Mittwoch, 2. Juli 2014

Natürlich den Ball für’s Dilemma

2dQN1WHIch will über Fußball was schreiben.
Nur so, um die Zeit zu vertreiben,
denn jedermann weiß,
das Thema ist heiß!
In Reime werd' ich es verkleiden.

Man nehme sich zwei mal elf Männer,
die dürfen auch ausseh'n wie Penner.
Dazu einen Un-
parteiischen und
natürlich den Ball für's Dilemma.

Man schickt nun den Trupp auf die Wiese,
egal, ob Zwerg oder Riese.
Sie sollen sich streiten,
auch mit Tätlichkeiten,
gegen Gute, Neutrale und Fiese.

Das Publikum wird dann schon grölen,
die Maulwürfe zittern in Höhlen
und Löchern vor Schreck!
Es hat keinen Zweck,
sich die Ohren dagegen zu ölen.

Auch fern von des Stadions Rängen
sieht man die Menschen sich drängen.
Das nennt man dann Pabblik
Wjuhing! Und ich lach mich
krank über solch Sprachwissensmängel.

Denn jeder kann lesen und wissen
sogar mit dem Kopf auf dem Kissen:
Viewing heißt Leichenschau
Und eins weiß ich ganz genau
Ne Leich' beim Fußball wär beschissen.

Nun hab ich zum Thema geschrieben
und mir so die Zeit nett vertrieben.
Ich hoffe euch allen
hat das gut gefallen,
Die Besten werden schon siegen ...

Foto: rgbstock

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Montag, 30. Juni 2014

Lichtblicke

Der Autor Randall Arthur aus Georgia in den Vereinigten Staaten von Amerika war gestern in Berlin und wir, die beste aller Ehefrauen und meine Wenigkeit, hatte die Freude, seinem Vortrag zuhören zu dürfen. Den Vortrag könnte man mit Fug und Recht auch Predigt nennen, denn Randall Arthur ist ein Künstlername des Pastors Randy Dodd und die Ansprache fand im kirchlichen Rahmen eines Gottesdienstes statt.

Ich habe bisher nur ein Buch von Radall Arthur gelesen, Forgotten Road nennt es sich. Ich habe mir seinerzeit nach der Lektüre auf meiner Liste der gelesenen Bücher notiert: First quarter very semi-liquid, rest inspiring. Die gestrige Predigt fand ich durchgehend inspirierend; es ging darum, sich Erinnerungen zu bewahren, sei es in Form von Festen oder Dokumenten oder Symbolen. Erinnerungen an Mut machende, an kraft- und glaubensspendende Erlebnisse.

Mittags saßen wir mit unserem Freund Harald in einem Restaurant am Kurfürstendamm beim Essen. Er erzählte voller Freude von einer Begegnung, bei der er sofort an mich denken musste. Er hatte eine Dame kennen gelernt, die vor zehn Jahren an Darmkrebs erkrankte, operiert wurde, eine Chemotherapie durchmachte, dann von Lebermetastasen befallen wurde, eine zweite Operation durchmachte und anschließend sogar noch mit Lungenmetastasen und erneut Lebermetastasen ein drittes Mal operiert werden musste. Inzwischen ist die erste Diagnose zehn Jahre her und die Dame ist so gesund und munter, dass sie ihren Schwerbehindertenausweis abgeben musste oder konnte.

Abgesehen von der dritten Diagnose und Operation ist das ein meinen Erlebnissen sehr ähnlicher Verlauf, auf die Lungenmetastasen und erneuten Leberbefall verzichte ich auch sehr gerne. Unser Freund erzählte uns von der Dame, um uns zu ermutigen: Trotz Rückschlägen ist es möglich und keineswegs unrealistisch, den Krebs zu besiegen. Die Patientin hatte (genau wie wir) die Ernährung komplett auf gesunde Produkte umgestellt, achtete (genau wie wir) auf schadstofffreie Kleidung, Kosmetika und Wohnumfeld und darauf, dass Stress keine Chance bekommen konnte. Inzwischen ist sie längst über die fünf Jahre ohne Krebs hinaus gekommen und gilt daher medizinisch als geheilt.

LichtblickEs tut Geist und Seele gut und macht nachhaltig Mut, solche Berichte zu hören. Und es stärkt, daran hat mich Randy Dodd alias Radall Arthur erinnert, ebenso die Seele und den Geist, wenn man sich erinnert an das Gute, das Wunderbare, das Gottgewirkte im eigenen Leben. In seiner Predigt erwähnte er Schriftrollen, jährliche Feste und sichtbare Symbole aus den biblischen Berichten. Er erzählte auch davon, dass er zwei 14seitige Briefe seit zwanzig Jahren aufbewahrt, die ihn an eine existentielle Krise und den göttlichen Zuspruch samt Herausfinden aus der Krise erinnern.

Ich habe ebenfalls solche Erinnerungshilfen. Zum einen habe ich viele meiner menschlich kaum hinreichend erklärbaren Erlebnisse in dem Buch Es gibt kein Unmöglich! aufgeschrieben - nicht nur für die Leser, sondern auch, um selbst nicht zu vergessen. Zum anderen ist der 21. März 2012, an dem die lebensrettende Darmoperation durchgeführt wurde, sozusagen mein zweiter Geburtstag. Und darüber hinaus gibt es auch einige Symbole in unserer Wohnung - unter anderem hat uns eine Freundin ein Gemälde geschenkt, das die Auferstehung vom Krankenlager symbolisiert. Es hängt in unserem Wohnzimmer.

Ich freue mich - gerade jetzt, wo die nächsten Nachsorgeuntersuchungen unmittelbar bevorstehen - über solche Mutmacher im Alltag, über solche Impulse, die Dankbarkeit nicht zu vergessen und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.

Und meinen Lesern wünsche ich von Herzen, dass auch sie - Krebs oder nicht, Sorgen oder nicht, alles in Butter oder nicht - sich Erinnerungen bewahren und aufmerksam sind und bleiben für Mut machende Impulse. Das sind Lichtblicke als Vorrat für dunkle Zeiten..

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Dienstag, 24. Juni 2014

Nicht wörtlich sondern ernst

Kürzlich habe ich unter der Überschrift »Von Angstabbau und Schuldabweisung« exemplarisch mein im Verlauf von vielen Jahren gewandeltes Verständnis der Bibel kurz angerissen. Vielleicht zu kurz? Jemand hielt den Beitrag diesbezüglich für missverständlich. Es klänge, meinte er, als würde ich mich zum Juror erheben der entscheidet, was in der Bibel gilt und was ungültig ist, als würde ich eine Art Zensur anwenden wollen.

In dem angesprochenen Artikel ging es um ein anderes Thema, nämlich darum, wie man schädliche Schuld- und Angstgefühle loswerden kann. Mein Bibelverständnis diente lediglich als Beispiel, wie in der Kindheit und Jugend eingeimpfte Ängste aufgespürt und entsorgt werden können. Dennoch will ich hier an zwei Beispielen ein wenig genauer erklären, was ich meinte und meine, denn manche Zeitgenossen halten die Bibel für ein Märchenbuch und lesen nie darin. Das ist schade, denn auch für jemanden, der das Denken nicht ausschaltet, kann das Buch eine ganze Menge Inspiration und Gedankenanstöße bewirken, wenn man die Lektüre ernst statt wörtlich nimmt. Eigentlich nur dann.

1. Wo kommt denn jetzt die Schlange her?

In den ersten Kapiteln der uns als Bibel überlieferten Schriften lesen wir von der Erschaffung des Lebens.

… Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. -1. Mose 1, 25 / Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag. -1. Mose 1, 31 …

Gott sah und bestätigte diesem Text zufolge, dass seine Schöpfung gut war. Nicht beinahe gut, auch nicht gut mit einer Ausnahme, sondern sogar sehr gut.

