Sonntag, 31. Juli 2011

Wir fühlen keine Salbungswellen …

FriendsWir sind ausgesperrt, gehören nicht dazu, Fremdkörper sind wir und wollen gar nichts daran ändern, denn es ist gut so, wie es ist. Ihr Gehabe ist uns fremd, unangenehm mitunter. Nicht, dass wir es für unecht halten, nein! Es mag schon wahrhaft so empfunden sein, was sie uns als Normalzustand beschreiben, ohne es doch wirklich zu erläutern. Sie schwelgen, schweben in emotionalen Höhenflügen über uns hinweg, sind ganz verzückt, sind überwältigt, stöhnen, weinen, schmachten, jubeln, jauchzen und fallen überwältigt auf den Boden.
Wir haben das schon hundert mal gesehen, gelesen, gehört. Wir schämen uns mitunter fremd, wenn sie im Überschwang das eine oder andere der Welt entgegenjubeln. Doch können sie ja wohl daran nichts ändern, sind so entrückt, dass wir und unsere Wirklichkeit ihrem Blick schon weit entzogen wurden.

Wir sind für sie nicht wirklich echt genug. Sie pflegen sich gerne mit Vokabeln zu schmücken, die beschreiben, dass sie weiter, tiefer, weiser, erleuchteter und eben dadurch irgendwie auch besser sind: »Wiedergeboren«, »geisterfüllt« oder »geistgetauft«, als wären Geist und Rettung ihnen vorbehalten. Sie nennen sich auch »bibeltreu« und kennen doch in weiten Teilen nicht einmal das Buch, dem treu zu sein sie sich so ernst geschworen haben. Sie halten ihre frommen Übungen peinlich genau ein, am Morgen eine »Stille Zeit« mit ausgelosten Häppchen aus der Bibel, den sonntäglichen Gottesdienst versäumen sie auf keinen Fall, im wöchentlichen Hauskreis dürfen sie höchstens bei schwerer Krankheit fehlen. Und sind sie krank, dann plagt schon das Gewissen, weil ganz offenbar der Glaube an die Heilung fehlt.
Sie sind schon eine ganz besondere Rasse, der so manches eigentümlich ist, was uns die Stirn in Falten legt. Der Herr hat ihnen Arbeitsplätze oder Wohnungen versprochen - und wohl so gut versteckt, dass sie nur schwer zu finden sind. Der Herr schenkt ihrem Sommerfest bestimmt das beste Wetter, weshalb sie keine Regenschirme oder überdachte Plätze brauchen. Der Herr wird ihnen ganz bestimmt das Konto mit genügend Euros füllen, weil sie ja treu den »Zehnten« in die Opfersammlung legen.

FriendsUnd doch gehören wir zusammen, allemal. Wir teilen nicht den Überschwang der Emotionen, doch sind wir gleichermaßen Gottes Kinder. Wir schauen uns den gleichen Jesus an und kommen wohl zu anderen Erkenntnissen, doch ist und bleibt der Nazarener ungeteilt. Wir brauchen kein Gemeindezentrum, finanzieren keine Institution, und sind doch gerne mal zu Gast in einem Gotteshaus, obwohl uns Gott auch sonst ganz nahe ist, meist außerhalb sakraler Räume. Wir hören keine Stimmen, die uns Arbeitsplatz und Wohlstand zusagen, wir mühen uns statt dessen selbst, das Leben zu bestreiten. Wir fühlen keine Salbungswellen über uns zusammenschwappen, und doch sind Geist und Friede uns zu eigen, in unserer Seele, mitten im Sturm des Lebens. Wir wollen nicht die Welt in unsere Gemeinden holen, statt dessen sind wir den Menschen zugewandt, um nachzuahmen, was von Jesus überliefert ist. Wir singen nicht mit hoch gestreckten Händen sieben mal die gleiche Strophe, und dennoch klingt in unseren Herzen manche frohe Weise, die dem Allerhöchsten dankt.

Haben wir Recht? Haben sie Recht? Ja und ja. So unterschiedlich, wie wir Menschen sind, so ganz verschieden darf sich auch gebärden, wie wir und sie und alle anderen dem einen Gott zu folgen sich anschicken. Im Überschwang Zentimeter über dem Boden schwebend der eine, ernsthaft und still in sich gekehrt der andere. Und würden wir gar eines Tages damit aufhören, den anderen so formen zu wollen wie wir selber sind, dann könnten wir womöglich gar begreifen, dass wir zusammen gehören.

Samstag, 30. Juli 2011

Ich weiß ...

