Samstag, 31. Januar 2009

Celebrate :: Accelerate

Vieles ist geschafft, manches bleibt noch zu tun. Daher feiern wir (celebrate) und beschleunigen unsere Anstrengung (accelerate):

Freitag, 30. Januar 2009

Künstlerischer Mut

»Ich habe mir das Recht genommen, das Leben so genau zu beschreiben, wie es mir nur möglich war, mit besonderer Beachtung menschlichen Zerfalls und menschlichen Betrugs. Dem Rest von Glauben, den ich besitze, verdanke ich meinen künstlerischen Mut. Ich war fest davon überzeugt, dass Gott sowieso schon alles weiß und nicht schockiert werden kann.« -John Updike

Donnerstag, 29. Januar 2009

:-)

THERE'S PROBABLY NO POST ON THIS BLOG TODAY.
NOW STOP LOOKING AND ENJOY A BOOK.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Lieber Holzhacken...

Die Kirche / Gemeinde gibt Antworten auf Fragen, die niemand gestellt hat.
Wem dieses Zitat zuzuschreiben ist, konnte ich nicht herausfinden, aber es beschreibt einen Zustand, der wohl zumindest teilweise nicht von der Hand zu weisen ist.

Auf allerlei »christlichen« Webseiten und Blogs werden Antworten auf Fragen gegeben, die höchstens für »Eingeweihte« interessant sind. Bento fand kürzlich nach mehrstündiger Lektüre, dass Holzhacken die sinnvollere Tätigkeit sein kann: Surfen und Holzhacken

Womöglich liegt das daran, dass Christen oft gar nicht wissen, welche Fragen die Menschen ringsherum bewegen. Oder daran, dass Christen mitunter meinen, es ginge nur darum, religiöse Fragen zu beantworten. Oder - schlimmstenfalls - daran, dass es ihnen egal ist, womit sich ihre Mitmenschen herumschlagen?

Nun ist überhaupt nichts dadegen einzuwenden, dass es Plattformen auch im Internet gibt, die dem Austausch von Gläubigen unter sich dienen. Wie das gegebenenfalls auf Menschen wirkt, die mit dem Glauben nichts anzufangen wissen, sei dahingestellt. Ich jedenfalls muss mich gelegentlich mit Grausen abwenden von Verlautbarungen, die ich auf »christlichen« Seiten finde, obwohl - oder weil? - ich selbst Christ bin.

Gibt es eigentlich zu wenige Gläubige, die sich an Diskussionen über die Fragen beteiligen, die tatsächlich gestellt werden, oder habe ich sie bloß noch nicht in größerer Anzahl gefunden?

P.S.: Bild von The Ongoing Adventures of ASBO Jesus

Dienstag, 27. Januar 2009

Meine Hochachtung ...


... gebührt einer Nachbarin in unserem Haus. Sie hat in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ihre Arbeitsstelle aufgegeben.

Sie war Mitarbeiterin einer Apotheke in Berlin Lichterfelde und wurde Zeugin eines empörenden Vorganges: Eine Kundin, wegen des Kopftuches vermutlich Muslima, wurde in der Apotheke von einer deutschen Angestellten ignoriert statt bedient. Diese Musterdeutsche kam in den Verkaufsraum, sah, dass eine Frau mit Kopftuch hereingekommen war und auf Bedienung wartete und ging demonstrativ wieder zurück in ihr Hinterzimmer.

Unsere Nachbarin, die gerade mit der Bedienung von anderen Kunden zu tun hatte, fragte später den Apotheker, ob ein solches Verhalten wohl angemessen wäre. Sie war (und ist) der Überzeugung, dass jeder Kunde, ob schwarz, weiß, Moslem oder Atheist bedient werden sollte. Mit gleicher Freundlichkeit und Kompetenz.
Die aufrechte Deutsche, die sich nicht um die Frau mit Kopftuch kümmern wollte, war unserer Nachbarin bereits mehrfach durch gehässige und verächtliche Kommentare über ausländisch aussehende Passanten aufgefallen.
Der Inhaber der Apotheke nahm nun jedoch ausgerechnet diese Angestellte in Schutz und war wütend auf unsere Nachbarin, dass sie derartigen Unfrieden ins Kollegium bringen würde.

Daraufhin beendete unsere Nachbarin die Mitarbeit in der Apotheke. Und - es gibt noch Gerechtigkeit auf dieser Welt - sie fand sehr schnell eine neue Anstellung in einer anderen Apotheke.

Schön, dass es solche Menschen wie unsere Nachbarin gibt. Menschen mit Rückgrat und Werten. Und ich weiß, in welcher Apotheke ich künftig nicht mehr einkaufen werde.

Montag, 26. Januar 2009

Erhebliche Wartezeiten

Während die beste aller Ehefrauen sich mit einem ordentlich gewandeten Herrn (Fliege, schwarzes Jacket, weißes Hemd, Einstecktuch im Jacket - oder ist es gar ein Smoking?) offenbar bestens verstand...


...nahm ich, eher beiläufig gekleidet, wenngleich selbstverständlich behütet, einige Minuten auf Herrn Loriots bestem Sofa Platz, um die ermüdeten Beine ein wenig ausruhen zu lassen.


Die Hommage an Loriot anlässlich seines 85sten Geburtstages bot uns allerlei Material, vor allem aus den frühen Schaffensjahren des Humoristen, das wir noch nicht kannten. Allerdings waren ob des nicht unerheblichen Andranges von Besuchern und der spärlich vorhandenen Kopfhörer an den Video-Stationen erhebliche Wartezeiten nicht zu umgehen. Spaß gemacht hat es trotzdem. Bis Ende März kann man sich das Vergnügen noch gönnen, so man in Berlin weilt.

P.S.: Nein, die beste aller Ehefrauen trug keinen blauen Haarschmuck. Das ist wieder mal ein Orb.

Sonntag, 25. Januar 2009

Och nö, muss nich sein...

Gestern haben wir uns etwas zugemutet, was wir für die nächsten 20 Jahre nicht wiederholen werden: Ein Besuch auf der »Grünen Woche«.
Die beste aller Ehefrauen hat der Erinnerung zufolge zuletzt vor ca. 25 Jahren die »Grüne Woche« besucht, ich meine, dass mein letzter Gang durch die Ausstellung noch etliches weiter zurück liegt. Jedenfalls erinnerten wir uns beide, dass man zwar Eintritt bezahlte, aber dann an den Ständen reichlich Leckereien probieren und Tüten voll Kostproben mit nach Hause nehmen konnte.
Na ja. Früher. Früher hatten wir einen Kaiser...

Eintritt pro erwachsener Nase 12 Euro, das sind rund 24 Mark in echtem Geld. Dafür bekommt man außer dem Einlass in die Messe nichts. An den Ständen: Ein Zahnstocher mit 3 Bröckelchen Käse: 1,50 Euro. Ein Kaviarbrotminischeibchen (Durchmesser etwa der eines 5-Mark-Stückes) konnte für 3,00 Euro probiert werden. Eine Kostprobe Bier: 3,50 Euro. Und so weiter... Natürlich haben wir derartig unmoralische Angebote nicht angenommen.
Neben der Unverschämtheit der Aussteller, für Kostproben Geld zu verlangen, haben es die Menschenmassen unmöglich gemacht, der »Grünen Woche« irgend etwas abzugewinnen, was uns zu dem Gedanken verleiten könnte, womöglich nächstes Jahr die Messe wieder zu besuchen. Nun soll man nicht über ein Problem meckern, dessen Teil man selber ist (wir waren ja unstrittig auch Besucher), aber man muss das ja nicht wiederholen. Es war schlicht unmöglich, normal zu gehen, so eingekeilt waren wir zwischen zum Teil am frühen Nachmittag bereits deutlich angetrunkenen Menschen. Dazu dröhnte von allen möglichen Bühnen und aus Lautsprechern an den Ständen verschiedener Aussteller unerträgliche Schlagermusik.

