Donnerstag, 23. Juli 2009
Endzeit: Weltuntergang verschoben!
Mittwoch, 22. Juli 2009
Ein moralisches Angebot
So etwas wie moralische oder unmoralische Bücher gibt es nicht. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts. -Oscar WildeWenn Herr Wilde mit diesem Zitat der Wahrheit nicht zuwiderredet, kann ich ja ohne moralische Bedenken mal wieder meine Blogbesucher daran erinnern, dass es auch Bücher - das sind diese altmodischen, überwiegend aus Papier und Druckerschwärze beziehungsweise Toner bestehenden Gegenstände, deren einzelne Seiten man umblättern und deren gesamten Inhalt man ohne Scrollrad so nach und nach betrachten kann - aus meiner virtuellen Feder gibt.
Ich spendiere also hiermit eine (neben »Linda«) weitere Leseprobe aus »Liebe und Alltag«. Nicht ohne Hintergedanken jedoch, denn dies ist nur einer von zwei Zwillingen. Es gibt da im Buch auch noch die kleine Erzählung »Das erste Mal allein mit Jakob«, die durchaus mit dieser hier im Zusammenhang steht. Vielleicht will ja jemand auch Tinas Sicht der Dinge kennenlernen und kauft das Buch?
Schluss mit der Vorrede. Jetzt hat Jakob das Wort:
Das erste Mal allein mit Tina
Tinas Eltern, so erzählte sie am Telefon, würden für eine Woche nach Amerika fliegen, um ihren Hochzeitstag zu feiern. Am Freitag, früh am Morgen. Ob ich denn Lust hätte, nach der Schule zu ihr zu kommen. Das Wort Lust betonte sie besonders, oder bildete ich mir das ein? Sie schien aufgeregt und mindestens so nervös wie ich. Ihre Tante konnte erst am Abend aus München anreisen, um dann auf Tina »aufzupassen«.
Lust, wer hat sie nicht, wenn er 17 Jahre alt und ein normaler Junge ist? Tina und ich gingen miteinander, wie man das so nannte, wenn aus allgemeiner Freundschaft etwas wurde, wofür man noch nicht so recht die richtigen Worte fand. Wir gingen miteinander, und zwar Hand in Hand zur Schule und zurück nach Hause, auch mal ins Kino, ins Café. Andere Freunde störten eher, seit wir miteinander gingen. Dann trauten wir uns nicht, die Lippen aufeinander zu legen, unbeholfen Arm um Hüfte zu schmiegen.
Allein mit Tina, die Aussicht war verlockend und beängstigend zugleich. Bei mir zu Hause konnten jeden Augenblick Geschwister ins Zimmer platzen, denn abzuschließen war verboten. Natürlich befühlten wir einander, ließen unsere Hände auch unter Kleidungsstücke wandern, aber die Klamotten ablegen war nicht drin.
Bei ihr zu Hause gab es keinen nervenden kleinen Bruder, keine neunmalkluge große Schwester, und wenn ihre Eltern nach Amerika flogen...Was tut man eigentlich mit einem Mädchen, mit dem Mädchen, wenn man ein paar Stunden ungestört ist? Ich konnte mir vieles ausmalen, aber nur eines vorstellen.
»Wir sind ganz ungestört«, sagte sie, »ich meine wirklich ungestört. Hast du Lust?«
»Na klar! Ich muss nur noch meinen Eltern eine Erklärung liefern, warum ich von der Schule nicht nach Hause komme.«
»Wie wäre es denn damit: Du kommst zu mir, damit wir für die Klausur am Montag lernen können.«
Am Montag stand tatsächlich eine Klassenarbeit an. In Biologie. Mit dem wunderbaren Thema Bildung haploider, genetisch unterschiedlicher Keimzellen für geschlechtliche Fortpflanzung als eine Ursache für Ungleichheit innerhalb der Art.
»Gute Idee. Wir lernen für die Klausur«, sagte ich und dachte daran, dass wir die geschlechtliche Fortpflanzung, haploide Zellen hin oder her, einstweilen unbedingt verhindern mussten. Tina nahm sicher nicht die Pille, also sollte ich wohl besser Kondome besorgen.
