Sonntag, 30. November 2008

Martin Pepper und Nicole Bernard: ¡Fiesta!

Mit Martin Pepper habe ich einige Jahre musiziert, als er Pastor der Gospel-Gemeinde in Berlin und ich Mitglied der Gemeinde sowie Mitwirkender im musikalischen Team war. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit.
Nicole Bernard hat mich vor einer Weile für ihre Rundfunksendung interviewt und wir plaudern schon seit Jahren gelegentlich nach dem Gottesdienst über Gott und die Welt, da wir die gleiche Gemeinde besuchen.

Diese sympathischen Menschen haben nun ein Hörbuch produziert, das ich mir aus dem Grund, dass ich beide kenne und schätze, auch angehört habe. An und für sich bin ich kein Freund von Hörbüchern, sondern (altmodisch?) meine, dass ein Buch etwas zum Lesen ist, natürlich auch zum Vorlesen. Also habe ich das Wort »Hörbuch« gedanklich ausgeblendet und mir einfach von Nicole Bernard und Martin Pepper vorlesen lassen, was es mit dem Leben als Fest - ¡Fiesta! - auf sich hat.

Liedtexte nicht gesungen, sondern gesprochen - verbindende und erläuternde Gedanken dazu - unterlegt mit Instumentalmusik - ein zumindest für mich ungewohnter Ansatz. Doch die Umsetzung auf dieser CD hat mich überzeugt. Biblische Texte und Impulse gewinnen Bedeutung für heute und hier, zeigen, warum und wie das Leben durch den Glauben verändert werden kann, Qualität gewinnt und trotz aller Umstände, mit denen wir es zu tun haben, als Fest erlebbar wird. Nicht blauäugig, sondern mit Blick auf die Realität, nicht als Flucht vor der Wirklichkeit, sondern mit neuem Blick auf oft vergessene Realitäten.
Ich habe mich befreit
von einer falschen Hörigkeit.
Tochter und Sohn, nicht mehr nur Kind,
noch immer verwandt,
doch nicht mehr fremdbestimmt.
Mündiges Wesen mit eigenem Verstand,
ausgerüstet mit Herz und Hand!
Ich werde nicht gelebt, ich will deinen Rat;
und doch ist mein Tun ganz meine Tat!
Eine Musik-CD kann man so nebenbei laufen lassen, und häufig bekommt man dabei kaum mit, worum es eigentlich in den Liedern geht. Ein Buch kann man nicht so nebenbei lesen, beim Abwaschen oder Aufräumen. Ein Hörbuch wiederum bietet diese technische Möglichkeit. Ich hoffe, dass dieses unbedingt aufmerksame Zuhörer findet.

¡Fiesta! live
gibt es am 13.12.2008 als »Lesung unterm Sternenhimmel« mit Martin Pepper und Nicole Bernard. Um 20.00 Uhr im Planetarium am Insulaner, Munsterdamm 90, 12169 Berlin. Infos: 030 7900930 / Karten 10.00 € und ermäßigt 6.00 €.

Die CD bekommt man zum Beispiel hier: ¡Fiesta! bei Peppersongs
Als legaler Download: ¡Fiesta! bei musicload

Links: Nicole Bernard /// Martin Pepper

Samstag, 29. November 2008

3-Tage-Bart

Letzte Woche haben wir uns fein gemacht, weil wir zum Empfang im Roten Rathaus (das ist der Sitz der Berliner Regierung) geladen waren. Ein Medienmensch hat uns abgelichtet, allerdings mit irgendwelchen Verunreinigungen auf der Linse, die zu ulkigen Kreisen im Bild führten.
Daher landete das Bild nicht in der Presse, sondern in meiner Sammlung.



Den geneigten Blogbesuchern ist allerdings nunmehr offenbart, dass ich seit ein oder zwei Wochen ausprobiere, ob ich mich mit der 3-Millimeter-Version der Gesichtsbehaarung anfreunden kann. Schaun mer mol...
Ach ja: Der sauber rasierte Herr im Bild links ist ein guter Freund von uns, Pastor von Beruf und Berufung.

Shcool - Scholo - Shocol


Vielleicht wäre ein PISA-Test in Amerika angebracht?

Freitag, 28. November 2008

Frauen

Frauen... wie könnte ein Mann Frauen nicht lieben! Frauen sind großartig, wunderbar, ein Trost in einer Welt, die in einen grauenhaften Zustand geraten ist. Sie sind eine Wohltat für die Augen, Balsam für die Seele. Ein Leben ohne Frauen wäre ein Alptraum, des Weiterlebens nicht wert.

»Muss das sein?«, fragte Frank halblaut niemanden im Besonderen, wohl eher sich selbst. Der Pirelli-Kalender 2008 war mit pompösem Gehabe in Berlin vorgestellt worden, und die Bilder hatten promt ihren Weg in die Nachrichtensendung gefunden. Die Bilder der blitzlichtumflammten Ehrengäste, aber auch die Bilder des Kalenders. Vor dem Fernseher saß nicht nur Frank und seine Frau, sondern auch die Kinder sahen zu. Timmy, neun Jahre alt, guckte aufmerksam, mit leicht gerunzelter Stirn, Judith, zwei Jahre älter als ihr Bruder, rümpfte die Nase. "Iiiiih, ein Riesenkäfer«, quietschte sie, »den würde ich mir nicht auf die Backe setzen lassen.«
Timmy meinte: »Angsthase! Ist doch nichts dabei.«
Judith gab zurück: »Du isst ja auch Regenwürmer. Du bist sowieso ein Barbar.«
Timmy wusste nicht, ob dies ein Lob oder eine Beleidigung war. »Papa, was ist ein Barbar?«
Frank war froh, dass die Bilder auf dem Fernsehschirm nun wieder familientauglich waren und gab die Frage weiter: »Das kann Judith sicher erklären, sie hat dich ja so genannt.«
»Ein Barbar rennt nackig durch den Urwald und frisst Käfer, Würmer und Schlangen.«
»Ich renne überhaupt nicht nackig durch den Urwald! Und der Regenwurm war eine Mutprobe. Die hast du nicht bestanden, aber ich!«
»Mädchen müssen nicht mutig sein.«
Michelle war, wie so oft, um Ausgleich bemüht: »Niemand muss etwas, was ihm zuwider ist. Ob Mädchen oder Junge.«
»Dann muss ich ja«, schloss Timmy sofort messerscharf, »die doofen Tomaten nicht essen.« Er wies auf seinen ansonsten geleerten Teller, auf dem noch vier rote Scheiben darauf warteten, verspeist zu werden.

Später, die Kinder waren in ihren Betten, fragte Frank seine Frau: »Meinst du, dass sie zu jung sind, um die erotische Komponente dieses Kalenders zu bemerken?«
»Hast du denn mit neun Jahren schon ein Auge dafür gehabt?«
Frank überlegte. Wann hatte er eigentlich entdeckt, welchen Reichtum Frauen in die Welt bringen? Dass sie nicht nur Mütter oder doofe Mädchen sind, sondern dass Frauen Regungen hervorrufen, die zu erstaunlichen Ergebnissen am eigenen Leib führen konnten?
Mit neun Jahren bestimmt noch nicht. War es damals, mit 13 Jahren, als er die Magazine seines älteren Bruders durchblätterte, mit großen Augen, mit Staunen, mit beginnender Erkenntnis? Die Zimmertüre verriegelt, und doch ständig mit der Furcht, erwischt zu werden, die Zeitschrift offen auf dem Bett, die linke Hand im Schoß, ein feuchtes Handtuch bereitgelegt, um Spuren zu tilgen, wenn der Rausch verflogen war.
Was solche Fotos zeigten, war natürlich unerreichbar, kein Mädchen nahm Notiz von einem pickeligen Buben in kurzen Hosen, dem der Radiergummi in der Schule zu Boden fiel, damit er beim Aufheben womöglich einen Blick aus geeigneter Perspektive auf kurzberockte Mädchen werfen konnte.
Die Bilder waren auch - verglichen mit dem, was heute in den Medien gezeigt wurde - harmlos, fast verschämt. Es gab kein Internet mit Seiten ab 18, die ohne jegliche Kontrolle auch von Kindern geöffnet werden konnten. Ein Klick auf »Enter« nach dem Warnhinweis genügte, um jegliches anatomische Detail und alle Spielarten der geschlechtlichen Betätigung in allen Einzelheiten zu betrachten.
Michelle schmiegte sich an ihn. »Als ich in Judiths Alter war, habe ich jedes Mal gekichert, wenn wir an dem Lilienthal-Denkmal im Park vorbeikamen. Von hinten betrachtet ging es ja noch, aber von vorne, auf dem Weg von der Schule nach Hause immer im Blick, habe ich mich regelmäßig amüsiert. Dieses komische Anhängsel da unten am Bauch...«
»Immerhin hängt es brav nach unten.«
Michelles Hand überprüfte den Zustand von Franks Anhängsel. Sie gluckste vergnügt, fuhr aber fort: »Aber dass das etwas mit der Frage zu tun hatte, woher eigentlich die Kinder kommen, so weit habe ich damals nicht gedacht.«
»Das wissen wir ja nun. Der dopelte Beweis schläft nebenan und träumt womöglich von ekligen Käfern.«
»Ich bin ja auch nicht mehr elf.«
»Aber du bleibst meine Elfe.«
Sie rückte noch näher. »Als mir meine Cousine, ich war wohl 14 oder so, erzählte, wie das wirklich vor sich geht mit dem Kindermachen, wollte ich ihr das nicht glauben. Nie und nimmer konnte ich mir vorstellen, dass ich mit einem Jungen beziehungsweise meinem Mann nackt in einem Bett liegen würde. Ich war sehr darauf bedacht, dass mich niemand beim Umziehen im Schwimmbad sehen konnte, noch nicht einmal meine Freundinnen.«
»Ich hatte auch keine Vorstellung, wie das eigentlich technisch gesehen funktionieren soll. Im Biologiebuch waren schematische Zeichnungen zu finden, und wie mein kleiner Freund seine Gestalt verändern konnte, war mir ja nicht unbekannt. Aber für den Rest fehlte mir die Phantasie.«
»Wie wäre es mit ein wenig Praxis?«, fragte Michelle.