... dass so manche Leser und Leserinnen ungeduldig auf die Fortsetzung der Jessika-Geschichte warten. Aber ich bin mit dem Text noch nicht zufrieden.

Geduld, so sagt der Volksmund, ist die Mutter aller Tugend.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Einigermaßen klar ...

... sollte das Ergebnis werden. Jessika und Johannes sind zufrieden und schreiben weiter.

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Demnächst dann die Fortsetzung.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Dylan Morrison: The Prodigal Prophet

imageWhile reading this book I often thought: How come the author knows my story so well? How come he wrote about my very personal experience? How come I didn't notice him, he must have been right there when this and that happened in my life ...

But he wasn't there, of course not. He is Irish, I am German. We have never met. We probably won't ever meet. And still this book is my book, too. Growing up in a "Christian, born-again, charismatic-Pentecostal" surrounding, getting mixed up in stuff that was clearly labelled "sinful", being lost in substance abuse – and then re-emerging to find Jesus. Then there were the Jesus People, followed by ministry in a church ... – but let's not talk about my life, this is about "The Prodigal Prophet", after all!

"Life is indeed a strange journey, the spiritual life an even stranger one. If I'd known where mine would take me I'm not sure I would have voluntarily set out on it at all." With these words Dylan Morrison starts sharing his life with us, the readers. His writing captured me from the very first sentences and didn't let me go until I had finished reading the last page. The story unfolds and does not get boring, not even once was I tempted to skip a paragraph. From the first encounter with God as a child ("He seemed to be a nice kind of God to know when the going got tough") until the speaking in tongues and the first glimpse of a prophetic gift everything seems to develop into the typical charismatic testimony: There is a God who will provide for everything, if your faith is big or strong enough.

But this story goes on, where such a book would surely end. Because God is not as simple as that. Life is not as simple as that.

"The cracks begin to show" when Ben, Dylan Morrison’s first son, falls ill after a few months on this earth. "God, God, God, you've got to help us!", they pray, the whole church involved in spiritual warfare – but God does not intervene. The child dies. The well balanced and theologically elaborated religious system fails.

"Full time ministry" in God's kingdom turns out to be full time, but Dylan Morrison starts to notice, that he is so tangled up in institutions and hierarchies that there is little room for actually ministering to people. Is this, what God has planned, what God has gifted him for? The cracks multiply and grow wider - will his (spiritual) life crash?

I won't say any more about the content of this book, because I don't want to spoil the suspense any further. Maybe I said too much already? Forgive me.

This is one of the few books with spiritual topics that I devoured breathlessly. Like in a good Stephen King or John Grisham story there are all the unexpected turns and twists, hopes and disasters. Rise and fall and get back on your feet again – if you can. But this book is not fiction, this is a real life journey. And the absent God is not really absent, after all. He just isn't where one would expect him to be. "I was shocked that I'd been sent a Divine email in the midst of a Prague concert hall."

Dylan Morrison comes to a conclusion that I share with all my heart: "The Nazarene is the one I wish to follow to my journey's end, the one whose love and spirituality I wish to share with the outcasts from the Christian camp. The scapegoated, abused and persecuted have a right to have the religious spin reversed."

If you are at the verge of a spiritual breakdown or if it already happened to you: Go ahead and buy this book. I am convinced it will touch you like it touched me.

If you are still young and wonder about all the stuff you hear about ministry and church and Spirit and faith: Go ahead and buy this book. It will help you to avoid mistakes that have already been made by others.

If you don't believe in God and muse about the fact that all Christians seem to be narrow minded and limited by tons of rules and laws: Go ahead and buy this book. You might be surprised to find out that God is not what some people make him look like.

If you are a hard-core Christian who has all the answers and knows exactly how God's promises can be set to work for everyone: Don't buy this book, don't read it. Stay away. Don't touch it. You hear me? What are you doing! I said don't! Why would you risk your reliable set of rules ...

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You can find the book on Amazon.com (international customers): Paperback  /  Kindle

For German customers (Amazon.de): Kindle / Paperback

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Außenseiter und Abenteurer

Foto: Aus dem verlinkten Artikel der F.A.Z.Die angekündigte Rezension aus meiner englischsprachigen Feder verzögert sich … kommt aber.