Fazit: Die nächsten 20 Jahre lautet unsere Antwort, wenn die Grüne Woche stattfindet: Och nö, muss nich sein...

Heute Nachmittag sehen wir uns die Loriot-Ausstellung an. Hoffentlich ein erfreulicheres Ereignis.

Samstag, 24. Januar 2009

Bob kann aufatmen!

Bob Dylan kann aufatmen. Falls er meinen Blog oder Welt-Online liest, ist seine Suche so gut wie beendet. Er hatte ja bekanntlich in dem Lied »Thunder on the Mountain« bekannt gegeben:
I was thinkin' 'bout Alicia Keys, I couldn't keep from crying
When she was born in Hell's Kitchen I was living down the line
I'm wondering where in the world Alicia Keys could be.
I've been looking for her even clear through Tennessee.
Nun waren wir, um Bob behilflich zu sein, im Juli 2008 in New York und sind auch nach Hell's Kitchen hineingewandert, aber Alicia Keys lief uns nicht in die Arme. Schade. Jetzt jedoch wurde sie gesichtet, bei den Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Barack Obama. Welt-Online liefert den Beweis:

Nun muss Bob Dylan nur noch die Fluggesellschaften fragen, wohin sie von Washington geflogen ist. Dann dürfte es einigermaßen einfach sein, sie endlich aufzutreiben. Falls sie allerdings den Greyhound Bus genommen haben sollte, ist ihre Spur schon wieder verwischt. That would be something!

Na ja. Ich halte jedenfalls die Augen offen, wenn ich heute zum Einkaufen gehe. Vielleicht steht sie beim Kaufland in der Schlange an der Kasse? Falls ja - hat jemand Bobs Telefonnummer, damit ich ihn gegebenenfalls gleich anrufen kann?

Freitag, 23. Januar 2009

Linda 2 und Linda 4

Gelegentlich fragen mich Leser, wann ich denn wisse, dass ein Text »fertig« sei. Die ehrliche Antwort lautet, dass meine Texte nie fertig sind. Irgendwann werden sie den Lesern präsentiert, und fünf Minuten später sehe ich dieses und jenes, was ich hätte anders machen sollen…

Manche Erzählung bleibt jahrelang unveröffentlicht, andere kommen relativ schnell aus der (virtuellen) Schublade, weil meine Bearbeitung mir (zum jeweiligen Zeitpunkt) »fertig« scheint. Und dann wird - manchmal schon Minuten später - doch wieder gefeilt, geschrubbt und poliert...

Nun will ich anlässlich des Erscheinens von »Liebe und Alltag« den geneigten Lesern einen direkten Vergleich zwischen zwei Versionen gestatten, und zwar anhand der kurzen Kneipenszene, die »Linda« heißt, obwohl Linda schon längst weg ist.

Die zweite geschriebene Version stellte ich seinerzeit (auch hier) vor, die vorangegangene erste verdiente es noch nicht, fremden Augen präsentiert zu werden. Nach der Blog- und Forumveröffentlichung gab es mit der dritten Version einen Zwischenstand, und schließlich für das Buch die vierte Version.

Linda - Version 2 vom 15. Dezember 2008

»Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelte einer in unser Gruppe am Tresen. »Sie hat eine Pistole in der Handtasche und ist auf dem Weg zu ihrem Verlobten.«
Linda war schon durch den Ausgang der Bar verschwunden. Keiner von uns bewegte sich, obwohl wir wussten, dass wir etwas hätten unternehmen sollen. Oder rechtzeitig den Schnabel halten, aber niemand hatte bemerkt, dass Linda in die Bar gekommen war, und wir plauderten unbekümmert miteinander.
Eigentlich war das Gespräch nur zufällig darauf gekommen, dass Lindas Verlobter mit Jenny geschlafen hatte. Haben sollte. Eventuell. Keiner wußte etwas, alle mutmaßten und ein Wort gab das andere, wie es eben so ist, wenn man an der Bar sitzt und schon ein paar Bierchen intus hat.
Jetzt war Linda wieder weg.
»Er weiß ja noch nicht einmal, dass sie auf dem Weg zu ihm ist«, meinte ich, »sie klopft an die Tür und peng!«
»Was ist nur aus dieser Welt geworden…«, sagte der ältere Herr mit der braunen Mütze, von dem keiner so recht wusste, wer er war. Er saß so gut wie jeden Abend in der Bar, wie wir alle.
Mein Vater hatte mir immer gesagt, dass zwischen Liebe und Hass nur eine hauchdünne Grenze existieren würde. Ist die erst einmal überschritten, gibt es kein zurück mehr. Vielleicht stand ich deshalb nicht auf, um Linda zu folgen, nahm ich deshalb nicht das Telefon in die Hand, um ihren Verlobten zu warnen.
»Früher«, sagte Jack, »gab es noch Treue. Heute gilt das alles nichts mehr. Man kann gar nichts machen.«
»Das geht nicht gut aus«, mutmaßte Paul. Paul meinte immer, er sei eben Realist, wir hielten ihn für einen unverbesserlichen Pessimisten. »Ich habe da ein ganz böses Gefühl, der Typ sollte auf der Hut sein, Linda hat eine Knarre und Linda ist stinksauer.«
Ich entgegnete: »Warum muss er auch mit Jenny rummachen, er hat ja die Kiste der Pandorra selbst geöffnet!«
»Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelte wieder einer, ich glaube, es war Jack. Seine Stimme klang aber nicht so wie sonst. So, als kämpfte er mit den Tränen. Ausgerechnet unser harter Jack!
Paul meldete sich wieder zu Wort, nachdem er sein Glas in einem Zug geleert hatte: »Es sind immer die Frauen, die den Männern zum Verhängnis werden.«
»Simson wegen Delilah, Ahab wegen Jezebel, König David wegen Bathseba«, stimte ich zu. Ich gab gerne mit meiner Bildung ein bisschen an. Die anderen kannten das nicht anders.
Paul nickte: »Und steckte nicht auch eine Frau dahinter, als Johannes der Täufer geköpft wurde?«
»Linda hat geweint«, sagte die tränenschwangere Stimme. Es war tatsächlich Jack. »Die ganze Schminke verschmiert, und sie hat sich noch nicht einmal das Gesicht gewaschen, ist einfach losgestürmt. Hat in ihre Handtasche geschaut, die Pistole halb rausgezogen, wieder reingesteckt und weg war sie. Jemand sollte Linda aufhalten!«
Ich ergänzte: »Eine Beretta, sie hat eine Beretta.«
Wir nickten, alle, glaube ich. Der Wirt stellte volle Gläser auf den Tresen.
Ich trank einen großen Schluck.
Sandra quetschte sich zwischen mich und Paul. »Hast du schon was vor?«, fragte sie mich.
»Wie, vorhaben?«
»Na ja, ich würde jetzt nach Hause gehen und bin so alleine.«
»Lass mich noch austrinken, dann gehen wir«, meinte ich und legte ihr den Arm um die Schultern.