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? -1. Mose 3, 1

Da muss man sich doch fragen: Wo kommt denn in einer guten, einer sehr guten Schöpfung plötzlich so ein aufmüpfiges Tier her? Dass es zu sprechen vermag sei dahingestellt, es gibt auch einen sprechenden Esel in der Bibel, aber steht diese List, dieser Wunsch, die Frau und damit auch den Mann zu verführen, im Einklang mit dem von Gott persönlich bestätigten »sehr gut«?

Wohl eher nicht, denn was gut ist, muss ja nicht geahndet werden. Doch die Strafe erfolgt kurz darauf.

Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. -1. Mose 3, 14

Wenn man schon diese ersten Kapitel der Bibel wörtlich nehmen möchte, muss man zwangsläufig einiges hinzu dichten oder weglassen. Dann war es entweder Gottes Absicht und »sehr gut«, dass die Schlange ihr Verführungsunternehmen durchführte, oder uns fehlt der Teil des Schöpfungsberichtes, in dem erzählt wird, wie aus der »sehr guten« Schlange eine weniger gute Schlange geworden ist. Dann allerdings bleibt die Frage offen, was denn dieses »gefallene« Wesen in dem Garten mit den völlig arglosen, weil nur an eine »sehr gute« Welt gewöhnten, Menschen zu suchen hatte.

Michelangelo_SündenfallIch nehme diese Schöpfungserzählungen natürlich nicht wörtlich. Aber ich nehme sie ernst. Und zwar als erzählerische Darstellung, die ins Gedächtnis rufen soll, wie leicht der Mensch verführbar ist durch Machtgelüste, Gewinnstreben und Karrieredenken. Es ging ja Eva und Adam nicht darum, gegen irgendein Gebot zu verstoßen, sondern darum, eine höhere Stellung einzunehmen, Wissen und sogar Weisheit zu erlangen:

Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. -1. Mose 3, 5

Nichts anderes hatte die Schlange versprochen, und daran, dass man zwischen Gut und Böse zu unterscheiden vermag, ist ja an und für sich nichts verkehrt.

Es drängt sich auch die Frage auf, was die beiden »verbotenen« Bäume überhaupt im »sehr guten« Garten zu suchen hatten. Standen sie nur da, um den Gehorsam des Menschen auf die Probe zu stellen? Wozu war das notwendig, wenn doch auch der Mensch, »sehr gut« war? Waren Gott Zweifel gekommen, ob seine Einschätzung »sehr gut« vielleicht doch nicht richtig war? Oder wollte er sich selbst beweisen, dass die beiden Menschen ihm mehr gehorchen würden als dem Streben nach Wissen? Wenn ja, wozu war das nötig?

Nach dem exegetischen Kommentar von Andreas Schüle ist der Sinn der beiden Bäume in der einen Mitte des Gartens, der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, „ein letztlich nicht lösbares Rätsel.“ Bei den Kirchenvätern und in der mittelalterlichen Mystik stehen beide Bäume für die zwei Seiten der Wirklichkeit: Himmel und Welt, das Unsichtbare und das Sichtbare (vgl. Kol 1,15–16 EU), das „Männliche“ und das „Weibliche“, auch Gnade und sakramentale „Materie“ sowie geistig-geistliche und „buchstäbliche“ Exegese. -Wikipedia

Man kann die Schöpfungs- und Sündenfallgeschichte natürlich auf vielfältige Weise interpretieren. Manche sehen ein Gleichnis zur Beschreibung des Wechsels vom Jäger und Sammler, andere ziehen den Schluss: Der Preis der Erkenntnis und Innovation sind die Mühen der Arbeit.

Wie auch immer – wörtlich, so wie wir die Erzählungen in der Bibel vorfinden, kann ich und will ich das nicht verstehen.

2. Wer hat damals eigentlich mitgeschrieben?

Es gibt im englischsprachigen Raum die sogenannte Red-Letter-Bible. Da sind alle wörtlichen Reden Jesu in roter Schrift zu finden. Für Menschen, die an den buchstäblich authentischen Originalton der biblischen Texte glauben möchten, ist das eine feine Sache, denn so sehen sie gleich, was unser Erlöser selbst gesagt und gelehrt hat.

Einmal abgesehen von der Frage, welche der zahllosen Übersetzungen und Übertragungen in die jeweilige Landessprache über einen Zeitraum von so vielen Jahrhunderten denn nun verbindlich sein soll, muss man sich auch eine Antwort darauf zurecht legen, wer denn damals als Stenograph mitgeschrieben hat. MP3-Diktiergeräte oder Tonbänder gab es noch nicht.

Selbst in den synoptischen Evangelien gibt es deutliche Abweichungen in der Schilderung des jeweils gleichen Ereignisses. Das ist aus meiner Sicht weder zu tadeln, noch verwunderlich. Die ältesten bekannten Aufzeichnungen, uns als Markus-Evangelium überliefert, sind vermutlich so um das Jahr 70-90 nach Christus aufgeschrieben worden; dass da aufgrund der mündlichen Überlieferung keine 1:1-Dokumentation entstehen konnte, ist völlig einsichtig. Die anderen Evangelien sind später verfasst worden. Das Matthäusevangelium wurde anhand der Markus-Vorlage etwa zehn Jahre später geschrieben, zwanzig Jahre danach wurde dann das Lukasevangelium verfasst, in den bereits die Naherwartung der Wiederkunft Jesu nicht mehr zu finden. Sie wurde durch den Gedanken ersetzt, dass die wachsende Gemeinde das Reich Gottes ausbreitet.

Das Johannes-Evangelium, Anfang des 2. Jahrhunderts entstanden, unterscheidet sich nicht nur inhaltlich, sondern auch in Form und Sprache so deutlich von den anderen dreien, dass man davon ausgehen kann, der Verfasser habe die synoptischen Versionen entweder nicht gekannt oder sich bewusst von ihnen abgesetzt.

Keiner der Autoren des Neuen Testamentes im biblischen Kanon war Augenzeuge oder gar Begleiter des Jesus aus Nazareth gewesen – und niemand saß mit einem Diktiergerät oder Steno-Block bei der Bergpredigt neben Jesus, um den ellenlangen Text mitzuschneiden.

Das Thomasevangelium, das Petrusevangelium, das Judasevangelium, das Evangelium der Wahrheit und das Philippusevangelium wurden in der ersten Gemeinde noch in den Gottesdiensten und im Unterricht gelesen, aber sie wichen inhaltlich zum Teil so deutlich von den uns überlieferten vier Versionen ab, dass die Kirchenfürsten sie aus dem Kanon ausschlossen. Man hatte (und hat in manchen Kirchen noch heute) Angst davor, dass die Schäfchen den Stall verlassen könnten, wenn sie »ketzerische« Gedanken zu Gesicht bekämen. Ein eigenes Urteilsvermögen (oder gar Leitung durch den Heiligen Geist) trauten die katholischen Kirchenväter dem Volk nicht zu. Heute sind uns von diesen Schriften, die zum Teil sogar älter sind als das, was wir im Neuen Testament lesen, leider nur Fragmente überliefert.

Und was heißt das nun?

Ich kann und will und werde nur für mich reden: Die Bibel gewinnt an Bedeutung und Wert, wenn ich sie nicht wörtlich, sondern ernst nehme. Dann kann ich sie nämlich lesen, ohne mir das Denken verbieten zu müssen. Ich glaube nicht an ein Buch, sondern an einen Gott, über den in diesem Buch vieles zu lesen und zu erfahren ist. Aus dem, was ich lese, kann ich eine Vorstellung gewinnen, wer und wie Gott sein mag. Dass ich ihn jemals wirklich verstehen und meine Vorstellung akkurat sein könnte, halte ich für ausgeschlossen.

