Samstag, 18. April 2009

Damaris Graf: Gut kommunizieren.

»Warst du schon auf der Bank?«, fragt er sie. Eine scheinbar harmlose Frage, die bei ihr Unerwartetes auslöst: »Glaubst du, ich hätte gar nichts zu tun?!«
Wir haben den Tonfall des Mannes nicht gehört und können somit nicht entscheiden, ob die Frage sachlich oder vorwurfsvoll klang. Sie bewertete es auf jeden Fall als Angriff und geht in die Defensive.

Vieles, was im Zusammenleben von Menschen, sei es nun im privaten oder beruflichen Umfeld, schief gehen kann, hat eine Menge mit Kommunikation zu tun. Es gibt daher nicht ohne Grund zahlreiche Ratgeber, Kurse, Seminare, Bücher und andere Medien, die dabei helfen sollen, Kommunikationsfehler zu vermeiden.
Das obige Zitat stammt aus einem solchen Werk, das einen sehr gelungenen Ansatz bringt: Mit nachvollziehbaren Beispielen aus dem Alltag gelingt der Einstieg in die 28 Einzelthemen leicht, da wohl die meisten Leser sich an ähnliche Erlebnisse erinnern können.
Dadurch gelingt es der Autorin, die sich übrigens durch einen ausgesprochen lebendigen und daher gut lesbaren Stil auszeichnet, das Sachthema geradezu unterhaltsam zu machen, ohne dass es dabei verflachen würde.

Als ich meiner Schwiegermutter Urlaubsbilder zeigte, meinte sie bei einem Foto: »Der Rock ist dir aber zu eng!« Erst stritt ich das ab, doch dann schaute ich genauer hin:
Das Wickelband meiner Bluse hing seitlich über dem Rock und es sah so aus, als wäre der Reißverschluss aufgeplatzt!

So beginnt beispielsweise ein Beitrag über die Selbstwahrnehmung - und die ist in der Tat sehr prägend für die Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen kommunizieren. Es schadet überhaupt nichts, sich selbst in Frage zu stellen - auf die richtige Weise natürlich. Selbstüberschätzung macht lächerlich:

Neulich erzählte ein Mann im Fernsehen, er hätte geweint, als er feststellte, dass er wie Elvis singen könne. Als er eine Kostprobe seines Könnens gab, waren die Zuschauer den Tränen nahe – vor Lachen.

Mangelndes Selbstwertgefühl dagegen ist nicht weniger schädlich:

Francis Galton lebte vor etwa 100 Jahren in London und machte einmal folgenden Versuch: Er redete sich bewusst ein, er sei der meistgehasste Mann Englands.
Danach machte er seinen gewohnten Spaziergang. Aber an diesem Tag war alles anders: Passanten riefen ihm Schimpfworte zu oder wandten sich voll Abscheu von ihm ab. Er wurde angerempelt und fiel hin. Ein Pferd schlug aus und traf ihn. Wieder ging er zu Boden und die Schaulustigen ergriffen Partei für das Pferd.

Zu jedem Kapitel gibt es ein prägnantes Zitat, einen anregenden Denkanstoß, eine provokante Frage und einen praktischen Handlungsimpuls. So wird dieses Quadro, wie der Verlag das Format nennt, zu einem im wahrsten Wortsinn praktischen Begleiter, den man immer wieder zur Hand nehmen möchte und wird. Es sei denn, man ist nicht daran interessiert, sich mit seiner Umgebung so gut wie möglich auszutauschen.

Die Autorin Damaris Graf ist Diplom-Pädagogin und als freiberufliche Seminarleiterin in unterschiedlichen Organisationen tätig. Man merkt beim Lesen, dass sie mit Herz und Seele bei der Sache ist: Anderen dabei helfen, Kommunikationsprobleme aufzuspüren, zu beseitigen und dadurch zu einem sehr vielversprechenden neuen Ansatz im Zusammenleben und -arbeiten zu gelangen.

Mein Fazit: Unterhaltsam und praktisch, lebendig geschrieben und auch graphisch liebevoll gestaltet. Mir hat das Buch an einigen Punkten die Augen geöffnet - man lernt eben nie aus. Und das ist auch gut so. Vieles ist sofort umsetzbar, der Erfolg zeigt sich häufig schon bei der nächsten Begegnung mit einem Mitmenschen. Die 4 Euro sind eine Investition, die ganz erheblichen Gewinn bringen wird.