Der Freitag war ein kurzer Schultag mit nur fünf Stunden. Ich hatte morgens schon leichte Bauchschmerzen, von der Art, die mich bei Nervosität regelmäßig heimsuchte. Was würde nach der Schule geschehen? Ich duschte, nachdem ich den Druck der morgendlichen Erektion mit ein paar Handbewegungen entladen hatte, ausgiebig. Ein paar Tropfen Rasierwasser, dann frische Unterwäsche. Boxershorts oder Slip? Ich hatte keine Ahnung, was besser war. Schließlich nahm ich die Boxershorts, weil sie nicht so deutliche Konturen erkennen ließen. Oder wäre gerade das verlockender? Was würde Tina besser gefallen? Ein Blick auf die Uhr - höchste Zeit. Also Boxershorts, kurzentschlossen.
Beim Anziehen richtete sich der eigensinnige kleine Freund schon wieder auf, aber es blieb nun keine Zeit mehr. Vermutlich würde er, wenn es darauf ankam, völlig unbeteiligt schlafen wollen. Er machte sowieso meist, was er wollte. Beim Duschen nach dem Sport reckte er sich peinlich in die Höhe, und neulich, als ich Langeweile und Zeit hatte, wollte er sich nicht erheben.
Wie gut hatten es doch die Mädchen, dachte ich, die konnten unbekümmert über die Beulen in unseren Jeans bei den unmöglichsten Gelegenheiten kichern.
Tina hatte aufgeräumt, ihr Zimmer duftete nach Parfüm und sie hatte die Heizung aufgedreht, so dass ich gezwungen war, den Pullover sofort abzulegen, während sie Cola und zwei Gläser aus der Küche holte. Ich fuhr zum hundertsten Mal mit den Fingern in die Jeanstasche, um zu überprüfen, ob ich die Kondome wirklich bei mir hatte. Drei Stück, um auf der sicheren Seite zu sein.
Tina stellte das Tablett auf ihren Schreibtisch und nahm mich in die Arme. »Endlich allein.«
Mir fiel nichts ein, was als Antwort gepasst hätte.
Tina grinste und zog mich mit sanfter Gewalt an sich. »In deiner Hose scheint es ziemlich eng zu sein«, meinte sie und unsere Lippen verschmolzen. Mein Bauchschmerz ließ nicht nach. Was tut man jetzt, fragte ich mich, wie geht es weiter? Ihre Bemerkung deutete in die gewünschte Richtung. Aber was antwortet man auf so etwas? Und wie fängt man jetzt an? Wer fängt jetzt an? Mein Magen...
Wir setzen uns auf ihr Bett. Ein Schluck Cola konnte gegen die Ratlosigkeit nicht helfen, aber immerhin gewann ich Zeit. Tina verschwand in Richtung Toilette. Ich überprüfte, ob die Kondome noch in meiner Tasche steckten. Natürlich steckten sie, wo sollten sich auch in den letzten zwei Minuten hingekommen sein. Ich hatte zu Hause ausprobiert, wie man mit diesen Dingern umgehen musste. Aber jetzt zitterten meine Hände, waren feucht. Und überhaupt, mein Bauch rumorte ziemlich unangenehm. Schweißperlen auf der Stirn hatte ich auch.
Als Tina ins Zimmer kam, umgab sie eine frische Wolke Duft.
»Hmmm, ich glaube ich müsste auch mal...«, sagte ich und ging ins Bad. Ich musste zwar, aber natürlich konnte ich nicht, denn da gab es, wie ich aus peinlicher Erfahrung wusste, ziemliche Probleme mit dem Zielen, solange die Schwellkörper mit Blut vollgepumpt waren. Auch diesbezüglich hatten es die Mädchen wohl leichter.
Ein leichtes Würgen. Wenn ich mich übergeben musste, dann lieber jetzt und hier, als in ihrem Bett. Aber so schlimm war es doch nicht. Ich wusch mir die Hände, trocknete die Stirn mit dem Gästehandtuch. Mein T-Shirt zeigte Schweißflecken, aber da war nun nichts zu ändern.
Ein letzter verzweifelter Blick in den Spiegel, dann zurück in Tinas Zimmer. Sie hatte sich auf ihrem Bett ausgestreckt. Ich setzte mich an den Rand. Am besten, fiel mir ein, ist immer noch die Ehrlichkeit.
»Tina, ich habe keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht. Ich bin nervös und mir ist etwas übel.«
Sie zog mich neben sich auf das Bett und meinte: »Dann geht es uns beiden ja genau gleich.«
»Ehrlich?«
»Ja. Ich habe alles vergessen, was mir meine Freundinnen geraten haben.«
»Okay. Und ich habe alles vergessen, was ich vorher gelesen habe.«
Sie strich mir sanft über die schon wieder feuchte Stirn. Ich legte meine Hand unsicher auf ihre Schulter. Unsere Lippen trafen sich.