Wenn es tatsächlich so wäre, dass Christsein nur dann möglich ist, wenn man die Bibel erstens kennt und zweitens wörtlich versteht und befolgt, dann hätte es rund 1.800 Jahre, nämlich bis zur Erfindung des Buchdrucks, der Übersetzung in die entsprechenden Landessprachen und schließlich der massenhaften Verbreitung durch sinkende Druckkosten keine Christen gegeben. Niemand vom normalen Volk hatte über Jahrhunderte die Chance, eine Bibel zu lesen und wörtlich zu interpretieren. Es blieb den Christen nichts anderes übrig, als der Kirche zu glauben, dass dieses und jenes »Wort Gottes« sei.

Als im Jahr 400 nach Christus der biblische Kanon zusammengestellt wurde, herrschte bereits Uneinigkeit, welche Texte in die Heilige Schrift gehören sollten. Daher haben wir bis heute eine katholische, eine orthodoxe und eine lutherische Version dessen, was als »Wort Gottes« zählt – abgesehen von den zum Teil sehr von einander abweichenden Übersetzungen. Welche davon und in welcher Sprache nun wirklich das wortwörtliche Wort Gottes darstellt, können auch diejenigen nicht beantworten, die an die wörtliche Inspiration der Heiligen Schrift durch den Heiligen Geist glauben. Die wenigsten von uns können Griechisch oder Hebräisch oder Latein.

Dem einen mögen die Clemensbriefe wichtiger sein als der Hebräerbrief, der andere würde lieber auf die Offenbarung des Johannes verzichten als auf seinen Hirten des Hermas. Ich finde, das macht gar nichts. Ich kann mit den Schriften, die etwa ab dem Jahr 150 unter dem Namen Paulus verfasst wurden, wenig anfangen, mit dem Evangelium nach Johannes dagegen eine Menge. Das mindert aber doch nicht den Wert des Römerbriefes für andere Leser!

Was sollen wir nun hierzu sagen? –Paulus

Stelle ich mich also quasi als Richter »über die Bibel«, entscheide ich eigenmächtig, was gilt und was nicht gilt? Für Menschen, die an das wortwörtliche Bibelverständnis glauben möchten, kann sicherlich ein solcher Eindruck entstehen – obwohl auch diese Menschen in der Regel sehr wohl aussieben, was ihnen nicht zusagt. Keiner reißt sich ein Auge aus, weil es ihn »geärgert« hat oder hackt sich eine Hand ab, weil sie ihn zur Sünde verführt. Keiner wirft eine Frau aus der Gemeinde, weil sie ihr Haupt nicht bedeckt oder Schmuck trägt. Hoffe ich zumindest.

Aber ich habe nicht die Absicht, anderen Menschen vorzuschreiben was und wie sie glauben oder nicht glauben sollen. Wenn ich berichte, wie ich dieses oder jenes verstehe, dann heißt das nicht, dass meine Leser sich meiner Interpretation anschließen sollen. Ich traue es jedem zu, selbst zu denken und ich bin niemandes Lehrer; Theologe bin ich schon gar nicht.

Vielleicht gerät jemand ins Nachdenken – das ist ja nie verkehrt. Vielleicht sieht jemand bisher unbeachtete Aspekte – das ist doch bereichernd.

Wenn jemand meine Sicht nicht teilen mag, dann muss er das natürlich nicht tun. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das unbedingt zu verteidigen ist.

Quellen

  • - Entstehungsgeschichte des NT und Deutungsversuche der beiden Bäume im Paradies: Wikipedia
  • - Bild: Michelangelo via WikiCommons

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Donnerstag, 19. Juni 2014

Von Angstabbau und Schuldabweisung

Vom Patienten (passiven Empfänger medizinischer Dienstleistungen) zum Agenten (aktiv Mitwirkenden am Gesundungsprozess) zu werden, das ist für jemanden wie mich, der vom Krebs heimgesucht wurde, eine der wichtigsten Voraussetzungen, um den Kampf zu gewinnen. Natürlich gilt das nicht nur für mich oder an Krebs erkrankte Menschen - sondern für jedermann. Auch gesunde Menschen sollten und dürften daran interessiert sein, wie sie ihren Körper dabei unterstützen können, das Immunsystem weiterhin wirksam zu erhalten.

Das Wissen um die Immunfunktion des Darms beispielsweise ist durch solide wissenschaftliche Studien belegt - wenn nun (wie in meinem Fall) ein erheblicher Teil des Darms operativ entfernt werden musste, ist es um so wichtiger, diese dauerhafte Schwächung des Immunsystems auszugleichen. Die Medizin geht heute davon aus, dass der Darm rund 70 Prozent unseres Immunsystems ausmacht.

Ich berichte hier regelmäßig von Erkenntnissen, Einsichten, Versuchen und Erfolgen sowie Misserfolgen im Kampf gegen den Krebs. Zahlreiche Zuschriften zeigen mir immer wieder, dass andere Menschen davon profitieren, und das macht mich froh. Krebs ist rundherum und absolut nichts Gutes. Aber wenn aus meinem Erleben und Berichten Gutes für andere erwächst, dann freue ich mich einfach mit. In diesem Sinne möchte ich heute ein paar Gedanken über Angst und Schuld mit meinen Lesern teilen.

Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht. -Jean Paul Sartre

Dass Ängste krank machen, ist mittlerweile ein alter Hut. Angst ist ein wesentlicher Stressfaktor, der das Immunsystem empfindlich stören kann, speziell durch die Produktion von Interleukin und anderen Eiweißen. Sich von Ängsten wirklich und dauerhaft zu lösen, bleibt dennoch oft eine schwierige Aufgabe, denn nicht immer fällt es leicht, die Ursachen zu erkennen. Und wer die Ursachen nicht kennt, wird deren Auswirkungen nicht los.

Es gibt die durchaus begründeten und für unser Leben und Überleben wichtigen und richtigen Ängste. Vielleicht ist Ängste hier auch nicht der richtige Begriff - ich sollte womöglich von Einsichten oder Erkenntnissen sprechen. Dass man sich an einer Flamme verbrennen kann und dass dies Schmerzen verursacht, haben wir wohl alle in der Kindheit irgendwann festgestellt. Dass wir uns daher hüten, in eine Flamme zu greifen, ist eine gute und wertvolle Einsicht. »Angst« vor dem Feuer - eine prima Sache, die dazu beiträgt, unverletzt durch das Leben zu gehen.

Zwischen solcher, absolut gesunder Vorsicht und krankmachender Angst zu unterscheiden ist (im wahrsten Wortsinn) notwendig.

Ängste, die keine Not abwenden, schaden unserer Gesundheit nachhaltig. Oft werden sie uns schon in jungen Jahren beigebracht und eingeimpft, ohne dass wir uns in der Kindheit dagegen zu wehren wüssten. Doch auch im Erwachsenenleben hört das nicht auf. Eine der Hauptverursacherinnen von solchen Ängsten ist die eingeredete Schuld. Vorreiter dabei ist unter anderem die institutionalisierte Religion.

Auf den ersten Blick mag das paradox anmuten, denn dass ein solides Glaubensgefüge und Gebet (für andere Menschen genauso wie für sich selbst) messbare positive Einflüsse auf den Krankheits- oder besser gesagt Genesungsverlauf haben, ist unter Wissenschaftlern längst als gesicherte Erkenntnis etabliert.

Dass andererseits krank machende Schuldgefühle (und dadurch ausgelöste Ängste vor Strafe) von Religionsgemeinschaften (ob nun christlich oder andersgläubig) bewusst als Mittel eingesetzt werden, um die Schäfchen im eigenen Stall einzusperren, ist genauso unstrittig. Das geht sogar so weit, dass Krankheit beziehungsweise ausbleibende Heilung als Strafe Gottes für ein angebliches Fehlverhalten des Menschen gepredigt wird. In manchen Kreisen auch heute noch.

Wie wird man solche Ängste los? Ich will und kann nur für mich sprechen: Zur Befreiung waren einige Schritte notwendig.