Ach ja, weil wir gerade über das Lesen und Englisch plaudern …

Kürzlich las ichdie Gesamtausgabe der Short Stories von Ernest Hemmingway, was ich als junger Mensch (so mit 12 oder 13 Jahren etwa) schon einmal getan hatte. Es war ein interessantes Leseerlebnis; mit so viel Abstand zwischen der ersten und nunmehr zweiten Lektüre des umfangreichen Werkes eigentlich fast wie ein erstmaliges Lesen. Als Kind hatte ich nur Zugriff auf eine deutsche Hemmingway-Gesamtausgabe, jetzt habe ich die Geschichten in der Sprache gelesen, in der sie geschrieben wurden. Für mich hat sich die Lektüre gelohnt, denn die Erzählungen gefallen mir (fast alle) noch heute ausnehmend gut.

Was unser aller Büchernörgele MRR über Hemmingway zu sagen weiß, steht in der F.A.Z. und sei den geschätzten Blogbesuchern hiermit herzlich zur Lektüre empfohlen: [Außenseiter und Abenteurer]

Montag, 25. Juli 2011

Dieser Blog bleibt ...

... ein überwiegend deutschsprachiges Exemplar. Morgen allerdings wird ein weiterer Beitrag in engelischer Sprache erscheinen, denn die Rezension eines englischen Buches auf Deutsch ist zwar möglich, aber ich habe es in diesem Falle vorgezogen, auch diese in der Sprache des rezensierten Buches zu verfassen.

Sobald die beste aller Ehefrauen Korrektur gelesen hat, kann die geschätzte Leserschaft hier in Erfahrung bringen, wie mir "The Prodigal Prophet" von Dylan Morrison gefallen hat.

Apropos Dylan: Mein Versuchsprojekt "Theme Time Radio Hour" ist hier zu finden: http://ttrh.posterous.com/

Sonntag, 24. Juli 2011

The answer to violence, is even more humanity

The island of Utøya, where at least 90 people have died after a gunman opened fire at a camp

The fact that Norway is the country with the highest quality of living & education, one of the wealthiest of the world and ranks among the top with the other Scandinavian countries when it comes to social fairness & equality makes it hard to understand what reason there possibly could be to drive someone to such actions: A right-wing conservative guy killed more than 90 people in Norway, most of them kids & teenagers.

The one thing giving hope is to see the sane reactions of the Norwegians. The title of this post is a quote from Norway’s Prime Minister Jens Stoltenberg.

In the safest, most boring country, the worst lone gunman shooting happens. The worst in the world, in history. But it will not make our country worse. The safe, boring democracy will supply him with a defense lawyer as is his right. He will not get more than 21 years in prison as is the maximum extent of the law. Our democracy does not allow for enough punishment to satisfy my need for revenge, as is its intention.

We will not become worse, we will be better. We lived in a land where this is possible, even easy. And we will keep living in a land where this is possible, even easy. We are open, we are free and we are together. We are vulnerable by choice. And we will keep on like that, that’s how we want to live. We will not be worse because of the worst. We must be good because of the best. (-Ola)

Freitag, 22. Juli 2011

Jessika–die Konfrontation /// Teil 9

Wir erinnern uns, liebe Leser? Wenn nicht, dann kann man hier noch mal nachschauen: [Teil 1] [Teil 2] [Teil 3] [Teil 4] [Teil 5] [Teil 6] [Teil 7] [Teil 8]

So. Also wird nun, da die Leser mehrheitlich so abgestimmt haben, ein Paar aus Jessika und Johannes? So ganz leicht ist das nicht, wie wir sehen werden:

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»Jana Nováková war meine Vertraute, seit vielen Jahren«, erzählte Jessika. »Sie war geachtet unter uns, vielen gab sie Rat und Hilfe aus ihrem großen Schatz von Erfahrungen und Erlebnissen. Ich hatte nicht geahnt, dass ich dich in Gefahr bringen würde, als ich dich mitnahm. Das tut mir leid, Johannes.«

Ich saß mit Jessika auf ihrem außerordentlich bequemen Sofa. Vor aus auf dem Tisch stand eine Karaffe mit einer gelblichen Flüssigkeit, die sie als Nektartrunk bezeichnet hatte. Das Getränk würde mich, hatte sie mir versichert, zügig wieder zu Kräften bringen helfen. Ich war erst etwas zögerlich, dachte an den Wein, den die alte Frau kredenzt hatte, aber wenn ich Jessika nicht vertrauen konnte, dann war es sowieso um mich geschehen. Offenbar hatte sie mich aus der Gefahr befreit und zu meiner Genesung beigetragen. Genaueres wusste ich nicht, hoffte aber, nun zu erfahren, was mit mir geschehen war. Ich nahm einen weiteren Schluck zu mir – die Flüssigkeit schmeckte nur ganz leicht süßlich, aromatisch irgendwie, und Durst hatte ich noch immer.