Beim Einschlafen dachte Frank darüber nach, wie gut sie es doch hatten. Sie kamen ohne Pirelli-Kalender aus, ohne schmuddelige Hefte oder Internetseiten. Ihre Liebe war nicht reduziert auf körperliche Höchstleistung nach zweifelhaften Vorlagen, durfte fließen wie und wohin sie wollte, das ganze Leben durchdringen. Es gab jede Menge Phantasie, und immer wieder neue Entdeckungen. In guten, wie in schlechten Tagen - wie es der uralte Spruch beschrieb. Die Liebe seiner Michelle hob ihn empor, wenn er am Boden war, inspirierte ihn, war viele Jahre alt und doch noch immer jung.

Frauen... wie könnte ein Mann Frauen nicht lieben! Frauen sind großartig, wunderbar, ein Trost in einer Welt, die in einen grauenhaften Zustand geraten ist. Sie sind eine Wohltat für die Augen, Balsam für die Seele. Ein Leben ohne Frauen wäre ein Alptraum, des Weiterlebens nicht wert.

Donnerstag, 27. November 2008

Der die das X des Jahres

Neulich stieß ich auf die Cercopis Vulnerata, die gelegentlich auch als Gemeine Blutzikade daher kommt. Nicht beim Spaziergang, sondern beim Nachrichtenüberblick. Das possierliche Tier wurde zum Insekt des Jahres gekürt. Von vermutlich ernsthaften Wissenschaftlern. Zumindest nehmen sie sich wohl ernst, sonst würden uns solche weltbewegenden Nachrichten nicht erreichen.
Die Gemeine Blutzikade ist ihrer Zeit sogar voraus, denn sie ist bereits jetzt zum »Insekt des Jahres 2009« erhoben worden.

Wenn ein Jahr zur Neige geht, häufen sich ungeheuer wichtigen Mitteilungen von verschiedenen Kuratorien, Abstimmungen, Juryentscheidungen oder Expertenkommissionen, die zum Schluss gelangt sind, wer oder was die Auszeichnung »Der die das X des Jahres« verdient hat.

Vom »Unwort des Jahres« über den »Po des Jahres« bis zum »Spiel des Jahres« reicht die Bandbreite, natürlich gibt es das »Auto des Jahres« genauso wie das »Fahrrad des Jahres«, für Musikfreunde die »Band des Jahres« und für Menschen wie mich das »Buch des Jahres«.

Ehre, wem Ehre gebührt, sei es nun das »Baby des Jahres«, die »Frau des Jahres« oder der »Mann des Jahres«. Uneinigkeit herrscht, wem die Auszeichnung zum »Skandal des Jahres« gebührt, aber es liegen ja auch noch ein paar Wochen vor uns. Auch bei der »Überraschung des Jahres« ist das Rennen noch offen.

Einstweilen begnüge ich mich damit, dass ich wohl keine Chancen habe, mein elektronisches Tagebuch als »Blog des Jahres« geadelt zu sehen. Macht ja nichts. Wenigstens bin ich nicht der »Verlierer des Jahres«.

Mittwoch, 26. November 2008

Dienstag, 25. November 2008

Guter Rat?

Dem Weihnachtsstress entfliehe ich ohne besondere Schwierigkeiten, da ich mir keinen mache und auch keinen einreden lasse. Aber wie entfliehe ich dem Gewinnspiel, das an allen Ecken und Enden lauert? 
Was Hoffnung auf eine Lösung machte, erwies sich als Produkt eines Werbetexters, der töricht mit der Sprache umging. Es ging in der Mail keineswegs darum, einem Gewinnspiel zu entrinnen, diese unerwünschte Zusendung brachte lediglich eine weitere Version des verbreiteten Gib-mir-gefälligst-Namen-und-Adresse-Dilettantismus.

Also bleibe ich beim bisherigen Rezept:

Montag, 24. November 2008

Häufig gestellte Fragen 5

Ethische Fragen bewegen vor allem Menschen, die weiter denken als bis zur nächsten Mahlzeit. Wir Christen fallen oft dadurch auf, dass wir gegen etwas sind. Gegen Abtreibung, gegen Moslems, gegen Genforschung, gegen Schwule, gegen... - und mancher von uns weiß das dann gar nicht zu begründen, hat es nur von irgendwoher irgendwann irgendwie übernommen.

Bei vielen Menschen hat sich der Eindruck festgesetzt, dass die Christen auch durch die Bank weg gegen Stammzellenforschung sind. Exemplarisch ist diese Frage, die mir ein Leser geschickt hat:
Woher weiß der Mensch bei neuen Erfindungen und Entdeckungen, beispielweise Stammzellenforschung, dass Gott dazu »nein« sagt? Und warum exitstiert diese Möglichkeit überhaupt in unserer Welt, wenn es von vornherein von Gott abgelehnt wird?
Ich habe so geantwortet:
Neue Erfindungen sind nicht wirklich das Problem, sondern die Frage ist, was man damit anstellt. Das angesprochene Beispiel der Stammzellenforschung ist ein sehr komplexes Gebiet, ich bin kein Wissenschaftler und verstehe sicher nicht alle Aspekte. Die Stammzellenforschung soll, soweit ich sie begreife, Krankheiten lindern und beseitigen helfen. Das ist ein ganz und gar positives Ziel, es entspricht vollständig dem Willen Gottes. Wenn Gott für Krankheit wäre, hätte Jesus nicht all die Kranken geheilt und seinen Nachfolgern aufgetragen, das gleiche zu tun.
Andererseits sind bei der Stammzellenforschung meines Wissens Embryonen als »Material« notwendig. Da menschliches Leben für mich nicht erst mit der Geburt beginnt, verbietet sich die Verwendung von Embryonen, die durch Abtreibung »gewonnen« werden - und somit kann ich dieser Version der Stammzellenforschung das Wort nicht reden.
Etwas anderes ist die Forschung mit Zellen, die unter der Haut eines (lebendigen) Menschen entnommen werden und dann durch einen Prozess, den ich nicht ganz begreife, dazu gebracht werden, sich wie Stammzellen zu verhalten. Bei diesem Verfahren sind weder Embryonen notwendig, noch wird beim Spender der Zellen irgend ein Schaden entstehen. Und somit wüsste ich nicht, was es gegen solche Forschung einzuwenden gäbe.
Grundsätzlich: Warum existieren Möglichkeiten und Zustände in der Welt, obwohl sie von Gott »abgelehnt« werden? Die Antwort ist im Charakter Gottes zu suchen, der keine Marionetten wollte und will. Die Verwaltung der Welt wurde dem Menschen anvertraut, und diese Entscheidung hat Gott nicht zurückgenommen. Der Mensch - Du und ich und all die anderen - hat in seinem Einflussbereich zu entscheiden, was geschieht und was nicht.
Leider neigt die Menschheit dazu, Erfindungen und technische Entwicklungen nicht nur zum Guten zu verwenden. Die Biologie, Physik und Chemie haben uns beispielsweise ganz erhebliche Fortschritte gebracht, aber auch Massenvernichtungswaffen, tödliche Drogen und den Treibhauseffekt.
Gott ist sicher nicht gegen die Biologie, aber nicht alles, was mit ihr möglich wurde, kann auch der Mensch, der kein Christ ist, guten Gewissens für richtig halten.
Es geht, und das ist mir abschließend wichtig zu sagen, beim Christsein nicht um Verbote und Gebote, sondern viel mehr um Freiheit und Mündigkeit. Dazu zählt auch die Freiheit, auf manches, was möglich ist, zu verzichten.
Das ist wahrlich ein weites Feld...