  1. Am Anfang stand die bittere und schmerzhafte Erkenntnis, dass von der Kanzel (der charismatischen Gemeinde, die wir besuchten) nicht die Wahrheit, sondern Lüge gepredigt wurde. Der zu frühe Tod beider Schwiegereltern hätte gemäß der Lehre, die wir hörten und befolgten, gar nicht stattfinden können.
  2. Anstatt das Kind mit dem Bade auszuschütten, also jeglichen Glauben an einen Gott über Bord zu werfen, musste ich mich aktiv erinnern, dass es in meinem Leben Ereignisse gegeben hat, die jenseits der menschlich erklärbaren Möglichkeiten gelegen hatten. Einige davon sind in meinem Buch »Es gibt kein Unmöglich!« aufgezeichnet.
  3. Anstatt weiter irgendwelchen frommen Leitern blind zu folgen oder das Christsein an und für sich zu verwerfen begann ich nach dem Motto de omnibus dubitandum, zu hinterfragen, zu recherchieren und den Verstand zu gebrauchen, was dann relativ zügig zu einigen befreienden Erkenntnissen führte. Zum Beispiel, dass die Bibel (für den Koran oder andere Schriften wird ähnliches gelten) natürlich nicht »Wort Gottes« sein kann, sondern widerspiegelt, wie im Verlauf von Jahrhunderten Menschen sich Gott vorgestellt haben, in ihrer jeweiligen individuellen Situation.
  4. Anstelle der Buchstaben von »heiligen Schriften« den Geist zu erkennen, der aus ihnen sprechen will, ermöglicht dann eine ganz andere und befreiende und im Sinne des Wortes erlösende Beziehung zu Gott.
  5. Als ich die Bibel (als kulturelles Zeugnis) schließlich ernst nahm, statt sie wörtlich (als buchstäbliches Wort Gottes) zu nehmen, waren die in Kindheit und Jugend eingepflanzten religiösen Ängste erledigt – eine ungeheure Entlastung für Seele, Geist und Körper.

Weiter will ich das hier nicht ausführen, das würde den Rahmen sprengen. Dies soll nur als ein Beispiel dienen, wie man sich von Ängsten lösen kann.

Dieser Prozess fand bei mir statt, bevor ich die Krebsdiagnose erfuhr. Hätte ich im März 2012 noch an den »alten« Gott aus meiner Kindheit und Jugend geglaubt, wäre ich mit Schuldgefühlen (Was hast du falsch gemacht? Warum straft dich Gott so? Welche schlimme Sünde hat Gott dir nicht vergeben?) zusätzlich belastet gewesen, anstatt das befreiende und Kraft spendende Wissen zu erleben: Gott ist bei mir, mitten in dieser Katastrophe.

Mancher hat keine derartigen religiösen Ängste – Gott sei Dank! – und sollte sich trotzdem fragen, ob und wo vergleichbares in seiner Seele lauert. Schuldgefühle können aus der Kindheit stammen (oft genug unabsichtlich von den Eltern verursacht) oder später im Leben durch traumatische Ereignisse ausgelöst werden.

Ich musste mir beispielsweise sagen und mich überzeugen, dass ich nicht am Selbstmord eines Mitschülers Schuld war (indem ich ihn hätte kommen sehen und verhindern müssen). Tief in mir lauerte und nagte dieses Erlebnis und ich musste mich aktiv damit auseinandersetzen, um das Nagen zu beenden. Vermutlich wird so ziemlich jeder Leser hier und da in der eigenen Historie auf Ereignisse stoßen, die Schuldgefühle und Ängste eingepflanzt haben.

Wenn es gelingt, sich von bewussten und unbewussten Lasten zu befreien – Ängste sind nichts weiter als Lasten – dann ist ein großer Schritt zur Gesundung (beziehungsweise zum gesund bleiben) gelungen.

Um trotz einer Krebserkrankung gesund zu werden und dauerhaft gesund zu bleiben, genügt es nicht, sich auf die Schulmedizin zu verlassen. Die deckt nur einen relativ kleinen Bereich dessen ab, was zur Gesundheit notwendig ist – das anerkennen inzwischen auch die Schulmediziner selbst.

Die Befreiung von unbegründeten und schädlichen Ängsten gehört unbedingt auch dazu. Das erfordert Aufmerksamkeit und Wollen, es geschieht nicht irgendwie automatisch.

Vielleicht kann der eine oder andere Leser aus diesen Zeilen positive Impulse für das eigene Ergehen entnehmen. Ich würde mich freuen!

Foto von rgbstock

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Montag, 9. Juni 2014

Brif bruf braf

In der Reihe der Einführungen im Rahmen meiner Moderatorentätigkeit in unserer Kirche ragt für meine Zuhörer ab und zu eine heraus. Das merke ich daran, dass ich nach dem Gottesdienst von besonders vielen Besuchern bezüglich der Anekdote oder Geschichte, die ich eingeflochten habe, angesprochen werde. Die gestrige Einführung war wieder einmal Anlass zu zahlreichen Nachfragen und Gesprächen. Vielleicht interessieren sich ja auch meine geschätzten Blogbesucher? Bittesehr:

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Guten Morgen und herzlich willkommen zu unserem Gottesdienst am Pfingstsonntag.

In einem Hof spielten einmal zwei Kinder ein äußerst lustiges Spiel. Sie dachten sich eine ganz besondere Sprache aus, in der sie miteinander reden konnten, ohne dass die Leute eine Silbe davon verstanden.

»Brif braf«, sagte der Erste. »Braf, brof«, antwortete der Zweite. Und dann lachten alle beide ganz toll.

Im oberen Stockwerk des Hauses saß ein alter Herr auf dem Balkon und las lächelnd seine Zeitung. Im Haus gegenüber lehnte sich eine mürrische alte Frau zum Fenster hinaus.

»Was sind das für dumme Kinder, die zwei da unten«, maulte die Frau.

Aber der Herr auf dem Balkon war nicht ihrer Meinung: »Das finde ich nicht.«

»Sagen Sie mir nur nicht, dass Sie verstanden hatten, was die eben gesagt haben.«

»Doch. Ich habe alles verstanden. Der Erste sagte: Was für ein herrlicher Tag heute. Und der Zweite antwortete: Morgen wird es noch viel schöner.«

Die alte Frau rümpfte die Nase, schwieg aber still, weil die Kinder unten im Hof wieder angefangen hatten, sich in ihrer Geheimsprache zu unterhalten.

Incredible India: portrait of gipsy boys in Tar desert, Rajastan, India»Maraschi, barabaschi, pfiffirimoschi«, sagte der Erste. »Bruf« antwortete der Zweite. Und wieder brach ihr tolles Gelächter los.

»Wollen Sie das auch wieder verstanden haben?« rief die alte Frau erbost ihrem Nachbarn zu.

»Sicher«, antwortete der alte Herr lächelnd. »Der Erste hat gesagt: Wie sind wir doch froh, dass wir auf der Welt sind! Und der Zweite hat ihm geantwortet: Die Welt ist ganz wunderbar!

»Aber ist sie denn wirklich wunderbar, die Welt?«, bohrte die Frau weiter, das Gesicht ganz verkniffen vor Missmut.

»Brif, bruf, braf«, antwortete der gutgelaunte Nachbar.

Diese Geschichte stammt von Gianni Rodari, er war ein italienischer Schriftsteller, der vor allem Kinderbücher schrieb. Wenn wir anlässlich des Pfingstfestes darüber nachdenken, wie das wohl gewesen sein könnte, als der Heilige Geist die Nachfolger Jesu erfüllte, als sie in Sprachen redeten, die sie nie gelernt hatten und womöglich selbst nicht verstanden, dann werden wir wohl trotz der anschaulichen Auslegungskunst unseres Pastors das Geschehen nie so ganz begreifen. Im Bibeltext zur Predigt heißt es heute: »Sie waren bestürzt. Was ist das nur?«, fragte einer den anderen ratlos und erstaunt.«

Ratlosigkeit und Erstaunen vielleicht auch bei uns angesichts dessen, was wir über Pfingsten lesen und hören? Das macht gar nichts, finde ich. Ich muss Gottes Handeln oder Nichthandeln, seine Wege und seine Gedanken nicht verstehen oder erklären können. Es reicht mir völlig, zu glauben, dass ich sein Kind sein darf, dass Jesus Christus auch für mich gestorben ist und dass er den Heilige Geist als Tröster angekündigt hat. Ich muss nicht am Pfingstwunder herummeckern wie die alte Dame in der Geschichte von Gianni Rodari an der Sprache der Kinder, die sie nicht versteht. Ich kann sogar aus mir unverständlichen freudigen Äußerungen heraushören, dass jemand froh und glücklich und dankbar ist, auf der Welt zu sein.