»Wir müssen gar nichts, können auch einfach hier liegen und träumen«, schlug sie vor.»Einverstanden«, sagte ich, »das machen wir.«
Der Druck in meinem Magen ließ nach.
Und dann ergab sich alles, ganz ohne Verkrampfung und Nervosität.
Heute, zwanzig Jahre später, lachen wir noch immer über unser erstes Mal. Und wenn Tina vorschlägt, dass wir uns »ein wenig hinlegen und träumen« könnten, bin ich gerne einverstanden. Auch ohne schweißnasse Stirn und Magengrummeln.
Wie gesagt, Tinas Empfindungen an jenem Tag gibt es im Buch, schwarz auf weiß.
- Das Buch gibt es direkt beim Verlag mit Versandkosten recht schnell: Liebe und Alltag bei BoD
- Oder etwas langsamer, aber dafür ohne Versandkosten beim Händler, der zum kundenfreundlichsten Unternehmen werden will: Liebe und Alltag bei Amazon
- Oder ganz altmodisch im Buchladen um die Ecke, falls es noch Buchhandlungen um die Ecke der geschätzten Blogbesucher geben sollte, man bestellt dort mit der ISBN 978-3-8370-8186-2
Dienstag, 21. Juli 2009
Die »Neue-Rasse-Verschwörung«
Doch da sind ja noch weitere Verschwörungen, ganz aktuelle. Zum Beispiel hat sich offenbar alles verschworen, damit Haso keinen rechtsfreien Raum findet.
Dafür kann ich nun nichts, aber ich wurde als Mitglied einer anderen Verschwörung entlarvt. Ein Freund machte mich kürzlich per E-Mail darauf aufmerksam, dass ein aufklärender Internetling meinen Namen (neben allerlei anderen) in seiner Aufzählung der »geistlichen Elite« verewigt hat, die offenbar eine »Neue-Rasse-Verschwörung« anzuzetteln sich erdreistet:
Dass ich einer »neuen Rasse« angehöre war mir genauso neu wie die Feststellung, ich sei eine »neue Art von Priester«. Ich mag den Song »Into the mystic« von Van Morrison, aber macht mich das zum »New Mystic«? Allerdings sei dem Schreiberling zugestanden, dass ich »in der ganzen Welt anzutreffen« bin, da wir gelegentlich auch einen Auslandsurlaub nicht verschmähen.
Nun ist die (hier mit Bedacht nicht verlinkte) Internetseite so potthässlich gestaltet und so wüst mit Frontpage 5 (verrät der Quelltext, ätsch!) zusammengeklickt, mit einem solch augenfeindlichen Wirrwarr aus Schriftarten, -größen und Farben überflutet, noch dazu mit blinkenden und animierten kleinen Gif-Sünden durchsetzt, dass kaum jemand auf die Idee kommen wird, die Beiträge dort zu lesen. Die schweinegrippeähnlich wuchernden Frage- und Ausrufezeichen und der eigenwillige Umgang mit der deutschen Sprache werden auch diejenigen abschrecken, die es womöglich versuchen.
Also kann ich recht sicher sein, dass meine Verschwörung mit den Herren und Damen Strader, Cain, Jones, King, Bickle, Johnsson, Joyner, Arnott, Frohms und »vielen anderen« zwielichtigen Gestalten unentdeckt bleibt, bis wir dann die Weltherrschaft übernehmen. Oder was immer uns auch vorschwebt.
Als Untertan des Sonnenkönigs Wowi fällt mir dazu ein: Und das ist auch gut so...
Montag, 20. Juli 2009
R.I.P. Frank McCourt
»Angela's Ashes« und »'Tis« sind zwei so hervorragende Bücher, dass ich gehofft hatte, von Frank McCourt noch weitere Lektüre zu genießen. »Teacher Man«, sein dritter Roman, steht noch auf meiner Liste der zu lesenden Bücher.Frank McCourt, der erst mit 65 Jahren den ersten Roman veröffentlicht hat, kam nicht mehr dazu, ein viertes Buch zu verfassen. Der 78-Jährige war an Hautkrebs erkrankt. Zudem hatte er eine Hirnhautentzündung bekommen. Am Sonntagabend ist McCourt in einem New Yorker Hospiz gestorben.
Seine Literatur bleibt lebendig.