Sonntag, 23. November 2008

Gastbeitrag von Bettina von Arnim - Der Hans

Es war eine arme Frau, die hatt' einen Sohn, den konnte sie wegen ihrer Armut nicht mit Speis ernähren, mußt ihm also die Brust reichen, bis er sieben Jahr alt war. Da sagt sie ihm: »Geh hinaus in den Wald und rüttel einen Baum; wenn du ihn kannst ausreißen, so mußt du fort in die Welt, denn ich bin arm und kann dir nichts zu essen geben.« Der Sohn ging in Wald und wollt einen Baum rütteln, konnt aber nicht, ging daher wieder heim und sagt seiner Mutter: »Ich kann den Baum nicht rütteln.«

Da reicht ihm die Mutter wieder ihre Brust, bis sieben Jahr um waren, und schickt ihn wieder in Wald und sagt: »Nehm den Baum bei seinen Ästen und schüttel recht mit Gewalt; wenn du den Baum kannst ausreißen, so mach dich fort und bring dein Leben durch, denn ich bin arm und kann dich nicht ernähren.« Da geht der Sohn in Wald, wie ihm die Mutter gesagt hat, kommt auch wieder heim und schleppt einen großen Ast mit sich und sagt: »Mutter, ich kann den Baum nicht umreißen, aber wohl einen Ast, den hab ich abgerissen.«

Da gibt ihm die Frau wieder zu trinken, bis sieben Jahr um waren, und schickt ihn in Wald, er soll sehen, ob er einen Baum kann ausreißen, und soll weitergehen in die Welt, sein Brot verdienen. »Pack ihn bei der Wurzel und zieh recht kräftig«, sagt sie ihm. Der Sohn tut, wie ihm die Mutter gesagt hat, und reißt einen starken Baum mit seiner Wurzel aus der Erde; da geht er nun weiter und kommt nimmer heim.

In demselben Wald war eine Mühl, da war's nicht sicher, also daß kein Mühlknecht da bleiben wollt, und die blieben, die sind umkommen. Der Hans find't dieselbe Mühl, darin war eine Wittfrau, denn ihr Mann war auch umkommen; zu dieser Frau spricht er, daß er will Mühlknecht bei ihr werden, ohne Lohn, nur für das Essen. Darüber war die Frau recht froh und sagt Ja, aber der Hans will nicht anders, als daß ihm die Frau verspricht, daß keiner von beiden darf dem andern den Dienst aufsagen, und welcher ihn zuerst aufsagt, den darf der andre schlagen, so viel er Lust hat. Das war die Frau zufrieden, denn sie meint, er würd leichtlich fort wollen, wenn er die Gespenster merkt. Sie kocht ihm auch gleich eine Suppe zu essen, der Hans schütt' aber die Suppe ins Feuer und sagt, er wollt sich selber eine kochen, stellt sich ein groß Butt mit Wasser auf den Herd, holte sich alles Brot, was da ist, und brockt's hinein, und da es gar war, holt er sich den Fleischharken statt einem Löffel und frißt's all hinein. Der Frau stehn die Haar zu Berg, wie sie das sieht, und hat gar Angst, er würd sie arm fressen, wenn er beim Leben blieb. Sie schickt ihn daher abends in die Mühl, er sollte mahlen, und hoffte, die Gespenster würden ihn umbringen.

Als es gegen Mitternacht war, so kommen drei Irrwisch in die Mühl und wollen ihn erwürgen. Da erwischt er eins und wirft es unter den Mühlstein und mahlt ihm die Nas ab und ein Stück vom Bauch und schickt es wieder heim. Als es nun Morgen war, da verwundert sich die Müllerin, daß er noch lebt, sie schickt in am Abend wieder in die Mühl und meint, er soll umkommen. Da es aber Mitternacht war und die Irrwisch kamen, da erwischt er zwei und wirft sie unter den Mühlstein, mahlt dem einen den Schenkel ab und dem andern den Backen. Am Morgen sagt er zur Müllerin: »Habt Ihr nichts mehr zu tun? Ich hab das Korn all gemahlen.«

Die Frau schickt ihn in den Wald, weil es Holztag ist, er solle Holz holen. Da spannt er die vier schöne Hengst von der Frau an den Wagen und fährt in Wald. Er war aber der erste im Weg, so daß die andern Bauern mußten warten. Er gab sich auch kein Müh, die Bäume abzuhauen, sondern reißt sie mitsamt der Wurzel aus. Der Wagen war aber zu schwer, die Pferd konnten ihn nicht ziehen, er schlug eins nach dem andern tot und warf es auf den Wagen zum Holz. Wie er sie all totgeschlagen hatte, ging er hinter den Wagen und macht einen großen Berg, da konnten die Bauern nicht durch und konnten kein Holz holen, er zog aber seinen Wagen allein nach Haus. Da ihn die Frau kommen sah mit den vier toten Hengsten, fürcht sie sich und machte ihr Tor zu, er warf aber den Wagen über die Mauer mit den Bäumen und den Pferden und schmiß ihr das Haus ein. Da hat die Müllerin Angst und schickt ihn in eine Höhle, wo sie wußte, daß der Teufel war, er soll ihr da ein Kraut holen; – nun weiß es die Frau Lehnhart nicht weiter, sie meint, es endigt sich mit einer Schatzgräbergeschichte, daß der Teufel ihm viel Geld gibt, und er geht damit zur Frau Müllerin und entschädigt sie für seine Unarten. Mir gefällt am besten, daß er die Irrwische immer erwischt.

Quelle: Zeno Volltextbibliothek

Samstag, 22. November 2008

Es gibt nichts neues unter der Sonne...

...sagte schon der womöglich weise König Salomo.


Als ich jung war, galt ein Vogel (oben) als Symbol für Zeitgemäßes. Heute sind andere jung, und wieder signalisiert ein Vogel (unten), dass jemand auf der Höhe der Zeit ist.


Allerdings ist die Gitarre zum Ast geworden und der Vogel hat die Farbe gewechselt. Es scheint sich auch eher um einen Sperling als um eine Taube zu handeln.

Egal, Woodstock hin, Twitter her, heute hat ein zeitloses Album Geburtstag. Ein Album, das Geschichte gemacht hat. Es ist in schlichtes Weiß gewandet, ganz ohne Vogel: They say its your birthday...

Freitag, 21. November 2008

Endzeit - alle nackig!

Mein Freund Haso hat mittlerweile 13 mal auf die Endzeit hingewiesen. Endzeit 1 // Endzeit 2 // Endzeit 3 // Endzeit 4 // Endzeit 5 // Endzeit 6 // Endzeit 7 // Endzeit 8 // Endzeit 9 // Endzeit 10 // Endzeit 11 // Endzeit 12 // Endzeit 13. Er benutzt sogar, eigenem Bekenntnis zufolge, elektronische Hilfsmittel bei der Berechnung von Tag und Stunde.
Andererseits hat er aber auch das Ende der Endzeit verkündet und entlarvt falsche (Endzeit-)Propheten.

Das verwirrt natürlich ein wenig. Deshalb fühle ich mich im Interesse meiner Leser bemüßigt, kulturhistorisch-wissenschaftlich zur Aufklärung in dieser Sache beizutragen.

Wie die Künstler seit Jahrhunderten wissen, sind wir am Ende der Endzeit alle ziemlich völlig unbekleidet unterwegs:








Demnach könnte man, wenn Hasos Warnungen und elektronische Berechnungen zutreffend sind, so langsam anfangen, die Ausgaben für Kleidung zu reduzieren oder ganz zu eliminierern. Einen Roman über eine textilfreie Wallfahrt gibt es ja schon. Vielleicht ist es an der Zeit, dies nun in die Tat umzusetzen?

Andererseits wird es hierzulande merklich kühler. Draußen jedenfalls sollte man sich nunmehr unbedingt mit geeigneten Textilien vor der Kälte schützen, folglich habe ich kürzlich eine neue Winterjacke erstanden. Und die Endzeit findet - siehe die Bilder - vorwiegend draußen statt.

Man kann daraus schließen, dass der Weltuntergang noch auf sich warten lässt. Es sei denn, es wird in den nächsten Tagen und Wochen merklich wärmer...

P.S.: Bilder von Wikimedia Commons, das vorletzte von der Galerie Chrystalballs und das letzte irgendwo von der Allgäuer Zeitung (ich habe vergessen, mir den Link zur Fundstelle zu notieren).