Ich fragte: »Du hast sie falsch eingeschätzt, obwohl sie deine Vertraute ist?«

»Sie war. Sie ist nicht mehr. Auch die Nephilim leben nicht ewig.«

»Ach so. Ich höre das nicht ohne Erleichterung.«

»Ich hatte sie falsch eingeschätzt, das stimmt. Aus Dummheit. Wir sind nicht einschätzbar, nicht von euch Menschen und auch nicht von unseresgleichen. Womöglich hat die Liebe mich zu leichtsinnig werden lassen.«

Die Liebe. Meinte sie mich? Ich hatte es längst aufgegeben, irgendwelchen Sinn und Verstand in den Erlebnissen hier in Budweis zu suchen. Jessika war nicht real, sondern ein von mir ersonnenes Geschöpf, zu Hause nur in meinen Geschichten. Wenn ich es nun hier mit einem Wesen aus Fleisch und Blut zu tun hatte, dann konnte es sich weder um »meine« Jessika handeln noch um eine Nephilim, denn diese Rasse gab es nicht. Nicht mehr. Seit tausenden von Jahren. Doch dann konnten auch die Geschehnisse der letzten Tage, einschließlich der zehn, die ich laut Jessika in Bewusstlosigkeit verbracht hatte, nicht geschehen sein. Die logische Folgerung war, dass ich den Verstand verloren hatte.

Jessika blickte mich aufmerksam an. Ich schwieg. Sie griff nach den Zigaretten, die neben der Karaffe lagen und zündete zwei an, eine reichte sie mir: »Wenn dir schwindelig wird, mach sie aus. Aber ich meine, dass du es versuchen kannst.«

CigaretteIch nahm einen Zug, einen zweiten. Kein Schwindel, keine Übelkeit. Wir heilen schnell hatte sie damals gesagt, am See in Italien, diese Fähigkeit schien sich nun auf mich übertragen zu haben. Ich fühlte mich von Minute zu Minute besser und kräftiger.

»Habe ich jetzt irgendwie dein Blut – also ich meine Nephilimblut – in meinen Venen?«

Sie lächelte. »Ein paar Tropfen mit Sicherheit. Das alleine war nicht ausschlaggebend, aber es gehörte dazu. Sonst wärest du jetzt nicht mehr hier, sondern auf der anderen Seite. Dort ist es schön, doch deine Zeit hier war noch nicht zu Ende. Sonst hätte Nitzrek niemals zugestimmt.«

Ich rauchte in Ruhe, trank einen weiteren Schluck Nektar. Meine Seele war friedlich, mein Körper entspannt, es ging mir gut. Ich musste nicht verstehen, was hier geschah, aber ich war doch neugierig, was vorgefallen war.

»Ich saß am Tisch in Jana Novákovás Wohnzimmer und trank von ihrem Roséwein. Das ist das letzte, was ich weiß. Was ist dann passiert?«

»Liebst du mich eigentlich?«, fragte Jessika. Abrupte Themenwechsel hatte sie ja schon immer gerne vorgenommen.

»Ich glaube schon, aber das geht gar nicht. Ich habe dich doch erfunden, in gewisser Weise bist du mein Kind.«

»Kann man sein Kind nicht lieben?«

»Natürlich! Aber das ist eine andere Liebe als die zwischen Mann und Frau. Von Autor und erfundener Protagonistin ganz zu schweigen.«

»Vertraust du mir?«

»Ja.«

»Na gut, das ist ein Anfang. Ich erzähle dir, was passiert ist. Alles.«

»Danke, Jessika.«

Ich beugte mich zu ihr hinüber und gab ihr einen schüchternen Kuss auf den Mund. Ihre Lippen waren sanft und warm, sie drängte nicht, wich aber auch nicht zurück. Ganz sacht tastete ihre Zunge meine Lippen ab. Der Kuss blieb kurz, weil ich noch einen Rest Vernunft zusammenkratzen konnte.

Ihre Augen strahlten glücklich, sie strich mir mit den Fingerspitzen liebevoll über die Stirn und Wangen. Sie flüsterte: »Wir haben Zeit, viel Zeit. Ich liebe dich, Johannes, aber ich will nichts erzwingen, was du nicht möchtest.«

Und dann erzählte sie mir von den verlorenen Tagen und Nächten, seit ich Frau Novákovás Wein gekostet hatte.

