Montag, 24. Oktober 2016

Du musst hier raus … – Teil 3

Wir erinnern uns, liebe Blogbesucher, dass wir hier eine Geschichte lesen. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen und wirklichen Orten – Sie haben das noch im Kopf – wären rein zufälliger Natur und sind nicht beabsichtigt. Das bereits Erzählte steht hier: [Du musst hier raus … Teil 1] – [Du musst hier raus … Teil 2]. So. Und nun geht es weiter:

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Doch auch dieses Versprechen wurde gebrochen. Am Tag des tatsächlichen Umzugs musste Johannes Matthäus zur regelmäßigen Krebsnachsorgeuntersuchung und war deshalb nicht in der Firma. Als er am nächsten Tag bei QVL eintraf, hatte Frau Hirte den Platz eingenommen, der ihm versprochen worden war. Johannes Matthäus saß wiederum mit dem Rücken zur Tür gegenüber der vermutlich lichtscheusten Person im ganzen Betrieb. Frau Mosdrich und Frau Hirte hatten so entschieden.

Natürlich protestierte Johannes Matthäus. Er verlangte, dass Frau Hirte den Platz wechseln sollte. Sie weigerte sich, auch nur aufzustehen. Es hätte wohl körperlicher Gewalt bedurft, und das kam natürlich nicht in Frage.

Und Herr Immermüller? Was tat Herr Immermüller? Sie ahnen es ja schon, liebe Leser: Nichts. Ein lahmes »es ist nun mal so, und so bleibt es jetzt auch« war alles. Er bestritt nicht seine Zusage bezüglich der Raumaufteilung, aber er hatte nicht den Mut oder den Willen, sein gegebenes Wort nun auch durchzusetzen, obwohl Johannes Matthäus noch einmal eindringlich daran erinnerte, welche Auswirkungen das Fatigue Syndrom unter den gegebenen Umständen auf seine Leistungsfähigkeit, seine Konzentration und letztendlich auf seine Lebensqualität hatte. Das alles zählte nicht. Dass er die wesentlich längere Betriebszugehörigkeit und ein deutlich höheres Lebensalter hatte, dass er Schwerbehinderter war … hatte kein Gewicht.

An diesem Punkt war Johannes Matthäus klar, dass sein Vorgesetzter keinen Wert auf seine langfristige weitere Mitarbeit legte. Es folgten zwei weitere Ereignisse, die dann den Ausschlag gaben, die Firma zu verlassen.

Das eine Ereignis war der Tod einer Mitarbeiterin, zwei Jahre jünger als Johannes Matthäus. Er hatte sich mit ihr stets bestens verstanden, die berufliche Zusammenarbeit war sehr angenehm, und die beiden konnten auch über Gott und die Welt plaudern, wenn sich die Gelegenheit ergab. Dann wurde Darmkrebs – also die gleiche Erkrankung wie bei ihm selbst – diagnostiziert. Nur neun Wochen später war sie tot. Der Krebs war zu spät entdeckt worden.

Johannes Matthäus wusste bei allem Optimismus und allem Durchhaltewillen, dass aus medizinischer Sicht seine Chancen, die nächsten drei Jahre zu überleben, bei fünfzig Prozent lagen. Er dachte nicht ständig darüber nach, aber vor jeder der vierteljährlichen Untersuchungen häuften sich naturgemäß entsprechende Gedanken und Befürchtungen. Umso größer dann die jeweilige Erleichterung, weil keine neuen Metastasen gefunden wurden und alle Laborwerte auf Tumorfreiheit hindeuteten. Der Tod dieser Kollegin traf ihn sehr und wurde ihm zur eindrücklichen Mahnung, wie schnell und unerwartet das Leben, jedes Leben, enden kann. Sollte er sich wirklich noch bis zur Regelrente den Leiden aussetzen, die ihm durch die Situation im Büro zugefügt wurden?

Das andere, letztendlich dann ausschlaggebende Ereignis begab sich nach seinem Sommerurlaub 2015. Er konnte es zuerst kaum glauben, aber Herr Immermüller hatte tatsächlich Frau Hirte und Frau Mosdrich dazu bewegt, Listen mit Fehlern zu erstellen, die Johannes Matthäus angeblich bei seiner Arbeit machte. Allein die Vorstellung, dass einem Vorgesetzten so etwas einfallen konnte, war absurd. Dass die beiden dann tatsächlich jeweils ein Blatt vollgekritzelt hatten, offenbarte deren Auffassung von Kollegialität überdeutlich.

Johannes Matthäus ging die beiden Listen Punkt für Punkt mit Herrn Immermüller zusammen durch. Punkt für Punkt zeigte sich, dass die angeblichen Fehler keine waren. Von beiden Din-A-4-Blättern blieb buchstäblich nichts übrig, außer dass Johannes Matthäus bei einem mehrseitigen Vertragsdokument vergessen hatte, die Kopfzeilen der Folgeseiten anzupassen. Alles andere, was die beiden Schnepfen, wie Johannes Matthäus sie hinfort für sich bezeichnete, aufgeschrieben hatten, war schlichtweg falsch, oder sie hatten Zusammenhänge nicht verstanden.

WP_20161024_09_11_13_ProGab es im Anschluss eine Entschuldigung von Herrn Immermüller für diesen Vorfall? Nein. Von den Schnepfen? Nein.

Johannes Matthäus überlegte ein paar Tage, ob er den Betriebsrat über diesen ungeheuerlichen Vorgang informieren sollte, aber dann beschloss er, stattdessen seinen Ausstieg vorzubereiten. Das Klima im Personalbüro war so nachhaltig und endgültig vergiftet, jegliche Glaubwürdigkeit seines Vorgesetzten war zerstört. In dieser Umgebung und Situation noch weitere fünf Jahre bis zur regulären Rente zu arbeiten, hätte einen solch gewaltigen Verlust an Lebensqualität und Gesundheit bedeutet, dass es mit dem Gehalt nicht aufzuwiegen war. Er wusste aufgrund seiner Erkrankung ja nicht, ob er überhaupt 65 Jahre alt werden würde. Er wusste aber, dass er schon bei der Fahrt zum Arbeitsplatz oft genug verkrampfte, während der Stunden im Büro zunächst die Mittagspause und dann den Feierabend herbeisehnte, und dass er zu Hause so erledigt war, dass es ihm noch nicht einmal gelang, den Abendnachrichten zu folgen, ohne dabei einzuschlafen.

Am 8. April 2016 saß er dann beim jährlichen »Mitarbeitergespräch« dem (noch) gut gelaunten und wohl nichtsahnenden Herrn Immermüller gegenüber und ergriff das Wort: »Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Sie auf meinen Verbleib in der Firma keinen Wert legen. Sie haben es ja schon vor einiger Zeit geschafft, dass ich Ihnen grundsätzlich kein Wort mehr …

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Samstag, 22. Oktober 2016

Du musst hier raus … – Teil 2

Wir erinnern uns, liebe Blogbesucher, dass wir hier eine Geschichte lesen. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen und wirklichen Orten – Sie ahnen das ja längst – wären rein zufälliger Natur und sind nicht beabsichtigt. Der erste Teil steht hier: [Du musst hier raus … Teil 1]. So. Und nun geht es weiter:

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Herr Immermüller versprach gerne, wenn es um eine Gehaltsanpassung ging, dass er anlässlich der nächsten Tariferhöhung »sehen werde, was er tun könne«. Er tat allerdings entweder nichts, oder er wollte oder konnte sich bei der Geschäftsführung nicht durchsetzen. Seit Jahren. Eine ehrliche Antwort wäre Johannes Matthäus lieber gewesen: »Ich kann/will keine Gehaltserhöhung für Sie durchsetzen.« Da weiß man dann, woran man ist. Aber dieses »ich werde mal sehen« – über Jahre wiederholt – sorgte natürlich dafür, dass die Glaubwürdigkeit des Herrn Immermüller schrumpfte und schrumpfte.

Johannes Matthäus hatte ihn bereits am 15. Februar 2013 im Rahmen des jährlichen »Mitarbeitergespräches« gefragt, warum er sein Wort bezüglich der Büroaufteilung nicht gehalten hatte. Eine Erklärung fiel dem Vorgesetzten nicht ein. Es sei nun eben mal so gekommen.