Ich bin jedenfalls lieber der alte Mann in der kleinen Geschichte als die griesgrämige Frau.

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Montag, 2. Juni 2014

Gar nicht so leicht: Dem Stress Einhalt gebieten

Stress, Hektik, Leistungsdruck und Ärger sind Blei auf der Seele. Und Risikofaktoren für eine Vielzahl von Krankheiten, dafür gibt es seit Jahrzehnten wissenschaftliche Belege. 2012 konnte eine schottische Forschergruppe anhand von Langzeitausstudien an mehr als 68.200 Menschen auch nachweisen, dass selbst leichte stressbedingte Symptome die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöhen, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Starke stressbedingte Symptome führen, das zeigte diese Studie deutlich, auch zu einer höheren Krebsrate.

Nun ist für mich seit der Diagnose 2012 klar, dass ich alles in meiner Macht stehende tun will, um im Kampf gegen den Krebs siegreich zu sein. Regelmäßiger Ausdauersport ist ein Mittel, das mir zur Verfügung steht. Gesunde, so weit wie irgend möglich schadstoff- und hormon- sowie medikamentenfreie Nahrungsmittel macht die zweite Maßnahme aus, die mir (und so gut wie jedem anderen Menschen) verfügbar ist. Und das dritte was ich beitragen kann, von der Bedeutung gleichgewichtig mit den beiden erstgenannten, ist die Vermeidung und Abwehr von Stress.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt? So leicht ist das nicht, stellt man im Alltag ziemlich schnell fest, wenn man dem Stress den Krieg erklärt hat. Sport treiben – da muss man sich lediglich vom bequemen Sofa erheben, in die Sportklamotten schlüpfen und loslegen. Das kostet am Anfang Überwindung, aber das kleine Opfer an Bequemlichkeit ist der enorme gesundheitliche Gewinn allemal wert.

Gesund ernähren – da muss man nur anfangen, die Etiketten zu lesen, zu recherchieren und dann entsprechend einkaufen. Das ist teurer als bei Lidl & Co einzukaufen, aber auch das ist mir und uns die Gesundheit wert.

Aber der Stress? Wie wird man den los, wenn man doch arbeiten gehen muss und überhaupt im Alltag und Leben bestehen will? Das hat, obwohl es auch einiges kostet, weder etwas mit Bequemlichkeit noch mit dem Geldbeutel zu tun.

Was ist das überhaupt, Stress?

Stress ist nicht nur negativ. Er kann zu Höchstleistungen anspornen, etwa beim Leistungssportler. Als Lampenfieber kann Stress Künstler zu grandiosen Vorstellungen beflügeln. Der so genannte kurze Stress ist eine positive und sinnvolle Reaktion – sie stammt aus der Frühgeschichte der Menschheit, als es darum ging, blitzschnell zwischen Flucht und Angriff zu wählen und dann alle Kräfte zu mobilisieren.

Erst der Dauerstress, die häufige oder gar unaufhörliche Anspannung macht uns krank und behindert oder verhindert sogar die Heilung, weil – anders als bei Flucht oder Angriff – der Stress sich nicht »entladen« kann.

Die häufigsten Folgen von zu viel Stress sind laut einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse

  • Hoher Blutdruck,
  • Verdauungsbeschwerden,
  • ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt,
  • Spannungskopfschmerzen,
  • mehr Infektionen,
  • Depressionen,
  • Migräne,
  • Zyklus- und sexuelle Störungen.

Die Techniker Krankenkasse erklärt:

Stress stört die Immunabwehr. In stressigen Zeiten ist man besonders anfällig für Erkältungen und andere Krankheiten. Stress hat Einfluss auf die Arbeit verschiedener Immunzellen. Klar ist: Dauerstress wirkt anders als kurzer Stress.

Ich weiß natürlich, dass ich durch meine Bemühungen (Sport, Ernährung, Stressverhinderung) keine Garantie erlange, dauerhaft vom Krebs geheilt zu bleiben. Aber egal ist es eben auch nicht, ob und wie der Mensch es seinem Körper und Immunsystem leichter macht. Recht anschaulich erklärt die Techniker Krankenkasse die Zusammenhänge:

Das Immunsystem verteidigt den Körper gegen schädliche Eindringlinge oder körpereigene, falsch entwickelte Zellen (Krebszellen). Unser Körper produziert täglich Millionen von Zellen. Dabei passieren auch manchmal Baufehler: Das Erbgut der Zelle mutiert. Körpereigene Reparaturprozesse sorgen dafür, dass kein Schaden entsteht. Sie benötigen dazu bestimmte Enzyme. Unter Stress sind diese Enzyme weniger aktiv. Dadurch entstehen unter Umständen mehr von solchen Zellen, die Krebsgeschwulste ausbilden können.

Außerdem sinkt die Zahl der Immunzellen im Blut bei Dauerstress und diese natürlichen Killerzellen sind weniger aktiv. Die T-Lymphozyten teilen sich langsamer. Erreger haben leichtes Spiel.

Nein sagen

Mein festes Vorhaben, Stress abzuweisen, ist in der Praxis nicht immer so leicht durchzusetzen. Meist stehe ich mir da selbst im Wege. Ich neige nämlich dazu, mich für wichtig, womöglich gar unverzichtbar zu halten. (Ob es den geschätzten Lesern auch so geht, sei dahingestellt.) Ich jedenfalls weiß, dass ich beispielsweise am Arbeitsplatz früher oft so empfunden und gehandelt habe, als bräche alles zusammen, wenn ich nicht da wäre.

Stress? Nö.So etwas wird natürlich ausgenutzt: »Herr Matthia, könnten Sie noch schnell ...« - »Machen Sie mir doch mal eben ...« - »Ich brauche noch dringend ...« »Aber bitte zeitnah!« Und immer wieder und unermüdlich und egal wie spät es war habe ich dann selbstverständlich gemacht und erledigt und getan. Ob es nun zu meinen eigentlichen Aufgaben, für die ich bezahlt werde, gehörte oder nicht. Meist waren solche Anforderungen sowieso nicht in meinen Aufgabenbereich angesiedelt. Auf die Idee, einfach »nein« zu sagen, kam ich seinerzeit so gut wie nie.

Als ich dann im März 2012 völlig unvorbereitet aus dem Berufsleben gerissen wurde, stellte sich heraus, dass es auch ohne mich ging. Zwar rief mein Chef sogar noch an, als ich auf der Intensivstation lag, weil er mit manchen Dingen nicht alleine zurecht kam, aber die Firma nahm keinen Schaden und die Welt drehte sich auch ohne mich weiter. Meine Illusion, unverzichtbar zu sein, war ich los geworden und das war und ist auch gut so.

Dass es uns schwer fällt, ein klares Nein zu sagen, hat seine Gründe. Bereits in der Kindheit lernen wir, dass wir gemocht werden, wenn wir »nützlich« sind, wenn wir tun, was man uns aufträgt. Das Geschirr in die Küche bringen, beim Abwasch oder Saubermachen helfen, den Müll vor die Tür tragen … schon ernten wir Lob und Lächeln der Eltern, womöglich sogar eine materielle Belohnung. Natürlich ist es richtig und keineswegs zu tadeln, wenn Kinder nach und nach Aufgaben im Haushalt übernehmen. Aber wenn sie nur dann Liebe und Zuneigung und Aufmerksamkeit bekommen, so lange sie »funktionieren«, dann prägt sich ein: Ich muss alles dafür tun, gemocht zu werden. Ich muss etwas leisten, um geliebt zu werden. Es reicht nicht aus, dass ich einfach ich selbst bin.