 

Die alte Frau war eine der ältesten Nephilim auf der Erde. Eine zurückgezogen, unauffällig lebende Künstlerin mit einem einzigen Sujet. Sie zeichnete und malte, bevor die Fotografie erfunden war, stellte auch Skulpturen her. Seit ungefähr 18XX hatte sie sich dann überwiegend des Fotoapparates bedient, in den letzten Jahren auch mehrere digitale Kameras besessen und die Computertechnik zum Bearbeiten ihrer Aufnahmen genutzt.

Ihr aktuelles Projekt, bei dem ich die Nummer 250 werden sollte, nannte sie »Das Paradies«. Es sollte eine Collage von 250 Menschen in einem Garten werden, jeweils 125 Männer und Frauen, die sie mit dem Computer aus dem Originalfoto löste und in ihre Landschaft platzierte.

»Nicht pornografisch«, sagte Jessika, »nichts, was man nicht am Strand oder in der Sauna zu sehen bekäme. Dort hat sie auch die meisten Bilder gemacht. Keine einzige Aufnahme zeigt Erotisches, nichts, was in irgend einer Weise anstößig wäre, es sei denn, jemand hält den menschlichen Körper an und für sich für anstößig. Du kannst, falls du Lust hast, nachher mal in die Sammlung schauen, ich habe Janas Festplatte an mich genommen.«

Das Kunstprojekt sollte Gleichheit in der Verschiedenheit der Schöpfung symbolisieren. Große, kleine, mittelgroße Menschen, von Kindern bis zu Greisen, dick und dünn, allerlei Rassen … die Vielfalt des Lebens vereint im Paradies.

Jana Nováková hatte viele künstlerische Erfolge gehabt im Lauf der Jahrhunderte, allerdings war sie nie selbst in Erscheinung getreten, stets hatte sie wechselnde Pseudonyme benutzt. Ihre Arbeiten, so vielgestaltig sie auch waren, hatten immer den unbekleideten Körper gezeigt, ob nun in Landschaften, als Statuen, im historischen oder religiösen Kontext oder schlicht als Portrait.

»Jana hat dich narkotisiert mit dem Wein«, berichtete Jessika, »ohne dass ich es rechtzeitig gemerkt habe. Das Mittel, welches auch immer, muss in deinem Glas gewesen sein, denn weder sie noch ich sind auch nur müde geworden. Plötzlich warst du bewusstlos. Ich geriet in Streit mit ihr, aber das half ja auch nichts mehr, das Unheil war schon angerichtet.«

Es existiere eine Hierarchie bei den Nephilim, erzählte Jessika, die unumstößlich war. Die alte Jana Nováková war wesentlich höher gestellt, daher sah Jessika zunächst keine Chance, mir zu helfen. In ihrem Streit war ihr schnell klar geworden, dass Jana mich nicht überleben lassen würde. Ihr war auch klar, dass sie die Alte nicht töten konnte, denn Nephilim sind für einander unantastbar, es sei denn, Nitzrek war auf ihrer Seite. Jessika erinnerte sich sehr genau an die Hausmeisterin, deren Dasein sie damals auf Nitzreks Geheiß beendet hatte. Immerhin meinte sie, ein paar Stunden Zeit zu haben, denn erst sollte ich ja noch fotografiert werden.

Ich wurde in einem Gästezimmer untergebracht, Jessika diskutierte noch eine Weile mit Jana in deren Wohnstube, jedoch führten ihre Argumente keine Änderung herbei. Die alte Nephilim wollte meinem irdischen Dasein nach dem Fototermin am Morgen ein Ende bereiten. Schließlich gab Jessika auf und beschloss, in der Nacht mit mir aus Budweis zu verschwinden.

»Als ich ins Gästezimmer kam, um ein paar Stunden bei dir zu warten, bis Jana tief genug schlief, um unseren Aufbruch nicht zu bemerken, hast du kaum noch geatmet. Was sie dir eigentlich für ein Mittel verabreicht hat, weiß ich nicht, aber ich habe vergeblich versucht, dich zu wecken. Nun war es ja kein Problem, dich zu tragen, aber ich bekam Angst um dich. Womöglich war die Dosis tödlich. Um zwei Uhr habe ich dich dann aus der Wohnung gebracht, in dein possierliches Automobil verfrachtet und bin mit dir in meine Wohnung gefahren.«

Ich fragte: »Warum hat sie dich eigentlich nicht ebenfalls betäubt?«

»Ich war auf der Hut. Ich habe die Weinflasche und mein Glas keinen Augenblick unbeobachtet gelassen. Als sie eine zweite Flasche holte, habe ich nichts mehr getrunken.«

»Das war sehr umsichtig, Jessika. Danke. Ich war also noch in der gleichen Nacht in deiner Wohnung, und da bin ich immer noch. Vorhin hast du was von zehn Tagen und Nächten gesagt. Stimmt das wirklich?«

Sie hatte mich auch am Morgen nicht wachbekommen und hatte dann schließlich am Vormittag Jana Nováková angerufen, um zu erfragen, womit sie mich betäubt hatte. Sie bekam keine Antwort. Statt dessen erfuhr sie, dass das Gift innerhalb von zwei bis drei Tagen tödlich sein würde, wenn sie, Jana Nováková, nicht ein Gegenmittel verabreichen würde.