Linda - Version 4 vom 21. Dezember 2008

»Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelt einer in unser Gruppe am Tresen. »Sie hat eine Pistole in der Tasche und ist auf dem Weg zu ihrem Verlobten.«
Linda ist schon durch den Ausgang der Bar verschwunden. Keiner von uns bewegt sich, obwohl wir wissen, dass wir etwas unternehmen sollten. Wir hätten rechtzeitig den Schnabel halten müssen, aber niemand hatte bemerkt, dass Linda in die Bar gekommen war, und wir plauderten unbekümmert miteinander.
Eigentlich war das Gespräch nur zufällig darauf gekommen, dass Lindas Verlobter mit Jenny geschlafen hatte. Haben sollte. Eventuell. Keiner wusste etwas, alle mutmaßten und ein Wort gab das andere, wie es eben so ist, wenn man an der Bar sitzt und schon ein paar Bierchen intus hat.
Jetzt ist Linda wieder weg.
»Er weiß ja noch nicht einmal, dass sie auf dem Weg zu ihm ist«, meine ich, »sie klopft an die Tür und peng!«
»Was ist nur aus dieser Welt geworden…«, sagt der ältere Herr mit der braunen Mütze, von dem keiner so recht weiß, wer er ist. Er sitzt so gut wie jeden Abend in der Bar, wie wir alle.
Mein Vater hatte mir immer gesagt, dass zwischen Liebe und Hass nur eine hauchdünne Grenze existieren würde. Ist die erst einmal überschritten, gibt es kein zurück mehr. Vielleicht stehe ich deshalb nicht auf, um Linda zu folgen, nehme ich deshalb nicht das Telefon in die Hand, um ihren Verlobten zu warnen.
»Früher«, sagt Jack, »gab es noch Treue. Heute gilt das alles nichts mehr. Man kann gar nichts machen.«
»Das geht nicht gut aus«, mutmaßt Paul. Paul meint immer, er sei eben Realist, wir halten ihn für einen unverbesserlichen Pessimisten. »Ich habe da ein ganz böses Gefühl, der Typ sollte auf der Hut sein, Linda hat eine Knarre und Linda ist stinksauer.«
Ich entgegne: »Warum muss er auch mit Jenny rummachen, er hat ja die Kiste der Pandora selbst geöffnet!«
»Jemand sollte Linda aufhalten«, murmelt wieder einer, ich glaube, es ist Jack. Seine Stimme klingt aber nicht so wie sonst. So, als kämpfte er mit den Tränen. Ausgerechnet unser harter Jack!
Paul meldet sich wieder zu Wort, nachdem er sein Glas in einem Zug geleert hat: »Es sind immer die Frauen, die den Männern zum Verhängnis werden.«
»Simson wegen Delilah, Ahab wegen Jezebel, König David wegen Bathseba«, stimme ich zu. Ich gebe gerne mit meiner Bildung ein bisschen an. Die anderen kennen das nicht anders.
Paul nickt: »Und steckte nicht auch eine Frau dahinter, als Johannes der Täufer geköpft wurde?«
»Linda hat geweint«, sagt die tränenschwangere Stimme. Es ist tatsächlich Jack. »Die ganze Schminke verschmiert, und sie hat sich noch nicht einmal das Gesicht gewaschen, ist einfach losgestürmt. Hat in ihre Handtasche geschaut, die Pistole halb rausgezogen, wieder reingesteckt und weg war sie. Jemand sollte Linda aufhalten!«
Ich ergänze: »Eine Beretta, sie hat eine Beretta.«
Wir nicken. Jack ist jetzt still, aber er atmet heftig. Der Wirt stellt volle Gläser auf den Tresen.
Ich trinke einen großen Schluck.
Sandra quetscht sich zwischen mich und Paul. »Hast du schon was vor?«, fragt sie mich.
»Wie, vorhaben?«
»Na ja, ich würde jetzt nach Hause gehen und bin so alleine.«
»Lass mich noch austrinken, dann gehen wir«, antworte ich und lege ihr sanft den Arm um die Schultern.

Aufmerksame Leser dürften die kleinen Korrekturen bemerken, die der Text erfahren hat. Inzwischen gibt es eine fünfte Version...

Mittwoch, 21. Januar 2009

Im Namen der Liebe...

Kürzlich wies ich hier auf eine Unterschriftensammlung hin, deren Ziel - 30.000 Unterschriften - mittlerweile überschritten wurde. Nunmehr werden 50.000 angepeilt.

Was bringen solche Aktionen von ONE eigentlich?

»ONE-Campainers were heard«, freut sich Bono, einer der Gründer, der gerade »In the Name of Love« vor dem Washington Memorial gesungen hat. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat zugesagt, die Hilfsmaßnahmen für Afrika in seiner ersten Amtsperiode zu verdoppeln - vor ein paar Monaten bekam er zigtausende Unterschriften überreicht, die ONE gesammelt hatte, um ihn trotz Wirtschaftsabschwung an die Ärmsten der Armen zu erinnern. Beide Kandidaten, seinerzeit war noch Wahlkampf, sagten Hilfe zu. »He's got a heart for these poor«, stellt Bono bezüglich Obama fest:



Hier kann man immer noch die Petition an Premierminister Gordon Brown unterzeichnen: Please include Africa!

Montag, 19. Januar 2009

Neues Buch: Liebe und Alltag


Oft genug prägt die Liebe unseren Alltag, noch häufiger jedoch der Alltag die Liebe, und nie sind wir wirklich sicher, wohin sich Alltag oder Liebe entwickeln werden. Von den nervösen Momenten vor dem »ersten Mal« bis zum friedlichen Abschied vom Diesseits zeichnet der Autor in 16 Erzählungen eine Vielzahl von Empfindungen und Hoffnungen, Ernüchterungen und Erkenntnissen auf. (Klappentext)
Ich hatte vor einigen Wochen auf diesem Blog in Form einer Wortwolke einen - zugegeben kryptischen - Hinweis gegeben, dass etwas kommen würde, was noch nicht offenbart werden konnte. Nun erfolgt Aufklärung: Die Wortwolke wurde seinerzeit aus dem Entwurf zum Vorwort eines neuen Buches kreiert.
Dann hatte ich wenig später in einem Nebensatz einen weiteren - nicht minder kryptischen - Hinweis versteckt: »Deadline ist eben Deadline, würde Tina sagen, aber über Tina zu erzählen, fehlt mir jetzt die Zeit...« heißt es in diesem Beitrag.
Ich will auch jetzt nicht von Tina erzählen. Tina lernt man kennen, wenn man »Liebe und Alltag« liest.
Warum so viel Geheimnistuerei? Ganz einfach: Das Buch sollte eine Überraschung, ein Geschenk für die beste aller Ehefrauen zum gestrigen Geburtstag werden. Es war denkbar knapp, da wegen der Weihnachts- und Neujahrstage bei Verlag und Druckerei Zeitverzögerungen im Herstellungsprozess nicht ausblieben. Aber: Es hat geklappt - die Lieferung kam rechtzeitig vor dem 18. Januar hier an.

Nun ein paar Worte zum neuen Buch:

Kürzlich beim Abendessen im Hause eines befreundeten Ehepaares beschwerte sich die Gastgeberin: »In deinem Buch Gänsehaut und Übelkeit ist ja nun wirklich kaum etwas für zarte Gemüter wie mich enthalten.«
Ich antwortete: »Deshalb heißt es ja auch so, wie es heißt. Und ziert nicht ein blutverschmiertes Messer den Umschlag?«
»Na ja, das stimmt natürlich. Ich war vorgewarnt. Aber das mit dem Auge, gleich am Anfang… grauenhaft! Wie kommt man bloß auf solche Ideen?«
»Man muss nur«, schlug ich vor, »am 2. Januar eine Tageszeitung aufschlagen und nachlesen, welche Unfälle es mit Feuerwerkskörpern gegeben hat.«
»Hmmm hmmm. Nimm doch noch Pasta, es ist so viel da. Und schreib doch mal was Nettes, vielleicht ein wenig romantisch oder so. Noch ein Bierchen?«