ISBN 978-3-935992-62-6
40 Seiten, 4 Euro.
Zum Beispiel direkt beim Verlag: Gut kommunizieren. Training für bessere Beziehungen

Freitag, 17. April 2009

Vernissage Titika Schmidt

Wir sind zurück aus Braunschweig und haben den Ausflug keineswegs bereut. Auch ein Mega-Stau auf der Heimreise heute Vormittag konnte daran nichts ändern.

Für die musikalischen Beiträge zur Vernissage sorgte ein in Braunschweig und Umgebung dem Vernehmen nach sehr gefragter »DJ Sammy«, der mich schon damit erfreute, dass er richtige Schallplatten auflegte statt digitalisierte Konserven am Notebook anzuklicken. Miles Davis, Stan Getz und andere Jazz-Kostbarkeiten... wunderbare Musik. Natürlich kam ich nicht umhin, mit ihm eine ganze Weile über Schallplatten und Musiker zu plaudern.
Allerdings waren wir nicht wegen der Musik gekommen, sondern mit circa 100 weiteren Gästen, um die Ausstellung zu sehen. Interessierte Blogbesucher klicken auf diese Collage und gelangen so zum Album mit zehn ausgewählten Aufnahmen.


Natürlich können Fotos nie und nimmer einfangen, was Atmosphäre und Lichtgestaltung zusammen mit den Kunstwerken an Empfingungen und Impulsen beim Betrachter auslösen, wenn er durch die Ausstellung wandert.
Ein reichhaltiges köstliches Buffett, vortrefflicher Wein und viele interessante Gesprächspartner kamen zum Kunstgenuss dazu - es war ein rundum gelungener Ausbruch aus dem Alltag für uns.

Menschen in und um Braunschweig können die Ausstellung in den nächsten acht Wochen besuchen und sich selbst einen Eindruck verschaffen. Es lohnt sich.

Donnerstag, 16. April 2009

Braun? Schweig!

tischmiHeute machen wir uns auf den Weg nach Braunschweig, da uns eine Künstlerin, mit der wir seit etlichen Jahren befreundet sind, zur Vernissage ihrer Ausstellung eingeladen hat.

Einige Kunstwerke haben wir bereits im Entstehungsprozess und zum Teil vollendet vor einigen Monaten im Haus der Künstlerin bewundern dürfen, nun sind wir gespannt auf das, was uns heute erwartet.

Ob es opportun ist, zu fotografieren, wird sich vor Ort herausstellen. Wenn ja, dann wird meinen Blogbesuchern ein klitzekleiner Einblick gewährt. Man kann ab morgen natürlich auch selbst hingehen:

TITIKA SCHMIDT Gemälde und digitale Kunstwerke in der Musischen Akademie Braunschweig.

Wir freuen uns auf den Abend.

Mittwoch, 15. April 2009

Ja, ja. Na ja. Ganz ordentlich.

Am letzten Samstag warteten wir vor der Waschanlage und blätterten in einer wegen der Länge der Warteschlange an der Tankstelle gekauften Ausgabe der Tageszeitung Die Welt.
Zu meiner großen Freude enthielt sie ein zwei Zeitungsseiten langes Interview mit Marcel Reich-Ranicki. Über den Film »Mein Leben«, aber auch andere interessante Themen.

Zum Beispiel Berlin. Die Frage war: »Wie erleben Sie das Berlin von heute?« Die Antwort:
Ja, ja. Na ja. Ganz ordentlich. Das Berlin meiner Jugend kommt natürlich nicht wieder. Nehmen wir die Berliner Philharmonie. Man kann alles tun; das Haus wieder aufbauen, das Orchester wieder zusammenstellen. Aber eines kann man nicht wieder erschaffen: Das Publikum. Das war ja damals im Wesentlichen jüdisch. In der Staatsoper war ja angeblich mehr als die Hälfte der Anwesenden jüdisch.
Nun ist Berlin ja mehr als Philharmonie und Staatsoper, muss er das nicht zur Kenntnis nehmen? Nein. Reich-Ranicki muss gar nichts, wie er auf die Frage nach Erika Steinbach und Polen deutlich machte:

Reich-Ranicki: Ach, dazu kann ich nichts sagen. Das interessiert mich nicht. Politik interessiert mich nicht.
Die Welt: Aber ein intelligenter Mensch muss sich doch in einem gewissen Maße für Politik interessieren.
Reich-Ranicki: Ein Mensch muss gar nichts, in einem freien Land. Verstehen Sie?
Ich mag den Mann, aber das wird er nie erfahren. Er hält nämlich nichts davon, Blogs zu lesen:

Die Welt: Wissen Sie, was ein Blog ist?
Reich-Ranicki: Nein.
Die Welt: So eine Art digitaler Leserbrief...
Reich-Ranicki: ... das will ich nicht lesen.