»Ich rief dann einen Freund in München an, der ist Arzt und Nephilim – er ist zwar erst etwa 300 Jahre alt, aber er kennt sich sehr gut mit unserer Geschichte aus. Und vor allem mit den Kräutern, Pflanzen und chemischen Wirkstoffen, die von den Nephilim erforscht und entwickelt wurden. Er meinte, er müsse dich sehen und untersuchen und war auch gleich bereit, zu kommen.«

»Es gibt offensichtlich mehr von euch, als ich mir vorstellen konnte.«

Jessika lächelte versonnen und meinte: »Dafür, dass es uns nicht gibt, sind wir tatsächlich so selten nicht.«

Ich sei, erzählte sie weiter, immer bleicher geworden, keinen Moment zu Bewusstsein gekommen, sie hatte mir die Lippen mit Wasser benetzt, versucht, mir etwas Flüssigkeit einzuflößen, aber vergeblich. Sechs Stunden nach dem Telefonat war der Arzt da, er legte sofort eine Infusion, um die Dehydrierung aufzuhalten. Er nahm eine Blutprobe, die er allerdings erst zu Hause in seinem Labor würde untersuchen können.

»Dann ist es vielleicht zu spät, siehst du das nicht? Bitte, hilf ihm irgendwie!«, flehte Jessika.

Doktor Axel Matthäus, so hieß der Mann, runzelte die Stirn und fragte: »Kennst du jemanden hier in Budweis, der ein medizinisches Labor hat?«

»Nein, leider nicht, aber mit Geld kann man ja alles kaufen, auch ein Labor für ein paar Stunden.«

»Hier lebt doch irgendwo die legendäre Jana Nováková«, sagte der Arzt, »die könnte man fragen, ob sie ein geeignetes Labor kennt. Dem Vernehmen nach verlässt sie schon lange ihr Haus nicht mehr, aber sie kennt ja diese Stadt und ihre Bewohner wie kein anderer.«

»Das geht nicht«, antwortete Jessika, »denn ausgerechnet sie trachtet meinem Johannes nach dem Leben.«

Als er das hörte, war Doktor Matthäus nicht mehr bereit, weiter zu helfen. Er war immerhin so entgegenkommend, die Infusion und mehrere Reservepäckchen bei Jessika zu lassen, aber er erklärte kategorisch: »Ich reise ab, Jessika. Gegen Jana Novákovás Willen werde ich nicht handeln, immerhin ist sie eine Landesfürstin. Ich bin nur ein Stadtfürst, und das in einem anderen Land. Die Regeln unserer Art kann und werde ich nicht missachten. Auch du solltest lieber aufgeben, als einen derartigen Akt der Missachtung weiter zu führen.«

Und dann war er tatsächlich nach Hause gefahren. Als ich in der fünften Nacht aufhörte, zu atmen, hatte Jessika schließlich – was nur bei allergrößter Gefahr für ein Nephilimleben erlaubt war – von sich aus Nitzrek gerufen.

»Ich konnte dich mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage zurückholen, aber stabil warst du nicht. Ich wusste nicht, ob Nitzrek kommen würde. Aber es war meine letzte Hoffnung, denn heilen darf ich nur mit Nitzreks Einverständnis, genauso wie ich nur dann töten darf, wenn ein Auftrag gegeben wurde. Zuerst spürte ich nichts …«

Ich unterbrach Jessika: »Wir ruft man denn den oder die oder das Nitzrek?«

»Mental. Durchaus auch mit gesprochenen Worten, aber die machen es nicht aus. So etwa, wie bei den Menschen ein Gebet, ein inbrünstiges Gebet gesprochen wird. Die Seele ist beteiligt. Ob dann Nitzrek allerdings reagiert, weiß man nicht.«

»Ganz wie beim menschlichen Beten also.«

»Ganz genau so. Jedenfalls war dann plötzlich Nitzrek da und wollte wissen, warum ich aus nichtigem Anlass seine Gegenwart herbeigerufen hatte.«