Die liebe Gastgeberin und andere Leser können aufatmen: Für das Buch Liebe und Alltag habe ich unblutige Erzählungen verfasst, diese mit einigen älteren Texten zusammengestellt und dann alles noch einmal überarbeitet. Die Geschichten haben – nomen est omen - irgendwie mit Liebe und Alltag zu tun. Falls also jemandem Gänsehaut und Übelkeit zu blutrünstig war: Womöglich gefällt diese Sammlung eher.
Einen Hinweis will ich jedoch unbedingt loswerden. Sie sollten dieses Buch nicht kaufen, wenn Sie auf der Suche nach Herz-Schmerz-Literatur sind. Hedwig Courts-Mahler gehört nicht zu meinen literarischen Vorbildern.
Zur Sprache kommen die unerhörte, die verdorrte, die verschmähte Liebe, aber durchaus auch die andere, wohltuende, nach der wir uns wohl alle sehnen. Die kommt in diesem Buch natürlich ebenso zu Wort.
Auch die Alltagserlebnisse beschränken sich keineswegs auf die Art, die unsere Mundwinkel unweigerlich nach oben zieht. Solche gibt es auch, allemal, aber ich will nicht verhehlen, dass manches Ereignis von jener Art ist, bei der wir ein Tintenfass nach dem Störenfried werfen, wenn denn eines zur Hand sein sollte.

Ach so: Falls Ihnen Gänsehaut und Übelkeit gefallen hat, sollte dies natürlich kein Hindernis darstellen, sich auch mein neues Buch zu leisten, zumal es etwas preiswerter ist…

Interessiert? Prima!

Liebe und Alltag
16 Erzählungen
ISBN 978-3-8370-8186-2
bod Norderstedt
Paperback, 136 Seiten
€ 9,95 (inkl. MwSt.)

Zum Beispiel und am schnellsten direkt beim Verlag: Liebe und Alltag
Ohne Versandkosten, dafür etwas langsamer bei Amazon: Liebe und Alltag

Sonntag, 18. Januar 2009

John Grisham: Playing for Pizza

Ich verstehe weder die Regeln noch die Faszination des American Football. Mir ist nicht klar, was ein Quarterback zu tun hat. Ich begreife nicht, was gemeint ist, wenn ich lese:
They huddled, and Rick called, "Twenty-six smash." They headed for the line. In an I formation, with Franco four yards behind him at fullback and Sly seven yards deep, Rick quickly scanned the defense and saw nothing that worried him. ... By halftime, he had two more touchdowns, and the Panthers were up 28-14.
Dennoch habe ich das Buch, in dem solche Passagen nicht ausbleiben können, da es um einen Football-Spieler geht, mit Vergnügen gelesen.

»Playing for Pizza« ist bereits einige Jahre alt, aber ich hatte lange gezögert, ob ich es überhaupt lesen will. Jeder Autor darf sich ja ein ganz und gar schlechtes (=langweiliges) Buch leisten, und das hatte der von mir ansonsten sehr geschätzte John Grisham mit »Bleachers« bereits erledigt. In jenem uninspirierten und faden Werk ging es um Football. Daher wohl meine Berührungsängste...
Nun waren wir kürzlich im Urlaub, meine Lektüre ging zur Neige und in einem tschechischen Buchladen wurde in einer kleinen Regalnische mit englischsprachigen Büchern auch »Playing for Pizza« feilgeboten. So kam das Buch, das ich bisher gemieden hatte, doch noch in meine Hand. Ich habe es nicht bereut!

Dieser Roman ist eine Liebeserklärung an Italien. Es gib kaum spektakuläre Szenen, keine Morde geschehen, keine juristischen Gemeinheiten finden statt. Statt dessen nimmt uns John Grisham mit in die Oper, ins Restaurant, in die Trattoria, in Museen und Kirchen, kleine Dörfer und größere Städte.
Rick Dockery, der womöglich miserabelste Football-Quarterback (was immer ein Quarterback auch sein mag) Amerikas findet keinen Job mehr in seiner Heimat. Kein Verein will ihn haben. So landet er in Europa, in Italien, in Parma. Dort gibt es nicht nur den besten Schinken der Welt, den besten Parmesan und den besten Wein, wie ihm die Einheimischen immer wieder versichern. Es gibt auch einen Football-Club, die Panthers of Parma. Und diese Mannschaft hat unseren Helden aus Amerika angeheuert, mehr oder weniger für Unterkunft, Miniaturauto und - libris nomen est omen - Pizza.
They stepped inside, and whatever Carlo was preparing back in the kitchen hit them hard. The aroma of garlic and rich meat sauces and frying pork hung like smoke over the front room, and Rick was ready to eat. ... "Next", he said, pointing to the first loop, "is the world-famous prosciutto. You say Parma ham. Made only here, from special pigs raised on barley oats and the milk left over from making the parmigiano. ... For someone who still enjoyed McDonald's, the tastes were astounding. The flavors coated every taste bud in his mouth and made him chew as slowly as possible.
Mir hat dieser »italienische Grisham« vie Spaß gemacht, auch wenn ich, wie gesagt, die Passagen mit den Beschreibungen der jeweiligen Situationen während der Football-Spiele nicht verstanden habe. Immerhin bekam ich mit, wer am Schluss des Spieles gewonnen und wer verloren hat. Das reicht auch völlig, um den Roman genießen zu können.

Mein Fazit: Nicht Grishams bestes Buch, aber lesenswert, weil kurzweilig und amüsant. Man erwarte keinen Thriller, sonst ist die Enttäuschung unausweichlich. Man erwarte vielmehr die Begegnung mit liebenswert-schrulligen Charakteren und die Irrungen und Wirrungen, die durch den Zusammenprall von europäischer Kultur und amerikanischer Ahnungslosigkeit unausweichlich kommen müssen.

Zu finden unter anderem hier bei Amazon: Playing For Pizza: A Novel


P.S.: Gelesen habe ich das Original, kann daher zur deutschen Übersetzung nichts anmerken.
P.P.S.: Morgen ist hier, aus gegebenem Anlass, von einem anderen Buch, selbiges wurde unlängst in deutscher Sprache verfasst, die Rede.

Samstag, 17. Januar 2009

Nothing. Nichts. Zero. Nada. Zip. Zilch. Rien.


Die »Theme Time Radio Hour« gibt es wöchentlich. Gelegentlich weise ich hier auf eine Episode hin, die mir besonders gut gefällt. Die neueste mit dem Thema »Nothing« ist eine solche.

Ein gut gelaunter und gut informierter Gastgeber und eine abwechslungsreiche Musikauswahl zusammen mit einer witzigen sogenannten E-Mail und einem schräg gefälschten Anruf unterhalten wieder mal prächtig. Grauenhaft ist nur ein Lied, aber vielleicht gefällt gerade das jemand anderem besonders gut. Geschmäcker sind und bleiben verschieden, und das ist auch gut so.

Ellen Barkin beginnt mit einem netten Vierzeiler, dann bringt Bob Dylan zu Gehör:
  • Nuttin' But A "G" Thang - Dr. Dre Featuring Snoop Dogg (im Hintergrund)
  • Nothing - The Fugs (das ist der grausige Song!)
  • Don't Say Nothin' Bad About My Baby - The Cookies
  • There Is Nothin' Like A Dame - Sammy Davis Jr.
  • Sweet Nothin's - Brenda Lee
  • I Got Plenty O' Nuttin' - Frank Sinatra
  • It's Nothing To Me - Harry Johnson
  • Nothing But The Wheel - Peter Wolf (mit Mick Jagger)
  • No Love, No Nothin' - Marlene Dietrich (Herr Dylan spricht sie »Dietrik« aus)
  • Nothing Takes The Place Of You - Toussaint McCall
  • I Ain't Got Nothing But The Blues - Mose Allison
  • That Ain't Nothin' But Right - Mac Curtis
  • You Ain't Nothin' But Fine - Rockin' Sidney
  • Nothing - Townes Van Zandt
Nächste Woche geht es statt um »Nothing« dann um »Something«. Schaun mer mol. So, nun der Link zum Download bei Croz:

Theme Time Radio Hour - Saison 3 - Folge 12 - Nothing

Donnerstag, 15. Januar 2009

Include Africa!

