Mittwoch, 14. Oktober 2009

A pothy key

Betty, unser amerikanischer Besuch, meinte während der Heimfahrt von einem Ausflug in die City:
I know we're almost there. I just saw the red sign »A pothy key«.
Ich musste mir das erst mal im Geist aufschreiben, übersetzen, hin und her schieben und mehrfach radieren, bevor ich wusste, welches Schild sie über einem Geschäft in unserer Nachbarschaft gesehen hatte.

Und, liebe Leser? Geistesblitze irgendwo?

Gann gein Schinesisch!

Wir haben gerade Besuch aus Kansas. Kansas liegt mitten in Amerika. Amerika liegt woanders. Wie auch immer: Jedenfalls habe ich versucht, chinesische Schriftzeichen ins Englische zu übersetzen.

chinesischZur Erheiterung trugen meine Übersetzungskünste jedenfalls bei. Geschmeckt hat auch alles. Was will man mehr.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Das klassische Patt …

… gab es Montag früh zu sehen, als ich nach dem Ausgang der Abstimmung über den Fortgang der Erzählung »Die Entblößung« Ausschau hielt.

FiftyFifty

Erneut eine angesichts der Lesermenge sehr geringe Wahlbeteiligung (der Beitrag hatte von Freitag bis Montag früh weit über 700 Zugriffe), und heraus kam ein Ergebnis, das mir eine Koalition mit alter.ego genauso ermöglicht wie eine Koalition mit Stephan Haberling.

Also wartete ich noch mal 24 Stunden, und siehe da:

Na so was Wie ich mich entscheide, lasse ich einstweilen offen, die Fortsetzung der Geschichte folgt demnächst an dieser Stelle…

Montag, 12. Oktober 2009

Bob Dylan: Christmas in the Heart

Bob Dylan scheut nicht vor der lateinischen Strophe von »O Come All Ye Faithful« zurück. Er unterlässt es nicht, »Here Comes Santa Claus« mit Schlittenschellen einzuleiten. Auch schmachtende Hawaii-Gitarren fehlen nicht bei »Christmas Island«. Die einzige interpretatorische Überraschung ist die High-Speed-Polka-Version von »Must Be Santa«.

Selten gab es so viele kontroverse Diskussionen vor dem Erscheinen eines neuen Albums von Bob Dylan wie in diesem Fall. Und die gegensätzlichen Meinungen werden auch nicht aufhören, nachdem sich nun die CD in zahlreichen Abspielgeräten dreht.

cidh Dieses Album ist kein Bob Dylan Album. Kein einziges der 15 Lieder hat er selbst komponiert. Ich weiß nicht, ob ihm ein eigenes Weihnachtslied gelungen wäre, wenn er gewollt hätte, aber er wollte gar nicht. Schon das klassisch anmutende Cover der CD macht klar, worum es hier geht: Traditionelle Weihnachtslieder, mehr oder weniger gesungen von Bob Dylan.

Auch die Interpretationen sind nicht seine oder irgendwie ausgefallen (abgesehen von »Must be Santa«, aber auch das ist keineswegs »typisch Dylan«), sondern genauso konservativ wie die Auswahl der Lieder. Die Musiker (Tony Garnier, George Receli, Donnie Herron, David Hidalgo, Phil Upchurch und Patrick Warren) sind im wesentliche seine aktuelle Tourband beziehungsweise bei »Together Through Life« zu hören, dazu kommen sieben »mixed voice singers« – bei Konzerten des Meisters gibt es solche nicht. Aber zu manchen Weihnachtsliedern gehört nun mal ein Chor. Und der klingt dann so weihnachtlich, wie amerikanische Weihnachtslieder nun einmal klingen.

Das einzige, was an dieser CD einzigartig ist, und das war zu erwarten, ist die Stimme. Wer die CD »Together through Life« kennt oder ein Konzert aus den letzten Jahren gehört hat, weiß, wie das klingt: Bob Dylan »singt« auf seine unvergleichlieche Art, und das können manche nicht leiden, andere sind begeistert. Dazwischen dürfte es so gut wie keine Grauzone geben. Ein Fan schrieb: »YES! He sounds like a toothless drunk Irish guy!!!! That totally nails it!!!« Genau das kann man / wird man mögen oder nicht.