Der Film, der heute um 20:15 in der ARD ausgestrahlt wird, lohnt das Anschauen. Wir haben ihn bereits auf Arte gesehen. Natürlich sind in den 90 Minuten nur wenige, viel zu wenige Teile des Buches enthalten, aber das war nicht anders zu erwarten. Man kann ein solches Buch nicht 1:1 verfilmen. Im direkten Vergleich ist die Verfilmung, die sowieso nur den ersten Teil des Buches umfasst, daher lückenhaft - aber als Film für sich betrachtet unbedingt ein ganz hervorragendes Werk.

Ausschnitte aus dem Interview gibt es online: Reich-Ranicki über Google und schwule Musik

Dienstag, 14. April 2009

Osterluft

Berlin zu verlassen, wie es die Insassen dieses Flugkörpers taten (falls er nicht leer flog), war angesichts des Osterwetters ziemlich töricht. Es sei denn, jemand liebt eher Schmuddelwetter und Kälte. Wie sauber und klar die sprichwörtliche Berliner Luft allen Unkenrufen von giftgrüner Seite zu Trotz ist, beweist dieses (Teleobjektiv-)Foto so ganz nebenbei.


Wir jedenfalls blieben in der Stadt und gingen auf den Müll. Also den ehemaligen Müll. Auf die Müllberge in Lichtenrade, wo auf dem Hausmüll von West-Berlin inzwischen eine abwechslungsreiche Hügellandschaft entstanden ist.


Stieg man auf einen geeigneten Baum, wozu allerdings nur drei der Anwesenden den notwendigen Mut aufbrachten (alle drei männlichen Geschlechtes), konnte man allerlei Berliner Wahrzeichen wie den Fernsehturm oder das Rote Rathaus in der Entfernung aufgrund der ausnehmend klaren Luft gut erkennen.




Andere blieben lieber auf dem Boden und genossen aus der Nähe den Anblick und Duft einer ziemlich bunt gefärbten Frühlingslandschaft.


Da die Wölkchen am Himmel durch Abwesenheit glänzten, übernahmen einige Sträucher am Boden ihre Aufgabe, etwas Weiß in das Blau zu zaubern.



Für rote Farbtupfer sorgten allerdings eher Menschen als Natur, wie dieser junge Mann. Er verschmähte im Übrigen das Erklimmen der Äste und ließ sich lieber hochhalten - eine durchaus bequemere Variante des Aussicht-Genießens.


Da beim Klettern im Geäst ein Hut eher hinderlich ist, wurde dieser vorübergehend ausgeliehen, damit auch die beste aller Ehefrauen mal in den Genuss einer angemessenen Kopfbedeckung kam.


Statt Goethes Osterspaziergang genossen wir also ein Osterpicknick. Gar nicht so schlecht, bei diesem Kaiserwetter.

Sonntag, 12. April 2009

Das Ostergeschenk

Es ist eine langjährige Tradition, sich zu Ostern zu beschenken. Aus den meisten Familien dürfte sie kaum wegzudenken sein. Geschenke, sagt der Volksmund, erhalten die Freundschaft - woran nichts auszusetzen wäre, wenn damit nicht bereits eine unterschwellige Erwartung einherginge: Ich schenke dir etwas, und ich erwarte (so funktioniert Freundschaft nun mal), ebenfalls beschenkt zu werden.

Ostern erinnert - zumindest unter Christen - an die Auferstehung. Jesus Christus wurde auferweckt aus dem Grab und damit wurde uns Menschen das größte Geschenk gemacht, das es in der Geschichte gegeben hat. Die Errettung, das ewige Leben - ohne eigene Bemühungen und Verdienste.