Donnerstag, 20. November 2008

Häufig gestellte Fragen 4

Eine weitere Frage in dieser kleinen Reihe wurde mir schon häufiger vorgelegt als andere. Es geht im Grunde genommen darum, ob Gott »gerecht« mit denjenigen umgeht, die ihn beziehungsweise das Evangelium nie kennen gelernt haben. Ein Leser hat es so formuliert:
Was passiert in den Augen eines Christen mit jemanden, der niemals getauft wurde und noch nie zu Gott gebetet hat, aber dennoch ein »gutes Leben« im Sinne des Christentums gelebt hat? Damit meine ich, dass er niemals eines der 10 Gebote verletzt hat ect.
Wird diese Person ebenso wie alle anderen »Sünder« bzw. »Ungläubigen« behandelt? Wie verhält es sich mit den Anhängern anderer Weltreligionen?
Meine Antwort sieht ungefähr so aus:

Abgesehen davon, dass es kaum jemanden geben dürfte, der nie eines der Gebote verletzt hat, ist das Neue Testament da ganz eindeutig: Die »Zeit der Unwissenheit« - also das Leben eines Menschen, der von der Notwendigkeit und Möglichkeit der Erlösung keine Kenntnis erhalten hat - führt nicht zwangsläufig zur Verdammnis.
Bei solchen Menschen ist es so, wie der Apostel Paulus in Athen vor einer (heidnischen) Menschenmenge ausgeführt hat, »dass sie Gott suchen, ob sie ihn vielleicht tastend fühlen und finden möchten, obwohl er ja nicht fern ist von jedem von uns.« An anderer Stelle erklärt er: »Es ist kein Ansehen der Person bei Gott. Denn so viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und so viele unter Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden - es sind nämlich nicht die Hörer des Gesetzes gerecht vor Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden.« Gemeint ist hier das jüdische, also von Gott gegebene, Gesetz, nicht menschliche Gesetze wie unser Grundgesetz oder die Straßenverkehrsordnung. Im Klartext: Wer nie etwas von Jesus gehört hat, aber entsprechend seinem (von Gott geschaffenen) Gewissen »gerecht« gelebt hat, weil er Gott - womöglich ganz unbewusst - »tastend fühlen und finden« wollte, ist ein »Täter« des Gesetzes.
Jesus Christus bietet aber viel mehr an: Wer an ihn und seinen Tod und seine Auferstehung glaubt, gelangt in eine ganz andere Dimension des Lebens hinein, die vergleichbar ist mit dem ursprünglichen Dasein des Menschen nach der Schöpfung.

Mir kommt diese Antwort irgendwie »unvollendet« vor, kollidiert sie doch mit dem neutestamentlichen Anspruch, dass der Mensch seit Tod und Auferstehung Jesu Christi ausschließlich durch den Glauben an den Erlöser errettet werden kann.

Mittwoch, 19. November 2008

Tausend Mal...

...habe ich mir schon gesagt, dass es Unfug ist, mit meinem Mobiltelefon fotografieren zu wollen. Noch nicht einmal knipsen kann man damit so, dass halbwegs brauchbare Bilder entstehen.
Und dennoch habe ich wieder das Telefon benutzt, um ein paar Momente festzuhalten, da ich keine Kamera bei mir hatte. Mit hundsmiserabler Qualität als Ergebnis, aber das wusste ich ja vorher.
Der Herr, der links im Bild das Keyboard bedient, ist mein Cousin Bo Heart. Der Herr, den man nur als weiße Silhouette wahrzunehmen in der Lage ist, heißt Klaus Lage und singt deutsche Texte zu ganz und gar guter Blues-Rock-Musik.
Mein Cousin, den ich gefühlte hundert Jahre nicht gesehen hatte, lud mich ein, ihn vor dem gestrigen Auftritt der Band in Berlin zu treffen. So kam es, dass ich (backstage, wie man neudeutsch zu sagen pflegt) wieder mal ein paar Stunden im Kreis von Profimusikern verbringen konnte, inklusive Soundcheck vor der leeren Halle (bei dem das Bild entstanden ist).
Ein schönes Erlebnis, das auch Erinnerungen an mein früheres Musikerdasein als John Matthews weckte. Interessante Gespräche und jede Menge Musik (Pink Floyd!) eingeschlossen.

Nettes Spielzeug

Wordle nennt sich ein nettes Spielzeug (nicht nur) für Blogger, das die Verwendung von Begriffen nach Häufigkeit visualisiert. Die Resultate für diesen Blog am 15. November sieht man auf dem oberen Bild.
Mein anderer Blog offenbart zum gleichen Zeitpunkt abweichende Inhalte, siehe unteres Bild. Und das ist ja wohl auch gut so, sonst erschlösse sich mir kaum der Sinn der Sache... 


...der Sinn zweier Blogs natürlich, nicht der Sinn von Wordle.

Dienstag, 18. November 2008

Franz Kafka: Amerika

Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht. Ihr Arm mit dem Schwert ragte wie neuerdings empor, und um ihre Gestalt wehten die freien Lüfte.
So beginnt ein Roman, der kein Ende hat. Die Erzählung bricht ab, unvermittelt, weil der Autor nicht dazu gekommen ist, einen Schluss zu verfassen. Er hat das Fragment unvollendet beiseite gelegt. Der Leser wird am Ende des Buches mitten auf der Strecke allein gelassen. Die letzten Sätze:
Am ersten Tag fuhren sie durch ein hohes Gebirge. Bläulich-schwarze Steinmassen gingen in spitzen Keilen bis an den Zug heran, man beugte sich aus dem Fenster und suchte vergebens ihre Gipfel, dunkle, schmale, zerrissene Täler öffneten sich, man beschrieb mit dem Finger die Richtung, in der sie sich verloren, breite Bergströme kamen, als große Wellen auf dem hügeligen Untergrund eilend und in sich tausend kleine Schaumwellen treibend, sie stürzten sich unter die Brücken, über die der Zug fuhr, und sie waren so nah, daß der Hauch ihrer Kühle das Gesicht erschauern machte.
Und dann? Und nun? Wohin geht die Reise? Was wartet am Zielbahnhof auf uns? Kommen wir wirklich im Theater in Oklahoma an? Wir werden es von Franz Kafka nicht erfahren, es bleibt uns allerdings unbenommen, mittels unserer Phantasie diese Geschichte fortzusetzen.

Zwischen diesem Anfang und diesem offenen Ende entfaltet sich ein in vielfacher Weise zeitloser Roman, den ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Es ist, so meint der Leser zunächst, der amerikanische Traum, der hier geträumt wird. Der Weg aus dem engen, dunklen, bedrängenden Europa in die Weite, Freiheit, Helligkeit Amerikas, in das Land, in dem man vom Tellerwäscher zum Millionär werden könnte. Auch unserem Helden Karl scheint sich diese Möglichkeit zu eröffnen, auch und erst recht, nachdem er beim ersten Anlauf in New York gescheitert ist. Denn er bekommt eine Anstellung im Hotel:
Die Oberköchin schien das als eine angenehme Nachricht aufzufassen. »Dann sind Sie also frei?« fragte sie.
»Ja, frei bin ich«, sagte Karl, und nichts schien ihm wertloser.
»Hören Sie, möchten Sie nicht hier im Hotel eine Stelle annehmen?« fragte die Oberköchin.
»Sehr gern«, sagte Karl, »ich habe aber entsetzlich wenig Kenntnisse. Ich kann zum Beispiel nicht einmal auf der Schreibmaschine schreiben.«
»Das ist nicht das Wichtigste«, sagte die Oberköchin. »Sie bekämen eben vorläufig nur eine ganz kleine Anstellung und müßten dann zusehen, durch Fleiß und Aufmerksamkeit sich hinaufzubringen. Jedenfalls aber glaube ich, daß es für Sie besser und passender wäre, sich irgendwo festzusetzen, statt so durch die Welt zu bummeln. Dazu scheinen Sie mir nicht gemacht.«
›Das würde alles auch der Onkel unterschreiben‹, sagte sich Karl und nickte zustimmend. Gleichzeitig erinnerte er sich, daß er, um den man so besorgt war, sich noch gar nicht vorgestellt hatte. »Entschuldigen Sie, bitte«, sagte er »daß ich mich noch gar nicht vor gestellt habe, ich heiße Karl Roßmann.«
»Sie sind ein Deutscher, nicht wahr?«
»Ja«, sagte Karl, »ich bin noch nicht lange in Amerika.«
»Woher sind Sie denn?«
»Aus Prag in Böhmen«, sagte Karl.
»Sehen Sie einmal an«, rief die Oberköchin in einem stark englisch betonten Deutsch und hob fast die Arme, »dann sind wir ja Landsleute, ich heiße Grete Mitzelbach und bin aus Wien. Und Prag kenne ich ja ausgezeichnet, ich war ja ein halbes Jahr in der Goldenen Gans auf dem Wenzelsplatz angestellt. Aber denken Sie nur einmal!«

Jedoch wäre Kafka nicht Kafka, wenn Karl gelänge, was nun zu erwarten wäre. Im Gegenteil: Wir werden Zeugen seines kontinuierlichen Abstieges. Karl kommt mit dieser neuen Welt, in die er geschickt wurde, nicht zurecht. Er wird erniedrigt, missbraucht, misshandelt. Ihm widerfährt eine kafkaeske Situation nach der anderen, und das ist - rein literarisch gesehen natürlich - auch gut so. Wäre Karl eine reale Person, müsste man zutiefst Mitleid mit ihm empfinden.