86fd213a886411e18cf91231380fd29b_7Ein gesunder Mensch kommt natürlich mit solchen und noch viel schlimmeren Arbeitsbedingungen zurecht. Johannes Matthäus hatte sich vorgenommen, den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu versuchen – falls der Versuch nicht von Erfolg gekrönt sein sollte, würde die Welt nicht untergehen. Und nun war er hin- und hergerissen zwischen Durchhalten und Resignation. Da er aber von seiner ganzen Natur her eher zum Durchhalten und wo notwendig Durchbeißen neigte, blieb er. Er schätzte auch die sehr guten, zum Teil freundschaftlichen Beziehungen zu den Mitarbeitern, die er betreute. Wie wohl in jeder Firma gab es auch im Hause QVL Menschen, mit denen er nicht so gut zurechtkam. Aber bei rund 95 Prozent der Beschäftigten freute sich Johannes Matthäus über ein rundum gutes berufliches Miteinander. Und das wog seinem Empfinden nach doch zumindest einen Teil der Beeinträchtigungen auf, denen er durch die Starrsinnigkeit von Frau Mosdrich und Frau Hirte ausgesetzt war.

Womöglich wäre es ihm angesichts seiner Schwerbehinderung von 60 Prozent gelungen, juristisch einen leidensgerechten Arbeitsplatz durchzusetzen. Den Versuch unternahm er jedoch nicht, da es ihm zutiefst fremd gewesen wäre, gegen einen Arbeitgeber zu klagen.

Im Rahmen der vierteljährlichen Krebsnachsorgeuntersuchungen erfuhr er dann an seinem Geburtstag, dem 23. September 2013, dass zwei Lebermetastasen diagnostiziert worden waren. Johannes Matthäus fand sich von heute auf morgen im Krankenhaus wieder. Es folgte eine fast sechsstündige Operation, die Gott sei Dank erfolgreich verlief. Der Leberkrebs konnte »im Gesunden«, das heißt, ohne dass etwas vom Tumorgewebe zurückblieb, entfernt werden.

Schon sieben Wochen nach der Operation kehrte Johannes Matthäus an seinen Arbeitsplatz zurück. Man mag daran ablesen, dass er seine Tätigkeit mochte, dass er gewillt war, den Kampf gegen den Krebs nicht aufzugeben, sondern ein so normales Leben wie irgend möglich zu führen.

Die Situation hatte sich natürlich nicht geändert, die Sitzordnung war die gleiche geblieben, von einem leidensgerechten Arbeitsplatz war keine Rede. Johannes Matthäus versuchte, durch regelmäßige Unterbrechungen seiner Arbeit durchhalten zu können. Er ging dann aus dem Büro an einen möglichst ungestörten Ort – häufig eine der Toiletten – und genoss am offenen Fenster ein paar Minuten Licht und Luft.

Am 21. Februar 2014 sprach Johannes Matthäus im Rahmen des Mitarbeitergespräches erneut seinen Vorgesetzten darauf an, dass eine andere Aufteilung des Büroraumes möglich und angesichts der Fatigue notwendig sei. Ohne Erfolg, wenn man das folgenlose »ich will mal sehen, was ich machen kann« nicht als Erfolg rechnen möchte.

Johannes Matthäus hielt durch. Im Frühjahr 2014 reagierte sein Körper auf die Belastungen mit einem Hörsturz, der zu einem chronischen Tinnitus und einem Verlust von 60 Prozent der Hörfähigkeit im linken Ohr führte.

An diesem Punkt angekommen dachte er erstmals ernsthaft darüber nach, seine geliebte Berufstätigkeit aufzugeben, sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen oder ganz aufzuhören. Für einen 59jährigen war es natürlich nicht allzu aussichtsreich, auf dem Arbeitsmarkt eine passende Stelle zu finden.

Johannes Matthäus nahm fortan etwas mehr Rücksicht auf seinen Zustand. Er lehnte konsequent alle Arbeitsaufträge ab, die über die Stunden, für die er bezahlt wurde, hinausgegangen wären oder die seine jeweilige Leistungsfähigkeit überforderten. Herr Immermüller hörte nun immer häufiger ein Nein, wenn er kam und sagte: »Könnten Sie noch schnell …?« Es dauerte eine Weile, aber schließlich war dem Vorgesetzten klar, dass Johannes Matthäus jetzt feste Grenzen setzte.

Es soll sich nun an diesem Punkt der Erzählung kein falsches Bild in den Köpfen der geschätzten Leser festsetzen. Herr Immermüller und Johannes Matthäus kamen gut miteinander aus. Sie kultivierten ein freundlich distanziertes berufliches Miteinander, Johannes Matthäus blieb hilfsbereit und kooperativ, aber er ließ sich nicht mehr ausnutzen. Das akzeptierte der Vorgesetzte, die Positionen waren abgesteckt. Beim Abschied rund zweieinhalb Jahre später gingen Herr Immermüller und Johannes Matthäus im besten Einvernehmen und Frieden auseinander – aber so weit sind wir ja noch nicht mit dieser Geschichte.

Es gab Ende 2014 einen vermeintlichen Lichtblick – denn es stand ein erneuter Umzug innerhalb der Firmenzentrale an und Herr Immermüller hatte zugestimmt, dass Johannes Matthäus den Arbeitsplatz am linken Ende des Raumes (mit einer zusätzlichen Fensternische) bekommen würde. Das hätte eine so große Erleichterung bedeutet, dass Johannes Matthäus sogar Hoffnung schöpfte, die Auswirkungen der Fatigue könnten sich nach und nach mildern. Immerhin hatte der Vorgesetzte ja zugestimmt.

Doch auch dieses Versprechen …

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Freitag, 21. Oktober 2016

Du musst hier raus ... – Teil 1

Etliche Menschen haben mich gefragt, warum ich meine de facto unkündbare Berufstätigkeit aufgegeben und damit eine schmerzlich spürbare finanzielle Einbuße in Kauf genommen habe. Meine Antwort in vier Worten: Der Klügere gibt nach.

Das würde ich gerne ausführlicher schildern, allerdings gilt eine Verschwiegenheitsverpflichtung bezüglich der Vorgänge und Zustände bei einem Arbeitgeber über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus. Stattdessen will ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nun einfach eine Geschichte erzählen. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen und wirklichen Orten – Sie ahnen das ja schon – wären rein zufälliger Natur und sind nicht beabsichtigt.

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Nehmen wir einmal an, es hätte einen Arbeitnehmer namens Johannes Matthäus gegeben, der in einem Industriebetrieb – nennen wir ihn QVL-Werke GmbH & Co. KG (kurz QVL) – als Personalreferent gearbeitet hat. Nehmen wir ferner an, es hätte dort einen Vorgesetzten – nennen wir ihn Herrn Immermüller – gegeben und zwei Mitarbeiterinnen im Personalbüro – nennen wir sie Frau Mosdrich (wie der Mostrich, aber mit d) und Frau Hirte. Und schließlich nehmen wir an, man schriebe den 4. Februar 2013. An diesem Tag kehrt Johannes Matthäus an den Arbeitsplatz zurück, den er runde zwölf Monate zuvor, am 13. März 2012 um 16:03 Uhr, verlassen hatte, ohne zu ahnen, was ihm bevorstand.

Anfang Februar 2012 war er bereits sechs Tage lang wegen starker Krämpfe und Bauchschmerzen arbeitsunfähig gewesen. Nach einer Untersuchung im Krankenhaus hatte man ihn wieder nach Hause entlassen und Antibiotika verordnet. Es handele sich um eine Entzündung im Darmbereich, eine Divertikulitis, hatte es geheißen. Vier Wochen lang waren die Schmerzen immer wieder aufgetaucht, trotzdem fuhr Johannes Matthäus Tag für Tag ins Büro, denn er machte seine Arbeit gerne. Ab dem 10. März 2012 aber wurden die Beschwerden zu quälend und es kamen Erbrechen sowie ständige Übelkeit hinzu. Sein Zustand verschlimmerte sich dermaßen, dass er schließlich am 13. März abends vom Notarzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Es folgten die Diagnose Darmkrebs, eine Operation, eine Rehabilitation und acht Zyklen Chemotherapie.