Doch gerade das macht uns oft Mühe. Wir haben es verlernt, uns einfach beschenken zu lassen, ohne dass wir eine Gegenleistung erbringen wollen. Als kleine Kinder waren wir noch uneingeschränkt dazu in der Lage. Ein Kleinkind erfreut sich an Geschenken und denkt sich nichts dabei, »nur« Konsument zu sein. Doch nach und nach wird uns beigebracht: »Wenn du lieb bist, bekommst du ...« »Wenn du Tante Erna zum Geburtstag schreibst, schickt sie bestimmt ...« »Wenn du brav gewesen wärest, könntest du jetzt ein Eis bekommen.«

Diese Prägung übertragen wir auf unsere Beziehung zu Gott. Es fällt uns einfach schwer zu begreifen, dass Gott uns ohne Vorbedingungen liebt, dass wir einfach nur beschenkt werden. Dies ging schon den ersten Christen so, wie wir an zahlreichen Erklärungen sehen können, die Paulus in seine Briefe schrieb. Den Christen in Ephesus beispielsweise versicherte er: »Aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit niemand sich rühmt.« (Epheser 2, 8-9) Für die Gläubigen in Rom formulierte er es so: »Alle werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung die in Christus Jesus ist.« (Römer 3, 24) Seinem Mitarbeiter Titus schrieb er: «...errettete er uns nicht aus Werken, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes.« (Titus 3, 4-5)
Es gab bereits in der ersten Gemeinde Stimmen, die Voraussetzungen für die Errettung - also eine Gegenleistung für das Geschenk - nannten. Beschneidung, das Halten bestimmter Regeln und Gesetze, Speisevorschriften ...
Das Apostelkonzil hatte sich mit dieser Frage auseinander zu setzen. Petrus erklärte den versammelten Leitern der jungen Gemeinde: »Nun denn, was versucht ihr Gott, ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, das weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten? Vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus in derselben Weise errettet zu werden wie auch jene.« (Apostelgeschichte 15, 10-11)

Ausschließlich durch die Gnade Gottes können wir errettet werden, ausschließlich durch ein Geschenk. Das Ostergeschenk Gottes wird ausschließlich geschenkt, nicht verdient.
Wie wäre es, wenn du das Osterfest zu einem Fest der Dankbarkeit, und nicht der Verpflichtung zur Gegenleistung, machst? Erinnere dich daran, welchen Schatz du durch die Auferstehung Jesu bekommen hast und danke Gott dafür. Du bist beschenkt, ohne jegliche Voraussetzung.

Manche Atheisten, mit denen ich über den Glauben spreche, bleiben distanziert, weil sie meinen, den »Anforderungen« nicht genügen zu können. Es gibt auch andere Gründe, aber dieser wird immer wieder genannt.
Nun wäre doch Ostern eine gute Gelegenheit, umzudenken. Du wirst nie gut genug sein, du wirst eine neue Lebensperspektive nie verdienen können. Aber du kannst dich beschenken lassen mit der größten Gabe, die vorstellbar ist: Vergebung deiner Schuld und Zugang zum Leben mit Christus. Dass das bereichert, froh macht und noch vieles mehr, musst Du mir nicht glauben, das kannst du auch einfach ausprobieren. Einfach so, ohne etwas anderes tun zu müssen, als dieses Ostergeschenk anzunehmen.

Ob nun Atheisten, Christen oder sonstige -isten: Ich wünsche meinen Blogbesuchern sonnige und unbeschwerte Feiertage!

Samstag, 11. April 2009

Verschwinde, Lebensmittelvergiftung!