Es ist die unvergleichliche Sprache Kafkas, die dieses Romanfragment so lesenswert macht. Wer ein Gespür dafür hat, wird dies aus den obigen Zitaten unschwer erkennen. Reizvoll an der Handlung ist natürlich das Absurde, das immer wieder unvermittelt so ganz normal daherkommt. Menschen verhalten sich selten so, wie man es erwarten würde, Umstände gestalten sich surreal, Gespräche nehmen aberwitzige Wendungen...
Ich schrieb neulich bei der Rezension eines anderen Buches, dass es mir beim Lesen nicht so sehr auf den Schluss, sondern auf den Weg an und für sich ankommt, auf den ein Autor mich mitnimmt. Bei Franz Kafka gestaltet sich dieser Weg - auch ohne Schluss im eigentlichen Sinne - abwechslungsreich, bunt geschmückt mit Irrungen und Wirrungen, Überraschungen und Zwangsläufigkeiten, mal gibt es Erfreuliches, dann wieder Entsetzliches... - jedoch niemals Langeweile.

Den Erkenntnissen und Mutmaßungen der Kafka-Forschung, der literaturwissenschaftlichen Beschäftigung mit den Texten dieses unvergleichlichen Dichters, verweigere ich mich an dieser Stelle. Das ist mehr etwas für das Abitur oder Literaturstudium. Ob nun die eine Szene ein Sinnbild für Himmel und Hölle sein mag, oder die andere ein Spiegel des eigenen Exilantenschicksals, können wir getrost beiseite lassen, wenn wir ein Buch aus dem Grund in die Hand nehmen, aus dem es jemand geschrieben hat: Zum Lesen! Und das Lesevergnügen ist bei diesem Werk ein ganz beträchtliches. Obwohl Kafka damit nicht ganz fertig geworden ist.

Mein Fazit: Auch für jüngere Semster, die womöglich Kafka noch nicht kennen, wäre dies nach meinem Empfinden ein geeigneter Einstieg in ein einzigartiges literarisches Universum, in dem man nie weiß, was hinter der nächsten Galaxie liegen mag. Man wird es auch oft genug nicht erfahren, denn wenn Kafka uns Lesern irgend etwas schuldig bleibt, dann sind es logische Erklärungen.

Montag, 17. November 2008

Dilettanti und Co

Brauchen wir in der Bundesrepublik Deutschland eigentlich Politikier, die Stasi-Mitarbeiter waren? Und vor allem solche, die das gerne unter den Teppich zu kehren versuchen? Können solche Menschen nicht als Schuster oder Verwaltungsfachangestellte ihr Brot verdienen?

In Hessen gibt es in einer ehemals großen Volkspartei wenigstens vier Abgeorndnete, für die ein Nein vor der Wahl zur Zusammenarbeit mit solchen Leuten auch nach der Wahl ein Nein bleibt. Vier von wievielen? Egal, die Bilanz ist ernüchternd.Ein Abgeordneter der SED PDS Linken hat nun eine Totalsperre von Wikipedia.de verursacht, über die Hintergründe berichtet der Spiegel ausführlich: Spektakuläre Sperrung
Der Schuss des Abgeordneten geht wohl nach hinten los, wie der von Frau Y in Hessen. Und das ist auch gut so. Ein Abgeordneter, dessen Partei sich gerne demokratisch geläutert gibt, sorgt für die Sperrung eines Online-Lexikons, weil dort von seinen Stasi-Diensten die Rede ist.

Erinnert mich irgendwie an China und den Umgang mit dem Zugang zur freien Informationsbeschaffung...

Yes, we can!

Neulich fragte ein Kunde, ob wir - gemeint war MatMil - auch Videos und Animationen herstellen können. Ich war ja versucht, zu antworten: »Wir können alles, außer teuer«, das wäre jedoch ein unfeines Plagiat einer fremden Werbekampagne gewesen. Also habe ich mit eigenen Worten kunstvoll formuliert: »Yes, we can.«

Nun kann ich das nicht persönlich, aber immerhin haben wir einen studierten und kreativen Media-Producer an Bord, der solche Aufträge erledigt. Das sieht dann zum Beispiel so aus:





Oder auch so:





Quod erat demonstrandum.

Sonntag, 16. November 2008

Der Fremde

Gestern abend ist mir überraschend eine kleine Erzählung aus den Fingern in die Tasten geflossen. Daher gibt es eine Abweichung von der Prognose in Form eines weiteren Beitrages. Nämlich dieses Beitrages hier, der darauf hinweisen soll.
Hier ein alles und nichts sagender Ausschnitt:
»Ich hätte nämlich«, meinte der Fremde, »eine Frage zu stellen.«
Die Kurzgeschichte wohnt nebenan auf dem literarisch orientierten Blog. Bittesehr: Der Fremde

Kommentare zur Erzählung bitte freundlicherweise dort, nicht hier, damit sie beim Text stehen, wo sie ja auch hingehören...

Fernsehtipp: Der glückliche Tod

Heute wird zu später Stunde die Tatort-Folge wiederholt, die mich neulich - erstmalig in der Geschichte der Menschheit - dazu veranlasst hatte, über einen Fernseh-Krimi zu schreiben.

Auf 3sat um 22:25 läuft noch einmal »Der glückliche Tod«. Mein Tipp: Aufnehmen (wegen später Sendezeit und falls technisches Gerät zu diesem Zweck verfügbar) oder live anschauen. Taschentücher bereitlegen. Auf Erschütterung einstellen.

Mein Beitrag vom 6. Oktober zu diesem Film: Ein Krimi, der kein Krimi war

Freitag, 14. November 2008

Prognose für die nächsten 6 Tage

Ein blutiger Downloadtipp


Die »Theme Time Radio Hour with your host Bob Dylan« dieser Woche ist eine ziemlich blutige Angelegenheit. Kein Wunder, stand doch das Thema »Blood«auf dem Programmzettel. Das Cover zur CD zeigt »Ecce Agnus Dei« von Dierick Bouts dem Älteren, entstanden 1464. Johannes der Täufer deutet auf Jesus und sagt: »Siehe, das Lamm Gottes«.

1. Intro
2. Flesh, Blood and Bones - Little Esther
3. Are You Washed In The Blood Of The Lamb? - Da Costa Woltz's Southern Broadcasters
4. Cold Blooded Woman - Memphis Slim
5. Lust Of The Blood - Jerry Lee Lewis
6. She Made My Blood Run Cold - Ike Turner & The Kings of Rhythm
7. Transfusion - Nervous Norvus
8. Bloodstains On The Wall - Honeyboy
9. Go Down You Blood Red Roses - Paul Clayton
10. Blood On The Moon - Danny Barker
11. Bucket O Blood - Big Boy Groves And Band
12. Bloodshot - The String Kings
13. The Blood - Zion Travelers
14. I've Got Blood In My Eyes For You - Mississippi Sheiks
15. Outro

Die Musikmischung ist wie gewohnt vielfältig. Bob Dylan plaudert gut gelaunt über Songs und Künstler, Historisches und Aktuelles, erzählt uns, wie viele Liter Blut durch unseren Leib pulsieren, aus welchen Bestandteilen es zusammengesetzt ist und warum es so wichtig ist. Wir erfahren, wie man eine »Bloody Mary« zubereitet und dass »Horse Reddish« (Horseradish) ein Zungenbrecher ist. Jerry Lee Lewis singt Shakespeare und Bob Dylan fragt sich, warum Muddy Waters eigentlich nicht »Death of a Salesman« aufgenommen hat...
Für mich die bisher beste Sendung in der noch jungen dritten Saison. Ellen Barkin gönnt uns in den ersten Sekunden einen Fünfzeiler statt des üblichen Vierzeilers:

It's nighttime in the big city
The hotel room smells from cigarettes and cheap perfume
A woman shops for food in a trenchcoat
I don't know if this city is more like Sodom or Gomora
It's Theme Time Radio Hour with your host Bob Dylan

Und dann? Selber hören!