In der Schule ist es nicht anders. Gute Leistung spiegelt sich in guten Noten – und gute Noten ebnen den Weg ins Berufsleben. Wer nicht ständig etwas für den Erfolg tut, wer nicht auf Freizeit verzichtet um zu lernen, wird das ein Leben lang bereuen, weil er höchstens zweit- oder drittklassige Jobs bekommt, wenn überhaupt.

Gegen derartige Prägungen, auch wenn sie nur abgemildert vorliegen (meine Mutter hat mich immer wissen lassen, dass sie mich als Person liebt, unabhängig von meinem Verhalten) muss man sich bewusst entscheiden.

Bei meiner Rückkehr an den Arbeitsplatz nach der Darmkrebsoperation und Chemotherapie hatte ich mir vorgenommen: Ich erledige meine Aufgaben so gut und vollständig wie möglich, darüber hinausgehende Dinge nur dann, wenn ich noch Zeit und Kraft übrig habe. Wer mich nicht mag, weil ich ihm nicht dauernd seinen Mist abnehme, der soll es eben bleiben lassen.

Die Angst vor beruflichen Konsequenzen war mir abhanden gekommen. Ich hatte im März 2012 die Schwelle zum Tod vor Augen, und dadurch ändern sich Werte und Prioritäten im Leben nachhaltig. Ich arbeite, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, damit wir uns dieses und jenes leisten können … aber ich lebe nicht, um zu arbeiten.

Auch ein Ja ist möglich

Natürlich will ich hier nicht zur Leichtsinnigkeit raten. Ein »Nein« kann schon Konflikte auslösen und einen hundert Prozent sicheren Arbeitsplatz hat kaum jemand. Man muss die eigene berufliche Situation schon möglichst objektiv und realistisch abwägen. Manchmal empfiehlt sich ein Ja, zweifellos. Übrigens ist auch gar nichts daran verkehrt, hilfsbereit, entgegenkommend, freundlich zu sein. Es gibt Menschen, die schnorren und betteln sich wie selbstverständlich durchs Leben; zu denen habe ich nie gehört und das soll auch nicht so werden. Ich helfe gerne und unterstütze andere, wo es mir möglich ist, aber ich weiß inzwischen Grenzen zu ziehen. Mir selbst. Und anderen. Ich versuche zu unterscheiden, wo wirklich Hilfe gebraucht wird und wo es sich um reines Ausnützen meiner Gutmütigkeit handelt.

Ich bin also kein hundertprozentiger Neinsager. Ich sage auch aus Überzeugung und gerne ja. Jedoch nicht aus dem Grund, Konflikte unbedingt zu vermeiden und auch nicht ständig und immer und jederzeit. Wer nämlich das eigene Tun und Lassen ausschließlich anhand der möglichen oder tatsächlichen Reaktionen von Kollegen und Vorgesetzten ausrichtet, tut sich keinen Gefallen sondern öffnet der Manipulation durch die Anderen so weit die Tür, dass er letztendlich wo immer es geht ausgenutzt wird. Und das hat gesundheitliche Konsequenzen. Unausweichlich sogar.

Ich bin nicht unverzichtbar. Das Ego flüstert gerne: »Ohne dich geht es nicht weiter. Wenn du jetzt nein sagst, bist du ein Versager.« Ich flüstere zurück: »Irrtum. Ich sage nein – und gerade das macht mich zum Sieger.«

Quelle der Zitate, Zahlen und weiterer Informationen: [Techniker Krankenkasse]

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Donnerstag, 29. Mai 2014

Eine ungewohnte Fremdsprache

Fremdsprachen lernen - dem einen fällt es leicht, dem anderen schwer. Die eine versteht zügig viele Worte, die andere müht sich lange mit dem Lernen von Vokabeln ab. Und nicht jede Sprache lernt sich gleichermaßen mühelos oder ähnlich beschwerlich.

Mir geht es mit der Fremdsprache, in der ich mich seit rund zwei Jahren zurechtzufinden versuche, unterschiedlich. Vieles erschließt sich sehr leicht, weil die schulischen Kenntnisse aus dem Lateinunterricht erstaunlicherweise noch recht präsent und daher abrufbar sind. Bei manchen Begriffen und Formulierungen muss ich allerdings die Bedeutung nachschauen - was dank Internet ja heutzutage ein Kinderspiel geworden ist.

ärztischUm welche Sprache es hier geht, fragt sich und mich der irritierte Blogbesucher womöglich an dieser Stelle. Da sei mit einer Antwort nicht länger hinter dem Berg gehalten: Ich versuche, mehr und mehr Ärztisch zu verstehen. Weil ich all die Befunde und Analysen gerne so lesen möchte, dass ich auch begreife, was da über mich beziehungsweise meinen Körper geschrieben wird. Die Mediziner wissen am besten, welche Schlüsse aus den Befunden zu ziehen sind, und da vertraue ich mich den Ärzten auch gerne an. Aber verstehen, was gegebenenfalls gefunden und diagnostiziert wurde, möchte ich schon.

Ein Beispiel aus der ärztischen Geheimsprache? Bitteschön:

Z.n. Resektion von zwei Leberfiliae bei Z.n. Colon-CA

Manches im ärztischen Wortschatz ist (wie bei abkürzungswütigen Schreiberlingen in anderen Sprachen gleichermaßen) pure Faulheit. Wenn ich »Z.n.« oder gar »Zn« lese, dann weiß ich: »Zustand nach« ist gemeint. In obigem Beispiel ist sogar von einem »Z.n. bei Z.n.« die Rede, also vom Zustand nach einem Ereignis beim gleichzeitigen Zustand nach einem anderen Ereignis. Eine hübsche Konstruktion, das muss ich anerkennen.

»Resektion«, das weiß der Latein gelernt habende Mensch, bedeutet Zurückschneiden und auch die »filia«, die Tochter, kennt man auch noch aus dem Unterricht auf dem Gymnasium. Der Plural bei lateinischen Vokabeln, die auf a enden, wird bekanntlich mit ae gebildet; »filiae« sind also Töchter, das ist ganz leicht. Kombiniert man nun die deutsche Leber mit den lateinischen Töchtern, hat man im zitierten Satz »Lebertöchter« und einen »Zurückschnitt« beim primären »Zustand nach«.

Nun hat allerdings nicht etwa meine Leber zwei kleine Lebermädchen auf die Welt gebracht. Es handelte sich vielmehr um Töchter aus dem anderen »Z.n.«, dem Zustand nach »Colon-CA«.

Was ein Semikolon ist, weiß man ja. Wenn man ihm nun das Semi wegstreicht und den Rest, das kolon beziehungsweise colon, vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt, bleibt der Darm übrig. »CA« steht im Ärztischen nicht für die Texitlvertriebskette C&A und auch meist nicht für das chemische Element Calcium, sondern für Carzinom - Krebs. Zusammenfassend heißt also »Z.n. Resektion von zwei Leberfiliae bei Z.n. Colon-CA«, dass ich mich im »Zustand nach der Entfernung zweier Tochtertumore des Darmkrebs aus der Leber« befinde.

So weit, so simpel - alles ohne Nachschlagen zu verstehen. Wenn ich aber dann weiter unten im Befund auf den Begriff »Suszeptibilitätsartefakte« stoße, komme ich ins Grübeln und an meine sprachlichen Grenzen. Natürlich ist mir der Begriff Artefakt geläufig und verständlich, aber was eine Suszeptibilität sein soll - … keine Ahnung. Ein Rezeptor wäre ein Empfänger - doch was ist ein Suszeptor? Fängt der auch irgend etwas?