Darf ein Autor sein Geschriebenes gut finden? Na klar. Sonst wäre er kein Autor.
Ich finde kaum jemals etwas aus meiner Feder
sehr sehr gut, aber gut durchaus. Sonst würde ich es nicht der Öffentlichkeit zumuten.
Kürzlich schaute ich mir ein paar ältere, unvollendete Texte an. Darunter ist eine längere Erzählung mit dem Arbeitstitel »Sophia«. Eine kleine Szene daraus fand ich beim Überfliegen nicht
sehr sehr gut, aber immerhin ansehnlich.
Kurze Erklärung, weil der Zusammenhang natürlich fehlt: Hilde und Anja sind Freundinnen, so um die 15 oder 16 Jahre alt. Oder 14? Na ja. Teenager auf jeden Fall.
Hilde spielt Harfe und steht vor einem großen und wichtigen Auftritt in einer fremden Stadt. Anja hat sie begleitet, die beiden teilen sich ein Hotelzimmer. Günter Zapf ist der Mitarbeiter des Konzertveranstalters, der die angereisten Teilnehmer betreut. Ach ja: Anja ist Christ, Hilde glaubt nicht an Gott.
Das Foto zeigt die beiden beim Verlassen des Hotels in der Hamburger Innenstadt. Vermutlich hat es Herr Zapf aufgenommen. Es war wohl ein eher kalter Tag, sonst wären diese warmen Jacken ja Blödsinn. Ist auch egal, denn was hat das Wetter mit dieser Szene zu tun? Gar nichts.
So, das reicht an Randinformationen und Rumgeschwafel. Bittesehr:


Waren es die Fischbrötchen gewesen? Oder das chinesische Essen? Was auch immer, beide hatten am Samstag früh Magenschmerzen und mußten sich wiederholt übergeben. Eigentlich hatte es schon in der Nacht begonnen, ihnen war hundeelend, ständig rannte eine von ihnen zur Toilette, zum Schlafen kamen sie nach 3 Uhr kaum noch. Je näher die Morgendämmerung rückte, desto schlechter ging es ihnen und desto verzweifelter wurden sie.
Ausgerechnet heute, an ihrem großen Tag, fühlte sich Hilde als hätte sie gerade eine neue, bahnbrechende, universelle Version der Übelkeit entdeckt: Weltuntergangskotzeritis. Wenn Anja nicht auch krank geworden wäre, hätte sie es womöglich auf ihre Nervosität geschoben, aber es ging ihrer Freundin nicht besser als ihr selbst.

Günter Zapf kam um 8 Uhr, um sie abzuholen, freudestrahlend und gutgelaunt. Er warf einen Blick auf die bleichen Mädchen und sagte: »Ich rufe einen Arzt an.«
Anja wollte etwas antworten, aber statt dessen hielt sie die Hand vor den Mund und rannte zum Klo. Sie schaffte es gerade noch.
Hilde lag bleich in ihrem Bett und weinte vor Enttäuschung. Das konnte doch nicht wahr sein, ausgerechnet jetzt wurden sie krank. Um neun Uhr begann die Probe, und sie lag auf der Matratze und fragte sich, wie oft ihr Magen eigentlich noch darauf bestehen würde, daß sie etwas von sich geben mußte, was schon längst nicht mehr da war.
Anja kam zurück und wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn. Sie wollte seit Stunden etwas vorschlagen, aber der Mut hatte ihr bisher gefehlt. Wo sie doch sonst so mutig war. Jetzt oder gar nicht mehr, das wußte sie.
Stöhnend sank sie neben Hilde auf das Bett und sagte: »Darf ich noch etwas anderes probieren, bevor Sie einen Arzt rufen?«
Keiner verstand, was sie meinte.
»Ich möchte mit Hilde beten, daß zumindest sie gesund wird. Sie muß heute spielen, ich nicht.«
Günter Zapf sah sie ernst an. »Anja, wenn das eine Lebensmittelvergiftung ist, dann müssen wir einen Arzt rufen, und zwar schnell.«
Sie nickte. »Aber vorher möchte ich beten. Bist du einverstanden, Hilde?«
»In der Not frisst der Teufel Fliegen. Was immer mir hilft, damit ich mich besser fühle, soll mir recht sein. Also mach das, Anja.«
Anja sah ihr in die Augen und sprach mit leiser Stimme.
»Herr Jesus Christus, ich bitte dich, daß Du Hilde jetzt berührst und sie heilst. Laß diesen wunderbaren Tag für sie nicht durch diese Krankheit verdorben werden, bitte. Dann kann sie außerdem noch mitkriegen, dass es dich gibt. So. Und du, blöde Übelkeit und Kotzerei, Lebensmittelvergiftung oder was auch immer: Verschwinde! Raus aus dem Körper. Danke, Jesus. Amen.«
Gespannt sah Günter Zapf seine Schützlinge an. Er gab Hilde noch eine Minute, bevor er den Arzt anrufen würde. Mehr nicht, eine Minute. Wenn sie schon die Probe nicht schaffte, dann mußte sie möglichst zum Konzert am Abend auf die Beine kommen.
Hilde lag da, in ihrem naßgeschwitzten Nachthemd, und atmete tief durch. Die Augen waren geschlossen und sie sah nicht so aus, als sei sie auf dem Weg der Besserung.
Eine halbe Minute verging, Anja hielt Hildes Hand und bewegte leise die Lippen. Sie sah der Freundin ins Gesicht und Tränen liefen ihr über die Wangen.
Als Zapf gerade das Mobiltelefon aus dem Jackett nahm, um einen Arzt anzurufen, schlug Hilde die Augen auf und sagte: »Danke Anja.«
Dann stand sie auf, noch etwas unsicher auf den Beinen und nach wie vor blaß unter der Sommerbräune, aber sie stand. Zweifellos, sie stand und konnte reden. Hilde lächelte Günter Zapf an und bat ihn freundlich: »Würden Sie bitte draußen warten, damit ich mich anziehen kann?«
Sein Mund blieb offen stehen. Das konnte doch nicht wahr sein. Hilde, die sich vor ein paar Minuten vor seinen Augen mühsam aus dem Bad zurück ins Bett geschleppt hatte, die kaum gehen konnte vor Krämpfen, bat ihn, zu warten, als habe sie nur verschlafen und deshalb noch ihr Nachthemd an. Aber da klebten ein paar unangenehm gelbgrüne Spritzer an dem Hemd. Er schüttelte den Kopf und fragte: »Wie bitte?«
»Es geht mir besser - Quatsch. Ich bin gesund und munter. Ich möchte mich anziehen, damit wir zur Probe fahen können.«
»Vielleicht sollten wir vorher duschen, ich glaube wir stinken beide.« schlug Anja vor. Auch ihre Blässe schwand zusehends.
»Na gut, ihr habt 15 Minuten.« sagte Zapf und ging kopfschüttelnd in den Frühstücksraum, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Bei den beiden war man wirklich vor keiner Überraschung sicher.
Bevor sie zur Dusche gingen, sprach Hilde das erste Gebet ihres Lebens. Es waren nur vier Worte, aber sie drückten alles aus: »Jesus, ich danke dir.«
Anja grinste schon wieder, als sei sie nicht noch vor zehn Minuten mit einem Mund voll bitterem Schleim zum Klo gerannt, schwitzend und zitternd. »So leicht drückst du dich nicht vor dem Auftritt, meine Liebe! Von wegen Übelkeit und Kotzeritis!«