Sonntag, 19. Juli 2009
Ausnahmezustand
Das war mal ein Schreibtisch, beziehungsweise es kann wieder einer werden, wenn er zusammengebaut wird. Die Teile hat gerade ein Freund abgeholt, der sich über die Glas-Stahl-Eckkonstruktion sehr freut. Etliche Regale hat er auch gleich mitgenommen. An diesem Schreibtisch sind viele Texte entstanden, die meine verehrten Blogleser kennen.
An diesen dünnen Kabeln hängen nicht nur Telefon, Fax, Netzwerk und DSL, sondern auch in gewisser Weise MatMil und vieles mehr. Einer der Drähte war beim Abbauen der Möbel rausgerutscht. Es dauerte eine Weile herauszufinden, wo er hingehörte. Hätte ich es nicht herausgefunden, gäbe es jetzt diesen Blogbeitrag nicht.
Und so sieht eine Teilansicht unseres gemütlichen Wohnzimmers nun aus, während nächste Woche die Handwerker fleißig sind. Richtig wohnlich, oder? Im Flur stehen noch weitere Kartons herum. Einige Kisten mit Büchern haben wir zum Verschenken aussortiert, damit dann Platz für Nachschub ist.
Immerhin: Die Technik funktioniert, solange nicht einer der Handwerker ein Kabel beschädigt oder aus der fragilen Konstruktion zieht. Der Ausnahmezustand dürfte, so Gott will, die Handwerker fleißig sind und wir leben, dann am nächsten Wochenende zu Ende gehen.
Samstag, 18. Juli 2009
Steve Turner: Imagine
Die Aussagen von U2 über den persönlichen Glauben hätten wahrscheinlich weniger Wirkung gehabt, wenn sie diesen Glauben nicht konsequent vorgelebt hätten. Ich bin überzeugt, dass ein großer Teil des Respektes für sie daher kommt, dass man sie für Menschen hält, die zu ihrem Wort stehen. Das Evangelium macht für die Menschen mehr Sinn, wenn sie es gelebt sehen, statt es nur zu hören. -Steve TurnerDer Verfasser dieses Buches ist Journalist, Musikkritiker und Autor. Er lebt in London und schreibt regelmäßig für Zeitungen und Magazine. Er hat verschiedene Bücher über Musiker wie die Beatles, Cliff Richard, Eric Clapton, U2 und andere, sowie mehrere Gedichtbände veröffentlicht. Aus seiner Feder stammt auch die offizielle Biografie »The Man called Cash« über Johnny Cash.
Im vorliegenden Buch geht es auch um Musik und Musiker, aber »Imagine« ist weit mehr als ein Portrait von Künstlern. Steve Turner öffnet den Blick für eine weite und visionäre Perspektive, wie Christen heute Kunst schaffen können, die authentisch ist und etwas bewirkt, weil sie von der säkularisierten Gesellschaft nicht ignoriert wird.
Es hat sich eine ungesunde Spaltung in »christliche« und »weltliche« Kunst entwickelt, das betrifft nicht nur die Musik, sondern genauso die Literatur, Malerei, Theater, Film und Bildhauerei. Axel Nehlsen, Pfarrer in Berlin, sagte 2004: »Als Verantwortliche in Kirche und Gemeinde sind wir oft erschrocken über die kulturelle Irrelevanz der Christen. Wir entdecken mehr Rückzug in den frommen Bereich statt kompetente Einmischung in die Gesellschaft.«
Woher diese Spaltung kommt, die im Versagen vieler sicher sehr begabter Christen gipfelt, ihre Mitmenschen überhaupt zu erreichen, untersucht Steve Turner. Er ist schon früh in seinem Leben auf das ausschlaggebende Denken gestoßen:
Als ich einmal erzählte, dass ich Autor werden wollte, sagte ein älterer Christ zu mir: »Das wäre sehr schön. Es gibt ein paar gute christliche Zeitschriften.« Seine Überzeugung war, dass ein Christ für Christen über das Christentum schreibt, dass ich vielleicht für eine überregionale Zeitung oder ein Magazin über allgemeine Theman schreiben wollte, kam gar nicht in Betracht.Gut, dass Steve Turner seinen Weg als Autor gefunden hat, der mit seinen Werken nicht nur ein Nischenpublikum erreicht. Er begann als Journalist und interviewte die seinerzeit berühmtesten Musiker, darunter Elton John, Frank Zappa, Lou Reed, Eric Clapton, Pink Floyd, The Who, Rolling Stones ... um nur einige zu nennen. Im Buch »Imagine« schildert er unter anderem ein ausführliches Gespräch mit John Lennon zu der Zeit, als das Album »Imagine« gerade erschienen war. Lennon hatte einen Brief bekommen, in dem es hieß: »Du brauchst Jesus, John!« Steve Turner sprach lange mit ihm über Jesus, Gott, Jesus-People und mehr. John Lennon hatte durchaus einiges dazu zu sagen.