Passt nun diese Stimme ausgerechnet zu Weihnachtsliedern der klassischen Variante? Für mich: Ja. Für andere (einigen Kritiken zufolge): Nein. Die hören lieber zu weichgespülten Songs auch einen weichgespülten Gesang, aber bei Bob Dylan gibt es alles mögliche zu hören, bloß nichts derartiges.

Er kann bei einigen Liedern durchaus sanfte Töne anschlagen, bei anderen wiederum fröhlich draufloskrächzen, er kann sentimental gurgeln oder lauthals knarzen… – und genau das mag ich an den CDs der letzten Jahre. Einschließlich dieser Weihnachtsscheibe.

Wem »If you ever go to Houston« gefällt, wer bei »Joleen« einfach gute Laune bekommen muss, wer gerne »Thunder on the Mountain« grummeln hört oder bei »Cold Irons Bound« richtig warm wird, der wird auch diese CD genießen können.

Wer dagegen die »Christmas Songs« von Bing Crosby mag, oder Frank Sinatras »Christmas Album«, ganz zu schweigen von Mariah Caryes »Merry Christmas«, der sollte um Bob Dylans »Christmas in the Heart« einen Bogen machen, obwohl zum großen Teil die gleichen Lieder enthalten sind. Auf »Christmas in the Heart« singt jemand auf seine Art aus spürbar vollem Herzen, mit Hingabe und Eifer die Weihnachtsbotschaft - aber es ist eben Bob Dylan und nicht irgendjemand sonst.

Dass er und die Musiker eine Menge Spaß hatten, als sie diese 15 Songs einspielten, ist unverkennbar herauszuhören. Nicht zuletzt an den Namen der Rentiere vor dem Schlitten im 10ten Track. Ich will den Spaß des selbst Entdeckens niemandem verderben, daher verkneife ich es mir, hier zu offenbaren, worüber ich an dieser Stelle vergnügt lachen musste. Mein Eindruck ist derselbe wie beim Album »Together through Life«: Die Musiker haben die Aufnahmesessions insofern ernst genommen, dass sie nicht aus Verpflichtung, sondern aus Freude an der Musik zusammen spielen - und daher viel Spaß und bestes Gelingen im Studio gehabt. Das bleibt dem Zuhörer nicht verborgen.

Der Erlös der CD geht jetzt und in alle Zukunft an drei Wohltätigkeitsorganisationen. Zumindest damit könnte sich derjenige trösten, der nach dem Kauf feststellt, dass die Kombination von traditionellen Weihnachtsliedern mit dieser unbeschreiblichen Stimme ihm nicht gefällt.

Die CD gibt es zum Beispiel hier bei Amazon: Christmas in the Heart

Sonntag, 11. Oktober 2009

Gastbeitrag Jesus: Sonntag bedeutet Gottesdienstbesuch?

Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht jeden Sonntag treu und unermüdlich im Gottesdienst durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und auch jeden Mittwoch waren wir im Hauskreis zusammen, um deine Nähe zu genießen!

Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!

comeonout

Dann werden andere zu mir sagen: Leider waren wir selten oder gar nicht im Gottesdienst, daher konnten wir nicht die Salbung spüren und dir nicht dienen, denn wann sahen wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken? Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? Wir waren leider zu selten im Gottesdienst, wo deine Gegenwart zu finden gewesen wäre...
Und ich werde antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan.

P.S.: Das klingt zu radikal? Wer mehr oder weniger irritiert ist, der lese freundlicherweise die Kapitel 7 und 25 aus dem Evangelium des Matthäus.

P.P.S.: Bild – wer hätte es nicht erkannt? – vom unvergleichlichen Jon Birch

Samstag, 10. Oktober 2009

Der Kindle ist da ...

... und doch nicht richtig da. Amazon konnte sich offenbar in 100 Ländern außerhalb der USA mit Mobilfunk-Anbietern auf einen Pauschalvertrag einigen, was die Voraussetzung für den sinnvollen Betrieb des Gerätes darstellt. Denn im Gegensatz zu anderen E-Book-Readern braucht der Kindle weder PC noch W-LAN, um Bücher oder Zeitungen zu laden. Wo Mobilfunk funktioniert, funktioniert auch die Kindle-Verbindung zum Download neuer Inhalte - ohne Mobilfunk-Vertrag, ohne jegliche oder einmalige Kosten abgesehen vom Preis für das Buch, das man kaufen will natürlich. Oder die Zeitung.