Sie brauchten fünf Minuten länger, als Zapf ihnen zugebilligt hatte, aber nach zwanzig Minuten standen sie munter und vergnügt im Frühstücksraum und kicherten über die immer noch fassungslose Mine ihres Betreuers.

Freitag, 10. April 2009

Gastbeitrag Rick Warren: Warum ist Ostern so wichtig?

Vor 2000 Jahren geschah im Nahen Osten ein Ereignis, das die Welt für immer veränderte. Auf Grund dieses Ereignisses wurde die Geschichte zweigeteilt. Jedes Mal, wenn wir ein Datum aufschreiben, benutzen wir die Auferstehung Christi als zentrale Markierung.
Was ist an Ostern so besonders, so wichtig?

Das ereignis ist wichtig, weil es bewies, dass Jesus der war, als der er sich ausgab. Er war der Messias Gottes und kam auf diese Erde, um uns zu retten.

Drei Ereignisse geschahen in einer dramatischen Abfolge am Osterwochenende: der Prozess gegen Jesus, dann der Tod Jesu und schließlich seine Auferstehung.

Der Prozess
Jesus ging durch sechs Verfahren. In einer Nacht wurde er vor Annas (den Hohepriester) gebracht, vor Kaiphas (ebenfalls Hohepriester), den Hohen Rat (den Sanhedrin, das oberste religiöse Gericht), Pilatus (den Gouverneur von Jerusalem), Herodes (den Gouverneur von Galiläa) und dann wieder zurück zu Pilatus.
Was konnten die Ankläger am Ende dieser sechs Stationen finden, um ihn zu verurteilen? Nichts. Er hatte nichts Falsches getan. Sie brachten Leute herbei, um erfundene Anklagen vorzubringen, diese waren jedoch unhaltbar. Schließlich verurteilte man ihn wegen eines einzigen Punktes: Wegen seiner Behauptung, der Sohn Gottes zu sein. Das ist der einzige Grund, warum Jesus gekreuzigt wurde.
Diese Behauptung war für seine Zeitgenossen unerträglich.