Download via Expecting Rain: TTRH - 0305 - 12-11-08

Donnerstag, 13. November 2008

Häufig gestellte Fragen 3

In dieser kleinen Serie greife ich Fragen auf, die mir von Lesern meiner Bücher und Artikel immer wieder gestellt werden. Bei aller Vielfalt der Formulierungen tauchen einige Grundfragen regelmäßig auf; hier möchte ich nun meine Antworten vor- und zur Diskussion stellen. Der erste Beitrag galt dem Thema Glaube versus Verstand. Um den Willen Gottes ging es in der zweiten Folge.

Heute die dritte exemplarische Frage:
Kannst Du mir beweisen, dass es Gott gibt?
Meine Antwort:
Nein.
Ich habe Gottes Realität erlebt, Auswirkungen der Tatsache, dass es ihn gibt, aber ich kann und will keine Beweise liefern.
Warum? Weil, so die Bibel, der Glaube entscheidend ist. Ich lade Dich gerne ein, das »Abenteuer Glaube« zu wagen, aber diese Entscheidung musst Du selbst treffen. Ohne vorher Beweise zu haben. Die Auswirkungen werden sich zeigen.
Kann einer meiner Leser womöglich gar einen Beweis liefern?

Mittwoch, 12. November 2008

Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow...

...hat heute Geburtstag und ich sage aus vollstem Herzen:


...für die vielen unterhaltsamen Stunden mit seinen Werken, die auch beim 85sten, 86sten, 87sten... Genießen nicht langweilig werden.

Herzlichen Glückwunsch zum 85sten, Loriot!

Dienstag, 11. November 2008

Elisabeth George: What Came Before He Shot Her

Muss alles, was sich gut verkauft, auch gut sein? Nein. Nie und nimmer. Auch dann nicht, wenn es um Bücher geht.
Elisabeth George ist eine Bestsellerautorin. Ihre ersten Romane habe ich vor etlichen Jahren auch gerne gelesen, da sie mich gut unterhalten haben. Irgendwann aber hat die Autorin begonnen, mich zu langweilen. Die Bücher gerieten mit ihrer wachsenden Popularität immer dicker, aber die Ideen und Handlungsstränge wurden keineswegs ergiebiger. Es gab nur immer ausschweifendere Schilderungen von oft genug belanglosen Nebensächlichkeiten.

Nun war ich angestachelt worden, »What Came Before He Shot Her« zu lesen. Weil es keines der üblichen Werke dieser Autorin sei, kein weiterer Krimi vom Fließband. Weil das Buch überraschende Wendungen und Einsichten gestatten würde. Weil sprachlich so manches Neuland zu entdecken wäre.

Ich habe gelesen. Von der ersten bis zur letzten Seite. Es war ein mühsamer Weg. Ein beschwerlicher Weg. Ein staubiger Weg.

Durchaus sei zugestanden, dass es überraschende Wendungen im Buch gibt. Zweifellos gestattet das Werk auch Einsichten in Funktion und Psyche einer Randgruppe der Gesellschaft, die nicht nur in London, dem Schauplatz des Romans, sondern in ähnlicher Ausprägung auch hierzulande anzutreffen ist. Und es war auch nicht zu verkennen, dass die Autorin sich um authentische Wiedergabe der Sprache ihrer Protagonisten bemüht.
...
You listen good, yellow! You in my face, and dat's exactly where I don't want to see you, y'unnerstan? Piss off and be glad wha's coming ain't come yet. Maybe you still suckin' in your muddah's tit, but I ain't. Got it?
I ain't stupid, I know how t'ings go. The Blade does summik for me, I owe him. I got that, Cal. But what 'f I'm caught? Ain't my fault 'f some guard comes by and hauls me out, innit.
Yo fuckin' crazy or summik?
...
Jedoch: Die erzählte Geschichte hat (nicht nur) Charles Dickens in mehreren Varianten schon längst zu Papier gebracht, auf weitaus gelungenere Weise. Dickens bewies Humor, Gewitztheit und auch Sprengkraft in seinen Erzählungen, die den Leser mitzureißen in der Lage waren. Elisabeth George bietet in diesem Buch nichts dergleichen. Die Schauplätze in »What Came Before He Shot Her« sind die heutigen, haben sich entsprechend gewandelt, aber die Autorin hat es leider nicht geschafft, das Thema auf andere Weise, durch einen neuen Blickwinkel, lebendig werden zu lassen.
Die Erzählung ist weder spannend (was an sich kein Schade wäre, da dies kein Krimi ist), noch interessant (was schon ein erheblicher Schade ist), noch unterhaltsam (was so ziemlich der größte Schade bei einem Buch ist, das als Roman daherkommt). Selbst die Gossensprache wird auf die Dauer und in der hier gebotenen Häufigkeit langweilig, gelgentlich auch unfreiwillig komisch, wenn etwa die Protagonisten so reden, aber ihre das Gespräch begleitenden Gedanken im mitunter doch etwas geschraubten Elisabeth-George-Englisch wiedergegeben werden.
Hätte die Autorin ein Sachbuch mit soziologischem Anliegen verfasst, wüsste man als Leser von vorne herein, dass man nicht unterhalten werden soll. Von einem Roman sollte man das allerdings erwarten dürfen.

Die Handlung: Drei Kinder werden von der Großmutter bei ihrer Tante Kendra abgeladen, die versucht mit Freund Dix zusammen ihr Möglichstes, aber es triumphieren letztendlich die bösen Umstände, mannigfaches Unheil lässt sich nicht aufhalten. Das mag realistisch sein, aber es war mir beim Lesen allzu durchsichtig, worauf alles hinauslaufen würde. Aus dem Schluss des Buches, einem Mord, macht ja schon der Titel des Romans kein Hehl: »He«, der zwölfjährige Joel vermutet man, wird am Ende »her«, ein zufälliges Opfer, wie der Klappentext verrät, erschießen. Dass es sich dabei um die Frau des Serienhelden Inspektor Lynley aus den Krimis von Elisabeth George handelt, ist natürlich geschickt. So bekommt Elisabeth George auch ihre Serien-Fans an die Angel.
Dass »he« am Ende doch ein anderer ist, na ja, das ist immerhin ein geschickter Schachzug der Autorin und die Brücke zu einem weiteren Buch, das genau hier anschließen könnte.

Ein Buch, dessen Ausgang man kennt, kann ja trotzdem unterhaltend, spannend, aufregend, mitreißend sein. Es geht beim Lesen von Romanen und Erzählungen nicht um die letzten Seiten, die eine Überraschung bergen müssen, sondern darum, wie der Weg zu diesen letzten Sätzen gestaltet ist. Dass das funktionieren kann, hat unlängst wieder Nick Hornby gezeigt; in »Slam« ist von vorne herein klar, dass das Baby nicht abgetrieben wird. Dennoch, obwohl keine Überraschung (was den Ablauf der Handlungen betrifft) auf den Leser wartet, ist es ein ganz und gar famoses Werk.

Doch zurück zum Buch, von dem hier die Rede ist. Auf dem Weg durch die mehr als 500 Seiten erzählt Elisabeth George parallel die Erlebnisse von Joel und seiner 15jährigen Schwester Vanessa. Beim Lesen habe ich manches mal den Eindruck gewonnen, dass der Stoff, auf zwei etwas weniger dickleibige Bücher verteilt, mich womöglich eher hätte fesseln können. Unter Verzicht auf ausufernde Rezitationen über diese und jene Randbegebenheit allerdings.
Natürlich spielen eine Menge anderer Personen mit, der traumatisierte kleine Bruder Toby, die im Pflegeheim aufbewahrte geistesgestörte Mutter der drei Geschwister, der zunächst zwielichtige und dann heldenhadfte Literaturliebhaber und Poet, die motivierte aber überlastete Sozialarbeiterin... - im Großen und Ganzen geht es aber um Vanessa und Joel. Ein Vanessa-Buch, ein Joel-Buch - vielleicht wäre das besser gelungen?

Die große Fangemeinde wird sich genau daran nicht daran stören, dass Elisabeth George sich wieder einmal treu geblieben ist: Je mehr Worte, desto besser. Mir dagegen ging es wie einem Kritiker aus Boston, der anmerkte: »In the books 548 pages, Ms. George does save some interesting surprises. But I didn't find those surprises worth wading through the first 250 pages to find.«

Ich will jedoch nicht versäumen, Elisabeth George auch Respekt zu zollen: Ihr Umgang mit der Sprache hebt sich meist wohltuend vom Durchschnitt ab. Wenn sie nicht gerade (siehe oben) den Slang abbildet, sind ihre Formulierungen durchaus gelungen und durchdacht, ihr Wortschatz ist ein beachtlicher und sie weiß, ihn anzuwenden.