Im Frühjahr werden sich in Großbritannien die Regierungschefs der größten 20 Industriestaaten treffen, um über weltweite Finanzsysteme zu diskutieren und einen Weg aus der Krise der Finanzmärkte zu suchen.

Als Gastgeber des Gipfeltreffens könnte Premierminister Gordon Brown einen Vertreter der Afrikanischen Union einladen und somit dafür sorgen, dass auch eine Stimme vor Ort ist, die für die ärmsten Nationen der Welt spricht, damit deren Sorgen und Probleme bei allen Diskussionen über Finanzmärkte und Schuldenabbau überhaupt zur Sprache kommen.

Bisher ist diese Einladung an einen Vertreter Afrikas noch nicht ausgesprochen worden. Unser Ziel als ONE ist es, 30.000 Unterschriften unter diesen Text zu sammeln:

»Dear Prime Minister Gordon Brown, please include a representative of the African Union at the upcoming G20 summit.«
(Sehr geehrter Premierminister Gordon Brown, bitte laden Sie einen Repräsentanten der Afrikanischen Union zum kommenden G20 Gipfeltreffen ein.)

Hier kann man unterschreiben:

Please include Africa!

Probably


Mittwoch, 14. Januar 2009

Missionarisch oder Missional?

Einige Gedanken zum Unterschied habe ich in einem Aufsatz beschrieben, der, da etwas länger geraten, auf meinem textlastigen Blog zu finden ist: Missionarisch oder Missional? Der kleine gewaltige Unterschied

Kommentare bevorzugt dort, nicht hier, damit sie auch beim zugehörigen Text stehen...

Dienstag, 13. Januar 2009

Suizid - eine problematische Diskussion

Ein Problem wird nicht dadurch geringer, dass man es tabuisiert oder ignoriert, das ist eine Binsenweisheit. Dennoch sind Wortmeldungen zum Thema Selbstmord eher selten, und seitens der »christlichen« Medien war recht wenig über einen spektakulären Fall in jüngster Zeit zu lesen. Lediglich bei Jesus.de fiel mir ein Beitrag auf: Das schwierige Verhältnis von Christen zum Freitod

Selten sehe ich die Talkshow der ARD nach dem »Tatort« bis zum Ende an, doch die letzte Sendung hielt mich bis zu letzten Minute fest. Anne Will hatte, anlässlich des Todes von Adolf Merckle, Gesprächspartner eingeladen, die sehr gegensätzliche Sichtweisen zum Thema mitbrachten: Katrin Göring-Eckardt, evangelische Theologin und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Roger Kusch, Jurist und Sterbehelfer für 8.000 Euro pro Suizid, Walter Mixa, Bischof von Augsburg, und zwei Betroffene: Oswald Kolle, der seine unheilbar kranke Frau bei der vorher geplanten Selbsttötung begleitet hat sowie Marion Weidner, deren Sohn ohne ersichtlichen Grund und ohne Ankündigung freiwillig aus dem Leben schied.

Nun war der Unternehmer Adolf Merckle bekennender Christ, und insofern konnte keiner der kirchlichen Teilnehmer so einfach behaupten, dass der Selbstmord nicht stattgefunden hätte, wenn der Verzweifelte die Hoffnung des Glaubens gekannt hätte. Das hat - Gott sei Dank - auch niemand unternommen.
Es war eine Sendung, bei der trotz der konträren Auffassungen zum Thema die Betroffenheit im Vordergrund stand. Lediglich der Sterbehelfer Kusch wirkte auf mich eher unbeteiligt und »abgebrüht«, womöglich hatte er aber auch nur die Maske des Unberührten aufgesetzt?

»Man muss feststellen, dass es in unserer Gesellschaft nicht dazugehört, dass man auch mal scheitern kann. Egal, ob man Unternehmer ist, ob man Politikerin ist, es ist einfach nicht vorgesehen, dass man scheitert. Es geht immer nur darum, Karriere zu machen, es besser zu machen, schöner zu sein und so weiter«, sagte Frau Göring-Eckhardt und sprach damit ein grundsätzliches Problem unserer Gesellschaft an. In Amerika ist das tatsächlich anders. Da kann jemand scheitern, den Scherbenhaufen zusammenkehren und von vorne anfangen - um wichtige Erfahrungen reicher. Natürlich hat das nun gar nichts mit unheilbaren und qualvollen Erkrankungen zu tun.
Herr Mixa erzählte von Erfahrungen mit Sterbenskranken: »Ich bin mit vielen solchen Menschen ganz positiv und dankbarst umgegangen, und kann sagen, nicht durch mich, sondern wirklich durch die Hilfe und Liebe Gottes, sind die dann in ein menschenwürdiges Sterben, in ein Abschiednehmen von dieser Erde hineingegangen.« Obwohl Herr Mixa Selbstmord für Sünde hält, war kein verurteilendes Wort von ihm zu hören. Warum auch. Wer von uns allen ohne Sünde ist, der darf getrost den ersten Stein werfen.
Herr Kusch dagegen hielt nicht viel von den Gedanken an Gott: »Auch die Gnade des Herrn führt nicht dazu, dass ein Multiple-Sklerose-Kranker plötzlich wieder beide Hände benützen kann.« Damit hat er zwar grundsätzlich Unrecht, denn die Gnade des Herrn führt auch zur Heilung unheilbar Kranker, aber zumindest sei ihm zugestanden, dass dies (leider) nicht der Normalfall ist. Dass von den fünf im letzten Jahr mit seiner Hilfe durchgeführten Selbstmorden lediglich ein einziger aufgrund unheilbarer Krankheit stattfand, darüber wollte Herr Kusch nicht reden.

Die beiden familiär Betroffenen, Herr Kolle und Frau Weidner, berichteten von ihrem Erleben und es wurde sehr deutlich, wie tief die Erschütterung der überlebenden Familienangehörigen geht, wenn jemand sich das Leben nimmt - ganz gleich ob aus heiterem Himmel wie der Sohn oder geplant und vorbereitet wie die Ehefrau. Ich wurde beim Zuhören an meine eigene Verfassung erinnert, als ein Mitschüler Selbstmord begangen hatte, und das war »nur« ein Mitschüler, kein Verwandter...

Am Ende der Sendung gab es keine endgültigen Antworten, aber das war und ist auch nicht zu erwarten bei diesem schwierigen Thema. Es gab eine Menge Gedankenanstöße, auch die »gegnerische« Sichtweise anzuhören und zuzugestehen, dass es für und wider Suizid Argumente gibt, die nicht vom Tisch zu wischen sind.

Die Sendung kann man hier im Internet sehen: Anne Will - Wer hat das Recht, Leben zu beenden?

Foto von AnneWill.de

Montag, 12. Januar 2009

Kleinkunst

Man nehme, so man hat:

- einige kreative Menschen
- einen Filzstift (wischfest)
- eine Schale mit Pistatien (ungeschält, gesalzen).

Man füge eher belanglose Gesprächsthemen hinzu.

Man lasse die Zutaten eine Weile auf einander einwirken.