Und nun, am 4. Februar 2013, 46 Wochen später, wollte Johannes Matthäus endlich wieder arbeiten. Einen Schritt zurück in die Normalität tun. Er freute sich darauf.

Die Personalabteilung war inzwischen in ein anderes Büro umgezogen und um Frau Hirte, die als Krankheitsvertretung eingestellt worden war, ergänzt worden. Herr Immermüller hatte Johannes Matthäus einmal zu Hause besucht und ihm eine Zeichnung des neuen Büros zukommen lassen, auf der er sich seinen zukünftigen Arbeitsplatz aussuchen hatte dürfen. Doch als er nun an diesem Morgen zum ersten Mal das neue Büro betrat, hatte man ihm den schlechtesten Platz von allen zugewiesen: Mit dem Rücken zum offenen Raum und zur Tür, und – das war das wirklich Schlimme – gegenüber von Frau Hirte, die sich schnell als lichtscheues Wesen entpuppte.

Solange es wirklich dicke, schwere Wolken am Himmel gab, konnten die Jalousien oben bleiben. Doch schon bei Schleierbewölkung, ohne dass die Sonne auch nur hervorlugte, fühlte sich Frau Hirte geblendet und verdunkelte ohne zu fragen den Raum. Wenn Johannes Matthäus protestierte, blieb er ohne Erfolg, denn Frau Mosdrich, früher etwas weniger lichtempfindlich, hatte sich die Lichtfurcht inzwischen angeeignet. Was Frau Mosdrich schon immer ausgezeichnet hatte und geblieben war, war ihre feste Überzeugung, bei der kleinsten Luftbewegung krank werden zu müssen. Daher durfte, wenn ein Fenster gekippt war, auf keinen Fall die Tür offen sein. Tischventilatoren betrachtete sie als Mordwerkzeug. Die ehemalige Kollegin Frau Maladhaus, inzwischen seit ein paar Jahren in Rente, hatte seinerzeit einen Tischventilator unter dem Schreibtisch versteckt gehabt, um bei Sommerhitze wenigstens an den Beinen eine kleine Erleichterung zu verspüren.

So saß also fortan Johannes Matthäus Sommer wie Winter, Herbst wie Frühling im total abgedunkelten Büro, falls nicht schwere Wolken den Himmel verdeckten. Die Sauerstoffzufuhr war minimal, da Frau Mosdrich und Frau Hirte sich einig waren, dass es entweder zu kalt draußen oder zu heiß draußen war. Seinen Tischventilator konnte Johannes Matthäus nur auf niedrigster Geschwindigkeitsstufe laufen lassen, weil sonst die fünf Meter entfernt sitzende Frau Mosdrich wütend und lauthals meckerte, dass sie »im Zug säße« und sich den Tod holen würde.

Und Herr Immermüller? Was tat Herr Immermüller? Nichts.

Johannes Matthäus bat ihn mehrmals, eine andere Sitzordnung durchzusetzen: Die Frauen einander gegenüber auf der einen Seite des Büros, sein Schreibtisch auf der anderen. Dann hätte eine Hälfte des Büros abgedunkelt werden können, die andere bekäme Licht. Dann hätte ein Fenster, weit von Frau Mosdrich entfernt, geöffnet werden können, ohne dass sie einen tödlichen Lufthauch abbekäme. Dann wäre die Arbeitssituation so gewesen, wie ursprünglich beim Besuch des Herrn Immermüller während der Arbeitsunfähigkeit vorgesehen und versprochen. Vor allem aber so, dass Johannes Matthäus längerfristig - trotz der bleibenden Folgen seiner Erkrankung - seine Arbeit hätte tun können.

Er erklärte seinem Vorgesetzten die Auswirkungen des Fatigue Syndroms und wie stark sein Wohlbefinden, seine Leistungsfähigkeit und letztendlich seine Gesundheit von Tageslicht und guter Sauerstoffversorgung abhängig waren. Herr Immermüller, selbst natürlich mit einem Einzelbüro ausgestattet, in dem er lüften und die Helligkeit regeln konnte wie er wollte, hörte sich alles an und versprach: »Ich werde mal sehen, was ich da tun kann.«

Was das bedeutete, wusste Johannes Matthäus allerdings seit Jahren. Herr Immermüller versprach gerne …

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Mittwoch, 12. Oktober 2016

Drei Jahre ohne …

WP_20161012_09_29_15_Pro… neue Tumore – ein gewaltiger Grund für Freude und Dankbarkeit.

Wie immer habe ich bei der Sonografie zwar auf dem Bildschirm mitverfolgen können, was mein Arzt da so in meinem Inneren betrachtet, ohne vorher den Bauch aufzuschneiden, aber ich würde nicht behaupten wollen, da auch nur annähernd irgend etwas zu erkennen. Daher bin ich auf seine Kommentare angewiesen, und die waren auch heute von guter Laune und guten Nachrichten geprägt. Es gibt keine Anzeichen von Veränderungen an den Organen, die Lymphknoten und Lymphgefäße sind vollkommen unauffällig und die Blutwerte zeigen keine Anzeichen für »raumgreifende Veränderungen« im Körper. Die beiden Tumormarker sind konstant auf ihrem unauffälligen Niveau geblieben.

Ich wollte meinen geschätzten Blogbesuchern, soweit sie nicht bei Facebook mit mir verbunden sind, diese gute Nachricht des heutigen Tages nicht vorenthalten. Demnächst werde ich mich hier wieder etwas regelmäßiger melden. Mehrere Menschen haben mich gefragt, warum ich meine de facto unkündbare Berufstätigkeit aufgegeben und damit eine sehr deutlich spürbare finanzielle Einbuße in Kauf genommen habe. Meine Antwort in vier Worten wäre diese: Der Klügere gibt nach.

Das will ich gerne etwas ausführlicher in Worte kleiden, demnächst an dieser Stelle.

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Samstag, 17. September 2016

Die morgigen Klagelieder

eleIch weiß schon heute, welche Klagelieder die Vertreter der herkömmlichen Parteien morgen nach der Berliner Wahl anstimmen werden. Die Wähler werden nicht verstanden haben, welche Inhalte und Programme die Herren und Damen Parteivertreter so hatten. Es wird ihnen nicht gelungen sein, dem Wähler und der Wählerin zu vermitteln, für welch wunderbare Pläne sie mit ihrer Person gestanden hätten.

Doch diese vorhersehbaren Klagelieder sind falsch. Ganz falsch.

Die Wähler verstehen sehr wohl, dass für eine unendliche Baustelle namens Flughafen Milliarden Euro zur Verfügung stehen, während beispielsweise die Schulgebäude in einem so jämmerlichen Zustand sind, dass sie zum Teil sogar gesperrt werden müssen. Die Wähler begreifen schon, dass die Politiker zuerst an ihre Wiederwahl, ihre Diäten und all die lukrativen Nebenverdienstquellen denken und dann vielleicht auch noch, falls Zeit bleibt, an die Anliegen der Bürger. Die Wähler sind sich bewusst, dass  unter anderem die Verantwortlichen für das Misslingen des Flughafenprojektes selbstverständlich auf freiem Fuß und ohne finanzielle Einbußen ihr Leben genießen, während einem Otto Normalverbraucher immer höhere Kosten, ob nun für das Parken oder für die öffentlichen Nahverkehrsmittel, aufgebürdet werden. Und so weiter.

Liebe Politiker, wir sind nicht dumm. Wir haben verstanden. Mehr als Ihr wahrscheinlich wolltet. Und genau deshalb wählen wir immer seltener CDU, SPD, die Grünen oder gar die SED – pardon, ich meine die PDS – ach nein, die heißen ja zurzeit »Die Linke«.