»Also hast du dich seinem oder ihrem Ärger ausgesetzt, um mich zu retten? Danke, Jessika.«

Jessika lächelte und fuhr fort: »Ich plädierte, bettelte, kämpfte. Nitzrek ließ sich schließlich erweichen, allerdings zu seinen Bedingungen. Vermutlich war mein Argument ausschlaggebend, dass Jana Nováková deinen Tod herbeigeführt hatte, ohne einen Auftrag zu haben. Deine Zeit, das wusste Nitzrek, war noch nicht gekommen, und wir Nephilim töten nicht ohne die Gewissheit, dass eben dies der Fall ist. Er erlaubte mir schließlich, dich zu heilen, wenn ich dir den Rest meines Lebens angehören und dich zu unseresgleichen zählen will.«

»Aber ich bin doch …«

Sie unterbrach mich: »Hör mir jetzt einfach zu, okay? Fragen und Einwände dann später.«

Jessika hatte das Ritual, das ich in meiner Italien-Erzählung geschildert hatte, ausgeführt. Ein Schnitt in ihren und meinen Arm, damit Blut zu Blut kommt, ihr Körper auf meinem mit so viel Hautkontakt wie möglich. Allerdings ging diese Heilung über das, was ich mir seinerzeit für die Szene am See ausgedacht hatte, hinaus, denn das »zu unseresgleichen zählen« bedeutete das Einswerden der Körper im Moment des Blutsbundes. Daher hatte ich, als ich in einem Zustand des beinahe Bewusstseins war, Spermaspuren an mir entdeckt.

Nitzreks Gegenwart war erst aus dem Raum verschwunden, nachdem der Bund geschlossen war und die Heilung einsetzte. Jessika noch hatte gefragt, wie sie sich nun künftig Jana Nováková gegenüber verhalten sollte, aber nur gehört, dass es auch den Nephilim bestimmt sei, einmal zu sterben.

Am übernächsten Tag war sie am Haus der Greisin in der Branišovská gewesen und hatte beobachtet, wie ein Sarg hinausgetragen wurde. Ein Nachbar erzählte, man habe die alte Dame tot aufgefunden, als ihr Lebensmittel geliefert werden sollten. Sie sei wohl friedlich im Schlaf gestorben und habe ja schließlich ein gesegnetes Alter erreicht.

 

»Und jetzt«, erklärte Jessika und sah mir in die Augen, »liegt es in deinem Ermessen, ob du den Bund annimmst oder nicht. Du warst nicht bei Bewusstsein, sondern so gut wie tot, daher ist die Entscheidung noch nicht getroffen. Nur von meiner Seite, aber du bist völlig frei.«

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Immerhin – wie es die von mir selbst festgelegten Spielregeln verlangen, sind die beiden ein Paar geworden, mit Sex und drum und dran. So ging die Abstimmung bei der letzten Folge eben aus. Und ein »richtiges« Paar ist ja noch nicht ausgeschlossen zum jetzigen Zeitpunkt.

Nun können die geschätzten Leser mir das Autorenleben schwer oder leicht machen, je nach Antwort auf die Frage:

 

Ein Bund zwischen Johannes und den Nephilim?
Nein. Kommt nicht in Frage.
Ja. Wie sollen die beiden sonst überleben?
Schubi-dubi-du. Scha-la-la-la-la.
Auswertung

Fortsetzung? Folgt, sobald die Abstimmung ein einigermaßen klares Ergebnis hat und ich dann weitergeschrieben haben werde.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Jessika und Johannes ...

... halten das Ergebnis der Umfrage wie folgt fest:

umfrage

Aus der Fortsetzung, die gerade entsteht:

Ich unterbrach Jessika: »Wir ruft man denn den oder die oder das Nitzrek?«
»Mental. Durchaus auch mit gesprochenen Worten, aber die machen es nicht aus. So etwa, wie bei den Menschen ein Gebet, ein inbrünstiges Gebet gesprochen wird. Die Seele ist beteiligt. Ob dann Nitzrek allerdings reagiert, weiß man nicht.«
»Ganz wie beim menschlichen Beten also.«

Na denn. Demnächst geht es weiter.

Dienstag, 19. Juli 2011

Die Fortsetzung: 1&1 und AVM und die Fritz-Box und der Kundendienst–Kundendienst? Was ist das?