Das Ergebnis (aufgefunden am vorigen Samstag gegen 22:00 Uhr):

Samstag, 10. Januar 2009

Paul Auster: Man in the Dark

I am alone in the dark, turning the world around in my head as I struggle through another bout of insomnia, another white night in the great American wilderness.
Paul Auster erzählt in diesem Buch zwei Versionen Amerikas. Das eine ist das uns vertraute, im Krieg mit dem Irak befindliche. Im anderen Amerika steht das World Trade Center noch, aber auch dort wird gekämpft und gestorben: Die Föderalisten unter George W. Bush führen einen blutigen Bürgerkrieg gegen unabhängige Bundesstaaten. Owen Brick, unversehens vom uns geläufigen Amerika in jenes andere geraten, soll nun wiederum im vertrauten Amerika den ihm gänzlich unbekannten Urheber des Bösen umbringen, damit das Grauen des Krieges ein Ende hat.

Klingt kompliziert? Ja. Das macht neben Paul Austers gewohnt hervorragender Ausdrucksfähigkeit den Reiz dieses Romans aus. Der Leser braucht eine Weile, um sich in diesen Welten zurecht zu finden und wird immer wieder aufs Glatteis geführt, etwas für wahr zu halten, was sich jedoch nur der titelgebende, an Insomnia leidende, vom Tod der Ehefrau schwer Geschlagene ausdenkt. Ausdenken muss, denn wie könnte und warum sollte er seinen Gedanken Zügel anlegen?
No, I haven't forgotten. The cough sent me spinning into another zone, but I'm back now, and Brick is still with me. Through thick and thin, in spite of that dismal excursion into the past, but how to stop the mind from charging off wherever it wants to go? The mind has a mind of its own.
Der Gedanke, der dem Roman zugrunde liegt, ist nicht neu. Er ist so alt wie die Literatur. Es ist das Spiel mit der parallelen Existenz, den unendlich vielen Ebenen:
There's no single reality, Corporal. There are many realities. There's no single world. There are many worlds, and they all run parallel to one another, worlds and anti-worlds, and each world is dreamed or imagined or written by someone in another world. Each world is the creation of mind.
Diese Welten zu vermischen, ineinander fließen zu lassen, das habe ich in meinen Erzählungen auch schon häufig - mehr oder weniger gelungen - unternommen. Paul Auster vermag es makellos und billant. Sein Buch fesselt von den ersten Sätzen bis zum Schluss:
Yes, Dad, she says, studying her daughter with a worried look in her eyes, the weird world rolls on.
Mein Fazit: Uneingeschränkt lesenswert. Ein gänzlich gelungener Roman, der keinen Augenblick langweilt. Hervorragend erzählt, originell und beängstigend, weil der Leser womöglich die »worried eyes« der Tochter beim Blick in den Spiegel an sich selbst entdecken wird. Die Welt ist »weird« und Paul Auster macht uns meisterhaft darauf aufmerksam, dass wir mitten in ihr leben.
Lediglich das Fehlen von Anführungszeichen bei wörtlicher Rede irritiert und stört den Lesefluss recht erheblich. Ich hoffe, dass dies nicht zum Normalfall in der Literatur wird...

Das Buch gibt es zum Beispiel hier bei Amazon: Man in the Dark






Meine treuen Blogbesucher runzeln die Stirn und murmeln: »Und nun? Da fehlt doch noch ein Satz?«

Genau. Hier kommt er: Inwieweit die deutsche Übersetzung gelungen ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich das Original gelesen habe.

Na also.

Freitag, 9. Januar 2009

Donnerstag, 8. Januar 2009

Der Fußball und der Wille Gottes

Ich wurde gebeten, gestern den Hausbibelkreis zu leiten. Spontan kam mir die Idee, etwas zu dieser merkwürdigen Aufforderung zu sagen:
Denn wahrlich, ich sage euch, wenn jemand zu diesem Berge spräche: Hebe dich und wirf dich ins Meer, und in seinem Herzen nicht zweifelte, sondern glaubte, dass das, was er sagt, geschieht, so wird es ihm zuteil werden.
Ich habe dann bei der Vorbereitung einen älteren Artikel von Haso noch einmal gelesen, den ich meinen geschätzten Blobbesuchern gerne ans Herz legen möchte. Darin wird anhand des Fußballs anschaulich (auch für mich als Laien in Sachen Sport) erklärt, warum wir unter anderem nicht für Kranke beten, sondern sie heilen sollen. Weil wir nämlich keine Spieler in der Mannschaft, sondern Schiedsrichter sind.

Ein Ausschnitt:
Wenn du vor einem Berg stehst, so wie Jesus das sagt, und du erklärst: „Lieber Berg, du störst mich schon lange, ich weiß, dass es dir im Meer vielleicht nicht so gut gefällt, aber irgendwie ist die Aussicht für mich besser, wenn du jetzt verschwindest, natürlich weiß ich nicht, ob es irgend einen unerforschlichen Ratschluss gibt, warum du doch gut bist für mich, aber, vielleicht, ich meine, wenn es dir gefällt, geh doch ins Meer.“ - dann ist der Berg am Ende ganz verwirrt. Er bleibt einfach stehen, wo er ist, weil er aus dir nicht schlau geworden ist.

Anders ist es so: „Ab ins Meer!“ - da weiß der Berg, was er zu tun hat und hebt sich ins Meer. Klare und verständliche Kommandos. Fürchte dich doch nicht, Autorität zu haben. Fürchte dich doch nicht, im Namen Jesu in einer Situation zu handeln, wenn du den Willen des Herrn erforscht hast.
Nun könnte die Frage auftauchen: Darf ich entscheiden, was ich will in meinem Leben?

Ja.

Einige wittern schon den Haken, aber zunächst ist die Antwort einfach Ja. Und zwar, weil Jesus das gesagt hat: „Ihr werdet bitten, was ihr wollt - und es wird euch widerfahren.“
Hier geht es zum Text:

Mittwoch, 7. Januar 2009

Moderne Psalmen 5: Wyclef Jean

Man hat so seine Lieblings-CDs und Schallplatten. Mir jedenfalls geht es so. Das sind solche, die auch nach Jahren regelmäßig immer wieder in Ruhe genossen werden.
Zu meinen bevorzugten Schätzen der Musiksammlung gehört »The Preacher's Son« von Wyclef Jean, seit Herbst 2003 in meinem Regal. In dem Song »Grateful« macht sich Wyclef Jean Gedanken über das, wovor er bewahrt wurde und darüber, was hätte sein können, wenn die Bewahrung nicht stattgefunden hätte. Als Jugendlicher durchaus auf der schiefen Bahn, hat er dann - nicht zuletzt durch die Arbeit mit den Fugees - die Kurve gekriegt. Er sinniert darüber:
Vielleicht lag es an meiner Mutter, oder auch meinem Vater,
womöglich meiner Schwester, wahrscheinlich meinem Bruder.
Vielleicht war es die Kirche, es können auch die Straßen gewesen sein,
könnte sein, es war die Gitarre, oder die Jerry Wonder Beats.
Lag es am Geld, als ich keinen Pfennig hatte?
War es ein Ausweg, bevor ich kriminell wurde?
Es könnte Lauryn gewesen sein, vielleicht war es Pras -
wahrscheinlich der Blick in den Spiegel, aus dem mich tote Augen anschauten.
Womöglich war es Reggae, oder die Liebe zum Hip-Hop,
vielleicht meine Fans beim Konzert, die riefen »Hör nicht auf!«
Wahrscheinlich war es der Kampf, den alle Flüchtlinge erleben,
vielleicht auch die Werbung mit den Diamanten: bling bling ching ching, ring ring...
Meine Frau ruft an, vielleicht sollte ich nach Hause gehen,
aber die Musik lässt mich nicht los.
Vielleicht ist es alles, was ich weiß, zusammen. Was auch immer die Ursache war,
ich bin dankbar für das, was ich sein darf:
Ein Mann mit Gitarre, ein Typ von der Straße
ein Kerl mit einem Lied, ein Flüchtlings-MC
Wyclef Jean, ein lebenslanger Fugee,
Sohn eines Pastors, der erste, der sich aus dem Staub macht.
Ich bin dankbar, dass ich nicht erschossen wurde,
von der Polizei angehalten, aber sie fanden die Glock nicht,
W-Y-C-L-E-F, ich bin dankbar!