Die SPD steht nicht mehr für die einstigen Grundwerte der (ehemaligen Arbeiter-)Partei, die CDU genauso wenig (das war mal eine Partei der christlich-abendländischen Kultur), und bei den Grünen zeigt sich immer deutlicher die Wirkungslosigkeit bezüglich deren einstigem Kernthema Umweltschutz und gesunde Lebensbedingungen. Die Folge ist politische Heimatlosigkeit wohin man blickt. Es treten kleine Gruppierungen mit großartigen Zielen zur Wahl an, die keine Chance haben werden, ins Parlament einzuziehen. Die Ziele entstammen, wenn man genau hinschaut, überwiegend den Bereichen, die einst in den etablierten Parteien zum Fundament gehörten. Aber die Minigruppierungen sind chancenlos.

Dass davon die AfD profitiert, und sei es auch nur in Form von Proteststimmen, darf nicht verwundern. Alle Selbstbemitleidung von CDU, SPD und Grünen wird nichts daran ändern, dass diese Parteien einen großen Teil ihrer einstigen Stammwähler mutwillig vertrieben haben. Mich eingeschlossen. Und sogar die umbenannte SED scheint den Voraussagen zufolge ihre Stammwählerschaft im Osten einzubüßen.

Und die Freidemokraten? Ja ja, die FDP. Die war lange weg (weil sie genau das gleiche getan hatte) und versucht nun, wieder ins Parlament einzuziehen. Mit Ideen und Plänen, die endlich wieder freidemokratisch klingen wie einst Genscher, Baum, Scheel … zumindest in Berlin scheint die FDP sich wieder auf ihre Geschichte besonnen zu haben. Ob die Stimmen allerdings für einen Einzug ins Parlament reichen werden, scheint zweifelhaft.

Schuld wird morgen Abend der Wähler sein, der nicht begriffen hat, was die Parteien ihm Gutes tun wollten.

Freitag, 26. August 2016

Wer hat was zu erzählen?


Ich arbeite an einem neuen Sachbuch, in dem ich gerne auch ein paar Erlebnisse von meinen geschätzten Blogbesuchern und Lesern unterbringen würde, soweit sie zum Thema passen.

Damit der Themenbereich einigermaßen klar wird, ist es wohl am einfachsten, wenn ich das voraussichtliche Vorwort zur Verfügung stelle.

Bitteschön:
Ich würde ja Sport treiben, aber …
Zu meinem fünfundfünfzigsten Geburtstag hatte mich eine Freundin mit einer Gratulationskarte in Form einer Collage aus alten Fotos überrascht. Darunter war ein rund 20 Jahre altes Bild, auf dem mein damaliges Übergewicht nicht zu übersehen war. Ich wog seinerzeit (bei einer Körpergröße von 182 Zentimetern) rund 115 Kilogramm. Der BMI-Wert von 34,7 ließ gesundheitliche Schäden sehr wahrscheinlich werden. Sie traten auch ein. Als ich das Bild sah, konnte ich kaum glauben, dass ich einmal so ausgesehen habe.
Ich schreibe diese Zeilen vier Wochen vor meinem einundsechzigsten Geburtstag. Mein Körpergewicht liegt konstant bei 82 Kilogramm. Meinen BMI-Wert von 24,8 kommentiert ein Online-Rechner so: »Sie scheinen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten und auch die Bewegung kommt bei Ihnen nicht zu kurz. Machen Sie weiter so!«
Dreiunddreißig Kilogramm habe ich nicht von heute auf morgen verloren. Und mein gesundes Gewicht hält sich nicht von selbst, das dürfen Sie mir glauben. Wie es mir gelungen ist, trotz Rückschlägen und Komplikationen vom übergewichtigen und krankheitsanfälligen Bewegungsmuffel zu einer Konstitution zu kommen, die meinen Kampf gegen Darm- und Leberkrebs seit März 2012 in einem nicht zu unterschätzenden Maß unterstützt hat, möchte ich Ihnen in diesem Buch berichten. Vielleicht kann ich Sie ja dazu anstacheln, es ebenfalls zu versuchen? Sich und Ihrem Körper etwas Gutes zu tun? Vielleicht sogar, bevor es zu ernsthaften Schäden kommt?
Es gibt zwei grundlegende Komponenten beim Wechsel von einem gesundheitsschädlichen zu einem gesundheitsfördernden Leben: Die Ernährung und die Bewegung. Es gibt noch einiges rings herum, aber auf diesen beiden Säulen basiert alles. Im vorliegenden Buch geht es überwiegend um die Bewegung.
»Ich würde ja Sport treiben, aber …« wie oft habe ich das schon gehört und gelesen. Und wie oft habe ich das früher selbst gesagt. Die Abers sind so vielfältig wie sie zahlreich sind. Das könnte man zumindest meinen. Doch wenn wir genau hinschauen und ehrlich mit uns selbst sind, bleibt am Ende nur ein einziger Grund bestehen. Diesen Grund möchte ich mit Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, gerne im folgenden Kapitel aufspüren, bevor wir uns anschauen, wie kläglich mein erster Versuch scheiterte, etwas zu ändern.
Zuvor aber noch dieser Hinweis: Ich bin kein Sportmediziner. Ich bin überhaupt kein Mediziner. Ich bin Personalreferent. Ich kann und will Ihnen daher keine medizinischen Auskünfte geben. Ich will und kann lediglich wahrheitsgemäß erzählen, was ich und wie ich es erlebt habe. Meine Zeilen sind kein Ersatz für Ihren Arzt. Auch ich habe immer wieder bei Unsicherheit und Fragen Rat von Medizinern eingeholt und so werde ich es auch weiter handhaben. Also betrachten Sie mein Buch (oder sonstige derartige Publikationen) bitte nicht als Ersatz für die regelmäßige ärztliche Untersuchung und Betreuung.
So. Und nun schauen wir uns an, wie viele Hinderungsgründe es eigentlich gibt, die es uns unmöglich machen, sportlich aktiv zu werden.
Soweit die einleitenden Zeilen zum Buch.

Und nun sind meine Blogbesucher und Leser gefragt, soweit Sie passende Erfahrungen gemacht haben. Hat jemand eine ähnliche Entwicklung vom Bewegungsmuffel zum aktiven Menschen hinter sich? War das ganz leicht oder mit häufigen Rückschlägen verbunden? Ist der Versuch gescheitert? Was hat sich verändert? Wie lange hat es gedauert? Und so weiter ...

Beiträge sind herzlich willkommen, wenn ich sie (auszugsweise oder ganz) verwenden darf. Es wird leider kein Honorar geben (es sei denn, ich werde über Nacht oder über mehrere Nächte reich oder zumindest vermögend). Bitte vermerken, ob ich gegebenenfalls Namen nennen darf oder nicht. Und bitte ausschließlich per Email an gjmatthia ät gmail punkt com. Es sei denn, jemand benutzt als Schreibgerät so etwas wie die abgebildete Maschine - dann auch gerne per Post.

Ich bin gespannt.

P.S.: Foto von [Free Stock Photos]

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Mittwoch, 17. August 2016

Prokrastination … da kann man (bei Bedarf) abhelfen

Ich sprach vor kurzem im Rahmen meiner Berufstätigkeit mit einem jungen Menschen, der mit seiner Motivation zu kämpfen hatte. Er begeistert sich für ein Projekt oder einen Plan und ist anfangs sehr motiviert. Aber nach ein paar Tagen oder spätestens Wochen vertrocknet die Euphorie. Verschlepperei und Aufschieberitis (von manchen Zeitgenossen gerne als Prokrastination bezeichnet) beginnen, bis dann das Projekt irgendwann ganz abgeschrieben wird, der Plan gescheitert ist. Im Grunde will er ernsthaft das Projekt fertigstellen, den Plan ausführen, doch die Motivation schwindet zusehends. Immer wieder.