Wie versprochen, dürfen die geschätzten Leser an der Fortsetzung der Erlebnisse teilhaben. Zur Erinnerung möchte vielleicht jemand noch mal nachlesen, worum es geht: [Der Beginn der Schilderung]

  • Es dauerte nur ein paar Tage mit weiterhin unterbrochenen oder gar nicht zustande gekommenen Telefonverbindungen und Internetausfällen, bis diese Antwort im Postfach landete: »Guten Tag Herr Matthia, vielen Dank für Ihre Ergänzungen zu Ihrer Support-Anfrage mit der ** Ticket-ID CID2469883 **. Wir haben diese zusätzlichen Informationen erfasst und werden uns in Kürze mit Ihnen in Verbindung setzen.«
  • Nach weiteren 24 Stunden kam dann Hoffnung auf. Der sogenannte Support ließ uns wissen: »Ein Vorabaustausch ist im Rahmen unserer Garantieleistung nicht vorgesehen. Ich habe jedoch veranlasst, dass unser Versand in Ihrem Fall eine Ausnahme macht und Ihnen eine FRITZ!Box vorab zusendet. …«
  • Also suchte ich flugs die Unterlagen heraus und schickte den Kaufnachweis per Fax an die angegebene Adresse. Nun würde der unhaltbare Zustand ein Ende nehmen und ich würde meinen Blogbesuchern berichten können, dass es letztendlich do so etwas wie Kundendienst bei 1&1 beziehungsweise AVM gibt.
  • Pustekuchen. Bereits zehn Tage später kam diese nette Information, diesmal nicht vom »Support«, sondern vom »Customer Service«: »Sehr geehrter Herr Matthia, vielen Dank für die  Zusendung Ihres Kaufbeleges. Leider ist die Garantiezeit Ihres AVM-Produktes bereits abgelaufen. Eine Überprüfung bzw. ein Austausch Ihres reklamierten Gerätes ist daher nicht mehr möglich. Bei Rückfragen stehen wir ihnen per Mail oder telefonisch in der Zeit von 9.00 - 17.00 Uhr unter der Rufnummer … gern zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen …«
  • Ich hielt das für ein Versehen, warb die Firma nicht mit 60 Monaten Herstellergarantie für ihre Geräte? Die Fritz!Box war noch nicht einmal 24 Monate alt … also nachschauen … im Handbuch auf Seite 91 ist für die Fritz!Box 7113 eine Garantiezeit von 2 Jahren vermerkt. Auf dem Karton der Fritz!Box 7113 ist von einer Garantiezeit von 5 Jahren die Rede. Wie auch immer. Gekauft 2009, und nun sind wir im Jahr 2011. Schwierige Rechenaufgabe, oder?
  • Nun hätte – hätte! – ich natürlich als nächstes klagen können, sollen vielleicht. Die zwei Jahre Garantiezeit waren ja noch nicht einmal abgelaufen. Allerdings fiel das Gerät nun so häufig aus, dass die beste aller Ehefrauen in ernsthafte Probleme bezüglich ihrer Kunden geriet.
  • Also resignierte ich, kaufte ein Gerät im Fachhandel und schrieb dem Kundendienst, der sich so nicht nennen mag, sondern mal Support, mal Customer Service, und auch nicht so verhält, als diene irgend jemand dem Kunden: »Na ja, sehr geehrte Damen und Herren, ich habe mir nun ein Ersatzgerät gekauft, 179 Euro ausgegeben und werde mich in den nächsten Wochen im Freundeskreis umhören, wie es um die Zufriedenheit mit dem Kundendienst bei technischen Problemen bestellt ist, wenn man bei anderen Anbietern Kunde ist. Es muss ja nicht 1&1 sein und bleiben... Mit freundlichem Gruß, G. Matthia«.
  • Ich dachte, damit wäre das Kapitel abgeschlossen. Doch nein. Weit gefehlt! Am 14. Juli kam diese putzige Nachricht an: »Guten Tag Herr Matthia, vielen Dank für Ihre Ergänzungen zu Ihrer Support-Anfrage mit der ** Ticket-ID CID2469883 **. Wir haben diese zusätzlichen Informationen erfasst und werden uns in Kürze mit Ihnen in Verbindung setzen. Freundliche Grüße, Ihr AVM-Support-Team«

So. Seither herrscht nun Schweigen und ich glaube nicht, dass da jemand bei AVM sich noch einmal die eigenen Garantiebedingungen anschaut.

Hat jemand vergleichbare Erfahrungen? Sind andere Anbieter von Telefon und Internetanschlüssen mit einem Kundendienst ausgestattet, der seinen Namen verdient?