Ein Drogenteufel hätte mich gnadenlos töten können,
aber der Herr, der allmächtige Gott, hatte Erbarmen mit meiner Seele.
Es hätte wie bei Pablo sein können, dem König des Yayo,
oder ein hinkender Zuhälter, der schreit: »Ich mag keine solchen Typen!« und schießt. O nein!
Gott weiß warum, vielleicht wurde ich erwählt,
als Quelle der Inspiration für die nächste Generation?
Vielleicht ist es alles, was ich weiß, zusammen. Was auch immer die Ursache war,
ich bin dankbar für das, was ich sein darf:
Ein Mann mit Gitarre, ein Typ von der Straße
ein Kerl mit einem Lied, ein Flüchtlings-MC
Wyclef Jean, ein lebenslanger Fugee,
Sohn eines Pastors, der erste, der sich aus dem Staub macht.
Ich bin dankbar, dass ich nicht erschossen wurde,
von der Polizei angehalten, aber sie fanden die Glock nicht,
W-Y-C-L-E-F, ich bin dankbar!

Du kannst es schaffen, wie ich es geschafft habe!
Lass dir von niemandem etwas anderes einreden.
Wenn eine Tür sich schließt, ist eine andere offen,
viele wurden berufen, aber mein Volk ist auserwählt!
Vielleicht sollten wir alle immer wieder mal innehalten und uns Gedanken darüber machen, dass wir doch viel Grund zur Dankbarkeit haben...

Hier gibt es das Lied auf YouTube, von einer Malerin gestaltet:

Dienstag, 6. Januar 2009

Ja ja, der Alltag...

...ist wieder eingekehrt. Im Büro haben etliche Berge von Akten und Unterlagen geduldig auf meine Rückkehr aus dem Urlaub gewartet, wie nicht anders zu erwarten. Etliche Mitarbeiter beschwerten sich bei mir, dass sie nun mehr Geld für die Krankenversicherung bezahlen müssen - dabei geht es mir ja genauso.
Ich dachte immer, Einheitsbeitrag statt freier Wettbewerb wäre eine sozialistische oder kommunistische Eigenart, aber unsere Regierung hat bewiesen, dass sie so was auch ganz gut kann. Mein Beitrag steigt von 12,9 % auf die von oben verordneten 15,5 %.
Was tun? Auswandern? Aushalten? Ausschimpfen? Beim nächsten mal die F.D.P. wählen? Selber Bundeskanzler werden? Hmmm...

Montag, 5. Januar 2009

Dirty cover, good music?

Dass Künstler, auch Musiker, mitunter provozieren wollen, ist nichts Neues. Manchmal paart sich Provokation mit Kunst, manchmal soll sie aber auch über den Mangel an Können hinwegtäuschen.

Vor einigen Wochen ging ein uraltes LP-Cover durch die Medien, 1976 auf den Markt gekommen und mit 32 Jahren Verzögerung Anlass zur Aufregung und Sperrung eines Artikels von Wikipedia in England über die Band »Scorpions«. Nun lässt sich über Geschmack trefflich streiten, sowohl was die Musik, als auch was die Hülle drumherum betrifft. Ein Scorpions-Fan war ich nie, und das Cover (das vierte in der oberen Reihe) hat mich seinerzeit überhaupt nicht gereizt, das Album zu erwerben...


In meinem Plattenschrank ist jedoch durchaus optisch Anstößiges verwahrt, zum Beispiel »Two Virgins« von John Lennon und Yoko Ono, mit züchtig braunem Papierumschlag drum herum. Nimmt man den ab, stehen die beiden unbekleidet im Raum.

Die Musik auf diesem Album ist keine. Gekauft habe ich die Platte damals, weil John Lennon drauf stand und ich meinte, das stünde für gute Musik. Dann habe ich die Platte einmal abgespielt... und damit war das Thema »Unfinished Music« erledigt. Grauenhaft!

Ebenfalls in meinem Schrank: Das legendäre Blind Faith Album mit dem Original-Cover. Das war nicht lange mit diesem Umschlag auf dem Markt, denn es erregte, wohl wegen gewisser Assoziationen mit dem Flugzug, so viel Anstoß, dass die Plattenfirma ein Einsehen hatte und in der Folge die vier Musiker abbildete.
In diesem Fall ist die Musik genial, das Cover wäre als verkaufsförderndes Mittel nicht notwendig gewesen.


Ein Poster in einem Album der Band Queen fand damals, als ich noch jung war, zur großen Entrüstung meiner Mutter, den Weg an meine Zimmerwand. Die so beworbenen Songs »Bicycle Race« und »Fat Bottomed Girls« waren jedenfalls besser als das begleitende Bildmaterial, das im Album verstaut in meinem Plattenregal lagert.


Einige Aufregung gab es auch, als Nirvana mit »Nevermind« auf den Markt kam. Die Musik ist legendär und unerreicht, der Junge auf dem Cover ist inzwischen 18 Jahre alt. Er verdient noch immer prächtig an seiner Ablichtung. Und immerhin hat er Kurt Cobain überlebt...


Die Rolling Stones ließen beim eher mittelmäßigen Album »Sticky Fingers« gar einen echten Reißverschluss verarbeiten. Darunter war übrigens nicht das zu sehen, was manche Mädchen erhofften, obwohl Andy Warhol die Finger im Spiel hatte. Ärgerlich war dieses Cover für mich deshalb, weil, im Regal mit den anderen LPs, das doofe Ding Kratzer auf dem Umschlag der benachbarten LP verursachte. Wie dem auch sei, die Musik war okay, solide Stones-Ware eben.


Manchmal ist also in provokanter Verpackung gute Musik zu finden, manchmal nicht. Nun ja. Aber lohnt es sich, wegen der Abbildung unbekleideter Personen - gleich welchen Alters - Sturm zu laufen? Die Museen und Parks sind voll von Gemälden und Statuen textilfreier Menschen jeglicher Entwicklungsstufe.
Ich meine: Solange Zeitschriften wie »Bravo« an Kinder und Jugendliche verkauft werden dürfen und die zugehörigen Seiten im Internet zugänglich sind, braucht sich niemand über mehr oder weniger freizügige Umschläge von Schallplatten oder CDs aufregen. Zwar sind die Modelle bei »Bravo« und »Dr. Sommer« angeblich alle über 18, aber die Zielgruppe ist es ja nun eindeutig nicht...


P.S.: Fotos WikiCommons, das erste ist ein Screenshot der Scorpions-Seite (vor der Entfernung der inkriminierten Ablichtung), das letzte ist ein Screenshot von der Bravo-Homepage.

Samstag, 3. Januar 2009

Barack Obama: Dreams from My Father

barack Selbst wenn der Autor nicht zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden wäre, hätte ich dieses Buch früher oder später gelesen. Es war der besten aller Ehefrauen aufgefallen und in den Warenkorb gesprungen, als Hillary Clinton noch die wahrscheinlichere Kandidatin war. 1995, als Barack Obama das Buch schrieb, war noch keine Rede davon, dass er das höchste Amt in seinem Land anzustreben würde. Daher kan man ein ehrliches Buch, das nicht mit Rücksicht auf den Wahlkampf irgend etwas weglässt oder hinzufügt, erwarten. Das Buch jedenfalls lag mit anderen noch zu lesenden Werken bereit.