Ich erklärte dem jungen Mann, dass es sich lohnt, in die Abhilfe Zeit zu investieren, denn nur wenige Probleme können so negative Auswirkungen haben wie dieses, sowohl im beruflichen als auch im privaten Lebensbereich. Ich schlug ihm ein mehrwöchiges Experiment zur Motivation vor. Jeder Mensch wird anders motiviert (und im Lauf des Lebens kann sich das auch ändern), so dass man bei solchen Schwierigkeiten erst einmal herausfinden sollte, was persönlich wirklich motivierend wirkt. Übrigens ist das auch für mich selbst ab und zu ratsam – und vielleicht für den einen oder anderen Blogbesucher?

cleanDamit wir uns nicht falsch verstehen: Gegen Müßiggang habe ich gar nichts einzuwenden. Ausspannen, Faulenzen … wichtig und richtig. Nur wenn wir im Leben und Alltag gar nichts mehr »gebacken kriegen«, dann sollten wir über Abhilfe nachdenken. Denn der Fliesenboden muss nun mal gereinigt werden, sonst sieht er bald aus wie bei Hempels unter dem Sofa. Garantiert. Einverstanden?

Und wie funktioniert das Experiment? Sie probieren jede Methode eine Woche lang aus und notieren die Ergebnisse. Nach ein paar Wochen wissen Sie mehr über Ihren persönlichen Motivationsstil als je zuvor. Hier sind acht Vorschläge zum Ausprobieren:

1. Unvermeidliche Folgen

Setzen Sie einen Termin fest, an dem die Aufgabe abgeschlossen werden soll und legen Sie eine unvermeidliche Folge fest, falls Sie den Termin nicht einhalten. Am besten ist es, diese Frist und die Folge einem zuverlässigen Partner mitzuteilen oder öffentlich zu machen. Und natürlich müssen Sie dann auch ehrlich sein.

Ein Beispiel: Ich könnte auf Facebook erklären, dass ich in der kommenden Woche 1000 Worte pro Tag an meinem Buch schreiben werde. Falls ich es nicht tue, kann am Sonntag nicht den Tatort sehen. Das Modell funktioniert natürlich nur, wenn die Konsequenzen wirklich wehtun. Wenn ich als unvermeidliche Folge festlege, dass ich nicht in die Diskothek darf, dann werde ich frohen Gemüts keine 1000 Worte pro Tag schreiben.

2. Abschlusszwang bei Listen

Viele Menschen, mich eingeschlossen, empfingen den starken Drang, eine angefangene Liste auch zu vervollständigen. Wenn Sie beispielsweise 15 von 20 Episoden einer Serie gesehen haben, möchten Sie wahrscheinlich auch den Rest nicht verpassen. Das ist der »Abschlusszwang«. Ich denke, jeder erlebt ihn irgendwann – vor allem, wenn es realistisch ist, die Liste zu vervollständigen. In unserem Sportstudio bei der Einführung gab mir der Trainer damals Listen: Drei mal zehn Übungen an Gerät Nummer 22. Und natürlich zählte ich dann mit und absolvierte die Liste. Zehnerliste für Zehnerliste. Hätte er gesagt, ich solle ungefähr dreißig Übungen machen … wer weiß.

Die Methode: Unterteilen Sie ein großes Projekt oder eine langwierige Aufgabe in zehn kleine Aktionen, die Sie in dieser Woche schaffen möchten, oder fünf kleine Aktionen, die Sie pro Tag beenden wollen. Ihr tägliches beziehungsweise wöchentliches Ziel ist es, die überschaubare Liste komplett abzuhaken. Man kann dies mit der ersten Methode kombinieren: wenn ich meine tägliche Liste nicht beende, darf ich nachher den Roman nicht weiter lesen.

3. Eine starkes Warum

Machen Sie sich die tieferen Gründe bewusst, weshalb Sie ein Ziel erreichen oder eine Aufgabe erfüllen wollen. Es sollte ein Grund sein, der Ihnen wirklich etwas bedeutet, von dem Sie zutiefst überzeugt sind.

In meinem Fall ist da zum Beispiel die sportliche Betätigung: Ich weiß, dass ich meine Überlebenschance um bis zu 67 Prozent verbessern kann, wenn ich mindestens drei Mal pro Woche mindestens 45 Minuten Ausdauersport treibe. Das haben langjährige Studien mit tausenden Krebspatienten belegt. Glauben Sie mir, liebe Blogbesucher, das ist ein sehr motivierender Grund. Sie können sich aber auch einfach beispielsweise im Berufsleben ins Gedächtnis rufen, dass Sie diese oder jene Arbeit erledigen, weil Sie nicht zu den Pfandflaschensammlern gehören möchten.

4. Aufgaben spannender und erfreulicher machen

Es ist einfach, sich am Anfang für ein Projekt oder Ziel zu begeistern, aber das lässt nach, wenn etwas alltäglich und normal wird. Also erneuern Sie die Begeisterung!

Jeder Tag beginnt mit einem Ziel, das Sie erreichen können und das Ihnen wichtig ist. Machen Sie die Erreichung des Ziels (oder auch den Weg dahin) interessant: Lassen Sie sich inspirieren, visualisieren Sie Ihre Leistung, finden Sie Musik, die Sie motiviert, suchen Sie ein inspirierendes Zitat ... irgend etwas, was Sie begeistert, damit Sie Ihr Ziel für den Tag erreichen!

Bei mir funktioniert Musik in vielen Bereichen. Ich kann zum Beispiel zu klassischer Musik mit wesentlich besserer Motivation an Übersetzungen arbeiten. Wenn es um das Aufraffen zu einer mühsamen oder inhaltlich langweiligen Übersetzung geht, kann mir die Vorfreude auf den Kunstgenuss das Loslegen deutlich erleichtern, denn ich darf ja dabei Mozarts Harfenkonzert hören. Oder Cellokonzerte von Haydn. Beim Training auf dem Laufband dagegen wähle ich Rock, Blues, Country … von Nirvana bis Kris Kristofferson ist alles dabei. Und beim Saubermachen, da singe ich gerne.

5. Zuverlässigkeit einüben

Einer der wichtigsten Pluspunkte im Leben liegt darin, Vertrauen zu genießen. Wenn es Menschen gibt, die glauben, dass Sie auch tun werden, was Sie versprechen, dann führen Sie ein ganz anderes Leben als im gegenteiligen Fall. Wenn die Menschen Ihnen nicht vertrauen, werden Sie keine guten Beziehungen haben, weder im Liebesleben, noch mit Freunden, noch bei der Arbeit. Oder würden Sie jemanden einstellen, von dem Sie nicht wissen, ob er morgen zur Arbeit erscheint und seine Aufgabe erledigt? Vielleicht ja, aber nach einer Woche würden Sie ihn kündigen.

Das Motto »Halte dein Wort« sollte eine Ihrer Prioritäten im Leben sein oder werden. Das beginnt mit kleinen Dingen und es hilft auch bei dem Thema, um das es hier geht. Versprechen Sie jemandem, dass Sie eine kleine Aufgabe erledigen, die 10 bis 30 Minuten in Anspruch nimmt. Dann tun Sie es. Wiederholen Sie diesen Vorgang mehrmals am Tag. So werden andere Ihnen zunehmend vertrauen und gleichzeitig wächst Ihr Selbstvertrauen. Schreiben Sie das Motto irgendwo auf, wo Sie es häufig sehen, damit Sie es nicht vergessen.

6. Finden Sie eine Gruppe

Menschen sind soziale Lebewesen, und Sie können das zu Ihrem Vorteil nutzen. Gründen oder finden Sie eine Gruppe von Freunden oder Kollegen, die Ziele erreichen oder Projekte beenden wollen. Setzen Sie sich gemeinsam tägliche oder wöchentliche Ziele und besprechen Sie miteinander regelmäßig die Ergebnisse. (Das kann eine Facebook-Gruppe oder eine Gruppe sein, die sich in Ihrer Nachbarschaft trifft).

Setzen Sie in der Gruppe Belohnungen und/oder peinliche Konsequenzen (siehe oben) fest. Man kann wöchentliche Belohnungen für diejenigen einführen, die am besten ihre Ziele erreicht haben. Ermutigen und helfen Sie einander, wenn jemand ins Stocken geraten sollte. Es geht aber auch ohne solche Anreize - oft reicht es, dass man einander Rechenschaft ablegt.