Steve Turner untersucht in diesem Buch Zusammenhänge von Kirche und Kunst, auch biblische Befunde, schildert die Einflüsse der Reformation und stellt dann anhand der Paulus-Briefe die Frage, was denn eigentlich »die Welt« sein soll.
Die Bibel warnt tatsächlich vor »der Welt« und »Weltlichkeit«. Wenn wir Gott treu sein wollen, müssen wir herausfinden, was damit gemeint ist. ... »Habt nicht lieb die Welt...« bedeutet weder »kümmert euch nicht um den Planeten« noch »schließt euch aus der Gesellschaft aus«. Es bedeutet: »Eignet euch kein anti-göttliches Denken an.«Der Autor widmet sich auch dem Dilemma, in dem viele Christen, die künstlerisch tätig sind, sich wiederfinden.
Man fordert christliche Künstler dazu auf, die alltäglichen Dinge des Lebens zu ignorieren, weil sie keine Gelegenheit zum Zeugnis des Glaubens bieten. Die Erwähnung von Seife oder Football führt nicht natürlicherweise nach Golgatha. Also bleibt ihnen nur das offensichtlich Geistliche, und das macht sie in den Augen von Nichtchristen zu einseitigen Menschen. Es scheint, als hätten sie keinen Alltag, als würden sie nicht in der normalen Welt mit Telefonen, Autos, Fernsehen und so weiter leben.Steve Turner schildert »missbrauchte und erlöste Kreativität«, untersucht die Bibel auf künstlerische Bestandteile und führt seine Gedanken über den kreativen Geist Gottes, die Zeit in der wir leben und gesellschaftliche Veränderungen schließlich zu der Frage: Ist es möglich, dass Christen eher zum Künstler berufen sind als zum Prediger? Und wenn ja, wie kann das authentisch gelebt werden?
Am Beispiel der Band U2, in der drei der vier Mitglieder Gläubige sind, zeigt er dann exemplarisch, wie das gelingen kann.
Obwohl jeder Fehler, den die Band in den letzten zwanzig Jahren gemacht hat, öffentlich bekannt wurde, hat U2 sachkundig ein Gesamtwerk geschaffen, das sich aus den besten Traditionen der modernen Musik speist und dem sie etwas Einmaliges hinzufügt. Ihre Musik trägt eine Vision in sich, die eindeutig in der Bibel verwurzelt ist. Mehr als jede andere Band haben sie Gott, Jesus, die Bibel und eine christliche Weltanschauung auf die Tagesordnung gezwungen.Doch Steve Turner beschränkt sich nicht auf die Musik oder U2 in diesem Buch. »Imagine« stellt Künstler aus allen Bereichen des kreativen Schaffens vor, mit ihren Stärken und ihren Schwächen, ihren Erfolgen und ihren Niederlagen. Das Buch inspiriert, macht Mut und öffnet Wege aus der frommen Sackgasse. Und das ist auch gut so.
Mein Fazit: Sowohl für Kunstschaffende als auch für Kunstinteressierte eine Fundgrube voller einmaliger Inspirationen und Impulse. »Das Evangelium macht für die Menschen mehr Sinn, wenn sie es gelebt sehen, statt es nur zu hören.« Dieses Buch zeigt, wie das gelingen kann.
Steve Turner: Imagine
Taschenbuch, 144 Seiten
Euro 9,80
ISBN 3-935992-17-3
Erhältlich bei: Down to Earth, Berlin
Freitag, 17. Juli 2009
Amazon ist gut drauf!
Kürzlich hatte ich mich hier (und selbstverständlich bei Amazon direkt) bitter beklagt: Amazon ist mies drauf...Eben bekam ich eine Mail von Amazon:
Guten Tag,Na also, nun habe ich Windows 7 bestellt und bin mit Amazon versöhnt. Scheint also doch das kundenfreundlichste Unternehmen sein zu wollen.
wir haben Neuigkeiten für Sie in Bezug auf die limitierte Version von 'Windows 7 Home Premium' zum Angebotspreis von EUR 49,97.