Nun saß ich kurz vor Weihnachten mit vier sehr lieben Menschen in einem sehr grauenhaften Restaurant und wir unterhielten uns auch über Bücher. Zwei der anwesenden hatten das Buch bereits gelesen und erzählten ein wenig... - ich holte es noch vor Weihnachten aus dem Stapel nach weiter oben... - nun bin ich dank der Urlaubszeit recht zügig fertig geworden mit der Lektüre.

Barack Obama erzählt in diesem Buch sein Leben bis zur Hochzeit mit Michelle und rückt dabei so manches gerade, was sich an Vorstellungen über das Leben eines Farbigen in Amerika in meinen Vorstellungen angesammelt hatte. Er erzählt auch von den anderen Stationen seines Lebens, den Begegnungen mit Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen. Seine Sprache ist lebendig und ausdrucksstark, man merkt von den ersten Seiten an, dass hier ein hoch intelligenter Harvard-Absolvent am Werk war. Er flicht kleine Alltagsbegebenheiten mit Ereignissen der großen Politik zusammen, schildert Charaktere in ihrer Verschiedenheit ohne verurteilend zu werden, sucht immer wieder - auch und gerade beim eigenen Scheitern - nach dem Weg, der weiter führt, anstatt aufzugeben.

Mich hat neben der persönlichen und beruflichen Entwicklung Obamas auch interessiert, wie er seinen schwierigen Weg von einem vagen Vermuten, dass es einen Gott geben müsste, zu seiner Begegnung mit Jesus Christus in diesem Buch schildert. Auch dieser Aspekt seines Suchens und Findens wirkt auf mich ganz und gar ehrlich (womöglich waren seine Wahlkampfmanager nicht so glücklich mit diesen Passagen des Buches).

Sein soziales Engagement bringt Barack Obama zwangsläufig zur Zusammenarbeit mit Kirchen ganz verschiedener Prägung, denn in Amerika ist es noch so, dass sich die Gläubigen der christlichen Kirchen in erster Linie um die Nöte ihrer Mitmenschen kümmern, statt dies - wie bei uns - dem Staat zu überlassen. Obama schildert sich dabei als jemanden, der durchaus aufgeschlossen für die Christen ist, aber... - it seemed that I always argued too much with God. Gar nicht der schlechteste Ausgangspunkt, finde ich.

Je länger er mit Christen zu tun hat, desto mehr erlebt und begreift er, dass ihr Handeln, ihre Nächstenliebe, auf einer lebendigen Beziehung zu ihrem Gott gegründet ist und dass sie daraus die Kraft schöpfen, nie aufzugeben, obwohl es meist um die Nöte anderer geht (und nicht so sehr die eigenen). Obama beginnt zu spüren, dass ihm etwas fehlt. Und schließlich landet er in einem Gottesdienst, der zu einer Begegnung mit Gott wird, die mich sehr an eigenes Erleben vor vielen Jahren erinnert hat.

...I stuffed myself between a plump older woman who failed to scoot over and a young family of four, the father already sweating in his coarse woolen jacket, the mother telling the two young boys beside her to stop kicking each other.
"Where is God?" I overheard the toddler say.
"Shut up!" the older boy replied.
"Both of you settle down right now," the mother said.
...
Then the choir filed down the aisle...
I'm so glad, Jesus lifted me,
I'm so glad, Jesus lifted me,
I'm so glad, Jesus lifted me,
Singing Glory, Hallelujah, Jesus lifted me!

So beginnt der Bericht über diesen Gottesdienst. Und so endet er:

As the choir lifted back up into a song, as the congregation began to applaud those who were walking to the altar to accept Reverend Wright's call, I felt a light touch on the top of my hand. I looked down to see the older of the two boys sitting beside me, his face slightly apprehensive as he handed me a pocket tissue. Beside him, his mother glanced at me with a faint smile before turning back toward the altar. It was only as I thanked the boy that I felt the tears running down my cheeks.
"Oh Jesus," I heard the older woman beside me whisper softly. "Thank you for carrying us this far."

Die fünf Seiten, in denen Barack Obama diesen Gottesdienst, die Predigt und das, was in ihm geschieht, schildert, haben mich von den 440 Seiten am tiefsten berührt. Doch auch die übrigen 435 Seiten lohnen die Lektüre. Unbedingt.

Mein Fazit: Eine lesenswerte Autobiographie nicht nur für Menschen, die an Politik oder Rassenfragen interessiert sind, sondern schon aufgrund der sprachlichen und erzählerischen Fähigkeiten Barack Obamas ein Lesegenuss. Keine leichte Lektüre so nebenbei, aber um so lohnender, wenn man sich darauf einlässt.

Ach ja, meine treuen Leser wissen schon, was jetzt noch als Nachsatz kommt: Inwieweit die deutsche Übersetzung gelungen ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich das Original gelesen habe.

Freitag, 2. Januar 2009

Josef und ich


Vorgestern habe ich bei Freunden meinen Hut vergessen, also musste ich angesichts der böhmischen Kälte bei anderen Freunden gestern eine Mütze (lila! mit Männchen drauf!) ausleihen, ein Hut stand nicht zur Verfügung und alle Geschäfte hatten zu (Neujahr, was soll man da machen). Nun ja, hier kennt mich ja niemand, vorsichtshalber habe ich mich mit Sonnenbrille zusätzlich unkenntlich gemacht, und das Bild mit meinem Kumpel Josef Nummer 2, der hierzulande (also in Böhmen) die Leibeigenschaft abgeschafft hat (bravo, Josef!), wird nie jemand zu sehen bekommen. Ich müsste mich ja sonst schämen...
Morgen hat an dieser Stelle Herr Obama das Wort, mehr oder weniger. Und wer wissen möchte, was 2009 wirklich bringt, sollte mal bei Toby nachlesen, und zwar hier.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Ehrengäste

Wunderschön. Wir saßen in der ersten Reihe mit direktem Blickkontakt zu den Musikern beim Neujahrskonzert in der Philharmonie in Budweis.

Der Solist, Svatopluk Sem, kam während eines Beitrages, der Arie des Figaro von Giacchino Rossini, von der Bühne zu uns herab, um der besten aller Ehefrauen mit einem Handkuss zu versichern, dass sie la bella signorina sei. Dann gab er mir charmant die Hand und pries mich als ihren ehrenwerten cavlier. Tat es und begab sich wieder auf die Bühne, wo so ein Sänger ja eigentlich auch hingehört. Nun gut, abgesehen von diesem etwas peinlichen Moment, wo tausende Augen auf uns gerichtet waren, haben wir die Musik der südböhmischen Philharmonie ungerstört genossen. Mozart, Rossini, Dvorak, Strauss und Lehar hauptsächlich.

Da Kameras verboten waren, müssen meine geneigten Leser (so wie auch wir selbst) mit einer Ablichtung der Eintrittskarten, des Programms und der vom Direktor der Philharmonie persönlich unterzeichneten Grußkarten zum neuen Jahr vorlieb nehmen:

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Nun sind wir wieder im Hotel und die Musik klingt noch in der Seele nach. Klassische Musik ist und bleibt etwas sehr wohltuendes.

Morgen gibt es hier ein peinliches Bild von mir. Pssst! Nicht weitersagen! Das soll keiner sehen! Günter Jott mit Strickmütze... - da hört sich doch alles auf.

Gute Nacht!

2009

Beim Spaziergang in der Abenddämmerung in Pisek (49 Kilometer von hier - hier ist immer noch Budweis) kam mir dieses Motiv vor die Linse. Es erinnert mich daran, dass auch 2009 gilt: Der Löwe von Juda hat die alte Schlange längst besiegt!

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Ich wünsche allen meinen Lesern von Herzen, dass sie das im Jahr 2009 häufig erleben werden.