Kunst kommt von Können.
Gunst kommt von Gönnen.
Brunst* kommt von
*Was ist denn eigentlich Brunst?
Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr verzehntet die Minze, Dill und Kümmel, und laßt dahinten das Schwerste im Gesetz, nämlich das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Dies soll man tun und jenes nicht lassen. (Matthäus 23, 23)»Dies soll man tun und jenes nicht lassen« wird oft als Beleg dafür angeführt, dass Jesus die Praxis des Alten Testamentes, den Zehnten in das Heiligtum zu bringen, auch für seine Nachfolger als gültig erklärt habe. Wenn man so argumentiert, muss man allerdings folgendes beachten:
Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen's zwar, tun's aber nicht. (Matthäus 23, 1-3)So beginnt der Absatz, aus dem der eingangs zitierte Satz stammt. Aha. Wir sollen also alles tun und halten, was uns die Schriftgelehrten und Pharisäer sagen. Na prima. Und wo sind sie nun, die Schriftgelehrten und Pharisäer unserer Zeit? Sind es die Pastoren und Ältesten, die Bischöfe und Pfarrer? Vermutlich würden diese Herren (und gelegentlich Damen) es nicht so gerne hören, wenn man sie als Pharisäer bezeichnet.
Alle Zehnten im Lande von Samen des Landes und von Früchten der Bäume sind des HERRN und sollen dem HERRN heilig sein. Will aber jemand seinen Zehnten lösen, der soll den Fünften darübergeben. Und alle Zehnten von Rindern und Schafen, von allem, was unter dem Hirtenstabe geht, das ist ein heiliger Zehnt dem HERRN. Man soll nicht fragen, ob's gut oder böse sei; man soll's auch nicht wechseln. Wird's aber jemand wechseln, so soll's beides heilig sein und nicht gelöst werden. (3. Mose 27, 30-33)Zum gleichen Gesetz gehört auch diese Anweisung:
Wer des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen. Ob Fremdling oder Einheimischer, wer den Namen lästert, soll sterben. Wer irgendeinen Menschen erschlägt, der soll des Todes sterben. Wer aber ein Stück Vieh erschlägt, der soll's ersetzen, Leben um Leben. Und wer seinen Nächsten verletzt, dem soll man tun, wie er getan hat, Schaden um Schaden, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er einen Menschen verletzt hat, so soll man ihm auch tun. ... Es soll ein und dasselbe Recht unter euch sein für den Fremdling wie für den Einheimischen; ich bin der HERR, euer Gott. (3. Mose 24, 16-22)Bitte nicht vergessen, unsere Anweisung lautet: »Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet.« Das Töten eines Lästerers gehört zweifellos dazu, denn es ist genau wie der Zehnte Teil des Gesetzes. Oder auch diese Anweisungen:
Wenn ein Mann bei einer Frau liegt zur Zeit ihrer Tage und mit ihr Umgang hat und so den Brunnen ihres Blutes aufdeckt und sie den Brunnen ihres Blutes aufdeckt, so sollen beide aus ihrem Volk ausgerottet werden. ... Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat.Ich meine, dass diese paar Ausschnitte aus dem Gesetz reichen sollten, um uns vor Augen zu führen: Wir tun nicht, was die Pharisäer und Schriftgelehrten sagen. Und das ist auch, mit Verlaub, gut so.
Ein jeglicher gebe nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. (2. Korinther 9, 7)Die Gemeinde Jesu Christi hatte sich schon zuvor darauf geeinigt, inwieweit das Gesetz des Alten Bundes für die Christen des Neuen Bundes gelten sollte:
Denn es gefällt dem Heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzuerlegen als nur diese notwendigen Dinge: dass ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr recht. Lebt wohl! (Apostelgeschichte 15, 28)Daran hielt sich die Gemeinde Jahrhunderte lang. Der Zehnte wurde tatsächlich erst viel später wieder eingeführt. Im Alten Testament diente er dazu, die Leviten (die als Priester keinen Landbesitz hatten) zu versorgen und den Armen zu helfen. Als Papst Gregor im Jahr 722 den Zehnten wieder aufgriff, hatte er die gleiche Idee:
Aus den Einkünften der Kirche und den Opfergaben der Gläubigen soll er [Bonifatius] vier Teile machen: Einen davon soll er für sich behalten, den zweiten unter den Geistlichen verteilen, entsprechend ihrem Eifer in der Erfüllung ihrer Pflichten, den dritten Teil soll er an die Armen und Fremden geben, den vierten soll er aber für den Kirchenbau zurücklegen. (Bonifatiusbriefe)Papst Zacharias sah das 748 ähnlich:
Was aber die Zehnten der Gläubigen betrifft, die in den Kirchen dargebracht werden, so soll es nicht im Belieben des Gebers liegen, sie zu verteilen. Denn die Satzungen der heiligen Väter bestimmen, dass daraus vom Bischof vier Teile gemacht werden sollen. ... Daraus müssen nämlich die Almosen bereitgestellt werden, daraus muss der Kirchenbau und die Altarausstattung bezahlt werden ... (Bonifaziusbriefe)Nach der Reformation wurde der Zehnte dann zunächst in protestantischen Gebieten wieder abgeschafft, weil der Staat die Versorgung der Kirchen übernahm, inzwischen versorgt der Staat auch die katholischen Gemeinden.
Und Abram gab ihm den Zehnten von allem. (1. Mose 14, 18)Zweifellos geschah dies, bevor es das Gesetz gab. Diese Geschichte belegt aber lediglich, dass Abram ein einziges Mal in seinem Leben den Zehnten gab. Das ist nicht sonderlich viel. Und Melchisedek gab ihm sofort einen Teil zurück, weil er sowieso schon reich genug war. Also taugt das Beispiel absolut nicht als Argument für die Beibehaltung des Zehnten.
Lesen Sie die Seite 100 des Romans und dann die Seite 200. Wenn Sie noch unentschieden sind, dann legen Sie das Buch weg und greifen zu ihm nach zwanzig Jahren.Nein, das war noch nicht der Tipp. Dies riet Marcel Reich-Ranicki in der F.A.Z. einem Leser, der die Frage stellte, ob es sich lohne, ein bestimmtes Buch zu lesen.