Allerdings: Bestellen kann man zur Zeit nur über den US-Amazon-Gemischtwarenladen, auch der Versand erfolgt aus den USA. Mit Zoll- und Versandgebühren kommen so rund 300 Euro zusammen, das überlegt man sich dann doch zwei oder dreimal.
Außerdem werden Garantie- und Reparaturfälle ebenfalls über die USA abgewickelt, was im Fall der Fälle zu erheblichen Verzögerungen und weiteren hohen Versandkosten führt.
Die aktuellen Bestseller kosten im Schnitt 9,95 Dollar, im Vergleich zur gedruckten Auflage eine spürbare Einsparung. Man kann dem Vernehmen nach in die Bücher vor dem Kauf hineinlesen, vergleichbar dem Blätter in einer Buchhandlung. Speicherplatz gibt es im Gerät für etwa 1.500 Bücher, das sollte eine Weile reichen. Der Bildschirm ist (wie auch der des Sony-Readers) selbst bei hellem Sonnenlicht gut zu lesen, der Kindle hat eine bessere Auflösung (16 Graustufen) als der Sony-Rivale.

Falls es Amazon irgendwann schafft, die Geräte von der deutschen Zentrale aus zu vertreiben und eine hiesige Garantie- und Reparaturabwicklung anzubieten, dürfte der Preis von derzeit insgesamt 300 Dollar auf etwa 200 Euro purzeln - was den Umsatz vermutlich ganz erheblich ankurbeln könnte. Wenn ein Buch dann etwa 9,95 Euro statt 29,95 Euro kostet, könnte man bei den Büchern, die man nur einmal lesen, aber nicht unbedingt für die Erben aufbewahren will, nach dem 11ten Buch in der Gewinnzone landen.

Für mich gilt allerdings einstweilen: Der Kindle ist zwar da, aber nicht da genug. Ich greife weiter zu Büchern aus Papier und Druckerschwärze. Obwohl ich schon so lange warte, dass der Kindle endlich zu uns kommt. (Beweise: 6. März 2009 / 21. Februar 2009 / 12. August 2008)

  • Mehr zum Gerät bei Spiegel Online
  • Foto der Kindle lesenden Dame am Strand: Amazon

Freitag, 9. Oktober 2009

Die Entblößung - Teil 2

Heute geht es mit der Entblößung weiter, wo es letzte Woche aufgehört hat. Wer den ersten Teil nicht gelesen hat, sollte dies vor der Lektüre dieser Fortsetzung nachholen, sonst hapert es womöglich mit dem Verständnis. In diesem Fall: Hier klicken.

Und noch die faire Warnung: Auch dieser Teil endet nicht mit einem Ende, sondern mitten drin. Am Schluss darf wieder mitbestimmt werden, wie es weitergehen soll.

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Eine neue E-Mail von alter.ego lag im Posteingang bereit. Er öffnete die Mail und las: »Man könnte das ja noch aufhalten. Irgendwie.«

