal zog über die alpen und sagte: alle fuß und geschlechtskranken rechts und links raus…

Nun scheint ein Fundstück aus der Liste, mit welchen Suchbegriffen die Internetnutzer auf meinem Blog landen, dieser Anekdote Gewicht zu geben:

»erigierte schwanz trailer« -tss tss tss. Meines Wissens heißt es übrigens eregiert, nicht erigiert.* Nun ja, sei's drum. Hat jemand etwas zur Ehrenrettung der Schweizer beizutragen? Irgendwie mag ich das Land und die Leute, und ich will ja nicht, dass den Schweizern ein schlechter Ruf anhängt...

Und wer weiß, was die Japaner so suchen:

Ich kann das jedenfalls nicht übersetzen...

*siehe Kommentare...

Dienstag, 24. Februar 2009

Googlemail kollabiert?

Es scheint weltweil Probleme mit Googlemail zu geben: Tweet Tweet Tweet zwitschern es die Spatzen von den Dächern.

Na so was. Und die Welt dreht sich trotzdem noch. Da hört sich ja alles auf!

Der »richtige« Postbote kommt einmal täglich, falls er nicht verschnupft ist. Vielleicht sind wir ein wenig verwöhnt?

P.S. um 13:33 Uhr: Googlemail is back! Yipeeeee!

Danke, Herr Brown!

Am 15. Januar hatte ich über eine Aktion berichtet, bei der durch möglichst viele Unterschriften Gordon Brown, der Gastgeber des Welt-Wirtschaftsgipfels im April, gebeten wurde, Afrika nicht draußen vor der Tür stehen zu lassen: Please include Africa!

51.000 Menschen haben sich der Petition angeschlossen. Nicht ohne Wirkung. Gordon Brown hat die afrikanischen Länder gebeten, einen Vertreter zum Gipfeltreffen zu entsenden.

Damit ist immerhin der wichtige Schritt getan, dass die reichen Nationen nicht unter sich bleiben, wenn über die Zukunft der Wirtschaft geredet wird. Und der erste Schritt ist immer der, ohne den sich gar nichts bewegen würde. Wir ONE-Mitglieder freuen uns und haben uns bei Herrn Brown bedankt.

Montag, 23. Februar 2009

Gastbeitrag: Gotthold Ephraim Lessing


Eine alte Kirche, welche den Sperlingen unzählige Nester gab, wurde ausgebessert. Als sie nun in ihrem neuen Glanze da stand, kamen die Sperlinge wieder, ihre alten Wohnungen zu suchen.
Allein - sie fanden sie alle vermauert.
»Zu was«, schrieen sie, »taugt denn nun das große Gebäude? Kommt, verlaßt den unbrauchbaren Steinhaufen!«

Sonntag, 22. Februar 2009

Bob Dylan: Ten new songs

Die Gerüchteküche brodelt mit erhöhter Temperatur. Das neue Album von Bob Dylan soll, so viel scheint sicher, Ende April 2009 erscheinen. Ebenfalls relativ sicher: Es gibt 10 neue Songs.
Aufgenommen wurden 13 Stücke - nun ja, wenn man die Bootleg-Szene ein wenig kennt, weiß man, dass dies maßlos untertrieben sein dürfte. Es werden wohl eher 13 Lieder in einer einstweiligen Endfassung sein. Drei davon sollen nicht auf das Album, sondern als Filmmusik für »My own Love Song« dienen, ein Road-Movie über eine an den Rollstuhl gefesselte Sängerin. Renée Zellweger und Forest Whitaker spielen die Hauptrollen, wann der Film in die Kinos kommt, ist offen.
Mike Campbell (Heartbreakers) und David Hidalgo (Los Lobos) waren dem Vernehmen nach bei den Aufnahmen mit im Studio - zwei Gitarristen, die zusätzlich zu Bob Dylans Tour-Band eingeladen wurden. Es soll auch Benmont Tench, Keyboarder bei den Heartbreakers, dabei gewesen sein. Einstweilen gibt es überwiegend Spekulationen, zum Beispiel dass das zusätzlich angesetzte Konzert am 26. April in London ein »Record Release Special« sein könnte.