7. Genießen Sie Erfolge

Nach jeder Aufgabe, die Sie abgeschlossen haben, machen Sie eine Pause, in der Sie ganz bewusst und völlig eigennützig Ihr Gefühl genießen, etwas geschafft zu haben. Das ist ein tolles Gefühl! Teilen Sie Ihren Sieg mit anderen. Genießen Sie es, das Vertrauen in sich selbst zu stärken. Stürzen Sie sich nicht sofort in die nächste Aktivität – feiern Sie Ihren Erfolg.

Wenn Sie dann eine neue Aufgabe beginnen, wissen Sie schon vorher, wie gut Sie sich fühlen werden, wenn Sie auch das nächste Ziel erreichen.

8. Schnelle Belohnungen

Im Grunde ist das die Umkehrung der ersten Methode. Erstellen Sie ein System, in dem Sie kurze Aufgaben (nur zehn bis zwanzig Minuten) erledigen und gleich anschließend eine kleine Belohnung erhalten, weil Sie es geschafft haben. Zum Beispiel: ich brauche nur zehn Minuten zu schreiben, dann bekomme ich einen Latte macchiato. Oder ich arbeite meinen Email-Posteingang ab, dann kann ich mir eine Schallplatte aussuchen und auflegen. Oder ich belohne mich nach drei absolvierten Ausdauertrainings in der Woche mit einer Tüte Lakritze.

Wenn Sie die Aufgabe nicht erledigen, gibt es auch die Belohnung nicht! Je kleiner die Aufgabe, desto besser, denn dann legen Sie viel eher los.

Das sind acht Vorschläge, Sie können sich natürlich andere ausdenken oder finden, wie die Seinfeld-Methode oder die Pomodoro-Technik. Alles, was zählt, ist, dass Sie das Experiment durchführen und die Ergebnisse notieren. Am Ende eines jeden Wochenexperimentes schreiben Sie einen kurzen Überblick darüber, wie es gelaufen ist. Bewerten Sie Ihre Produktivität auf einer Skala von 10 Punkten. Dann versuchen Sie das nächste Modell.

Am Ende werden Sie ein paar tolle und ein paar für Sie unpassende Methoden ausprobiert haben und wissen, was Ihnen am meisten hilft. Sie könnten Methoden kombinieren oder verschiedene zu unterschiedlichen Zeiten nutzen. Und vielleicht werden Sie, nach all diesen Experimenten, so viel Selbstvertrauen in Ihr Durchhaltevermögen und damit so viel Motivation entwickelt haben, dass Sie gar keine Methoden mehr brauchen!

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Ehre, wem Ehre gebührt: Die Idee für die acht Ideen stammt von Leo Babauta. Das Bild ist mein eigenes Kunstwerk.

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P.S.: Hilfreiches für einen gelingenden Alltag steht auch in diesen beiden Büchern:


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Sonntag, 14. August 2016

Gastbeitrag: Bewegung nach Krebs kann Rückfallrisiko um bis zu 67% senken

Gelegentlich, wenn ich mit dem Inhalt übereinstimmen kann, gibt es auf meinem Blog auch Gastbeiträge. Heute stammt er von »movival« aus Achern in Baden-Württemberg, das ist ein Unternehmen, das sich auf die Entwicklung wissenschaftlich-medizinischer Gesundheits-Apps fokussiert hat. Das Foto stammt aus meiner eigenen Sammlung. Bittesehr:

runKrebsspezialist bekräftigt vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse aus 15-jähriger Forschungsarbeit: Patienten können ihre Prognose nach einer Krebserkrankung selbst positiv beeinflussen.

Es gibt für Patienten einen einfach zu verstehenden Weg, nach einer Krebstherapie selbst etwas zu tun, um den Heilungsprozess zu unterstützen: durch ein eigenes, in den Alltag integrierbares Bewegungsprogramm.

„Internationale Langzeitstudien haben gezeigt, dass körperliche Aktivitäten das Risiko von Krebsrückfällen bis zu 67% senken kann“, so Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Widmann, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie und Sozialmedizin.

Die Erkenntnisse seiner eigenen 20 Jahre andauernden Forschungsarbeit hat er bereits auf zahlreichen nationalen und internationalen Fachkongressen präsentiert und möchte diese nun auch der breiten Öffentlichkeit, und speziell den betroffenen Krebspatienten, zugänglich machen. Aus seiner Sicht haben sich die Möglichkeiten in der Krebsnachbehandlung sowie die Rahmenbedingungen für Prävention in den letzten 10 Jahren grundlegend verbessert.

Dazu veröffentlicht Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Widmann auf einem eigens eingerichteten YouTube-Kanal ein erstes Video, in dem er seine wissenschaftlich evaluierten Hintergründe, vor allem für Patienten, kurz und verständlich erläutert.

Hintergrund: Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Widmann hat sich schon seit seinem Studium an den Universitäten in Regensburg, Würzburg und der Mayo Clinic in Rochester, MN, USA intensiv mit dem Thema Krebsentstehung und Krebsprävention auseinandergesetzt und in eigenen Projekten die Auswirkungen von Bewegung auf den menschlichen Körper erforscht.

Als Chefarzt an der Asklepios Fachklinik für Onkologie, Anschlussrehabilitation und Rehabilitation in Triberg/Schwarzwald integriert Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Widmann eigene wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen mit denen internationaler Forschergruppen in ein eigenständiges Therapie- und Bewegungskonzept. Es baut auf der Kern-Erkenntnis auf, dass durch ein regelmäßiges Bewegungsprogramm eine Aussicht für Patienten besteht, das Krebsrückfallrisiko signifikant zu senken. Dabei gilt der Grundsatz: „Etwas Bewegung senkt das Krebsrückfallrisiko etwas und etwas mehr Bewegung senkt das Krebsrückfallrisiko auch mehr. Eine Anleitung zu einem solchen Bewegungsprogramm erhalten Patienten während eines Aufenthaltes in der Klinik.

Hier geht es zum Video: [Prinzip Bewegung nach Krebs einfach erklärt]

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Dienstag, 9. August 2016

Die zehn Gebote für ein kurzes Leben

Die Welt wird immer schlimmer? Das Leben ist öde? Vielleicht möchten Sie ja, so viel an Ihnen liegt, dazutun, um nicht so furchtbar lange leben zu müssen. Vielleicht finden Sie, dass eine Lebenserwartung von über 50, geschweige denn 60 oder mehr Jahren maßlos übertrieben ist. Damit Sie keine lebensverkürzende Chance verpassen, habe ich Ihnen die zehn Gebote zusammengestellt, deren Einhaltung Ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Ableben vor dem Rentenalter verhelfen kann.

August 2011 - mein eigenes Foto (sechs Monate vor der Krebsdiagnose)1. Gebot: Rauchen Sie!

Am besten Zigaretten. Wenn Sie den Geruch von Tabak absolut nicht ertragen, rauchen Sie wenigstens E-Zigaretten. Dann bekommt Ihr Körper zwar kein Formaldehyd über die Lungen, aber doch immerhin Nikotin und Zusatzstoffe wie Diacetyl, 3-Hydroxy-2-butanon und Acetylpropionyl. Wirklich auf Nummer Sicher gehen Sie jedoch mit Zigaretten. Fangen Sie mit zwei oder drei pro Tag an, sie sind dann fast automatisch und mühelos binnen kurzer Zeit bei einem Konsum von einer oder zwei Schachteln täglich angelangt.

2. Gebot: Trinken Sie regelmäßig Alkohol!

Zusätzlich zum Nikotin sollten Sie täglich das zweite legalisierte Nervengift mit dem schönen Namen Alkohol zu sich nehmen, um Ihr Leben signifikant zu verkürzen. Zu den häufigsten alkoholbedingten Folgen gehören Leberkrankheiten, Bauchspeicheldrüsenschäden, Herz-Kreislauf-Probleme, Krebs und psychische Störungen. Um diese Resultate zu erreichen, sollten Sie als Mann mindestens zwei Flaschen Bier oder Gläser Wein täglich konsumieren, als Frau reicht die Dosis von einem Glas Wein oder einem halben Liter Bier. Genießen Sie nach den Mahlzeiten zusätzlich einen Schnaps zur Verdauung und am Wochenende ein paar Bierchen oder Weinchen mehr. Denken Sie daran, auch immer Liköre im Haus zu haben, die Sie zwischendurch konsumieren können.