Sie zählten zu den Kunden, die während des Bestellvorgangs am vergangenen Montag mit technischen Problemen zu kämpfen hatten und ihre Bestellung nicht zu Ende führen konnten. Dies ist auch für uns ein sehr ärgerlicher Vorfall. Wir freuen uns deshalb, Ihnen mit dieser Mail einen Gutscheincode überreichen zu können, mit dem Sie auch jetzt noch eine "Windows 7 Home Premium" Version zum Aktionspreis von EUR 49,97 vorbestellen können.
Wir bitten Sie nochmals um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten, denn selbstverständlich wollen wir für unsere Kunden auch bei sehr hohem Bestellaufkommen jederzeit einen reibungslosen Bestellablauf gewährleisten. Wir hoffen daher, Ihnen mit diesem Gutschein nun eine Freude zu machen.
Dankeschön, lieber Kundenservice! Mein Einkaufswagen wird zukünftig nicht mehr leer bleiben...
Schönes Wochenende schon mal!

Noch dazu muss vor Montag früh das Arbeitszimmer komplett leergeräumt sein, weil dann die Handwerker in Sachen Renovierung und Möbeleinbau kommen. Leerräumen heißt in diesem Fall etwa 1.200 Bücher aus den Regalen nehmen, in Kartons packen oder an der Wohnzimmerwand hoch stapeln, dazu jede Menge Aktenordner und was sich sonst so im Lauf der Jahre ansammelt, vom Tonervorrat bis zum Glas mit Büroklammern. Ganz zu schweigen von all der Technik und Verkabelung: 2 PCs, Netzwerkswitch, 2 Drucker, diverse externe Festplatten...
Und dann hinterher alles wieder zurück ins neue Arbeitszimmer. Na ja. Man gönnt sich ja sonst nichts...
P.S.: Morgen gibt es an dieser Stelle eine Rezension über ein Buch, das in gewisser Weise zum Auftritt von U2 in Berlin passt. Ich hätte kostenlos ins Konzert gekonnt, aber die Arbeit lässt es leider nicht zu...
Donnerstag, 16. Juli 2009
Amazon ist mies drauf...
Wenn ich beim Kaufland, Obi, Penny oder sonstwo meinen Einkaufswagen fülle und zur Kasse schiebe, und dort nimmt man mir Waren wieder weg, die bereits drin liegen - wäre das Diebstahl? Kaum, da ich ja noch nichts bezahlt habe. Aber es wäre unverschämt und geschäftsschädigend, oder etwa nicht? Und wenn mir dann der Ladeninhaber die gleiche Ware zum verdoppelten Preis zurück in den Wagen legt - was ist das dann?Nun gehöre ich zu den Tausenden, die gestern früh gegen 9:00 Uhr Windows 7 zum Sonderpreis bei Amazon kaufen wollten. Es gelang mir um 9:02 Uhr auch tatsächlich, den Artikel in den Einkaufswagen zu legen und »zur Kasse« zu gehen. Beim letzten Klick, der den Bestellvorgang abschließt, erschien dann eine 404-Fehler Seite. Nach mehrmaligem hin- und zurückklicken war um 9:04 dann plötzlich Windows 7 weg. Aus meinem Warenkorb geklaut. Und siehe da- runde 10 Minuten später lag die Software wieder in meinem Einkaufskorb - zum mehr als doppelt so hohen Preis. 119 Euro statt 49 Euro.
Ich sehe es ein, dass bei begrenztem Vorrat ein Artikel ausverkauft sein kann. Dann hat man eben Pech gehabt, falls man zu spät kommt. Aber ich kam nicht zu spät, der Artikel lag im Einkaufswagen und plötzlich verdoppelt sich der Preis - so etwas geht nun wirklich nicht bei seriösen Händlern. Ich schrieb also eine sehr sachliche und freundliche Mail an den Kundenservice. Zurück kam ein Standard-Schreiben mit Rechtschreibfehler (Kunden schreibt man groß), das vermutlich Tausende von Kunden bekommen haben:
Guten Tag,Ach ja? Das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt hätte zumindest bei denjenigen Kunden, die den Artikel im Warenkorb hatten, auf eigene Kosten die Differenz zum teureren Preis übernommen und den Kunden beliefert.
vielen Dank für Ihr Schreiben an Amazon.de.
Wir möchten Ihnen einen effizienten und zufrieden stellenden Service bieten. Bitte entschuldigen Sie, dass wir in diesem Fall Ihre Erwartungen nicht erfüllen konnten.