Das vierte Foto in der Galerie zeigte wie erwartet die gleiche Szene und ein Kleidungsstück weniger. Stephan Haberling betrachtete es gründlich, um vielleicht doch endlich Sicherheit zu bekommen, ob er selbst oder ein verblüffend ähnlicher Mensch abgebildet war. Verschwunden war – eigentlich hatte er bereits erwartet, dass die »falsche« Reihenfolge sich fortsetzen würde – die Jeans, und nun stand die Person in T-Shirt und Slip unter dem Halogenstrahler. Die Auflösung der Aufnahme war groß genug, um in das Bild hinein zu zoomen, und als er das linke Knie genauer betrachtete, wusste er, dass – wie auch immer die nie aufgenommenen Bilder ins Internet gelangen mochten – er selbst abgebildet war.
Die Narbe war zwar kaum noch zu sehen, aber zweifellos da. Verblüffende Ähnlichkeit zwischen zwei Menschen mochte es geben, aber Narben sind so einzigartig wie Fingerabdrücke.
Er war als 13jähriger bei einem Wettlauf anlässlich der Bundesjugendspiele ins Straucheln geraten und gestürzt. Hautabschürfungen an beiden Armen waren die Folge, aber das war nur der geringste Schaden, über so etwas hätte er als richtiger Junge keine Bemerkung verloren. Ein Indianer, das war so klar wie Quellwasser im Glas, kannte keinen Schmerz. Zwar war er kein Indianer, aber wen interessierten schon solche Kleinigkeiten, wenn es darum ging, ein Junge zu sein? Mädchen durften weinen, Jungs waren hart im Nehmen. Basta.
Er hatte noch versucht, von der Rennbahn auf das Gras neben dem rauen Splitbelag zu fallen, hatte sich im Sturz zur Seite geworfen. Zwischen Rennbahn und Gras gab es jedoch eine Einfassung aus scharfkantigen Pflastersteinen, und sein linkes Knie prallte mit voller Wucht auf deren Rand. Nach dem Unfall wurde der Sportplatz gesperrt und die hochragenden Einfassungen mit den scharfen Kanten entfernt, aber davon profitierte Stephan Haberling nicht mehr.
Zunächst spürte er nichts. Er lag etwas benommen halb auf der Wiese, halb auf dem Split und sah reichlich Blut aus der klaffenden Wunde rinnen. Schüler und Sportlehrer standen um ihn herum und redeten, aber was sie sagten, drang nicht durch. Er war im mentalen Nebel gut aufgehoben, wie ein Beobachter, ein Unbeteiligter. Erst als man ihn auf eine Trage bettete und in den Notarztwagen schob, setzte der Schmerz ein. Der war schlimmer als alles, was er bis dahin gekannt hatte. Indianer hin oder her – die Tränen ließen sich nicht zurückhalten. Und es war ihm in diesem Moment noch nicht einmal peinlich.
Zwei Monate später war die Kniescheibe repariert, die Schmerzen Vergangenheit und das Knie wieder einigermaßen zu gebrauchen. Es dauerte noch einige Zeit, bis er die frühere Beweglichkeit und Belastbarkeit erreichte, und die Narbe war bis heute sichtbar. Das jüngste Foto in der Galerie zeigte sie mit ausreichender Deutlichkeit.

Der ominöse alter.ego hatte also ihn selbst aufs Korn genommen. Wenn es so weiter ging, dann würde er sich in zwei Tagen nackt betrachten können. Das war nicht weiter bedenklich, denn wie er ohne Textilien aussah, wusste er; er brauchte nur vor oder nach dem Duschen in den Spiegel schauen, falls er sich unsicher war, ob sein Bauch eine Wölbung zeigte, die er früher nicht gekannt hatte. Er war nicht dick, nein, das wäre bestimmt übertrieben ausgedrückt, aber kritisch betrachtet konnte nicht die Rede davon sein, dass er einen Waschbrettbauch besaß.
Seine Entblößung war auch insofern unproblematisch, dass er gerne in die Sauna ging oder nach wie vor, obwohl die Anschaffung von Badebekleidung keine finanzielle Hürde mehr darstellte, ohne Bedenken mal einen FKK-Strand aufsuchte. Wenn bei solchen Gelegenheiten ein fremder Blick auf sonst verhüllte Körperregionen fallen sollte, lag das in der Natur der Sache. In der Sauna und am Strand gab es zweifellos unansehnlichere Erscheinungsformen der menschlichen Gestalt als seine. Allerdings auch ansehnlichere, da machte er sich nichts vor.
Aber eine Entblößung im Internet, in einer öffentlich zugänglichen Galerie, das war dann doch etwas anderes, als nackt unter Nackten zu entspannen. Zumal er nicht wusste, was alter.ego eigentlich plante. Am männlichen Körper ist ein Bestandteil in Größe und Winkel sehr veränderlich, und aus einem mehr oder weniger geschmackvollen Aktfoto kann allein dadurch etwas Anstößiges werden, dass die Veränderung ersichtlich ist. »The Excitement« hatte Frank McCourt den Zustand in einem Roman genannt, und ein männlicher Körper einschließlich sichtbarem »Excitement« gehörte eindeutig nicht mehr in die Rubrik Aktfoto.