3. Gebot: Meiden Sie Stufen und Wege!

Bewegen Sie sich so wenig wie möglich. Wo immer eine Rolltreppe oder ein Fahrstuhl zu finden sind, benutzen Sie auf keinen Fall die Stufen im Treppenhaus. Fahren Sie auch kurze Strecken mit dem Auto, einem motorisierten(!) Zweirad, einem Taxi oder zur Not öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Büroalltag achten Sie darauf, dass Drucker, Akten, Bonbons oder andere Naschereien in unmittelbarer Nähe bereitstehen, damit Sie nicht aufstehen müssen, um etwas zu holen. Nach Feierabend halten Sie sich möglichst vor dem Schlafengehen nur auf Ihrem Sofa oder in bequemen Sesseln auf. Denken Sie auch daran, dass Ihnen jede Menge Dienstleister gerne den lästigen Einkauf abnehmen und von Lebensmitteln bis zur Kleidung alles nach Hause liefern. Achten Sie auf jeden Fall darauf, dass Sie niemals aus der Puste geraten – wenn Sie sich schon notgedrungen bewegen müssen, dann bitte langsam und mit Pausen.

4. Gebot: Bevorzugen Sie Cola & Co.!

Trinken Sie außer Alkohol (siehe zweites Gebot) regelmäßig sogenannte Soft-Drinks wie Cola, industriell gefertigte Orangenlimonade oder auch sogenannte Energiedrinks. Achten Sie bei den Marken Coca-Cola und Pepsi-Cola darauf, dass sie keine Flaschen aus amerikanischer Produktion erwischen, denn dort wurden die nachgewiesen krebserzeugenden Stoffe (E 150 a bis d) aus der Rezeptur genommen, weil sonst ein Warnhinweis wie bei den Zigaretten auf die Flaschen hätte kommen müssen. Außerhalb der USA wurde die krebsfreundliche Rezeptur beibehalten. Falls Sie doch einmal die amerikanische Variante erwischen, ist allerdings die lebensverkürzende Wirkung nicht aufgehoben, sondern nur durch das Fehlen der E-Stoffe gemindert. Es ist immer noch reichlich Zucker enthalten, außerdem künstliche Aroma- und Geschmackstoffe. Handelt es sich bei Ihrem Getränk um eine Cola oder Limonade, die statt mit Zucher mit HFCS gesüsst ist (fructosereicher Maissirup), dann schädigen Sie wenigstens Ihre Leber. Die verwandelt die Fructose in schön viel Fett – ein Fett, das sich rund um das Organ anlagert und alsbald zu einer schweren und gelben Fettleber führt. Mit der zuckerhaltigen Variante der Soft-Drinks erreichen Sie auf Dauer den gleichen Effekt, zusätzlich sorgen Sie aber für einen stark erhöhten Insulinspiegel im Blut. Wenn Sie auch Ihre Kinder in den Genuss einer verkürzten Lebenszeit kommen lassen wollen, gewöhnen Sie sie früh daran, Softdrinks statt Obstsäfte oder gar reines Wasser zu sich zu nehmen.

5. Gebot: Essen Sie »Convenience«-Produkte!

Essen Sie so regelmäßig wie möglich die billigsten Fertigmahlzeiten (die stehen meist im Tiefkühlregal), die Sie finden können. Alternativ können Sie aus möglichst billigen Fertigprodukten zusammengestelltes Essen zu sich nehmen. Bei der Auswahl von Brotbelag und –aufstrich achten Sie darauf, möglichst viel industriell verarbeitete Produkte (zum Beispiel Kochschinken, Leberwurst) mit möglichst langer Haltbarkeit zu kaufen, dann sind Sie bezüglich aggressiver chemischer Konservierungsstoffe und Antioxidationsmittel ziemlich auf der sicheren Seite. Wie bei den Soft-Drinks können Sie auch beim Essen die Lebenserwartung Ihrer Kinder mindern, indem Sie Fischstäbchen, Instant-Soßen, Kartoffelbrei aus der Tüte und andere Fix-Produkte (aus der Tiefkühltruhe beispielsweise) regelmäßig auftischen und häufig Süßigkeiten verteilen. Kaufen Sie keinesfalls frisches Gemüse oder Obst – höchstens mal im Winter tiefgekühlte Erdbeeren aus chinesischer Produktion.

6. Gebot: Bio ist tabu!

Kaufen Sie auf niemals Produkte aus biologischem Anbau beziehungsweise biologischer Tierhaltung, denn dann würden Ihnen all die herrlich lebensverkürzenden Antibiotika, Unkrautvernichtungsmittel, künstlichen Hormonzugaben sowie die wunderbaren chemische Farbstoffe, Geschmacksverstärker und Füllstoffe entgehen, die Sie mit industriell erzeugten Speisen und Getränken zu sich nehmen können. Zwar haben Bio-Lebensmittel meistens nicht mehr Nährstoffe und Vitamine als konventionelles Obst und Gemüse, aber auf den Chemiecocktail der Industriewaren müssten Sie beim Kauf im Bio-Laden verzichten. Bio-Produkte werden leider ohne Pestizide und Chemiedünger beziehungsweise Massentierhaltung hergestellt. So etwas sollten Sie nicht essen!

7. Gebot: Versorgen Sie Ihre Haut mit Erdöl!

Auch bei Körperpflegeprodukten, vom Duschgel über die Sonnencreme bis zur Zahnpasta achten Sie darauf, dass die Aufzählung der Inhaltsstoffe auf der Packung so lang wie möglich ist und so viele chemische Kürzel und Begriffe wie möglich enthält. Vor allem sollten Sie Produkte wählen, die Erdöl (auch als Mineralöl bezeichnet) in verschiedenen Formen enthalten. Damit Sie sicher sind, wirklich ein lebensverkürzendes Produkt zu kaufen, halten Sie nach folgenden Begriffen auf der Verpackung Ausschau: Ceresin, Diisopropyl Adipate, Mineral Spirits, Paraffinum Liquidum, Isoparaffin, (Hydrogenated) Microcrystaline Wax, Isohexadecane, Paraffin, Synthetic Wax, Mineral Oil, Petrolatum, Vaseline, Paraffinum Subliquidum, Cera Microcristallina, Microcrystalline Wax, Ozokerit. Auch bei Kosmetika gilt: Keine Bio-Produkte kaufen, denn in Bio-Kosmetik sind Mineralöle von vorne herein gar nicht erlaubt, dort werden stattdessen pflanzliche Fette und Öle verwendet.

8. Gebot: Konsumieren Sie möglichst viele Weichmacher!

Verwenden Sie in der Küche, im Bad und für unterwegs auf jeden Fall Kunststoffgefäße und Behälter, wo immer es möglich ist. Vor allem weiche Kunststoffe geben die enthaltenen Weichmacher bereitwillig an die Nahrungsmittel ab, damit Sie möglichst oft und reichlich in den Genuss von Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) kommen. DEHP ist als Weichmacher für PVC in großen Mengen und in sehr vielen Produkten im Einsatz. Vor allem bei Billigangeboten werden Sie sicher schnell fündig. In Spielzeug für Kinder ist dieser Weichmacher leider verboten, das heißt, Sie müssen auf anderem Wege (Plastikgeschirr, Löffel, Trinkhalme, Brotdosen für die Schule, Trinkflaschen für unterwegs) sicherstellen, dass das Leben Ihrer Kinder nicht zu lange währt.