Wir bedaueren sehr, dass Sie nicht in den Genuss der Vorbestell-Aktion "Windows 7 Home Premium für 49,97 EUR" gekommen sind. Aufgrund der sehr hohen Nachfrage war die vorbestellbare Menge zum Aktionspreis sehr schnell ausverkauft. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Wie ich sehe, ist der gewünschte Titel "Windows 7 Home Premium" nun auf unserer Website zum Preis EUR 119,97 gelistet. Wenn Sie weiterhin an dem Artikel interessiert sind, bitten wir Sie, diese über unsere Website zu bestellen.
Sicherlich haben Sie Verständnis dafür, dass aufgrund der Menge an kunden, die gleichzeitig versucht haben den Artikel zu bestellen, kam es teilweise zu Fehlermeldungen. Für diesen unglücklichen Vorfall entschuldige ich mich aufrichtig und bitte um Ihr Verständnis.
Wir hoffen dennoch Sie weiterhin durch unser reichhaltiges Angebot überzeugen zu können.
Es ist uns bewußt, dass diese Lösung nicht zufriedenstellend ist, aber möglicherweise konnten wir Ihnen einen kleinen Einblick in die Hintergründe geben.
Freundliche Grüße
Piyush Chandra Jha
Unser Ziel: das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu sein
Ich schrieb zurück:
Ein Standard-Erklärungs- und Entschuldigungsbrief ist keine Hilfe.Es geht mir nicht um die 50 oder 60 Euro, sondern um die Unverschämtheit, mit der Amazon die Grundregeln des geschäftlichen Miteinander ignoriert. Vermutlich ist der Handelsriese zu riesig geworden?
Sie schreiben: »Sicherlich haben Sie Verständnis dafür, dass aufgrund der Menge an kunden, die gleichzeitig versucht haben den Artikel zu bestellen, kam es teilweise zu Fehlermeldungen. Für diesen unglücklichen Vorfall entschuldige ich mich aufrichtig und bitte um Ihr Verständnis.«
Ich hatte den Artikel bereits im Einkaufswagen! Und dass er mir dort von Ihnen oder Ihrer mangelhaften Technik wieder heraus»gestohlen« wurde, das ärgert mich. So etwas ist unseriös und unfair, da können Sie sich nicht mit einem begrenzten Kontingent herausreden.
Wenn ich (als Dienstleister) einem Kunden eine Leistung zusage die ich nicht schaffen kann, er sie bestellt und ich dann nach dem April-April-Verfahren reagiere, dann bin ich meine Kunden bald los. Aber Amazon darf so etwas?
Vom Buch über DVD und Musik bis zum Laserdrucker, Bürobedarf und vieles mehr bin ich seit vielen Jahren zufriedener Amazon-Kunde gewesen ...
Mein Einkaufswagen bei Amazon ist zur Zeit leer. Bücher, CDs, DVDs, Elektronik und Zubehör - so was gibt es doch auch andernorts?
P.S.: Update 17. Juli: Amazon ist gut drauf!
Mittwoch, 15. Juli 2009
Hartgekochte Eier
Gestern Eiswasser, heute hartgekochte Eier. Mich deucht, ich bin etwas restaurantlastig. Aber diese Geschichte wollte ich schon seit 1997 erzählen, ich bin bloß bisher nie dazu gekommen. Jetzt endlich, nachdem die lange Übersetzungsarbeit erledigt ist, berichte ich von jenem Mittag irgendwo, weißnichtmehrwo:Es ist Mittag, ich bin in einer fremden Stadt, kenne mich nicht aus und kehre deshalb ein. Ich weiß zwar nicht, worauf ich Appetit habe, aber vielleicht weiß ich es doch, bin mir nur nicht ganz sicher. Die Kellnerin kommt mir entgegen, außer uns beiden ist niemand im Lokal. Ob heute ein Feiertag ist? Warum geht denn hier zu mittäglicher Stunde kein Mensch essen? Die Kellnerin betrachtet mich sehr genau, als ich mich hinsetze. Ein hübsches Gesicht hat sie, und sehr lange, schimmernde, hellhäutige Beine. Bei all dem dunklen Holz, das Wände verkleidet und aus dem die Möbel bestehen, schimmern sie um so heller. Wie mag sie heißen? Sie trägt kein Namensschild, wie man es sonst gelegentlich sieht.