In diesem Fall ist die ärztische Zunge also nicht so einfach zu verdolmetschen. Aber Tante Google hilft wie meist und ich lese:

»Verschiedene Ursachen können das Entstehen eines MRT-Bildes stören. Vor allem eisenhaltige Metalle können zu dieser Bildstörung führen. Diese Bildstörung heißt auch Suszeptibilitätsartefakt. Suszeptibilitätsartefakte können die Auswertung der MRT-Bilder schwieriger machen. Sie können aber auch nützlich sein. So können beispielsweise kleinste Blutungen im Gehirn gefunden werden, weil eisenhaltiges Material beim Abbau von Blut im Gewebe zurückbleibt.«

Aha. So so. Danke, Tante Google und Onkel Wikipedia.

Endlich verstehe ich, dass es in diesem Befund darum geht, dass an den beiden Stellen, an denen aus der Leber Stücke herausgeschnitten wurden, Reste kleiner Blutungen zu sehen sind. Und das ist ja nun vollkommen normal und kein Grund zur Beunruhigung.

Wir sehen, liebe Blogbesucher, so kann man sich recht unterhaltsam und durchaus horizonterweiternd mit Dokumenten befassen, die auf Ärztisch verfasst sind. Man lernt eben im Leben nie aus – und das ist auch gut so.

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Sonntag, 25. Mai 2014

Joggathon 2014–(m)ein Rekord

Natürlich steht im Mittelpunkt des Joggathon-Festes Jahr für Jahr die Stunde, in der die Läufer ihre Runden drehen, damit über die Sponsoren eine spürbare Summe für den guten Zweck zusammenkommt. Das war auch 2014 nicht anders, obwohl schon der Auftakt, ein Konzert der Madrigalians aus Nashville unter freiem Himmel, etwas Besonderes war. Wer bei »Chor« und »USA« unweigerlich an Gospelmusik dachte, lag in diesem Fall allerdings reichlich daneben, denn Madrigale sind und bleiben nun einmal Musikstücke der Renaissance und des Frühbarock, auch wenn sie heute dargeboten werden.

The Madrigalians

Die rund 30 jungen Sänger treten normalerweise (und das hat bei ihrer Musik durchaus gute Gründe) in Kathedralen oder großen Kirchengebäuden auf, um deren Akustik zu nutzen. Madrigale an der frischen Luft ... das war schon eine Herausforderung. Doch der Auftritt begeisterte die zahlreich auf dem Grundstück der Lydia-Gemeinde versammelten Gäste, dem Applaus nach zu schließen. Neben der Musik gab es Informationen zu den durch den Sponsorenlauf unterstützten Projekten.

Um 12:38 Uhr startete dann der Joggathon, der Dauerlauf auf einem Rundkurs. 2013 war dies eine Wasserschlacht gewesen, mit tiefen Pfützen, aufgeweichtem Lehmboden und unerschöpflichen Regengüssen aus schweren Wolken - 2014 machten eher die Hitze (in der prallen Sonne) den Akteuren zu schaffen. Aber - und das macht dieses Fest zu etwas Besonderem – es kam die Rekordsumme von sagenhaften 14.000 Euro zusammen - so etwas gab es noch nie. Ob es wiederholbar ist, bleibt abzuwarten.

Mein Freund Jens und ich und die pralle SonneIch hatte mir mindestens acht, hoffentlich neun Runden vorgenommen - zehn wurden es. Meinen Sponsoren möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich danken, dass sie mir Antrieb und Rückenwind gegeben haben und meinem Freund Jens ein besonderes Dankeschön, dass er wie im Vorjahr vor dem Fest mit mir trainiert und mich dann Runde um Runde beim Lauf begleitet hat.

Für mich ist jedoch bekanntlich der Joggathon neben der sportlichen Herausforderung an und für sich auch in ganz persönlicher Hinsicht von Bedeutung: Eine Etappen-Siegesfeier über den Krebs. Zum zweiten Mal, trotz Lebermetastasen im Herbst 2013. Dass ich nach der fünfeinhalbstündigen schweren Operation und Beschädigung der Leber sowie des Dünndarms innerhalb von knapp acht Monaten wieder so gut in Form sein würde, hätte ich mir in den ersten Wochen und Monaten nach der Operation nicht vorstellen können. Zwar waren die Runden wohl nicht ganz einen Kilometer lang, aber auch das wäre heute gelungen. Und das ist keineswegs selbstverständlich.

105 Teilnehmer waren auf der Rennstrecke unterwegs, darunter erstmalig auch die beste aller Ehefrauen, am Wegesrand jubelten zahlreiche Zuschauer, die nicht müde wurden, Läufer und Wanderer anzufeuern, fleißige Helfer zählten die Runden und reichten Wasser, ab und zu kam ein erfrischender Windhauch sehr gelegen und nach 60 Minuten war es dann geschafft - rechtschaffen erschöpft und verschwitzt strömten die Teilnehmer wieder zum Gemeindegelände.

Eher unerfreulich ist auch beim 16. Joggathon nach wie vor die Tatsache, dass es weder Duschen noch (zumindest für die Männer) ausreichend dimensionierte Umkleideräume gibt. So schön die Strecke am Lolopfuhl auch ist und so gut das Grundstück der Lydiagemeinde samt Haus auch für größere Veranstaltungen geeignet ist - hier sollte der Veranstalter, nachdem der Berliner Joggathon von Jahr zu Jahr größer geworden ist, doch vielleicht einmal Abhilfe schaffen. Man kann ja schließlich Zelte als Umkleideräume anmieten und auch mobile Duschen kosten kein Vermögen. Notgedrungen blieb den Teilnehmern nichts übrig, als ungewaschen in trockene Kleidung zu schlüpfen und den weiteren Festverlauf in der Hoffnung zu genießen, dass sich die zwangsläufige Geruchsentwicklung in erträglichen Grenzen hält. Recht unangenehm war auch die Tatsache, dass es nur zwei Dixi-Toiletten gab – bei so vielen Teilnehmern und Gästen ist das deutlich zu knapp bemessen.

Köstlichkeiten vom GrillEs gab – und das ist nun wieder erfreulich – wiederum zu günstigen Preisen Gegrilltes; Kuchen und Kaffee waren kostenlos zu haben. Man plauderte und genoss das angenehme Wetter, hatte Gelegenheit, sich miteinander bekannt zu machen und die Muße zu genießen.

Zum Abschluss wurden dann den Läufern ihre Urkunden ausgehändigt, hinter den Kulissen wurde nämlich die ganze Zeit über gerechnet und gedruckt, damit die fröhliche Siegerehrung am gleichen Tag stattfinden konnte.

Im Ganzen also sehr gelungen war das Joggathon-Fest 2014 - und wenn es 2015 wenigstens Zelte zum Umkleiden, Toiletten in ausreichender Zahl und vielleicht sogar Duschen gibt, könnte die Rekordveranstaltung unter Umständen noch einmal übertroffen werden, weil es dann noch leichter wäre, Mitläufer für die Sache zu gewinnen. Ich bin gespannt. Und vor allem aber rundum froh und dankbar, dass ich zehn Runden geschafft und damit dank meiner Sponsoren 245,00 Euro zum guten Zweck beigetragen habe.

Ordentlich was geschafft!Herzlichen Dank auch an Sam, der fotografiert hat wie ein Weltmeister – sonst hätte ich jetzt hier keine Bilder zeigen können. Smiley.

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Freitag, 23. Mai 2014

Von einem armen Wanderer und einem magischen Baum

Ein armer Mann wanderte durch einen Wald und dachte über all seine Mühsal und Beschwernisse nach. Davon wurde er müde und schließlich lehnte sich an einen Baum, um auszuruhen. Es war nun dieser eine ausgerechnet ein magischer Baum, der jedem, der ihn berührte, augenblicklich alle Wünsche erfüllte. Der ermüdete Wanderer hatte Durst und wünschte sich, er hätte etwas zu Trinken bei sich. Augenblicklich hielt er ein Glas Wasser in der Hand. Erschrocken betrachtete er das Getränk, schnupperte misstrauisch daran und stillte dann, nachdem er zu der Ansicht gelangt war, dass das Getränk genießbar sein müsste, seinen Durst. Und siehe da: Nichts Böses widerfuhr ihm durch das Wasser. Zufrieden seufzte der arme Mann und lehnte sich wieder an den Stamm.