Mein Fazit: Für Leser, die gut unterhalten werden wollen oder spannende Lektüre suchen, ungeeignet. Wer Bücher mag, die vom Leser einiges an Durchhaltevermögen und Konzentration fordern, ist womöglich gut beraten, zu diesem zu greifen.

Wie die deutsche Ausgabe mit dem Slang und anderen Eigentümlichkeiten umgeht, entzieht sich meiner Kenntnis. Die von mir gelesene Version des Buches gibt es (inzwischen auch als Taschenbuch) zum Beispiel bei Amazon: What Came Before He Shot Her

Montag, 10. November 2008

Rest in Peace, Miriam Makeba

Eine große Musikerin Afrikas ist nach einem Auftritt in Italien gestorben. Ich wurde damals auf sie aufmerksam, als Paul Simon sie auf die Bühne holte. Eine Frau mit Ausstrahlung, eine wunderbare Stimme, eine herausragende Künstlerin.



Danke für unvergessliche Lieder und unermüdlichen Einsatz für die Freiheit, Miriam Makeba.

Musik und Politik

»Politisch Lied gar garstig Lied« behauptet der Volksmund in Deutschland. In manchen Fällen ist das durchaus nachvollziehbar für mich, es gibt aber auch einige Lieder, die rühmliche Ausnahmen darstellen. In der Regel sind das »Protestsongs«, die zu ihrer Zeit eine Botschaft transportierten, oft auf sehr gelungene Weise - und noch heute mit Genuss hörbar sind.

Gerade amerikanische politische Äußerungen auf musikalischem Wege sind oft durch und durch patriotisch. Als Jimi Hendrix die Nationalhymne spielte, war dies für manche eine Provokation. Aber, so empfinde ich zumindest, es war auch Ausdruck der Liebe zum eigenen Land, als wolle Jimi sagen bzw. spielen: Das ist auch mein - unser - Land.



Mancher von mir geschätzte Musiker trat auch bei Inaugurationen amerikanischer Präsidenten auf. Darunter dieser hier, der für einen sichtlich gut gelaunten Bill Clinton spielte:



Auch wenn die Songs nicht politisch sind, zeigt der Auftritt von Künstlern doch, wohin ihre politische Sympathie tendiert. Jimi Carter hatte während seiner Amtszeit eine ganze Menge illustrer musikalischer Gäste. Croz hält den Mitschnitt vom 7. August 1980 bereit, als Bill Monroe & Doc Watson Bluegrass & Country Music für Jimi Carter auf dem Rasen vor dem Weißen Haus spielten: Zum Download bei Croz

Sonntag, 9. November 2008

Kommentarfunktionen

Es gab kürzlich Irritationen bei einem rüpelhaften anonymen Kommentator, der die Überschrift der Kommentarliste nicht gesehen oder beachtet hatte, worauf Thomas, gerngesehener nicht anonymer Gast auf diesem Blog, meinte, ich könne ja die anonymen Kommentare ausschalten. 

Das Problem mit der Blogger-Software von Google (und diese wird hier verwendet) ist, dass es diese Möglichkeit nicht gibt. Wie auch Don Ralfo, ein weiterer gerngesehener nicht anonymer Gast, schon als Kommentar notierte. Entweder ich schalte auf »registrierte Nutzer«, dann muss jeder, der hier eine Notiz hinterlassen will, tatsächlich irgendwo registriert sein, oder ich schalte auf »Jeder«, dann darf wirklich jeder was schreiben:

Die meisten nicht registrierten Kommentatoren hinterlassen ihren Namen oder Spitznamen, korrigieren gar in einem zweiten Kommentar, falls sie versehentlich anonym abgeschickt hatten. Die wirklich bewusst anonymen Zeitgenossen wollen in der Regel nichts Gutes, und zahlreiche zum Teil beleidigende Kommentare habe ich im Lauf der Monate schon gelöscht. Damit muss man als Blogger leben, dass es solche Stinkstiefel gibt...
Und falls es einmal geboten sein sollte, Anzeige zu erstatten, ist ja auch bei anonymen Kommentaren die IP gespeichert...

9. November: Zwiespältige Erinnerungen

Auf den 9. November fallen eine Reihe von Ereignissen, die für Deutschland als politische Wendepunkte gelten.
  • 1848 – Erschießung von Robert Blum in Wien: Anfang vom Ende der Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes
  • 1918 – Novemberrevolution: Maximilian von Baden verkündet eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und betraut Friedrich Ebert mit den Amtsgeschäften. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft vom Reichstagsgebäude aus die Deutsche Republik aus. Am selben Tag, jedoch einige Stunden später, verkündet Karl Liebknecht vom Berliner Stadtschloss aus die deutsche Räterepublik.
  • 1923 – Hitler-Ludendorff-Putsch: erstmals international wahrgenommenes Auftreten des Nationalsozialismus
  • 1938 – Novemberpogrome: Übergang von der Diskriminierung zur offenen Verfolgung der Juden zur Zeit des Nationalsozialismus
  • 1967 – Bei der feierlichen Amtseinführung des neuen Rektors der Hamburger Universität entfalten Studenten ein Transparent mit dem Spruch »Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren«, der zum Symbol der 68er-Bewegung werden wird.
  • 1989 – Mauerfall: Beginn der friedlichen Wiedervereinigung Nachkriegsdeutschlands
Ich glaube nicht an »magische« Daten, so wie für mich ein Freitag nichts bedrohliches hat, wenn er auf den 13. eines Monats fällt. Die Erinnerung an geschichtliche Ereignisse am 9. November birgt für mich keine Erwartung an zukünftige »Schicksalstage« an diesem Datum.

Aber ich meine, dass vor allem die Erinnerung an den 9. November 1938 und an den 9. November 1989 nicht verblassen sollte. Die erste, damit wir nie wieder Entwicklungen zulassen und tolerieren, die zur Verachtung und Vernichtung von Menschen in unserem Land führen, die zweite, damit wir dankbar für das bleiben, was uns als neue Chance geschenkt wurde.

Ein Link zu recht interessanten Abhandlungen über die historischen Ereignisse: »Der deutsche Schicksalstag« bei Focus Online

Foto: Kennedy an der Berliner Mauer von WikiCommons

Samstag, 8. November 2008

Häufig gestellte Fragen 2

In dieser kleinen Serie greifen ich Fragen auf, die mir von Lesern meiner Bücher und Artikel immer wieder gestellt werden. Bei aller Vielfalt der Formulierungen tauchen einige Grundfragen immer wieder auf; hier möchte ich nun meine Antworten vor- und zur Diskussion stellen. Der erste Beitrag galt dem Thema Glaube versus Verstand.
Eine zweite exemplarische Frage, die immer wieder in verschiedenen Variationen auftaucht:
Wie erfährt der Mensch den Willen Gottes? Ich meine damit der Einzelne. Du sagtest, jeder kann überall mit Gott sprechen, aber er erhält doch keine Antwort. Wie soll er erfahren, was Gott von seinen Taten hält. Oder werden von Christen ausschließlich die Lehren der Bibel als Maßstab eingesetzt?
Meine Antwort lautet:
Den Willen Gottes kann man durchaus und überwiegend anhand der Bibel kennen lernen. Auch dabei gilt es allerdings, den Verstand nicht auszuschalten. Das Neue Testament beispielsweise ist nicht als »Gesetzbuch« oder »Lexikon« verfasst worden und daher auch nicht als solches anzuwenden. Überwiegend handelt es sich bei den einzelnen Büchern im Neuen Testament um Briefe an bestimmte Personen oder Gruppen in ganz konkreten Situationen. Das heißt, dass man nicht einen Satz oder Abschnitt herausnehmen und 1:1 als göttlichen Willen für eine ganz und gar andere Situation, nämlich heute und hier, anwenden kann. Dadurch hat schon mancher manchen Schaden angerichtet...
Andererseits wird dem aufmerksamen Leser der Bibel nicht verborgen bleiben, wie quer durch die einzelnen Bücher der Charakter Gottes und sein Wille beschrieben wird. Vor allem die Berichte des Neuen Testamentes über Jesus Christus, der von sich sagte, dass er ausschließlich den Willen Gottes tat, zeigen dies sehr deutlich: Mitleid mit Unterdrückten, praktische Hilfe für den Mitmenschen in Not (ungeachtet seiner Herkunft, Rasse, Überzeugungen), scharfer Widerspruch gegen religiöse Führer, die das Marionettentum predigen und verlangen - oft genug, ohne selbst zu tun, was sie anderen auferlegen wollen.
Meine Erfahrung ist übrigens die, dass auch über die Lektüre der Bibel hinaus der Mensch Antworten erhält. Das Gespräch mit Gott, das Gebet, ist wirklich keine Einbahnstraße. Dass Gott mit akustisch vernehmlicher Stimme spricht, ist eine sehr seltene Ausnahme, aber es gibt zahllose andere Wege, auf denen er uns ganz persönlich und direkt antworten kann und will.
Kommentare mit Ergänzungen, Widersprüchen, Erweiterungen sind wiederum herzlich willkommen.