Ich bitte sie: »Sagen Sie mir, was ich möchte.«
Sie meint: »Vermutlich wollen Sie hartgekochte Eier.«
Ein guter Vorschlag, bestätigt mein Magen. Oder ist es mein Gehirn? Egal. Jedenfalls stimme ich zu: »Prima Idee, richtig! Bringen Sie mir welche.«
Etwas huscht über ihr Gesicht, ein Lächeln wie ein vergänglicher Hauch Parfüm, wenn man auf der Straße an jemandem vorüber geht. Sie lächelt ganz kurz und sehr schüchtern: »Wir haben aber keine, Sie sind zur falschen Zeit gekommen.«
Dann ist das Lächeln wieder verflogen und sie fügt hinzu: »Ich weiß, dass Sie ein Künstler sind. Machen Sie eine Zeichnung von mir?«
Nun gut. Einstweilen kein Essen für mich. Vielleicht habe ich ja auch gar keinen Hunger. Da ich von Natur aus ein höflicher Mensch bin, sage ich freundlich: »Wenn ich könnte, würde ich das gerne tun. Aber ich zeichne nicht aus dem Gedächtnis.«
Etwas irritiert gibt sie zurück: »Aber ich stehe doch hier vor Ihnen! Haben Sie keine Augen im Kopf?«
»Das stimmt schon, aber ich habe meinen Zeichenblock nicht zur Hand.«
Da ist er wieder, der Hauch eines Lächelns. Wie kostbar ein solcher Moment ist, in einer fremden Stadt, eingekehrt in ein fremdes Gasthaus, die Freundlichkeit einer Fremden. »Ach so. Dann nehmen sie die hier«, sagt sie, und reicht mir eine Papierserviette, »darauf können Sie mich zeichnen.«
Ob ich dieses Lächeln noch einmal hervorzaubern kann? »Das würde ich tun, wenn ich könnte, aber ich weiß nicht, wo mein Bleistift geblieben ist.«
Sie zieht einen hinter dem Ohr hervor. Klingt sie etwas ungeduldig? »Nun aber los, zeichnen Sie mich. Ich bleibe ganz ruhig hier stehen.«
Ihr Mine bleibt ernst, fast konzentriert. Als müsste sie das Kunstwerk anfertigen. Ich male ein paar Striche auf die Serviette. Dann zeige ich ihr das Ergebnis.
Ein Lächeln? Nein. Im Gegenteil. Sie nimmt die Serviette und wirft sie zurück auf den Tisch. Die hübsche Stirn ist gerunzelt. »Das sieht überhaupt nicht aus wie ich!«
Ich sage: »Oh liebes Fräulein, ganz bestimmt sieht das aus wie Sie!«
»Sie machen wohl Witze?«
»Ich wünschte, das wäre so.«
Bin ich jetzt eigentlich unhöflich? Meines Charmes verlustig gegangen? Immerhin, rechtfertige ich mich vor mir selbst, hat sie mir nichts zum Essen gebracht und noch dazu eine Zeichnung verlangt. Seit wann bin ich denn Zeichner? Wenn ich überhaupt Kunst zustande bringen sollte, dann doch eher mit Worten ...
Unvermittelt fragt sie mich: »Sie lesen keine Literatur von weiblichen Autoren, oder?« Zumindest glaube ich, dass sie das gesagt hat. Falls ich mich nicht völlig verhört habe. Sie scheint gerne das Thema zu wechseln, ohne dass ich einen Anlass erkennen kann. Von den hartgekochten Eiern über das Zeichnen zum Bücherlesen.
»Hören Sie«, gebe ich zurück, »woher wollen Sie denn das wissen? Und überhaupt, welche Rolle könnte es spielen?«
»Sie machen nicht den Eindruck, das meine ich.«
Nun ja. Das kann ich nicht beeinflussen, welchen Eindruck ich auf sie mache. Aber immerhin kann ich den Irrtum aufklären. »Ganz falsch, völlig falsch!«, erkläre ich energisch.
Neugierig will sie wissen: »Und welche haben Sie gelesen?«
»Erica Jong.«
Sie geht einen Moment aus dem Raum in die Küche, ich schlüpfe vom Stuhl und trete wieder auf die belebte Straße hinaus. Doch niemand geht irgendwo hin.
P.S.: Kenner haben es längst erkannt: Diese kleine Geschichte wurde inspiriert von einer Passage im Song »Highlands«.
P.P.S.: Diese Erzählung ist auch in dem E-Book »Doch niemand geht irgendwo hin.« enthalten. Kostenlos für Kindle, Sony Reader und andere Geräte, auch als PDF. Hier klicken: Doch niemand geht irgendwo hin.