Was bleibt uns also, als möglichst geduldig abzuwarten? Na ja, zum Beispiel die außerordentlich gelungene letzte Folge der »Theme Time Radio Hour« über »Cops and Robbers«. Bob Dylan erzählt: »I got a friend named Stan. He's not very smart. He called me up the other day and he said: I'm having some trouble in the house. What's the Number for 911? There's just no helping some people...«

P.S.: Foto von BobDylan.com

Samstag, 21. Februar 2009

Open letter to Stephen King

Dear Stephen,

We all know (not only from your books) that life isn't fair. But now you added willingly to life's cruelty by releasing UR exclusively on Amazon's Kindle.

I wouldn't mind spending a few bucks for a Kindle, pink or white or even green like a slimy monster from a swamp nobody should ever set foot into. But I can't. My neighbour can't. The best of all wives (sorry, Tabitha) can't buy me one in order to make her husband happy again. There is just no fucking way.
Of course we could order one from the USA, but it wouldn't be much fun to have a Kindle that can't get any books or magazines into its hungry belly, because in Europe there is not even the glimpse of a chance to connect the gadget to Amazon's sources.

Now what shall we, your constant readers, do? You forced us to become unconstant readers. You made our lives miserable. We have to read books from other authors instead. Good ones, bad ones, and the ones in between. And all the time there is this nagging voice inside our heads: »You should be reading UR, you know? Why are you reading this crap instead?«

Stephen, I am frustrated. I am sad. Sadder than after reading »Hearts in Atlantis« all the way, still hoping until the last page that it would turn out to be a good book in the end. Totally hopeless. I used to be your constant reader, even after »Hearts in Atlantis«, and now you kicked me out. Bad bad Stephen!

Have a good day. Mine sucks.

GJM

Lieber Stephen,

wir alle wissen (nicht nur aus Deinen Büchern), dass das Leben ungerecht ist. Doch jetzt hast du willentlich zur Grausamkeit des Lebens beigetragen, indem du UR exklusiv für den Kindle von Amazon veröffentlicht hast.

Es käme mir nicht auf eine Handvoll Euros für einen Kindle an, sei er rosa, weiß oder sogar grün wie das schleimige Monster aus jenem Sumpf, in den keiner von uns jemals einen Fuß setzen sollte. Aber das kann ich nicht. Mein Nachbar kann es nicht. Die beste aller Ehefrauen (tut mir Leid, Tabitha) kann mir keinen kaufen, um ihren Ehemann wieder froh zu stimmen. Mist, es geht einfach nicht!
Natürlich könnten wir einen aus den USA bestellen, aber es wäre wenig lustig, einen Kindle zu besitzen, der nicht in der Lage ist, seinen hungrigen Bauch mit Büchern oder Magazinen zu füllen, weil noch nicht einmal der Schatten einer Chance besteht, dass sich das Gerät mit den Amazon-Quellen verbindet.

Was allso sollen wir, deine treuen Leser, tun? Du hast uns gezwungen, untreue Leser zu werden. Du hast unser Leben in den Trübsinn gestürzt. Wir müssen statt dessen andere Autoren lesen. Gute, schlechte, und die dazwischen. Aber ständig ist da diese nervende Stimme in unseren Köpfen: »Du solltest eigentlich UR lesen, weißt du? Warum liest du statt dessen diesen Mist?«

Stephen, ich bin frustriert. Ich bin traurig. Trauriger als nach der Lektüre von »Hearts in Atlantis« bis zum Ende, in der ständigen Hoffnung, dass das auf den letzten Seiten doch noch ein gutes Buch werden würde. Völlig hoffnungslos. Ich war dein treuer Leser, sogar nach »Hearts in Atlantis«, und jetzt hast du mich verstoßen. Böser, böser Stephen!

Ich wünsche dir einen guten Tag. Meiner ist versaut.

GJM

Freitag, 20. Februar 2009

Kaffee für die Badewanne

Auf der Suche nach fair gehandeltem Kaffee wurde ich bei Amazon unter »Badartikel« und »Drogerie & Bad« fündig.