9. Gebot: »Fast-Food« ist Ihre erste Wahl!

Wenn Sie zum Essen ausgehen, achten Sie darauf, dass die Speisekarte so lang wie möglich und die Servierzeit der Gerichte so kurz wie möglich ist. Dann sind Sie relativ sicher, dass nichts frisch zubereitet wird, sondern dass Ihnen Essen voller Konservierungsstoffe, Antioxidationsmitteln, Farb- und Geschmacksverstärker serviert wird. Wenn Sie noch dazu darauf achten, dass Sie riesige Portionen zu billigen Preisen bekommen, sind Sie auch bezüglich der gesundheitsschädlichen Qualität der verwendeten Lebensmittel auf der sicheren Seite. So bekommen Sie mit Sicherheit eine schöne Portion Antibiotika, künstliche Wachstumshormone, Unkrautvertilger, Mineralölrückstände und – wenn Sie Glück haben – sogar genveränderte Substanzen. Auch bei McDonalds, Burger King und Co. können Sie sich auf gesundheitliche Schäden verlassen, wenn Sie nicht ausgerechnet den Salat bestellen und ihn womöglich noch ohne die mitgereichte Sauce verzehren. Das sogenannte Fleisch in den Burgern von McDonalds beispielsweise besteht aus Fettpaste und Ammoniak. Fleisch ist nicht enthalten. Ihre Kinder werden es lieben und Ihnen mit einem kurzen Leben danken.

10. Gebot: Kommen Sie nicht zur Ruhe!

Schlafen Sie so wenig wie möglich, vermeiden Sie Entspannungspausen und Ruhe. Tun Sie immer mehrere Dinge gleichzeitig, setzen Sie sich unter Leistungsdruck und seien Sie nie zufrieden mit dem, was Sie geschafft haben. Meiden Sie Meditationen, Andachten, Yoga, Kirchen, klassische Konzerte, Saunagänge und ähnliches wie der sprichwörtliche Teufel das sprichwörtliche Weihwasser. Halten Sie auf keinen Fall Ordnung, strukturieren Sie nichts und planen Sie keinesfalls systematisch Ihren Tagesablauf. Wenn Sie unbedingt Urlaub nehmen müssen, dann nehmen Sie sich in der Zeit Dinge wie Reparaturen, Renovierungen oder Entrümpelungsaktionen vor. Lassen Sie Ihre Kinder nicht draußen spielen, vor allem dann, wenn es dort Grünanlagen oder gar unberührte Natur gibt. Geben Sie ihnen stattdessen Spielkonsolen, Smartphones und andere elektronische Geräte in die Hand, damit sie nicht in Versuchung geraten, sich womöglich an der frischen Luft zu bewegen. Und natürlich muss jedes Kinderzimmer einen eigenen Fernseher und Computer haben.

So. Nun wissen Sie Bescheid. Die Welt wird immer schlimmer? Das Leben ist öde? Dann tun Sie etwas dafür, dass Ihre Aufenthaltsdauer auf dem Planeten nicht zu lange dauert, indem Sie die aufgelisteten Ratschläge beherzigen und in die Praxis umsetzen. Es bleibt noch anzumerken, dass es sich mit diesen zehn Geboten genauso verhält wie mit jenen, die der Überlieferung zufolge Mose von Gott persönlich diktiert bekommen hat: Um den gewünschten Effekt mit Sicherheit zu erzielen, muss man schon alle zehn Gebote halten. Eine Garantie allerdings vermag ich Ihnen nicht zu geben.

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Freitag, 5. August 2016

Ein Blick voraus - mit Zuversicht

Das Interview ...Regelmäßig lesende Blogbesucher wissen, dass ich mit dem Ende des kommenden Septembers meine berufliche Laufbahn und Tätigkeit vorzeitig beenden werde. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber beim Abwägen zwischen den erheblichen finanziellen Einbußen und der Befreiung von einer aufgrund der Folgen von Krebserkrankung und Chemotherapie sehr belastenden Arbeitsumgebung entschied ich mich dann, mir mein Leben nicht länger des Geldes wegen so gesundheitsschädigend zu gestalten. Schon eine oder zwei Wochen Urlaub führen dazu, dass es mir gesundheitlich deutlich besser geht, beispielsweise ist das Tinnitusgeräusch heute (nach knapp drei Wochen Urlaub) so weit in den Hintergrund gerückt, dass ich es überhaupt nicht bemerke, solange ich dies und das zu tun habe.

In einem Interview wurde ich kürzlich unter anderem nach meinen Zukunftsplänen gefragt. Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch, damit auch meine geschätzten Blogbesucher Bescheid wissen.

FRAGE: Herr Matthia, neben Ihrem Vollzeitjob haben Sie ja noch einige „Berufe“, denen Sie in Ihrer Freizeit nachgehen. Da fällt mir gleich einmal Autor und Übersetzer ein.

G.J.Matthia: Ja, das liegt daran, dass ich schon immer eine große Affinität zum Schreiben hatte. Schon in der Schule war Deutsch mein Lieblingsfach, ich habe sehr früh angefangen, Texte für alle möglichen Anlässe zu verfassen und auch, um meine Familie zu unterhalten. Mein öffentliches Debüt habe im Alter von 12 Jahren mit meiner ersten kleinen Veröffentlichung gehabt.

FRAGE: Worum ging es in dem Text und wer hat Ihnen denn da zum ersten Erfolg verholfen?

G.J.Matthia: Ich hatte einen Artikel über ein Sportfest aus Sicht eines Nichtsportlers verfasst, der einen humoristisch-satirischen Unterton hatte. Mein älterer Bruder riet mir, diesen doch an die Lokalzeitung zu schicken. Und daraufhin wurde der Artikel publiziert.

FRAGE: Aber das war ja nicht das letzte Werk von Ihnen …

G.J.Matthia: Nein, ich habe eine Vielzahl von Beiträgen für diverse Medien geschrieben und 1998 erschien mein erstes Buch in einem süddeutschen Verlag, ein autobiografisches Buch über meine Kindheit und Jugend. Das Manuskript hatte ich überwiegend während schlafloser Nächte in einem Schwedenurlaub verfasst. Es ist keine wirkliche Autobiographie sondern ein autobiografischer Roman, jetzt in der 4. Auflage erhältlich. Es folgten weitere Bücher und weiterhin Artikel für Zeitschriften und elektronische Medien.

FRAGE: Sie haben aber auch ein Faible für Musik, wie man Ihrem Blog entnehmen kann.

G.J.Matthia: Ja, sehr sogar. Als ich nach dem Schulabbruch als Hippie durch Europa zog, bin ich auch als Musiker aufgetreten. Und ich hatte jahrelang eine Band, die ich vor ein paar Jahren aber zu Gunsten meiner Schreibleidenschaft aufgegeben habe.

FRAGE: Welche Musik haben Sie denn gespielt? Und wer hat Sie geprägt?

G.J.Matthia: Wir haben vorrangig in Richtung Gospel, Rock und Blues gespielt. Geprägt wurde ich in erster Linie durch die Beatles. Später kamen dann Paul Simon, Bob Dylan und Leonard Cohen dazu, die ich auch bis heute sehr gern höre.

FRAGE: Herr Matthia, welche Pläne haben Sie ab Oktober, wenn Sie dann Ihre Zeit anders einteilen können? Kehren Sie zur Musik zurück?

G.J.Matthia: Pläne habe ich viele, die Musik steht aber ziemlich weit hinten. Sicher werde ich weiterhin Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche anfertigen. Diesem bisher nur als Nebenjob möglichen Broterwerb kann ich dann mehr Zeit widmen. Und ein weiteres eigenes Buch, das zehnte, ist geplant. Ich möchte darin gern meine Erlebnisse seit der Krebserkrankung 2012 erzählen – was ich ja via Blog schon getan habe und tue. Für die Buchform brauche ich Zeit und Ruhe. Gerne werde ich auch weiter als Ghostwriter tätig sein. Und der Rest wird sich schon ergeben, langweilig wird mir sicher nicht.

FRAGE: Herr Matthia, vielen Dank für das Interview und wir wünschen Ihnen einen langen und erfüllenden Ruhestand.

G.J.Matthia: Gern geschehen.

Übrigens wird es – bevor das im Interview angesprochene Buch über die Krebserkrankung entsteht, noch eine andere Neuerscheinung aus meiner Feder geben. Voraussichtlicher Titel der Erzählung: Angelina.  Und das alles ist natürlich ein Blick voraus mit Zuversicht in dem Wissen, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Meine Überlebenschance für die nächsten zwei Jahre aus medizinischer Sicht liegt nach wie vor bei 50 Prozent.

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