Jeder, der in seinem Leben mit Jesus auf irgend eine Weise in Berührung kam, hat bereits eine gewisse Entscheidung darüber getroffen, wer er wirklich ist. Wir glauben entweder, dass er ein geistesgestörter Lügner ist, oder wir glauben, dass er der Herr ist. Die Behauptung »ich glaube, er war ein guter Lehrer«, ist kaum durchdacht. Er konnte nicht »bloß ein guter Lehrer« sein, denn ein guter Lehrer würde nicht sagen: »Ich bin Gott und ich bin der einzige Weg zur Errettung«. Auch ein »guter Mensch« würde solche eine Behauptung nicht aufstellen, wenn sie nicht die Wahrheit wäre.
Jesus behauptete, der Retter der Welt zu sein: »Ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.« (Johannes 12, 47) Er ließ es zu, dass er angeklagt wurde, damit es keinen Zweifel darüber gab, wer er war. Er hätte das Gerichtsverfahren zu jedem gegebenen Moment beenden können. Er wusste, dass er für schuldig befunden und am Kreuz hingerichtet würde - aber er ließ es geschehen. Dies alles war Teil des Plans.

Der Tod
Nach dieser Nacht der Verhöre, Folterungen und Verspottungen, bei denen man ihm eine Dornenkrone aufgesetzt hatte, wurde Jesus gekreuzigt. Die Kreuzigung ist wahrscheinlich die brutalste und qualvollste Todesstrafe, die je von Menschen erfunden wurde. Seine Hände wurden weit gegen das Kreuz ausgestreckt und durch die beiden Knochen der Handgelenke genagelt. Wenn die Nägel diesen Teil des Körpbers durchdringen, treffen sie den Nerv, der weiter in den Oberarm führt und verursachen entsetzliche Schmerzen. Nach einer Weile des Hängens in dieser Stellung werden die Muskeln um den Brustkorb nach und nach gelähmt. Man kann noch ein-, aber nicht mehr ausatmen. Der Tod am Kreuz führt so schlicht zum Ersticken.
Aber die Römer wollten es den Verurteilten nicht so leicht machen. Sie nahmen die Knie der Person, winkelten sie ein wenig an und nagelten die Füße ans Kreuz. So hing ein Mensch dort in absoluter Qual, bis sein Schmerz in der Brust so stark war, dass er explodierte - er schob sich dann selber an seinen durchnagelten Füssen hoch, um nach Luft zu schnappen. Wenn sein Schmerz in den Beinen unerträglich wurde, ließ er sich wieder herabfallen - bis der Schmerz in seinen Lungen unerträglich wurde. Es war ein unglaublich qualvolles Geschehen. Schließlich brachen die Soldaten die Gebeine des Hingerichteten, um den Tod durch Ersticken zu beschleunigen.
Im Falle von Jesus mussten sie seine Beine nicht zerbrechen, weil er bereits verstorben war. Aber um sicherzugehen, stießen sie ihm einen Speer in die Seite. Wasser und Blut flossen aus dem Brustkorb - was, wie unsere Ärzte sagen - nur passiert, wenn das Herz zerrissen ist. Man kann es nennen wie man möchte; Jesus starb an einem gebrochenen Herzen.
Warum musste Jesus sterben? Weil allein er, der keine Schuld auf sich geladen hatte, in der Lage war, für unsere Sünden zu bezahlen. Wir haben die Strafe verdient, aber Jesus zahlte die Strafe für uns.

Die Auferstehung
Nachdem Jesus gestorben war, nahmen sie seinen Leichnam, legten ihn in ein Grab und wälzten einen riesigen Stein vor den Eingang. Aus Angst davor, dass Jesu Leichnam gestohlen werden könnte, baten die religiösen Führer, dass eine römische Wache vor dem Grab aufgestellt wurde. Sie wollten nicht, dass er herauskam. Aber er kam heraus.
Sie kennen vermutlich die Geschichte. Aber es ist wichtig, sich zu erinnern, dass Ostern kein Gedächtnis an einen netten religiösen Lehrer ist, der vor 2000 Jahren lebte. Es ist eine Feier der Tatsache, dass er heute lebt. Ich bin ein lebendiger Beweis - und so sind es die fast eine Milliarde Christen, die an diesem Wochenende Ostern feiern werden.