Bei Wehlen an der ElbeNach einer Weile stellte sich Hunger ein und der Mann wünschte, er hätte etwas zu Essen. Auch diesen Wunsch erfüllte der magische Baum schneller, als ein menschliches Auge folgen kann: Eine gesunde und reichlich bemessene Mahlzeit erschien in schönen Porzellangefäßen säuberlich angerichtet auf dem Waldboden. Misstrauisch überlegte der trotz des Wasserglases erneut überraschte Mann: Erfüllen sich hier alle Wünsche?

Er ließ sich die Mahlzeit schmecken, während er über diese merkwürdigen Materialisierungen nachdachte. Einen Versuch ist es ja wert, dachte er schließlich, nachdem sein Hunger gestillt war. Daher rief er in den Wald hinein: »Ich hätte gerne ein hübsches Haus für mich allein!« Sofort erschien auf einer Lichtung einen Steinwurf von dem Baum entfernt ein Haus, ganz nach seinen Vorstellungen von Schönheit und seinem Geschmack bezüglich der Architektur.

Der Mann fing an zu lächeln und wünschte sich Bedienstete, die sich um alle notwendigen Arbeiten am und im Haus kümmern sollten. Auch diese erschienen unverzüglich und gingen ihrer jeweiligen Arbeit nach, als seien sie nicht soeben erst aus dem Nichts angekommen.

Nun war der Wandersmann von seiner unglaublichen Machtfülle so gut wie überzeugt. Einen allerletzten Test wollte er noch durchführen. Er wünschte sich eine hübsche, liebenswerte, intelligente und treue Frau, die das unverhoffte Glück fortan mit ihm teilen sollte.

Sie stand augenblicklich vor ihm. Da murmelte der Mann: »Moment mal ... das ist doch lächerlich! So viel Glück kann ich gar nicht haben.« Er schüttelte den Kopf und sagte entschlossen: »Das passiert alles gar nicht.«

Als er diese Worte sprach, verschwanden Haus, Bedienstete und auch die wunderschöne junge Frau. Der Mann stand auf, zuckte mit den Schultern und sagte: »Ich wusste es ja!«

Dann ging er davon und dachte weiter über all seine Mühsal und Beschwernisse nach.

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Gedanken sind Dinge, die Realitäten erschaffen.
Oder vernichten.

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~frei nach Richard Sutphen, The Oracle Within // Foto: eigene Aufnahme

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Mittwoch, 21. Mai 2014

Café au lait mit ganz viel E

Man möchte ja meinen, dass Milch in einem Milchkaffee wäre. Das mag auch zutreffen, je nachdem, wo man den Milchkaffee erwirbt. Wer ihn selbst zubereitet, weiß ja sowieso, was er tut. Aber wie sieht es unterwegs aus?

kaffeetastenBei Kaffeeautomaten kann man ziemlich sicher sein, dass Milch weit und breit Mangelware und schon gar nicht im Kaffee zu finden ist. Das ist ja so logisch, dass alles andere an ein Wunder grenzen würde. Milch müsste ja gekühlt werden, da müsste regelmäßig gründlich und hygienisch gereinigt und frische Ware nachgefüllt werden ... das wird kein Automatenaufsteller seinem Personal beziehungsweise seiner Kalkulation zumuten. Wo bliebe denn da der Gewinn aus dem Verkauf!

Es ist also nur logisch, dass auch in dem »Café au lait«, der in einer mir nicht unbekannten Kantine angeboten wird, keine Milch enthalten ist. Was als Milchersatz dient, wollte ich schon lange wissen. Auf dem Automaten sucht man ja eine Auflistung der Inhaltsstoffe vergebens. Nun bot sich mir die Gelegenheit, die Verpackung des so genannten Kaffeeweißers in Augenschein zu nehmen. Mit der Folge, dass ich zukünftig den bisher schon seltenen Kaffeebezug aus der Maschine wohl ganz einstellen und mir lieber eine größere Thermoskanne für selbst mitgebrachten Kaffee zulegen werde.

kaffeeweißerNeben Glucosesirup (eine Lösung, die aus Traubenzucker und Fruchtzucker besteht), gehärtetem pflanzlichen Fett (Fetthärtung ist ein Verfahren, bei dem fette Öle verfestigt werden; dabei werden durch Hydrierung die Doppelbindungen der ungesättigten Fettsäuren-Reste mit Wasserstoff – in Gegenwart geeigneter Katalysatoren (Nickel) – abgesättigt) und einer nicht weiter spezifizierten Menge an Milcheiweiß werden nämlich Becher für Becher im sogenannten Milchkaffee beziehungsweise Café au lait die folgenden leckeren Zutaten ausgeschenkt:
  • E340 und E452: Chemisch erzeugte Phosphate. Beim Verzehr größerer Mengen wurden ein Abfall des Calcium-Spiegels sowie ein Anstieg des Parathormonspiegels beobachtet. Es wird diskutiert, ob ein Zuviel an Phosphat auch mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüchigkeit im Kindes- und Jugendalter einhergeht. Verbraucherschützer raten von einem häufigen Verzehr ab.
  • E471: Ein Emulgator. Emulgatoren sind Stoffe, die es ermöglichen, eigentlich nicht miteinander mischbare Komponenten in eine beständige Emulsion zu bringen. Emulgatoren zeichnen sich durch die Eigenschaft aus, sowohl in Wasser als auch in Fett löslich zu sein. Achtung! Wenn Sie Allergiker sind und/oder tierische Produkte meiden und/oder Gentechnik in Ihren Lebensmitteln ablehnen und/oder einen hohen Verzehr von Lebensmitteln mit diesem Zusatzstoff haben, beachten Sie bitte folgende Hinweise: Kann auch gentechnisch produziert werden, kann tierischen Ursprungs sein. Auch für Kosmetika zugelassen.
  • E551: Der Zusatzstoff Siliciumdioxid gilt als gesundheitlich unbedenklich, da diese chemische Verbindung vom menschlichen Organismus nicht aufgenommen und unverdaut wieder ausgeschieden wird. Diskutiert wird allerdings, ob dieser Zusatzstoff in Nano-Form schädlich sein könnte. Verbraucherschützer raten daher zu erhöhter Vorsicht bei Produkten mit Siliciumdioxid.
  • Farbstoff E160a: Carotine gelten zwar weitestgehend als unbedenklich, stehen jedoch im Verdacht, das Risiko für einige Krebsarten zu erhöhen. Ein erhöhter Verzehr kann auch zu Ablagerungen im Gewebe und in der Haut führen.
Was nun »häufiger Verzehr« ist, wo »größere Mengen« beginnen, wie viel von welchem Stoff pro Becher Kaffee enthalten sein mag ... das sei dahingestellt. Bekanntlich höhlt ja der klitzekleine stete Tropfen irgendwann auch den Stein. Meiner Gesundheit zuliebe werde ich lieber Geld in eine größere Thermoskanne investieren, anstatt auch zukünftig am Kaffeeautomaten in der Kantine (oder sonstigen derartigen Maschinen irgendwo unterwegs) auf die Taste »Café au lait« zu drücken.

P.S.: Auf die Gelegenheit, auch einen ungestörten Blick auf die Verpackung des Stoffes, der als »Kaffee« in dem Automaten landet, zu werfen, warte ich noch. Was da wohl alles drin sein mag?

Quellen der Informationen über die Inhaltstoffe: lebensmittellexikon.de, das-ist-drin.de und wikipedia.de. Hier gekürzt/auszugsweise wiedergegeben.
Foto: Selbst angefertigt am Tatort des Kaffeeverkaufs.

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