»Man könnte das ja noch aufhalten. Irgendwie.«, hatte der ominöse Urheber des ganzen Schlamassels geschrieben. Allerdings wusste Stephan Haberling beim besten Willen nicht, wie. Er konnte natürlich zur Polizei gehen und den Fall schildern, die E-Mails vorlegen, auf die Galerie verweisen und dann hoffen, dass dem Spuk ein Ende zu bereiten wäre. Er konnte auch Picasaweb kontaktieren und darum ersuchen, die Galerie zu entfernen. Vielleicht wäre das die einfachere Variante? Wie schnell waren wohl die Reaktionszeiten der Verantwortlichen?
Zunächst einmal antwortete er auf die E-Mail: »Wie könnte man das denn aufhalten?« Er schickte die Antwort ab und ging duschen.

Warum, darüber dachte er nicht nach, aber Stephan Haberling wählte entgegen seiner Gewohnheit die »verkehrte« Reihenfolge. Zuerst schlüpfte er aus der Pyjamahose, dann aus dem Oberteil.
Nach der Dusche zog er sich so an, wie seinerzeit die kleine Natalie. Zuerst das T-Shirt, dann das Oberhemd und darüber, da die Oktobertage schon recht kühl waren, einen leichten Pullover. Er schaute sich beim Anziehen im Spiegel zu und musste grinsen, als sich »The Excitement« einstellte. Das kommt davon, wenn man sich verkehrt herum anzieht, dachte er und schlüpfte belustigt über das Eigenleben unter der Gürtellinie in die übrigen Kleidungsstücke.
Schließlich ging er in die Küche, zapfte einen Kaffee Latte aus der Maschine und setzte sich wieder an den Computer, um das Bild des vierten Tages noch einmal genauer zu untersuchen.
jobr Dass er selbst abgebildet war, wusste er nun, denn die Narbe war unverwechselbar. Demnach gehörten auch die inzwischen verschwundenen und die noch verbliebenen Kleidungsstücke zu seiner Garderobe. Das T-Shirt war Massenware, und auch der Slip keineswegs ein Einzelstück. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit, ihn in einer Wäscheschublade zu finden, hierzulande eher gering. Stephan Haberling hatte sich im Vorjahr bei einer Amerika-Rundreise Wäsche gekauft, weil er zu wenig mitgebracht hatte. Wozu auch den Koffer auf dem Hinflug unnötig füllen, wenn der Dollarkurs so günstig und Bekleidung in Amerika sowieso erschwinglich war. So war er in den Besitz von mehreren Jockey-Briefs gekommen, das vierte Foto aus der mysteriösen Sammlung von alter.ego zeigte ein solches Exemplar mit dem in Europa eher seltenen Schnitt.
Er hatte sich im Wal-Mart bei der Größenangabe auf der Packung vertan und eine Nummer zu groß gekauft, aber er trug die Wäsche trotzdem, sie war zwar weiter als gewohnt und gewünscht, aber nicht so weit, dass sie ihm von den Hüften gerutscht wäre.
Seine Gedanken kreisten wieder um die mögliche Anstößigkeit dessen, was alter.ego da am nächsten oder übernächsten Tag zu enthüllen gedachte. Offenbarte dieses Foto bereits, wie es um den Zustand »da unten« bestellt war? Womöglich spielte das auch keine Rolle, denn so undenkbar die Herkunft der Bilder war, so unabwägbar war natürlich die Frage, inwieweit der abgebildete Körper statisch sein mochte. Aber na ja, nachsehen konnte er ruhig mal. Er zoomte wieder in das Bild hinein.

Die nächsten Stunden widmete sich Stephan Haberling seiner Arbeit, die konnte er schließlich nicht einfach liegen lassen. Er war freier Journalist und Autor, zwei Redaktionen erwarteten bis zum Nachmittag Artikel von ihm. Zunächst wollte er sich der schwierigeren Aufgabe widmen: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte eine Analyse dessen angefordert, was Sarrazin wirklich gesagt hatte und in welchem Zusammenhang die gerade heiß diskutierten Zitate standen. Die Ausgabe der »Lettre International« lag neben dem Computer und Stephan Haberling las in Ruhe mit der gebotenen Sorgfalt durch, was es mit den vielen kleinen Kopftuchmädchen auf sich hatte. Mit Textmarker und Bleistift bereitete er seine Analyse vor.
Dabei schaute er gelegentlich in den Posteingang seines Googlemail-Kontos und um 11:45 sah er, dass alter.ego eine Antwort – womöglich immerhin – geschickt hatte. Wahrscheinlich war es auch nur eine weitere Botschaft, die ihm nicht weiterhalf. Vielleicht jedoch verriet die E-Mail, wie aufzuhalten war, was Stephan Haberling hier widerfuhr?