Ostern ist die gute Nachricht über den Messias, Jesus Christus, unseren Herrn, der als menschliches Baby auf die Erde kam, der in Davids königliche Linie hineingeboren wurde. Vier historische Berichte sagen aus, dass er sich 500 Menschen auf einmal zeigte. Können Sie sich vorstellen, seinen Tod mitzuerleben und ihn dann drei Tage später in Jerusalem herumspazieren zu sehen? Wie erstaunlich!
Als Jesus am Kreuz hing, spotteten die Zweifler und sagten: »Wenn du der Sohn Gottes bist, warum steigst du nicht einfach vom Kreuz herab? Warum kommst du nicht einfach herab und zeigst uns, dass du wirklich Gott bist?« Jesus hatte etwas noch Spektakuläreres geplant. Er sagte: »Ich werde euch erlauben, mich drei Tage zu begraben, dann werde ich zurückkehren und beweisen, dass ich der bin, als der ich mich ausgab.«

Was bedeutet das für uns heute?
Einerseits, Jesus Christus steht immer noch vor Gericht. Er wird im Herzen und im Verstand jedes Menschen angeklagt, der ihn noch nicht als den Sohn Gottes, den Retter der Welt, anerkannt hat.
Wie sieht Ihr Urteil aus? Sehen Sie, es läuft in der Tat auf zwei grundlegende Fragen hinaus.
Erstens: Ist Jesus der, der er behauptet hat zu sein? Ist er der von Gott verheißene Retter der Welt? Oder ist er ein Wahnsinniger oder ein Lügner?
Zweitens: Wenn er der ist, der er zu sein behauptet, wann fangen Sie dann an, dem zu folgen, was Sie nach seiner Aussage mit Ihrem Leben tun sollten?

Heute sitzen wir über Jesus zu Gericht. Wie Pilatus fragte »Was soll ich denn mit Jesus tun, der der Christus genannt wird?«, so müssen auch wir entscheiden, ob er der war, der er zu sein behauptet hat oder nicht.

Sind wir bereit, unser Leben dafür zu riskieren, dass er falsch lag?

Dieser Beitrag auf Englisch: Rick Warren - What's so important about Easter?
Bild: Chorbild von Felix Keller, Meikirch

Donnerstag, 9. April 2009

Heavy Metal?

Von wegen Heavy Metal. Einmal mit der Schublade kräftig angeschubst - hin ist er, der USB Stick. Obwohl das Gehäuse aus Stahl ist:


Na ja. Es war ein Werbegeschenk - also kein Geldverlust. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich wieder der Vorteil täglicher Datensicherungen (auch von Wechselmedien): Was ich durch den Unfall verloren habe, ist lediglich ein fertiger Artikel für den Blog. Daher gibt es hier morgen statt des auf dem zerstörten Stick unerreichbaren Textes wieder mal einen Gastbeitrag. Ein gewisser Herr Rick Warren bekommt das Wort.

Mittwoch, 8. April 2009

Zur Belohnung...

...für die Lösung des Problems aus dem vorigen Beitrag schenke ich

dem Storch

dieses nette Haustier:


Falls er es nicht zu Hause halten möchte, kann es ja in den neuen Räumen der Jesus-Freaks in Remscheid heimisch werden. Da ist sicher noch ein Plätzchen zu finden. Übrigens ist es dressiert: Es folgt (meist) willig der Maus.

Die Storch-Lösung hat auf Anhieb funktioniert und war noch dazu kostenlos. Meinen Autoschlüssel hatte ich zur Hand.
Nagellackentferner und so weiter kostet ja alles Geld, auch der Erwerb der Taste für 2,95 Euro hätte uns in tiefe Schulden gestürzt. Die gebrauchte Tastatur hätte Portokosten verursacht. Wegen der verknoteten Finger wäre ein Arztbesuch (Eintritt 10 Euro) unumgänglich gewesen.

Trotzdem herzlichen Dank an alle gutwilligen und phantasievollen Ratgeber. Wenn's wieder mal ein Computerproblem gibt, weiß ich: Hier werden Sie geholfen.