Nun frage ich mich, ob man diesen Kaffee nur in der Badewanne trinken darf oder ob der Genuß auch außerhalb, zum Beispiel am Schreibtisch oder im Wohnzimmer, zulässig ist. Weiß jemand Genaueres darüber?

Tschüss, Thilo!

Friedbert Pflüger, seinerzeit noch CDU-Chef in Berlin, meinte, Thilo Sarrazin sei »in seiner verschrobenen Weise irgendwie nicht unsympathisch: ein Typ eben.« Der Haushaltsexperte der Grünen, Oliver Schroffeneger, kommentierte: »Er hat einen schrägen, ziemlich englischen Humor. Außerdem sagt er einfach, was ihm gerade einfällt.«
Ich finde es schade, dass der Finanzsenator nun in die Vorstandsetage einer Bank wechselt, denn er ist ein leider selten gewordener Typus Politiker. Einer, der sich nicht scheut, anzuecken, der niemandem, auch dem Chef im Rathaus nicht, nach dem Munde redet. Wowereit, so heißt der Chef im Rathaus, über Sarrazin: »Eine Art politischer Günter Netzer. Bisweilen genial, gerne etwas lauter, aber nicht jeden Tag teamfähig.«
Ein Politiker mit erkennbarem Charakter eben. Wir werden solche Ungeschminktheiten zukünftig wohl missen müssen:
  • Die Beamten laufen bleich und übel riechend herum, weil die Arbeitsbelastung so hoch ist.
  • Das vereinte Land (gemeint war Berlin-Brandenburg) ist natürlich immer eine Stadt Berlin mit angeschlossener landwirtschaftlicher Fläche.
  • Nirgendwo sieht man so viele Menschen, die öffentlich in Trainingsanzügen rumschlurfen wie in Berlin.
  • Tempelhof ist kein Filetstück. Und wenn, dann schauen da schon die Maden raus.
  • Ehe jetzt einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarz arbeitet.
  • Die Lebenslüge Berlins bestand darin, dass es sich in allem für etwas Besonderes hält und daraus einen erhöhten Bedarf ableitet.
  • Bayerische Schüler können aber mehr ohne Abschluss als unsere in Berlin mit Abschluss.
  • Ich vermute, dass sich ein Teil der Sozialarbeiter in die Verwaltung zurückgezogen hat. Es ist ja auch anstrengend, über die Straße zu latschen und immer mit denselben Jugendlichen zu sprechen.
  • Für fünf Euro würde ich jederzeit arbeiten gehen. Das wären 40 Euro pro Tag.
Berlins Politik wird um ein Original ärmer. Na denn. Alles Gute in Frankfurt, Thilo Sarrazin. Vermutlich für etwas mehr als 40 Euro pro Tag?

P.S.: Foto vom Spiegel Online: Herrlich ehrlich, immer inkorrekt

Donnerstag, 19. Februar 2009

Herr K. braucht einen neuen Namen

Es begab sich aber zu der Zeit, als Herr W. Sonnenkönig zu Berlin war, dass ich in Kreuzberg in geselliger Runde an einem Stammtisch saß und unsere angeregte Unterhaltung sich um Gleichnisse bewegte. Dabei wurde in mir die Idee geboren, die zu den ersten drei Geschichten aus dem Leben eines Herrn K. führte. Mein fiktiver Herr K. heißt Herr K, weil der Anstoß zum Stammtischgespräch von einem echten Herrn K. kam, sozusagen ehrenhalber.

Ich habe nun aber gesehen, dass ein gewisser Herr Brecht vor einer nicht unerheblichen Anzahl von Jahren bereits gerne einen Herrn K. hat dieses und jenes denken und erleben lassen: Geschichten vom Herrn K. Das gleiche Kürzel - das geht nun gar nicht. Das sei ferne! Brecht ist Brecht.

Daher suche ich nun für meinen Herrn K. einen neuen Namen. Daniel heißt er zweifellos, aber wie weiter? Und warum?