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So, und nun wieder eine Frage zum weiteren Verlauf an die geschätzten Leserinnen und Leser. Alle bis Montag, 12. Oktober, 5:55 Uhr abgegebenen Stimmen entscheiden darüber mit, wie die Geschichte weiter geht. Die Fortsetzung ist noch nicht geschrieben.

Bittesehr, einfach auf die gewünschte Antwort klicken:



Wer mag, kann noch Textvorschläge für die E-Mail als Kommentar hinterlassen, ich habe nämlich keine Ahnung, was alter.ego geschrieben hat.

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Nachtrag 13.10.: Inzwischen schreibe ich weiter, die Entscheidung der Leserinnen und Leser zu berücksichtigen wird dieses mal etwas schwierig: Ein klassisches Patt.

Wer mag, kann weiter fröhlich abstimmen, aber nun natürlich hat das keinen Einfluss auf die Erzählung mehr, da ich an der Fortsetzung arbeite.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Morgen ist Weihnachten!

Zumindest im Herzen ist morgen Weihnachten, wen interessiert schon der Kalender. Amazon hat nämlich heute was losgeschicht, was morgen im Briefkasten landen müsste.

In und um Remscheid...

bereiten sich Hund, Katze, Maus und Mensch auf ein besonderes Ereignis vor:


Ich werde nicht dabei sein können, da der seit langem angedachte Remscheid-Besuch noch nicht dran ist (wir haben gerade amerikanischen Besuch im Haus), aber vielleicht sind ja einige Blogleser in der Nähe des Ereignisses? Das wird bestimmt ein Erlebnis der besonderen Art. Ich wünsche aus der Ferne viel Spaß bei der Eröffnung und Segen für die Zukunft im neuen Domizil der Jesus-Freaks.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Wiener mit Kartoffelsalat

In Berlin, nein, bei Berlin wird - die meisten wissen es - ein neuer Flughafen gebaut. Dort trug sich kürzlich folgende Tragödie zu:

Drei Arbeiter auf der Baustelle am neuen Flughafentower saßen ganz oben auf dem Gerüst. Ihre Füße baumelten über der Tiefe, während sie ihre von zu Hause mitgebrachten Mittagsmahlzeiten auspackten.

Der erste, ein Türke, klappte die Dose auf und stöhnte: »Köfte! Wenn ich noch ein einziges Mal zum Mittagessen Köfte finde, dann springe ich vom Gerüst in die Tiefe!«
Der zweite, ein Mann aus Russland, jammerte beim Öffnen seines Lunchpaketes: »Blini! Jeden Tag Blini! Noch ein mal Blini, und ich springe hinterher!«
Der dritte Arbeiter war ein blonder Deutscher. Er packte aus und schimpfte: »Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat! Wenn ich noch ein einziges Mal Wiener mit Kartoffelsalat in meinem Lunchpaket finde, springe ich auch.«

Am nächsten Tag klappte der Türke seine Tupperdose auf, sah Köfte und sprang ohne weitere Worte vom Gerüst.
Der Russe packte seine Mahlzeit aus, fand Blini und stürzte sich ebenfalls in die Tiefe.
Nun schaute der Blonde nach, was er zu Essen hatte, sah die Wiener mit Kartoffelsalat und ließ sich sofort vom Gerüst fallen.

Nach der Beerdigung saßen die drei Witwen beieinander. »Wenn ich gewusst hätte, wie sehr er Köfte hasst, hätte ich ihm doch Izgara oder Sis kebab mitgegeben«, weinte die Türkin.
Die Russin schniefte in ihr Taschentuch: »Hätte ich nur gewusst, dass er Blini so satt hat! Ich hätte ihm bestimmt gerne Pigore gebacken oder Globutsi gewickelt!«
Dann blickten beide die Deutsche an, die seltsam ungerührt schien. Sie schüttelte den Kopf und sagte: »Schaut mich nicht so an! Der Idiot hat sich sein Mittagessen immer selbst eingepackt!«