Freitag, 7. November 2008

So isses.

In diesen Tagen bin ich erneut oder immer noch

busier than a centipede at a toe countin' contest.

Aber immerhin sind ein paar Blogbeiträge vorbereitet für die automatische Veröffentlichung zu gegebener Zeit. Darunter weiterte Antworten auf häufig gestellte Fragen, eine Rezension zu einem Roman, der mich überwiegend angestrengt und selten unterhalten hat und ein paar Musiktipps neben einer pünktlich fälligen Laudatio.
Wie meine Reaktionszeit auf Kommentare und Mails aussehen wird, sei einstweilen dahingestellt.

Foto: Das besagte putzige Tierchen auf dem Weg zu besagtem Zehenzählwettbewerb bei Wikicommons

Donnerstag, 6. November 2008

Häufig gestellte Fragen 1

Gelegentlich bekomme ich Zuschriften von Lesern auf Artikel, die ich vor vielen Jahren geschrieben habe. Einige sind spezifisch zum jeweiligen Text, manche Fragen in solchen Leserbriefen wiederholen sich, werden in abgewandelter Form zu verschiedenen Anlässen immer wieder gestellt. Es sind grundsätzliche Fragen.

Ich möchte in einer kleinen Serie einige davon herausgreifen und meine Antwort vorstellen. Die erste beschäftigt sich mit der vermeintlichen Kontroverse zwischen Verstand und Glaube. Eine exemplarische Zuschrift:
Du sagtest: »Er (Gott) wünscht sich, dass sie (die Menschen) sich freiwillig entscheiden, ihr Leben nicht mehr selbstbestimmt, sondern als Mitglieder der Familie Gottes zu führen. Er will immer noch keine Marionetten.«
Doch ist dies nicht letztendlich ein Widerspruch? Wenn ich aufhöre, selbstbestimmt zu leben und mich Gott unterordne, gebe ich doch meinen eigenen Verstand auf. Ich treffe keine eigenen Entscheidungen mehr, ich bin eben nur noch folgsam. Das macht mich doch zu einer Marionette. Ein Mensch kann doch nichts Gutes tun, wenn er keine Wahl hat. Muss man nicht stets vor die Wahl gestellt werden, was für das Individuum die richtige Entscheidung ist um den Charakter (zum Guten) zu entwickeln? Denn etwas Gutes zu tun, weil ich es selbst will, ist doch wesentlich besser, als wenn ich es einfach muss und den Sinn nicht verstehe.
Meine Antwort sieht so aus:
Der Begriff »selbstbestimmt« war von mir wohl unglücklich gewählt, er ist zu missverständlich.
Mit der Entscheidung, an Christus als Erlöser zu glauben, hört ein Mensch weder auf, eigene Entscheidungen zu treffen, noch muss (oder darf!) er seinen Verstand aufgeben. Der Schritt, Christ zu werden, beraubt jemanden nicht der Möglichkeit, nach wie vor Gutes und Böses zu tun. Das Christsein ist auch keine Garantie, den Rest des Lebens keine Fehler mehr zu machen.
Zugegeben, es gibt in der Geschichte (und leider noch heute) durchaus Beispiele für das von Dir zu Recht gerügte Marionettentum, einschließlich entsetzlicher Verbrechen im Namen Gottes; man denke nur an Religionskriege, Sklavenhandel, Mittelalter...
Ich halte überhaupt nichts davon, blinden Gehorsam zu fordern oder zu predigen. Vielmehr meine ich, dass es unbedingt notwendig ist, mitzudenken, selbst Entscheidungen zu treffen und zu verantworten.
Als Christ werde ich herausgefordert, mich nicht vom »Mainstream« treiben zu lassen, sondern das, was ich (soweit es mir möglich ist) als »gut« oder »gerecht« erkenne, zu tun.Ich begreife mich nämlich Gott gegenüber als verantwortlich für mein Leben und den Einfluss meines Lebens auf meine Umgebung. Dabei geht es natürlich nicht um Leistungsdruck, sondern um eine bewusste und durchdachte Entscheidung, etwas tun zu wollen.
Ich muss also, um die Antwort abzurunden, weder »meinen Verstand abgeben« noch etwas tun, wenn ich »den Sinn nicht verstehe«.
Im nächsten Beitrag dieser Reihe geht es darum, wei und ob ein Mensch den Willen Gottes erfahren kann.

Mittwoch, 5. November 2008

History happened today

Ein Tag der Hoffnung und der Chancen wie der Tag, an dem in Berlin die Mauer fiel. Leonard Cohen hatte also recht: »Democracy is coming to the USA.«

Herzlichen Glückwunsch, Barak Obama und herzlichen Glückwunsch, Amerika!

Dienstag, 4. November 2008

Fernsehlob

Gescholten wird genug über das Fernsehprogramm, meist mit Fug und Recht. Da darf man die rühmlichen Ausnahmen ruhig loben.

Gestern um 20:15 Uhr brachte das ZDF einen Film auf die Bildschirme, der nicht nur außerordentlich gut gespielt war, sondern auch eine erschütternd realistische Version der Geschichte darstellte, die im 1. Buch der Könige, Kapitel 3, 16-28 zu lesen ist. Das Geheimnis der falschen Mutter

Der Bibeltext wurde auszugsweise (durch Kindermund) zitiert, was aber nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Ich hätte die Begebenheit auch so wiedererkannt, wenngleich die Handlung in das Hamburg unserer Tage verlegt und natürlich einem Thriller angemessen wurde.

Dieser Film zeigte, dass Qualität im deutschen Fernsehen nach wie vor möglich ist und wie sie gelingen kann. Danke, ZDF, für 90 Minuten erstklassiges Programm.

Foto: ZDF-Screenshot

Unterhaltung?

Nun gut. Google ist nur eine Maschine. Dennoch frage ich mich beim Nachrichtenüberblick mitunter, wie diese oder jene Meldung in dieser oder jener Kategorie landet.

Ein Kriminalfall, der nicht etwa einem Buch oder einem Film entspringt, sondern im »echten Leben« stattfindet. Eine Geschädigte, die nicht in der Unterhaltungsindustrie tätig ist. Ein Erpresser aus der Schweiz, ebenfalls kein Medienschaffender.

Also was bitte ist daran Unterhaltung? Sind wir wieder auf dem Weg zum römischen Zirkus, in dem der Plebs sich daran verlustiert, dass Menschen gequält werden?

Sonntag, 2. November 2008

Aufatmen

Die Datensicherung von drei CD-Produktionen läuft gerade - am Sonntag um 18:21 Uhr. Die finalen CD-Master sind gebrannt, und ich kann - was diese Projekte betrifft - aufatmen.


Schön. Sehr schön. Es gab mal eine Werbung: »Wenn alles getan ist...« - für Zigaretten oder für Bier, weißichnichtmehrsogenau. Ist auch egal. Drei Monster-Projekte geschafft - nun kommt nächste Woche eine Zeitschriften-Produktion dran, die eigentlich möglichst am Mittwoch fertig werden sollte...

Aber heute abend wird erst mal aufgeatmet. Ein guter Wein zum hoffentlich spannenden Krimi in der ARD. Keine Produktionen, keine Termine. Nix. Gar nix. Basta.

Missionales aus dem Wedding

Anfang September war ich, anlässlich einer Einladung zum ersten Hauskirchentag Berlin-Brandenburg, in der »Jesus Miracle Harvest Church« im Bezirk Wedding zu Gast. Gestern war in den Regionalnachrichten des RBB (das ist »unser« drittes Programm) die Rede unter anderem von dieser liebenswerten und gastfreundlichen Gemeinde. Sie tut nämlich, zusammen mit rund 40 anderen Gruppen, etwas für ihren Bezirk und ihre Stadt.
Auch bei meinem Bericht vom Berlin-Missional-Wochenende war einiges aus dem Wedding zu lesen. Es macht mir (und hoffentlich anderen) Mut, dass in Berlin an immer mehr Orten auch die Christen dabei sind, wenn es darum geht, etwas zu tun, anstatt zu jammern oder gar zu schimpfen. Das wird von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Und das ist praktiziertes missionales Leben.

Hier geht es zum TV-Beitrag von gestern: Berliner Abendschau: Bürger verändern ihren Kiez

Samstag, 1. November 2008

Grauenhafter Alptraum

Mich träumte, ich sei Amerikaner und hätte vergessen, am Wahltag pünktlich meine Stimme abzugeben. Das fatale Ergebnis dieser Nachlässigkeit: